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Tonictest 2.0 – die bitteren Tage gehen weiter 

img_1452Mittlerweile gibt es schon wieder so viele neue Tonics auf den Markt, dass ich mich gemüßigt gefühlt habe, diese auch zu probieren. Ich hatte damals schon beim großen Tonictest im letzten Sommer 10 verschiedene Toncis getestet. Hier findet Ihr den Beitrag dazu. Aber die Zahl der Tonic Water ist ja schon fast unüberschaubar. Im Netz habe ich irgendwo die Zahl von 350 verschiedenen Tonics gelesen. Da verliert man schnell den Überblick und es wird schon recht schwierig die richtige G&T Kombination zu finden. Daher will hier eine kleine Reihe starten und ab und zu neueTonics probieren. Dabei gehe ich ganz undogmatisch zu. Ich schaue welche ich gerade irgendwo gefunden habe und diese werden mit den gerade offenen Gins probiert.
Los geht es. Bei der ersten Runde mache ich eine kleine Europatour. Ich starte mit einem Tonic aus Italien, dann geht es nach Belgien und zum Schluss nach Spanien.

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Das Aquatonica von Plose aus Italien

Plose Aquatonica (Italien)

Starten möchte ich mit dem Plose Aquatonica. Ein Tonic aus Italien, genauer gesagt aus Brixen in Südtirol. Das Tonic kommt von dem Familienunternehmen Plose Quelle AG. Diese füllen schon seit den 50er Jahren Mineralwasser und in den letzten Jahren auch Limonaden ab. Für den deutschen ungewöhnliche Limonadengeschmäcker aus Italien kenn ich ja, aber Tonic hatte ich noch nicht im Glas. Bei der Flasche fällt zuerst ein recht ungewöhnliches Design auf. Die 25 cl Flasche mit Drehverschluss, hat man bei Tonic Water eher selten. Wenn man nicht genauer auf dem Etikett nachliest, vermutet man wirklich eher eine Limonade. Auf diesem fällt zuerst ein auf vintage getrimmter Gewichtheber auf, der einem Zirkusplakat aus den 20er entlehnt worden ist. Mit dem Hinweis corroborante-Stärkung soll wo eine Richtung angedeutet werden. Beim Öffnen merkt man schon ziemlich die Kohlensäure. Diese ist aber angenehm feinperlig. In der Nase eher blumig, süßlich – kommt eher wie eine Limonade daher. Und auch im Mund kommt eine ziemliche Süsse durch. Aber im Abgang kommt dann auch eine leichte Bitterkeit auf. Leider verfliegt die Kohlensäure sehr schnell.

img_3473Nun probieren wir das Tonic mit Gin. Da es recht süss daher kommt, dachte ich mir ich brauche einen eher klassischen wacholderbetonten Gin. Daher habe ich mich für den Brokers entschieden. Da leider die Kohlensäure schnell weg war und die Süsse stark im Vordergrund steht, hatte selbst so ein kräftiger Gin wenig Chancen. Da braucht es schon ein spanisches Mischverhältnis von 1:2 damit der Gin geschmacklich dagegen halten kann.

img_3475Ok dann werde ich mutiger und habe dem Tonic den recht kräftigen und intensiven BCN Gin entgegengesetzt. Der kam schon eher durch, aber die beiden sind nicht wirklich eine glückliche Gemeinschaft. Der Gin wirkt durch die Kombination irgendwie seifig. Eigentlich sollten zwei Gins genügen. Aber mein kleiner Gewichtheber aus Südtirol ist schon eine härtere Nuss. img_3477Ein letzter Versuch mit einem eher zitruslastigen Gin bringt vielleicht die Wende. Mit dem Rangpur von Tanqueray habe ich es dann noch mal versucht. Und hier habe ich mit das beste Ergebnis erzielt. Aber wirklich überzeugend war es auch nicht. Besonders störte mich die Süsse, die durch die schnell verflüchtende Kohlensäure extrem viele Geschmacksnoten überlagert.

Als Fazit kann ich sagen, dieses Tonic hat mich gar nicht überzeugt. Es gibt vielleicht den einen oder anderen Gin zu dem er passen könnte, aber meine Auswahl musste sich gegenüber dem Tonic geschlagen geben. Von meiner Seite keine Empfehlung.

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Das Tonic das nach dem Tonicerfinder benannt ist

Erasmus Bond Traditional Tonic (Belgien) 

Nach diesem Erlebnis musste ein klassisches Tonic her. Und wenn man sich schon nach dem Erfinder (oder besser Lizenznehmer) des ersten Tonics benennt, erwarte ich ein klassisches Tonic. Das Erasmus Bond wird in Belgien hergestellt. Der Londoner Erasmus Bond hat schon 1858 das erste Tonic patentieren lassen, noch vor der dem Hoflieferanten Schweppes von Herrn Schweppe.

Die Nase ist nicht aufdringlich, gute Zitrusnote aber alles recht zurückhaltend. Eine sehr gute Kohlensäuremenge, die auch nach dem Einschenken erhalten geblieben ist. Schöne Bitterkeit der Chinarinde mit einer leichten Süsse im Hintergrund. Ein klein wenig ist auch Lakritz wahrnehmbar, aber die Chinarinde ist mit ihrer Bitterkeit klar im Vordergrund. Trotzdem ist eine leichte Süsse im Hintergrund gut wahrnehmbar. Ein wirklich schönes klassisches Tonic, dass sich auch gut pur trinken lässt. Bin gespannt was meine Gins dazu sagen.

img_3491Als ersten Gin habe ich den Dodd´s Gin genommen, der schon ein wenig Ecken und Kanten mit seinem Honig und Lorbeer mitbringt. Zusammen mit dem Erasmus Bond ist es eine super Kombination. Der Gin ist noch gut mit seiner Note wahrnehmbar und der Tonic gibt dem ganzen seinen Rahmen. Ich habe ein 1:3 Mischverhältnis genommen. Wirklich eine schöne Kombination, die wirklich gut passte. Um das Tonic ein wenig auf Herz und Nieren zu prüfen, versuchte ich als nächstes einen wirklich herausfordernden Gin.

img_3492Den Bonner Flow Gin der mit seinem starken Rosenaroma ist definitiv nicht für jedes Tonic geeignet. Aber nach dem ersten Gin, fand ich das Bond Tonic so schön rund und dezent, dass ich es versuchen wollte. Auch hier setzt der Tonic dem Gin etwas entgegen, ohne ihn zu überlagern. Auch werden die Rosennoten beim puren Gin ein wenig abgeschwächt. Daher schafft er es auch bei herausfordernden Gins. Obwohl ich feststellte, wenn man ihn ein wenig stehenlässt, er eine leicht seifige Note entwickelt. Wer lässt aber schon seinen G&T stehen. Der Vergleich zwischen ersten und zweitem Tonic, also Italien und Belgien empfinde ich auf Grund der Geschichte schon als unfair, daher will ich sie auch gar nicht vergleichen. Das Erasmus Bond Classic Tonic macht seinem Namen alle Ehre und ist ein gutes, traditionelles Tonic, welches zu vielen Gins passt. Für mich ist es eine absolute Empfehlung. Erstaunlich ist nur, das es trotz des aktuellen Hypes nur selten hier in Deutschland zu kaufen ist. Ich persönlich habe es auch aus Holland mitgebracht.

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Ein ungewöhnliches Tonic mit Zuzu-Saft 

Qyuzu Premium Tonic Water (Spanien) 

Nach diesem klassischen Tonic soll jetzt ein wenig ungewöhnlicheres Tonic getestet werden. Nach Italien und Belgien soll es nun ein spanisches Tonic sein. Das Qyuzu Tonic das mit Yuzusirup versetzt ist. Laut Dose sollen 2,3 % Yuzusaft, der Saft einer japanischen Zitrusart, zugesetzt sein. Schon durch die Verpackung in der Dose fällt dieses Tonic auf. Ein wenig erinnert es an eine Kirin oder eine andere japanische Bierdose. Es sind auch 200 ml enthalten, obwohl die Dose kleiner wirkt. Aber wirklich nettes Design. Beim Einschenken fällt schon eine gewisse Trübung auf. Sieht fast aus wie ein Bitter Lemon. Die Nase ist geprägt von Zitrus und Fruchtaromen. Ich kenne Yuzu jetzt nicht, denke aber mal das es Yuzu ist, was hier in die Nase steigt. Beim Blindriechen wäre ich schwerlich auf Tonic gekommen. In der Nase erinnert es eher an einen zitrusartigen Fruchtsaft und ein wenig Aloe Vera vermag ich auch wahrzunehmen. Kohlensäure ist da, aber auch hier schnell wieder weg. Auf der Zunge erst recht fruchtig, ein wenig süss. Echt angenehm, wenn auch anfänglich wenig tonichaft. Im Abgang ist dann die Chinarinde spürbar und ein bitteres Mundgefühl bleibt übrig. Es ist schon mal eine spannende Mischung, aber eben halt kein klassisches Tonic. Man könnte es schon fast ein „New Western Style Tonic“ nennen, wenn man die Ginkategorie übertragen würde.

img_3495Jetzt wird es schwierig, was für einen Gin setzen wir dem entgegen. Ich versuche es mal mit dem Klassiker dem Bombay Sapphire. Erst mal an die Trübung im G&T gewöhnen. In der Nase nur noch Zitrone – wow hat schon fast was von Zitronensaft. Im Mund kommt der Gin nur gering durch, habe wieder die Saftassoziation. Schade das die Kohlensäure so schnell weg ist. Auch hier steht der Yuzusaft noch ziemlich im Vordergrund. Obwohl ich mag es. Komplett was anderes, nicht für jeden Tag aber wenn man mal was ungewöhnliches mag.

img_3497Jetzt versuche ich das Ganze noch mit einem spezielleren Gin, dem Martin Miller Westborne Strenght. Hier habe ich auch mal mit einer spanischen Mischung von 1:2 gearbeitet. Da das Tonic doch einen starken Eigengeschmack mitbringt. In der Nase bleibt das Aroma der Yuzu-Pflanze. Hier kommt jetzt auch noch der Martin Miller noch zur Geltung – auch das Gurkenaroma ist noch wahrnehmbar. Das harmoniert gut mit der Yuzuzitruslastigkeit. Daher empfehle ich bei diesem Tonic ein eher kräftigeren, wacholderbetonten Gin dazu zu nehmen. Vielleicht auch der spanischen Herkunft geschuldet, empfehle ich auch einen höheren Anteil an Gin. Ansonsten aber ein wirklich spannendes Tonic, mit dem man gut experimentieren kann.

Es ist spannend was sich so alles auf dem Tonicmarkt tut. Lest hier in Zukunft weitere Tonics-Test. Und versucht es zu Hause auch einfach mal aus, es macht wirklich Spaß. Speziell jetzt im Sommer bietet es sich an.

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The bitter Day – oder die große Tonic Water Versammlung

Der Testaufbau mit 10 Tonics

Der Testaufbau mit 10 Tonics

Als großer Gin Fan bin ich natürlich auch jemand der gern Gin und Tonic trinkt. Man muss sagen, diese beiden Getränke passen nun mal super zusammen. Und nachdem ich im letzten Jahr auch schon Tonic bzw. Tonicsirup hergestellt habe (den Text dazu findet Ihr hier), wurde es an der Zeit mal einen großen Tonicvergleich vorzunehmen. Durch die Teilnahme an einer Aktion der Siegfried Gin Macher kam ich zu der Gelegenheit dieses endlich mal vorzunehmen. Sie haben Leute gesucht, die gern ihre Lieblingskombination aus Siegfried und Tonic herausfinden möchten. Und die Teilnehmer haben insgesamt 10 Tonics zur Verfügung gestellt bekommen. Und wie predige ich hier schon länger, erst mal alles pur probieren und erst dann mischen. So konnten die Herzallerliebste und ich gleich zwei Tastings durchführen. Wobei ich sagen muss, 10 Tonics hintereinander ist schon eine ganz schön bittere Angelegenheit und man braucht viel Brot und Wasser zum neutralisieren. Des weiteren kommt man bei der ganzen Kohlensäure und das ein oder andere Bäuerchen nicht drumherum. Außerdem muss man auch berücksichtigen, das fast kein Mensch Tonic pur trinkt. Ich kenne zumindest niemanden. Aber um einzuschätzen, welche Art von Gin zu welchem Tonic passt, sollte man sich schon ein wenig mit den Geschmacksprofilen der unterschiedlichen Tonics auseinander setzen.

Die Deckel aller Testteilnehmer

Die Deckel aller Testteilnehmer

Wie schön war es noch in den 90er Jahren, da gab es bzgl. des Tonics kein Problem. Es gab quasi ein Tonic – das Schweppes – und man brauchte sich um die Auswahl keine Gedanken machen. Heute gibt es allein in Deutschland bestimmt über 30 verschiedene Sorten Tonic zu kaufen. Und mit dem Ginboom geht auch ein Tonicboom einher. Bei unseren Test haben wir versucht, die Tonics anhand von vier Kriterien zu begutachten. Wir mussten aber feststellen, das es teilweise sehr schwer war, die genauen Unterschiede zu beschreiben. Wir haben uns auf die Kriterien Bitterkeit, Süsse, die Stärke der Kohlensäure, besondere Aromen und den Abgang konzentriert. Die Reihenfolge haben wir ausgelost. Zur Auswahl standen diese 10 Tonic Water:

  • Thomas Henry Tonic Water
  • Thomas Henry Elderflower Tonic
  • Fever Tree Mediterranean
  • Goldberg Tonic Water
  • Fentiments Traditional Tonic Water
  • Doctor John William Polidori´s Dry Tonic Water
  • Aqua Monaco Tonic Water
  • Fever Tree Tonic Water
  • Schweppes Tonic Water Extra Dry
  • Aqua Monaco Extra Dry

Wie oben schon geschrieben, werden die meisten die Tonics nicht pur trinken, aber wir haben es versucht und unsere Eindrücke notiert. Der Versuch Aromen beim Tonic zu erriechen und da große Unterschiede festzustellen, erwies sich als sehr schwierig. Da ein Vergleich der puren Gin ohne entsprechende Gins nicht wirklich Sinn macht, habe ich auf eine Rangfolge bei der Bewertung verzichtet und werde die Erkenntnisse einfach nach Tasting-Reihenfolge wiedergeben. Da die Kosten für die einzelnen Tonics natürlich bei der Wahl auch eine Rolle spielen, habe ich zur besseren Einschätzung noch den Preis dahinter notiert. Den Preis habe ich von dem Onlineshop Ginladen, da er alle Tonics im Angebot hat. Natürlich bekommt man das eine oder andere Tonic im Internet oder stationären Handel auch zu günstigeren Preisen. Beginnen wir mit den Eindrücken zu den Tonics:

Das Thomas Henry Tonic Water für mich quasi der Standard bei Tonic Water, welches zu fast allen Gins passt. Es machte den Anfang unserer Bewertung. Erst in Vergleich mit den anderen Tonics und dem pur trinken erkennt man, wie extrem bitter es ist. Wenn ich an das Spicy Ginger denke, scheint es schon fast Firmenpolicy zu sein, immer ein wenig das Extreme zu suchen. Für mich ist es fast das Bitterste der gesamten Range. Kohlensäure ist schon gut vorhanden, nach dem Einschenken geht sie aber scnell verloren. Die Süsse hält sich eher in Grenzen. Insgesamt ein gutes Tonic, speziell für die Fans von ausgeprägter Bitterkeit. Hier braucht man schon Gins die dem ein wenig entgegensetzen können. Preis: 1,15 in der 0,2 l Flasche.

Thomas Henry Elderflower ist das süßeste Tonic in der Auswahl gewesen. Bei der Bitterkeit kann es mit dem normalen TH-Tonic mithalten, obwohl diese durch die Süsse der Holunderblüte gut abgemildert wird. In der Nase wirkt das Elderflower ziemlich künstlich. Und auch im Geschmack war es mir ein wenig speziell, wenn auch mit einem schönen Fruchtaroma. Beim Abgang bleibt fast nichts von der Süsse übrig und dagegen spürt man eine lange trockene Bitterkeit. Gefühlt war die Kohlensäure weniger präsent als bei dem normalen Tonic, was ich mir aber kaum vorstellen kann. In Kombination mit einem floralen New-Western Style Gin kommt diese Tonic bestimmt ganz gut. 1,15 in der 0,2 l Flasche.

Fever Tree Mediterranean war zum pur trinken für mich das angenehmste. Das Tonic ist schön harmonisch, hat aber eine spannende Kräuternote. Nach den Thomas Henry Tonics wirkte es fast gar nicht bitter und auch die Süsse wurde noch stärker betont. Aber dies ohne übertrieben süss zu sein. Die Kohlensäure ist präsent, aber gut eingebunden. Ein wirklich schönes Tonic – was sich auch optimal mit dem Siegfried Gin ergänzt. Preis: 1,99 € in der 0,2 l Flasche

Goldberg Tonic war für mich eine Überraschung. Ich hatte es schon mal getrunken, damals aber scheinbar mit dem falschen Gin. Ich hatte es al nicht besonders gut in Erinnerung. Beim pur trinken entpuppte es sich als grundsolides, gutes Tonic. In der Bitterkeit so zwischen T. Henry und Fever Tree mit einer dezenten Süsse. Die Kohlensäure ist hier stark ausgeprägt und bleibt auch sehr lange im Glas. Auch ein sehr gutes Allround Tonic zu einem günstigen Preis. Preis: 0,85 € für 0,2 l Flasche

Fentiments Tonic war für uns beide eine Herausforderung. Dieses Tonic macht es einen nicht leicht. Schon die Nase kann man nicht unbbedingt als wohltuend bezeichnen. Ein eher unangenehmer Geruch der ins Kohlartige und Kräuterige ging. Auch die Zitrusnote erinnerte einen weniger an Früchte als an Reiniger. Bei der Bitterkeit konnte es fast mit dem Thomas Henry mithalten, weist dazu aber noch eine extreme Trockenheit auf. Die Kohlensäure ist erst da und sofort weg. Aber der Geschmack und die Trockenheit wirken sehr lange nach. Man hat das Gefühl, dass man das Tonic noch lange im Mund „weiterkauen“ kann. Für mich definitiv nicht lecker und auch auf Anhieb fällt mir kein Gin ein, der direkt passen würde. Der Gin muss schon ein starkes Profil haben, um gegen das Tonic anzukommen. Es gibt bestimmt einige Liebhaber dieses Tonics, dafür ist es schon zu lange am Markt. Für mich aber, speziell pur genossen ist es zu schwierig. Preis: 1,59 in der 0,125 l Flasche

Das Dr. Polidoris Tonic kannte ich vorher noch gar nicht. War in meiner Geschmackswahrnehmung irgendwie im Mittelfeld. Nicht zu bitter, aber auch nicht zu süss. Ein dezente Kräuternote, die sich aber nur leicht im Hintergrund aufhält. Kohlensäure ist eher weniger vorhanden, bleibt aber dafür sehr lange im Glas. Der Abgang ist leicht bitter und trocken. Insgesamt ein gutes Durchschnitts-Tonic. Preis 1,99 € in der 0,2 l Flasche.

Das Aqua Monaco Tonic ist für mich das Zitrustonic des Abends. In der Nase war eine starke Zitrusnote wahrnehmbar, die dann auch im Geschmack klar vertreten war. Das Monaco ist eher ein süsseres Tonic, mit einer geringer ausgeprägten Bitterkeit. Die Kohlensäure war ein wenig stärker vorhanden. Beim Abgang ging der Zitrus dann leider ein wenig ins säuerliche. Mit diesem Tonic kann man schön mit zitrusbetonten Gins experimentieren, man muss nur aufpassen, dass nachher nicht alles nach Zitrone schmeckt. Preis: 1,84 € in der 0,23 l Flasche.

Beim normalen Fever Tree Tonic bin ich ein wenig voreingenommen. Da ich mit diesem schon einige Gin Tonics getrunken habe und es quasi eines meiner Lieblingstonics darstellt, ist es schwierig etwas Negatives über das Tonic zu schreiben. Ich finde es ausgesprochen rund und harmonisch. Wenn ich ein Tonic pur trinken sollte, wäre es, glaube ich zumindest dieses Tonic. Die Kohlensäure ist präsent, aber gut eingebunden. Die Bitterkeit ist gut spürbar, aber nicht übertrieben. Einzig das es mir fast schon zu süss ist, kann man als kleinen Negativpunkt anführen. Für mich einfach ein gelungenes Tonic. Preis: 1,99 € in der 0,2 l Flasche.

Vom Schweppes Extra Dry hatte ich mich sehr viel versprochen. So liest man des öffteren im Netz, das Schweppes mit dem Extra Dry ein richtig gutes Tonic entwickelt hat. Auch wäre es mit dem normalen nicht vergleichbar. Vielleicht waren meine Erwartung auch einfach zu hoch. Die Bitterkeit empfand ich recht als recht gering, die Süsse dagegen schon wieder als zu stark. Die Kohlensäure war extrem und blieb auch im Glas. Vom Aroma hatte ich künstliche Zitrusnoten in der Nase. Leider zogen sich diese auch durch den Geschmack weiter – um es auf den Punkt zu bringen – es schmeckte wie bittere Zitronenlimonade. Ich hatte leider kein Schweppes Indian Tonic um einen direkten Vergleich vorzunehmen. Muss ich aber bei Gelegenheit mal angehen. Auch hier fällt es mir schwer eine Gin-Empfehlung abzugeben. Zusammenfassend: ich habe es probiert – für mich leider nichts. Preis: 0,89 € in der 0,2 l Flasche.

Und auch das Aqua Monaco Extra Dry wird nicht mein Favorit. Hier ist der Name Extra Programm. Extra Bitter, extra wenig süss und extra wenig Kohlensäure. Das Zitronenaroma des normalen Tonics ist nur noch gering spürbar. Die Bitterkeit ist schon fast unangenehm. Im Geschmack ist es irgendwie wässrig und man hat eine leichte Metallnote. Im Abgang hat man eine extreme Trockenheit gepaart mit ordentlicher Bitterkeit. Nein auch das wird nicht mein Tonic und die Überlegung zu welchem Gin es passen soll, finde ich auch sehr schwierig. Preis: 1,84 € in der 0,23 l Flasche.

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Das waren nun meine Erkenntnisse bei den 10 Tonics. Das spannende an so einem Test ist zu sehen, was für riesige Geschmacksunterschiede bei den Tonics bestehen. Teilweise ist der Geschmack komplett unterschiedlich, aber manchmal betrifft es auch nur Abstufungen beim Anteil der Kohlensäure oder der Bitterkeit oder der Süße. Da ich ein Tonic in den seltensten Fällen pur trinken werde, erübrigt sich eine Platzierung oder Reihenfolge aufzustellen. Außerdem wird es für jedes Tonic auch den optimalen Gin geben. Bei dem einen Tonic wird die Suche einfacher, bei den anderen schwieriger. Aber ein solcher Tonictest hilft doch schon mal einzuschätzen, in welche Richtung man bei dem Gin gehen sollte. Für einen Gin, nämlich den Siegfried Rheinland Gin habe ich es für diese 10 Tonics ausprobiert. Die Ergebnisse und Erfahrungen dieser Verköstigung könnt Ihr hier finden. Ansonsten kann ich Euch nur empfehlen, so einen Test auch mal zu Hause auszuprobieren. Wenn es auch extrem bitter mit der Zeit wird, aber es macht unheimlich viel Spaß.

 

 

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Der Versuch Tonic Water selbst herzustellen ist gelungen

DrinkLabor_Zutaten_TonicHerstellungHeute möchte ich mich mit einem der beiden Bestandteile eines meiner Lieblingsdrinks – dem Gin Tonic – beschäftigen. Wie der Name schon sagt sind die beiden Zutaten Gin und Tonic. Und heute soll es um das Tonic bzw. Tonic Water gehen.
Ganz einfach könnte man sagen das Tonic ein leicht bitter schmeckendes kohlensäurehaltiges Zuckerwasser  ist. Die Bitterkeit wird vor allem durch das in Tonic enthaltene Chinin hervorgerufen. Dieses Chinin ist in der freien Natur vor allem in Chinarinde vorzufinden. Die wie der Name schon sagt aus der Rinde des Chinaridenbäume gewonnen. Dabei hat China nichts mit dem gleichnamigen Land zu tun, sondern kommt aus einer Indianersprache und bedeutet soviel wie Rinde-der-Rinden.
Und das in der Rinde enthaltene Chinin hat auch etwas mit der Entstehungsgeschichte des Tonic zu tun. So wurde es gegen Fieber und Malaria eingesetzt. Und so wurde Tonic häufig als Schutzmittel von den europäischen Kolonialisten getrunken. Die Legende behauptet, dass sie dann noch Gin rein geschüttet haben, damit die Bitterkeit ein wenig erträglicher wurde. Wer das Tonic erfunden hat ist nicht genau bekannt. Jedoch lies sich 1858 der Londoner Erasmus Bond erstmals ein Tonic Water patentieren.
Durch den Gin-Hype der letzten Jahre hat auch das Angebot an Tonics erheblich zu genommen. So erhält man schon häufig sogar in gut sortierten Supermärkten nicht nur den Klassiker Schweppes, sondern auch schon mal Thomas Henry, FeverTree u. a. Jedes Tonic hat seinen eigenen Geschmack und passt mehr oder weniger gut zu verschiedenen Gins. So finde ich z.B. die Kombi Hendriks und Thomas Henry sehr gelungen. Aber nachdem ich nun schon Gin selber destilliert habe, wollte ich auch versuchen den Counterpart Tonic mal selbst herstellen. Mit einiger Unterstützung von Mr. Google habe ich einige Rezepte gefunden und habe mich fröhlich ans Werk gemacht.
Erste Herausforderung die Chinarinde. Aber dank Onlineshops war das auch kein Problem. Ich habe gemahlene Chinarinde bestellt. Die lässt sich super leicht verarbeiten, führt aber zu einer ziemlichen Verfärbung des Tonicsirups. Wer also einen hellen Tonic haben möchte, am besten auf die geschnittene Chinarinde zurückgreifen. Daneben braucht man noch Zitronengras. Zitronensäure, Limettenschalen und -Saft, sowie natürlich Zucker. Um es noch ein weniger würziger zu machen zusätzlich noch ein paar Piementkörner dazugeben.
Beim Herstellen gibt es zwei verschiedene Vorgehensweisen. Man verkocht erst alle Zutaten und stellt den Sirup mit Zugabe von Zucker erst am Ende her. Oder wie ich, der am Anfang den Zuckersirup hergestellt hat. Also Wasser erhitzen, Zucker dazu geben bis sich dieser aufgelöst hat. Dann das klein geschnittenen Zitronengras dazu geben und für ca. 5 Minuten leicht köcheln lassen. Immer ab und zu umrühren. Dann die Chinarinde dazugeben und für weitere 5 Minuten köcheln. Ehe man die restlichen Zutaten, bis auf die Zitronensäure dazu gibt. Dann das ganze unter gelegentlichen Rühren für 15-20 Minuten weiter kochen. Und zum Schluss die Zitronensäure dazu geben.
Flaschen und Gläser habe ich vorab im Dampfgarer bei 100 Grad sterilisiert. Zum Abfüllen habe ich das ganze über ein Spitzsieb mit Kaffeefilter abgegossen. Dann das ganze nach dem Abkühlen am besten im Kühlschrank lagern. Habe versucht kleinere Gläser und Flaschen zu befüllen, so dass es nach dem Öffnen nicht zu lange offen steht.
So und dann muss natürlich das Tonic auch noch seiner Bestimmung zugeführt und in einem Gin Tonic verarbeitet werden. Ich bin jemand der seinen Gin nicht vom Tonic erschlagen möchte. Daher ein wenig mehr Gin. Bei mir gab es folgende Mischung 5 cl Gin (Bulldog London Dry) 10 ml Tonic Sirup und 80 ml Sodawasser plus Eiswürfel. Ein netter Sommerabend ist gerettet.
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Hier noch mal die Zutaten aufgelistet:
  • 1 Liter Wasser
  • 600 g Zucker
  • 100 g Zitronengras
  • 15 Gramm Chinarinde
  • 3 Limetten, die Schale
  • 2 Limetten, der Saft
  • 4 g Piement Körner
  • 1 g Salz
  • 10 Gramm Zitronensäure

Das Rezept ist von mir ein wenig abgewandelt und basiert u. a. auf Küchenlatein und Jim Meehan, Pegu Club NY. Nach dem ersten Probieren würde ich eventuell den Zucker noch ein wenig absenken – denke mal 500 g reicht auch. Auch könnte die Bitterkeit der Chinarinde noch ein wenig dominanter sein. Daher beim nächsten Mal 20 g Chinarinde verwenden. Viel Spaß beim Ausprobieren und Trinken.

© DrinkLabor

 

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