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Gepflegtes Trinken in Unterfranken

Drinklabor_Franken_1Diesmal möchte ich von unserer Karnevalsfluchttour nach Franken berichten. Obwohl wir Karnevalsfreunde sind, haben wir seit einigen Jahren nicht mehr die richtige Lust, ihn ausgiebig zu feiern. Daher nutzen wir die Karvevalstage gern für ein verlängertes Wochenende. Diesmal haben wir uns mit Freunden in Würzburg getroffen und danach noch zwei Tage in Rothenburg verbracht. Ich war schon sehr gespannt. Ich war zwar in den frühen 90er Jahren kurz hier, aber eigentlich war es das erste mal, dass wir beide hier länger blieben. Das Frankenland war bisher sowohl architektonisch, als auch Sehenswürdigkeiten betreffend und auch kulinarisch immer ein gutes Ziel. Trotzdem hatte ich keine konkrete Vorstellung, was uns erwarten würde. Komischerweise verbinde ich mit Franken immer Bier. Das muss an der enormen Brauereidichte und dem guten Bier liegen. So gibt es allein in Franken über 270 aktive Brauereien. Das Erste was ich in Würzburg – Unterfranken – gelernt habe, hier ist man im Weinfrankenland. Da ich auch ein grosser Weinfan bin und ich natürlich gern die lokalen Spezialitäten probiere, war das für mich kein Problem. Was mich überrascht hat, war das fast mediterrane Flair, das Würzburg und seine Bewohner ausgestrahlt haben. So hatten wir an einem sonnigen Samstagnachmittag im Februar, das tolle Erlebnis von ca. 200 – 300 Personen mit Weinglas in der Hand die Sonne genießen zu sehen. Eine tolle Idee, die man da gehabt hat. Am Fuß der alten Mainbrücke, die eine Fußgängerbrücke ist, gibt es zwei Weinlokale. Diese verkaufen quasi aus dem Fenster heraus Weingläser mit lokalem Wein. Und diese werden dann mit auf die Brücke oder unten an den Main genommen. Und dort steht man zusammen, unterhält sich und trinkt seinen Schoppen und genießt Aussicht und Sonne. Das finde ich sehr sympathisch.

Auch haben wir wirklich super gegessen. Die Restaurants haben es häufig geschafft, eine gute Balance aus traditioneller, fränkischer Küche und einem modernen Pep zu schaffen. Und häufig gibt es zu diesen Gerichten wirklich guten fränkischen Wein. Der Wein hier zeichnet sich durch seine Würzigkeit und den hohen Mineralgehalt aus. Schwerpunktmäßig wird hier Weißwein angebaut, der überwiegend trocken ausgebaut wird. Anhand der Restaurantkarten sind uns vor allem Silvaner, Mueller Thurgau, Scheurebe, Bacchus und teilweise Weiß- und Grauburgunder aufgefallen. Und natürlich fällt einen bei Frankenwein auch die berühmte Flaschenform – der Boxbeutel – ein. Diese sieht zwar super aus, aber zur Lagerung ist er auf Grund seiner Form eher schwierig zu legen. Ich frage mich, ob es für Boxbeutelweine spezielle Weinregale gibt? Bei den Rotweinen war überwiegend die Dominatraube, der Rotling und der Spätburgunder anzutreffen. Bei den Weinen haben wir vor allem beim Silvaner tolle Entdeckungen gemacht. Da ich nicht so der Fan von säurebetonten Weinen bin und meine Herzallerliebste sie gar nicht vertragen kann, sind wir bei vielen deutschen Weißweinen quasi ausgeschlossen. Speziell der Riesling,  als der deutsche Vorzeigewein fällt daher bei uns häufig aus. Aber die hier angebotenen Silvaner waren durchweg alle gut trinkbar und teilweise sogar richtig ausgezeichnet. Hintergründe zu den besuchten Lokalen und den kulinarischen Genüssen findet Ihr wie schon bekannt auf den Blog meiner Herzallerliebsten Kocheule.

Drinklabor_Franken_2Obwohl wir in einer typischen Weingegend waren, gab es natürlich auch lokale bzw. regionale Biere. Und als bierbegeisterter Drinklaborant musste ich mich natürlich in der hiesigen  Bierlandschaft ein wenig umschauen. Da fällt mir zuerst das neue Craftbeer Highlight von Würzburg ein. Das Max Mundus – ein Craftbeer Shop – den es erst seit letzten August gibt. Auf der einen Seite dachte ich mir, in Franken mit seiner stolzen Brautradtion – Craftbeer anzubieten könnte gewagt sein. Auf der anderen Seite gibt es in Würzburg als Studentenstadt natürlich viel junges und experimentierfreudiges Publikum. Des weiteren hat in Würzburg und näheren Umgebung auch eine kleine Craftbeerszene und die eine oder andere neue  Brauerei gegründet. Daneben versuchen sich auch traditionelle Brauereien an neuen Bierstielen. Besonders ist mir dabei die Distelhäuser Brauerei aufgefallen. Neben den Standard- und Saisonbieren, bieten sie seit kurzem ein Porter, ein Stout und ein IPA an. Und zumindest in Bezug auf das Stout und das IPA kann ich sagen, die sind sehr gelungen. Gut fand ich auch, dass die Jungs von Max Mundus sogar ein eigenes Bier im Angebot hatten, und zwar ein hopfengestopftes Pils. Ich habe es noch nicht probiert, habe mir aber zumindest eine Flasche für spätere Test mitgenommen. Daneben gab es noch ein Bier von 7 Würzburger Studenten – den Brew Dudes – welches auch für spätere Verköstigung in den Kofferraum gelandet ist. Insgesamt ist der Laden, wie häufig bei den neuen Craftbeershops recht klein und spartanisch eingerichtet. Aber sie haben eine schöne Auswahl an „klassischen“ Craftbeeren und ein paar spannenden Exoten. So fand ich die Biere von Pax Bräu von der Beschreibung sehr experimentell, aber extrem spannend. Alle Mitarbeiter waren super informiert und haben einen toll beraten. Wenn Ihr also in Würzburg seit, der Max Mundus ist der Place to be für Craftbeerfreunde. Hier der Link zum Shop Max Mundus.

Drinklabor_Franken_3Natürlich werden jetzt einige von Euch sagen, in Würzburg trinkt man doch das Würzburger Hofbräu. Richtig und ich habe es auch probiert. Über das Pils legen wir mal den Mantel des Schweigens. Nicht wirklich schlecht, aber lecker oder spannend ist es wirklich nicht. Das Dunkelbier von denen war schon besser, aber eine Offenbarung war es auch nicht. Das Sternla habe ich nicht probiert, hatte aber nach zwei eher mittelmäßigen Standardbieren auch keine Lust ein weiteres zu probieren. Und zum Schluss moechte ich noch auf einen kleinen Laden in Rothenburg ob der Tauber hinweisen – die Ritterrolle. Dieser Laden war sowohl kulinarisch als auch Getränketechnisch sehr spannend. Ich habe die angebotene Rolle despektierlich Mittelalterdöner getauft. Sie ist wirklich extrem lecker und man kann sie sich ein wenig wie einen zusammengefalteten Flammkuchen vorstellen.Und dann kross im Pizzaofen gebacken. Wirklich ein tolles Geschmackserlebnis. Und dazu gab es einiges an spannenden lokalen und mittelalterlichen Bieren. So hatte ich ein historisches Emmerbier von der Riedenburger Brauerei probiert. Dieses wird grösstenteils aus Urgetreiden wie Emmer, Einkorn und Dinkel gebraut und war ein süffiges, naturtrübes Bier. Daneben gab es noch das Baros ein nach alten Rezepten gebrautes Kirschbier. Dieses habe ich leider nicht pur probiert. Aber meine Herzallerliebste hat es in warmer Form mit Honig und einigen Gewürzen probiert. Eine wirklich schöne Alternative zum Glühwein. Insgesamt kann ich allen Feinschmeckern und Getränkeenthusiasten Unter- und Mittelfranken wirklich ans Herz legen. Es war ein wirklich schöner Kurzurlaub in einer tollen Gegend, die neben den historischen Highlights auch kulinarisch und getränketechnisch wirklich spannende Entdeckungen bereithält.

 

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