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Gin auf Barcelonaweise – der BCN Gin

Drinklabor_BCNGIN1Letztes Wochenende durfte ich eine tolle Spirituosenmesse besuchen – die Aquavitae in Mülheim an der Ruhr. Wer diese noch nicht kennt, kann ich nur sehr ans Herz legen. Einerseits hat man eine riesige Auswahl an Whiskyanbietern, wo man quasi alle Neuabfüllungen, aber auch alte Schätzchen probieren kann. Anderseits ist sie aber keine reine Whiskymesse. Hier findet man verschiedene Anbieter rund um das Thema Spirituosen, wie Obstbrenner, Rumhersteller, Wodkabrennereien und natürlich für mich besonders interessant Ginproduzenten. So bot sich für mich die Gelegenheit, verschiedene Gins zu probieren. Eines meiner Highlights war der sehr gelungene spanische Gin BCN, auf dessen Stand auch eine spannende Form der Degustation angeboten wurde. Das schöne war, dass am Stand nicht nur der deutsche Importeur, sondern auch der Inhaber höchstpersönlich vor Ort war. Am Stand konnte man den Gin pur, als Gin & Tonic oder als Spezial G&T probieren.

Der Macher Stefan Lismond und sein deutscher Importeur

Der Macher Stefan Lismond und sein deutscher Importeur

Der BCN Gin kommt aus dem Priorat südlich von Barcelona und versucht die Gegend und ihre Einflüsse in sich zu vereinen. Das beginnt schon beim Ausgangsmaterial. Hier kommt ausschließlich Alkohol aus Weintrauben zum Einsatz. Dabei werden nur die hier angebauten und sehr intensiven Sorten Grenache und Cariñena verwendet. Diese werden dann mit deutscher Brennereitechnick fünfmal destilliert. Hier kommt nämlich eine Kupferbrennanlage von Arnold Holstein vom Bodensee zum Einsatz. Dies erzählte mir der Gründer und Inhaber der Prioror Barcelona Dry Gin Company – Stefan Lismond. Der Gebürtige Belgier, der seit 1991 in Spanien lebt, war ursprünglich im Weinbusiness tätig. Hier entstand auch die Idee, aus den lokalen Trauben Gin zu produzieren. .

Neben den lokalen Trauben legt er auch besonderen Wert auf die ausschließliche Verwendung von regionalen Botanicals. So enthält der Gin alle Zutaten, die aus dem Priorat kommen. Diese gebirgige Gegend südlich von Barcelona ist durch eine gewisse Rauheit geprägt. Bei der Destillation kommen neben Wacholder, Rosmarin, Fenchel, Zitronengras, Feige und Piniensamen zum Einsatz. Diese Botanicals werden mit Zitronen aus Südkatalonien abgerundet. Auch das verwendete sehr mineralhaltige Wasser aus der eigenen Quelle soll für das Aroma eine besondere Bedeutung haben. Diese ungewöhnlichen Botanicals sorgen für einen ungewöhnlichen, erfrischenden Geschmack der seine mediterranen Wurzeln nicht verbergen kann. Besonders pur genossen kommt der Rosmarin und die Pinien stark zum Vorschein. Ich habe sogar ein wenig Kirsche wahrgenommen, obwohl solche hier nicht zum Einsatz kamen. Jedenfalls pur genossen schon ein wirklich ungewöhnlicher Gin.

Der Name des Gins hängt mit der Hauptstadt Kataloniens und einer der Ginwelthauptstädte zusammen – nämlich Barcelona. Das Priorat befindet sich auch nicht weit weg von Barcelona – der Stadt, wo dieser Gin natürlich oft getrunken wird. So trägt der Gin als Name, die offizielle Abkürzung des Flughafens von Barcelona – BCN. Auch das Logo greift die in Barcelona sehr häufig anzutreffenden Escofet Tejera & Co. auf. Dieses Symbol ist seit 1916 als Zeichen für Barcelona ausgewählt worden und ziert seitdem häufig die Bürgersteige und Straßen der Stadt.

Die wichtigsten Zutaten plus Rotwein

Die wichtigsten Zutaten plus Rotwein

Diesen Gin kann man natürlich ganz normal mit Tonic genießen, aber die Macher haben sich eine besondere Form des Genusses ausgedacht. Nachdem ich diese Mischung auf der Aquavitae probieren durfte, musste ich diese Form natürlich bei mir Hause im Drinklabor auch ausprobieren. Man braucht dafür Rotwein, BCN Gin, Tonic, Zitronenzeste und Weintrauben. Ich habe natürlich das empfohlene Rezept nach meinen Bedürfnissen ein wenig abgewandelt (speziell das Gin & Tonic Verhältnis):

Zutaten:

80 – 100 ml spanischer Rotwein

5 cl BCN Gin (original 4cl)

150 ml Fevertree Dry Tonic Water (Originalrezept mit 200 ml Tonic)

Zitronenzeste und 2 halbierte Weintrauben als Zugabe

Rotwein mit Eiswürfeln

Rotwein mit Eiswürfeln

Zu Beginn füllt man ordentlich Eiswürfel in ein Ballonglas. Dann gießt man ca. 80 – 100 ml Rotwein dazu. Im Ursprungsrezpet müsste eigentlich ein Rotwein aus der Priorat-Gegend zum Einsatz kommen. Es tut aber auch ein anderer trockener, spanischer Rotwein. Das gefüllte Glas ordentlich schwenken und schütteln. Einerseits kühlt man dadurch das Glas ab, anderseits benetzt man so das Glas mit Rotwein. Ähnlich wie bei manchen Cocktails, bei denen man das Glas vorab mit Absinth ausspült. Jetzt seiht man den Rotwein mit einem Sieb ab und lässt noch einen kleinen Schluck im Glas. Dann füllt man nochmal die Eiswürfel auf. Anschließend gießt man den Gin dazu. An einem Barlöffel wird dann das gekühlte Tonic ins Glas gefüllt, damit möglichst wenig Kohlensäure verloren geht. Das Ganze kurz umrühren, eine Zitronenzeste in Glas und die 4 halben Weintrauben dazugeben. Fertig ist eine tolle Abwandlung des klassischen Gin&Tonics. Damit könnt Ihr Euch ein wenig mediterranes Flair während der kalten Jahreszeit in Eure Wohnzimmer holen. Viel Spaß beim Nachmachen.

Der besondere BCN G&T

Der besondere BCN G&T

Den Gin könnt Ihr bei ausgewählten Onlineshops für ca. 35 – 40 € (0,7 l Flasche) kaufen. Weitere Informationen zum BCN Gin findet Ihr unter bcn-gin.com.

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Ein Kommentar

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Experimente mit Cocktailklassikern

Letzte Woche war der Barkonvent in Berlin. Daher dachte ich mir, es wird mal wieder Zeit für ein paar neue Cocktailrezepte. Wie Ihr bestimmt schon gemerkt habt, bin ich bei meiner Cocktailauswahl eher an den Klassikern orientiert. Ok vielleicht abgesehen von den Klassikern aus den 80er. Allein die Tatsache, dass diese alten Rezepte auch noch nach so langer Zeit gemixt werden, spricht für ihre Qualität. Abgesehen davon bieten sie wunderbare Anekdoten und Geschichten über ihre Entstehung, die bei jeder Party einen guten Gesprächsstoff liefern. Auf der anderen Seite probiere ich aber auch gern aus. So reizt es mich dann doch, diese ab und zu ein wenig anzupassen oder die eine oder andere Zutat mal auszutauschen. Daher soll es in den heutigen Beitrag um ein wenig angepasste Klassiker gehen.

Beginnen möchte ich mit dem Moscow Mule, dessen leicht säuerliche, scharfe Zusammensetzung mir ganz gut schmecken. Ich bin nur nicht so der Fan von Wodka bzw. Wodkacocktails. Eine Abwandlung hatte ich hier im Blog sogar schon vorgestellt, den Gin Gin Mule von Audrey Saunders. Aber es gibt noch andere Formen des Mules, die je nach Zutat nach der passenden Stadt benannt werden. Ein bekannter Vertreter ist der Glasgow Mule. Dieser enthält, wer hätte es gedacht, Whisky anstatt Wodka. Im Rezept von Greg Henry wird klassischer Blended Whisky verwendet. Ich habe ihn sowohl mit einem rauchigen Islay Whisky, als auch mit einem irischen Whisky probiert. Den Islay Mule fand ich nicht so gelungen, da der Rauch und die Limette nicht so gut gepasst haben. Daher habe ich einen Dublin Mule geshaket. Die Version mit einem irischen Whiskey fand ich gut gelungen.

Der Dublin Mule

Der Dublin Mule

Dublin Mule Rezept angepasst nach Greg Henry:

6cl – Blended Irish Whiskey  – ich habe einen 13  jährigen von Cadenheads verwendet

2cl – frischer Limettensaft

1,5cl – Hollunderblütensaft

12cl – Ingwerbier

Alle Zutaten bis auf das Ingwerbier in den mit Eis gefüllten Shaker. Die Zutaten für ca. 30 Sekunden kräftig shaken. Dann in einen Tumbler abseihen. Mit Ingwerbier auffüllen und Eis dazu geben.

Bei unseren nächsten Klassiker wird nicht die Basisspirituose sondern eine wichtige Zutat verändert. Im weitesten Sinne ist es eine Abwandlung von Herrn Meyers Gin Basil Smash. Aber eigentlich nur auf den Namen bezogen. Nur das ich kein Basilikum, sondern Gurke verwendet habe. Ich mag die Mischung Gin und Gurke sehr gern. Ich erwähne da nur den guten Gin&Tonic mit Hendriks oder Martin Millers Gin und dazu Gurke – was eine leckere und frische Kombination. Aber da kann man doch bestimmt noch weiter gehen. Und da bin ich über den Gin und Cucumber Smash gestolpert. Obwohl man eigentlich nicht direkt von einer Anpassung Gin Basil Smash reden kann, da es eher eine Erweiterung eines klassischen Martinis darstellt. Es gibt unterschiedliche Varianten häufig auch mit Holunderblütenlikör. Ich habe die Version von Robert Dahni übernommen.

Cucumber und Gin Smash Rezept:
6 cl Gin
1,5 cl süsser Wermut
1,5 cl Zitronensaft
1,5 cl Zuckersirup
5 dünne Scheiben Gurke

Zuerst füllt man alle Zutaten in einen Shaker. Dann muddelt man die Gurken ordentlich. Anschließend gibt man Eiswürfel dazu und shakt alles. Das Ergebnis dann in gekühlte Tumbler abseihen. Und natürlich dann noch zwei Gurkenscheiben als Deko ans oder ins Glas. Und Ihr habt einen wunderbar erfrischenden Drink.

Der Whiskey Rebellion

Der Whiskey Rebellion

Und auch einer meiner Lieblingsdrinks muss dran glauben – der gute alte Manhattan – hier noch der Link zum Original. Die von mir vorgenommene Anpassung ist im Internet häufig unter dem Begriff Whiskey Rebellion zu finden. Verglichen zum Original ist es nur eine sehr kleine, aber wie ich finde feine und leckere Anpassung. Denn zusätzlich zum Wermut kommt noch der Punt e Mes dazu. Und für eine frischere Note verwende ich anstatt Angostura Bitter einen Orange Bitter ein.

Die Zutaten für den Whiskey Rebellion

Die Zutaten für den Whiskey Rebellion

Whiskey Rebellion Rezept:

4,5 cl Bourbon – ich habe den Elaih Craig verwendet

1,5 cl Punt e Mes

1,5 cl Antica Formula Wermut oder wer möchte auch den Noilly Prat

3 dashes Orange Bitter – ich habe das Bitter Truth Orange Bitter verwendet

Hier wird wie beim Manhattan auch nicht geshakt. Sondern die gesamten Zutaten auf Eis kalt gerührt. Dann seiht man den Cocktail in einen vorab gekühlten Martini-Spitz ab. Ich sage vorab er ist durch die beiden Wermuts schon recht bitter.

Drinklabor_Klassiker_abgewandelt5Und zum Schluss eine Abwandlung eines Klassikers bei dem der Klassiker schon eine Abwandlung war. Als ich von dieser Geschichte las, dachte ich mir, wenn einer hierher gehört dann der. Und zwar geht es um den heute schon fast vergessenen Gin Daisy. Dieser war in der Vorprohibitionszeit in den USA sehr weit verbreitet. Von den USA hat er sich nach Mexiko ausgebreitet. Dort hat man den Gin, durch den vorherrschenden Tequila ersetzt und die Zitrone durch die mexikanische Limette. Und was bekam man den oder die Margarita. Lustigerweise ist Margarita auch die spanische Übersetzung von Daisy. Und so entstammt der Klassiker Margarita von einem anderen, heute fast vergessenen Klassiker ab. Wobei ich auch hier eine kleine Abwandlung des Originals vornehme. So enthielt das Originalrezept der Daisy auch Gum Sirup. Dies ist im Prinzip nichts anderes ein normaler Zucker-Sirup, dem Gummi arabicum zugesetzt wurde. Dies sollte dazu führen, dass der Zucker im Sirup nicht wieder kristallisiert und angeblich für ein etwas weicheres Mundgefühl sorgen. Außerdem habe ich auch noch den Orangenlikör durch Grenadine ersetzt.

Original Gin Daisy Rezept: 

2 oz Aviation American Gin
1 Teaspoon Gum syrup
1.5 Teaspoon Orange cordial
0.75 oz Freshly pressed lemon juice

Da ich gerade keinen mit Gummi versetzten Sirup in meiner Hausbar hatte, fand ich ein anderes Rezept – quasi eine Alternativ Gin Daisy. Dabei wurde auch das Magaritha Verhältnis von 2:1:1 berücksichtigt.

Die Zutaten für eine abgewandelte Gin Daisy

Die Zutaten für eine abgewandelte Gin Daisy

Abgewandeltes Gin Daisy Rezept:

  • 4cl Gin – ich habe den Gansloser Black Gin verwendet
  • 2cl Zitronensaft
  • 2cl Grenadine
  • 5cl Sodawasser

Hier kommen der Gin, der Zitronensaft und der Grenadine in einen mit Eis gefüllten Shaker. Das Ganze ordentlich shaken, bis der Shaker angelaufen ist. Dann die Flüssigkeit in ein mit Eis gefüllten Tumbler abseihen. Das Ganze dann entsprechend mit Sodawasser auffüllen. Ich habe diesen Cocktail meiner Herzallerliebsten serviert und sie war sehr begeistert. Ggf. kann man auch noch ein cl Gin mehr dazu geben oder beim Grenadine einen 1/2 cl weniger. Insgesamt kommt der Grenadine doch recht stark durch.

Viel Spaß beim selbst ausprobieren. Wichtig ist immer, dass es Euch schmeckt. Probiert einfach ein wenig rum. Dabei geht auch manchmal was schief, aber das gehört dazu. Auf der anderen Seite entdeckt man dadurch vielleicht auch seinen Lieblingsdrink. Also fröhliches experimentieren.

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Der große Siegfried Gin & Tonic Test

Trinklabor_Siegfried_TonicTest2Als überzeugter Bonner und Liebhaber des Siegfried Gins hatte ich mich im Frühjahr bei einer Aktion von Siegfried Gin beworben. Da ging es darum, zu testen welches Tonic am besten zum Siggi passt. Aus allen Teilnehmern wurden am Schluss 10 Personen ausgewählt bzw. ausgelost. Jeder musste vorab begründen, warum gerade er oder sie für diesen Test geeignet ist. Und ich hatte das große Glück einer dieser zehn zu sein. Und irgendwann stand auf einmal ein großes Paket bei uns im Flur, welches ich mit einiger Neugier aufgemacht habe. Durch die netten Aufkleber Siggi on Tour war von außen schon erkenntlich, was in dem Paket zu finden war. Das Paket enthielt neben einer ganzen Flasche Siegfried Gin 10 unterschiedliche Tonics. Und nachdem sich endlich mal ein freier Abend gefunden war, wurde unserer Balkon kurzfristig zum Testlabor umgebaut. Um die Unterschiede besser herauszuschmecken, wurden natürlich alle Tonics erstmal einzeln getestet. Die Ergebnisse des Tonic-Tastings könnt Ihr hier in einem separaten Artikel lesen.

Nach dem Auspacken

Nach dem Auspacken

Nachdem meine Herzallerliebste und ich alle Tonics einzeln probiert hatten, ging es jetzt an den schöneren Teil der Aufgabe – das große Siegfried & Tonic Tasting. Hier wollten wir herausfinden, welche Kombination für uns die leckerste und stimmigste gewesen ist. Bei den Tonics standen zur Auswahl das Schweppes Extra Dry, 2 Tonics von Thomas Henry das normale und das Elderflower, das Fentiments Tonic, das Doctor Polidoris Tonic, zwei Aqua Monaco das Tonic und Extra Dry Tonic, das Goldberg Tonic und die beiden Fever Trees das normale Tonic Water und das Mediterranean.

2 Siegfried und 2 Hände von Tonics

2 Siegfried und 2 Hände von Tonics

Nach dem Tonictasting brauchten wir erst einmal ein großes Stück Brot und ordentlich Wasser. Da 10 Tonic auf einmal doch extrem tocken, süss und geschmacksintensiv sind. Von der Kohlensäure und seinen Folgen möchte ich gar nicht erst anfangen. Da wir nicht 10 große Gin Tonic trinken wollten und auch nicht gekonnt hätten, gab es jeweils nur kleine Mischungen in Nosinggläsern. Wir haben dabei versucht immer ein Mischungsverhältnis von 1 zu 3 hinzubekommen. Das Gute als Whiskyfan hat man natürlich Plastikpippetten, die ich zum gezielten Verdünnen von Whisky benutze. Diese haben auch eine Skala, so dass man immer einigermaßen genaue Mischungsverhältnisse hinbekommen hat.

Für die exakten Mengen kommt die Pipette zum Einsatz

Für die exakten Mengen kommt die Pipette zum Einsatz

Es war sehr spannend wie unterschiedlich die Tonics mit dem Gin harmonierten oder eher das Gegenteil bewirkt haben. Von den Geschmacksbewertungen und der Reihenfolge  waren meine Herzallerliebste und ich schon recht nah beieinander, so dass bei der Wahl der Favoriten als auch der Geht-garnicht Kombinationen es fast ein ähnliches Ergebnis gab. Wir können natürlich hier nur für uns sprechen und ich empfehle jeden sich selbst ein Urteil zu bilden. Und man muss sagen, die folgenden Aussagen beziehen sich nur auf die Kombination mit dem Siegfried Rheinland Gin. Mit einem anderem Gin mag das eine oder andere von uns eher ungeeignete Tonic bestimmt ganz gut harmonieren. Bei der Bewertung haben wir eher Gruppen gebildet, wenn ich auch am Schluss eine Reihenfolge festgelegt habe. Dabei sind sowohl meine Bewertungen, als auch die meiner Herzallerliebsten eingeflossen.

Alle am Test Beteiligten

Alle am Test Beteiligten

Kommen wir zu der Gruppe – lieber Finger von lassen:

Zuerst die Mischung mit dem Fentiments. Von der Nase ist der Mix schon besser als das Fentiments allein – aber ein Wohlgeruch ist es noch lange nicht. Im Mundgefühl kommt eine heftige Trockenheit zum Vorschein. Der Siggi tut einem schon leid, er hat gegen dieses Tonic keine Chance. Außerdem wird durch die Kombination eine sehr künstlich wirkende Zitrusnote erzeugt. Nein dieses Tonic bitte nicht für den Siggi benutzen. Auch das Schweppes Extra Dry gereicht dem Siegfried nicht zur Ehre. Auch hier ist eine verstärkte Trockenheit am Gaumen zu spüren, die Bitterkeit wird nochmals betont und auch das Zitronenlimonadige geht nicht weg. Beim Elderflower von Thomas Henry hätte ich gedacht, dass müsste passen. In der Kombination wirkte das Tonic und die Holunderblüte extrem künstlich und parfümiert. Auch die Bitterkeit kam in den Vordergrund. Auch hier klare Nichtempfehlung. Und nun zum Negativhighlight – der Siegfried Gin mit Aqua Monaco Extra Dry. Erstaunlich auch hier ist die Nase bedeutend besser als das Tonic solo. Der Kardamom kommt stärker nach vorn. Ich war also guter Dinge und dann habe ich es leider getrunken. Eine unangenehme Pfeffrigkeit gepart mit Bitterkeit und metallischen Anklängen. Tastingnotes meiner Herzallerliebsten „Unangenehme Nase, Geschmack Bahhhhhh“. Auch hier gilt in der Kombi bitte die Finger weg.

Nun geht es ins Mittelfeld – hier passt die Kombination von Tonic und Siggi schon ganz gut, aber wir sind noch nicht in der oberen Tabellenhälfte. Das normale Thomas Henry für mich schon fast wie ein Allrounder – es gibt wenige Gins die nicht dazu passen. Wenn man eine stärkere Bitterkeit mag, muss man hier ergänzen. Zusammen mit dem Siegfried wird die Bitterkeit ein wenig abgemildert. Die Lindenblüten sind sogar wahrnehmbar. Nur im Abgang wird es dann wieder recht trocken und bitter. Aber für einen guten G&T zwischendurch schon GUT geeignet. Kommen wir zu einer weiteren guten Mischung – nämlich die mit dem Dr. Polidoris Tonic. Der Siggi und das Tonic harmonieren schon ganz gut. Die Nase ist recht angenehm. Der Siggi kommt gut durch und Gin und Tonic ergänzen sich. Einzig die Bitterkeit überlagert den Geschmack des Gins. Aber auch hier gut trinkbar, wobei man dieses Tonic bisher eher selten zu kaufen bekommt. Und auch die Mischung mit dem normalen Aqua Monaco ist eine grundsolide Mischung. Hier wird das Zitrusarmao verstärkt, was in dieser Kombination ganz gut ist. Mit einem richtig stark Zitrus betonten Gin würde ich dieses Tonic wohl nicht empfehlen.

Kommen wir zu den Championsleague Plätzen, um in der Fussballersprache zu bleiben. Eine wirkliche gelungene Mischung ist die mit dem Goldberg Tonic. Eine absolut runde und harmonische Mischung, die eine angenehme Süsse hervorruft. Auch eine interessante Nase ist spürbar. Der Siggi ist gut schmeckbar und wird von den Tonicaromen unterstützt und teilweise verstärkt. Eigentlich schon eine sehr gute Kombination, einzig mir kommt das Ganze ein wenig brav daher.

Kommen wir zu den beiden Gewinnern. Tata.. auf dem zweiten Platz das Fever Tree Tonic. Ähnlich wie beim Goldberg passt hier einfach alles. Sie harmonieren gut miteinander, ergänzen sich gegenseitig ohne den jeweils anderen zu überlagern. Eine angenehme Süsse ohne zu stark hervorzutreten, die Bitterkeit ist gut ausbalanciert. Wenn Ihr also in der Bar Eurer Wahl seid und wollt einen Siggi mit Tonic trinken – auf jeden Fall zum Fever Tree greifen. Nur eine Kombi ist noch besser und sie kommt aus dem gleichen Haus – das Fever Tree Mediterranean. Hier kommt noch ein wenig Pep, Sexiness und Spannung dazu – die Kräuterigkeit. Diese werden durch den Siggi gut betont, ohne dass sie komplett in den Vordergrund treten. Ein wahre Geschmacksexplosion, eine flüssige Pizza Margarita einfach wunderbar. Obwohl ich mir auch vorstellen kann, das Einigen die Kräuternote zu dominant sein könnte. Also vorher immer selbst probieren und wenn man unsicher ist, erstmal zum normalen Fever Tree greifen – dass passt für jeden. Wenn Ihr aber noch das i-Tüpfelchen draufsetzen wollt, dann lasst das Mittelmeer in Euren Gin Tonic. Man kann also abschließend festhalten Siegfried Gin – das beste was einem Fever Tree passieren kann. Hier noch mal kurz die Ergebnisse tabellarisch dargestellt.

Platzierung Gin &  Tonic Kombination Bewertung
1. Siggi + Fever Tree Mediterranean +++
2. Siggi + Fever Tree Normal ++
3. Siggi + Goldberg Tonic ++
4. Siggi + Dr. Polidoris Tonic +
5. Siggi + Thomas Henry Normal +
6. Siggi + Aqua Monaco Tonic +
7. Siggi + Thomas Henry Elderflower – –
8. Siggi + Schweppes Extra Dry – –
9. Siggi + Fentiments – –
10. Siggi + Aqua Monaco Extra Dry – – –

Zum Schluß bleibt mir nur noch Danke zu sagen, bei den Jungs vom Siegfried Gin. Nicht nur für den tollen Gin als solchen, sondern auch für die Möglichkeit dieses spaßige Experiment auszuprobieren und die optimale Mischung von Siegfried & Tonic zu finden. Ich kann jeden nur empfehlen so etwas ähnliches auch mal zu Hause auszuprobieren, dann werdet Ihr doch ziemliche Unterschiede feststellen. In diesem Sinne genießt Euren nächsten Gin & Tonic.

 

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Siegfried Gin – der Cocktailzauberer

Der Siegfried Gin

Der Siegfried Gin

Vor einigen Wochen war ich auf einem Streetdrinkfestival. Ich hatte mir zwar mehr versprochen, aber ein Highlight war der Stand eines meiner Lieblingsgins dem guten Bonner Siegfried Gin – auch liebevoll Siggi genannt. Dabei bin ich auch in den Besitz eines Flyers gekommen, der neben Tastingnotes auch speziell für diesen Gin entwickelte oder angepasste Cocktails enthielt. Davon habe ich zwei zu Hause ausprobiert und war wirklich begeistert.

Die Zutaten für den Magic Tiger

Die Zutaten für den Magic Tiger

Als erstes soll es um meinen derzeitigen Lieblingsdrink gehen – den Magic Tiger. Absolut erfrischend und die Herzallerliebste dachte doch tatsächlich es wäre ein Alkoholfreier Cocktail, weil er so rund und der Siegfried sich gut in den Cocktail einpasst. Wichtig ist dass Ihr den Drink sehr kräftig rührt, da sich sonst das hier eingesetzte Süßungsmittel der Agavendicksaft nicht richtig auflöst.

Der Magic Tiger - extrem lecker

Der Magic Tiger – extrem lecker

Zutaten für den Magic Tiger sind:

  • 4,5 cl Siegfried Gin (ich habe 5 cl genommen, da leichter abmessbar)
  • 1,5 cl Zitronensaft frisch gepresst
  • 2,5 cl Grapefruitsaft frisch gepresst – am besten eine nicht ganz so saure nehmen – z.B. Pink Grapefruit
  • 4 cl Earl Grey Tee (ich habe Lady Grey genommen, da weniger bitter) – hier vorher kochen und dann abkühlen lassen
  • 2 cl Agavendicksaft (hört sich viel an – braucht Ihr aber)

Das Ganze baut Ihr in einem Longdrinkglas auf viel Eis und könnt es mit einer Grapefruitzeste garnieren. Sehr köstlich und schön erfrischend. Ich habe den Cocktail auch mit dem Tanqueray probiert – das passte nicht, da kam mir der Gin zu sehr durch. Also ein wirklich gelungener Cocktail der mit dem Siggi gemacht werden sollte.

Der zweite Cocktail den ich ausprobiert habe, ist der King´s Winter. Hier musste ich ein wenig improvisieren, daher war er vielleicht auch nicht ganz so gelungen. Ist auch auf Grund der wenigeren Zutaten auch viel stärker Ginbezogen.

Der abgewandelte King's Winter

Der abgewandelte King’s Winter

Zutaten für den King´s Winter sind:

  • 5 cl Siegfried Gin
  • 1,5 cl Honigsirup (hier habe ich auf normalen Zuckersirup zurückgegriffen, damit fehlte mir natürlich auch
    das Honigaroma
  • 2 cl frisch gepresster Zitronensaft – ich habe hier frisch gepressten Orangensaft genommen – daher die leicht organge Farbe
  • 2 Spritzer Absinth (ich habe hier die Sazerac Methode angewandt und die Cocktailschale mit dem Absinth kurz ausgespült – heißt einen Spritzer ins Glas möglichst alles benetzen und Rest wegschütten)

Hier gibt man die Zutaten in einen mit Eis gefüllten Shaker und ordentlich durchschütteln. Anschließend das Ganze in eine vorgekühlte Cocktailschale abseihen.

Bei beiden Cocktails sind in der Kombination mit dem Siggi ungemein rund und gut abgestimmt. Speziell beim Magic Tiger habe ich das mit einem anderen Gin, der stärker wacholderbetont war, ausprobiert und muss sagen, es passt nicht so gut. Viel Spaß beim Ausprobieren.

 

 

 

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Gin Gin Mule – der minzefressende Esel

Der GinGinMule - lecker

Der GinGinMule – lecker

Für mich ist der Sommer in vielen Fällen Gin Zeit und am liebsten mit erfrischenden  Gincocktails. Einer meiner absoluten Lieblinge ist dabei der Gin Gin Mule. Wenn man dann noch eine kleine Ecke im Garten hat, wo man Minze anpflanzen kann, steht einem extrem leckeren Cocktail fast nichts mehr im Wege. Ich dachte mir nach den vielen Klassikern, die ich hier vorgestellt habe, soll es mal wieder ein moderner Drink sein. Dieser wurde in New York von Audrey Saunders, der Besitzerin des New Yorker Pegu Clubs entwickelt. Wer der Name nichts sagt, obwohl das relativ wenige sein werden, wird ihr Lehrmeister der Cocktailmastermind Dale DeGroff bestimmt etwas sagen.

Die gute Audrey dachte sich, sie möchte einen erfrischenden werden und hat mit Minze, Limetten, Gin und Ingwerbier einen herrlichen  Drink entwickelt. Dieser ist eine Abwandlung des bekannteren Moscow Mule verzichtet aber auf den Wodka und ergänzt ihn statt dessen mit Gin. Und da zusätzlich noch Ingwerbier enthalten ist und sich Gin Ginger Mule komisch aussprechen lässt, entstand der Name Gin Gin Mule. Die Beigabe der Minze sorgt für eine tolle Frische, die vom Limettensaft noch unterstützt wird.

Im Originalrezept hat sie selbstgemachtes Gingerbier verwendet. Das steht auch noch auf meiner Todo und wird demnächst auch angegangen. Daher habe ich mit gekauften Gingerbeer von Thomas Henry dem Spicy Ginger gearbeitet. Hier wieder der Hinweis für alle die es nicht so scharf mögen, dass Zeug ist schon extrem scharf. Aber da auch nur ein kleinerer Teil reinkommt, müsste es noch gehen.

Die Zutaten, Gin, Minze, Limette, Zucker und Ingwerbier

Die Zutaten, Gin, Minze, Limette, Zucker und Ingwerbier

Hier die Zutaten:

  • 5 cl Gin ruhig ein wacholderbetonter Gin (ich habe den Duke genommen)
  • 2 cl frisch gepresster Limettensaft
  • 1 cl Zuckersirup – kann man natürlich auch einfach selbst herstellen
  • 4-6 Zweige Minze (ruhig mit Stil und Blättern)
  • 4-6 cl Spicy Ginger oder anderes Ingwerbier

Zuerst den Gin, Limettensaft und Zuckersirup in einen mit Eiswürfeln gefüllten Shaker geben. Dann die ganzen Minzzweige in den Shaker dazugeben und ordentlich shaken. In ein mit Eiswürfel gefüllten Tumbler abseihen und mit dem Ingwerbier auffüllen. Dann umrühren und mit einem Minzzweig garnieren. Fertig ist ein ausgesprochen süffiger Sommerdrink für einen schönen Abend zum Genießen.

Es gibt von diesen Cocktail noch eine Erweiterung. Für die richtigen Ingwerfans unter Euch ist diese Abwandlung besonders geeignet. Dann gebt Ihr anstatt normalen Zuckersirup – vorab mit Ingwer infusionierten Zuckersirup dazu. Dann heißt das Ganze Gin Gin Gin Mule. Viel Spaß beim Ausprobieren und einen relaxten Abend.

Drinklabro_GinGinMule2

 

 

 

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Antwerpen kulinarisch und kulturell

Für Rheinländer ist Belgien näher als Bayern oder Schleswig Holstein. Daher nutzen wir die Maifeiertage für einen Kurzausflug nach Antwerpen. Von der flandrischen Krone hatten wir sowohl Gent als auch Brügge besucht, so dass uns nur noch die Hafenstadt Antwerpen fehlte. Vom uns aus sind es nur 2 1/2 h Fahrt und schon ist man in einer anderen Welt.

MAS, Hafen und Grote Markt

MAS, Hafen und Grote Markt

Die Altstadt mit den Grote Markt und den Straßen drumherum bietet eine Vielzahl gut renovierter alter Häuser. Was auffällt, dass sich fast in jedem zweiten Haus ein Restaurant, Cafe oder Kneipe befindet und nahezu alle auch Aussenplätze besitzt. Sogar die meisten Südeuropäischen Städte besitzen nicht soviel Aussengastronomie. Man kann in Antwerpen sowohl kulturell als auch kulinarisch sehr viel entdecken. Es gibt eine sehr rege Museumslandschaft. Da sticht besonders das MAS raus. MAS steht für „Museum aan de Stroom“ – das sich mit Antwerpen seiner Geschichte und der Beziehung zum Wasser auseinandersetzt. Neben der besonderen architektonischen Form ist der Ausblick von der obersten Etage phänomenal. Diese kann man auch ohne Museumsbesuch kostenlos besichtigen. In der Nähe des Museums ist auch der Startpunkt für die Hafenrundfahrten. Hier erfuhr ich auch , dass Antwerpen die drittgrößte europäische Hafenstadt ist. Wir haben bei der kurzen Hafenrundfahrt nur einen Teil gesehen, aber es lässt sich erahnen wie riesig dieser sein muss. Für alle Fans des Jugendstils kann ich das Viertel Cogels Osylei empfehlen. Dieses befindet sich ein wenig außerhalb, ist aber ein Traum für jeden Architekturliebhaber.

Impressionen aus dem Cogels Osylei Viertel

Impressionen aus dem Cogels Osylei Viertel

Soweit ein kurzer Abriss der für uns interessantesten Sehenswürdigkeiten. Aber dies ist ja ein Getränkeblog  und so will ich auch auf das tolle Angebot an Bars, Cafes und Kneipen eingehen. Man muss sagen, dass Antwerpen für seine Größe, mit nur einer Brauerei nicht zu den ganz großen belgischen Bierorten gehört. Diese Brauerei kann man aber besuchen und der Stopp hier ist wirklich sehr lohneswert. Da mir der Besuch so gut gefallen hat, wird es zur Besichtigung einen extra Blogbeitrag geben, den Ihr in den nächsten Tagen auf diesem Blog finden werdet. Daneben findet man eine Vielzahl von richtig gut sortierten Pubs und Kneipen. In diesen sind häufig mindestens 5-8 Biere vom Fass und es gibt noch eine Vielzahl von Flaschenbieren. Was in Belgien auffällt, dass man egal welches Bier man bestellt, immer das passende Glas der Brauerei bekommt. Nicht wie in der Mehrzahl der deutschen Kneipen, in denen man egal welches Bier man bestellt, das gleiche Glas bekommt. Ich habe mich die ganze Zeit gefragt, wie sie dass mit der Lagerung gelöst haben, da sie teilweise bis zu 50 oder mehr Gläsersorten vorrätig halten müssen.

Drinklabor_AntwerpenZwei Pubs möchte ich besonders empfehlen, da sie mit einer gigantischen Auswahl an Bieren aufwarten können. Das ist einmal das Kulminator, das ein wenig außerhalb, aber fussläufig zur Innenstadt liegt und das Gollem direkt am Grote Markt. Das Kulminator ist ein Klassiker und existiert schon seit über 30 Jahren. Zumindest spürt man hier schon ein wenig den Zahn der Zeit. Der Laden ist schon ein wenig wunderlich, total verwinkelt und komplett zugestellt. Ich habe mich wie in einem fremden Wohnzimmer gefühlt. Überall Bücher, Spiele, Nippes und der Herr des Hauses hatte einen 6-Personen Tisch für sich reserviert. Dort saß er mit einem riesigen Berg von Papieren und Büchern und lies sich von den Gästen nicht stören. Man muss also schon ein wenig chaotische Kneipen mögen. Aber die Bierauswahl ist einfach unglaublich und das Highlight dieses Ladens. Auch hier gibt 12 Biere vom Fass und daneben ein Ordner 30-50 eng bedruckten DIN A4 Seiten voller Flaschenbierangebote. Außerdem kann man im hinteren Teil in den Klimaraum mit einer Unzahl an Bierflaschen schauen. Allein das ist schon faszinierend. Zum Schauen und Staunen lohnt sich der Kulminator auf jeden Fall. Und auf ein oder zwei Bier sollte mal dagewesen sein. Der Gollem ist dann genau das Gegenteil. Riesig groß eher eine Bar als eine Kneipe. Einen großen Bereich mit Außenplätzen und sehr modern eingerichtet. Hier wird gleich mit 30 Fassbieren aufgewartet und wie ich gerlernt habe, besitzen sie zusätzlich noch ein Angebot von an die 300 Flaschenbiere. Da waren wir dann doch teilweise überfordert mit der Auswahl. Neben diesen beiden gibt es noch weitere gute Bierkneipen  und -gaststätten in Antwerpen. Außerdem hat fast jedes Lokal eine gute und häufig größere Auswahl an Fassbieren.

Caffe Mundi

Caffe Mundi

Aber auch für unsere Kaffeefans kann ich eine Empfehlung aussprechen. Das Caffe Mundi bietet eine große Auswahl an selbstgerösteten Kaffee an. Hier kann man wunderbar frühstücken und excellenten Kaffee trinken. Alle angebotenen Kaffeesorten werden ausführlich beschrieben und sind nach Herkunft geordnet. Und hier kann man sogar den langsam gefilterten Kaffee mit dem Hariosystem genießen. Leider ist das bei uns, bis auf ausgewählte Läden in Berlin nicht weit verbreitet. Aber allein die Vorbereitungszeit hat fast etwas von Kaffeezeremonie. Die Beobachtung des Aufbrühvorgangs ist eine super Entschleunigungsübung. Da macht dann sogar Filterkaffee richtig Lust. Und passend zum Konzept haben die Betreiber neben an, noch ein Geschäft für Kaffeemaschinen und -zubehör aufgemacht. Ein wirklich nettes Konzept für Kaffeeliebhaber.

Interior der Dogma Bar

Interior der Dogma Bar

Zum Schluß möchte ich auch noch eine Empfehlung für eine wirklich geniale Bar abgeben. Die Dogma Bar ist  ebenfalls sehr zentrumsnah gelegen und befindet sich in einem schönen alten Gebäude. Die Örtlichkeiten hat man gut genutzt. Dabei ist die Bar sowohl stylisch aber auch gemütlich eingerichtet. Das absolute Highlight aber waren die Barkeeper. Die sich extrem viel Zeit zur Beratung genommen haben. Am Anfang erklärte man uns, das die Karte gerade komplett umgestellt wird und sie nur eine bestimmte Auswahl hätten. Darauf haben Sie uns die „kleine Karte“ als Notizbuch in die Hand gedrückt, in der bestimmt 25 – 30 handeschriebende Cocktails mit Beschreibungen enthalten waren. Sie hatten davon 12 Exemplare, da musste aber jemand länger schreiben. Das richtig Gute war für mich, dass sie fast alles Eigenkreationen oder Abwandlungen von Klassikern waren. Zu Beginn vermutete unser Barkeeper, dass wir nur Bier wollten. Dies verneinte ich, meinte aber das ich belgisches Bier mag. Darauf empfahl er mir einen Cocktail mit belgischem Bier. Wenn einer experimentieren muss, dann wohl ich. Also wurd der sogenannt Aix-en-Provence bestellt. Der Name nimmt wohl Bezug auf einige Bestandteile des Cocktails – nämlich den  Ziegenkäse mit Honig und Kräutern. Und auch wenn Ihr sagt, das hört sich ja komisch an, es war extrem lecker und passte ausgezeichnet zusammen. Der Cocktail kam in zwei Gefäßen, so dass man ihn erstmal solo probieren konnte und dann wenn man wollte beides zusammengießen. Der Ziegenkäse wurde mit Honig, Jogurt, ein wenig Asche und Pinienkernen gemischt. Und der obere Teil bestand aus Gin, gelben Chatreuse, jungen Calvados, Cynar, Cointreau und einem Sour IPA. Und zusammen gemischt war das eine Geschmacksexplosion, die aber nicht unrund wirkte. Meine Herzallerliebste hatte eine Abwandlung des GinGin Mule. Auch hier hören sich die Zutaten eher nach asiatischer Küche, denn nach Cocktail an. In ihrem waren Gin, Sesam infused Gin, Gurkensirup, Sojasauce, Limejuice, Ingwerjuice, Ingwersirup und Sushiessig. Eine absolut erfrischende Angelegenheit. Und alle Sirups, Juices etc. waren selbst hergestellt. Speziell die Ingwersachen sind extrem schwierig herzustellen.

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Der Aix-en-Provence-Cocktail – der Cocktailsmoothie

Wir hatten 3 wundervolle Tage in Antwerpen. Ich kann die Stadt nur jeden ans Herz legen. Und für die unter Euch, die mal hinfahren möchten, gibt es hier noch die Infos zu den vorgestellten Lokalen.

Informationen zu den Pubs/Bars:

Kulminator  – Vleminckveld 32, 2000 Antwerpen;  Sonntags Ruhetag

Gollem – Suikerrui 28, 2000 Antwerpen;  täglich geöffnet

Caffe Mundi – Oude Beurs 24, 2000 Antwerpen; Montags Ruhetag

Dogma BarWijngaardstraat 5, 2000 Antwerpen; Montag, Dienstag Ruhetag

Und wer die sehr lohnenswerte Stadt-Brauerei De Koninck besuchen möchte, findet hier den Bericht dazu.

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Das Limao – ein kleines Stückchen Brasilien in Bonn

Drinklabor_Limao1Auf der Suche nach einer ordentlichen Bar in Bonn hat es mich diesmal nach Godesberg verschlagen. Obwohl früher klassischer Diplomatenstadteil erwartet man hier nicht unbedingt eine Cocktailbar. Aber das Limao eine brasilianische Bar mit  Restaurant gibt es schon seit Mitte der 90er und ist mittlerweile eine Institution. Ich war auch in meiner Bonner Anfangszeit hier, aber es war mir nicht weiterhin in Erinnerung geblieben. Daher wurde es mal wieder Zeit auch hier vorbei zu schauen. Die Lage ist nicht gerade optimal, aber das Konzept ist gut umgesetzt. Hier ist eine gute Aufteilung zwischen Restaurant und Bar gelungen. Alles ist in grün-gelblicher Farbgebung gehalten  und wirkt nicht altbacken. Die Theke ist recht groß und eindrucksvoll und auch die rustikalen Hocker mit Fellbezug, sowie die Lounge Ecke mit Sofa und Sessel machen einen netten Eindruck.

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Das Essensangebot hört sich für mich sehr brasilianisch an und man kann sogar das brasilianische Nationalgericht das  Feijoada completa – eine Art Eintopf mit schwarzen Bohnen und viel Fleisch bestellen. Ich hatte Lust auf ein Fischgericht und auch hier gibt es eine schöne Auswahl. Ich bestellte eine Moqueca de Peixe, dies ist ein Fischgericht u.a. mit Seehecht, Garnelen  und Kokossauce. Sehr gelungen eine gute Mischung aus Schärfe und Süsse und nicht zu sahnig. Allein schon des Essens wegen, lohnt sich der Weg nach Godesberg.

Für mich aber ist das Cocktailangebot das wahre Highlight. Natürlich stehen erstmals die brasilianischen und südamerikanischen Getränke, wie Caipirinia, Rum- oder Tequillacocktails im Vordergrund. Aber es wird auch ein sehr gutes Angebot an Klassikern geboten. Die Karte ist sehr übersichtlich nach den unterschiedlichen Basisspirituosen aufgeteilt. Dabei gibt es je Spirituose zwischen 3 oder 12 unterschiedliche Cocktails. Dazu werden auch noch Colada- Caipi- und Sourcocktails. Ich habe mit einem Gin Gin Mule gestartet, der ganz stilecht im Kupferbecher serviert wurde. Schwerpunktmäßig wird der Beafeater Gin verwendet. Der Gin Gin Mule bietete ein sehr gutes Verhältnis von Gin und Ingwerbier. Dieses war diesmal auch nicht von Thomas Henry. Dies war an der fehlenden Schärfe gut erkennbar. Ein wirklich schön spritziger Sommerdrink. Wir hatten das Glück, dass wir vor 19.00 Uhr da gewesen sind. Bis 19.00 Uhr bekommt man in der Woche in den Genuss einer Happy Hour und bezahlt für alle Cocktails sehr faire 5,50 €. Die Normalpreise belaufen sie sich hier auf 7 € bis 9 € je nach Cocktail. Was ich ein gutes Preis-Leistungsverhältnis für den Laden und die angebotenen Cocktails empfinde.

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Als zweiter Cocktail durfte der Bartender mir einen meiner Klassiker kredenzen. Der Negroni war gut gemacht, wurde aber meiner Meinung mit einem Martini Wermut gemixt. Ich finde erst der Antica Formula gibt dem Negroni  erst den richtigen Dreh. Aber er war ansprechend gemacht und gut trinkbar. Das fand ich an der Karte gut, dass zwar nicht immer, aber recht häufig, die jeweilige Spirituosensorte und -marke angegeben ist. Dies ist für mich immer ein erstes Qualitätskriterium einer Cocktailbar. Nach einem leckeren Espresso als Nachtisch, wollten wir uns noch einen letzten Cocktail als Absacker gönnen. Dafür wählte ich mir einen Cocktail, den ich bisher noch nicht getrunken habe – den Sazerac. Mir fehlt dafür immer der Absinth zu Hause. Der Absinth wird je nach Rezept nur zum Ausspülen des Glases oder als kleiner Bestandteil hinzugefügt. Hier war es eindeutig ein größerer Schluck. Da der Anisgeschmack doch recht stark durchkam. Dies war aber nicht uninteressant und passte meiner Meinung nach gut zu dem verwendeten Bourbon. Sehr gut fand ich auch, das der Cocktail in einem Tumbler, mit einem übergroßen Eisquader daherkam. Damit war auch das Verwässerungsproblem, zumindest kurzfristig beseitigt. Zusammenfassend kann ich das Limao wirklich weiterempfehlen, sowohl zum guten Essen, aber auch um einfach einen leckeren Cocktail zu geniessen.

Infos zum Limao wie Öffnungszeiten, Anfahrt und Reservierungsmöglichkeiten findet Ihr hier. 

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Der Cocktail schlecht hin – der Mannhattan

Drinklabor_ManhattanDiesmal soll es um eine wahre Cocktaillegende gehen – den Manhattan. Neben dem Old Fashioned ist er wohl einer der ältesten Cocktails überhaupt. Es gibt riesige Abhandlungen über die Geschichte und seine Entstehung. Leider ist er heute nicht mehr ganz so verbreitet, auch wenn seine Beliebtheit in den letzten Jahren wieder zu genommen hat. Durch das Wiederaufleben der Classic Bar Kultur wird auch der Manhattan vermehrt geordert. Von der Grundrezeptur ist er sehr einfach aufgebaut – eigentlich nur drei Zutaten. Whiskey, roter Wermut und ein Spritzer Bitter. Aber allein durch Änderung von einer oder auch zwei Zutaten kann man schon viele neue Kreationen entwickeln. Außerdem spornt dieser Cocktail immer wieder Barkeeper als auch Hobby-Cocktailtrinker zu spannednen Kombinationen und Abwandlungen an.

Mein Tipp einen Manhattan nicht in der Studiecocktailbar um dei Ecke bestellen. Denn in einfacheren Cocktailbars findet man häufig recht lieblos zusammengestellte Manhattans. Dabei wird ein einfacher Bourbon wie Jim Beam oder ein Canadischer Whiskey wie der Canadian Club verwendet. Da der Whisky Hauptgeschmackgeber ist, macht ein schlechter Whiskey auch einen schlechten Manhattan. Daneben wird häufig auch ein günstiger roter Wermut wie z.B. ein Martini Rosso verwendet. Dieser ist dann meist zu süss und schon sagen alle – der Manhattan ist kein guter Cocktail. Häufig kommt noch dazu, dass viele den Manhattan zu lange kalt rühren und dadurch der Cocktail zu wässrig wird. Auch wird der Cocktail ab und zu in einem Tumbler mit viel Eis darin serviert. Auch hier besteht die Gefahr des verwässern, da ich meinen Manhattan ja nicht ex trinken möchte. Ich finde Martinegläser eine gute Lösung, da sich diese auch sehr gut runter kühlen lassen.

Bei der Entstehung muss man wie bei vielen Klassikern ziemlich im Trüben fischen. So gehen viele Quellen davon aus, dass der Manhattan mit den ersten Exporten von italienischen und französichen  Wermut in die Staaten um 1870 eng zusammenhängt. Denn damit konnten die Bartendern entsprechend experimentieren. Die Geschichte das Winston Churchills Mutter mit der Entstehung des Manhattan zu tun hatte, ist zwar eine schöne Geschichte, muss aber in die Welt der Cocktaillegenden geschoben werden. Um das Jahr 1884 muss es das Getränk schon gegeben haben, da er in diesem Jahr als Rezept in einem Barbuch auftauchte. Damals war der Anteil an Whiskey und Wermut noch gleich, wobei heute häufig der Whiskeyanteil 2:1 zum Wermut beträgt. Man geht davon aus das die ursprünglichen Cocktails mit Rye Whisky oder Bourbon gemixt wurden. Durch die Prohibition und die versiegenden Quellen von gelagerten Bourbon oder Rye griff man häufig auf den einfach zu beschaffenden Canadian Whisky zurück. Dies führte dazu, dass sich dieser auch heute bei der Standardrezeptur durchgesetzt hat. Aber wenn man auf die ursprünglichen Zutaten wie einen kräftigen Rye Whisky und einen komplexen italienischen Wermut zurück greift, kann ein wirklich spannender Drink entstehen.

So habe ich den relativ neuen Knobs Creek Rye eingesetzt. Dieser ist ein schön würziger Rye mit 50 % Alkohol, der aber gleichzeitig recht rund und nicht alkoholisch schmeckt. Und auch beim Wermut sollte man auf das Original oder zumindest auf ein komplexeres Produkt zugreifen. Ich setze dabei auf  den wahren König des Wermuts den Antica Formula von Carpano. Und auch beim Bitter kann man ein wenig experimentieren. Meist benutze ich den Angostura Bitter. Aber auch hier kann man mit verschiedenen Bittern z.B. die von The Bitter Truth dem Cocktail eine andere Note geben. Auch der Einsatz eines Orangenbitter bringt ein spannendes Ergebnis.

Drinklabor_Manhattan_Zutaten

Kommen wir nun zu den Zutaten und der Zubereitung:

4 cl Rye Whisky – hier Knob Creek Smal Batch Rye
2 cl Antica Formula Wermut
2 Dashes Angostura Bitter

Den Whisky und den Wermut in ein mit Eiswürfeln gefülltes Rührglas geben. Dann 2 Dashes Bitter dazu und das Ganze ordentlich rühren. Darauf achten, dass Ihr nicht zulange rührt und die Eiswürfel zu stark antauen. Ein wenig dürfen sie, da hier ja kein Filler zugesetzt wird und schon viel Alkohol im Cocktail steckt. Den Mix dann in vorab gekühlte Spitz-bzw. Martinikelche abseien. Manche geben noch einen Orangenszeste dazu. Ich finde es geht aber auch ohne. Und fertig ist ein wunderbarer Aperitif. Wobei ich festgestellt habe, das er häufig bei Männern besser ankommt als bei Frauen. Aber das ist natürlich auch wieder ein bekanntes Cocktailklischee. Viel Spaß beim Nachmachen und Cheers.

 

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Das Shakers – die Bonner Cocktailbar

Drinklabor_Shakers1Natürlich bin ich besonders in Bonn vor Ort an guten Kneipen und Locations für schöne Cocktails und Craftbeer interessiert. Und da das Angebot in dieser Hinsicht recht übersichtlich ist –  musste ich auch nach längerer Zeit mal wieder dem Shakers einen Besuch abstatten. Es ist immerhin die Institution für Cocktails in Bonn. Wenn auch das Sprichwort sagt, willst Du in eine gute Cocktailbar in Bonn, musst Du nach Köln fahren. Aber nicht immer will man soweit fahren. Und nach den tollen Erfahrungen im Chimära und Deja Vu sollte es nun in Die Bonner Cocktailbar gehen. Nach ein wenig gemischten Erfahrungen vor einigen Jahren, war ich schon lange nicht mehr hier. Aber man muss ja allen Dingen und Orten mehrere Chancen geben. Eines vorweg, wir sind mit wenig Erwartungen ins Shakers gegangen und haben die Bar positiv gestimmt wieder verlassen. Und das beste ich habe weit und breit keine Shisha gesehen. Das Gebäude und der Fabrikloftstyle ist natürlich der  Vorteil des Shakers. Auch die extrem lange Theke ein wirklicher Hingucker und das Herzstück des Shakers. Obwohl mir das Ganze schon wieder ein wenig zu viel blingbling mitbringt. Aber das ist ja Geschmackssache. Und ich bin glaub ich, auch nicht die Hauptzielgruppe. Wir waren im oberen Restaurantbereich. Dieser ist nur einseitig und nach vorn offen, so dass man von oben auf die wirklich tolle Bar schauen kann. Dies ist aber auch gleichzeitig der Nachteil, da der Raum komplett offen ist, und durch die hohe Decke der Geräuschpegel, trotz nicht übervoller Bar, schon teilweise extrem lauf war. Aber dies ist den baulichen Gegebenheit geschuldet, aber vielleicht könnte man mit irgendwelchen Konstruktionen ein wenig Abhilfe schaffen. Noch ein kleiner Kritikpunkt sind die Tische im oberen Bereich, da sie schon recht eng gestellt sind. Da dort fast alle essen, wird es bei gleichzeitigen Essengängen doch recht schwierig, dem Nachbarn nicht den Arm auf den Teller zu legen.

Drinklabor_Shakers2Apropos Essen: Das war für eine klassische Barfoodkarte wirklich gut. Wir hatten Burger. Diese waren per Hand geformt. Man hat eine gute Auswahl an unterschiedlichen Belagen und Beilagen. Einzig mir war das Fleisch ein wenig zu durch. Aber wir waren ja nicht in einem Burgerresturant. Aber kommen wir zum wichtigeren für einen Getränkeblog der Getränkekarte bzw. –auswahl. Auch hier gab es Licht und Schatten. Schön fand die Aufmachung der Karte. Es waren die wichtigsten Cocktailarten beschrieben mit ein paar Hintergründen zur Entstehung. Die Auswahl war riesig. Für mich eindeutig zu viel. Man ist förmlich erschlagen. Positiv kann man die Preise der Cocktails hervorheben. Die meisten liegen bei 6 bis 8 € und es gibt noch Sonderaktionen, wie Happy Hour etc. Die Einzelspirituosen fand ich dann schon wieder teilweise ein wenig ambitioniert. Aber so greift man dann eher zum Cocktail. Jetzt muss ich aber auch zu den Schattenseiten kommen. Die Karte, wie auch insgesamt die Aufmachung ist für meinen Geschmack doch ein wenig in den 90er Jahren hängengeblieben. Aber auch hier gebe ich zu, dass ich nicht zur engeren Zielgruppe zähle. Wie oben schon geschrieben, war die Karte viel zu umfangreich, hatte aber auf der anderen Seite nicht wirklich, aktuelle Entwicklungen oder experimentelle Cocktails aufgeführt. So wünsche ich mir in einer Cocktailkarte bitte die genauen Zutaten zu lesen. Ich weiß was in einem Negroni drin ist. Mich interessiert aber, wie sie ihn hier interpretieren – also welchen Gin, welchen Vermouth etc. Aber das ist leider noch nicht weit verbreitet. Auch habe ich einige moderne Ideen wie Infused Cocktails oder Gewürze zum Tonic vermisst. Für meine Ansprüche wäre eine viel kleinere, aber dafür ausgewähltere Karte sinnvoller.

Drinklabor_Shakers3Kommen wir jetzt zu den Cocktails an sich. Als Einstieg hatten wir einen Whiskey Sour. Dieser war grundsolide, und schön angerichtet. Und speziell für den Preis von 5,90 € da Happy Hour war, ein wirklicher Schnappen. Leider fiel die Qualität beim zweiten Cocktail ein wenig ab. Meine Herzallerliebste hatte ihren Lieblingscocktail – einen Gimlet. Leider war der zu sehr verwässert und der Gin kam nicht wirklich durch. Ich hatte einen Bronx – quasi eine Art Abwandlung des Negronis. Dieser enthält zusätzlich noch Orangensaft und Angostura Bitter. Auch hier war die Orange so stark im Vordergrund, dass der Gin und der Vermout nur schwach wahrnehmbar waren. Ich glaube beim nächsten mal, werde ich mich direkt an die Bar setzen und die Barkeeper mal einfach machen lassen. Aber da wir im Restaurantbereich waren, mussten wir uns an der Karte orientieren. Außerdem habe ich festgestellt, dass in der Onlinekarte auf der Website auch ein größeres und auch ausgewählteres Angebot zu finden war. Aber so eine Getränkekarte kann man natürlich, nicht so häufig neu gestalten.

Insgesamt lässt sich trotzdem ein positives Fazit ziehen. Das Shakers ist eine grundsolide Bar, mit einem großen Cocktailangebot und gutem Barfood. Es gibt keine Shishas und das alte Backsteingebäude macht etwas her. Wenn man kein Le Lion oder ein Pepe erwartet, kann man hier einen schönen Abend verbringen. Informationen zur Bar und die aktuelle Cocktailkarte findet Ihr unter: Shakers.

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Vertical Weinbar Aachen – Wine- trifft Whiskybar

Drinlabor_Vertical_1Kennt Ihr dass –  man will Abends kein 3 Gänge Menu – sondern nur ein Glas Wein und vielleicht ein Stück Käse und Baguette essen. Und dann ist man in einer typischen deutschen Stadt unterwegs und weit und breit ist nichts passendes zu finden. Erstaunlicherweise ist das in Aachen ganz anders. Dies könnte wohl auch mit der geographischen Nähe zu Frankreich zu tun zu haben. Wir machten in diesem Sommer, beim Start auf unserer Eifelsteigtour, dort eine schöne Erfahrung. Am Nachmittag in Aachen angekommen, suchten wir, nach Check in und ein wenig Sight- und Windowseeing nach einer Kleinigkeit zum Essen. Wenn möglich in netter Umgebung mit einer schmackhaften Weinbegleitung. Daher hielten wir Ausschau nach einem netten Lokal, mit schönen Ambiente und einer kleinen Essenauswahl. Dabei sind wir auf die Vertical Weinbar gestossen. Und das Schöne an dieser Weinbar, es gibt hier sogar auch eine gut sortierte Whiskyauswahl. Der Laden war also wie für uns gemacht.

Das Ambiente wirkte modern, aber nicht ungemütlich. Die Einrichtung war sehr ansprechend und der Bezug zu Wein und Whisky war nicht zu übersehen. Da ist erstmal der ansprechende Tresen mit der Bar. Diese war ein schöner Blickfang und stellte quasi den Mittelpunkt des Lokals dar. Dann überall eine gut gewählte Anordnung von leeren Whiskytubes und von Weinkartondeckeln. Aber ohne das ganze zu übertreiben. Sehr kreativ fand ich auch die Lampen aus alten Weinkistenkartons, die die Bar in schummriges Licht tauchten. Neben der gut sortierten Auswahl an Getränken werden auch eine paar leckere Kleinigkeiten angeboten, so  z. B. Baguette mit einer Auswahl an verschiedenen Olivenölen oder ein  Vorspeisenteller mit Käse- und Schinkenvariationen.  Wem das nicht ausreicht, kann auch warme Gerichte bestellen. Diese werden in Kooperation mit dem Nachbarlokal angeboten. Wir entschieden uns für einen gemischten Käse-, Schinken- und Salamiteller.

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Aber wie der Name Bar schon andeutet, hier stehen ganz klar die Getränke im Vordergrund. Die Karte bot ca. 60 offene Weine die von einen 0,1 l Glas bis zu einer ganzen Flasche angeboten werden. Die 0,1 l Gläsern bieten einen auch die Möglichkeit mehrere unterschiedliche Weine zu probieren, ohne gleich beschwipst zu sein. Jeder Wein wir ausgiebig mit Geschmacksprofil und Charakteristika in der Karte beschrieben.  Daneben bietet die Getränkekarte noch ca. 60 Whiskyssorten an. Die meisten sind zwar Standards, aber gut gefächert und man kann auch den ein oder anderen speziellen Tropfen finden. So hat es mir besonders gefallen, auch 2 Bonner Whisky von Reifferscheids Romantic Rhine Collection zu finden.

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Wir beschränkten uns aber erst mal auf leckeren Wein und unseren Käse-Salami-Teller. Wir wählten einen kräftigeren Wein, damit er der Wurst und dem Käse paroli bieten konnte. Wir tranken einen Shiraz von 2012 von den Gotham Weingut. Dieses ist noch ein relativ junges Weingut aus Australien. Neben dem tollen Aroma von Backpflaumen und Tanninen, fand ich das Etikett sehr aufmerksamkeitsstark. Dort wurde durch den Namen des Weingutes ein Bezug zu Gauklern aus dem 18. Jahrhundert hergestellt. Diese soll aus der englischen Stadt Gotham kommen. So waren diese Männer mit riesigen Schnauzbärte und grotesken Frisuren als Comicstrip auf  dem Ettikett verewigt. Der Käse- und Salamiteller war wirklich lecker. Wenn uns auch das Olivenöl, welches über die Salami geträufelt war, uns am Anfang ein wenig befremdlich vorkam, schmeckte die Kombination wirklich sehr gut. Bei dem Käse stach besonders der Lieblingskäse von Charles de Gaulle heraus. Der Mimolett ist eine lokale Spezialität aus Lille mit einer fast orangen Färbung. Wirklich sehr aromatisch und absolut empfehlenswert. Zusammenfassend kann ich nur sagen,  ein wirklich schönes Lokal, was ich mir gern für Bonn wünschen würde. Dies war ein schöner Einstieg in unsere Wandertour über den Eifelsteig.

 Informationen zur Bar, Öffnungszeiten und angebotenen Getränken und Speisen findet Ihr unter Vertical.

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