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Craftbiere der Distelhäuser Brauerei

img_3421Im heutigen Beitrag möchte ich mich einer Brauerei aus Franken widmen, deren Biere ich im letzten Jahr, bei unseren Aufenthalt in Würzburg kennen gelernt habe. Es geht um die Distelhäuser Brauerei,  eine alt eingesessene Brauerei aus Tauberbischofsheim. Sie hat ihren Sitz  im Stadtteil Distelhausen, jetzt wisst Ihr auch woher der Name kommt. Hier noch der Link zur damaligen Reise.

Die Distelhäuser Brauerei hat es ähnlich wie die Schönramer Brauerei geschafft, altes bayrisches Bierhandwerk mit modernen Bierstilen aus der Craftbeerszene zu verbinden. Die Brauerei existiert schon seit 1811 und produziert heute circa 185.000 hl im Jahr. Seit ungefähr 1870  befindet sich die Brauerei in Familienbesitz der Familie Bauer. Und obwohl eine traditionelle Brauerei, die auf eine lange Tradition zurückblicken kann, bewies man auch die Offenheit und den Mut sich weiterzuentwickeln. So entschied man sich in 2015 dazu, neben den klassischen fränkischen Bieren und Biermixgetränken auch eine Craftbeerschiene ins Leben zu rufen. Ich ziehe vor solchen Entscheidungen immer meinen Hut, da Traditionalisten dies häufig ablehnen. Aber auch die Hardcore-Craftbeer Geeks alteingesessenen Brauereien eher skeptisch gegenüberstehen.

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Die vier Craftbiere von Distelhäuser

Die Leute von Distelhäuser haben aber diesen Spagat ganz gut hinbekommen und wirklich handwerklich gelungene Biere entwickelt, die ein gewisses etwas haben. Dabei haben sie sich ein wenig an den britischen Bierstilen orientiert. So brachten Sie ein kaltgehopftes Ale, ein Porter, ein Stout und ein IPA auf den Markt. Diese habe ich getestet und hier könnt Ihr meine Tastingnotes dazu lesen.

Distel Blond

Eckdaten:

Stammwürze: 12,5 %
Alkoholgehalt: 5,1 % vol
Bittereinheiten: 35 IBU

Zuerst fällt das Retrostyle des Bieres auf. Eine Blondine postet uns vom Label aus zu. Könnte auch gut aus den 60er Jahren sein. Obwohl ein obergäriges Bier erinnert es ein wenig an ein Lager, aber ein recht fruchtiges. Mit 35 IBU schon recht kräftig gehopft. Insgesamt kamen 5 Hopfenarten zum Einsatz. Neben Citra, Cascade, Smaragd, Saphir wurde auch Perle verwendet. Der Schaum weist eine schöne Porigkeit auf. Es lässt sich sehr gut trinken. Für klassische Lager/Helltrinker gut geeignet. Es schmeckt quasi klassisch, hat aber eine gewisse Fruchtigkeit, die man sonst nicht hat. Dabei aber nicht überbordend, sondern dezent im Hintergrund. Gelungenes Bier speziell für Einsteiger, die sich langsam an neue Biere herantasten wollen, ohne gleich komplett überfordert zu sein.

 

Black Pearl Classic Porter

Eckdaten:

Stammwürze: 15 °P
Alkoholgehalt: 6,6 % vol
Bittereinheiten: 28

Im Gegensatz zum Distelblond wird dies auch unter der Craftbierlinie geführt. Schon eine recht dunkle, dunkelbraune Farbe. Der Schaum ist nicht dunkel, aber die Kohlensäureentwicklung ist eher dezent. In der Nase findet sich eine leichte Kaffee- und Kakaonote. Außerdem ist auch ein wenig Rauch ist zu spüren und eine Malzigkeit.

Im Geschmack doch bedeutend bitterer als ich von der Nase erwartet habe. Schon ein wenig wie Zartbitterschokolade. Auch ein wenig Rauchcharakter, aber auch dezent und eine ausgeprägte Malzigkeit. Auch ein wenig Lakritz ist spürbar. Die Bitterkeit oder Herbheit bleibt irgendwie am Rachen hängen, was ich nicht so gut fand. Insgesamt aber ganz gut gelungen, aber nicht überragend. Man macht bei diesem Bier nicht viel falsch, wenn man Porter mag. Aber es ist auch nicht das weltbeste Porter. Für mich innerhalb der vier Biere das schwächste.

Loch Ness Classic Stout

Eckdaten:

Stammwürze: 15 °P
Alkoholgehalt: 6,6 % vol
Bittereinheiten: 26

Dieses Dry Stout ist für mich das Highlight der Reihe. Wunderbar schwarze Farbe. Der Schaum kommt recht grobkörnig daher, es weist für ein Stout aber schon recht viel Kohlensäure auf. Hier kamen insgesamt 6 verschiedene Malzsorten zum Einsatz. Und diese haben ein wundervolles Aroma kreiert. Intensive Kaffeenoten mit Schokolade im Hintergrund. Am Gaumen kommt der Kaffee noch stärker durch, aber auch Kakaonoten sind spürbar. Insgesamt süsser als das Porter. Und die häufig bei Stout vorhandene Bitterkeit ist hier quasi nicht vorhanden. Für Stoutpuristen vielleicht schon zu gefällig, aber mir gefällt es außerordentlich. Mit seinen 6,6 % hat es schon ein gewisse, kräftige Basis ohne aber die übertriebene Alkoholnote eines Imperialstouts aufzuweisen. Das ist eher ein Stout, von dem man auch mehr als eines trinken kann.

Lucky Hop IPA

Eckdaten:

Stammwürze: 17 °P
Alkoholgehalt: 7,7 % vol
Bittereinheiten: 77

Hier ist der Name Programm, denn bei diesem IPA stellt der Hopfen das ausschlaggebende Element. Ob er wirklich glücklich war, kann ich nicht beurteilen. Ich als Trinker war nach dem Genuss des Lucky Hop aber glücklich. Lucky Hop IPA – zuerst fällt die recht dunkle Farbe auf. Die Nase bringt erstmal intensive Fruchtaromen vor allem Zitrusfrüchte, aber auch Pfirsich, Ananas und dunkle Früchte, könnten Pflaumen sein, sind wahrnehmbar. Im Mund habe ich eine starke Malznote. Aber auch die Fruchtigkeit ist weiter präsent. Die Hopfenbittere hält sich für den IBU-Wert noch ganz gut zurück. Durch die 7,7 % Alkohol kommt es recht intensiv und kräftig daher. Ein wirklich gelungenes IPA, das eher durch seine Fruchtigkeit als durch extreme Hofpenbitterkeit auffällt. Wirklich ein gut ausbalanciertes IPA, dass einen mit der Hopfigkeit nicht komplett erschlägt, aber trotzdem rund und süffig daherkommt.

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Fazit: Die Kombination aus Tradition und Moderne ist bei den drei Bieren aus der Brauereiwerkstatt und den Distel Blond wirklich gelungen. Alle vier Biere sind handwerklich gefertigte Biere, die recht süffig und sehr gut ausbalanciert sind. Daher darf man hier keine Hopfenbretter oder Hyperstouts erwarten. Das war aber auch gar nicht der Anspruch. Hier wurde gezeigt, dass auch eine alteingesessene Brauerei moderne Bierstile sehr gut umsetzen kann. Für mich eine klare Empfehlung.

Wer mehr über die Distelhäuser Brauerei erfahren möchte oder auch deren Bier im hauseigenen Onlineshop bestellen möchte – schaut hier auf ihre Website: www.distelhaeuser.de

Disclaimer: Die Biere wurden mir von der Brauerei Distelhäuser GmbH & Co. KG aus Tauberbischofsheim unentgeltlich zum Testen zur Verfügung gestellt. Vielen Dank dafür. Eine inhaltliche Beeinflussung des Textes fand nicht statt.

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Besuch in der deutschen Craftbeerhauptstadt

Mitte Januar war ich für ein verlängertes Wochenende in Berlin. Und da ich schon eine ganze Weile nicht mehr hier war, nutzte ich die Gelegenheit die neuen Craftbeer-Hotspots, zu besuchen. Zuerst war ich in der Markthalle 9 in Kreuzberg. Nicht unbedingt nur ein Zentrum für Craftbeer, sondern ganz allgemein eine wundervolle alte Markthalle. Diese wurde vor ca. 6 Jahren wieder wachgeküsst und ihrer alten Bestimmung zugeführt.  Hier kann man sowohl klassisch seine Einkäufe erledigen, aber auch viele Delikatessen und Kleinigkeiten gleich vor Ort essen. Dabei reicht das Angebot von Austern, über Burger, selbstgemachte Pasta, bis hin zu veganen Kuchen.

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Große Auswahl an Ständen in der Markthalle 9

Und was hat das alles mit Craftbeer zu tun. Direkt in den Kellerräumen der Markthalle 9 gibt es die kleine aber feine Brauerei Heidenpeters. Diese existiert seit 2012, als die Betreiber der Markthalle den damaligen Hobbybrauer Johannes Heidenpeter überzeugen konnten, in den ehemaligen Räumen einer Metzgerei seine Brauerei zu eröffnen. Aber nicht nur die Brauerei ist hier vor Ort, es gibt auch im Eckbereich einen kleinen Ausschank, wo man insgesamt 4 verschiedene Biere von Heidenpeters probieren kann. Ich habe das Heidenpeters American IPA probiert. Und so konnte ich mit einem leckeren Bier in der Hand, durch die Markthalle schlendern und die Auslagen begutachten.  Ein wirklich sehr süffiges IPA, bei dem der Hopfen nicht direkt anklopft, aber eine wunderbare Grapefruit-Nase mitbringt. Ein wirklich leckeres Bier, dass ich in einer tollen Atmosphäre genießen konnte.

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Ein frisch gezapftes Heidenpeters American IPA

Wer mehr über die Markthalle 9 erfahren möchte, dem empfehle ich den sehr interessanten Blog von Askan den Food & Farmers Markets Blog.

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Die „Trinkhalle“ der Stone Brauerei Berlin

Nachdem ich ausgiebig durch die Markthalle 9 geschlendert bin, wollte ich noch zum derzeit, interessantesten Platz für Craftbeer in Berlin – die neue Stone Brewing Brauerei. Ich hatte schon einiges gehört und wollte unbedingt selbst mal vorbeischauen. Die erste Herausforderung für mich war dorthin mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu gelangen. Auf ihrer Website empfehlen sie bis zur S-Bahnhaltestelle Attila-Straße zu fahren und von dort in 15 – 20 Minuten zu Fuß hinzuwandern. Was im Sommer bestimmt ein Vergnügen ist, stellte es sich im Januar als recht mühsam dar. Auf dem Weg durch etliche Kleingartenkolonien ist zwar frei von Verkehr, aber leider weder befestigt noch geräumt, so dass es bei vereisten Boden recht anstrengend war. Außerdem gibt es auf der gesamten Strecke so gut wie keine Beleuchtung, was Abends nicht für den Weg spricht. Ich habe daher auf dem Rückweg den Bus genommen. Dieser fährt fußläufig ca. 5 min von der Brauerei entfernt ab. Nachdem ich den Weg geschafft hatte, war ich von der Größe der Analage schon recht beeindruckt. Die Brauerei befindet sich nämlich in der denkmalgeschützten Halle des ehemaligen Gaswerks Berlin Mariendorf.  Das gesamte Gebäude stammt aus dem Jahre 1902 und wie ich im Nachhinein erfahren habe, dauerte es fast 4 Jahre, bis alle Denkmalschutz-Auflagen erfüllt worden sind.

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Gemütliche Sitzecken

Die Außenanlagen waren der Witterung entsprechend natürlich nicht in Benutzung. Ich kann mir aber vorstellen, dass es absolut genial sein muss, hier in einer lauen Sommernacht zu sitzen. Wenn man in die Halle reinkommt, gibt es erstmal eine Art Vorhalle, in der ein Empfangstresen steht. Dort ist auch der obligatorische Fanshop mit Getränken, Klamotten und anderen Devotionalien von  Stone Brewing. Und dann kommt man in die große Halle – wow was für Dimensionen. Hier hat man nicht gekleckert, sondern geklotzt. Gut 25 Mio. Euro wurden hier insgesamt investiert. Auf der linken Seite befindet sich die Brauerei, die durch eine große Glaswand abgetrennt ist. Der ganze restliche Teil ist eine großzügige Fläche zum Sitzen, Essen, Biertrinken und verweilen. Überall sind große Holzbalken und andere natürliche Materialien um die Bereiche voneinander abzutrennen. Gleich rechts in der großen Halle befindet sich die große Theke, die mit auf jeder Seite ca. 30 Zapfhähnen! aufwartet. Dahinter ist eine große Freitreppe, die man mit vielen gemütlichen Sitzmöglichkeiten ausgestattet hat. Auf der oberen Etage hat man einen schönen Überblick über die ganze Halle und findet weitere gemütliche Sitzgelegenheiten. Einziger Wermutstropfen ist, dass man sich hier oben selbstbedienen muss. Was bei der Größe der Anlage aber mehr als verständlich ist.

Hinter der Bar gibt es noch einen Durchgang zu einem weiteren Raum dem Bibliotheks- oder Kaminzimmer. Dieser separate Raum hat noch eine weitere kleine Bar und wird häufig für die Einführungen zu den Brauereiführungen genutzt. Wie ich auch später erfahren habe, war es auch der erste fertiggestellte Raum in der neuen Brauerei. Er wurde im März letzten Jahres zuerst restauriert. Und ab April 2016 begann man mit dem eigentlichen Brauen. Und ab Sommer war dann auch das Restaurant und der Schankraum für Publikum geöffnet. Da ich natürlich auch die Brauerei von innen und nicht nur durch die Scheibe besichtigen wollte, buchte ich noch eine Führung. Diese werden mehrmals täglich sowohl auf Deutsch als auch in Englisch angeboten. Da die nächste deutsche Tour schon ausgebucht war, buchte ich die englische. Sie kostet sehr faire 3 € und lohnt sich auf alle Fälle. Man wird 45 – 60 Minuten herumgeführt, darf danach noch 3 verschiedene Biere verköstigen und bekommt noch ein Nosingglas als Geschenk.

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Reid erklärt den Brauprozess

Uns führte Reid durch die Brauerei. Der Amerikaner ist erst seit Sommer 2016 hier, führte aber durch die Brauerei wie ein alter Hase und war mit großen Enthusiasmus dabei. Die Berliner Brauerei ist mittlerweile die dritte Brauerei von Stone Brewing. Das Hauptwerk in San Diego wurde vor ca. 10 Jahren eröffnet. Ende 2016 wurde noch eine Brauerei in Richmond eröffnet. Auch wenn man es bei den Ausmaßen kaum glauben mag, ist die Berliner die kleinste Brauerei der Dreien. Da man schon vorher Bier nach Deutschland und Europa exportiert hatte, kam man vor ca. 4 Jahren auf die Idee, warum nicht gleich eine Brauerei vor Ort bauen. Die Wahl auf Berlin fiel vor allem des Standorts wegen. Riesiger Einzugsbereich, gute Verkehrsanbindung und die zentrale Lage in Europa. Und dann hat bestimmt auch noch die Craftbeerszene in Berlin  eine Rolle gespielt.

Die meisten Biersorten in Berlin sind identisch zu denen in San Diego, wobei der Hauptunterschied durch das Wasser ausgemacht wird. Das Berliner Wasser ist weicher und wie Reid uns verraten hat, sogar noch besser zum Brauen geeignet. Die Gerste kommt größtenteils aus Deutschland, beim Hopfen greift man fast ausschließlich auf US-Hopfen zurück. Aber auch erste Testsude mit deutschen Hopfen wurden schon versucht. Um diese Testsude im kleinen Stil und auch eigenes Bier nur für den Verkauf vor Ort produzieren muss, baute man neben der eigentlichen Brauerei, noch eine Experimentier-Brauanlage mit auch schon beeindruckenden 600 l Menge pro Braugang.

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Hier wird Berliner Weiße hergestellt

Dagegen schafft die große Anlage schon 10.000 l pro Brauvorgang und das bei 3 Durchläufen pro Tag und das an 5 Tagen die Woche. Da kommt schon einiges an Bier zusammen. Alles wirkte auf mich schon ein wenig  industriell und ist komplett computergesteuert. Wir wurden durch die einzelnen Stationen der Bierherstellung geführt. Interessant fand ich die angeschlossene Turbine am Läutertank, womit man die Energie zum Erhitzen wiederverwendete. Da sie fast nie Flaschengärung durchführen nutzen sie zwei Fermentationstanks. Der zweite Tank kann auch bei dem sogenannten Dryhopping genutzt werden. Auffällig war auch ein kleiner Steinbottich. Dieser wird für die Gärung von Sauerbieren,  im speziellen zur Herstellung von Berliner Weiße genutzt. Wie wir erfahren haben, scheinen die Bakterien in Steingefäßen besser als in Stahltanks zu funktionieren. Insgesamt ist es schon eine wirkliche beeindruckende Anlage, die aber nur noch wenig mit der romantischen Vorstellung der „Hobbycraftbeer“-Herstellung  zu tun haben.

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Der Start der Bierverköstigung mit einem IPA

Dann ging es noch zu einer kurzen Verkostung. Dort wollte uns Reid neben den bekanntesten Bieren von Stone auch deren Vielfalt näher bringen. Gestartet haben wir mit dem Megaseller von Stone dem Stone IPA. Dies hat für Stone „nur 6,8 % Alkohol“ und eine IBU-Zahl von 77. Das war mal eine ordentliche Hopfenbombe. Hier kamen Magnum, Centennial und Chiinook  Hopfen zum Einsatz. Als nächstes kam dann ein komplett anders schmeckendes Bier ins Glas. Dachten wir zu mindestens, aber es war das gleiche Bier, nur dass hier eine andere Hefe zum Einsatz kam. So hatte das sogenannte Calibelgique IPA die klassische belgische Bier-Note, die man eher von einem Double oder Tripple kennt. Da waren Aromen von Banane und Lemongras zu schmecken. Aber die klassischen IPA-Fruchtaromen, vom Stone IPA waren fast nicht mehr wahrnehmbar. Am Schluss kam dann noch ein ursprünglich missglückter Bierversuch ins Glas – das Arrogant Bastard Ale. Beim ersten Brauvorgang 1997 sollte es ursprünglich ein Red Ale werden. Das Ergebnis war aber etwas ganz anderes geworden. Es war viel bitterer, wies aber eine komplexe Karamell-Note auf. Das „missglückte“ Bier kam so gut an, dass es in die Standardrange aufgenommen wurde und mittlerweile das meistverkaufte Fassbier von Stone darstellt.

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Craftbeer-Himmel – 60 Biere vom Fass

Dann wurde es langsam Zeit, wieder nach Berlin rein zu fahren. Ein toller Tag neigte sich dem Ende zu. Ich kann nur jeden empfehlen, der in der Hauptstadt ist oder plant hinzufahren sowohl die Markthalle 9 als auch Stone zu besichtigen. Beides sind Highlights für jeden Biertrinker, aber auch Fans von Industriekultur und leckeren Essen kommen hier auf ihre Kosten. Nähere Informationen zu Stone Brewing wie z.B. Öffnungszeiten, Touren, produzierten Bieren etc. findet Ihr auf der Website http://www.stonebrewing.eu

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Es wird Bier gebraut – ein Brauseminar in der Braustelle in Köln

Drinklabor_Braustelle1Wie Ihr Euch vielleicht noch erinnern könnt, war ich Ende letzten Jahres bei einem speziellen Tasting in Köln. Dort gab es die spannende Kombination aus Schottischen Single Malt und Cologne Craftbeer. Wer möchte kann hier noch mal den Bericht lesen. Auch wenn die Kombination mich im Endeffekt nicht so überzeugt hat, war ich doch von den Einzelkomponenten sehr begeistert. Im Rahmen des Abends erzählte uns Peter Esser von der Braustelle Köln, dass er auch Brauseminare anbietet. Das hörte sich sehr spannend an. Da uns die Biere sehr gemundet haben, wurde gleich nach einem passenden Termin gesucht. Da die Brauseminare sehr beliebt sind, sollte man sich frühzeitig um eine Anmeldung kümmern. Und im Wonnemonat Mai hat es endlich auch bei uns mit einem Termin geklappt. Die nur als Brauseminar betitelte Veranstaltung stellte sich am Ende als ein Rundum-Bier Tag dar. Bei diesen wurden wir sowohl mit dem Bierbrauen vertraut gemacht, wir lernten das Bierprobieren und die Unterschiede der verschiedene Bierstile, haben viel Hintergrundwissen mitgenommen und wurden auch noch lecker verköstigt. Die Veranstaltung findet meist einmal im Monat immer samstags statt. Daher musste ich mich schon sehr früh auf den Weg nach Köln aufmachen, damit ich pünktlich um 10.00 Uhr in Ehrenfeld ankam. Die Braustelle die sowohl Kneipe als auch Brauhaus in einem ist, liegt Mitten in Ehrenfeld und macht einen richtig urigen Eindruck. Vom Eingangsbereich schaut man direkt zur Theke. Im rechten Teil findet man an der Fensterfront verschiedene Sitzgelegenheiten und im hinteren Teil befindet sich die offene Brauerei. So sitzt man wirklich fast zwischen Braukessel und Läuterbottich. Wirklich sehr authentisch und nicht so museal wie in vielen anderen Braugaststätten, wo man maximal hinter Glas nur Teile der Anlage zu sehen bekommt.

Das Herzstück der Braustelle

Das Herzstück der Braustelle

Falls ich in den nächsten Zeilen etwas durcheinander gebracht habe, möchte ich die bitte entschuldigen-es war mein erstes Mal :-). Das Seminar war wie so häufig ausgebucht. Wir waren insgesamt 15 Personen. Erstaunlicherweise waren auch vier Frauen beim Seminar dabei. Außerdem waren recht viele jüngere Teilnehmer vertreten. Komplett anders als ich erwartet habe. Da zeigt sich, das der Craftbeerboom auch andere Zielgruppen anspricht und Bier selber machen richtig in ist. Peter begrüsste uns mit seinen beiden Angestellten, die uns durch den Tag begleiteten. Gleich zuerst gab es erstmal Kaffee. Dann führte er uns ein wenig durch die Räumlichkeiten und erklärte uns kurz die Aufgaben bzw. Funktionsweisen der einzelnen Geräte. Danach ging es in der Keller, in dem wir uns zuerst den Gärraum angeschaut haben. Hier beschrieb er die Vorgänge bei der Gärung, die hier in einer offenen Wanne erfolgt. Wir konnten auch keine fremden Bakterien oder ähnliches in den Raum einschleusen, da zur Zeit alle Gärbehälter leer waren. Zum Abschluss des Rundgangs ging es in das Bier- oder Reifelager. Diesen haben wir mit unserer Gruppe mehr als ausgefüllt. Da die Braustelle sehr viele unterschiedliche Biere produziert und auch immer 8 verschiedene Biere am Zapfhahn hat, brauchen sie hier einige Lagertanks. Ich habe sie nicht gezählt, schätze aber das hier auch mindestens 8 Stahltanks standen. So kann man diese einerseits zur Reifung nehmen, aber auch gleich anschließend an die Zapfanlage anschließen. Insgesamt können sie hier bis zu 100 hl Bier lagern, was für einen kleinen Gastropub schon recht ordentlich ist.

Der Keller mit Reiferaum und Lagertanks

Der Keller mit Reiferaum und Lagertanks

Um uns von der ganzen Theorie erstmal zu erholen, gab es ein ordentliches bayrisches Frühstück mit Brezeln, Weißwurst und Schinken. Und wer wollte konnte auch schon mit einem Weizenbier oder dem Helios (naturtrübes Kölsch) traditionell starten. Die ganzen Backwaren waren alle selbst gebacken und häufig kam der hier reichlich vorhandene Biertreber zum Einsatz.

Nach der ordentlichen Stärkung und ein paar Anekdoten von Peter ging es dann zur praktischen Tätigkeit über. Endlich durften wir auch selbst ein wenig Hand anlegen. Wir haben „unser“ Bier auf einer kleinen Hobbybrauanalge gebraut, die aber wie die Große auch, alle wichtigen Bestandteile aufwies.

Unsere "Mini"Brauanalage

Unsere „Mini“Brauanalage

Zuerst gab es noch ein paar Hintergrundinformationen zum Malz und was es da alles für verschiedene Sorten gibt und wie diese hergestellt werden. Wir konnten auch die verschiedenen Malze riechen und probieren. Darüber hinaus erhielten wir Informationen, welches Malz für welche Biere eingesetzt werden. Dies hilf uns ein wenig bei der Entscheidung, welches Bier wir denn eigentlich brauen wollten.  Wir entschieden uns für ein helles Bier, so dass wir Pilsner Malz als Grundlage nahmen und dazu noch ein wenig karamellisiertes Malz gegeben haben. Das Pilsnermalz war schon einsatzbereit, das Karamellmalz musste erst noch geschrotet werden.

Unsere Bierzutaten Hopfen&Malz

Unsere Bierzutaten Hopfen&Malz

Gleichzeitig haben wir schon mal das Wasser vorgewärmt. Dann wurden die Malze dazu gegeben und das Ganze musste ordentlich gerührt werden. Und dann sollte die Flüssigkeit bei Erreichen von 63 Grad erstmal in der sogenannten Maltose Rast für 20 Minuten ruhen. Dabei haben wir gelernt, dass man sein Material vorher auf Funktionsfähigkeit testen sollte. Unser Thermometer zeigte nach Zugabe des Malzes nur noch um die 50 Grad an, so dass wir die Heizplatte hochgedreht haben. Komischerweise tat sich nicht sehr viel, so dass wir nach einiger Zeit noch mal das nachprüften und feststellen mussten, dass das Thermometer leider kaputt war. Bei erneuter Messung waren wir schon weit über die Temperatur hinaus. Aber was ein erfahrener Brauer ist, hat auch für sowas eine Lösung. Wir wechselten das Verfahren und nutzten das sogenannte englischen Verfahren, wo man nicht mit 2 unterschiedlichen Temperaturen und Ruhephasen arbeiten muss.

Die Vorbereitungstätigkeiten

Die Vorbereitungstätigkeiten

Da wir dann mit der Temperatur schon weiter oben waren, legten wir trotzdem noch eine Rast ein. Das gab uns die Gelegenheit ein Pale Ale von der Braustelle zu probieren. Da wir ein solches herstellen wollten, war es natürlich schön vorher zu probieren, wie es schmecken sollte. Dann durften wir auch eine Jodprobe durchführen. Dafür wird ein wenig Maische entnommen und auf einem Gefäß mit Jod versetzt. Damit soll Stärke gemessen werden. Die Farbe zeigt das Ergebnis an, sollte es sich Blau gefärbt haben, wäre immer noch zuviel Stärke enthalten. Aber bei uns passte alles.

Durchführen der Jodprobe

Durchführen der Jodprobe

Dann ging es an Läutern. Dabei wurde geschaut, ob die Maische noch trüb rausläuft. Daher wurde im Anfang die rausgelaufene Maische solange in den Läuterbottich wieder zurück geschüttet, bis es sich geklärt hatte. Läutern als solches dauert eine Zeit lang, so dass wir noch weitere Biere der Braustelle probieren konnten. Dann wurde die vorher exakt ausgerechnete Menge Hopfenpelletts hinzugegeben. Wir hatten uns für den neuen deutschen Hopfen Mandarina Bavaria entschieden. Dieser hat wie es im Namen schon raus zu hören ist, ein tolles Orangen/Mandarinenaroma.

Die Maischebereitung und Läuterung

Die Maischebereitung und Läuterung

Die Prüfung der Trübung zur Feststellung des Läuterungsabschlusses

Die Prüfung der Trübung zur Feststellung des Läuterungsabschlusses

 

Im Anschluss wurde die Maische mit den Hopfen zusammen zum kochen gebracht. Am Schluss der ganzen Prozedur haben wir noch mal ein wenig Hopfen dazu gegeben. Dann ließen wir unser zukünftiges Bier noch ein wenig abkühlen. Es war mittlerweile schon später Nachmittag. Das leckere Abendbrot und noch das eine oder andere Bier stand an.

Das leckere Abendessen

Das leckere Abendessen

Mit netten Gesprächen und Erläuterungen ging ein wunderbarer Tag zu Ende. Am Ende der Veranstaltung hat jeder ein Glas mit seinem zukünftigen Bier und ein kleines Tütchen Hefe bekommen. Peter gab uns noch ein paar Hinweise, was wir zu Hause bei unserem Bier beachten sollten. Zur Sicherheit gab es aber auch noch eine schriftliche Anleitung mit auf dem Heimweg. Bei nächster Gelegenheit werde ich von dem Abschluss der Bierherstellung berichten und Euch über das finale Ergebnis informieren. Ich kann nur sagen, dass es mir sehr viel Spaß gemacht hat und ich jeden Bierbegeisterten ans Herzu legen, selbst mal ein Brauseminar zu besuchen. Es macht mit mehreren doch mehr Spaß, als zu Hause allein zu experimentieren. Und die Braustelle mit seinem tollen Team und Peter als Lehrer ist der beste Ort zum gemütlichen Einstieg in die Materie. Wer sich für die Seminare interessiert, kann sich hier weitere Informationen unter www.braustelle.com finden.

Mitbringsel für zu Hause - Biertreber zum Brotbacken

Mitbringsel für zu Hause – Biertreber zum Brotbacken

Das finale Ergebnis des Workshops und nach Zugabe der Hefe

Das finale Ergebnis des Workshops und auf dem Weg zum Bier, nach der Zugabe der Hefe

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Schönramer Brauerei – Historie und Craft Bier

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Da ich schon längere Zeit Craftbiere probiere, bin ich irgendwann über die Schönramer Brauerei gestoßen. Jetzt werden viele sagen, Moment mal die sind doch schon 1780 gegründet worden. Ja diese Brauerei bildet wirklich eine Ausnahme – quasi ein Zwitter aus alteingesessener bayrischer Familienbrauerei mit Innovationen und neuartigen Biere alla IPA etc. Das spannende an dieser Brauerei ist, dass sie seit über 15 Jahren einen US-Amerikaner als Braumeister haben. Eric Toft – ist eine wirklich schillernde Persönlichkeit, der quasi als Hobbybrauer in seiner Heimat Wyoming angefangen hat. Dann wollte er das Bierbrauhandwerk von der Pike auf lernen. Dazu ging er nach Deutschland, wo er an der Uni Weihenstephan Brauereiwesen studierte und nach einigen Zwischenstops bei der Schönramer Brauerei landete. Ein interessantes Interview mit ihm findet Ihr auf FeinerHopfen.com.

Wie schon oben geschrieben, bieten die Schönramer eine breite Palette von klassischen Bayrischen Bieren wie Helles, Weißbier bis Pils. Ausserdem  brachten sie daneben eine gewisse Anzahl an Bieren heraus, die man häufiger  im Craftbierumfeld findet wie IPAs oder Imperial Stouts. Weitere Infos zur Brauerei und den Bieren findet Ihr auf der Brauerei Website.

DrinkLabor_Schönramer_TastingIch wollte diese sich scheinbar doch nicht ausschließenden Gegensätze einfach mal probierten. Dabei beschränkte ich mich auf zwei Sorten, das Schönramer Gold und das Bayrisch Pale Ale. Das Schönramer Gold ist ein Wiesn Märzen das mit 5,7 % Alkohol schon recht kräftig daher kommt. Das Gold kommt in der kräftigen dunkelgelben Farbe zum Ausdruck. In der Nase kommt eine tolle Honignote zum Vorschsein. Mich erinnert es von der Nase ein wenig an klassische Naturtrübe Biere. Im Geschmack kommt noch ein wenig mehr Abwechselung dazu..Neben der gut wahrnehmbaren Süße kommt eine stärkere  Bitterkeit dazu. Auch ein wenig Weißbrotaromen habe ich noch wahrgenommen. Rundherum ein gelungenes Bier, dass durch die Bitterkeit einen schönen Kontrast setzt, zu den sonst doch eher recht langweiligen bayrischen Hellen.

Danach probierte ich das Bayrisch Pale Ale – ein obergäriges Bier mit 5,5 % Alkohol. Eine schöne Nase bei der gut Zitrusnoten hervorkommen. Am Gaumen eine schöne Mischung aus Malzigkeit, Orangen- oder Zitrusfruchtigkeit und einer abgemilderten Bitterkeit. Wie ich nachgelesen habe, wird hier vor allem die relativ neue Hopfenart Manderina Bavaria eingesetzt. Für Hardcore IPA Trinker wird es nicht das richtige Bier sein, dafür ist es insgesamt bei der Hopfung doch zu zurückhaltend. Aber speziell für IPA-Einsteiger ist es ein schönes Einstiegsbier, das klassische bayrische Lagerbiere mit IPA Ansätzen verbindet.  Mir persönlich ist es ein wenig zu gefällig, aber sehr gut trinkbar.

Zusammenfassend zwei gute Biere, die mein Interesse für die weiteren Sorten geweckt haben.  Und gerade in Zeiten wo häufig eine ideologische Grenze zwischen Craft Bier und alteingesessenen Brauereien gezogen wird, finde ich den Ansatz von Schönramer ganz spannend.

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