Archiv der Kategorie: Tasting Notes

Neue Single Malts aus der Sujet-Reihe von whic

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Testbatterie – drei Whiskys der neuen Sujet-Reihe

Heute möchte ich Euch drei neue Single Malt Whiskys vorstellen, die ich vorab probieren durfte. Es geht um drei Abfüllungen des Blogs, Onlineshops und seit 2016 auch unabhängigen Abfüllers whic – Whiskycircle aus Süddeutschland. Der ein oder andere kennt sie bestimmt schon, da sie auch viele interessante Artikel und regelmäßige News rund um das Thema Whisky veröffentlichen. Daneben haben Sie auch schon drei kostenlose und sehr lesenswerte E-Books ebenfalls zum Thema Whisky veröffentlicht – zu schottischen, japanischen und irischen Whisk(e)y. Ich finde auch sehr gut, dass sie nicht nur als Shop auftreten, sondern Ihr Wissen und Know How in ihrem Blog und dem Newsletter an ihre Kunden und Abonnenten weitergeben.

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Testaufbau für das Probieren der Sujet-Reihe von Whic

Aber kommen wir zu den Whiskys. Ich durfte drei schottische Single Malts probieren, die alle in Fassstärke, ungefiltert und ungefärbt sind und jeweils nur aus einem Fass kommen. Wie es sich für einen guten Whisky eigentlich auch gehört. Die drei gehören zu der neuen Reihe „whic sujet“. Die Whisky dieser Reihe fallen erstmal durch die sehr schönen Labels auf. Alle Abfüllungen enthalten Aktstudien der litauischen Künstlerin Ruta Grigaite. Und wie passend ist es, dass man das „flüssige Kunstwerk“ Whisky in eine Flasche mit einem Kunstwerk auf dem Label abfüllt. Die Aktstudien gehören entsprechend zu einer Reihe von Zeichnungen die alle sehr ansprechend sind  und häufig auch einen Bezug zu dem enthaltenen Whisky haben. Aber dazu nachher mehr. Alle drei Whiskys wurden außerdem  am Ende ihrer Lagerung noch einmal für eine bestimmte Zeit gefinisht. Wobei die ersten beiden nachträglich noch in einem Madeira Cask und der dritte Whisky in Sherry Oktave Fässern gelagert wurden. Aber kommen wir nun zu den Whiskys.

  1. Fettercairn Madeira Hogshead Finish 10 Jahre (2006-2017) 52,6 % –
    Whic Sujet I
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Fettercairn 10 Jahre – Sujet I – Quelle: whic.de

Nach 10 Jahren im Bourbonfass gönnte man diesen Whisky noch 9 Monate im Madeirafass. Was ich sagen muss, dem Whisky sehr gut getan hat. Einerseits gab das Fass eine wunderbare Farbe ab, so dass wir nun einen schönen bernsteinfarbenen Whisky haben, anderseits glättete das Fass den Whisky noch ein wenig und gab ihm eine schöne Süsse. Aber fangen wir mit der Nase an. Es kann an den sommerlichen Temperaturen liegen, aber irgendwie erinnert er mich zu Beginn an eine sommerliche Blumenwiese. Ein wenig Kräuter, aber auch Frucht und dezent blumig. Im Antritt sticht er schon ein wenig in der Nase aber das verfliegt nach einer gewissen Zeit. Im Hintergrund denke ich auch Nuss und Karamell zu spüren und mit der Zeit auch ein wenig Zitrusnoten. Der Madeira hat schon eine gute Arbeit geleistet.

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Die erste Probe – Sujet I ein 10 jähriger Fettercairn mit einem Madeirafinish

Im Mund spüre ich auch zuerst die Süsse. Zu Beginn ein ganz sanfter Antritt, der aber zunimmt und gefühlt stärker wird. Der Alkohol ist besonders an der Zungenseite mit Kribbeln gut spürbar. Auch habe ich eine gewisse Bitterkeit, sowie bei manchen Nüssen. Aber da es ja der erste Whisky des Tages ist, muss noch ein zweiter Schluck her. Und jetzt ist er auch schon runder und ich fühle mich an die berühmte Schokocreme aus Alba in Italien erinnert. Sehr schön schoko-nussig und damit es nicht zu süss wird, kommt im Abgang eine gut spürbare Pfeffernote dazu. Man spürt schon den Alkohol noch deutlich, aber das finishen im Madeiracask hat ihn runder gemacht und so wirkt er auch ein wenig älter als seine 10 Jahre.  Dieser Whisky schreit einfach danach ihn auch mit einem Tropfen Wasser zu probieren. Das führt dazu, dass er noch süsser wird. In der Nase ist jetzt die Zitrusnote stärker spürbar und die Nussnougatcreme kommt richtig schön durch. Gefällt mir wirklich sehr gut. Für einen 10 jährigen Fettercairn, wahrlich keine Hypedestille,  ist er sehr schön gelungen. Für Fans von Schoko-Nuss absolut zu empfehlen und mit Wasser kann man auch schön mit ihm spielen. Und mit 59,90 € für die Flasche ein wirklicher Schnapper für eine Singlecaskabfüllung in Fassstärke. Er wurde aus dem Fass mit der Nr. 107660 in 420 Flaschen abgefüllt.

Weitere Informationen: http://whic.de/fettercairn-2006-2017-10-jahre-madeira-finish-whic-sujet.html

  1. Macduff Madeira Hogshead Finish 10 Jahre (2006-2017) 55,0 % –
    Whic Sujet II
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Macduff 10 Jahre Sujet II von Whic Quelle: whic.de

Auch hier wurde das gleiche Vorgehen wie schon beim Fettercairn angewandt. Erst lagerte dieser Macduff für 10 Jahre in einem Bourbon-Hogshead und dann wurde er für ebenfalls für 9 Monate in einem Madeirafass gelagert. Nett finde ich die Anspielung das Labels mit seiner grün-gelblichen Farbe auf die hier gut wahrnehmbaren Zitrusnoten. Die Macher haben sich doch einige Gedanken bei der Label-Gestaltung gemacht. Die hier verwendete Aktstudie erinnert mich persönlich irgendwie an ein Werk von Gustav Klimt. Aber kommen wir auch hier zum Whisky. Hier wurde ein Macduff abgefüllt. Die Destillerie aus Banff ist für schottische Verhältnisse noch relativ jung und produziert fast ausschließlich für die Blendindustrie. Seit einiger Zeit gibt es auch eine Originalabfüllung die unter dem Namen The Deveron vertrieben wird. Außerdem verkaufen sie auch das eine oder andere Fass von unabhängige Abfüller, so dass man ab und zu einen Single Malt von Macduff von einem unabhängigen Abfüller erhält.

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Probe Nr. 2 ein 10-jähriger Macduff mit Madeirafinish

Auch bei diesem Whisky handelt es sich wieder um eine Einzelcaskabfüllung in Fassstärke, ungefiltert und ungefärbt. Aber mit 55 % Alkohol kommt der Macduff noch ein wenig kräftiger daher. Obwohl er in der Nase, trotz des mehr an Alkohol,  bedeutend sanfter als der Fettercairn wirkt. Und obwohl dieser Whisky auch im Madeirafass gefinisht wurde, weist er in den Aromen doch größere Unterschiede auf. Zuerst fällt mir eine gewisse Bitternote auf, die ich aber nicht genau einstufen kann. Dann auch Malz und schöne Fruchtaromen die eher in Richtung von hellen und auch Zitrus- bzw. Südfruchtnoten gehen. Die in den offiziellen Tastingnotes angesprochene Ingwernote konnte ich nicht finden. Kommen wir zum ersten Schluck. Im Vergleich zum Fettercairn bedeutend sanfter, weniger alkoholbetont und zu Beginn eine sehr schöne Süsse, die aber dann ins Bittere umschlägt. Diese mag ich irgendwie gar nicht. Auch wenn eher ungewöhnlich, habe ich sogar das Gefühl ein wenig Schwefel wahrzunehmen. Auch hier ist eine Pfeffernote wahrzunehmen, die aber weniger stark ausgeprägt ist. Und hinten heraus auch noch ein wenig Schoko und im Abgang eine schöne Süße. Hier ist dann auch die von mir wahrgenommene Bitternote nicht mehr so dominant. Versuchen wir das Ganze nochmal mit Wasser. Auch hier steigert sich der Whisky mit Wasser noch etwas. Eigentlich versuche ich jeden Whisky mit Wasser, da der Whisky sich häufig noch ein wenig öffnet. Speziell bei Fassstärkenwhiskys mit höheren Prozentzahlen bietet es sich natürlich noch eher an. Jetzt kommen auch die Schokonoten noch besser raus und das Ganze wird ein wenig süsser. Auch hier hat man es mit einem grundsoliden Malt zu tun. Das Finish im Madeirafass führte hier aber schon zu anderen Noten. Speziell die Zitrusnoten hat man nicht so häufig im Glas. Aber die Bittersten haben mich ein wenig gestört. Es war besonders interessant, die beiden Whiskys hintereinander zu testen. Obwohl dieser nicht ganz so meinen Geschmack traf, isst es eine grundsolide und gelungene Abfüllung. Diese wird auch mit 59,00 € angeboten. Hier wurden insgesamt 400 Flaschen abgefüllt.

Weitere Informationen: http://whic.de/macduff-2006-2017-10-jahre-madeira-finish-whic-sujet.html

  1. Tobermory Sherry Octove Finish 21 Jahre (1996-2017) 48,6 % –
    Which Sujet III
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Tobermory 21 Jahre Sujet III von Whic Quelle: whic.de

Kommen wir zu Whisky Nummer drei. Und wenn man sie alle drei nebeneinander stellt, fällt natürlich zuerst die Farbe auf. Er ist doch bedeutend dunkler, was auf Grund des Alters und des nachträglichen finishen nicht verwunderlich ist. Hier haben wir nun einen Tobermory. Ich sage gleich vorweg, mit dieser Destille stehe ich immer ein wenig auf Kriegsfuß. Ich mag die Insel Mull, Tobermory ist eine wundervolle Stadt und auch die Destillerie ist wirklich klein und knuffig. Aber der Whisky dieser Brennerei egal ob der getorfte oder ungetorfte, von denen ich schon einige probiert habe, überzeugte mich nur in den wenigsten Fällen. Aber ich lasse mich gern eines besseren Belehren, also weitertesten und probieren.

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Probe Nr. 3 ein dunkler Tobermory mit Sherryfinish

Hier haben wir es verglichen mit den ersten beiden mit einem richtigen Senior zu tun. Hier durfte der ursprüngliche New Spirit für 21 Jahre in einem Ex-Bourbon Fass lagern. Nach dieser Zeit kam diesmal aber kein Madeiracask zum Einsatz, sondern ein Sherryfass, eigentlich waren es sogar 3 Fässer. Hier wurden drei sogenannte Sherry-Octavefässer verwendet. Dies sind kleinere Fässer, die einen stärkeren Austausch von Holz zum Destillat fördern. So fassen Octave-Fässer nur so ca. 50 l. Was verglichen mit z.B. einem Hogshead mit 250 l ein bedeutend geringeres Volumen bedeutet. Da diese bedeutend kleiner waren als das ursprüngliche Fass, hat man dieses auf 3 Octaves aufgeteilt. Nach einer mehrmonatigen Lagerung in den Octaves wurden diese drei Fässer dann wieder zusammengefüllt – in Whiskykreisen spricht man von vermählen und dann erst abgefüllt. Auch hier wieder ein sehr geschmackvolles Label ins bräunliche gehend. Ich bin schon gespannt, was ich davon im Whisky wiederfinden werde. Die erste Nase kommt schon sehr schön. Alles rund, wunderbar eingebunden. Ich habe Früchte in der Nase, die schon ins stärker süßliche gehen. Ein wenig wie Dörrobst oder kandierte Früchte. Ebenfalls sind auch ein wenig Leder und auch dezente Tabaknoten wahrnehmbar. Das ist schon eine Nase, der ich mich gerne länger widme. Ein sehr schöner Schnüffelwhisky.

So der erste kleine Schluck – mmmhhh – Schoko, Honig, Süsse, auch Keksnoten und alles wunderbar schmeichelnd. Sehr schön eingebundener Alkohol – hier kommt die Seniorität doch gut durch. Man merkt schön das Holz, das beim Abgang noch stärker wird. Auch ein wenig Trockenheit bleibt übrig, aber alles im Rahmen. Auch ein wenig Kaffee und Kakao bleibt im Mund. Wirklich sehr gut gelungen. Bei seinen 48 % trau ich mich gar kein Wasser dazu zugeben, aber es wird trotzdem probiert. Gefühlt werden die Früchte heller, stärkere Zitrusnoten sind spürbar. Auch Malzsüsse und Kakao kommen stärker zur Geltung. Das Holz und die Trockenheit gehen ein wenig zurück. Auch nicht schlecht, aber hier bevorzuge ich ganz klar die Variante ohne Wasser. Für mich das klare Highlight der bisherigen Sujet-Reihe. Ein wirklich gelungener Tobermory, was ich sehr selten sage. Wunderbar rund und man kann sich länger mit ihm beschäftigen. Die finale Lagerung in den Sherry Octaves hat ihm sichtlich gut getan. Für mich eine klare Empfehlung. Natürlich muss man für 21 Jahre dann doch ein wenig tiefer in die Tasche greifen. Der Tobermory ist für 119 € zu haben. Insgesamt sind von dieser Abfüllung 231 Flaschen herausgekommen.

Weitere Informationen: http://whic.de/tobermory-1995-2017-21-jahre-sherry-octave-finish-whic.html

Zum Schluss kann ich mich nur wiederholen. Eine wirklich interessante neue Serie von Whiskys – die allein schon mit dem Label ein Blickfang in jedem Schrank sind. Aber auch geschmacklich sehr gelungen und empfehlenswert sind. Wer mehr über die Sujet-Reihe oder den Shop bzw. Blog erfahren möchte, kann dies unter www.whic.de  weitere Informationen finden. Allein schon für die Gratis-E-Books seit kurzer Zeit auch eins zu irischen Whiskey lohnt sich ein Websitebesuch.

Disclaimer: Die drei Whiskyproben wurden mir von der whic UG aus München unentgeltlich zum Testen zur Verfügung gestellt. Vielen Dank dafür. Eine inhaltliche Beeinflussung des Textes fand nicht statt.

 

 

 

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Tonictest 2.0 – die bitteren Tage gehen weiter 

img_1452Mittlerweile gibt es schon wieder so viele neue Tonics auf den Markt, dass ich mich gemüßigt gefühlt habe, diese auch zu probieren. Ich hatte damals schon beim großen Tonictest im letzten Sommer 10 verschiedene Toncis getestet. Hier findet Ihr den Beitrag dazu. Aber die Zahl der Tonic Water ist ja schon fast unüberschaubar. Im Netz habe ich irgendwo die Zahl von 350 verschiedenen Tonics gelesen. Da verliert man schnell den Überblick und es wird schon recht schwierig die richtige G&T Kombination zu finden. Daher will hier eine kleine Reihe starten und ab und zu neueTonics probieren. Dabei gehe ich ganz undogmatisch zu. Ich schaue welche ich gerade irgendwo gefunden habe und diese werden mit den gerade offenen Gins probiert.
Los geht es. Bei der ersten Runde mache ich eine kleine Europatour. Ich starte mit einem Tonic aus Italien, dann geht es nach Belgien und zum Schluss nach Spanien.

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Das Aquatonica von Plose aus Italien

Plose Aquatonica (Italien)

Starten möchte ich mit dem Plose Aquatonica. Ein Tonic aus Italien, genauer gesagt aus Brixen in Südtirol. Das Tonic kommt von dem Familienunternehmen Plose Quelle AG. Diese füllen schon seit den 50er Jahren Mineralwasser und in den letzten Jahren auch Limonaden ab. Für den deutschen ungewöhnliche Limonadengeschmäcker aus Italien kenn ich ja, aber Tonic hatte ich noch nicht im Glas. Bei der Flasche fällt zuerst ein recht ungewöhnliches Design auf. Die 25 cl Flasche mit Drehverschluss, hat man bei Tonic Water eher selten. Wenn man nicht genauer auf dem Etikett nachliest, vermutet man wirklich eher eine Limonade. Auf diesem fällt zuerst ein auf vintage getrimmter Gewichtheber auf, der einem Zirkusplakat aus den 20er entlehnt worden ist. Mit dem Hinweis corroborante-Stärkung soll wo eine Richtung angedeutet werden. Beim Öffnen merkt man schon ziemlich die Kohlensäure. Diese ist aber angenehm feinperlig. In der Nase eher blumig, süßlich – kommt eher wie eine Limonade daher. Und auch im Mund kommt eine ziemliche Süsse durch. Aber im Abgang kommt dann auch eine leichte Bitterkeit auf. Leider verfliegt die Kohlensäure sehr schnell.

img_3473Nun probieren wir das Tonic mit Gin. Da es recht süss daher kommt, dachte ich mir ich brauche einen eher klassischen wacholderbetonten Gin. Daher habe ich mich für den Brokers entschieden. Da leider die Kohlensäure schnell weg war und die Süsse stark im Vordergrund steht, hatte selbst so ein kräftiger Gin wenig Chancen. Da braucht es schon ein spanisches Mischverhältnis von 1:2 damit der Gin geschmacklich dagegen halten kann.

img_3475Ok dann werde ich mutiger und habe dem Tonic den recht kräftigen und intensiven BCN Gin entgegengesetzt. Der kam schon eher durch, aber die beiden sind nicht wirklich eine glückliche Gemeinschaft. Der Gin wirkt durch die Kombination irgendwie seifig. Eigentlich sollten zwei Gins genügen. Aber mein kleiner Gewichtheber aus Südtirol ist schon eine härtere Nuss. img_3477Ein letzter Versuch mit einem eher zitruslastigen Gin bringt vielleicht die Wende. Mit dem Rangpur von Tanqueray habe ich es dann noch mal versucht. Und hier habe ich mit das beste Ergebnis erzielt. Aber wirklich überzeugend war es auch nicht. Besonders störte mich die Süsse, die durch die schnell verflüchtende Kohlensäure extrem viele Geschmacksnoten überlagert.

Als Fazit kann ich sagen, dieses Tonic hat mich gar nicht überzeugt. Es gibt vielleicht den einen oder anderen Gin zu dem er passen könnte, aber meine Auswahl musste sich gegenüber dem Tonic geschlagen geben. Von meiner Seite keine Empfehlung.

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Das Tonic das nach dem Tonicerfinder benannt ist

Erasmus Bond Traditional Tonic (Belgien) 

Nach diesem Erlebnis musste ein klassisches Tonic her. Und wenn man sich schon nach dem Erfinder (oder besser Lizenznehmer) des ersten Tonics benennt, erwarte ich ein klassisches Tonic. Das Erasmus Bond wird in Belgien hergestellt. Der Londoner Erasmus Bond hat schon 1858 das erste Tonic patentieren lassen, noch vor der dem Hoflieferanten Schweppes von Herrn Schweppe.

Die Nase ist nicht aufdringlich, gute Zitrusnote aber alles recht zurückhaltend. Eine sehr gute Kohlensäuremenge, die auch nach dem Einschenken erhalten geblieben ist. Schöne Bitterkeit der Chinarinde mit einer leichten Süsse im Hintergrund. Ein klein wenig ist auch Lakritz wahrnehmbar, aber die Chinarinde ist mit ihrer Bitterkeit klar im Vordergrund. Trotzdem ist eine leichte Süsse im Hintergrund gut wahrnehmbar. Ein wirklich schönes klassisches Tonic, dass sich auch gut pur trinken lässt. Bin gespannt was meine Gins dazu sagen.

img_3491Als ersten Gin habe ich den Dodd´s Gin genommen, der schon ein wenig Ecken und Kanten mit seinem Honig und Lorbeer mitbringt. Zusammen mit dem Erasmus Bond ist es eine super Kombination. Der Gin ist noch gut mit seiner Note wahrnehmbar und der Tonic gibt dem ganzen seinen Rahmen. Ich habe ein 1:3 Mischverhältnis genommen. Wirklich eine schöne Kombination, die wirklich gut passte. Um das Tonic ein wenig auf Herz und Nieren zu prüfen, versuchte ich als nächstes einen wirklich herausfordernden Gin.

img_3492Den Bonner Flow Gin der mit seinem starken Rosenaroma ist definitiv nicht für jedes Tonic geeignet. Aber nach dem ersten Gin, fand ich das Bond Tonic so schön rund und dezent, dass ich es versuchen wollte. Auch hier setzt der Tonic dem Gin etwas entgegen, ohne ihn zu überlagern. Auch werden die Rosennoten beim puren Gin ein wenig abgeschwächt. Daher schafft er es auch bei herausfordernden Gins. Obwohl ich feststellte, wenn man ihn ein wenig stehenlässt, er eine leicht seifige Note entwickelt. Wer lässt aber schon seinen G&T stehen. Der Vergleich zwischen ersten und zweitem Tonic, also Italien und Belgien empfinde ich auf Grund der Geschichte schon als unfair, daher will ich sie auch gar nicht vergleichen. Das Erasmus Bond Classic Tonic macht seinem Namen alle Ehre und ist ein gutes, traditionelles Tonic, welches zu vielen Gins passt. Für mich ist es eine absolute Empfehlung. Erstaunlich ist nur, das es trotz des aktuellen Hypes nur selten hier in Deutschland zu kaufen ist. Ich persönlich habe es auch aus Holland mitgebracht.

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Ein ungewöhnliches Tonic mit Zuzu-Saft 

Qyuzu Premium Tonic Water (Spanien) 

Nach diesem klassischen Tonic soll jetzt ein wenig ungewöhnlicheres Tonic getestet werden. Nach Italien und Belgien soll es nun ein spanisches Tonic sein. Das Qyuzu Tonic das mit Yuzusirup versetzt ist. Laut Dose sollen 2,3 % Yuzusaft, der Saft einer japanischen Zitrusart, zugesetzt sein. Schon durch die Verpackung in der Dose fällt dieses Tonic auf. Ein wenig erinnert es an eine Kirin oder eine andere japanische Bierdose. Es sind auch 200 ml enthalten, obwohl die Dose kleiner wirkt. Aber wirklich nettes Design. Beim Einschenken fällt schon eine gewisse Trübung auf. Sieht fast aus wie ein Bitter Lemon. Die Nase ist geprägt von Zitrus und Fruchtaromen. Ich kenne Yuzu jetzt nicht, denke aber mal das es Yuzu ist, was hier in die Nase steigt. Beim Blindriechen wäre ich schwerlich auf Tonic gekommen. In der Nase erinnert es eher an einen zitrusartigen Fruchtsaft und ein wenig Aloe Vera vermag ich auch wahrzunehmen. Kohlensäure ist da, aber auch hier schnell wieder weg. Auf der Zunge erst recht fruchtig, ein wenig süss. Echt angenehm, wenn auch anfänglich wenig tonichaft. Im Abgang ist dann die Chinarinde spürbar und ein bitteres Mundgefühl bleibt übrig. Es ist schon mal eine spannende Mischung, aber eben halt kein klassisches Tonic. Man könnte es schon fast ein „New Western Style Tonic“ nennen, wenn man die Ginkategorie übertragen würde.

img_3495Jetzt wird es schwierig, was für einen Gin setzen wir dem entgegen. Ich versuche es mal mit dem Klassiker dem Bombay Sapphire. Erst mal an die Trübung im G&T gewöhnen. In der Nase nur noch Zitrone – wow hat schon fast was von Zitronensaft. Im Mund kommt der Gin nur gering durch, habe wieder die Saftassoziation. Schade das die Kohlensäure so schnell weg ist. Auch hier steht der Yuzusaft noch ziemlich im Vordergrund. Obwohl ich mag es. Komplett was anderes, nicht für jeden Tag aber wenn man mal was ungewöhnliches mag.

img_3497Jetzt versuche ich das Ganze noch mit einem spezielleren Gin, dem Martin Miller Westborne Strenght. Hier habe ich auch mal mit einer spanischen Mischung von 1:2 gearbeitet. Da das Tonic doch einen starken Eigengeschmack mitbringt. In der Nase bleibt das Aroma der Yuzu-Pflanze. Hier kommt jetzt auch noch der Martin Miller noch zur Geltung – auch das Gurkenaroma ist noch wahrnehmbar. Das harmoniert gut mit der Yuzuzitruslastigkeit. Daher empfehle ich bei diesem Tonic ein eher kräftigeren, wacholderbetonten Gin dazu zu nehmen. Vielleicht auch der spanischen Herkunft geschuldet, empfehle ich auch einen höheren Anteil an Gin. Ansonsten aber ein wirklich spannendes Tonic, mit dem man gut experimentieren kann.

Es ist spannend was sich so alles auf dem Tonicmarkt tut. Lest hier in Zukunft weitere Tonics-Test. Und versucht es zu Hause auch einfach mal aus, es macht wirklich Spaß. Speziell jetzt im Sommer bietet es sich an.

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The bitter Day – oder die große Tonic Water Versammlung

Der Testaufbau mit 10 Tonics

Der Testaufbau mit 10 Tonics

Als großer Gin Fan bin ich natürlich auch jemand der gern Gin und Tonic trinkt. Man muss sagen, diese beiden Getränke passen nun mal super zusammen. Und nachdem ich im letzten Jahr auch schon Tonic bzw. Tonicsirup hergestellt habe (den Text dazu findet Ihr hier), wurde es an der Zeit mal einen großen Tonicvergleich vorzunehmen. Durch die Teilnahme an einer Aktion der Siegfried Gin Macher kam ich zu der Gelegenheit dieses endlich mal vorzunehmen. Sie haben Leute gesucht, die gern ihre Lieblingskombination aus Siegfried und Tonic herausfinden möchten. Und die Teilnehmer haben insgesamt 10 Tonics zur Verfügung gestellt bekommen. Und wie predige ich hier schon länger, erst mal alles pur probieren und erst dann mischen. So konnten die Herzallerliebste und ich gleich zwei Tastings durchführen. Wobei ich sagen muss, 10 Tonics hintereinander ist schon eine ganz schön bittere Angelegenheit und man braucht viel Brot und Wasser zum neutralisieren. Des weiteren kommt man bei der ganzen Kohlensäure und das ein oder andere Bäuerchen nicht drumherum. Außerdem muss man auch berücksichtigen, das fast kein Mensch Tonic pur trinkt. Ich kenne zumindest niemanden. Aber um einzuschätzen, welche Art von Gin zu welchem Tonic passt, sollte man sich schon ein wenig mit den Geschmacksprofilen der unterschiedlichen Tonics auseinander setzen.

Die Deckel aller Testteilnehmer

Die Deckel aller Testteilnehmer

Wie schön war es noch in den 90er Jahren, da gab es bzgl. des Tonics kein Problem. Es gab quasi ein Tonic – das Schweppes – und man brauchte sich um die Auswahl keine Gedanken machen. Heute gibt es allein in Deutschland bestimmt über 30 verschiedene Sorten Tonic zu kaufen. Und mit dem Ginboom geht auch ein Tonicboom einher. Bei unseren Test haben wir versucht, die Tonics anhand von vier Kriterien zu begutachten. Wir mussten aber feststellen, das es teilweise sehr schwer war, die genauen Unterschiede zu beschreiben. Wir haben uns auf die Kriterien Bitterkeit, Süsse, die Stärke der Kohlensäure, besondere Aromen und den Abgang konzentriert. Die Reihenfolge haben wir ausgelost. Zur Auswahl standen diese 10 Tonic Water:

  • Thomas Henry Tonic Water
  • Thomas Henry Elderflower Tonic
  • Fever Tree Mediterranean
  • Goldberg Tonic Water
  • Fentiments Traditional Tonic Water
  • Doctor John William Polidori´s Dry Tonic Water
  • Aqua Monaco Tonic Water
  • Fever Tree Tonic Water
  • Schweppes Tonic Water Extra Dry
  • Aqua Monaco Extra Dry

Wie oben schon geschrieben, werden die meisten die Tonics nicht pur trinken, aber wir haben es versucht und unsere Eindrücke notiert. Der Versuch Aromen beim Tonic zu erriechen und da große Unterschiede festzustellen, erwies sich als sehr schwierig. Da ein Vergleich der puren Gin ohne entsprechende Gins nicht wirklich Sinn macht, habe ich auf eine Rangfolge bei der Bewertung verzichtet und werde die Erkenntnisse einfach nach Tasting-Reihenfolge wiedergeben. Da die Kosten für die einzelnen Tonics natürlich bei der Wahl auch eine Rolle spielen, habe ich zur besseren Einschätzung noch den Preis dahinter notiert. Den Preis habe ich von dem Onlineshop Ginladen, da er alle Tonics im Angebot hat. Natürlich bekommt man das eine oder andere Tonic im Internet oder stationären Handel auch zu günstigeren Preisen. Beginnen wir mit den Eindrücken zu den Tonics:

Das Thomas Henry Tonic Water für mich quasi der Standard bei Tonic Water, welches zu fast allen Gins passt. Es machte den Anfang unserer Bewertung. Erst in Vergleich mit den anderen Tonics und dem pur trinken erkennt man, wie extrem bitter es ist. Wenn ich an das Spicy Ginger denke, scheint es schon fast Firmenpolicy zu sein, immer ein wenig das Extreme zu suchen. Für mich ist es fast das Bitterste der gesamten Range. Kohlensäure ist schon gut vorhanden, nach dem Einschenken geht sie aber scnell verloren. Die Süsse hält sich eher in Grenzen. Insgesamt ein gutes Tonic, speziell für die Fans von ausgeprägter Bitterkeit. Hier braucht man schon Gins die dem ein wenig entgegensetzen können. Preis: 1,15 in der 0,2 l Flasche.

Thomas Henry Elderflower ist das süßeste Tonic in der Auswahl gewesen. Bei der Bitterkeit kann es mit dem normalen TH-Tonic mithalten, obwohl diese durch die Süsse der Holunderblüte gut abgemildert wird. In der Nase wirkt das Elderflower ziemlich künstlich. Und auch im Geschmack war es mir ein wenig speziell, wenn auch mit einem schönen Fruchtaroma. Beim Abgang bleibt fast nichts von der Süsse übrig und dagegen spürt man eine lange trockene Bitterkeit. Gefühlt war die Kohlensäure weniger präsent als bei dem normalen Tonic, was ich mir aber kaum vorstellen kann. In Kombination mit einem floralen New-Western Style Gin kommt diese Tonic bestimmt ganz gut. 1,15 in der 0,2 l Flasche.

Fever Tree Mediterranean war zum pur trinken für mich das angenehmste. Das Tonic ist schön harmonisch, hat aber eine spannende Kräuternote. Nach den Thomas Henry Tonics wirkte es fast gar nicht bitter und auch die Süsse wurde noch stärker betont. Aber dies ohne übertrieben süss zu sein. Die Kohlensäure ist präsent, aber gut eingebunden. Ein wirklich schönes Tonic – was sich auch optimal mit dem Siegfried Gin ergänzt. Preis: 1,99 € in der 0,2 l Flasche

Goldberg Tonic war für mich eine Überraschung. Ich hatte es schon mal getrunken, damals aber scheinbar mit dem falschen Gin. Ich hatte es al nicht besonders gut in Erinnerung. Beim pur trinken entpuppte es sich als grundsolides, gutes Tonic. In der Bitterkeit so zwischen T. Henry und Fever Tree mit einer dezenten Süsse. Die Kohlensäure ist hier stark ausgeprägt und bleibt auch sehr lange im Glas. Auch ein sehr gutes Allround Tonic zu einem günstigen Preis. Preis: 0,85 € für 0,2 l Flasche

Fentiments Tonic war für uns beide eine Herausforderung. Dieses Tonic macht es einen nicht leicht. Schon die Nase kann man nicht unbbedingt als wohltuend bezeichnen. Ein eher unangenehmer Geruch der ins Kohlartige und Kräuterige ging. Auch die Zitrusnote erinnerte einen weniger an Früchte als an Reiniger. Bei der Bitterkeit konnte es fast mit dem Thomas Henry mithalten, weist dazu aber noch eine extreme Trockenheit auf. Die Kohlensäure ist erst da und sofort weg. Aber der Geschmack und die Trockenheit wirken sehr lange nach. Man hat das Gefühl, dass man das Tonic noch lange im Mund „weiterkauen“ kann. Für mich definitiv nicht lecker und auch auf Anhieb fällt mir kein Gin ein, der direkt passen würde. Der Gin muss schon ein starkes Profil haben, um gegen das Tonic anzukommen. Es gibt bestimmt einige Liebhaber dieses Tonics, dafür ist es schon zu lange am Markt. Für mich aber, speziell pur genossen ist es zu schwierig. Preis: 1,59 in der 0,125 l Flasche

Das Dr. Polidoris Tonic kannte ich vorher noch gar nicht. War in meiner Geschmackswahrnehmung irgendwie im Mittelfeld. Nicht zu bitter, aber auch nicht zu süss. Ein dezente Kräuternote, die sich aber nur leicht im Hintergrund aufhält. Kohlensäure ist eher weniger vorhanden, bleibt aber dafür sehr lange im Glas. Der Abgang ist leicht bitter und trocken. Insgesamt ein gutes Durchschnitts-Tonic. Preis 1,99 € in der 0,2 l Flasche.

Das Aqua Monaco Tonic ist für mich das Zitrustonic des Abends. In der Nase war eine starke Zitrusnote wahrnehmbar, die dann auch im Geschmack klar vertreten war. Das Monaco ist eher ein süsseres Tonic, mit einer geringer ausgeprägten Bitterkeit. Die Kohlensäure war ein wenig stärker vorhanden. Beim Abgang ging der Zitrus dann leider ein wenig ins säuerliche. Mit diesem Tonic kann man schön mit zitrusbetonten Gins experimentieren, man muss nur aufpassen, dass nachher nicht alles nach Zitrone schmeckt. Preis: 1,84 € in der 0,23 l Flasche.

Beim normalen Fever Tree Tonic bin ich ein wenig voreingenommen. Da ich mit diesem schon einige Gin Tonics getrunken habe und es quasi eines meiner Lieblingstonics darstellt, ist es schwierig etwas Negatives über das Tonic zu schreiben. Ich finde es ausgesprochen rund und harmonisch. Wenn ich ein Tonic pur trinken sollte, wäre es, glaube ich zumindest dieses Tonic. Die Kohlensäure ist präsent, aber gut eingebunden. Die Bitterkeit ist gut spürbar, aber nicht übertrieben. Einzig das es mir fast schon zu süss ist, kann man als kleinen Negativpunkt anführen. Für mich einfach ein gelungenes Tonic. Preis: 1,99 € in der 0,2 l Flasche.

Vom Schweppes Extra Dry hatte ich mich sehr viel versprochen. So liest man des öffteren im Netz, das Schweppes mit dem Extra Dry ein richtig gutes Tonic entwickelt hat. Auch wäre es mit dem normalen nicht vergleichbar. Vielleicht waren meine Erwartung auch einfach zu hoch. Die Bitterkeit empfand ich recht als recht gering, die Süsse dagegen schon wieder als zu stark. Die Kohlensäure war extrem und blieb auch im Glas. Vom Aroma hatte ich künstliche Zitrusnoten in der Nase. Leider zogen sich diese auch durch den Geschmack weiter – um es auf den Punkt zu bringen – es schmeckte wie bittere Zitronenlimonade. Ich hatte leider kein Schweppes Indian Tonic um einen direkten Vergleich vorzunehmen. Muss ich aber bei Gelegenheit mal angehen. Auch hier fällt es mir schwer eine Gin-Empfehlung abzugeben. Zusammenfassend: ich habe es probiert – für mich leider nichts. Preis: 0,89 € in der 0,2 l Flasche.

Und auch das Aqua Monaco Extra Dry wird nicht mein Favorit. Hier ist der Name Extra Programm. Extra Bitter, extra wenig süss und extra wenig Kohlensäure. Das Zitronenaroma des normalen Tonics ist nur noch gering spürbar. Die Bitterkeit ist schon fast unangenehm. Im Geschmack ist es irgendwie wässrig und man hat eine leichte Metallnote. Im Abgang hat man eine extreme Trockenheit gepaart mit ordentlicher Bitterkeit. Nein auch das wird nicht mein Tonic und die Überlegung zu welchem Gin es passen soll, finde ich auch sehr schwierig. Preis: 1,84 € in der 0,23 l Flasche.

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Das waren nun meine Erkenntnisse bei den 10 Tonics. Das spannende an so einem Test ist zu sehen, was für riesige Geschmacksunterschiede bei den Tonics bestehen. Teilweise ist der Geschmack komplett unterschiedlich, aber manchmal betrifft es auch nur Abstufungen beim Anteil der Kohlensäure oder der Bitterkeit oder der Süße. Da ich ein Tonic in den seltensten Fällen pur trinken werde, erübrigt sich eine Platzierung oder Reihenfolge aufzustellen. Außerdem wird es für jedes Tonic auch den optimalen Gin geben. Bei dem einen Tonic wird die Suche einfacher, bei den anderen schwieriger. Aber ein solcher Tonictest hilft doch schon mal einzuschätzen, in welche Richtung man bei dem Gin gehen sollte. Für einen Gin, nämlich den Siegfried Rheinland Gin habe ich es für diese 10 Tonics ausprobiert. Die Ergebnisse und Erfahrungen dieser Verköstigung könnt Ihr hier finden. Ansonsten kann ich Euch nur empfehlen, so einen Test auch mal zu Hause auszuprobieren. Wenn es auch extrem bitter mit der Zeit wird, aber es macht unheimlich viel Spaß.

 

 

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Der große Siegfried Gin & Tonic Test

Trinklabor_Siegfried_TonicTest2Als überzeugter Bonner und Liebhaber des Siegfried Gins hatte ich mich im Frühjahr bei einer Aktion von Siegfried Gin beworben. Da ging es darum, zu testen welches Tonic am besten zum Siggi passt. Aus allen Teilnehmern wurden am Schluss 10 Personen ausgewählt bzw. ausgelost. Jeder musste vorab begründen, warum gerade er oder sie für diesen Test geeignet ist. Und ich hatte das große Glück einer dieser zehn zu sein. Und irgendwann stand auf einmal ein großes Paket bei uns im Flur, welches ich mit einiger Neugier aufgemacht habe. Durch die netten Aufkleber Siggi on Tour war von außen schon erkenntlich, was in dem Paket zu finden war. Das Paket enthielt neben einer ganzen Flasche Siegfried Gin 10 unterschiedliche Tonics. Und nachdem sich endlich mal ein freier Abend gefunden war, wurde unserer Balkon kurzfristig zum Testlabor umgebaut. Um die Unterschiede besser herauszuschmecken, wurden natürlich alle Tonics erstmal einzeln getestet. Die Ergebnisse des Tonic-Tastings könnt Ihr hier in einem separaten Artikel lesen.

Nach dem Auspacken

Nach dem Auspacken

Nachdem meine Herzallerliebste und ich alle Tonics einzeln probiert hatten, ging es jetzt an den schöneren Teil der Aufgabe – das große Siegfried & Tonic Tasting. Hier wollten wir herausfinden, welche Kombination für uns die leckerste und stimmigste gewesen ist. Bei den Tonics standen zur Auswahl das Schweppes Extra Dry, 2 Tonics von Thomas Henry das normale und das Elderflower, das Fentiments Tonic, das Doctor Polidoris Tonic, zwei Aqua Monaco das Tonic und Extra Dry Tonic, das Goldberg Tonic und die beiden Fever Trees das normale Tonic Water und das Mediterranean.

2 Siegfried und 2 Hände von Tonics

2 Siegfried und 2 Hände von Tonics

Nach dem Tonictasting brauchten wir erst einmal ein großes Stück Brot und ordentlich Wasser. Da 10 Tonic auf einmal doch extrem tocken, süss und geschmacksintensiv sind. Von der Kohlensäure und seinen Folgen möchte ich gar nicht erst anfangen. Da wir nicht 10 große Gin Tonic trinken wollten und auch nicht gekonnt hätten, gab es jeweils nur kleine Mischungen in Nosinggläsern. Wir haben dabei versucht immer ein Mischungsverhältnis von 1 zu 3 hinzubekommen. Das Gute als Whiskyfan hat man natürlich Plastikpippetten, die ich zum gezielten Verdünnen von Whisky benutze. Diese haben auch eine Skala, so dass man immer einigermaßen genaue Mischungsverhältnisse hinbekommen hat.

Für die exakten Mengen kommt die Pipette zum Einsatz

Für die exakten Mengen kommt die Pipette zum Einsatz

Es war sehr spannend wie unterschiedlich die Tonics mit dem Gin harmonierten oder eher das Gegenteil bewirkt haben. Von den Geschmacksbewertungen und der Reihenfolge  waren meine Herzallerliebste und ich schon recht nah beieinander, so dass bei der Wahl der Favoriten als auch der Geht-garnicht Kombinationen es fast ein ähnliches Ergebnis gab. Wir können natürlich hier nur für uns sprechen und ich empfehle jeden sich selbst ein Urteil zu bilden. Und man muss sagen, die folgenden Aussagen beziehen sich nur auf die Kombination mit dem Siegfried Rheinland Gin. Mit einem anderem Gin mag das eine oder andere von uns eher ungeeignete Tonic bestimmt ganz gut harmonieren. Bei der Bewertung haben wir eher Gruppen gebildet, wenn ich auch am Schluss eine Reihenfolge festgelegt habe. Dabei sind sowohl meine Bewertungen, als auch die meiner Herzallerliebsten eingeflossen.

Alle am Test Beteiligten

Alle am Test Beteiligten

Kommen wir zu der Gruppe – lieber Finger von lassen:

Zuerst die Mischung mit dem Fentiments. Von der Nase ist der Mix schon besser als das Fentiments allein – aber ein Wohlgeruch ist es noch lange nicht. Im Mundgefühl kommt eine heftige Trockenheit zum Vorschein. Der Siggi tut einem schon leid, er hat gegen dieses Tonic keine Chance. Außerdem wird durch die Kombination eine sehr künstlich wirkende Zitrusnote erzeugt. Nein dieses Tonic bitte nicht für den Siggi benutzen. Auch das Schweppes Extra Dry gereicht dem Siegfried nicht zur Ehre. Auch hier ist eine verstärkte Trockenheit am Gaumen zu spüren, die Bitterkeit wird nochmals betont und auch das Zitronenlimonadige geht nicht weg. Beim Elderflower von Thomas Henry hätte ich gedacht, dass müsste passen. In der Kombination wirkte das Tonic und die Holunderblüte extrem künstlich und parfümiert. Auch die Bitterkeit kam in den Vordergrund. Auch hier klare Nichtempfehlung. Und nun zum Negativhighlight – der Siegfried Gin mit Aqua Monaco Extra Dry. Erstaunlich auch hier ist die Nase bedeutend besser als das Tonic solo. Der Kardamom kommt stärker nach vorn. Ich war also guter Dinge und dann habe ich es leider getrunken. Eine unangenehme Pfeffrigkeit gepart mit Bitterkeit und metallischen Anklängen. Tastingnotes meiner Herzallerliebsten „Unangenehme Nase, Geschmack Bahhhhhh“. Auch hier gilt in der Kombi bitte die Finger weg.

Nun geht es ins Mittelfeld – hier passt die Kombination von Tonic und Siggi schon ganz gut, aber wir sind noch nicht in der oberen Tabellenhälfte. Das normale Thomas Henry für mich schon fast wie ein Allrounder – es gibt wenige Gins die nicht dazu passen. Wenn man eine stärkere Bitterkeit mag, muss man hier ergänzen. Zusammen mit dem Siegfried wird die Bitterkeit ein wenig abgemildert. Die Lindenblüten sind sogar wahrnehmbar. Nur im Abgang wird es dann wieder recht trocken und bitter. Aber für einen guten G&T zwischendurch schon GUT geeignet. Kommen wir zu einer weiteren guten Mischung – nämlich die mit dem Dr. Polidoris Tonic. Der Siggi und das Tonic harmonieren schon ganz gut. Die Nase ist recht angenehm. Der Siggi kommt gut durch und Gin und Tonic ergänzen sich. Einzig die Bitterkeit überlagert den Geschmack des Gins. Aber auch hier gut trinkbar, wobei man dieses Tonic bisher eher selten zu kaufen bekommt. Und auch die Mischung mit dem normalen Aqua Monaco ist eine grundsolide Mischung. Hier wird das Zitrusarmao verstärkt, was in dieser Kombination ganz gut ist. Mit einem richtig stark Zitrus betonten Gin würde ich dieses Tonic wohl nicht empfehlen.

Kommen wir zu den Championsleague Plätzen, um in der Fussballersprache zu bleiben. Eine wirkliche gelungene Mischung ist die mit dem Goldberg Tonic. Eine absolut runde und harmonische Mischung, die eine angenehme Süsse hervorruft. Auch eine interessante Nase ist spürbar. Der Siggi ist gut schmeckbar und wird von den Tonicaromen unterstützt und teilweise verstärkt. Eigentlich schon eine sehr gute Kombination, einzig mir kommt das Ganze ein wenig brav daher.

Kommen wir zu den beiden Gewinnern. Tata.. auf dem zweiten Platz das Fever Tree Tonic. Ähnlich wie beim Goldberg passt hier einfach alles. Sie harmonieren gut miteinander, ergänzen sich gegenseitig ohne den jeweils anderen zu überlagern. Eine angenehme Süsse ohne zu stark hervorzutreten, die Bitterkeit ist gut ausbalanciert. Wenn Ihr also in der Bar Eurer Wahl seid und wollt einen Siggi mit Tonic trinken – auf jeden Fall zum Fever Tree greifen. Nur eine Kombi ist noch besser und sie kommt aus dem gleichen Haus – das Fever Tree Mediterranean. Hier kommt noch ein wenig Pep, Sexiness und Spannung dazu – die Kräuterigkeit. Diese werden durch den Siggi gut betont, ohne dass sie komplett in den Vordergrund treten. Ein wahre Geschmacksexplosion, eine flüssige Pizza Margarita einfach wunderbar. Obwohl ich mir auch vorstellen kann, das Einigen die Kräuternote zu dominant sein könnte. Also vorher immer selbst probieren und wenn man unsicher ist, erstmal zum normalen Fever Tree greifen – dass passt für jeden. Wenn Ihr aber noch das i-Tüpfelchen draufsetzen wollt, dann lasst das Mittelmeer in Euren Gin Tonic. Man kann also abschließend festhalten Siegfried Gin – das beste was einem Fever Tree passieren kann. Hier noch mal kurz die Ergebnisse tabellarisch dargestellt.

Platzierung Gin &  Tonic Kombination Bewertung
1. Siggi + Fever Tree Mediterranean +++
2. Siggi + Fever Tree Normal ++
3. Siggi + Goldberg Tonic ++
4. Siggi + Dr. Polidoris Tonic +
5. Siggi + Thomas Henry Normal +
6. Siggi + Aqua Monaco Tonic +
7. Siggi + Thomas Henry Elderflower – –
8. Siggi + Schweppes Extra Dry – –
9. Siggi + Fentiments – –
10. Siggi + Aqua Monaco Extra Dry – – –

Zum Schluß bleibt mir nur noch Danke zu sagen, bei den Jungs vom Siegfried Gin. Nicht nur für den tollen Gin als solchen, sondern auch für die Möglichkeit dieses spaßige Experiment auszuprobieren und die optimale Mischung von Siegfried & Tonic zu finden. Ich kann jeden nur empfehlen so etwas ähnliches auch mal zu Hause auszuprobieren, dann werdet Ihr doch ziemliche Unterschiede feststellen. In diesem Sinne genießt Euren nächsten Gin & Tonic.

 

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Ein unkoventionelles Gin&Tonic Tasting

Drinkabor_Gintasting_1Eine schöne und lustige Form des Austesten von Geschmacksnoten ist ein Gin&Tonic Tasting. Hier jetzt nicht an eine steife Veranstaltung denken und das Ganze auch nicht zu erst nehmen. Der Spaß sollte im Vordergrund stehen. Man lade sich also bis zu 4 oder 6 Ginfans ein. Sie müssen nicht unbedingt passionierte Gintrinker sein, sondern sollten einfach ein wenig Interesse und Forscherdrang mitbringen. Wenn man das ganze mit einem kleinen Essen mit Fingerfood ergänzt um so netter ist es. Außerdem schafft man einerseits eine gute Grundlage und man hat zwischendurch eine Möglichkeit zum Neutralisieren. Außerdem kann man dann auch Gin&Tonic mit Essen kombinieren – noch eine Tastingmöglichkeit.

Zur Vorbereitung sollte man natürlich ein paar Ginsorten zu Hause haben oder jeder bringt zwei bis drei Flaschen mit. Wichtig wäre dabei, dass man nicht nur London Dry Gins oder eine bestimmte Stilrichtung vorrätig hat. Dann sollte man versuchen auch 2 bis 3 verschiedenen Tonicsorten da haben. Dann kann man neben dem Gintasting auch ein kleines Tonictasting durchführen. Und damit es auch einen kleinen Experimentcharakter hat, braucht man natürlich auch noch verschiedene Gewürze (Spices). Und natürlich immer das Gesetz Nummer Eins – bei höher Prozentigen Getränken ausreichend Wasser vorrätig haben. Um zwischendurch seine Geschmacksnerven zu neutralisieren, bietet sich zusätzlich auch Brot an. Und natürlich braucht man dann auch noch ausreichend Eiswürfel.

Bei meinem letzten unkonventionellen Gintasting hatte ich folgende Tonics zur Auswahl

  • Thomas Henry
  • Thomas Henry Elderflower
  • Schweppes
  • Fentiments light
  • Goldberg
  • Monaco Tonic

Drinklabor_Gintasting_Tonic
Neben den Gewürzen kommt es auch gut, die ein oder andere Frucht oder Gemüsesorten vorrätig zu haben. So bieten sich Zitronenscheiben, Gurkenscheiben und Paprikaschnitze als mögliche Zutaten für eine G&T Mischung an. Bei den Gewürzen greift man am besten auf die Gewürze zu,  die vor allem bei der Gindestillation eingesetzt worden. An vorderster Stelle denkt man da natürlich an den Wacholder. Da kann man so manchen New Western Style Gin noch ein wenig Wacholdergeschmack zurück geben. Auch immer schön ist Kardamom. Daneben kommt natürlich Pfeffer häufig gut. Dort kann man sowohl schwarzen, als auch roten Pfeffer verwenden. Wir hatten einen Sanshopfeffer aus Japan verwendet. Dies ist eine Art Szechuanpfeffer der ein wunderbares Zitronenaroma mitbringt und besonders gut zu vielen zitruslastigen Gins passt. Weitere mögliche Gewürze sind Koriander, Piement, Zimtstange und andere. Da ist Eurer Kreativität und Experimentierfreude keine Grenzen gesetzt. Also einfach an die Gewürzschublade und sich ein wenig trauen. Wichtig ist wie immer bei Gewürzen auf Qualität achten, damit man nicht irgendwelche Pestizidrückstände in seinen Gin gibt. Einzig von Sternanis und Nelken würde ich eher abraten, da die zu geschmacksintensiv sind und den Gin und Tonic komplett überlagern. Aber auch hier hat jeder eine andere Vorliebe. Was die Menge angeht, nehme ich immer 3-4 Körner. Ich drücke die Gewürze vorab ein wenig an, dann geben sie noch mehr Geschmack ab. Ich würde maximal 2-3 Zutaten dazu geben, da sonst die Geschmacksknospen sich zu stark überlagern.

Drinklabor_Tasting_2
Wichtig ist, dass man zu Beginn den Gin erstmal pur erschnüffelt und probiert. Damit man zuerst seine Aromen aufnehmen kann. Ich verwende dazu auch ein Nosingglas, da dort die Aromen noch besser durchkommen. Auch sollte man die Tonics vorab schon mal pur probieren, um auch hier das ungefähre Geschmacksprofil zu erkennen. Jetzt kann man die beiden Zutaten in ein größeres Glas gießen und entsprechend Eiswürfel hinzugeben. Was das Mischungsverhältnis angeht, darüber streiten sich die Gelehrten. Man sollte es immer an seine eigenen Vorlieben anpassen. Ich persönlich bin immer so beim Mischungsverhältnis 1:2 oder 1:3 – wobei die 2 oder 3 Anteile natürlich Gin (kleiner Spaß) natürlich nicht, sonder Tonic ist. Nach dem man die Einzelgeschmacksprofile des Gins und des Tonic kennt, widmet man sich den Gewürzen. Und vielleicht braucht man auch gar nichts mehr dazu geben. Denn manche Gin&Tonics brauchen wirklich nichts mehr, als sich selbst. Und nun lasst Eurer Phantasie und Kreativität ein wenig Freilauf. Und wenn die Mischung komplett daneben geht, Versuch macht klug. Hier mal ein paar schöne Mischungen, die ich ausprobiert hatte und die ich sehr lecker fand:

  • Hendriks Gin oder Martin Millers Gin (beide haben ein Gurkenaroma) + Thomas Henry und Gurkenscheiben und 2-3 Pfefferkörner
  • Bombay Saphire mit Schweppes, Paprikaschnitzen und 2-3 Piementkörner
  • Brandstifer Gin + Feavertree und Wacholderbeeren
  • Elephant Gin + rote Pfefferbeeren, Kardamom mit Thomas Henry Elderflower

Und es gibt noch viele andere Möglichkeiten von Mischungen und Gewürzzusetzen. Lasst Euch einfach von den Gerüchen und Geschmäckern der Gins inspirieren und probiert ein wenig aus. Erstmal nur mit einem Zusatz und dann vielleicht mit mehr. Ich wünsche viel Spaß bei Eurem eigenen alternativen Gin&Tonic Tasting. Gern könnt Ihr mir Eure Erfahrungen oder tolle Kombinationen zu senden. Würde mich über Euer Feedback freuen.

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Lieblingsbiere von Crew Republic

Drinklabor_CrewRepublic1Wie ich schon mehrmals in diesem Blog geschrieben habe, bin ich seit gut einem Jahr ein großer Craftbierfan. Dabei ist man natürlich immer auf der Suche nach neuen Bieren, spannenden Geschackseindrücken, neuen Brauereien und verschiedenen Bierstielen. Bei meiner Reise durch die neue Craftbierwelt bin ich häufig auf Biere von Crew Republic gestoßen. Mittlerweile habe ich schon einige Biere dieser neuen Brauerei probiert und muss sagen, dass sie häufig meinen Geschmacksprofil ausgesprochen nahe kommen.

Nicht nur das die Biere von Crew Republic recht lecker schmecken, hier haben wir es im wahrsten Sinne mit Craftbrauern zu tun. Ähnlich wie die großen Vorbilder aus Amerika wurde 2011 in der heimischen WG hobbymäßig Bier gebraut. Die beiden Gründer Mario Hanel und Timm Schnigulla waren ursprünglich Unternehmensberater und haben ihre Herzensangelegenheit zum Beruf gemacht. Nach vier Jahren als Gipsybrauer vor allem in der Hohenthanner Schlossbrauerei in Landshut, haben sie seit Anfang 2015 nun ihre einige Brauerei in Unterschleißheim. Wer mehr über die Geschichte erfahren will dem empfehle ich einen wirklich guten Artikel von Hopfenhelden.de.

Aber hier soll es weniger um die Brauerei als solche, als um das Endprodukt gehen. Das erste Bier von Crew Republic war das Detox. Ich hatte mir online ein Paket mit deutschen Craftbieren kommen lassen und dort war diese Flasche mit dem gewöhnungsbedürftigen Label enthalten. Nicht das ich die Gestaltung schlecht fand, aber die Farbzusammenstellung mit grünen Hintergrund und gelber und rosa Schrift ist doch schon ungewöhnlich. Dafür war ich von dem Logo begeistert – eine Hopfenstaude als Handgranate – gewagt aber geil. Ein heißer Tag, der Griff in den Kühlschrank und schon hatte ich das Detox in der Hand. Das schöne war, dass es nur mit 3,2 % Alkohol daher kommt. Im Geschmack aber wunderbar vollmundig und hopfenlastig, dass man wirklich nicht mehr Alkohol benötigt. Es ist also genau das richtige Sommerbier für heiße Tage. Ich kann mich noch sehr gut an die Pampelmuse in der Nase erinnern. Dieses ist ein Session IPA und kommt mit weniger Alkohol daher als sein großer Bruder IPA. Was den Hopfen angeht, steht er aber guten amerikanischen IPA´s nicht nach. Ich finde ein guter Einstieg auch für nicht IPA Trinker.

Die zweite Berührung hatte ich mit einem der Biere auf den Streetfoodfestival in Köln. Dort empfahl mir der Biersommelier Michael Busemann das 7.45 Escalation. Huhhhhh was für ein Hammer. Jetzt gibt es ordentlich Alkohol auf die Nase. Mit 8,3 % macht es seinen Namen Double IPA alle Ehre. Das bemerkenswerte aber war, dass man es trotz des Alkohols ganz gemütlich auch bei Hitze wegtrinken konnte. Der Name 7:45 ist eine Reminiszenz an alle Partypeople, die um diese Uhrzeit noch ihr letztes Bier trinken. Hier kommen auch gleich 4 Hopfensorten zum Einsatz (Columbus, Simcoe, Amarillo und Chinook Hopfen) und die schmeckt man. Hier ist das Logo (Hopfenhandgranate) wirklich angebracht. Aber eben nicht nur Hopfen, wozu manche andere Craftbiere manchmal neigen. Durch die eingesetzten Malze und die Hopfenkombi entsteht eine ausgewogene Mischung aus Fruchtigkeit und Bitterkeit. Ich bin zwar ein Hop-Head, aber eine gewisse Ausgewogenheit muss sein. Und auch hier hat man fast einen ganzen Fruchtcocktail von Südfrüchten in der Nase. Ein wirklich gelungenes Bier. Wer noch mal den Bericht lesen möchte, hier der Link zur Veranstatlung Streetfoodfestival.

Drinklabor_Crewrepublic2Das dritte Bier war der Drunken Sailor. Nach einem Session IPA und dem Double IPA fehlt das normale IPA. Ihr könnte eine gewisse Vorliebe für diesen Bierstiel bei erkennen, oder? Hier muss ich den Jungs vom Bierlager in Köln danken. Beim ersten Besuch in dem neuen Laden in der Kölner Südstadt war das die erste Empfehlung, nach dem ich mein Geschmacksprofil genannt habe. Und hier haben wir, wenn man in Whiskykreisen wär, den sogenannten Daily Dram. Also genau das Bier das eigentlich fast immer geht. Für die Herstellung dieses Bieres wird eine alte deutsche Braumethode angewandt – die Dekoktion. Diese wurde früher für Starkbiere verwendet, wird heute aber nicht mehr genutzt. Und so haben sie dieses Verfahren mit dem modernen Bierstil „American IPA“ kombiniert. Sie nennen es schön in Marketing-Sprech German-style IPA. Auch sind die Fruchtaromen gut wahrnehmbar, aber die Malztöne kommen hier stärker zur Geltung. Eine schöne süsse Getreidenote.

Nach diesen Erfahrungen wollte ich natürlich weitere Biere dieser Brauerei probieren. Wie gut war da, dass ich von guten Freunden, die etwas Lokales aus Unterschleißheim schenken wollten, ein Testpaket von Crew Republik geschenkt bekommen habe. Bisher habe ich das German Pale Ale Foundation 11 und das Imperial Stout Roundhouse Kick. Wobei das Foundation gut trinkbar war, aber mich nicht so zu Begeisterungsstürmen hingerissen hat. Das Roundhous dagegen war ein richtig schönes schwarzes Malzmonster. Und auch hier ist der Name Programm. Hier werden keine Gefangenen gemacht – die drei Malze aus Deutschland, Belgien und England geben dem Bier schöne Schokoladennoten. Und mit 9,2 % Alkohol und über 70 IBU ist das wirklich kein Bier von dem man mehrere drinkt. Ich freue mich auf jeden Fall noch auf die anderen Biere, speziell die Experimental Biere wie Barley Wine u.a. verleiten bestimmt noch zu spannenden Erfahrungen. Ich kann die Brauerei und ihre Biere nur jeden Craftbierliebhaber aber auch Craftbierbeginner ans Herz legen. Die Jungs machen einen tollen Job und ich bin schon gespannt, was sie in Zukunft so alles noch kreieren werden.

Information zu Crew Republik und einen Onlineshop findet Ihr unter www.crewrepublic.de.

 

 

 

 

 

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The Way to Islay – 1. Teil

Drinklabor_Islay1Im November nach Islay, wer macht denn sowas. Das war die häufigste Reaktion von Freunden auf mein Vorhaben. Aber diese Insel stand schon länger auf meiner Reiseziele. Und da noch Resturlaub vorhanden war und das diesjährige Seuchenjahr vernünftig abgeschlossen werden musste, stand die Entscheidung fest. Nachdem ich einen günstigen Flug bekommen hatte, ging es an die Planung. Da Islay eine Menge zu bieten hat, dachte ich mir, da kann man auch im November nach Islay fahren. Außerdem will ich den Spruch von schlechten Wetter hier nicht strapazieren. Nur diesmal war die Herzallerliebste auf Grund von nicht mehr vorhandenen Urlaub nicht dabei. Aber sie sagte auch zu mir, fahr da mal alleine hin, ich mag das torfige Zeug so und so nicht. Außerdem dachte ich mir, in der Nebensaison ist auch das Besichtigen von Destillen bedeutend entspannter und die Leute sind auch relaxter.

Eigentlich hatte ich nach den furchtbaren Anschlägen in Paris mit einer chaotischen Anreise gerechnet, aber am Flughafen war alles ganz entspannt. Sogar beim Zoll war es recht entspannt. Was mir auffiel, ist dass man heutzutage schon auffällt, wenn man keinen Laptop oder Ipad extra in eine Box legen muss. Der Flug ging sogar pünktlich. Ich habe noch nie so einen leeren Flug erlebt. Maximal 20 Personen saßen in einer Maschine für 80. Ich hatte sogar das Glück einen Doppelsitz für mich allein bekommen zu haben und als Krönung sogar am Notausgang. So hatte ich nachher Rückenprobleme – da ich die ganze Zeit die Beinfreiheit so ausgenutzt habe, dass ich ständig mit ausgestreckten Beinen da saß. Spannend war auch, dass Glasgow von oben wie ein begossener Pudel aussah- alles war nass und glänzend. Aber bei der Landung scheinte schon wieder die Sonne. Aber es war doch empfindlich kälter – so hatte sich meine Winterjacke, die in Düsseldorf noch belächelt wurde – mehr als bezahlt.

In Glasgow war ich schon nach 10 Minuten bei der Bushaltestelle und 5 Minuten später ging mein Bus nach Glasgow. Nach 1 1/2 h Aufenthalt am Busbahnhof ging es weiter. Während der Busfahrt konnte ich faszinierende Wetterphänomene sehen. Ich werde von links von der Sonne voll geblendet und rechts ist es dunkel wie in der Nacht, dass sogar um 14.30 Uhr die Straßenbeleuchtung anging. Interessant war, dass es fast überall W-Lan gab. Im Shuttlebus vom Flughafen, in diversen Geschäften und im Cafe in der Wartehalle des Busbahnhofs. Die Fahrt als solches war, nachdem wir Glasgow verlassen hatten,  doch insgesamt recht grau und trostlos.
Drinklabor_Islay2
Zwischendurch eine Pause zum Shoppen und auf Toilette gehen in Inverary. Faszinierend was manche innerhalb von 10 Minuten alles einkaufen können. Bei der Busfahrt ging einige Male die Tür nicht richtig zu, so dass wir auch mal 1-2 km mit offener Tür gefahren sind. Dann musste der Fahrer aufstehen und sie per Hand schließen. Das spannende trotz der Stopps, dem schlechten Wetter, einigen Staus in Glasgow waren wir genau pünktlich lauf Fahrplan um 17.18 Uhr in Kennagraig. Ich glaube bei uns würde so etwas nicht klappen. Dann in Kennacraig ein größerer Baucontainer als Fährhalle. Dort hatten wir die Info bekommen, das die Fähre heute nach Port Askaig auf Grund des starken Windes fährt. Also musste ich kurz meine B&B Hosts anrufen. Diese waren so nett und wollten mich von der Fähre abholen. Die Fähre ist für die Anzahl der Bewohner von Islay riesig. Man kann auf der Fähre sogar Islay Whisky kaufen, wer hätte das gedacht. Aber ich entschied mich für ein lokales Bier. Dabei griff ich auf ein Finlaggan Ale zurück. Es ist recht leicht, aber ganz lecker. Keine Süsse, gute Bitterkeit nur die nicht vorhandene Kohlensäure störte mich ein bisschen. Der angeblich so heftige Wind wirkt sich nicht wirklich auf die Fährfahrt aus. Ok draußen zu stehen, hat nicht wirklich Spaß gemacht, da es recht stark zu regnen begonnen hat. Alles in allen war die Anfahrt doch recht anstrengend, da ich Morgens um 5.30 Uhr aufgestanden bin und seit 6.30 Uhr unterwegs war. Ich war wirklich froh, als ich endlich angekommen gewesen bin. Das Gute war, dass sich mein B&B Host Jim bereit erklärt hatte, mich direkt am Fähranleger abzuholen.  Ein sehr netter Kerl, wenn ich mich auch erst mal an seinen, doch recht starken Akzent gewöhnen musste. Erstaunlicherweise spricht er auch noch ganz gut Deutsch. Er war bei der British Army in Münster und Osnabrück bis 1993 stationiert. Und jetzt versucht er immer bei deutschen Touristen ein wenig sein Deutsch anzuwenden. Auf der Fahrt erklärt er mir noch ein wenig zu Sehenswürdigkeiten von Islay, aber ich war insgesamt doch zu müde, um mir viele Sache zu merken. Dann endlich angekommen. Im Haus angekommen, falle ich kurz danach in einen tiefen Schlaf. Morgen beginnt die Reise auf Islay erst richtig. Bis zum nächsten Tag.  

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Whisky Dinner im Schwanen Wermelskirchen

Drinklabor_WhiskydinnerWir Ihr ja schon wisst, bin ich begeisterter Whiskytrinker. Gleichzeitig weiß ich gutes Essen, mehr als zu schätzen. Warum nicht beides miteinander verbinden und an einem Whiskydinner teilnehmen. Wir sind dafür bis nach Wermelskirchen gefahren. Und eins vorweg: es hat sich gelohnt. Das Dinner fand im Familienhotel Zum Schwanen nun schon zum zweiten mal statt. In Zusammenarbeit mit Herrn Kaiser von Wega Whisky konnten wir einen tollen Abend erleben. Da meine Allerliebste ja begeisterte Foodbloggerin ist, hat sie in ihrem Beitrag den Schwerpunkt auf das Essen gelegt. Ihr könnt den Beitrag unter ihrem Blog www.kocheule.wordpress.com finden.  Ich dagegen widme mich schwerpunktmäßig den Flüssigkeiten. Wobei man das bei einem Whiskydinner nicht hundertprozentig trennen kann, da die Kombination gerade das Highlight ist.

Drinklabor_WhiskydinnerAuswahl

Die richtigen Whiskyfreaks hätte die Auswahl der Whisky nicht wirklich vom Hocker gerissen, da die hier gereichten Whiskys eher Standardabfüllungen gewesen sind. Aber die Kombination mit den Speisen war hier vor allem das Highlight. Um uns ordentlich auf den Abend einzustimmen, wurden wir zu Beginn von einem Piper und einer Trommlerin begrüßt. Wir als große Schottlandfans waren natürlich hingerissen. Aber es hat auch gleichzeitig bewiesen, dass diese Instrumente doch eher für Freiluftveranstaltungen geeignet sind. Man waren die laut. Eine ordentliche Metallband hätte da auch nicht viel mehr ausrichten können.

Drinklabor_Whiskydinner_Duddelsack

Drinklabor_Whiskydinner_Menu

Insgesamt gab es 7 Whiskys an dem Abend zu verkosten. Daneben waren im Preis auch noch Rot- und Weißwein, Wasser und Kellerbier enthalten. Man konnte auch als Nicht-Whisky-Trinker das Menu ohne Whisky buchen. Aber da hätte mir viel gefehlt. Zum Einstieg gab es einen Arran Lochranza, um uns auf einen schönen Abend einzustimmen. Das schöne bei den eher auf Einsteiger ausgerichteten Tastings ist für mich, dass ich auch mal wieder Whiskys trinken kann, die ich seit Jahren oder noch gar nicht im Glas gehabt habe. Der Lochranza war für den Einstieg eine gute Wahl. Sehr gefällig und da auch einige Whisky Neulinge dabei waren – ein guter Starter. Herr Kaiser führte uns sehr kompetent, aber auch unterhaltsam durch den Abend. Der erste Gang war dann ein Feldsalat mit porchierten Ei. Wir blieben auf Arran und tranken dazu einen Arran Amarone Finish. Der mit seinen 50 Vol. % schon ein wenig stärker daher kam. Aber mit seinem Rotweinfinish und seiner Süsse super zu dem Salat passte. Die nachfolgende Möhrenessenz war echt der Hammer – selten so intensiv Möhre geschmeckt. Leider passte der dazu angebotene Glenglassaugh Torfa nicht dazu. Dieser war speziell dafür gewählt worden, um die Vielfalt auch von Speysidewhiskys zu zeigen. Seine rauchig maritimen Furchtnoten passten zwar ganz gut zu der Suppe, haben aber den Geschmack zu stark überlagert. Auch finde ich den Torfa als solchen, nicht wirklich super gelungen. Aber danach passte wieder alles und es kam mein Highlight des Abends: Heißgeräucherter Heilbutt mit Safransauce und ganz spannend Perlgraupenrisotto. Was man für ein super Risotto man aus den bei uns eher verachteten Graupen machen kann, ganz großes Kino. Und hier war die Whiskybegleitung ein Volltreffer. Es gab dazu einen 20 Jahre alten Caol Ila von Hart Brothers. Die leichte Rauchrigkeit des Caol Ilas mit den heißgeräucherten Heilbutt – sollte man so auf die Karte setzen. Dieser Caol Ila war mit seiner schönen Süsse und den leichten Raucharoma allein schon ein Genuss – in der Kombi – himmlisch. Jetzt hieß es mittels Zwischengang mit einem super leckeren Pflaumensorbet erstmal ein wenig weiteren Appetit anregen. Danach kam dann die Portweinkonnektion zum Zuge. Glenmorangies Quinta Rubin gab es zu Schweinefilletmedallions mit Portweinscharlotten. Man hatte fast das Gefühl, dass die Scharlotten im Quina Rubin eingelegt gewesen waren. Wäre vielleicht auch eine Möglichkeit, wenn auch eine teure. Und auch beim Dessert hat sich Küche und Whiskypräsentator super abgestimmt. Zur Apfeltart, Apfelküchlein und Mouse gab es quasi einen hochprozentigen Süsswein. Der Nectar Do´r von Glenmorangie mit seinem Sauternesfinish harmonierte super zum Dessert. Auch dieses wäre eine Kombi für spätere Wiederholungen.

Drinklabor_Whiskydinner_Essen

Den Abschluss bildete dann Herrn Kaisers Lieblingsdestille – Springbank. Hier gab es den klassischen 10-jährigen, der wie ich finde, ein guter Abschluss nach dem Dessert war. Insgesamt war es ein tolles Erlebnis. Speziell das geniale Essen in Kombination mit den Whisky war eine spannende Erfahrung. Das nächste normale Whisky Tasting ohne Essen wird es wohl nach dieser Erfahrung sehr schwer haben. Was Chefkoch Christian Warnke mit seinem Team uns hier geboten hat, war wirklich Sterneküche. Auch noch mal vielen Dank an das Serviceteam, dass uns so toll mit Essen, Wasser und Wein versorgt hat. Wenn Ihr also einmal die tolle Erfahrung von erstklassigen Essen in Verbindung mit Whisky haben möchtet, kann ich zum Schwanen in Wermelskirchen warm empfehlen. Nächstes Jahr wird diese quasi Tradition bestimmt fortgesetzt. Und notfalls Wermelskirchen ist ja quasi vor der Haustür, da kann man für so gutes Essen ruhig auch mal so hinfahren. Und wem es zu weit ist, kann gleich im angeschlossenen Hotel übernachten.

Informationen zum Hotel, Restaurant und Öffnungszeiten findet Ihr unter: http://www.zumschwanen.com/

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Schönramer Brauerei – Historie und Craft Bier

Drinklabor_Schönramer Bierdeckel

Da ich schon längere Zeit Craftbiere probiere, bin ich irgendwann über die Schönramer Brauerei gestoßen. Jetzt werden viele sagen, Moment mal die sind doch schon 1780 gegründet worden. Ja diese Brauerei bildet wirklich eine Ausnahme – quasi ein Zwitter aus alteingesessener bayrischer Familienbrauerei mit Innovationen und neuartigen Biere alla IPA etc. Das spannende an dieser Brauerei ist, dass sie seit über 15 Jahren einen US-Amerikaner als Braumeister haben. Eric Toft – ist eine wirklich schillernde Persönlichkeit, der quasi als Hobbybrauer in seiner Heimat Wyoming angefangen hat. Dann wollte er das Bierbrauhandwerk von der Pike auf lernen. Dazu ging er nach Deutschland, wo er an der Uni Weihenstephan Brauereiwesen studierte und nach einigen Zwischenstops bei der Schönramer Brauerei landete. Ein interessantes Interview mit ihm findet Ihr auf FeinerHopfen.com.

Wie schon oben geschrieben, bieten die Schönramer eine breite Palette von klassischen Bayrischen Bieren wie Helles, Weißbier bis Pils. Ausserdem  brachten sie daneben eine gewisse Anzahl an Bieren heraus, die man häufiger  im Craftbierumfeld findet wie IPAs oder Imperial Stouts. Weitere Infos zur Brauerei und den Bieren findet Ihr auf der Brauerei Website.

DrinkLabor_Schönramer_TastingIch wollte diese sich scheinbar doch nicht ausschließenden Gegensätze einfach mal probierten. Dabei beschränkte ich mich auf zwei Sorten, das Schönramer Gold und das Bayrisch Pale Ale. Das Schönramer Gold ist ein Wiesn Märzen das mit 5,7 % Alkohol schon recht kräftig daher kommt. Das Gold kommt in der kräftigen dunkelgelben Farbe zum Ausdruck. In der Nase kommt eine tolle Honignote zum Vorschsein. Mich erinnert es von der Nase ein wenig an klassische Naturtrübe Biere. Im Geschmack kommt noch ein wenig mehr Abwechselung dazu..Neben der gut wahrnehmbaren Süße kommt eine stärkere  Bitterkeit dazu. Auch ein wenig Weißbrotaromen habe ich noch wahrgenommen. Rundherum ein gelungenes Bier, dass durch die Bitterkeit einen schönen Kontrast setzt, zu den sonst doch eher recht langweiligen bayrischen Hellen.

Danach probierte ich das Bayrisch Pale Ale – ein obergäriges Bier mit 5,5 % Alkohol. Eine schöne Nase bei der gut Zitrusnoten hervorkommen. Am Gaumen eine schöne Mischung aus Malzigkeit, Orangen- oder Zitrusfruchtigkeit und einer abgemilderten Bitterkeit. Wie ich nachgelesen habe, wird hier vor allem die relativ neue Hopfenart Manderina Bavaria eingesetzt. Für Hardcore IPA Trinker wird es nicht das richtige Bier sein, dafür ist es insgesamt bei der Hopfung doch zu zurückhaltend. Aber speziell für IPA-Einsteiger ist es ein schönes Einstiegsbier, das klassische bayrische Lagerbiere mit IPA Ansätzen verbindet.  Mir persönlich ist es ein wenig zu gefällig, aber sehr gut trinkbar.

Zusammenfassend zwei gute Biere, die mein Interesse für die weiteren Sorten geweckt haben.  Und gerade in Zeiten wo häufig eine ideologische Grenze zwischen Craft Bier und alteingesessenen Brauereien gezogen wird, finde ich den Ansatz von Schönramer ganz spannend.

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