Archiv der Kategorie: Sours

Die Bonner White Lady – ein Cocktail aus den 20er Jahren

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Die Weiße Bonner Lady 

Wie Ihr vielleicht mitbekommen habt, bin ich immer auf der Suche nach neuen Cocktails bzw. Cocktailideen. Dabei greife ich gern auf alte Rezepte und vergessene Klassiker zurück. In diesem Beitrag soll es um einen der wichtigsten Cocktail der 20er Jahre gehen, der heute quasi komplett vergessen ist – den White Lady. Obwohl die klassischen Gin-Cocktails im Moment eine große Rennaicance haben, taucht die weiße Lady relativ selten auf. Was meiner Meinung sehr schade ist. Die White Lady ist ein klassischer Sour, der recht einfach herzustellen ist. Zu den Grundbestandteilen gehört nur Gin, ein Orangenlikör häufig Cointreau und Zitronensaft.

Bei diesem Cocktail ist die Herkunft gut belegt und begann mit einem Fehlschlag. Das Originalrezept wurde von dem berümten Barkeeper Harry MacElhone 1919 im Londoner Ciro’s Club erfunden. Der gebürtige Schotte dem man u.a. auch die Cocktails Bloody Mary und Sidecare zu schreibt, kreeirte die erste Lady aus Triple Sec und Creme de Mente. Was damals und auch heute ein wenig komisch anmutet. Er hatte nämlich keine Basisspirituose in seinem Cocktail, der nur aus zwei Likören gemacht wurde. Insgesamt muss er auch nicht so gut angekommen sein. Als er dann 1923 in Paris die berühmte Harry’s New York Bar gegründet hat, erinnerte er sich an seine Cocktailidee. In Anlehnung an seinen Sidebar ersetzte er den Minzlikör durch eine Spirituose, in diesem Fall Gin. Außerdem ersetzte er den Triple Sec durch Cointreau und schon war ein Klassiker entstanden. Richtig bekannt wurde er durch die Aufnahme in einen absoluten Klassiker der Cocktailliteratur – das Savoy Cocktail Book. Dieses wurde von Harry Craddock verfasst, der in seiner Zeit in der Savoy Bar die White Lady mit auf die Karte nahm. Im Laufe der Jahre fügte man neben dem Zitronensaft auch ab und zu Eiweiß dazu, das den Drink noch ein wenig schaumiger machte.

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Methode zum schnellen Abkühlen von Spitzkelchen

Hier das Originalrezept nach Harry MacElhone:

  • 2.5 cl Mente-Pastille
  • 5 cl Triple Sec
  • 2.5 cl frischer Zitronensaft

Ich habe die abgewandelte Version hergestellt. Dabei wird wie oben geschrieben Gin anstatt Mente genommen und die Menge des Orangenlikörs heruntergesetzt. Ihr wundert Euch bestimmt über die Überschrift – was hat das Ganze mit Bonn zu tun. Ich habe als Gin den Bonner Flow Gin genommen. Dieser harmoniert mit seinem Rosenaroma meiner Meinung nach ganz gut mit dem Cointreau.

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Die Hauptzutaten für die Bonner White Lady 

Abgewandeltes Rezept der White Lady:

  • 4 cl Flow Gin
  • 2 cl Cointreau
  • 2 cl frischer Zitronensaft

Die Zutaten auf Eis shaken. Wer will kann auch noch Eiweiß in den Shaker dazu geben. Ich habe mal drauf verzichtet. Dann die Flüssigkeit in ein gekühltes Spitzglas abseihen. Wer will kann auch noch mit einer Zitronenschale das Ganze garnieren. Ein wirklich sehr erfrischender und einfach zu mischender Cocktail, den ich jeden nur an Herz legen kann. Viel Spaß beim Ausprobieren.

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White Lady 

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Experimente mit Cocktailklassikern

Letzte Woche war der Barkonvent in Berlin. Daher dachte ich mir, es wird mal wieder Zeit für ein paar neue Cocktailrezepte. Wie Ihr bestimmt schon gemerkt habt, bin ich bei meiner Cocktailauswahl eher an den Klassikern orientiert. Ok vielleicht abgesehen von den Klassikern aus den 80er. Allein die Tatsache, dass diese alten Rezepte auch noch nach so langer Zeit gemixt werden, spricht für ihre Qualität. Abgesehen davon bieten sie wunderbare Anekdoten und Geschichten über ihre Entstehung, die bei jeder Party einen guten Gesprächsstoff liefern. Auf der anderen Seite probiere ich aber auch gern aus. So reizt es mich dann doch, diese ab und zu ein wenig anzupassen oder die eine oder andere Zutat mal auszutauschen. Daher soll es in den heutigen Beitrag um ein wenig angepasste Klassiker gehen.

Beginnen möchte ich mit dem Moscow Mule, dessen leicht säuerliche, scharfe Zusammensetzung mir ganz gut schmecken. Ich bin nur nicht so der Fan von Wodka bzw. Wodkacocktails. Eine Abwandlung hatte ich hier im Blog sogar schon vorgestellt, den Gin Gin Mule von Audrey Saunders. Aber es gibt noch andere Formen des Mules, die je nach Zutat nach der passenden Stadt benannt werden. Ein bekannter Vertreter ist der Glasgow Mule. Dieser enthält, wer hätte es gedacht, Whisky anstatt Wodka. Im Rezept von Greg Henry wird klassischer Blended Whisky verwendet. Ich habe ihn sowohl mit einem rauchigen Islay Whisky, als auch mit einem irischen Whisky probiert. Den Islay Mule fand ich nicht so gelungen, da der Rauch und die Limette nicht so gut gepasst haben. Daher habe ich einen Dublin Mule geshaket. Die Version mit einem irischen Whiskey fand ich gut gelungen.

Der Dublin Mule

Der Dublin Mule

Dublin Mule Rezept angepasst nach Greg Henry:

6cl – Blended Irish Whiskey  – ich habe einen 13  jährigen von Cadenheads verwendet

2cl – frischer Limettensaft

1,5cl – Hollunderblütensaft

12cl – Ingwerbier

Alle Zutaten bis auf das Ingwerbier in den mit Eis gefüllten Shaker. Die Zutaten für ca. 30 Sekunden kräftig shaken. Dann in einen Tumbler abseihen. Mit Ingwerbier auffüllen und Eis dazu geben.

Bei unseren nächsten Klassiker wird nicht die Basisspirituose sondern eine wichtige Zutat verändert. Im weitesten Sinne ist es eine Abwandlung von Herrn Meyers Gin Basil Smash. Aber eigentlich nur auf den Namen bezogen. Nur das ich kein Basilikum, sondern Gurke verwendet habe. Ich mag die Mischung Gin und Gurke sehr gern. Ich erwähne da nur den guten Gin&Tonic mit Hendriks oder Martin Millers Gin und dazu Gurke – was eine leckere und frische Kombination. Aber da kann man doch bestimmt noch weiter gehen. Und da bin ich über den Gin und Cucumber Smash gestolpert. Obwohl man eigentlich nicht direkt von einer Anpassung Gin Basil Smash reden kann, da es eher eine Erweiterung eines klassischen Martinis darstellt. Es gibt unterschiedliche Varianten häufig auch mit Holunderblütenlikör. Ich habe die Version von Robert Dahni übernommen.

Cucumber und Gin Smash Rezept:
6 cl Gin
1,5 cl süsser Wermut
1,5 cl Zitronensaft
1,5 cl Zuckersirup
5 dünne Scheiben Gurke

Zuerst füllt man alle Zutaten in einen Shaker. Dann muddelt man die Gurken ordentlich. Anschließend gibt man Eiswürfel dazu und shakt alles. Das Ergebnis dann in gekühlte Tumbler abseihen. Und natürlich dann noch zwei Gurkenscheiben als Deko ans oder ins Glas. Und Ihr habt einen wunderbar erfrischenden Drink.

Der Whiskey Rebellion

Der Whiskey Rebellion

Und auch einer meiner Lieblingsdrinks muss dran glauben – der gute alte Manhattan – hier noch der Link zum Original. Die von mir vorgenommene Anpassung ist im Internet häufig unter dem Begriff Whiskey Rebellion zu finden. Verglichen zum Original ist es nur eine sehr kleine, aber wie ich finde feine und leckere Anpassung. Denn zusätzlich zum Wermut kommt noch der Punt e Mes dazu. Und für eine frischere Note verwende ich anstatt Angostura Bitter einen Orange Bitter ein.

Die Zutaten für den Whiskey Rebellion

Die Zutaten für den Whiskey Rebellion

Whiskey Rebellion Rezept:

4,5 cl Bourbon – ich habe den Elaih Craig verwendet

1,5 cl Punt e Mes

1,5 cl Antica Formula Wermut oder wer möchte auch den Noilly Prat

3 dashes Orange Bitter – ich habe das Bitter Truth Orange Bitter verwendet

Hier wird wie beim Manhattan auch nicht geshakt. Sondern die gesamten Zutaten auf Eis kalt gerührt. Dann seiht man den Cocktail in einen vorab gekühlten Martini-Spitz ab. Ich sage vorab er ist durch die beiden Wermuts schon recht bitter.

Drinklabor_Klassiker_abgewandelt5Und zum Schluss eine Abwandlung eines Klassikers bei dem der Klassiker schon eine Abwandlung war. Als ich von dieser Geschichte las, dachte ich mir, wenn einer hierher gehört dann der. Und zwar geht es um den heute schon fast vergessenen Gin Daisy. Dieser war in der Vorprohibitionszeit in den USA sehr weit verbreitet. Von den USA hat er sich nach Mexiko ausgebreitet. Dort hat man den Gin, durch den vorherrschenden Tequila ersetzt und die Zitrone durch die mexikanische Limette. Und was bekam man den oder die Margarita. Lustigerweise ist Margarita auch die spanische Übersetzung von Daisy. Und so entstammt der Klassiker Margarita von einem anderen, heute fast vergessenen Klassiker ab. Wobei ich auch hier eine kleine Abwandlung des Originals vornehme. So enthielt das Originalrezept der Daisy auch Gum Sirup. Dies ist im Prinzip nichts anderes ein normaler Zucker-Sirup, dem Gummi arabicum zugesetzt wurde. Dies sollte dazu führen, dass der Zucker im Sirup nicht wieder kristallisiert und angeblich für ein etwas weicheres Mundgefühl sorgen. Außerdem habe ich auch noch den Orangenlikör durch Grenadine ersetzt.

Original Gin Daisy Rezept: 

2 oz Aviation American Gin
1 Teaspoon Gum syrup
1.5 Teaspoon Orange cordial
0.75 oz Freshly pressed lemon juice

Da ich gerade keinen mit Gummi versetzten Sirup in meiner Hausbar hatte, fand ich ein anderes Rezept – quasi eine Alternativ Gin Daisy. Dabei wurde auch das Magaritha Verhältnis von 2:1:1 berücksichtigt.

Die Zutaten für eine abgewandelte Gin Daisy

Die Zutaten für eine abgewandelte Gin Daisy

Abgewandeltes Gin Daisy Rezept:

  • 4cl Gin – ich habe den Gansloser Black Gin verwendet
  • 2cl Zitronensaft
  • 2cl Grenadine
  • 5cl Sodawasser

Hier kommen der Gin, der Zitronensaft und der Grenadine in einen mit Eis gefüllten Shaker. Das Ganze ordentlich shaken, bis der Shaker angelaufen ist. Dann die Flüssigkeit in ein mit Eis gefüllten Tumbler abseihen. Das Ganze dann entsprechend mit Sodawasser auffüllen. Ich habe diesen Cocktail meiner Herzallerliebsten serviert und sie war sehr begeistert. Ggf. kann man auch noch ein cl Gin mehr dazu geben oder beim Grenadine einen 1/2 cl weniger. Insgesamt kommt der Grenadine doch recht stark durch.

Viel Spaß beim selbst ausprobieren. Wichtig ist immer, dass es Euch schmeckt. Probiert einfach ein wenig rum. Dabei geht auch manchmal was schief, aber das gehört dazu. Auf der anderen Seite entdeckt man dadurch vielleicht auch seinen Lieblingsdrink. Also fröhliches experimentieren.

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Der große Siegfried Gin & Tonic Test

Trinklabor_Siegfried_TonicTest2Als überzeugter Bonner und Liebhaber des Siegfried Gins hatte ich mich im Frühjahr bei einer Aktion von Siegfried Gin beworben. Da ging es darum, zu testen welches Tonic am besten zum Siggi passt. Aus allen Teilnehmern wurden am Schluss 10 Personen ausgewählt bzw. ausgelost. Jeder musste vorab begründen, warum gerade er oder sie für diesen Test geeignet ist. Und ich hatte das große Glück einer dieser zehn zu sein. Und irgendwann stand auf einmal ein großes Paket bei uns im Flur, welches ich mit einiger Neugier aufgemacht habe. Durch die netten Aufkleber Siggi on Tour war von außen schon erkenntlich, was in dem Paket zu finden war. Das Paket enthielt neben einer ganzen Flasche Siegfried Gin 10 unterschiedliche Tonics. Und nachdem sich endlich mal ein freier Abend gefunden war, wurde unserer Balkon kurzfristig zum Testlabor umgebaut. Um die Unterschiede besser herauszuschmecken, wurden natürlich alle Tonics erstmal einzeln getestet. Die Ergebnisse des Tonic-Tastings könnt Ihr hier in einem separaten Artikel lesen.

Nach dem Auspacken

Nach dem Auspacken

Nachdem meine Herzallerliebste und ich alle Tonics einzeln probiert hatten, ging es jetzt an den schöneren Teil der Aufgabe – das große Siegfried & Tonic Tasting. Hier wollten wir herausfinden, welche Kombination für uns die leckerste und stimmigste gewesen ist. Bei den Tonics standen zur Auswahl das Schweppes Extra Dry, 2 Tonics von Thomas Henry das normale und das Elderflower, das Fentiments Tonic, das Doctor Polidoris Tonic, zwei Aqua Monaco das Tonic und Extra Dry Tonic, das Goldberg Tonic und die beiden Fever Trees das normale Tonic Water und das Mediterranean.

2 Siegfried und 2 Hände von Tonics

2 Siegfried und 2 Hände von Tonics

Nach dem Tonictasting brauchten wir erst einmal ein großes Stück Brot und ordentlich Wasser. Da 10 Tonic auf einmal doch extrem tocken, süss und geschmacksintensiv sind. Von der Kohlensäure und seinen Folgen möchte ich gar nicht erst anfangen. Da wir nicht 10 große Gin Tonic trinken wollten und auch nicht gekonnt hätten, gab es jeweils nur kleine Mischungen in Nosinggläsern. Wir haben dabei versucht immer ein Mischungsverhältnis von 1 zu 3 hinzubekommen. Das Gute als Whiskyfan hat man natürlich Plastikpippetten, die ich zum gezielten Verdünnen von Whisky benutze. Diese haben auch eine Skala, so dass man immer einigermaßen genaue Mischungsverhältnisse hinbekommen hat.

Für die exakten Mengen kommt die Pipette zum Einsatz

Für die exakten Mengen kommt die Pipette zum Einsatz

Es war sehr spannend wie unterschiedlich die Tonics mit dem Gin harmonierten oder eher das Gegenteil bewirkt haben. Von den Geschmacksbewertungen und der Reihenfolge  waren meine Herzallerliebste und ich schon recht nah beieinander, so dass bei der Wahl der Favoriten als auch der Geht-garnicht Kombinationen es fast ein ähnliches Ergebnis gab. Wir können natürlich hier nur für uns sprechen und ich empfehle jeden sich selbst ein Urteil zu bilden. Und man muss sagen, die folgenden Aussagen beziehen sich nur auf die Kombination mit dem Siegfried Rheinland Gin. Mit einem anderem Gin mag das eine oder andere von uns eher ungeeignete Tonic bestimmt ganz gut harmonieren. Bei der Bewertung haben wir eher Gruppen gebildet, wenn ich auch am Schluss eine Reihenfolge festgelegt habe. Dabei sind sowohl meine Bewertungen, als auch die meiner Herzallerliebsten eingeflossen.

Alle am Test Beteiligten

Alle am Test Beteiligten

Kommen wir zu der Gruppe – lieber Finger von lassen:

Zuerst die Mischung mit dem Fentiments. Von der Nase ist der Mix schon besser als das Fentiments allein – aber ein Wohlgeruch ist es noch lange nicht. Im Mundgefühl kommt eine heftige Trockenheit zum Vorschein. Der Siggi tut einem schon leid, er hat gegen dieses Tonic keine Chance. Außerdem wird durch die Kombination eine sehr künstlich wirkende Zitrusnote erzeugt. Nein dieses Tonic bitte nicht für den Siggi benutzen. Auch das Schweppes Extra Dry gereicht dem Siegfried nicht zur Ehre. Auch hier ist eine verstärkte Trockenheit am Gaumen zu spüren, die Bitterkeit wird nochmals betont und auch das Zitronenlimonadige geht nicht weg. Beim Elderflower von Thomas Henry hätte ich gedacht, dass müsste passen. In der Kombination wirkte das Tonic und die Holunderblüte extrem künstlich und parfümiert. Auch die Bitterkeit kam in den Vordergrund. Auch hier klare Nichtempfehlung. Und nun zum Negativhighlight – der Siegfried Gin mit Aqua Monaco Extra Dry. Erstaunlich auch hier ist die Nase bedeutend besser als das Tonic solo. Der Kardamom kommt stärker nach vorn. Ich war also guter Dinge und dann habe ich es leider getrunken. Eine unangenehme Pfeffrigkeit gepart mit Bitterkeit und metallischen Anklängen. Tastingnotes meiner Herzallerliebsten „Unangenehme Nase, Geschmack Bahhhhhh“. Auch hier gilt in der Kombi bitte die Finger weg.

Nun geht es ins Mittelfeld – hier passt die Kombination von Tonic und Siggi schon ganz gut, aber wir sind noch nicht in der oberen Tabellenhälfte. Das normale Thomas Henry für mich schon fast wie ein Allrounder – es gibt wenige Gins die nicht dazu passen. Wenn man eine stärkere Bitterkeit mag, muss man hier ergänzen. Zusammen mit dem Siegfried wird die Bitterkeit ein wenig abgemildert. Die Lindenblüten sind sogar wahrnehmbar. Nur im Abgang wird es dann wieder recht trocken und bitter. Aber für einen guten G&T zwischendurch schon GUT geeignet. Kommen wir zu einer weiteren guten Mischung – nämlich die mit dem Dr. Polidoris Tonic. Der Siggi und das Tonic harmonieren schon ganz gut. Die Nase ist recht angenehm. Der Siggi kommt gut durch und Gin und Tonic ergänzen sich. Einzig die Bitterkeit überlagert den Geschmack des Gins. Aber auch hier gut trinkbar, wobei man dieses Tonic bisher eher selten zu kaufen bekommt. Und auch die Mischung mit dem normalen Aqua Monaco ist eine grundsolide Mischung. Hier wird das Zitrusarmao verstärkt, was in dieser Kombination ganz gut ist. Mit einem richtig stark Zitrus betonten Gin würde ich dieses Tonic wohl nicht empfehlen.

Kommen wir zu den Championsleague Plätzen, um in der Fussballersprache zu bleiben. Eine wirkliche gelungene Mischung ist die mit dem Goldberg Tonic. Eine absolut runde und harmonische Mischung, die eine angenehme Süsse hervorruft. Auch eine interessante Nase ist spürbar. Der Siggi ist gut schmeckbar und wird von den Tonicaromen unterstützt und teilweise verstärkt. Eigentlich schon eine sehr gute Kombination, einzig mir kommt das Ganze ein wenig brav daher.

Kommen wir zu den beiden Gewinnern. Tata.. auf dem zweiten Platz das Fever Tree Tonic. Ähnlich wie beim Goldberg passt hier einfach alles. Sie harmonieren gut miteinander, ergänzen sich gegenseitig ohne den jeweils anderen zu überlagern. Eine angenehme Süsse ohne zu stark hervorzutreten, die Bitterkeit ist gut ausbalanciert. Wenn Ihr also in der Bar Eurer Wahl seid und wollt einen Siggi mit Tonic trinken – auf jeden Fall zum Fever Tree greifen. Nur eine Kombi ist noch besser und sie kommt aus dem gleichen Haus – das Fever Tree Mediterranean. Hier kommt noch ein wenig Pep, Sexiness und Spannung dazu – die Kräuterigkeit. Diese werden durch den Siggi gut betont, ohne dass sie komplett in den Vordergrund treten. Ein wahre Geschmacksexplosion, eine flüssige Pizza Margarita einfach wunderbar. Obwohl ich mir auch vorstellen kann, das Einigen die Kräuternote zu dominant sein könnte. Also vorher immer selbst probieren und wenn man unsicher ist, erstmal zum normalen Fever Tree greifen – dass passt für jeden. Wenn Ihr aber noch das i-Tüpfelchen draufsetzen wollt, dann lasst das Mittelmeer in Euren Gin Tonic. Man kann also abschließend festhalten Siegfried Gin – das beste was einem Fever Tree passieren kann. Hier noch mal kurz die Ergebnisse tabellarisch dargestellt.

Platzierung Gin &  Tonic Kombination Bewertung
1. Siggi + Fever Tree Mediterranean +++
2. Siggi + Fever Tree Normal ++
3. Siggi + Goldberg Tonic ++
4. Siggi + Dr. Polidoris Tonic +
5. Siggi + Thomas Henry Normal +
6. Siggi + Aqua Monaco Tonic +
7. Siggi + Thomas Henry Elderflower – –
8. Siggi + Schweppes Extra Dry – –
9. Siggi + Fentiments – –
10. Siggi + Aqua Monaco Extra Dry – – –

Zum Schluß bleibt mir nur noch Danke zu sagen, bei den Jungs vom Siegfried Gin. Nicht nur für den tollen Gin als solchen, sondern auch für die Möglichkeit dieses spaßige Experiment auszuprobieren und die optimale Mischung von Siegfried & Tonic zu finden. Ich kann jeden nur empfehlen so etwas ähnliches auch mal zu Hause auszuprobieren, dann werdet Ihr doch ziemliche Unterschiede feststellen. In diesem Sinne genießt Euren nächsten Gin & Tonic.

 

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Siegfried Gin – der Cocktailzauberer

Der Siegfried Gin

Der Siegfried Gin

Vor einigen Wochen war ich auf einem Streetdrinkfestival. Ich hatte mir zwar mehr versprochen, aber ein Highlight war der Stand eines meiner Lieblingsgins dem guten Bonner Siegfried Gin – auch liebevoll Siggi genannt. Dabei bin ich auch in den Besitz eines Flyers gekommen, der neben Tastingnotes auch speziell für diesen Gin entwickelte oder angepasste Cocktails enthielt. Davon habe ich zwei zu Hause ausprobiert und war wirklich begeistert.

Die Zutaten für den Magic Tiger

Die Zutaten für den Magic Tiger

Als erstes soll es um meinen derzeitigen Lieblingsdrink gehen – den Magic Tiger. Absolut erfrischend und die Herzallerliebste dachte doch tatsächlich es wäre ein Alkoholfreier Cocktail, weil er so rund und der Siegfried sich gut in den Cocktail einpasst. Wichtig ist dass Ihr den Drink sehr kräftig rührt, da sich sonst das hier eingesetzte Süßungsmittel der Agavendicksaft nicht richtig auflöst.

Der Magic Tiger - extrem lecker

Der Magic Tiger – extrem lecker

Zutaten für den Magic Tiger sind:

  • 4,5 cl Siegfried Gin (ich habe 5 cl genommen, da leichter abmessbar)
  • 1,5 cl Zitronensaft frisch gepresst
  • 2,5 cl Grapefruitsaft frisch gepresst – am besten eine nicht ganz so saure nehmen – z.B. Pink Grapefruit
  • 4 cl Earl Grey Tee (ich habe Lady Grey genommen, da weniger bitter) – hier vorher kochen und dann abkühlen lassen
  • 2 cl Agavendicksaft (hört sich viel an – braucht Ihr aber)

Das Ganze baut Ihr in einem Longdrinkglas auf viel Eis und könnt es mit einer Grapefruitzeste garnieren. Sehr köstlich und schön erfrischend. Ich habe den Cocktail auch mit dem Tanqueray probiert – das passte nicht, da kam mir der Gin zu sehr durch. Also ein wirklich gelungener Cocktail der mit dem Siggi gemacht werden sollte.

Der zweite Cocktail den ich ausprobiert habe, ist der King´s Winter. Hier musste ich ein wenig improvisieren, daher war er vielleicht auch nicht ganz so gelungen. Ist auch auf Grund der wenigeren Zutaten auch viel stärker Ginbezogen.

Der abgewandelte King's Winter

Der abgewandelte King’s Winter

Zutaten für den King´s Winter sind:

  • 5 cl Siegfried Gin
  • 1,5 cl Honigsirup (hier habe ich auf normalen Zuckersirup zurückgegriffen, damit fehlte mir natürlich auch
    das Honigaroma
  • 2 cl frisch gepresster Zitronensaft – ich habe hier frisch gepressten Orangensaft genommen – daher die leicht organge Farbe
  • 2 Spritzer Absinth (ich habe hier die Sazerac Methode angewandt und die Cocktailschale mit dem Absinth kurz ausgespült – heißt einen Spritzer ins Glas möglichst alles benetzen und Rest wegschütten)

Hier gibt man die Zutaten in einen mit Eis gefüllten Shaker und ordentlich durchschütteln. Anschließend das Ganze in eine vorgekühlte Cocktailschale abseihen.

Bei beiden Cocktails sind in der Kombination mit dem Siggi ungemein rund und gut abgestimmt. Speziell beim Magic Tiger habe ich das mit einem anderen Gin, der stärker wacholderbetont war, ausprobiert und muss sagen, es passt nicht so gut. Viel Spaß beim Ausprobieren.

 

 

 

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Gin Gin Mule – der minzefressende Esel

Der GinGinMule - lecker

Der GinGinMule – lecker

Für mich ist der Sommer in vielen Fällen Gin Zeit und am liebsten mit erfrischenden  Gincocktails. Einer meiner absoluten Lieblinge ist dabei der Gin Gin Mule. Wenn man dann noch eine kleine Ecke im Garten hat, wo man Minze anpflanzen kann, steht einem extrem leckeren Cocktail fast nichts mehr im Wege. Ich dachte mir nach den vielen Klassikern, die ich hier vorgestellt habe, soll es mal wieder ein moderner Drink sein. Dieser wurde in New York von Audrey Saunders, der Besitzerin des New Yorker Pegu Clubs entwickelt. Wer der Name nichts sagt, obwohl das relativ wenige sein werden, wird ihr Lehrmeister der Cocktailmastermind Dale DeGroff bestimmt etwas sagen.

Die gute Audrey dachte sich, sie möchte einen erfrischenden werden und hat mit Minze, Limetten, Gin und Ingwerbier einen herrlichen  Drink entwickelt. Dieser ist eine Abwandlung des bekannteren Moscow Mule verzichtet aber auf den Wodka und ergänzt ihn statt dessen mit Gin. Und da zusätzlich noch Ingwerbier enthalten ist und sich Gin Ginger Mule komisch aussprechen lässt, entstand der Name Gin Gin Mule. Die Beigabe der Minze sorgt für eine tolle Frische, die vom Limettensaft noch unterstützt wird.

Im Originalrezept hat sie selbstgemachtes Gingerbier verwendet. Das steht auch noch auf meiner Todo und wird demnächst auch angegangen. Daher habe ich mit gekauften Gingerbeer von Thomas Henry dem Spicy Ginger gearbeitet. Hier wieder der Hinweis für alle die es nicht so scharf mögen, dass Zeug ist schon extrem scharf. Aber da auch nur ein kleinerer Teil reinkommt, müsste es noch gehen.

Die Zutaten, Gin, Minze, Limette, Zucker und Ingwerbier

Die Zutaten, Gin, Minze, Limette, Zucker und Ingwerbier

Hier die Zutaten:

  • 5 cl Gin ruhig ein wacholderbetonter Gin (ich habe den Duke genommen)
  • 2 cl frisch gepresster Limettensaft
  • 1 cl Zuckersirup – kann man natürlich auch einfach selbst herstellen
  • 4-6 Zweige Minze (ruhig mit Stil und Blättern)
  • 4-6 cl Spicy Ginger oder anderes Ingwerbier

Zuerst den Gin, Limettensaft und Zuckersirup in einen mit Eiswürfeln gefüllten Shaker geben. Dann die ganzen Minzzweige in den Shaker dazugeben und ordentlich shaken. In ein mit Eiswürfel gefüllten Tumbler abseihen und mit dem Ingwerbier auffüllen. Dann umrühren und mit einem Minzzweig garnieren. Fertig ist ein ausgesprochen süffiger Sommerdrink für einen schönen Abend zum Genießen.

Es gibt von diesen Cocktail noch eine Erweiterung. Für die richtigen Ingwerfans unter Euch ist diese Abwandlung besonders geeignet. Dann gebt Ihr anstatt normalen Zuckersirup – vorab mit Ingwer infusionierten Zuckersirup dazu. Dann heißt das Ganze Gin Gin Gin Mule. Viel Spaß beim Ausprobieren und einen relaxten Abend.

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Der Herzog mit dem Kanninchen – extrem leckerer Cocktail

Drinklabor_Duke&BunnyHeute geht es eigentlich um eine Marketingaktion, die aber extrem gelungen ist. Die beiden Jungs von The Duke Gin hatten in den 2010er Jahren nach weiteren Möglichkeiten zur Vermarktung ihres wirklich leckeren Gins gesucht. Dabei haben sie auch intensiv mit Bartendern zusammengearbeitet. Dabei entstand ein eigener Cocktail der von Dietmar Petri aus dem Reichenbach in München entwickelt wurde – der The Duke & The Bunny. Und ich muss sagen eine extrem leckere und geniale Kombination.

Hier die Zutaten mit einer kleinen Abwandlung von mir:

4 cl The Duke Gin

2 cl Little Blanc Vermouth (ich habe den Noilly Prat verwendet)

2cl Zuckersirup

2cl frisch gepresster Limettensaft

Möhrenstücke

Drinklabor_Duke&Bunny_Zutaten

Von der Herstellung ist der Cocktail recht einfach. Alles im Shaker auf Eis, wobei ich 4 Möhrenschnitze dazu gepackt habe. Alles ordentlich shaken und in vorgekühlte Martinikelche abseihen. Ich habe zur Verzierung quasi „Möhrenzeste“ verwendet, d. h. mit dem Sparschäler Streifen von der Möhre abschneiden und in den Cocktail drapieren.

Ein wahrlich leckerer Sommerabendcocktail, schon fast zu süffig. Absolute Weiterempfehlung meinerseits und spannend wie die Möhre wirklich durchkommt und vor allem dazu passt. Das schreit nach dem nächsten Gin&Tonic mit Möhre – Versuch. Viel Spass beim nachmachen und geniessen.

 

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Alles Rhabarber – heute mal als Sirup

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In den jetzigen Tagen beginnt die Rhabarber-Zeit und man kann wieder viele spannende Sachen mit diesen sauren Stangen machen. Einer meiner Lieblingsform ist der pure Genuss einfach in Zucker getunkt. Aber auch verarbeiteter Form schmeckt er ganz vorzüglich. Da ich ein paar Stangen übrig hast, dachte ich mir, jetzt wird Rhabarbersirup gemacht. Es gibt doch nichts erfrischenderes als an einem sonnigen Junitag, mit einer Rharbarberschorle auf dem Balkon sitzend und die Sonne genießen.

Außerdem kann man den Sirup natürlich auch für diverse Cocktails zum Einsatz bringen. Und das schöne ist, Ihr braucht nur den Rhabarber, Zucker, zwei Limetten und einen Topf.
Drinklabor_RharbarbersirupZutaten:

  • 2kg Rhabarber
  • 500 g Zucker
  • Saft von zwei Limetten

Zuerst müsst Ihr die Stangen putzen und in kleine Stücke schneiden. Gleichzeitig 2 l Wasser in einem großen Topf erhitzen. Wenn es kocht den geschnittenen Rhabarber in das kochende Wasser, den Herd ein wenig runterdrehen und für 30 Minuten köcheln lassen. Dann das ganze durch ein enges Sieb oder Tuch geben und den Saft auffangen. Den Fruchtbrei noch ordentlich auspressen. Den Rharbarbersaft wieder zurück in den Topf und Zucker und den Saft von den Limetten dazugeben und das Ganze für weitere 30 Minuten unter gelegentlichen rühren köcheln lassen. Nach der Zeit sollten noch ca. 750 ml Rharbarbersirup übrig sein. Den Sirup in eine sterilisierte Flasche geben. So hält sich der Sirup mindestens 6 Monate. Wenn die Flasche geöffnet wird, am besten im Kühlschrank aufbewahren.

Den Rhabarbersirup kann man für diverse, fruchtige Sommergetränke benutzen. Am einfachsten mit Mineralwasser und Eiswürfel zu einer leckeren Rhabarberschorle mischen. Oder anstatt Aperol oder Holunderblütensirup, einfach mal den Rhabarbersirup in den Prosecco oder Sekt geben. Aber auch Zutat für diverse Cocktails kann man den Sirup gebrauchen. Ich finde ein wunderbares Sommergetränk mit dem Sirup ist der Rhabarber Ginfizz. Dieser lässt sich relativ einfach mit folgenden Zutaten mischen:

  • 3 cl Rhabarbersirup
  • 4 cl Gin
  • 2 cl Limettensaft
  • Sodawasser

Die Zutaten bis auf das Sodawasser auf Eis shaken und in ein mit Eiswürfeln gefülltes  Highballglas abseihen und dann das Glas mit Soda oder Mineralwasser auffüllen. Wünsche eine fruchtig-süsse Sommerzeit mit dem vielfältig einsetzbaren Rhabarbersirup.

 

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Der Martinez – ein alter Cocktail ganz aktuell

Drinklabor_MartinezHeute möchte ich mich einen schon recht alten Klassiker widmen – dem Martinez. Dieser Cocktail wird auch als Urvater des heutigen Martinis angesehen, auch wenn er heute leider ein wenig aus der Mode gekommen zu sein scheint. Auf diesen Cocktail hat mich der Sembo von der neuen tollen Bonner Bar „The Old Jacob“ gebracht, als wir uns über geniale  Gincocktails unterhalten haben. Der Martinez war schon im Cocktailbuch-Klassiker von Jerry Thomas in „How to Mix Drinks“von 1887 aufgeführt. Wobei die genaue Herkunft mal wieder, wie bei vielen Cocktails nicht genau belegt ist. Und natürlich gibt es einige Anekdoten und Geschichten darüber, wie er entstanden ist. So soll dieser Jerry Thomas ihn auch den Namen gegeben haben, wobei in der Erstauflage seines Buches 1862 er nicht aufgeführt gewesen ist. Dieser Jerry Thomas war Bartender im Occidental Hotel. Die Bar war ein beliebter Platz zum Trinken und lag genau auf dem Weg von der Montgomery Street nach Martinez. Eines Tages hat er einen Cocktail für einen Gast entwickelt, der gerade auf dem Weg nach Martinez war, um von dort die Fähre zu nehmen. Und so soll er sich entschlossen haben, diesen Drink Martinez zu taufen. Ob es so stimmt, mag dahin gestellt sein, es hört sich aber gut an. Natürlich beansprucht auch die Stadt Martinez selbst, Ursprung diesen Cocktails zu sein. Es wird wie bei vielen Klassikern in den Nebeln der Cocktailgeschichte verschwinden. Das besondere an dem damaligen Rezept war, dass der Martinez noch sehr stark Wermut dominiert war. Hier mal die Zutaten des Originals von 1887:

  • 12 cl roten Wermut- eigentlich nach Original nur Carpano Antica Formula
  • 3 cl Old Tom Gin – damals war diese Gin Form – die heute wiederbelebt wird – quasi Standard
  • 1 Dash Angostura Bitter
  • 1 Barlöffel voll Marascino Likör

Im Originalrezept war von 1 Pony Old Tom Gin (entspricht ca. 3 cl) und einem Wineglas of Vermouth (ca. 12 cl) die Rede. Häufig wird dies aber in der Barszene als zu viel Wermut angesehen und man interpretiert es eher als 6 cl Wermut. Von der Vorgehensweise funktioniert der Martinez wie der Dry Martini auch, man rührt die Zutaten auf Eis in einem Rührglas und seiht das Ganze in vorgekühlte Martinikelche ab. Für mich ein sehr leckerer Cocktail – das hängt aber auch mit meiner Begeisterung für den Antica Formula zusammen – den ich auch gern mal pur trinke.

Wer das Getränk ein wenig ausgewogener aber für mich auch subtiler mag, versucht die Neuinterpretation durch Mr. Martini. Dieser ist ein von mir geschätzter Bar-Blogger und Cocktailenthusiast, der seit 2006 einen Blog und auch einen Podcast unter dem Titel „Behind the Bar Show“ herausgibt. Diese kann ich wirklich uneingeschränkt empfehlen, obwohl in der letzten Zeit nicht viel nachkam. Bei ihm ist das Verhältnis von Gin und Wermut, ähnlich wie beim Negroni angeglichen und er ergänzt den Cocktail noch mit Orangebitters. Auch er verwendet als Gin einen Old Tom Gin oder einen Genever. Beide sind ein wenig gesüsst und geben dem Drink eine gewisse Abrundung. Da ich gerade keinen Old Tom im Hause hatte, habe ich normalen Dry Gin verwendet und noch ein wenig Zuckersirup ergänzt.

Drinklabor_Martinez_Zutaten

Und damit Ihr es zu Hause nach machen könnt, hier mein Rezept in starker Anlehnung an Mr. Martini:

4 cl Gin – ich habe Bombay Saphire verwendet

4 cl Vermuth – natürlich Carpano Antica Formula

1 cl Zuckersirup

7 ml Luxardo Marascino Likör – hier beachten 7 ml also 0,7 cl – beim ersten Misch-Versuch habe ich leider den Cocktail ein wenig hingehimmelt mit 7 cl 🙂

2 Dashes Angostura Bitter

2 Dashes Orange Bitters – ich habe den von Bitter Truth verwendet

Auch hier wird alles zusammen, ordentlich auf Eis im Rührglas gerührt und auch hier in vorgekühlte Martini-Gläser abgeseiht. Dazu gibt man dann noch eine Zitronenzeste als Dekoration. Ich kann nur sagen, ein wirklich leckerer Klassiker, der in der Neuinterpretation eine wirklich leckere Alternative zum Negroni ist. Viel Spaß beim selber ausprobieren.

 

 

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Portugiesischer Gin – eine spannende Versuchung

Drinklabor_Portugiesischer Gin
Wie Ihr schon in einem der letzten Beiträge lesen konntet, war wir über Ostern in Lissabon. Und neben den geschichtlichen, architektonischen und Natur-Sehenswürdigkeiten interessiert mich als Trinklaborant natürlich auch das Essen und Trinken des jeweiligen Gastlandes. Und Portugal und speziell Lissabon kann dabei einiges bieten. Wie auch in Spanien ist in Portugal die Gin-Welle und das Gin&Tonic trinken schon seit einigen Jahren angekommen. Und auch wenn die portugiesischen Gins in Deutschland nicht so berühmt sind und zur Zeit noch schwer zu beschaffen sind, gibt es in Portugal eine recht große Gin-Szene. So teilte mir der Barkeeper eines Ginhouses in der Lissabonner Altstadt mit, dass es mittlerweile ca. 40 verschiedene Gin-Marken in Portugal gibt. Und da er einen Großteil der Sorten da hatte, durfte ich zumindest an vielen der Gins schnuppern. Auch bekommt man fast in allen Bars Gin Tonics häufig mit den englischen Klassikern, aber auch mit ein oder zwei portugiesischen Gins angeboten. Was auffällt, dass sich die portugiesischen Ginhersteller fast immer an der Standardalkoholstärke von 40 % orientieren.

Der bekannteste „portugiesische“ Gin zumindest in Deutschland ist eigentlich nur ein halber Portugiese. Der Gin Sul aus Hamburg bezieht viele seiner Zutaten aus Portugal. Auch hat das Land einen großen Anteil als Inspirationsquelle für diesen Gin. Aber auch die Gins die direkt hier produziert werden, zeichnen sich durch eine hohe Kreativität und häufigen Bezug zum Land und seinen Gewächsen aus.  So kommt der erste rote Gin aus Portugal. Dabei ist der Gin Tinto kein Sloe Gin, sondern wird richtig destilliert. Er wurde mit einem wahren Gewürzgarten hergestellt und enthält unter anderen neben Wacholder auch Dill, Lorbeer, Katzenminze, Willow Blatt, Holunder Blumen, St. Robert Pflanze, Melisse, Zitronen-Melisse, Eukalyptus-Blatt, Rosmarin, Lavendel, Zitronensäure der grünen Orange, Mohnblumen und Wilde Brombeeren. Leider habe ich ihn nicht probiert, werde dies aber bald nachholen. Ein anderer besonderer Gin ist der Nautilus Gin, der u.a. mit Algen destilliert. Und allein der Geruch hat mich nicht wirklich inspiriert ihn probieren zu müssen. Neben den Zutaten wird auch bei der Gestaltung der Flaschen häufig ein Bezug zum Land hergestellt. So kommt der Adamus Gin in einer viereckigen Tonflasche daher. Aber das besondere ist der Deckel, der aus einem 500 g schweren viereckigen Korkblock besteht. Die Flasche wiegt wirklich schon einiges und macht natürlich etwas her. Auch veriet mir der Barkeeper, dass allein durch den Korkdeckel allein 6 € Materialkosten anfallen. Besonders gut an den portugiesischen Gins gefällt mir, dass sie immer wieder versuchen, portugiesische Traditionen wie hier den allgegenwärtigen Kork aufzugreifen. So wird z.B. der Nao Gin noch 3 Monate in Portweinfässern gelagert und in einer an Portflaschen angelehnten schwarzen Flasche verkauft. Diesen habe ich probiert und man muss sagen, ich konnte sogar ein wenig des Portaromas schmecken.

Drinklabor_Gin_Portugal2Neben dem Noa haben wir natürlich auch einen der bekanntesten portugiesischen Gins den Sharish probiert. Sharish steht dabei für den ursprünglich arabischen Namen der Stadt Reguengos de Monsaraz. Dabei werden bei Sharish nur Zutaten aus Portugal verwendet und somit hat man wirklich etwas typisch portugiesisches. Neben den Klassikern wie Wacholder, Koriander, Orangen- und Zitronenschale werden auch Nelken, Zimt, Vanille, Zitronenstrauch und die spezielle, portugiesische Apfelsorte Bravo de Esmolfe Apfel verwendet. Das Ergebnis ist ein wundervoll cremiger, sehr zitrusbetonter Gin der ein schönes Vanillearoma und einen leichten Apfelgeschmack aufweist. Ein wirklich gelungener Gin. Und auch mit Tonic lies er sich super genießen. So wird der Gin Tonic mit dem Sharish auch mit Apfelscheiben garniert. Daneben gibt es noch zwei bis drei andere Abfüllungen. Besonders auffallend wegen seiner blauen Farbe ist dabei der Shahrish Blue Magic. Diese Farbe erhält er aber nicht durch künstliche Farbstoffe, sondern durch Zugabe einer bestimmten Pflanze – der Clitoria ternatea, auf deutsch:Blaue Klitorie. Diese Pflanze ist der einzige Farbgeber für den Gin. Und dieser kann mit seinem Farbwechsel ein schönes Partyhighlight darstellen. So verwandelt sich der Gin bei Zugabe von kohlensäurehaltigen Getränken wie Tonic hin zu einem kräftigen Pink.

Drinklabor_GinPortugal3Meine Herzallerliebste probierte den Friends Gin Premium. Und auch dieser ist wirklich gelungen. Die Bezeichnung Friends beruht auf der gemeinsamen Zusammenarbeit den beiden Herstellern dem Winzer Tiago Cabaço und dem Agraringeneur Luis Ferreira. Sie arbeiteten über 2 Jahre an der richtigen Zusammensetzung und haben angeblich 438 verschiedenen Botanicals ausprobiert. Das Endprodukt wird aus National Touriga Trauben destilliert und mit 38 Botanicals vierfach destilliert. Ich muss sagen ich habe selten einen so wunderbar fruchtigen, zitrusbetonten und vollmundigen Gin getrunken. So sahen wir uns auch gezwungen, eine eine Flasche des leckeren Gesöffs für uns mit nach Hause zu nehmen.

Die portugiesische Ginlandschaft lässt sich wirklich sehen und hat einige spannende Gins hervorgebracht. Einzig beim Tonic war leider nicht viel Abwechselung. Hier ist noch alles fest in Schweppes Hand. Aber dafür scheint das Schweppesangebot aber auch ein wenig umfangreicher als bei uns. Es sind einige Flaschen aufgefallen, die wir so in Deutschland noch nicht gesehen haben. Und in Portugal scheint, vielleicht durch die Nähe zu Spanien, das Bereiten und Anrichten des Gin&Tonics sehr wichtig zu sein. So bekommt man seinen G&T häufig in großen, bauchigen Gläsern und bei der Bereitung wird das komplette Programm mit diversen Zugaben von Gewürzen und Verzierungen gearbeitet und das Ganze natürlich ausgiebig zelebriert. Die portugiesische Ginszene ist ausgesprochen kreativ und interessant und ich kann Euch nur empfehlen den einen oder anderen Gin zu probieren. Für die unter Euch, die dem nächst nach Lissabon fahren solltet, hier findet Ihr noch ein paar Adressen, die ich selbst ausprobiert habe und wo guter Gingenuss garantiert ist.

Vintage gourmet & GIN House in der Rua da Horta Seca Nr. 1 R/C

Gin Club Stand im Time Out Mercado da Ribeira, Avenida 24 de Julho, Cais do Sodré

oder wenn ihr ganze Flaschen kaufen wollt – dann ein Shop mit guter Gin-Auswahl ist

Garraferia Nacional ein alt eingesessener Wein- und Porthandel mit guter Spirituosenauswahl findet man sowohl in der Rua de Santa Justa, 18; der Rua da Conceição, 20/26 oder auch im TimeOut Market

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Marc&Philipps – Cocktails in Flaschen

Drinklabor_Marc&Philipp_1Durch Maike vom Kölner Streetfoodfestival bin ich auf eine Veranstaltung aufmerksam gemacht worden, bei der es um die Vorstellung von Cocktail in Flaschen ging. Am Anfang war ich sehr skeptisch. Ich musste an Studiezeiten zurückdenken. Gordons&Tonic aus der Dose und dann auch noch warm getrunken. Ob ich da wohl richtig wäre? Aber dann habe ich die Mail genauer gelesen. Die Cocktails werden von Marc & Philipp Finest Bottled Drinks produziert. Und dann habe ich gelesen einer der Beiden leitet das „Metzger und Marie“ und der andere ist Barkeeper im Shepards in Köln. Da haben sich zwei ausgewiesene Experten mit dem Thema beschäftigt. Außerdem werden nur frische Zutaten benutzt. Entsprechend habe ich mich Dienstag Abends durch strömenden Regen nach Köln aufgemacht. Passenderweise fand die Präsentation im Metzger und Marie im Kölner Agnesviertel statt. Das Lokal bildete mit seiner gemütlichen Rustikalität den richtigen Rahmen für diese Veranstaltung. Insgesamt waren wir ca. 30 Personen die sehr gespannt auf die Kreationen des Duos waren. Die beiden Entwickler Marc und Philipp wurden durch furchtbare Dosencocktails und gelangweilte Hotelbarkeeper zu Ihrer Idee inspiriert. Sie dachten sich, man müsste doch auch fertige Cocktails in Lecker anbieten können. Und dann das ganze auch noch mit natürlichen und frischen Zutaten trinkfertig anbieten. Dafür entwickelten sie sogar ihre eigene Abfüllanlage, da bei professionellen Abfüllern zu viel Verlust und nicht die richtige Qualität gewährleistet wäre. Die Cocktails werden auch alle direkt hier vor Ort produziert.

Drinklabor_Marc&Philipp_2Die beiden Gründer der Cocktaillinie ergänzen sich optimal. Marc ist Koch und Eigentümer des Metzger und Marie und ist der Spezialist für frische und herwertige Zutaten. Philipp dagegen ist noch als Barkeeper im Shepards tätig und bringt den Spirituosen und Cocktailbackground mit. Beide ergänzen sich wunderbar und haben so eine recht stattliche Auswahl an Cocktails entwickelt. Sie sind schon seit längerer Zeit in der Experimentierphase und haben bisher schon acht gelungene Cocktailkreationen entwickelt. Von klassischen Standards wie Gin&Tonic und Cuba Libre bis hin zu komplexeren Mischungen wie dem Suffering Bastard oder dem Cream Berry. Wie mir Philipp veriet hat Marc in seinen Garten noch genügend Früchte und Gemüse um noch weitere Kreationen zu entwickeln. Damit man sich ein gutes Bild von dem Geschmack machen konnten, boten sie unterschiedliche Verköstigungsmöglichkeiten an. Angefangen vom direkten aus der Flasche drinken oder mit Strohhalm, über pur aus einem Weinglas bis hin mit ausreichend Eiswürfel im Glas. Damit wir auch mehrere probieren konnten, ohne gleich zu viel zu trinken, einigten wir uns, an unseren Tisch auf Flaschenteilung. Da die Flaschen mit 250 ml und die meisten Cocktail mit 11-12 % Alkohol daherkamen – eine gute Strategie.

Drinklabor_Marc&Philipp_3Wenn einer der beiden Gastgeber Koch ist und noch dazu in seinem Restaurant lies er es sich nicht nehmen, das Tasting mit einer tollen Auswahl an Fingerfood zu begleiten. Angefangen von selbstgebackenen Brot, über Spare Ribs, Hähnchenkeulen hin zu leckeren Shrimps auf warmen Linsensalat. Der Linsensalat war mit einer Art Chillimayonaise versehen und passte mit seiner Schärfe ausgezeichnet zum Dark & Stormy. Alle Sachen waren ausgesprochen lecker, so dass ich beschloss, hier auch mal zum Essen herzukommen. Aber kommen wir zum wichtigsten Teil des Abends den Cocktail-Flschen. Das Design und die Aufmachung fand ich gut gelungen und es strahlt auch eine gewisse Wertigkeit aus. Hier denkt man bekommt man was für sein Geld. Nun möchte ich meine Eindrücke zu den unterschiedlichen Sorten mitteilen. Zwei der Cocktails waren absolut sehr gut gelungen. Da war einerseits der Suffering Bastard – ein Klassiker aus den 40er Jahren mit Gin, Bourbon und dazu kam noch Orange, Limette und Ingwerbier – wirklich super umgesetzt. Man konnte sehr gut die frische Limette rausschmecken. Ein gelungener Sommerdrink, den man irgendwo im Park gemütlich genießen kann. Daneben auch sehr gelungen war der Moscow Mule. Hier wurde Schwedischer Wodka eingesetz. Was hier super kam, war die Gurke, die trotz des recht scharfen Ingwerbiers super durchkam. Ich hatte vor 2 Monaten einen Moscow Mule in einer Bar und muss sagen, der von Marc & Philipp war besser. Die Standards Cuba Libre, Dark & Stormy und Wodka Lemmon war durch die Reihe gut umgesetzt und ließen sich gut trinken. Speziell beim Cuba Libre kam der Rum sehr gut durch und wurde nicht, wie so häufig von der Cola überlagert. Der Gin Tonic war auch gut trinkbar, aber da bin ich ein wenig mäkelig – und das wäre dann nicht ein Cocktail den ich in der Flasche kaufen würde. Daneben gab es noch zwei weitere Sorten. Achtung Chauvigefahr – typische Frauencocktails. Aber das haben auch einige der anwesenden Frauen selbst zugegeben. Einerseits der Pim Up, der auf Pimps No. 1 basierte. Und der Cream Berry ein selbstentwickelter Cocktail der den zweite „Frauen-Cocktail“ bildetee. Der war definitiv nicht mein Fall. Eindeutig zu süss. Er bestand neben normalen Wodka noch aus Himbeerwodka, Cream Soda, Limettensaft, Mineralwasser, Zuckersirup und das besondere Waldbeerenpüre. Einerseits war er mir eindeutig zu süß, außerdem führte die Waldbeeren, mit ihrer Bitterkeit bei mir zu einer belegter Zunge. Aber es kann mir ja nicht alles schmecken. Abgesehen davon bin ich bei Himbeeren und Alkohol immer ein wenig vorsichtig. Oder habt Ihr schon mal einen genialen Himbeerbrand getrunken, der nicht wie aus dem Chemielabor schmeckte – ich nicht.

Drinklabor_Marc&Philipp_4Ich finde wirklich gelungene Cocktails, die Ihre Abnehmer finden werden. Sie basteln auch immer noch weiter an ihren Rezepten. So sollen langfristig auch die Filler, wie Tonic Water, Bitter Lemon oder Ginger Beer auch speziell für die Beiden hergestellt werden. Ich bin gespannt wie sie sich weiterentwickeln. Ich kann Euch auf jeden Fall empfehlen, die Cocktails von Marc & Philipp unbedingt zu probieren. Und speziell im Sommer kann ich mir einen solchen Flaschencocktail als super Alternative zum Bier oder Weißwein vorstellen. Sie werden natürlich keinen guten selbstgemixten Cocktail oder einen Cocktail von  einem guten Barkeeper ersetzen, aber für bestimmte Anlässe sind die Cocktailflaschen gut geeignet. Um mehr über die beiden zu erfahren oder zu schauen, wo man die Cocktails bekommen kann – schaut auf folgende Facebook-Seite von Marc & Philipp. Wenn Ihr Infos zum Lokal Metzger und Marie haben wollt – schaut hier unter Ihrer Website: MetzgerundMarie.de.

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