Archiv der Kategorie: Old Fashioned

The Moll Cocktail – die süffige Gangsterbraut 

img_3099

The Moll Cocktail – nach dem Savoy Cocktail Book

Wie Ihr bestimmt schon wisst, bin ich ein großer Fan der alten, teilweise vergessenen Cocktailrezepte. Und genau um so eins so es heute gehen – The Moll Cocktail. Schon der Begriff Moll – wird heute fast niemanden mehr etwas sagen. Speziell in den 20er Jahren war eine Moll – heute würde man sagen Gangsterbraut. Dieser Begriff wurde häufig in den Hard-Boiled Gangster und Dedektivegeschichten der 20er und 30er Jahre verwendet, die teilweise Grundlage für die Filme der schwaren Serie Hollywoods bildeten. Aber was hat das Ganze mit Cocktails zu tun.

Das Rezept entstammt dem Bar-Buch Klassiker The Savoy Cocktail Book aus den 30er Jahren. Wie sein großer Bruder der Negroni besteht er aus 3 Spirituosen mit gleichen Anteilen. Wobei hier anstatt des Campari, Sloe Gin verwendet wird. Außerdem wird das gewisse Etwas durch den Spritzer Orangebitter erzeugt. Das Originalrezept fordert trockenen französichen Wermut. Ich habe auf meinen Lieblingswermut dem Carpano Antico Classico zurückgegriffen. Außerdem gibt das Originalrezpet noch den Hinweis, dass man Zuckersirup bei Bedarf ergänzen kann. Ich für meinen Teil, habe darauf verzichtet, da sowohl der Sloe Gin, als auch der Wermut schon eine gewisse Süsse mitbringen.

Hier das Rezept

  • 30 ml Gin – im Original Plymouth Gin bei mir war es der Bombay Saphire
  • 30 ml Sloe Gin – ich verwandte den Haymans Sloe Gin
  • 30 ml French dry vermouth – bei mir der Carpano Antica Formula
  • 1 Dash Orangebitter – hier darauf achten, auch wirklich Orangebitter zu verwenden

Die Zutaten in ein mit gut Eis gefüllten Shaker geber und 30 Sekunden shaken, bis der Shaker schön beschlagen ist. Dann das Ganze in eine Cocktailschale abseihen. Deko braucht es bei mir eigentlich nicht. Aber hier würde ein wenig Orangenszeste bzw. Eine Orangespirale passen.

img_3101 (1)

Die Zutaten für den The Moll Cocktail

Ein wirklich gut drinkbarer Cocktail für alle, denen der Negroni zu bitter aber trotzdem eine herbe, bittere Note mögen. Speziell die Pflaumen und Orangennoten in dem Drink finde ich sehr lecker. Viel Spaß beim ausprobieren.

2 Kommentare

Eingeordnet unter Cocktails, Gin, Im Labor, Old Fashioned, Sonstiges, Wermut

Experimente mit Cocktailklassikern

Letzte Woche war der Barkonvent in Berlin. Daher dachte ich mir, es wird mal wieder Zeit für ein paar neue Cocktailrezepte. Wie Ihr bestimmt schon gemerkt habt, bin ich bei meiner Cocktailauswahl eher an den Klassikern orientiert. Ok vielleicht abgesehen von den Klassikern aus den 80er. Allein die Tatsache, dass diese alten Rezepte auch noch nach so langer Zeit gemixt werden, spricht für ihre Qualität. Abgesehen davon bieten sie wunderbare Anekdoten und Geschichten über ihre Entstehung, die bei jeder Party einen guten Gesprächsstoff liefern. Auf der anderen Seite probiere ich aber auch gern aus. So reizt es mich dann doch, diese ab und zu ein wenig anzupassen oder die eine oder andere Zutat mal auszutauschen. Daher soll es in den heutigen Beitrag um ein wenig angepasste Klassiker gehen.

Beginnen möchte ich mit dem Moscow Mule, dessen leicht säuerliche, scharfe Zusammensetzung mir ganz gut schmecken. Ich bin nur nicht so der Fan von Wodka bzw. Wodkacocktails. Eine Abwandlung hatte ich hier im Blog sogar schon vorgestellt, den Gin Gin Mule von Audrey Saunders. Aber es gibt noch andere Formen des Mules, die je nach Zutat nach der passenden Stadt benannt werden. Ein bekannter Vertreter ist der Glasgow Mule. Dieser enthält, wer hätte es gedacht, Whisky anstatt Wodka. Im Rezept von Greg Henry wird klassischer Blended Whisky verwendet. Ich habe ihn sowohl mit einem rauchigen Islay Whisky, als auch mit einem irischen Whisky probiert. Den Islay Mule fand ich nicht so gelungen, da der Rauch und die Limette nicht so gut gepasst haben. Daher habe ich einen Dublin Mule geshaket. Die Version mit einem irischen Whiskey fand ich gut gelungen.

Der Dublin Mule

Der Dublin Mule

Dublin Mule Rezept angepasst nach Greg Henry:

6cl – Blended Irish Whiskey  – ich habe einen 13  jährigen von Cadenheads verwendet

2cl – frischer Limettensaft

1,5cl – Hollunderblütensaft

12cl – Ingwerbier

Alle Zutaten bis auf das Ingwerbier in den mit Eis gefüllten Shaker. Die Zutaten für ca. 30 Sekunden kräftig shaken. Dann in einen Tumbler abseihen. Mit Ingwerbier auffüllen und Eis dazu geben.

Bei unseren nächsten Klassiker wird nicht die Basisspirituose sondern eine wichtige Zutat verändert. Im weitesten Sinne ist es eine Abwandlung von Herrn Meyers Gin Basil Smash. Aber eigentlich nur auf den Namen bezogen. Nur das ich kein Basilikum, sondern Gurke verwendet habe. Ich mag die Mischung Gin und Gurke sehr gern. Ich erwähne da nur den guten Gin&Tonic mit Hendriks oder Martin Millers Gin und dazu Gurke – was eine leckere und frische Kombination. Aber da kann man doch bestimmt noch weiter gehen. Und da bin ich über den Gin und Cucumber Smash gestolpert. Obwohl man eigentlich nicht direkt von einer Anpassung Gin Basil Smash reden kann, da es eher eine Erweiterung eines klassischen Martinis darstellt. Es gibt unterschiedliche Varianten häufig auch mit Holunderblütenlikör. Ich habe die Version von Robert Dahni übernommen.

Cucumber und Gin Smash Rezept:
6 cl Gin
1,5 cl süsser Wermut
1,5 cl Zitronensaft
1,5 cl Zuckersirup
5 dünne Scheiben Gurke

Zuerst füllt man alle Zutaten in einen Shaker. Dann muddelt man die Gurken ordentlich. Anschließend gibt man Eiswürfel dazu und shakt alles. Das Ergebnis dann in gekühlte Tumbler abseihen. Und natürlich dann noch zwei Gurkenscheiben als Deko ans oder ins Glas. Und Ihr habt einen wunderbar erfrischenden Drink.

Der Whiskey Rebellion

Der Whiskey Rebellion

Und auch einer meiner Lieblingsdrinks muss dran glauben – der gute alte Manhattan – hier noch der Link zum Original. Die von mir vorgenommene Anpassung ist im Internet häufig unter dem Begriff Whiskey Rebellion zu finden. Verglichen zum Original ist es nur eine sehr kleine, aber wie ich finde feine und leckere Anpassung. Denn zusätzlich zum Wermut kommt noch der Punt e Mes dazu. Und für eine frischere Note verwende ich anstatt Angostura Bitter einen Orange Bitter ein.

Die Zutaten für den Whiskey Rebellion

Die Zutaten für den Whiskey Rebellion

Whiskey Rebellion Rezept:

4,5 cl Bourbon – ich habe den Elaih Craig verwendet

1,5 cl Punt e Mes

1,5 cl Antica Formula Wermut oder wer möchte auch den Noilly Prat

3 dashes Orange Bitter – ich habe das Bitter Truth Orange Bitter verwendet

Hier wird wie beim Manhattan auch nicht geshakt. Sondern die gesamten Zutaten auf Eis kalt gerührt. Dann seiht man den Cocktail in einen vorab gekühlten Martini-Spitz ab. Ich sage vorab er ist durch die beiden Wermuts schon recht bitter.

Drinklabor_Klassiker_abgewandelt5Und zum Schluss eine Abwandlung eines Klassikers bei dem der Klassiker schon eine Abwandlung war. Als ich von dieser Geschichte las, dachte ich mir, wenn einer hierher gehört dann der. Und zwar geht es um den heute schon fast vergessenen Gin Daisy. Dieser war in der Vorprohibitionszeit in den USA sehr weit verbreitet. Von den USA hat er sich nach Mexiko ausgebreitet. Dort hat man den Gin, durch den vorherrschenden Tequila ersetzt und die Zitrone durch die mexikanische Limette. Und was bekam man den oder die Margarita. Lustigerweise ist Margarita auch die spanische Übersetzung von Daisy. Und so entstammt der Klassiker Margarita von einem anderen, heute fast vergessenen Klassiker ab. Wobei ich auch hier eine kleine Abwandlung des Originals vornehme. So enthielt das Originalrezept der Daisy auch Gum Sirup. Dies ist im Prinzip nichts anderes ein normaler Zucker-Sirup, dem Gummi arabicum zugesetzt wurde. Dies sollte dazu führen, dass der Zucker im Sirup nicht wieder kristallisiert und angeblich für ein etwas weicheres Mundgefühl sorgen. Außerdem habe ich auch noch den Orangenlikör durch Grenadine ersetzt.

Original Gin Daisy Rezept: 

2 oz Aviation American Gin
1 Teaspoon Gum syrup
1.5 Teaspoon Orange cordial
0.75 oz Freshly pressed lemon juice

Da ich gerade keinen mit Gummi versetzten Sirup in meiner Hausbar hatte, fand ich ein anderes Rezept – quasi eine Alternativ Gin Daisy. Dabei wurde auch das Magaritha Verhältnis von 2:1:1 berücksichtigt.

Die Zutaten für eine abgewandelte Gin Daisy

Die Zutaten für eine abgewandelte Gin Daisy

Abgewandeltes Gin Daisy Rezept:

  • 4cl Gin – ich habe den Gansloser Black Gin verwendet
  • 2cl Zitronensaft
  • 2cl Grenadine
  • 5cl Sodawasser

Hier kommen der Gin, der Zitronensaft und der Grenadine in einen mit Eis gefüllten Shaker. Das Ganze ordentlich shaken, bis der Shaker angelaufen ist. Dann die Flüssigkeit in ein mit Eis gefüllten Tumbler abseihen. Das Ganze dann entsprechend mit Sodawasser auffüllen. Ich habe diesen Cocktail meiner Herzallerliebsten serviert und sie war sehr begeistert. Ggf. kann man auch noch ein cl Gin mehr dazu geben oder beim Grenadine einen 1/2 cl weniger. Insgesamt kommt der Grenadine doch recht stark durch.

Viel Spaß beim selbst ausprobieren. Wichtig ist immer, dass es Euch schmeckt. Probiert einfach ein wenig rum. Dabei geht auch manchmal was schief, aber das gehört dazu. Auf der anderen Seite entdeckt man dadurch vielleicht auch seinen Lieblingsdrink. Also fröhliches experimentieren.

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Cocktails, Gesüsste Spirituosen, Im Labor, Old Fashioned, Sirup, Sours

Der Martinez – ein alter Cocktail ganz aktuell

Drinklabor_MartinezHeute möchte ich mich einen schon recht alten Klassiker widmen – dem Martinez. Dieser Cocktail wird auch als Urvater des heutigen Martinis angesehen, auch wenn er heute leider ein wenig aus der Mode gekommen zu sein scheint. Auf diesen Cocktail hat mich der Sembo von der neuen tollen Bonner Bar „The Old Jacob“ gebracht, als wir uns über geniale  Gincocktails unterhalten haben. Der Martinez war schon im Cocktailbuch-Klassiker von Jerry Thomas in „How to Mix Drinks“von 1887 aufgeführt. Wobei die genaue Herkunft mal wieder, wie bei vielen Cocktails nicht genau belegt ist. Und natürlich gibt es einige Anekdoten und Geschichten darüber, wie er entstanden ist. So soll dieser Jerry Thomas ihn auch den Namen gegeben haben, wobei in der Erstauflage seines Buches 1862 er nicht aufgeführt gewesen ist. Dieser Jerry Thomas war Bartender im Occidental Hotel. Die Bar war ein beliebter Platz zum Trinken und lag genau auf dem Weg von der Montgomery Street nach Martinez. Eines Tages hat er einen Cocktail für einen Gast entwickelt, der gerade auf dem Weg nach Martinez war, um von dort die Fähre zu nehmen. Und so soll er sich entschlossen haben, diesen Drink Martinez zu taufen. Ob es so stimmt, mag dahin gestellt sein, es hört sich aber gut an. Natürlich beansprucht auch die Stadt Martinez selbst, Ursprung diesen Cocktails zu sein. Es wird wie bei vielen Klassikern in den Nebeln der Cocktailgeschichte verschwinden. Das besondere an dem damaligen Rezept war, dass der Martinez noch sehr stark Wermut dominiert war. Hier mal die Zutaten des Originals von 1887:

  • 12 cl roten Wermut- eigentlich nach Original nur Carpano Antica Formula
  • 3 cl Old Tom Gin – damals war diese Gin Form – die heute wiederbelebt wird – quasi Standard
  • 1 Dash Angostura Bitter
  • 1 Barlöffel voll Marascino Likör

Im Originalrezept war von 1 Pony Old Tom Gin (entspricht ca. 3 cl) und einem Wineglas of Vermouth (ca. 12 cl) die Rede. Häufig wird dies aber in der Barszene als zu viel Wermut angesehen und man interpretiert es eher als 6 cl Wermut. Von der Vorgehensweise funktioniert der Martinez wie der Dry Martini auch, man rührt die Zutaten auf Eis in einem Rührglas und seiht das Ganze in vorgekühlte Martinikelche ab. Für mich ein sehr leckerer Cocktail – das hängt aber auch mit meiner Begeisterung für den Antica Formula zusammen – den ich auch gern mal pur trinke.

Wer das Getränk ein wenig ausgewogener aber für mich auch subtiler mag, versucht die Neuinterpretation durch Mr. Martini. Dieser ist ein von mir geschätzter Bar-Blogger und Cocktailenthusiast, der seit 2006 einen Blog und auch einen Podcast unter dem Titel „Behind the Bar Show“ herausgibt. Diese kann ich wirklich uneingeschränkt empfehlen, obwohl in der letzten Zeit nicht viel nachkam. Bei ihm ist das Verhältnis von Gin und Wermut, ähnlich wie beim Negroni angeglichen und er ergänzt den Cocktail noch mit Orangebitters. Auch er verwendet als Gin einen Old Tom Gin oder einen Genever. Beide sind ein wenig gesüsst und geben dem Drink eine gewisse Abrundung. Da ich gerade keinen Old Tom im Hause hatte, habe ich normalen Dry Gin verwendet und noch ein wenig Zuckersirup ergänzt.

Drinklabor_Martinez_Zutaten

Und damit Ihr es zu Hause nach machen könnt, hier mein Rezept in starker Anlehnung an Mr. Martini:

4 cl Gin – ich habe Bombay Saphire verwendet

4 cl Vermuth – natürlich Carpano Antica Formula

1 cl Zuckersirup

7 ml Luxardo Marascino Likör – hier beachten 7 ml also 0,7 cl – beim ersten Misch-Versuch habe ich leider den Cocktail ein wenig hingehimmelt mit 7 cl 🙂

2 Dashes Angostura Bitter

2 Dashes Orange Bitters – ich habe den von Bitter Truth verwendet

Auch hier wird alles zusammen, ordentlich auf Eis im Rührglas gerührt und auch hier in vorgekühlte Martini-Gläser abgeseiht. Dazu gibt man dann noch eine Zitronenzeste als Dekoration. Ich kann nur sagen, ein wirklich leckerer Klassiker, der in der Neuinterpretation eine wirklich leckere Alternative zum Negroni ist. Viel Spaß beim selber ausprobieren.

 

 

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Aufgespriteter Wein, Cocktails, Gin, Im Labor, Old Fashioned, Sours, Spirituosen, Wermut

Der Cocktail schlecht hin – der Mannhattan

Drinklabor_ManhattanDiesmal soll es um eine wahre Cocktaillegende gehen – den Manhattan. Neben dem Old Fashioned ist er wohl einer der ältesten Cocktails überhaupt. Es gibt riesige Abhandlungen über die Geschichte und seine Entstehung. Leider ist er heute nicht mehr ganz so verbreitet, auch wenn seine Beliebtheit in den letzten Jahren wieder zu genommen hat. Durch das Wiederaufleben der Classic Bar Kultur wird auch der Manhattan vermehrt geordert. Von der Grundrezeptur ist er sehr einfach aufgebaut – eigentlich nur drei Zutaten. Whiskey, roter Wermut und ein Spritzer Bitter. Aber allein durch Änderung von einer oder auch zwei Zutaten kann man schon viele neue Kreationen entwickeln. Außerdem spornt dieser Cocktail immer wieder Barkeeper als auch Hobby-Cocktailtrinker zu spannednen Kombinationen und Abwandlungen an.

Mein Tipp einen Manhattan nicht in der Studiecocktailbar um dei Ecke bestellen. Denn in einfacheren Cocktailbars findet man häufig recht lieblos zusammengestellte Manhattans. Dabei wird ein einfacher Bourbon wie Jim Beam oder ein Canadischer Whiskey wie der Canadian Club verwendet. Da der Whisky Hauptgeschmackgeber ist, macht ein schlechter Whiskey auch einen schlechten Manhattan. Daneben wird häufig auch ein günstiger roter Wermut wie z.B. ein Martini Rosso verwendet. Dieser ist dann meist zu süss und schon sagen alle – der Manhattan ist kein guter Cocktail. Häufig kommt noch dazu, dass viele den Manhattan zu lange kalt rühren und dadurch der Cocktail zu wässrig wird. Auch wird der Cocktail ab und zu in einem Tumbler mit viel Eis darin serviert. Auch hier besteht die Gefahr des verwässern, da ich meinen Manhattan ja nicht ex trinken möchte. Ich finde Martinegläser eine gute Lösung, da sich diese auch sehr gut runter kühlen lassen.

Bei der Entstehung muss man wie bei vielen Klassikern ziemlich im Trüben fischen. So gehen viele Quellen davon aus, dass der Manhattan mit den ersten Exporten von italienischen und französichen  Wermut in die Staaten um 1870 eng zusammenhängt. Denn damit konnten die Bartendern entsprechend experimentieren. Die Geschichte das Winston Churchills Mutter mit der Entstehung des Manhattan zu tun hatte, ist zwar eine schöne Geschichte, muss aber in die Welt der Cocktaillegenden geschoben werden. Um das Jahr 1884 muss es das Getränk schon gegeben haben, da er in diesem Jahr als Rezept in einem Barbuch auftauchte. Damals war der Anteil an Whiskey und Wermut noch gleich, wobei heute häufig der Whiskeyanteil 2:1 zum Wermut beträgt. Man geht davon aus das die ursprünglichen Cocktails mit Rye Whisky oder Bourbon gemixt wurden. Durch die Prohibition und die versiegenden Quellen von gelagerten Bourbon oder Rye griff man häufig auf den einfach zu beschaffenden Canadian Whisky zurück. Dies führte dazu, dass sich dieser auch heute bei der Standardrezeptur durchgesetzt hat. Aber wenn man auf die ursprünglichen Zutaten wie einen kräftigen Rye Whisky und einen komplexen italienischen Wermut zurück greift, kann ein wirklich spannender Drink entstehen.

So habe ich den relativ neuen Knobs Creek Rye eingesetzt. Dieser ist ein schön würziger Rye mit 50 % Alkohol, der aber gleichzeitig recht rund und nicht alkoholisch schmeckt. Und auch beim Wermut sollte man auf das Original oder zumindest auf ein komplexeres Produkt zugreifen. Ich setze dabei auf  den wahren König des Wermuts den Antica Formula von Carpano. Und auch beim Bitter kann man ein wenig experimentieren. Meist benutze ich den Angostura Bitter. Aber auch hier kann man mit verschiedenen Bittern z.B. die von The Bitter Truth dem Cocktail eine andere Note geben. Auch der Einsatz eines Orangenbitter bringt ein spannendes Ergebnis.

Drinklabor_Manhattan_Zutaten

Kommen wir nun zu den Zutaten und der Zubereitung:

4 cl Rye Whisky – hier Knob Creek Smal Batch Rye
2 cl Antica Formula Wermut
2 Dashes Angostura Bitter

Den Whisky und den Wermut in ein mit Eiswürfeln gefülltes Rührglas geben. Dann 2 Dashes Bitter dazu und das Ganze ordentlich rühren. Darauf achten, dass Ihr nicht zulange rührt und die Eiswürfel zu stark antauen. Ein wenig dürfen sie, da hier ja kein Filler zugesetzt wird und schon viel Alkohol im Cocktail steckt. Den Mix dann in vorab gekühlte Spitz-bzw. Martinikelche abseien. Manche geben noch einen Orangenszeste dazu. Ich finde es geht aber auch ohne. Und fertig ist ein wunderbarer Aperitif. Wobei ich festgestellt habe, das er häufig bei Männern besser ankommt als bei Frauen. Aber das ist natürlich auch wieder ein bekanntes Cocktailklischee. Viel Spaß beim Nachmachen und Cheers.

 

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Bourbon Whiskey, Cocktails, Im Labor, Old Fashioned, Rye Whiskey, Wein, Weinhaltige Getränke, Whisky

Marc&Philipps – Cocktails in Flaschen

Drinklabor_Marc&Philipp_1Durch Maike vom Kölner Streetfoodfestival bin ich auf eine Veranstaltung aufmerksam gemacht worden, bei der es um die Vorstellung von Cocktail in Flaschen ging. Am Anfang war ich sehr skeptisch. Ich musste an Studiezeiten zurückdenken. Gordons&Tonic aus der Dose und dann auch noch warm getrunken. Ob ich da wohl richtig wäre? Aber dann habe ich die Mail genauer gelesen. Die Cocktails werden von Marc & Philipp Finest Bottled Drinks produziert. Und dann habe ich gelesen einer der Beiden leitet das „Metzger und Marie“ und der andere ist Barkeeper im Shepards in Köln. Da haben sich zwei ausgewiesene Experten mit dem Thema beschäftigt. Außerdem werden nur frische Zutaten benutzt. Entsprechend habe ich mich Dienstag Abends durch strömenden Regen nach Köln aufgemacht. Passenderweise fand die Präsentation im Metzger und Marie im Kölner Agnesviertel statt. Das Lokal bildete mit seiner gemütlichen Rustikalität den richtigen Rahmen für diese Veranstaltung. Insgesamt waren wir ca. 30 Personen die sehr gespannt auf die Kreationen des Duos waren. Die beiden Entwickler Marc und Philipp wurden durch furchtbare Dosencocktails und gelangweilte Hotelbarkeeper zu Ihrer Idee inspiriert. Sie dachten sich, man müsste doch auch fertige Cocktails in Lecker anbieten können. Und dann das ganze auch noch mit natürlichen und frischen Zutaten trinkfertig anbieten. Dafür entwickelten sie sogar ihre eigene Abfüllanlage, da bei professionellen Abfüllern zu viel Verlust und nicht die richtige Qualität gewährleistet wäre. Die Cocktails werden auch alle direkt hier vor Ort produziert.

Drinklabor_Marc&Philipp_2Die beiden Gründer der Cocktaillinie ergänzen sich optimal. Marc ist Koch und Eigentümer des Metzger und Marie und ist der Spezialist für frische und herwertige Zutaten. Philipp dagegen ist noch als Barkeeper im Shepards tätig und bringt den Spirituosen und Cocktailbackground mit. Beide ergänzen sich wunderbar und haben so eine recht stattliche Auswahl an Cocktails entwickelt. Sie sind schon seit längerer Zeit in der Experimentierphase und haben bisher schon acht gelungene Cocktailkreationen entwickelt. Von klassischen Standards wie Gin&Tonic und Cuba Libre bis hin zu komplexeren Mischungen wie dem Suffering Bastard oder dem Cream Berry. Wie mir Philipp veriet hat Marc in seinen Garten noch genügend Früchte und Gemüse um noch weitere Kreationen zu entwickeln. Damit man sich ein gutes Bild von dem Geschmack machen konnten, boten sie unterschiedliche Verköstigungsmöglichkeiten an. Angefangen vom direkten aus der Flasche drinken oder mit Strohhalm, über pur aus einem Weinglas bis hin mit ausreichend Eiswürfel im Glas. Damit wir auch mehrere probieren konnten, ohne gleich zu viel zu trinken, einigten wir uns, an unseren Tisch auf Flaschenteilung. Da die Flaschen mit 250 ml und die meisten Cocktail mit 11-12 % Alkohol daherkamen – eine gute Strategie.

Drinklabor_Marc&Philipp_3Wenn einer der beiden Gastgeber Koch ist und noch dazu in seinem Restaurant lies er es sich nicht nehmen, das Tasting mit einer tollen Auswahl an Fingerfood zu begleiten. Angefangen von selbstgebackenen Brot, über Spare Ribs, Hähnchenkeulen hin zu leckeren Shrimps auf warmen Linsensalat. Der Linsensalat war mit einer Art Chillimayonaise versehen und passte mit seiner Schärfe ausgezeichnet zum Dark & Stormy. Alle Sachen waren ausgesprochen lecker, so dass ich beschloss, hier auch mal zum Essen herzukommen. Aber kommen wir zum wichtigsten Teil des Abends den Cocktail-Flschen. Das Design und die Aufmachung fand ich gut gelungen und es strahlt auch eine gewisse Wertigkeit aus. Hier denkt man bekommt man was für sein Geld. Nun möchte ich meine Eindrücke zu den unterschiedlichen Sorten mitteilen. Zwei der Cocktails waren absolut sehr gut gelungen. Da war einerseits der Suffering Bastard – ein Klassiker aus den 40er Jahren mit Gin, Bourbon und dazu kam noch Orange, Limette und Ingwerbier – wirklich super umgesetzt. Man konnte sehr gut die frische Limette rausschmecken. Ein gelungener Sommerdrink, den man irgendwo im Park gemütlich genießen kann. Daneben auch sehr gelungen war der Moscow Mule. Hier wurde Schwedischer Wodka eingesetz. Was hier super kam, war die Gurke, die trotz des recht scharfen Ingwerbiers super durchkam. Ich hatte vor 2 Monaten einen Moscow Mule in einer Bar und muss sagen, der von Marc & Philipp war besser. Die Standards Cuba Libre, Dark & Stormy und Wodka Lemmon war durch die Reihe gut umgesetzt und ließen sich gut trinken. Speziell beim Cuba Libre kam der Rum sehr gut durch und wurde nicht, wie so häufig von der Cola überlagert. Der Gin Tonic war auch gut trinkbar, aber da bin ich ein wenig mäkelig – und das wäre dann nicht ein Cocktail den ich in der Flasche kaufen würde. Daneben gab es noch zwei weitere Sorten. Achtung Chauvigefahr – typische Frauencocktails. Aber das haben auch einige der anwesenden Frauen selbst zugegeben. Einerseits der Pim Up, der auf Pimps No. 1 basierte. Und der Cream Berry ein selbstentwickelter Cocktail der den zweite „Frauen-Cocktail“ bildetee. Der war definitiv nicht mein Fall. Eindeutig zu süss. Er bestand neben normalen Wodka noch aus Himbeerwodka, Cream Soda, Limettensaft, Mineralwasser, Zuckersirup und das besondere Waldbeerenpüre. Einerseits war er mir eindeutig zu süß, außerdem führte die Waldbeeren, mit ihrer Bitterkeit bei mir zu einer belegter Zunge. Aber es kann mir ja nicht alles schmecken. Abgesehen davon bin ich bei Himbeeren und Alkohol immer ein wenig vorsichtig. Oder habt Ihr schon mal einen genialen Himbeerbrand getrunken, der nicht wie aus dem Chemielabor schmeckte – ich nicht.

Drinklabor_Marc&Philipp_4Ich finde wirklich gelungene Cocktails, die Ihre Abnehmer finden werden. Sie basteln auch immer noch weiter an ihren Rezepten. So sollen langfristig auch die Filler, wie Tonic Water, Bitter Lemon oder Ginger Beer auch speziell für die Beiden hergestellt werden. Ich bin gespannt wie sie sich weiterentwickeln. Ich kann Euch auf jeden Fall empfehlen, die Cocktails von Marc & Philipp unbedingt zu probieren. Und speziell im Sommer kann ich mir einen solchen Flaschencocktail als super Alternative zum Bier oder Weißwein vorstellen. Sie werden natürlich keinen guten selbstgemixten Cocktail oder einen Cocktail von  einem guten Barkeeper ersetzen, aber für bestimmte Anlässe sind die Cocktailflaschen gut geeignet. Um mehr über die beiden zu erfahren oder zu schauen, wo man die Cocktails bekommen kann – schaut auf folgende Facebook-Seite von Marc & Philipp. Wenn Ihr Infos zum Lokal Metzger und Marie haben wollt – schaut hier unter Ihrer Website: MetzgerundMarie.de.

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Bourbon Whiskey, Cocktails, Gesüsste Spirituosen, Gin, Melasse Rum, Old Fashioned, Rhum Agricole, Rum, Sahne Drinks, Sirup, Sours, Spirituosen, Whisky

Das Shakers – die Bonner Cocktailbar

Drinklabor_Shakers1Natürlich bin ich besonders in Bonn vor Ort an guten Kneipen und Locations für schöne Cocktails und Craftbeer interessiert. Und da das Angebot in dieser Hinsicht recht übersichtlich ist –  musste ich auch nach längerer Zeit mal wieder dem Shakers einen Besuch abstatten. Es ist immerhin die Institution für Cocktails in Bonn. Wenn auch das Sprichwort sagt, willst Du in eine gute Cocktailbar in Bonn, musst Du nach Köln fahren. Aber nicht immer will man soweit fahren. Und nach den tollen Erfahrungen im Chimära und Deja Vu sollte es nun in Die Bonner Cocktailbar gehen. Nach ein wenig gemischten Erfahrungen vor einigen Jahren, war ich schon lange nicht mehr hier. Aber man muss ja allen Dingen und Orten mehrere Chancen geben. Eines vorweg, wir sind mit wenig Erwartungen ins Shakers gegangen und haben die Bar positiv gestimmt wieder verlassen. Und das beste ich habe weit und breit keine Shisha gesehen. Das Gebäude und der Fabrikloftstyle ist natürlich der  Vorteil des Shakers. Auch die extrem lange Theke ein wirklicher Hingucker und das Herzstück des Shakers. Obwohl mir das Ganze schon wieder ein wenig zu viel blingbling mitbringt. Aber das ist ja Geschmackssache. Und ich bin glaub ich, auch nicht die Hauptzielgruppe. Wir waren im oberen Restaurantbereich. Dieser ist nur einseitig und nach vorn offen, so dass man von oben auf die wirklich tolle Bar schauen kann. Dies ist aber auch gleichzeitig der Nachteil, da der Raum komplett offen ist, und durch die hohe Decke der Geräuschpegel, trotz nicht übervoller Bar, schon teilweise extrem lauf war. Aber dies ist den baulichen Gegebenheit geschuldet, aber vielleicht könnte man mit irgendwelchen Konstruktionen ein wenig Abhilfe schaffen. Noch ein kleiner Kritikpunkt sind die Tische im oberen Bereich, da sie schon recht eng gestellt sind. Da dort fast alle essen, wird es bei gleichzeitigen Essengängen doch recht schwierig, dem Nachbarn nicht den Arm auf den Teller zu legen.

Drinklabor_Shakers2Apropos Essen: Das war für eine klassische Barfoodkarte wirklich gut. Wir hatten Burger. Diese waren per Hand geformt. Man hat eine gute Auswahl an unterschiedlichen Belagen und Beilagen. Einzig mir war das Fleisch ein wenig zu durch. Aber wir waren ja nicht in einem Burgerresturant. Aber kommen wir zum wichtigeren für einen Getränkeblog der Getränkekarte bzw. –auswahl. Auch hier gab es Licht und Schatten. Schön fand die Aufmachung der Karte. Es waren die wichtigsten Cocktailarten beschrieben mit ein paar Hintergründen zur Entstehung. Die Auswahl war riesig. Für mich eindeutig zu viel. Man ist förmlich erschlagen. Positiv kann man die Preise der Cocktails hervorheben. Die meisten liegen bei 6 bis 8 € und es gibt noch Sonderaktionen, wie Happy Hour etc. Die Einzelspirituosen fand ich dann schon wieder teilweise ein wenig ambitioniert. Aber so greift man dann eher zum Cocktail. Jetzt muss ich aber auch zu den Schattenseiten kommen. Die Karte, wie auch insgesamt die Aufmachung ist für meinen Geschmack doch ein wenig in den 90er Jahren hängengeblieben. Aber auch hier gebe ich zu, dass ich nicht zur engeren Zielgruppe zähle. Wie oben schon geschrieben, war die Karte viel zu umfangreich, hatte aber auf der anderen Seite nicht wirklich, aktuelle Entwicklungen oder experimentelle Cocktails aufgeführt. So wünsche ich mir in einer Cocktailkarte bitte die genauen Zutaten zu lesen. Ich weiß was in einem Negroni drin ist. Mich interessiert aber, wie sie ihn hier interpretieren – also welchen Gin, welchen Vermouth etc. Aber das ist leider noch nicht weit verbreitet. Auch habe ich einige moderne Ideen wie Infused Cocktails oder Gewürze zum Tonic vermisst. Für meine Ansprüche wäre eine viel kleinere, aber dafür ausgewähltere Karte sinnvoller.

Drinklabor_Shakers3Kommen wir jetzt zu den Cocktails an sich. Als Einstieg hatten wir einen Whiskey Sour. Dieser war grundsolide, und schön angerichtet. Und speziell für den Preis von 5,90 € da Happy Hour war, ein wirklicher Schnappen. Leider fiel die Qualität beim zweiten Cocktail ein wenig ab. Meine Herzallerliebste hatte ihren Lieblingscocktail – einen Gimlet. Leider war der zu sehr verwässert und der Gin kam nicht wirklich durch. Ich hatte einen Bronx – quasi eine Art Abwandlung des Negronis. Dieser enthält zusätzlich noch Orangensaft und Angostura Bitter. Auch hier war die Orange so stark im Vordergrund, dass der Gin und der Vermout nur schwach wahrnehmbar waren. Ich glaube beim nächsten mal, werde ich mich direkt an die Bar setzen und die Barkeeper mal einfach machen lassen. Aber da wir im Restaurantbereich waren, mussten wir uns an der Karte orientieren. Außerdem habe ich festgestellt, dass in der Onlinekarte auf der Website auch ein größeres und auch ausgewählteres Angebot zu finden war. Aber so eine Getränkekarte kann man natürlich, nicht so häufig neu gestalten.

Insgesamt lässt sich trotzdem ein positives Fazit ziehen. Das Shakers ist eine grundsolide Bar, mit einem großen Cocktailangebot und gutem Barfood. Es gibt keine Shishas und das alte Backsteingebäude macht etwas her. Wenn man kein Le Lion oder ein Pepe erwartet, kann man hier einen schönen Abend verbringen. Informationen zur Bar und die aktuelle Cocktailkarte findet Ihr unter: Shakers.

2 Kommentare

Eingeordnet unter Cocktails, Essen gehen, Gesüsste Spirituosen, Gin, Likör, Old Fashioned, Rum, Sahne Drinks, Sirup, Sours, Spirituosen, Weinspirituosen

Der Negroni – eine Abwandlung

Drinklabor_Negroni_abgewandeltPassend zum Wochenende gibst eine „bittere“ Empfehlung für Euch. Die Bitterfans unter Euch kommen also auf ihre Kosten. Der Negroni – einer der wenigen europäischen Cocktailklassiker. Dieser wurde um 1920 in Florenz im Caffè Casoni in der Via de′ Tornabuoni erfunden. Die Legende erzählt, dass  der Graf Camillo Negroni einen mit Gin verlängerten Americano bestellte.  Wichtig war dabei, dass alle drei Zutaten im gleichen Verhältnis gemischt wurden. Der Ursprungsnegroni wurde mit Gin, Campari und roten Vermouth gemischt und zur Unterscheidung mit einer Orangenschale verziert. Der ursprüngliche Americano wurde meist mit Zitronenschale garniert. Das schöne beim Negroni ist, dass man mit ihm wunderbar experimentieren kann. Man kann natürlich unterschiedliche Gins einsetzen. Viele Barkeeper experimentieren aber auch mit anderen Spirituosen. Den süssen Wermut kann man auch durch trockenen ersetzen oder andere gespritete Weine, z.B. eine Lillet.  Und sogar den Campari könnte man durch Aperol ersetzen, falls man es nicht zu bitter mag. Dieser Cocktail bietet also eine große Bandbreite an Möglichkeiten zum Experimentieren.

Wie oben angekündigt, soll es ja speziell etwas für Bitterfans sein. So habe ich den süßeren roten Wermut ersetzt. Ich habe anstatt diesen eine Mischung aus weißen trockenen Wermut Nolly Prait und Punt e Mes genutzt. Dies führt zwar zu einer stärkeren Betonung der Bitterkeit – aber ich mag das.

Zutaten:

  • 3 cl Gin (ich habe Bulldog Gin verwendet)
  • 3 cl Campari
  • 1,5 cl Nolly Prat
  • 1,5 cl Punt e Mes

Das ganze auf Eis kalt rühren und dann in ein mit Eis gefüllten Tumbler gießen. Zur Garnierung kommt eigentlich eine Orangenzeste dazu, aber leider keine Orange im Haus. Viel Spaß beim Ausprobieren und Trinken. Genießt das Wochenende.

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Aufgespriteter Wein, Cocktails, Getränke Selbermachen, Gin, Old Fashioned, Spirituosen, Wein

So cool wie Clint Eastwood – Dry Liquid Supper Bar in Aachen

Drinklabor_DryBar_InteriorDer Drinklaborant on Tour in Aachen. Die Drybar ist genau so ein Laden,  wie man sich ihn für Bonn wünschen würde. Toll in Holz gehalten, super hippe Traktorsitzstühle als Barhocker und ein bequemes Chesterfieldsofa in der Ecke. Daneben eine alte Werkbank als Tisch und Clint Eastwood schaut einen obercool von der Wand an. Wenn Dirty Harry über einen wacht, schmeckt der Cocktail gleich doppelt gut. Diese Bar würde man eher in  einen Szenebezirk von Berlin verorten, liegt aber Mitten im beschaulichen Aachen. Sie ist noch ganz neu und wurde erst Ende Juni geöffnet. Aachen kann sich wirklich über dieses Kleinod freuen. Und sie ist urgemütlich. Ein wenig angelehnt an alte Speakeasys aus der Prohibitionszeit soll der Name auch an das Dryland erinnern. Auch der Zusatzname Liquid Supper Bar fanden wir passend gewählt, da wir hier unseren „Nachtisch“ zu uns nehmen wollten. Die Barkarte in Ledereinband bietet eine Menge Auswahl. Neben Cocktails kann man auch belgische Biere und Craftbiere probieren. Natürlich gibt es eine grosse Anzahl an Spirituosen pur – so allein ca. 20 verschiedene Gins. Kommen wir zur Hauptsache bei einer Bar, den Cocktails. Neben den Klassischen Cocktails wie Manhattan, Neueren wie den Gin Basil Smash hatten sie auch tolle Eigenkreationen am Start. Da geht einen doch das Herz auf, wenn man sieht hier ist noch jemand kreativ tätig und reitet nicht nur auf den Standards rum.

Drinklabor_Drybar_CocktailsKommen wir nun zu unseren beiden Cocktails. Das schöne war, wir haben komplett gegen die Mann-Frau Klischees verstoßen. Was auch der Barkeeper durch die falsche Zuordnung bestätigte. Meinen Himbeer Ingwer Fizz, ein erfrischender Nachmittagsdrink, hatte man wohl eher meiner öHerzallerliebsten zugetraut. Er wurde mit Tanqueray, Waldhimbeersirup, Zitronensaft und frischem Ingwer hergestellt und mit Thomas Henry Spicy Ginger aufgefüllt. Ok man muss Ingwer lieben, aber dann hat man die totale Erfrischungsbombe.  Zuerst kommt der Himbeergeschmack sehr stark durch – Assoziationen nach Fruchtdrops steigen sofort auf. Aber dann schlägt auch schon der Ingwer zu. Ja ja der Spicy Ginger vom Thomas Henry der bügelt schon Einiges weg. Auch die Minze gibt den ganzen eine schöne frische Note. Leider buttert der Himbeersirup und das Gingerbier den Tanqueray Gin doch ziemlich unter. Ein sehr leckerer Cocktail bei der die Hauptspirituose leider ein wenig untergeht.

Das Highlight hatte dagegen meine Herzallerliebste. Einen Danish Old Fashioned  serviert im Kristalltumbler mit einer Eiskugel in Schneeballgröße. Der Bourbon war eigenhändig Bacon infused, wobei der Bacon und das Raucharoma für uns kaum erschmeckbar waren. Als Rye-Ersatz, wie leider viel zu oft, wurde ein Bulleit Bourbon genommen. Das Zusammenspiel mit dem Ahornsirup brachte eine ausgeprägte Honignote. Und die Housebitters sorgten für eine tolle bittere Abrundung. Ein wirklich gelungener Cocktail, obwohl ich eigentlich nicht der große Whiskycocktailfan bin.  Daneben gab es noch ein paar spannende Cocktail-Kreationen so z.B. Breakfast of the Champions der mit Butter-infused Bourbon bereitet wird oder total abgefahren die Thai Massage Tanqueray, Ramazotti, Zimt, Thai Basilikum, Honig, Chipotle Chillies und das ganze mit Limetten und Granatapfelsaft aufgegossen. Leider war es schon später und nach einer Flasche Wein haben wir nach einem Cocktail Schluss gemacht. Aber hier waren wir nicht das letzte mal. Wenn Ihr also nach Aachen kommt und dort sogar wohnt – eine absolute Empfehlung.

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Bar und Pubbewertungen, Bourbon Whiskey, Cocktails, Craftbier, Gesüsste Spirituosen, Gin, Melasse Rum, Obstbrände, Old Fashioned, Pisco, Rhum Agricole, Rum, Rye Whiskey, Sahne Drinks, Sours, Spirituosen, Weinspirituosen, Whisky

Der Gimlet – einer der Lieblingsdrinks

Drinklabor_GimletIch muss meinen Cocktail vom Wochenende noch nachreichen. Dies ist außerdem auch noch einer der Lieblingsdrinks der Herzallerliebsten Andrea – ich spreche heute über den Gimlet. Entstanden sehr wahrscheinlich im 19. Jahrhundert und wurde zumeist von der Royal Navy getrunken. Wobei ich mich frage, welchen Cocktail / Longdrink nicht bei der Royal Navy getrunken wurde. Bekannt wurde er vor allem durch  Raymond Chandler, der seinen Privatdetektiv Philip Marlowe (später gespielt von Humphrey Bogart) den Gimlet trinken lies. Von der Herstellung recht einfach, da er nur aus den zwei Zutaten Gin und Lime Juice besteht. Ich habe ihn mit Monin Lime Juice Cordial gemixt. Puristen verlangen natürlich den Roses Lime Juice (der mir zu künstlich schmeckt). Ich habe es im Verhältnis 4 cl Gin zu 2 cl Lime Juice gemischt. Das ganze auf Eis gerührt oder geshakt – je nach Geschmack. Dann alles in ein gekühltes Martiniglas abseien und fertig ist der Gimlet. Ein einfacher, leckerer Feierabenddrink.

Zutaten:

  • 4 cl Gin (ich habe Bulldog Gin verwendet)
  • 2 cl Lime Juice (Moine Lime Juice)
  • Eiswürfel

Deko braucht es nicht wirklich. Wichtig nehmt keinen zu zitruslastigen Gin. Besser ist ein klassischer eher wacholderbetonter Gin. Habe einmal einen Gimlet mit dem Tanqueray No 10 gemacht. Das ging gar nicht, da die Zitrusaromen viel zu stark durchkamen. Viel Spass beim Nachmachen und trinkt auf den letzten Sommertag.

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Cocktails, Gesüsste Spirituosen, Getränke Selbermachen, Gin, Likör, Old Fashioned, Sirup, Sours

Das Chimära in der Bonner Altstadt


drinklabor_Chimära_Bar

Durch eine Empfehlung von Karin von BonngehtEssen sind wir auf das Chimära aufmerksam geworden. Der Freitag Abend war noch frei und wir nutzten ihn für ein Testessen. Tisch hatten wir reserviert. Mittlerweile war der Sommer zurück gekommen und das Servicepersonal war so nett uns einen Tisch draussen zu reservieren. Es ist zwar ein wenig gewöhnungsbedürftig in einer Baustelle zu sitzen (in der Wolfstrasse sind zur Zeit Kanalarbeiten) und häufig Fahrradfahrer und Passanten fast im Teller sitzen zu haben, aber man fühlt sich mitten im urbanen Leben. Außerdem spart man sich den Autolärm. Zum Essen will ich gar nichts gross schreiben, dass übernimmt meine Herzallerliebste unter dem Kocheule Blog. Ich möchte mich hier auf die Getränke beschränken – da das Chimära auch gleichzeitig Bar ist.

Highlight ist natürlich die toll beleuchte Bar im Eingangsbereich –  ein absoluter Hingucker. Die Getränkekarte ist recht umfangreich. Eine große Anzahl an Spirituosen inklusive ca. 20 verschiedenen Ginsorten. Wein gibt es so jeweils 6-8 Rot- und Weissweine offen (in den Größen 0,1; 0,2 und 0,5 l) und dann noch mal ungefähr eine ähnliche Anzahl an Flaschenweinen. Eine insgesamt gute Auswahl, wenn man auch von recht hochpreisigen Weinen sprechen kann. Der günstigste Flaschenrotwein war bei ca. 36 € – was ich schon recht ambitioniert empfinde. Ich hätte mir noch einen Einstiegswein für um die 20 € gewünscht. Dafür hatten Sie aber viele offene Weine den halben Liter für ca. 12 – 15 €. Für einen solchen haben wir uns auch entschieden.  Da wir im Hauptgang Fisch hatten, entschieden wir uns für einen Saugvignon-Blanc von Turaine von der Loire. Ein wirklicher Sauvignon at is best. Ein wunderbar blumig-fruchtiger Kräutertopf  – empfehlenswert!

Drinklabor_Chimära_Cocktails

Für mich das Highlight ist das Cocktailangebot. Wenn auch nur auf 3 Seiten verteilt, bietet es eine gute Bandbreite. So reicht das Angebot von leicht geänderten Klassikern, wie Daiquiris mit selbstgemachten Sirups, bis hin zu aktuellen Cocktails. Die Preise betragcn zwischen 7 – 12 € – der Qualität und den Spirituosen angemessen. Schön fand ich auch, dass sie bei der Deko – es eher auf das Nötigste und Praktische wie gerollte Orangenzeste beschränkt haben. Nun möchte ich endlich zu den von uns getrunkenen Cocktails kommen. Nach dem wir super lecker gegessen hatten, starteten wir eher mit Aperitivs als mit Digistivs. Dies entsprach auch eher den Ausssentemperaturen mit 25 Grad. In einer  lauen Sommernacht möchte man doch mit etwas Leichtem starten. Ich begann mit einem Negroni – der ohne Schnickschnack zubereitet war. Einfach, klassisch und lecker. Meine Herzallerliebste startete mit einer Abwandlung des Gin Basil Smash von Herrn Maier – in dem man den Basilikum durch gepfefferte Gurke ersetzt hat. Man hat sich auch nicht hinreissen lassen, dann auch noch Hendriks Gin zu nehmen, sondern mixte das Ganze mit Bombay Saphir. Ein schöner Sommerdrink – den man gut auch mal zu Hause nachmachen kann.

Nachdem wir unsere Einstiegscocktails genossen hatten, ging es dann in die zweite und auch finale Runde. Meine Herzallerliebste wollte lieber bei den Sours bleiben und entschied sich für einen Sloe Gin Fizz, erstellt mit dem Cadenheads Sloe Gin und zusätzlich dem Brokers Gin. Eine schöne Abwandlung des klassischen Gin Fizz der durch den Sloe Gin noch eine gewisse Fruchtigkeit erhalten hat. Ich brauchte danach etwas härteres für „echte Männer“ und habe mich für die Manhattan-Variante Greenpoint entschieden. Dieser wurde mit dem Rittenhouse Rye und dem gelben Chartreuse zubereitet. Für meine Herzallerliebste war dieser Drink eindeutig zu bitter – ich fand ihn aber ausgesprochen schmackhaft und einen super Abschluss.

Es bleibt mir nur eine absolute Empfehlung für das Chimära auszusprechen. Man kann hier super Essen oder auch nur für einen Cocktail einen Stopp einlegen. Speziell beim eher überschaubaren Angebot an guten Bars in Bonn, bildet das Chimära eine tolle Abwechselung.

3 Kommentare

Eingeordnet unter Bar und Pubbewertungen, Cocktails, Old Fashioned, Sours