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Kleine Portweinkunde – Einführung in den Portweingenuss

IMG_0429 2Nachdem ich im November einen Artikel über Porto und das Dourotal geschrieben habe, möchte ich Euch heute eine kleine Einführung zum Portwein geben. Ich finde auch besonders in Weihnachtszeit kann man ruhig den

einen oder anderen Portwein genießen. Vor dem Urlaub nach Porto wusste ich nicht wirklich viel über Portwein, aber mittlerweile ist es für mich eine wirkliche Leidenschaft geworden.  Um sich intensiver mit dem Thema zu beschäftigen, braucht man ein paar Informationen, da man sonst leicht den Überblick verliert. Daher möchte ich Euch hier ein paar Grundlagen zum Portweingenuss geben.

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Kleine Auswahl an Portweinen

Portwein ist ein Süsswein, der sehr häufig aus Rotweintrauben produziert wird, teilweise kommen auch helle Trauben zum Einsatz. So gibt es mittlerweile auch  weiße und rose´ Portweine. Die Trauben müssen alle aus dem Dourotal kommen. Es sind zur Portweinproduktion fast 100 verschiedene Traubenarten zugelassen, wobei der überwiegende Teil nur auf ca. 10 Sorten, wie z.B. Touriga Nacional oder Tinta Barroca  zurückgreift.

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Ein paar alte Portweinschätzchen

Der Portwein ist wie z.B. auch der Sherry und andere Sorten ein aufgespriteter Wein. D.h. nach ca. 3 Tagen der Gärung wird diese durch Zugabe von hochprozentigen neutralen Alkohol (mit ca. 77 %) gestoppt. Dadurch wird erreicht, das noch ein recht hoher Anteil an Restzucker zurück bleibt. Dies führt dann zu seinem likörartigen, süssen Geschmack. Danach wird er je nach gewünschter Art bzw. Qualität in verschiedenen Verfahren ausgebaut, womit sich die unterschiedlichen Reifegrade, Stile und Qualitätsstufen ergeben. Ein Port sollte zwischen 19 % und 22 % Vol.  an Alkohol aufweisen.

Es gibt eine Vielzahl von unterschiedlichen Arten und Mischungen beim Portwein. Da ein Portwein immer ein Cuvée darstellt, können unterschiedliche Rebsorten verwendet werden. Daneben können diese aus unterschiedlichen Weinbergen, den sogenannten Quintas kommen.  Außerdem können je nach Sorte auch verschiedene Jahrgänge miteinander gemischt werden.  Dabei ist es den Portweinhäusern wichtig, immer eine gleichbleibende Qualität ihrer verschiedenen Portweine zu erreichen.

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Ruby Port – der Einsteiger

Der Ruby Port

Jetzt möchte ich auf die wichtigsten Stile bzw. Arten von Portwein kommen. Da wäre zum einen der Einsteiger – der Ruby Port. Das Besondere ist hier, dass sie in großen bis zu 100.000 Litern fassenden Fässern (häufig aus Eiche, aber auch Stahltank möglich) gelagert werden. Die Größe der Fässer verhindert einen schnellen Oxidationsprozess. Also es geht weniger aus dem Fass in den Wein über.

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Ein typisches Fass zur Rubyport-Lagerung

Ähnlich beim Whisky, wo man mit einem kleineren Fass eine schnellere Reifung erreichen kann. In diesen Fässern wird der Ruby bis maximal 3 Jahre gelagert und danach sofort abgefüllt. Er kommt den ursprünglichen Geschmacksprofil des Weines am nächsten und zeichnet sich durch eine hohe Fruchtigkeit und die namens gebende rubinrote Farbe aus. Wichtig nach dem Öffnen sollte man ihn schnell trinken, da er stark nachoxidiert.

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Ein Vintage Port aus meinem Geburtsjahr

Vintage Port

Eine besondere Form der Ruby Ports sind die Vintage Ports. Hier werden nur wirklich ausgezeichnete Jahrgänge und Qualitäten berücksichtigt. Dann werden auch nur Trauben dieses Jahrgangs berücksichtigt. Diese Vintages sollten mindestens 10 Jahre in der Flasche nachreifen, damit sie ihre Aromen richtig entfalten. Große Jahrgänge sollten sogar noch länger lagern. Hier kommt es auf eine fachgerechte Lagerung an.

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Instrumente zum Offenen und Dekantieren von alten Vintage Ports

Durch die lange Lagerung bilden Sie in der Flasche ein Depot, was man beim dekantieren herausfiltern sollte. Dafür gibt es sogar ein spezielle Instrumente, die bei Spezialabfüllungen manchmal auch mitgeliefert werden. Auch hier gilt, nach dem Öffnen schnell verbrauchen.

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Ein LBV – vom Erfinder dieses Portweinstils

Late bottled vintage LBV Port

Eine weitere Form des Ruby ist der sogenannte „Late bottled vintage“. Auch hier kommen wie beim Vintage nur die Trauben eines Jahrgangs zum Einsatz. Im Vergleich zum klassischen Ruby bleibt er aber 4-6 Jahre häufig nicht in ganz so großen Fässern, wie beim klassischen Ruby. Häufig wird er gefiltert in die Flasche gefüllt, so dass eine Lagerung in der Flasche nicht mehr viel bewirkt.

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Tawny Port – 30 Jahre von Bulas

Tawny Port

Neben dem Ruby ist der Tawny die andere große Portweinsorte. Auch hier stammt der Name von seiner Farbe. So kommt tawny vom englischen Wort für braunrot bzw. lohfarben. Im Unterschied zu den Rubys wird dieser in kleineren Fässern von 250 – 750 l gelagert. Dadurch wird die Oxydation beschleunigt und der Austausch mit dem Holz verstärkt.  Die Tawnys lagern mindestens zwischen 3-5 Jahren in diesen kleineren Fässern. Dadurch nehmen sie intensiv die Fassaromen auf. Da hier der Austausch und die Reifung schon komplett im Fass erfolgte, kann man Tawnys nach dem Öffnen ruhig über einen längeren Zeitraum von bis zu Monaten stehen lassen.

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Kleinere Fässer für die Reifung des Tawny

Neben den klassischen Tawnys, gibt es auch welche mit Altersangabe. Hier erfolgt eine Einteilung nach 10, 20, 30 und 40 Jahren. Dabei muss man beachten, dass es sich immer um Blends handelt. Das bedeutet das die enthaltenen Weine z.B. in einem Tawny 10 nicht genau dieses Alter haben müssen, sondern auch jünger und älter sein können. Die Einteilung steht eher für eine bestimmte geschmackliche Note, als für das genaue Alter. So wird ein bestimmtes Geschmacksprofil vorgegeben, was z.B. ein 20er Tawny einer bestimmten Quinta haben sollte.

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Colheita – der Jahrgangs Tawny

Colheita Port

Ein Sonderform des Tawnys ist der Colheita Tawny. Diesen könnte man quasi als Jahrgangs-Tawny bezeichnen. Auf der Flasche ist immer das Erntejahr des Weins angegeben. Hier muss der Wein mindestens 7 Jahre lang im kleinen Eichenfass lagern. Teilweise bei besonders hochwertigen Ports werden sie bis zu 100 Jahre im Fass ausgebaut. Interessant ist, dass bei den Colheitas jeder Hersteller ein anderes Abfülljahr nehmen kann. Dieses steht häufig auch auf der Flasche. So kann es Colheitas des gleichen Jahrgangs geben, der zu unterschiedlichen Jahren abgefüllt wurde und komplett anders schmecken kann. Hier hat natürlich die Lagerzeit im Fass eine große Auswirkung auf das Aroma. Auch hier gilt, dass sie nach dem Öffnen ein wenig länger aufbewahrt werden können.

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Ein White Port – Extra Dry

Andere Port (White Port, Rose Port)

Daneben gibt es noch White und Rosé Ports. Diese werden genauso wie ihre roten Versionen hergestellt. Dabei werden häufig weiße Trauben eingesetzt. Es können aber auch rote Trauben eingesetzt werden, dabei werden die roten Traubenschalen aber vor der Gärung entzogen. Dann werden sie ähnlich wie Rubys in großen Holzfässern mit einem Fassungsvermögen von bis zu 20.000 l für gewöhnlich nicht länger als 3 Jahre gelagert. Dabei gibt es aber auch ausgewählte Produzenten die ihren Withe Port auch für längere Zeit im Fass lagern. Häufig unterscheidet man den weißen Port bezogen auf seinen Süssegrad. So gibt es einerseits trockene und sehr trockene Varianten, anderseits aber auch halbsüsse und süsse White Ports. Weiße als auch rosé Ports werden häufig gekühlt und als Aperitif genossen.

Damit solltet Ihr ein kleines Rüstzeug für die Erkundung der spannenden Portweinwelt erhalten haben. Ich finde diese besondere Weinart als sehr spannend und abwechselungsreich. Also viel Spaß beim ausprobieren und experimentieren.

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Saúde! Und viel Spaß beim ausprobieren.

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Craftbiere der Distelhäuser Brauerei

img_3421Im heutigen Beitrag möchte ich mich einer Brauerei aus Franken widmen, deren Biere ich im letzten Jahr, bei unseren Aufenthalt in Würzburg kennen gelernt habe. Es geht um die Distelhäuser Brauerei,  eine alt eingesessene Brauerei aus Tauberbischofsheim. Sie hat ihren Sitz  im Stadtteil Distelhausen, jetzt wisst Ihr auch woher der Name kommt. Hier noch der Link zur damaligen Reise.

Die Distelhäuser Brauerei hat es ähnlich wie die Schönramer Brauerei geschafft, altes bayrisches Bierhandwerk mit modernen Bierstilen aus der Craftbeerszene zu verbinden. Die Brauerei existiert schon seit 1811 und produziert heute circa 185.000 hl im Jahr. Seit ungefähr 1870  befindet sich die Brauerei in Familienbesitz der Familie Bauer. Und obwohl eine traditionelle Brauerei, die auf eine lange Tradition zurückblicken kann, bewies man auch die Offenheit und den Mut sich weiterzuentwickeln. So entschied man sich in 2015 dazu, neben den klassischen fränkischen Bieren und Biermixgetränken auch eine Craftbeerschiene ins Leben zu rufen. Ich ziehe vor solchen Entscheidungen immer meinen Hut, da Traditionalisten dies häufig ablehnen. Aber auch die Hardcore-Craftbeer Geeks alteingesessenen Brauereien eher skeptisch gegenüberstehen.

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Die vier Craftbiere von Distelhäuser

Die Leute von Distelhäuser haben aber diesen Spagat ganz gut hinbekommen und wirklich handwerklich gelungene Biere entwickelt, die ein gewisses etwas haben. Dabei haben sie sich ein wenig an den britischen Bierstilen orientiert. So brachten Sie ein kaltgehopftes Ale, ein Porter, ein Stout und ein IPA auf den Markt. Diese habe ich getestet und hier könnt Ihr meine Tastingnotes dazu lesen.

Distel Blond

Eckdaten:

Stammwürze: 12,5 %
Alkoholgehalt: 5,1 % vol
Bittereinheiten: 35 IBU

Zuerst fällt das Retrostyle des Bieres auf. Eine Blondine postet uns vom Label aus zu. Könnte auch gut aus den 60er Jahren sein. Obwohl ein obergäriges Bier erinnert es ein wenig an ein Lager, aber ein recht fruchtiges. Mit 35 IBU schon recht kräftig gehopft. Insgesamt kamen 5 Hopfenarten zum Einsatz. Neben Citra, Cascade, Smaragd, Saphir wurde auch Perle verwendet. Der Schaum weist eine schöne Porigkeit auf. Es lässt sich sehr gut trinken. Für klassische Lager/Helltrinker gut geeignet. Es schmeckt quasi klassisch, hat aber eine gewisse Fruchtigkeit, die man sonst nicht hat. Dabei aber nicht überbordend, sondern dezent im Hintergrund. Gelungenes Bier speziell für Einsteiger, die sich langsam an neue Biere herantasten wollen, ohne gleich komplett überfordert zu sein.

 

Black Pearl Classic Porter

Eckdaten:

Stammwürze: 15 °P
Alkoholgehalt: 6,6 % vol
Bittereinheiten: 28

Im Gegensatz zum Distelblond wird dies auch unter der Craftbierlinie geführt. Schon eine recht dunkle, dunkelbraune Farbe. Der Schaum ist nicht dunkel, aber die Kohlensäureentwicklung ist eher dezent. In der Nase findet sich eine leichte Kaffee- und Kakaonote. Außerdem ist auch ein wenig Rauch ist zu spüren und eine Malzigkeit.

Im Geschmack doch bedeutend bitterer als ich von der Nase erwartet habe. Schon ein wenig wie Zartbitterschokolade. Auch ein wenig Rauchcharakter, aber auch dezent und eine ausgeprägte Malzigkeit. Auch ein wenig Lakritz ist spürbar. Die Bitterkeit oder Herbheit bleibt irgendwie am Rachen hängen, was ich nicht so gut fand. Insgesamt aber ganz gut gelungen, aber nicht überragend. Man macht bei diesem Bier nicht viel falsch, wenn man Porter mag. Aber es ist auch nicht das weltbeste Porter. Für mich innerhalb der vier Biere das schwächste.

Loch Ness Classic Stout

Eckdaten:

Stammwürze: 15 °P
Alkoholgehalt: 6,6 % vol
Bittereinheiten: 26

Dieses Dry Stout ist für mich das Highlight der Reihe. Wunderbar schwarze Farbe. Der Schaum kommt recht grobkörnig daher, es weist für ein Stout aber schon recht viel Kohlensäure auf. Hier kamen insgesamt 6 verschiedene Malzsorten zum Einsatz. Und diese haben ein wundervolles Aroma kreiert. Intensive Kaffeenoten mit Schokolade im Hintergrund. Am Gaumen kommt der Kaffee noch stärker durch, aber auch Kakaonoten sind spürbar. Insgesamt süsser als das Porter. Und die häufig bei Stout vorhandene Bitterkeit ist hier quasi nicht vorhanden. Für Stoutpuristen vielleicht schon zu gefällig, aber mir gefällt es außerordentlich. Mit seinen 6,6 % hat es schon ein gewisse, kräftige Basis ohne aber die übertriebene Alkoholnote eines Imperialstouts aufzuweisen. Das ist eher ein Stout, von dem man auch mehr als eines trinken kann.

Lucky Hop IPA

Eckdaten:

Stammwürze: 17 °P
Alkoholgehalt: 7,7 % vol
Bittereinheiten: 77

Hier ist der Name Programm, denn bei diesem IPA stellt der Hopfen das ausschlaggebende Element. Ob er wirklich glücklich war, kann ich nicht beurteilen. Ich als Trinker war nach dem Genuss des Lucky Hop aber glücklich. Lucky Hop IPA – zuerst fällt die recht dunkle Farbe auf. Die Nase bringt erstmal intensive Fruchtaromen vor allem Zitrusfrüchte, aber auch Pfirsich, Ananas und dunkle Früchte, könnten Pflaumen sein, sind wahrnehmbar. Im Mund habe ich eine starke Malznote. Aber auch die Fruchtigkeit ist weiter präsent. Die Hopfenbittere hält sich für den IBU-Wert noch ganz gut zurück. Durch die 7,7 % Alkohol kommt es recht intensiv und kräftig daher. Ein wirklich gelungenes IPA, das eher durch seine Fruchtigkeit als durch extreme Hofpenbitterkeit auffällt. Wirklich ein gut ausbalanciertes IPA, dass einen mit der Hopfigkeit nicht komplett erschlägt, aber trotzdem rund und süffig daherkommt.

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Fazit: Die Kombination aus Tradition und Moderne ist bei den drei Bieren aus der Brauereiwerkstatt und den Distel Blond wirklich gelungen. Alle vier Biere sind handwerklich gefertigte Biere, die recht süffig und sehr gut ausbalanciert sind. Daher darf man hier keine Hopfenbretter oder Hyperstouts erwarten. Das war aber auch gar nicht der Anspruch. Hier wurde gezeigt, dass auch eine alteingesessene Brauerei moderne Bierstile sehr gut umsetzen kann. Für mich eine klare Empfehlung.

Wer mehr über die Distelhäuser Brauerei erfahren möchte oder auch deren Bier im hauseigenen Onlineshop bestellen möchte – schaut hier auf ihre Website: www.distelhaeuser.de

Disclaimer: Die Biere wurden mir von der Brauerei Distelhäuser GmbH & Co. KG aus Tauberbischofsheim unentgeltlich zum Testen zur Verfügung gestellt. Vielen Dank dafür. Eine inhaltliche Beeinflussung des Textes fand nicht statt.

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Monatliche Gin Proben mit der Abonautenbox

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Der Inhalt der 1. Box

Das Angebot an Gins nimmt täglich zu. Weltweit sind es schon mehrere tausend unterschiedliche Ginmarken. Allein in Deutschland kommen wir auf fast 300 Ginsorten. Da verliert man schnell den Überblick. Dazu kommt auch noch, dass ich unheimlich gern probiere. Und so wird es irgendwann teuer, wenn man jeweils eine Flasche kaufen würde. Außerdem hat man da schnell auch Flaschen zu Hause, die einen gar nicht oder zumindest nicht besonders gut schmecken.

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Die Abonauten Gründen (Quelle: Abonauten.de)

Eine Lösung aus diesem Dilemma bietet ein Ginabonnement. Hier bekommt man in regelmäßigen Abständen neue Gins in kleinen Mengen zum Probieren. Dieses Problem haben auch zwei Freunde aus Oberbayern gehabt und kamen so zu der Idee ein solches Abonnement auf den Markt gebracht.

Das Start-Up hinter der Idee sind die Abonauten. Dahinter stehen zwei Ginliebhaber Christian Schuh und Marco Tunger, die schon länger in der Spirituosenbranche tätig sind. Nach der Idee 2016 und einer erfolgreichen Kickstarter-Kampagne haben sie nun Anfang Oktober die erste Abonauten-Gin-Box versandt.

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Die Abonauten Box (Quelle: Abonauten.de)

Ich finde die Verpackung sehr gelungen. Alles ist sicher verpackt. Man erhält 3 unterschiedliche Gins. In sehr ausgefallenen dreieckigen 100 ml Sampleflaschen. Dazu noch zwei Dosen Tonic. Außerdem liegt noch der von ihnen entwickelte Ginfächer bei. Dieser erhält jeweils 3 Blätter für die drei Gins.

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Der Ginfächer – praktische Hintergundsammlung

Auf diesen sind die wichtigsten Informationen zu den Gins, sowie kurze Tastingnotes enthalten. Außerdem kann man dort seine eigenen Erfahrungen notieren. Hier kann man dann nach und nach die Karten der anderen Boxen ergänzen. Tolle Idee, dass die einzelnen Blätter an einer Stelle gesammelt und nicht überall rumfliegen. Zusätzlich noch ein Ginkalender in Bierdeckelform. Auf diesen sind z.B. die Erscheinungsdaten der Boxen, aber auch z.B. der Geburtstag der Queen enthalten. Alles sehr hochwertig gemacht und ansprechend von Hand verpackt.

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Die weiteren „Zutaten“ bei der Abonauten Box

Das besondere für mich sind aber die ausgewählten Gins. Hier haben sich Christian und Marco große Mühe gegeben, besondere Gins auszusuchen und nicht die häufig vorhandenen Allerwelts-Gin genommen. So befindet sich in der ersten Box sowohl ein deutscher, ein schweizer und ein südafrikanischer Gin und keinen davon hatte ich bisher im Glas.

 

 

 

 

Der 1. Gin „Tschin Dry Gin“

Bei der Reihenfolge habe ich nach dem Ginfächer gerichtet. Der erste kam aus der Schweiz und hört auf den schönen Namen „Tschin Dry Gin. Man hat als Namen einfach den Namen als Lautschrift übernommen. Ich finde es nur verwirrend, wenn man ihn in einer Bar bestellen muss. Das Etikett ist sehr schlicht und erinnert ein wenig an Wasserfarbenzeichnungen aus meiner Schulzeit. Aber das fällt natürlich auf und war für mich gleich sympathisch. Der Gin wird von Fritz Käser im Fricktal im Schweizer Kanton Aargau hergestellt. Dabei hat man nur auf einheimische Botanicals beschränkt und auch bei deren Anzahl eher weniger eingesetzt. So begnügt sich der schweizer Tschin mit lediglich vier Botanicals. Neben dem Wacholder kommen noch Kirschblüten, Waldmeister und Walderdbeeren zum Einsatz.

Kommen wir zur Verköstigung des Tschins. In der Nase habe ich eine Blumenwiese, aber auch  Kräuter, ein süßlicher Duft, ein wenig Wacholder aber fast kein Zitrus. Der erste Schluck zeigt eine ganz mildes, blumiges Aroma. Aber auch fruchtige Noten, mir teilweise schon ein wenig ins seifige gehend. Aber immer noch sehr gut trinkbar. Jetzt wo ich gelesen habe, merke ich auch die Walderdbeere.

Mund – ganz mild, blumiges Aroma, fast schon ein wenig ins seifige gehend, sehr fruchtig, süss, jetzt wo ich es gelesen habe, kann ich auch die Erdbeere wieder entdecken. Der Wacholder ist auch gut spürbar. Für seine vier Zutaten ist er ziemlich komplex. Habe ich in der Kombination auch noch nicht bei einem anderen Gin gehabt. Insgesamt sehr gelungener Gin. Auch mit Tonic funktioniert er ganz gut. Wichtig für mich aber wäre eher ein klassisches Tonic zu nehmen. Bei einem südlichen bzw. eher blumigen Tonic – wäre es glaub ich zu viel.

 

Der 2. Gin „Just Juniper Berry Gin“ 

Beim zweiten Gin gehen wir von den schweizer Alpen auf den afrikanischen Kontinent. Der „Just Juniper Berry Gin“ von der Tripple 3 Three Distillery kommt aus Südafrika. Die Distillery kann mit dem Weingut Blaauwklippen in der Nähe von Kapstadt auf über 300 Jahre Geschichte zurückblicken. Afrikanische Gins hatte ich bisher nur ganz wenige im Glas. Wenn auch einige Gins zwar mit afrikanischen Botanicals werben, wie z.B. der Elephant Gin oder der Whitley Neill Gin, werden aber häufig in Europa  destilliert. Beim Just Juniper Berry ist der Name Programm. Einzig Wacholder kommt zum Einsatz. Und wie schon beim Tschinn zeigt sich, dass ein Gin garnicht so viele Zutaten/Botanicals benötigt um ausgewogen, spannend und abwechselungsreich zu schmecken.

In der Nase zeigt sich mal wieder die Vielschichtigkeit des Wacholders. Man vermutet hier eine Vielzahl von Gewürzen. Man merkt Menthol, Eukalyptus aber auch Nadelholz und Waldboden bis hin zu einer dezenten Fruchtnote. Faszinierend was diese Beere so alles kann. Im Mund fällt mir zuerst die Kremigkeit bzw. Öligkeit auf. Er kommt komplexer rüber, als die eine Zutat vermuten lässt.  Der Alkohol ist gut eingebunden. Auch eine leichte Zitrusnote ist spürbar. Diese kommt aber eher von einer Zitronenmelisse als einer Zitronenzeste. Ich bin echt begeistert von diesen Gin. Wenn doch der deutsche Wacholderbrand meiner Jugend genauso geschmeckt hätte, wäre ich bei ihm geblieben.

Leider habe ich ihn mit dem Fever Tree mediterranen probiert. Dabei verliert er ein wenig. Auch hier würde ich eher zu einem klassischen Indian Tonic greifen.

 

Der 3. Gin „The ILLUSIONIST Gin“

Der dritte Gin nun ist ein deutscher Gin, der den schönen Namen „The Illusionist Dry Gin“ trägt. Und wenn man den Gin anschaut, weiß man auch warum. Die Farbe des Gins aus München ist komplett ginuntypisch. Mit seiner blauen Farbe fühle ich mich in meine Schulzeiten zurückversetzt. Den er hat die Farbe von Tinte. Am Anfang habe ich mich gar nicht getraut ihn zu probieren, da ich befürchtete Blue Curacao im Glas zu haben. Ein weiterer toller Effekt des „Magiers“ ist, dass er bei Zugabe von Tonic seine Farbe wechselt. Von anfänglich violett, wechselt er bei mehr Tonic ins Rosa. Die Hersteller beschreiben den Ursprung dieses Farbenspiels mit dem blumigen Worten von der  „blauen Blüte vom anderen Ende der Welt“. Ich denke aber auch der verwendete  Lavendel spielt bei der Farbgebung auch eine Rolle. Daneben werden noch Wacholder, Angelika, Muskatblüte, Süßholz, Rosmarin sowie frische Orangen und Zitronen verwendet. Insgesamt kommen 14 Botanicals zum Einsatz, davon werden aber einige nicht genannt.

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Das A-Siegel auf den Sample-Flaschen

Die Nase fühlt sich ein wenig an der Nase herumgeführt. So erwartet man eher etwas süsses, hat aber eher eine würzige, erdige Nase, mit mediterranen Kräuter und einer ganz leichten Zitrusnote. Ebenso ist der Wacholder spürbar und nach einiger Zeit kommen auch blumige Aromen dazu. Der erste Schluck und sofort fällt die Süsse auf. Hier hat der Lavendel wohl zu beigetragen. Dazu kommt eine gewisse Gewürznote und eine Blumigkeit. Für mich war das Ganze schon wieder ein wenig zu süss.

Dann der Einsatz von Tonic herrlich diese Farbveränderung. Damit kann man bestimmt zum Mittelpunkt einer jeden Party werden.  Ich habe mich für das Fever Tree mediterranean entschieden. Herausgekommen ist ein absoluter mediterraner Gewürzbecher mit einer angenehmen Süsse. Hier finde ich dass er ein ganz klarer G&T Gin ist, der erst mit Tonic richtig zu seiner Entfaltung kommt. Gelungener Gin mit einer spektakulären Farbgebung.

Als Fazit bleibt mir festzuhalten, das Gin-Abo der Abonauten ein gelungenes Produkt für Gin-Liebhaber ist. Man hat schon Vorfreude beim Auspacken und speziell bei der Auswahl der Gins haben die beiden wirklich ein gutes Händchen bewiesen.

Mit einem Abonauten Gin-Abo erhaltet Ihr immer am ersten Donnerstag des Monats eine Box mit drei verschiedenen Gins (jeweils 0,1 Liter). Ein Abonnement kann man ab 30 € im Monat beziehen. Angeboten werden Abonnements mit drei, sechs oder zwölf Monaten Laufzeit, sowie ein flexibles, monatlich kündbares Abo namens Gin Flex. Dabei sind im Preis die Kosten fürs Porto schon enthalten. Weihnachten steht ja auch schon wieder vor der Tür, wenn Ihr also ein Geschenk für Euch selbst oder Freunde sucht, vielleicht wäre es ja etwas.

Informationen über die Abonauten, das Ginabo und Bestellmöglichkeiten findet Ihr hier: www.abonauten.de

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Disclaimer: Die 1. Abonauten-Box wurde mir von der Abonauten UG i.Gr. aus Bad Tölz unentgeltlich zum Testen zur Verfügung gestellt. Vielen Dank dafür. Eine inhaltliche Beeinflussung des Textes fand nicht statt.

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Neue Single Malts aus der Sujet-Reihe von whic

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Testbatterie – drei Whiskys der neuen Sujet-Reihe

Heute möchte ich Euch drei neue Single Malt Whiskys vorstellen, die ich vorab probieren durfte. Es geht um drei Abfüllungen des Blogs, Onlineshops und seit 2016 auch unabhängigen Abfüllers whic – Whiskycircle aus Süddeutschland. Der ein oder andere kennt sie bestimmt schon, da sie auch viele interessante Artikel und regelmäßige News rund um das Thema Whisky veröffentlichen. Daneben haben Sie auch schon drei kostenlose und sehr lesenswerte E-Books ebenfalls zum Thema Whisky veröffentlicht – zu schottischen, japanischen und irischen Whisk(e)y. Ich finde auch sehr gut, dass sie nicht nur als Shop auftreten, sondern Ihr Wissen und Know How in ihrem Blog und dem Newsletter an ihre Kunden und Abonnenten weitergeben.

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Testaufbau für das Probieren der Sujet-Reihe von Whic

Aber kommen wir zu den Whiskys. Ich durfte drei schottische Single Malts probieren, die alle in Fassstärke, ungefiltert und ungefärbt sind und jeweils nur aus einem Fass kommen. Wie es sich für einen guten Whisky eigentlich auch gehört. Die drei gehören zu der neuen Reihe „whic sujet“. Die Whisky dieser Reihe fallen erstmal durch die sehr schönen Labels auf. Alle Abfüllungen enthalten Aktstudien der litauischen Künstlerin Ruta Grigaite. Und wie passend ist es, dass man das „flüssige Kunstwerk“ Whisky in eine Flasche mit einem Kunstwerk auf dem Label abfüllt. Die Aktstudien gehören entsprechend zu einer Reihe von Zeichnungen die alle sehr ansprechend sind  und häufig auch einen Bezug zu dem enthaltenen Whisky haben. Aber dazu nachher mehr. Alle drei Whiskys wurden außerdem  am Ende ihrer Lagerung noch einmal für eine bestimmte Zeit gefinisht. Wobei die ersten beiden nachträglich noch in einem Madeira Cask und der dritte Whisky in Sherry Oktave Fässern gelagert wurden. Aber kommen wir nun zu den Whiskys.

  1. Fettercairn Madeira Hogshead Finish 10 Jahre (2006-2017) 52,6 % –
    Whic Sujet I
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Fettercairn 10 Jahre – Sujet I – Quelle: whic.de

Nach 10 Jahren im Bourbonfass gönnte man diesen Whisky noch 9 Monate im Madeirafass. Was ich sagen muss, dem Whisky sehr gut getan hat. Einerseits gab das Fass eine wunderbare Farbe ab, so dass wir nun einen schönen bernsteinfarbenen Whisky haben, anderseits glättete das Fass den Whisky noch ein wenig und gab ihm eine schöne Süsse. Aber fangen wir mit der Nase an. Es kann an den sommerlichen Temperaturen liegen, aber irgendwie erinnert er mich zu Beginn an eine sommerliche Blumenwiese. Ein wenig Kräuter, aber auch Frucht und dezent blumig. Im Antritt sticht er schon ein wenig in der Nase aber das verfliegt nach einer gewissen Zeit. Im Hintergrund denke ich auch Nuss und Karamell zu spüren und mit der Zeit auch ein wenig Zitrusnoten. Der Madeira hat schon eine gute Arbeit geleistet.

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Die erste Probe – Sujet I ein 10 jähriger Fettercairn mit einem Madeirafinish

Im Mund spüre ich auch zuerst die Süsse. Zu Beginn ein ganz sanfter Antritt, der aber zunimmt und gefühlt stärker wird. Der Alkohol ist besonders an der Zungenseite mit Kribbeln gut spürbar. Auch habe ich eine gewisse Bitterkeit, sowie bei manchen Nüssen. Aber da es ja der erste Whisky des Tages ist, muss noch ein zweiter Schluck her. Und jetzt ist er auch schon runder und ich fühle mich an die berühmte Schokocreme aus Alba in Italien erinnert. Sehr schön schoko-nussig und damit es nicht zu süss wird, kommt im Abgang eine gut spürbare Pfeffernote dazu. Man spürt schon den Alkohol noch deutlich, aber das finishen im Madeiracask hat ihn runder gemacht und so wirkt er auch ein wenig älter als seine 10 Jahre.  Dieser Whisky schreit einfach danach ihn auch mit einem Tropfen Wasser zu probieren. Das führt dazu, dass er noch süsser wird. In der Nase ist jetzt die Zitrusnote stärker spürbar und die Nussnougatcreme kommt richtig schön durch. Gefällt mir wirklich sehr gut. Für einen 10 jährigen Fettercairn, wahrlich keine Hypedestille,  ist er sehr schön gelungen. Für Fans von Schoko-Nuss absolut zu empfehlen und mit Wasser kann man auch schön mit ihm spielen. Und mit 59,90 € für die Flasche ein wirklicher Schnapper für eine Singlecaskabfüllung in Fassstärke. Er wurde aus dem Fass mit der Nr. 107660 in 420 Flaschen abgefüllt.

Weitere Informationen: http://whic.de/fettercairn-2006-2017-10-jahre-madeira-finish-whic-sujet.html

  1. Macduff Madeira Hogshead Finish 10 Jahre (2006-2017) 55,0 % –
    Whic Sujet II
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Macduff 10 Jahre Sujet II von Whic Quelle: whic.de

Auch hier wurde das gleiche Vorgehen wie schon beim Fettercairn angewandt. Erst lagerte dieser Macduff für 10 Jahre in einem Bourbon-Hogshead und dann wurde er für ebenfalls für 9 Monate in einem Madeirafass gelagert. Nett finde ich die Anspielung das Labels mit seiner grün-gelblichen Farbe auf die hier gut wahrnehmbaren Zitrusnoten. Die Macher haben sich doch einige Gedanken bei der Label-Gestaltung gemacht. Die hier verwendete Aktstudie erinnert mich persönlich irgendwie an ein Werk von Gustav Klimt. Aber kommen wir auch hier zum Whisky. Hier wurde ein Macduff abgefüllt. Die Destillerie aus Banff ist für schottische Verhältnisse noch relativ jung und produziert fast ausschließlich für die Blendindustrie. Seit einiger Zeit gibt es auch eine Originalabfüllung die unter dem Namen The Deveron vertrieben wird. Außerdem verkaufen sie auch das eine oder andere Fass von unabhängige Abfüller, so dass man ab und zu einen Single Malt von Macduff von einem unabhängigen Abfüller erhält.

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Probe Nr. 2 ein 10-jähriger Macduff mit Madeirafinish

Auch bei diesem Whisky handelt es sich wieder um eine Einzelcaskabfüllung in Fassstärke, ungefiltert und ungefärbt. Aber mit 55 % Alkohol kommt der Macduff noch ein wenig kräftiger daher. Obwohl er in der Nase, trotz des mehr an Alkohol,  bedeutend sanfter als der Fettercairn wirkt. Und obwohl dieser Whisky auch im Madeirafass gefinisht wurde, weist er in den Aromen doch größere Unterschiede auf. Zuerst fällt mir eine gewisse Bitternote auf, die ich aber nicht genau einstufen kann. Dann auch Malz und schöne Fruchtaromen die eher in Richtung von hellen und auch Zitrus- bzw. Südfruchtnoten gehen. Die in den offiziellen Tastingnotes angesprochene Ingwernote konnte ich nicht finden. Kommen wir zum ersten Schluck. Im Vergleich zum Fettercairn bedeutend sanfter, weniger alkoholbetont und zu Beginn eine sehr schöne Süsse, die aber dann ins Bittere umschlägt. Diese mag ich irgendwie gar nicht. Auch wenn eher ungewöhnlich, habe ich sogar das Gefühl ein wenig Schwefel wahrzunehmen. Auch hier ist eine Pfeffernote wahrzunehmen, die aber weniger stark ausgeprägt ist. Und hinten heraus auch noch ein wenig Schoko und im Abgang eine schöne Süße. Hier ist dann auch die von mir wahrgenommene Bitternote nicht mehr so dominant. Versuchen wir das Ganze nochmal mit Wasser. Auch hier steigert sich der Whisky mit Wasser noch etwas. Eigentlich versuche ich jeden Whisky mit Wasser, da der Whisky sich häufig noch ein wenig öffnet. Speziell bei Fassstärkenwhiskys mit höheren Prozentzahlen bietet es sich natürlich noch eher an. Jetzt kommen auch die Schokonoten noch besser raus und das Ganze wird ein wenig süsser. Auch hier hat man es mit einem grundsoliden Malt zu tun. Das Finish im Madeirafass führte hier aber schon zu anderen Noten. Speziell die Zitrusnoten hat man nicht so häufig im Glas. Aber die Bittersten haben mich ein wenig gestört. Es war besonders interessant, die beiden Whiskys hintereinander zu testen. Obwohl dieser nicht ganz so meinen Geschmack traf, isst es eine grundsolide und gelungene Abfüllung. Diese wird auch mit 59,00 € angeboten. Hier wurden insgesamt 400 Flaschen abgefüllt.

Weitere Informationen: http://whic.de/macduff-2006-2017-10-jahre-madeira-finish-whic-sujet.html

  1. Tobermory Sherry Octove Finish 21 Jahre (1996-2017) 48,6 % –
    Which Sujet III
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Tobermory 21 Jahre Sujet III von Whic Quelle: whic.de

Kommen wir zu Whisky Nummer drei. Und wenn man sie alle drei nebeneinander stellt, fällt natürlich zuerst die Farbe auf. Er ist doch bedeutend dunkler, was auf Grund des Alters und des nachträglichen finishen nicht verwunderlich ist. Hier haben wir nun einen Tobermory. Ich sage gleich vorweg, mit dieser Destille stehe ich immer ein wenig auf Kriegsfuß. Ich mag die Insel Mull, Tobermory ist eine wundervolle Stadt und auch die Destillerie ist wirklich klein und knuffig. Aber der Whisky dieser Brennerei egal ob der getorfte oder ungetorfte, von denen ich schon einige probiert habe, überzeugte mich nur in den wenigsten Fällen. Aber ich lasse mich gern eines besseren Belehren, also weitertesten und probieren.

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Probe Nr. 3 ein dunkler Tobermory mit Sherryfinish

Hier haben wir es verglichen mit den ersten beiden mit einem richtigen Senior zu tun. Hier durfte der ursprüngliche New Spirit für 21 Jahre in einem Ex-Bourbon Fass lagern. Nach dieser Zeit kam diesmal aber kein Madeiracask zum Einsatz, sondern ein Sherryfass, eigentlich waren es sogar 3 Fässer. Hier wurden drei sogenannte Sherry-Octavefässer verwendet. Dies sind kleinere Fässer, die einen stärkeren Austausch von Holz zum Destillat fördern. So fassen Octave-Fässer nur so ca. 50 l. Was verglichen mit z.B. einem Hogshead mit 250 l ein bedeutend geringeres Volumen bedeutet. Da diese bedeutend kleiner waren als das ursprüngliche Fass, hat man dieses auf 3 Octaves aufgeteilt. Nach einer mehrmonatigen Lagerung in den Octaves wurden diese drei Fässer dann wieder zusammengefüllt – in Whiskykreisen spricht man von vermählen und dann erst abgefüllt. Auch hier wieder ein sehr geschmackvolles Label ins bräunliche gehend. Ich bin schon gespannt, was ich davon im Whisky wiederfinden werde. Die erste Nase kommt schon sehr schön. Alles rund, wunderbar eingebunden. Ich habe Früchte in der Nase, die schon ins stärker süßliche gehen. Ein wenig wie Dörrobst oder kandierte Früchte. Ebenfalls sind auch ein wenig Leder und auch dezente Tabaknoten wahrnehmbar. Das ist schon eine Nase, der ich mich gerne länger widme. Ein sehr schöner Schnüffelwhisky.

So der erste kleine Schluck – mmmhhh – Schoko, Honig, Süsse, auch Keksnoten und alles wunderbar schmeichelnd. Sehr schön eingebundener Alkohol – hier kommt die Seniorität doch gut durch. Man merkt schön das Holz, das beim Abgang noch stärker wird. Auch ein wenig Trockenheit bleibt übrig, aber alles im Rahmen. Auch ein wenig Kaffee und Kakao bleibt im Mund. Wirklich sehr gut gelungen. Bei seinen 48 % trau ich mich gar kein Wasser dazu zugeben, aber es wird trotzdem probiert. Gefühlt werden die Früchte heller, stärkere Zitrusnoten sind spürbar. Auch Malzsüsse und Kakao kommen stärker zur Geltung. Das Holz und die Trockenheit gehen ein wenig zurück. Auch nicht schlecht, aber hier bevorzuge ich ganz klar die Variante ohne Wasser. Für mich das klare Highlight der bisherigen Sujet-Reihe. Ein wirklich gelungener Tobermory, was ich sehr selten sage. Wunderbar rund und man kann sich länger mit ihm beschäftigen. Die finale Lagerung in den Sherry Octaves hat ihm sichtlich gut getan. Für mich eine klare Empfehlung. Natürlich muss man für 21 Jahre dann doch ein wenig tiefer in die Tasche greifen. Der Tobermory ist für 119 € zu haben. Insgesamt sind von dieser Abfüllung 231 Flaschen herausgekommen.

Weitere Informationen: http://whic.de/tobermory-1995-2017-21-jahre-sherry-octave-finish-whic.html

Zum Schluss kann ich mich nur wiederholen. Eine wirklich interessante neue Serie von Whiskys – die allein schon mit dem Label ein Blickfang in jedem Schrank sind. Aber auch geschmacklich sehr gelungen und empfehlenswert sind. Wer mehr über die Sujet-Reihe oder den Shop bzw. Blog erfahren möchte, kann dies unter www.whic.de  weitere Informationen finden. Allein schon für die Gratis-E-Books seit kurzer Zeit auch eins zu irischen Whiskey lohnt sich ein Websitebesuch.

Disclaimer: Die drei Whiskyproben wurden mir von der whic UG aus München unentgeltlich zum Testen zur Verfügung gestellt. Vielen Dank dafür. Eine inhaltliche Beeinflussung des Textes fand nicht statt.

 

 

 

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Tonictest 2.0 – die bitteren Tage gehen weiter 

img_1452Mittlerweile gibt es schon wieder so viele neue Tonics auf den Markt, dass ich mich gemüßigt gefühlt habe, diese auch zu probieren. Ich hatte damals schon beim großen Tonictest im letzten Sommer 10 verschiedene Toncis getestet. Hier findet Ihr den Beitrag dazu. Aber die Zahl der Tonic Water ist ja schon fast unüberschaubar. Im Netz habe ich irgendwo die Zahl von 350 verschiedenen Tonics gelesen. Da verliert man schnell den Überblick und es wird schon recht schwierig die richtige G&T Kombination zu finden. Daher will hier eine kleine Reihe starten und ab und zu neueTonics probieren. Dabei gehe ich ganz undogmatisch zu. Ich schaue welche ich gerade irgendwo gefunden habe und diese werden mit den gerade offenen Gins probiert.
Los geht es. Bei der ersten Runde mache ich eine kleine Europatour. Ich starte mit einem Tonic aus Italien, dann geht es nach Belgien und zum Schluss nach Spanien.

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Das Aquatonica von Plose aus Italien

Plose Aquatonica (Italien)

Starten möchte ich mit dem Plose Aquatonica. Ein Tonic aus Italien, genauer gesagt aus Brixen in Südtirol. Das Tonic kommt von dem Familienunternehmen Plose Quelle AG. Diese füllen schon seit den 50er Jahren Mineralwasser und in den letzten Jahren auch Limonaden ab. Für den deutschen ungewöhnliche Limonadengeschmäcker aus Italien kenn ich ja, aber Tonic hatte ich noch nicht im Glas. Bei der Flasche fällt zuerst ein recht ungewöhnliches Design auf. Die 25 cl Flasche mit Drehverschluss, hat man bei Tonic Water eher selten. Wenn man nicht genauer auf dem Etikett nachliest, vermutet man wirklich eher eine Limonade. Auf diesem fällt zuerst ein auf vintage getrimmter Gewichtheber auf, der einem Zirkusplakat aus den 20er entlehnt worden ist. Mit dem Hinweis corroborante-Stärkung soll wo eine Richtung angedeutet werden. Beim Öffnen merkt man schon ziemlich die Kohlensäure. Diese ist aber angenehm feinperlig. In der Nase eher blumig, süßlich – kommt eher wie eine Limonade daher. Und auch im Mund kommt eine ziemliche Süsse durch. Aber im Abgang kommt dann auch eine leichte Bitterkeit auf. Leider verfliegt die Kohlensäure sehr schnell.

img_3473Nun probieren wir das Tonic mit Gin. Da es recht süss daher kommt, dachte ich mir ich brauche einen eher klassischen wacholderbetonten Gin. Daher habe ich mich für den Brokers entschieden. Da leider die Kohlensäure schnell weg war und die Süsse stark im Vordergrund steht, hatte selbst so ein kräftiger Gin wenig Chancen. Da braucht es schon ein spanisches Mischverhältnis von 1:2 damit der Gin geschmacklich dagegen halten kann.

img_3475Ok dann werde ich mutiger und habe dem Tonic den recht kräftigen und intensiven BCN Gin entgegengesetzt. Der kam schon eher durch, aber die beiden sind nicht wirklich eine glückliche Gemeinschaft. Der Gin wirkt durch die Kombination irgendwie seifig. Eigentlich sollten zwei Gins genügen. Aber mein kleiner Gewichtheber aus Südtirol ist schon eine härtere Nuss. img_3477Ein letzter Versuch mit einem eher zitruslastigen Gin bringt vielleicht die Wende. Mit dem Rangpur von Tanqueray habe ich es dann noch mal versucht. Und hier habe ich mit das beste Ergebnis erzielt. Aber wirklich überzeugend war es auch nicht. Besonders störte mich die Süsse, die durch die schnell verflüchtende Kohlensäure extrem viele Geschmacksnoten überlagert.

Als Fazit kann ich sagen, dieses Tonic hat mich gar nicht überzeugt. Es gibt vielleicht den einen oder anderen Gin zu dem er passen könnte, aber meine Auswahl musste sich gegenüber dem Tonic geschlagen geben. Von meiner Seite keine Empfehlung.

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Das Tonic das nach dem Tonicerfinder benannt ist

Erasmus Bond Traditional Tonic (Belgien) 

Nach diesem Erlebnis musste ein klassisches Tonic her. Und wenn man sich schon nach dem Erfinder (oder besser Lizenznehmer) des ersten Tonics benennt, erwarte ich ein klassisches Tonic. Das Erasmus Bond wird in Belgien hergestellt. Der Londoner Erasmus Bond hat schon 1858 das erste Tonic patentieren lassen, noch vor der dem Hoflieferanten Schweppes von Herrn Schweppe.

Die Nase ist nicht aufdringlich, gute Zitrusnote aber alles recht zurückhaltend. Eine sehr gute Kohlensäuremenge, die auch nach dem Einschenken erhalten geblieben ist. Schöne Bitterkeit der Chinarinde mit einer leichten Süsse im Hintergrund. Ein klein wenig ist auch Lakritz wahrnehmbar, aber die Chinarinde ist mit ihrer Bitterkeit klar im Vordergrund. Trotzdem ist eine leichte Süsse im Hintergrund gut wahrnehmbar. Ein wirklich schönes klassisches Tonic, dass sich auch gut pur trinken lässt. Bin gespannt was meine Gins dazu sagen.

img_3491Als ersten Gin habe ich den Dodd´s Gin genommen, der schon ein wenig Ecken und Kanten mit seinem Honig und Lorbeer mitbringt. Zusammen mit dem Erasmus Bond ist es eine super Kombination. Der Gin ist noch gut mit seiner Note wahrnehmbar und der Tonic gibt dem ganzen seinen Rahmen. Ich habe ein 1:3 Mischverhältnis genommen. Wirklich eine schöne Kombination, die wirklich gut passte. Um das Tonic ein wenig auf Herz und Nieren zu prüfen, versuchte ich als nächstes einen wirklich herausfordernden Gin.

img_3492Den Bonner Flow Gin der mit seinem starken Rosenaroma ist definitiv nicht für jedes Tonic geeignet. Aber nach dem ersten Gin, fand ich das Bond Tonic so schön rund und dezent, dass ich es versuchen wollte. Auch hier setzt der Tonic dem Gin etwas entgegen, ohne ihn zu überlagern. Auch werden die Rosennoten beim puren Gin ein wenig abgeschwächt. Daher schafft er es auch bei herausfordernden Gins. Obwohl ich feststellte, wenn man ihn ein wenig stehenlässt, er eine leicht seifige Note entwickelt. Wer lässt aber schon seinen G&T stehen. Der Vergleich zwischen ersten und zweitem Tonic, also Italien und Belgien empfinde ich auf Grund der Geschichte schon als unfair, daher will ich sie auch gar nicht vergleichen. Das Erasmus Bond Classic Tonic macht seinem Namen alle Ehre und ist ein gutes, traditionelles Tonic, welches zu vielen Gins passt. Für mich ist es eine absolute Empfehlung. Erstaunlich ist nur, das es trotz des aktuellen Hypes nur selten hier in Deutschland zu kaufen ist. Ich persönlich habe es auch aus Holland mitgebracht.

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Ein ungewöhnliches Tonic mit Zuzu-Saft 

Qyuzu Premium Tonic Water (Spanien) 

Nach diesem klassischen Tonic soll jetzt ein wenig ungewöhnlicheres Tonic getestet werden. Nach Italien und Belgien soll es nun ein spanisches Tonic sein. Das Qyuzu Tonic das mit Yuzusirup versetzt ist. Laut Dose sollen 2,3 % Yuzusaft, der Saft einer japanischen Zitrusart, zugesetzt sein. Schon durch die Verpackung in der Dose fällt dieses Tonic auf. Ein wenig erinnert es an eine Kirin oder eine andere japanische Bierdose. Es sind auch 200 ml enthalten, obwohl die Dose kleiner wirkt. Aber wirklich nettes Design. Beim Einschenken fällt schon eine gewisse Trübung auf. Sieht fast aus wie ein Bitter Lemon. Die Nase ist geprägt von Zitrus und Fruchtaromen. Ich kenne Yuzu jetzt nicht, denke aber mal das es Yuzu ist, was hier in die Nase steigt. Beim Blindriechen wäre ich schwerlich auf Tonic gekommen. In der Nase erinnert es eher an einen zitrusartigen Fruchtsaft und ein wenig Aloe Vera vermag ich auch wahrzunehmen. Kohlensäure ist da, aber auch hier schnell wieder weg. Auf der Zunge erst recht fruchtig, ein wenig süss. Echt angenehm, wenn auch anfänglich wenig tonichaft. Im Abgang ist dann die Chinarinde spürbar und ein bitteres Mundgefühl bleibt übrig. Es ist schon mal eine spannende Mischung, aber eben halt kein klassisches Tonic. Man könnte es schon fast ein „New Western Style Tonic“ nennen, wenn man die Ginkategorie übertragen würde.

img_3495Jetzt wird es schwierig, was für einen Gin setzen wir dem entgegen. Ich versuche es mal mit dem Klassiker dem Bombay Sapphire. Erst mal an die Trübung im G&T gewöhnen. In der Nase nur noch Zitrone – wow hat schon fast was von Zitronensaft. Im Mund kommt der Gin nur gering durch, habe wieder die Saftassoziation. Schade das die Kohlensäure so schnell weg ist. Auch hier steht der Yuzusaft noch ziemlich im Vordergrund. Obwohl ich mag es. Komplett was anderes, nicht für jeden Tag aber wenn man mal was ungewöhnliches mag.

img_3497Jetzt versuche ich das Ganze noch mit einem spezielleren Gin, dem Martin Miller Westborne Strenght. Hier habe ich auch mal mit einer spanischen Mischung von 1:2 gearbeitet. Da das Tonic doch einen starken Eigengeschmack mitbringt. In der Nase bleibt das Aroma der Yuzu-Pflanze. Hier kommt jetzt auch noch der Martin Miller noch zur Geltung – auch das Gurkenaroma ist noch wahrnehmbar. Das harmoniert gut mit der Yuzuzitruslastigkeit. Daher empfehle ich bei diesem Tonic ein eher kräftigeren, wacholderbetonten Gin dazu zu nehmen. Vielleicht auch der spanischen Herkunft geschuldet, empfehle ich auch einen höheren Anteil an Gin. Ansonsten aber ein wirklich spannendes Tonic, mit dem man gut experimentieren kann.

Es ist spannend was sich so alles auf dem Tonicmarkt tut. Lest hier in Zukunft weitere Tonics-Test. Und versucht es zu Hause auch einfach mal aus, es macht wirklich Spaß. Speziell jetzt im Sommer bietet es sich an.

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The Moll Cocktail – die süffige Gangsterbraut 

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The Moll Cocktail – nach dem Savoy Cocktail Book

Wie Ihr bestimmt schon wisst, bin ich ein großer Fan der alten, teilweise vergessenen Cocktailrezepte. Und genau um so eins so es heute gehen – The Moll Cocktail. Schon der Begriff Moll – wird heute fast niemanden mehr etwas sagen. Speziell in den 20er Jahren war eine Moll – heute würde man sagen Gangsterbraut. Dieser Begriff wurde häufig in den Hard-Boiled Gangster und Dedektivegeschichten der 20er und 30er Jahre verwendet, die teilweise Grundlage für die Filme der schwaren Serie Hollywoods bildeten. Aber was hat das Ganze mit Cocktails zu tun.

Das Rezept entstammt dem Bar-Buch Klassiker The Savoy Cocktail Book aus den 30er Jahren. Wie sein großer Bruder der Negroni besteht er aus 3 Spirituosen mit gleichen Anteilen. Wobei hier anstatt des Campari, Sloe Gin verwendet wird. Außerdem wird das gewisse Etwas durch den Spritzer Orangebitter erzeugt. Das Originalrezept fordert trockenen französichen Wermut. Ich habe auf meinen Lieblingswermut dem Carpano Antico Classico zurückgegriffen. Außerdem gibt das Originalrezpet noch den Hinweis, dass man Zuckersirup bei Bedarf ergänzen kann. Ich für meinen Teil, habe darauf verzichtet, da sowohl der Sloe Gin, als auch der Wermut schon eine gewisse Süsse mitbringen.

Hier das Rezept

  • 30 ml Gin – im Original Plymouth Gin bei mir war es der Bombay Saphire
  • 30 ml Sloe Gin – ich verwandte den Haymans Sloe Gin
  • 30 ml French dry vermouth – bei mir der Carpano Antica Formula
  • 1 Dash Orangebitter – hier darauf achten, auch wirklich Orangebitter zu verwenden

Die Zutaten in ein mit gut Eis gefüllten Shaker geber und 30 Sekunden shaken, bis der Shaker schön beschlagen ist. Dann das Ganze in eine Cocktailschale abseihen. Deko braucht es bei mir eigentlich nicht. Aber hier würde ein wenig Orangenszeste bzw. Eine Orangespirale passen.

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Die Zutaten für den The Moll Cocktail

Ein wirklich gut drinkbarer Cocktail für alle, denen der Negroni zu bitter aber trotzdem eine herbe, bittere Note mögen. Speziell die Pflaumen und Orangennoten in dem Drink finde ich sehr lecker. Viel Spaß beim ausprobieren.

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Die Schule der Trunkenheit von der Viktoria Bar Berlin

Passend zum angekündigten verregneten Pfingstwochenende möchte ich Euch eine Buchempfehlung geben. Wie immer geht es natürlich im weitesten Sinne um Getränke, in diesem Fall um ein Barbuch. Jetzt denkt aber nicht gleich an einen dicken  Hochglanz-wälzer mit allerlei Cocktailfotografien und kurzen Rezepten. Nein es geht um das sehr interessante Buch „Die Schule der Trunkenheit“ der Viktoria Bar in Berlin. Was für ein gelungener Name. Ich finde der Name ist schon sehr passend gewählt. Wie schreibt Peter Richter so schön im Nachwort des Buches „Betrunken sein kann jeder. Aber Trunken? Sind nur Kenner.“ In der Berliner Viktoria Bar gibt es schon seit 2003 Spirituosenseminare. Diesen gehen weit über wie mache ich einen Martini oder einen anderen Klassiker heraus.

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Buchcover „Die Schule der Trunkenheit – Eine kurze Geschichte des gepflegten Genießens“

Es wird sich einer bestimmten Spirituose gewidmet. Zuerst schwerpunktmäßig die geschichtliche Entwicklung, die wichtigsten Eckdaten um dann konkret auf bestimmte Cocktailklassiker und ihre Entstehung, aber auch Anekdoten und Geschichten drum herum. Diese „Schulstunden“ für Barflys und Spirtuosenconnoisseure laufen meist so ab, das die Teilnehmer fünf Cocktails mit ein und derselben Basisspirituose – Brandy, Wodka, Whisky, Gin, Tequila, Rum oder Champagner – serviert bekommen. Bei Genuss dieser Cocktails erfährt man, wie sich diese Spirituose entwickelt hat und wie sie heute geschätzt wird. Neben der Herstellung, wird auch auf besondere berühmte Liebhaber dieser Spirituose und die berühmtesten Cocktails eingegagen. In 2013 hat sich dann das Team der Victoria Bar entschlossen den Unterrichtsstoff zwischen zwei Buchdeckel zu bannen.

Das Buch zeigt wie stark die Entwicklung der Menschheit mit der Geschichte des Alkohols verbunden ist. Getrunken wurde schon immer. Aber es ist doch sehr interessant wie sich Zivilisationen und Alkohol miteinander aber auch gegensätzlich entwickelten. Angefangen bei den Sumerern mit ihrem Bier, über die Bedeutung von Alkohol in verschiedenen Kriegen bis hin zur Prohibition in den USA. Dieses Buch liefert so viel Hintergrundwissen, aber auch Insider und gute Geschichten, dass man damit mehrere Abende in seiner Lieblingsbar die Leute unterhalten kann.

Mit sieben verschiedene Getränke, angefangen vom Brandy, Whisk(e)y, Tequilla, Rum, Gin und Vodka  bis hin zu Champagner, werden die wichtigsten Cocktailgrundbestandteile durchgesprochen. Dabei fand ich besonders die Getränke interessant, die mir bisher nicht ganz so nahe stehen. So fand ich z.B. die Verbindung  der mexikanischen Revoluzionen mit der Tequillaproduktion ganz spannend. Oder die Geschichte, dass die russische Revolution ein Champagnerhaus in den Ruin stürzte, sehr interessant. Oder dass Willi Brandt ein großer Weinbrandtrinker war und mit seiner Trinkfestigkeit so gar den russischen Botschafter beeindruckte. Wirklich eine Vielzahl von interessanten Geschichten aber auch geschichtlichen Verbindungen. Als kleinen Zusatznutzen werden am Ende des Buches alle Cocktail-Rezepte die im Buch aufgeführt sind, auch noch abgedruckt. Hier findet Ihr entsprechend die Zutaten und eine kleine Mix-Anleitung. So dass man auf ein paar Seiten die 50 Cocktailklassiker auch noch findet.

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Innenseite mit schönen Illustrationen von Angela Dwyer

Insgesamt kann ich das Buch jedem Bar- Cocktail- und Spirituoseninteressierten ans Herz legen. Eigentlich eine Art Grundlagenbuch für jeden Fan des gepflegten Trinkens. Das Buch ist wunderbar leicht zu lesen, man lernt quasi gut amüsiert. Wer ein Nachschlagewerk für die einzelnen Spirituosen oder ein historisch ganz korrektes Werk erwartet sollte dagegen die Finger von lassen. Daumen hoch für dieses Buch. Auch wenn es schon von 2013 ist, sollte man es im gut sortierten Buchhandel oder im Internet bekommen.

Viktoria Bar
Schule der Trunkenheit –
Ein kurze Geschichte des gepflegten Genießens
254 Seiten
Veröffentlichung: 2013
Metrolit Verlag
ISBN: 978-3-8943-0323-5
Preis: 19,95 €

 

 

 

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MoCo – der etwas andere Kaffeelikör

img_1083Der heutige Beitrag soll um eine für mich er untypische Spirituose gehen – um Likör. Aber nicht irgendein Likör sondern speziell für mich als Kaffeeliebhaber einen Kaffeelikör. Am Anfang war ich doch ein wenig skeptisch, da mir Liköre häufig zu süss sind. Aber bei mir zählt ja immer das Motto: erst probieren und dann ein Urteil fällen. Außerdem geht es um einen relativ neuen Likör – dem MoCo Kaffeelikör der von drei Studenten aus Pirmasens entwickelt wurde. Die drei, die Brüder Denis und Philipp Hach und Jens Fischer, waren schon früher mit ihrem selbst erstellten Likör der Hit von vielen Partys. Und nachdem sie festgestellt hatten, wie gut der Likör ankam, war die Idee einer eigenen Firma geboren. Nach einigem Experimentieren und Tüfteln war es Mitte 2015 so weit, dass sie die eine eigene Firma für die Kaffeelikörproduktion und -vermarktung gegründet haben.

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Das schön gestaltete Logo

Die Flasche ist schon ein besonderer Hingucker. Alles ist in Braun gehalten. Blickfang ist das „Maskottchen“ ein Affe der ein Auge schließt. Irgendwie erinnert er mich an meine Kindheit – ich hatte einen Comic in dem ein ähnlicher Affe vorkam. Ich kann zwar nicht sagen woher, jedenfalls war mir daher schon die Flasche und die Aufmachung sympathisch. Immer wenn die Flasche vor mir steht, habe ich das Gefühl der Affe zwinkert mir zu und will mir sagen, trinke doch noch einen. Was wiederum zu dem Slogan „Leave the ordinary world behind“ passt. Das Besondere an dem Likör ist, dass er komplett per Hand gemacht wird und der verwendete Kaffee einerseits aus biologischen Anbau kommt und noch dazu fair gehandelt wurde. Da keine Sahne oder ähnliches in dem Likör ist, kann er auch geöffnet lange aufbewahrt werden. Aber genug zu den Rahmenbedingungen, kommen wir zum Wichtigsten – dem Geschmack.

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Pur genossen schon ganz lecker

So habe ich mich an einem kalten, regenreichen Sonntagnachmittag hingesetzt um den Likör zu probieren. Natürlich zuerst bei Zimmertemperatur im Nosingglas. Was zuerst auffällt ist eine wunderbare Kaffeenote. Es hat mich so ein wenig an meinem Pisco mit Kaffeeinfusion erinnert. Da muss schon einiges an Kaffee drin sein, damit man ein solches Aroma erzeugt wird. Dann der erste Schluck das Kaffeearoma bleibt im Vordergrund, aber auch ein wenig Schoko/Kakao-aromen sind spürbar. Besonders stark habe ich eine recht süsse Karamellnote wahrgenommen. Durch seine weichen 26 % Alkohol ist er sehr sanft auf der Zunge. Die Süsse bleibt auch im Mund. Und im Abgang spürt man noch mal den Kaffee und die Süsse bleibt erhalten. Sehr leckerer Likör, wenn auch mir persönlich ein wenig zu süß. Dies hängt aber auch damit zusammen, dass ich nicht wirklich ein Likörfan bin. Aber für Kaffee – und/oder Likörliebhaber stellt der MoCo z.B. einen leckeren Aperitif dar. Um der Süsse zu begegnen, habe ich ihn dann mit ein wenig Eis probiert. Und die Eiswürfel haben wirklich ein wenig der Süsse wegenommen, die ein wenig in den Hintergrund trat. Gleichzeitig kamen die Kaffee- und Schokoladenaroma stärker zum Vorschein. Ich persönlich würde daher den MoCo auf Eis empfehlen. Aber natürlich sollte es jeder selbst für sich ausprobieren.

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Der MoCo auf Eis – ein Genuss

Das Schöne an einem Likör ist, dass man ihn wunderbar für Cocktails verwenden kann. Ich muss gestehen, sonst würde eine Flasche Likör bei mir sehr lange im Regal stehen. Damit man nicht lange suchen muss, haben die drei Jungs aus Pirmasens auch einige  Cocktailempfehlungen  für den MoCo auf ihrer Website. Davon habe ich natürlich auch das eine oder andere ausprobiert. Leider sind viele der Rezepte, wenn auch für einen Kaffelikör nachvollziehbar, mit dem Bestandteil Sahne beschrieben. Bietet sich bei einem Kaffeelikör quasi an. Nur bin ich selbst nicht so der Fan von Sahnecocktails. So habe ich mich schwerpunktmäßig auf die anderen Cocktails konzentriert. Kann mir aber vorstellen, dass der MoCo gut mit Sahne kombinierbar ist. Als erstes versuchte ich als Tonic-Fan den Tonic-Moco. Ich emfand das als eine interessante Kombination, obwohl ich es mir persönlich als nicht so einfach vorstellte. Es ist schon eine gewagte Kombination aus süssen Kaffeearomen mit der Bitterkeit des Tonics und der Säure der Limette.

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Der Tonic-MoCo

Zutaten Tonic-Moco:

  • 4cl MoCo
  • 8cl Tonic Water
  • ½ Limette in Scheiben

Ich habe den MoCo in einen Tumbler auf Eis und Limettenscheiben dazu gegeben. Die Limetten habe ich auch ein wenig angemuddelt. Dann das Ganze mit Tonic auffüllen.

Wie soll ich das Ergebnis beschreiben. Für mich ist das ein ganz klarer Sommerdrink, der sehr erfrischend ist. Er ist wirklich gut trinkbar, aber meine Befürchtungen wurden bestätigt. Für mich war die Mischung aus Zitrus, Bitterkeit und Süsse irgendwie ein wenig unrund. Soll heißen die Aromen standen ein wenig nebeneinander und schufen keine gemeinsame Basis. Ein guter Cocktail, aber mein Favorit wird er wohl nicht.

Als nächstes versuchte ich ein Cocktail der beim Lesen schon Speichelfluss erzeugte – der Moco-Apfelkuchen. Ich finde der passt so wunderbar in die Weihnachts- bzw. Winterzeit – das man ihn eigentlich auf Weihnachtsmärkten anbieten sollte.

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Absolut leckeres Wintergetränk der MoCo-Apfelkuchen

Rezept Moco-Apfelkuchen:

  • 4cl MoCo
  • 12cl naturtrüber Apfelsaft
  • Zimtpulver

Zuerst erhitzt man den Apfelsaft, nicht kochen! Den MoCo füllt man in eine Tasse und gießt den heißen Apfelsaft dazu. Und zum Schluss gibt man noch Zimt dazu. Hier kann man nach persönlichen Vorlieben richten. Ordentlich umrühren, damit sich der Zimt auflöst. Und dann einfach nur genießen. Eine wirklich geniale Mischung für die ich jeden noch so guten Glühwein, Grog und Konsorten stehen lassen würde. Diese Kombination ist wirklich eine absolute Empfehlung.

Nach dem Wintertraum probierte ich jetzt wieder eher etwas sommerliches. Ein absoluter Muntermacher der unter anderem mit Wodka gemacht wird. Und hier kommt neben dem vorhandenen Koffein des Kaffelikörs noch zusätzlich richtiger Kaffee zum Einsatz. In diesem Fall setzt man Espresso ein.

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Ein leckerer Muntermacher der MoCo Espresso Martin

Rezept: MoCo Espresso Martini

  • 3cl MoCo
  • 3cl Vanilla Vodka (ich habe normalen Vodka verwendet)
  • Zuckersirup (je nach Geschmack, ich habe ca. 1 cl genommen)
  • 1 starker Espresso
  • Eiswürfel

Am besten den Espresso nach dem Aufbrühen abkühlen lassen oder mit den anderen Zutaten mittels  Eis runterkühlen lassen. Die anderen Zutaten MoCo, Vodka und Zuckersirup mit dem Espresso im Rührglas rühren und in ein vorgekühltes Spitzglas abseihen. Hier kommt der Kaffeelikör mit richtigen Kaffee in Berührung und die Mischung passt wirklich. Ein wunderbares Getränk, welches ich unbedingt empfehlen kann.

Natürlich musste ich selbst noch einen Cocktail ausprobieren, der nicht zu den Signature-Drinks von MoCo zählte. Ich entschied mich für einen Black Jack. Hier kommt zur Abwechselung mal ein Scotch Whisky (ok Irish Whiskey) und Cointreau zum Einsatz.

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Noch Ausbaufähig der Black Jack mit MoCo-Likör

Rezept: Black Jack

  • 3cl Scotch Whisky – ich nutzte einen 13 jährigen Irish Single Malt
  • 2cl MoCo Kaffeelikör
  • 1cl Cointreau
  • 1cl Zitronensaft

Die gesamten Zutaten auf Eis in einem Shaker und für ca. 20 Sekunden kräftig shaken. Dann das Ergebnis in ein gekühltes Martiniglas abseihen. Im Ansatz schon ganz interessant, aber leider nicht wirklich überzeugend. Hier muss ich wohl noch ein wenig ausprobieren. Eventuell sollte ich anstatt einen Bourbon-Fass gelagerten Whisky zu einem Sherry-Whisky greifen. Auch die Zitrone würde ich beim nächsten mal wohl eher weglassen. Hier muss ich nochmal ein wenig testen.

Insgesamt kann man den MoCo Likör wirklich vielseitig einsetzung und mit ihm sehr viel experimentieren. Speziell bei Cocktails mit Kaffee kommt er super zur Geltung. Auch die Mischung mit dem warmen Apfelsaft liefert ein wirklich großartiges Ergebnis. Auch kann ich mir Cocktails in der Kombination mit Sahne als sehr spannend vorstellen. Daher kann ich Euch als Likörnovize den MoCo wirklich ans Herz legen. Man bekommt einen vielseitig einsetzbaren Likör, der auch pur sehr lecker ist, komplett von Hand und auch noch mit Biomaterialien  hergestellt wird. Und hinter dem MoCo stecken drei Junge Menschen und kein großer unpersönlicher Konzern. Ihr bekommt den MoCo in einigen Onlineshops. Natürlich ist er auch in ausgewählten Einzelhandelsgeschäften erhältlich. Bei uns im Rheinland ist er noch nicht so stark vertreten, aber notfalls kann man ihn auch direkt in Pirmasens ordern. Oder Ihr schaut auf die Website. Dort findet Ihr eine Karte, in der alle Geschäfte und Bars verzeichnet sind, wo man den MoCo-Likör bekommen kann. Des weiteren bekommt Ihr dort noch Informationen zu den Machern des MoCos und die angesprochene ausführliche Cocktailliste. Von dieser habe ich den einen oder anderen Cocktail ausprobiert.

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Disclaimer: Der MoCo Kaffeelikör wurde mir von der Denis Hach, Philipp Hach und Jens Fischer GbR unentgeltlich zum Testen zur Verfügung gestellt. Vielen Dank dafür. Eine inhaltliche Beeinflussung des Textes fand nicht statt.

Infos zum Likör unter www.moco-likoer.de

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Die Bonner White Lady – ein Cocktail aus den 20er Jahren

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Die Weiße Bonner Lady 

Wie Ihr vielleicht mitbekommen habt, bin ich immer auf der Suche nach neuen Cocktails bzw. Cocktailideen. Dabei greife ich gern auf alte Rezepte und vergessene Klassiker zurück. In diesem Beitrag soll es um einen der wichtigsten Cocktail der 20er Jahre gehen, der heute quasi komplett vergessen ist – den White Lady. Obwohl die klassischen Gin-Cocktails im Moment eine große Rennaicance haben, taucht die weiße Lady relativ selten auf. Was meiner Meinung sehr schade ist. Die White Lady ist ein klassischer Sour, der recht einfach herzustellen ist. Zu den Grundbestandteilen gehört nur Gin, ein Orangenlikör häufig Cointreau und Zitronensaft.

Bei diesem Cocktail ist die Herkunft gut belegt und begann mit einem Fehlschlag. Das Originalrezept wurde von dem berümten Barkeeper Harry MacElhone 1919 im Londoner Ciro’s Club erfunden. Der gebürtige Schotte dem man u.a. auch die Cocktails Bloody Mary und Sidecare zu schreibt, kreeirte die erste Lady aus Triple Sec und Creme de Mente. Was damals und auch heute ein wenig komisch anmutet. Er hatte nämlich keine Basisspirituose in seinem Cocktail, der nur aus zwei Likören gemacht wurde. Insgesamt muss er auch nicht so gut angekommen sein. Als er dann 1923 in Paris die berühmte Harry’s New York Bar gegründet hat, erinnerte er sich an seine Cocktailidee. In Anlehnung an seinen Sidebar ersetzte er den Minzlikör durch eine Spirituose, in diesem Fall Gin. Außerdem ersetzte er den Triple Sec durch Cointreau und schon war ein Klassiker entstanden. Richtig bekannt wurde er durch die Aufnahme in einen absoluten Klassiker der Cocktailliteratur – das Savoy Cocktail Book. Dieses wurde von Harry Craddock verfasst, der in seiner Zeit in der Savoy Bar die White Lady mit auf die Karte nahm. Im Laufe der Jahre fügte man neben dem Zitronensaft auch ab und zu Eiweiß dazu, das den Drink noch ein wenig schaumiger machte.

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Methode zum schnellen Abkühlen von Spitzkelchen

Hier das Originalrezept nach Harry MacElhone:

  • 2.5 cl Mente-Pastille
  • 5 cl Triple Sec
  • 2.5 cl frischer Zitronensaft

Ich habe die abgewandelte Version hergestellt. Dabei wird wie oben geschrieben Gin anstatt Mente genommen und die Menge des Orangenlikörs heruntergesetzt. Ihr wundert Euch bestimmt über die Überschrift – was hat das Ganze mit Bonn zu tun. Ich habe als Gin den Bonner Flow Gin genommen. Dieser harmoniert mit seinem Rosenaroma meiner Meinung nach ganz gut mit dem Cointreau.

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Die Hauptzutaten für die Bonner White Lady 

Abgewandeltes Rezept der White Lady:

  • 4 cl Flow Gin
  • 2 cl Cointreau
  • 2 cl frischer Zitronensaft

Die Zutaten auf Eis shaken. Wer will kann auch noch Eiweiß in den Shaker dazu geben. Ich habe mal drauf verzichtet. Dann die Flüssigkeit in ein gekühltes Spitzglas abseihen. Wer will kann auch noch mit einer Zitronenschale das Ganze garnieren. Ein wirklich sehr erfrischender und einfach zu mischender Cocktail, den ich jeden nur an Herz legen kann. Viel Spaß beim Ausprobieren.

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White Lady 

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Glorius Gin von Olivia Williams – Madame Geneva in der Historie Londons

Buchcover: Gin Glorious Gin

Buchcover: Gin Glorious Gin

Heute möchte ich Euch ein besonderes Buch empfehlen. Es geht natürlich mal wieder um Gin. Dies aber eher im übertragenden Sinn, denn es behandelt die Geschichte des Gins und seine Bedeutung im Laufe der Jahrhunderte. Und wer sich ein wenig mit der Wacholderspirituose beschäftigt hat, kennt die wirklich spannende Historie um dieses Getränk. Olivia Williams hat in ihrem Buch diese Geschichte speziell mit dem Epizentrum London verknüpft. So bekommt man quasi zwei geschichtliche Betrachtungen in einem. Jetzt solltet Ihr bloß keine Angst bekommen, sie hat das Buch sehr locker und unterhaltsam geschrieben.

Rund um den Gin kann man wahrlich viele spannende, traurige, teilweise grausame aber auch  interessante und lustige Geschichten erzählen. Beginnend mit der Ankunft in England im 30jährigen Krieg und später mit Wilhelm von Oranien, über die furchtbare Zeit des „Gin Grace“, die viktorianischen Gin Palaces, die Barkultur am Beginn des 20. Jahrhunderts bis zur heutigen Renaissance mit ganz vielen neuen Gindestillen im Herzen der britischen Hauptstadt. Und dabei erfährt man, wie stark der Gin die Geschichte, aber auch die Geschicke der Stadt London beeinflusst hat. Dabei machte der Gin nie an den Standesgrenzen halt. Er war sowohl ein Getränk der Bettler, der Lords, aber auch von Prostituierten und Prominenten und sogar das Königshaus wusste ihn zu schätzen.

Wer sich also einerseits für Geschichte interessiert, gleichzeitig aber noch ein wenig über die kulturelle Bedeutung der Spirituose erfahren möchte, für den ist dieses Buch eine wahre Fundgrube. Mir gefällt besonders, das häufig konkrete Personen und ihr Schicksal im Vordergrund stehen. Und so kommen hier sowohl berühmte Persönlichkeiten wie Dickens oder Churchill genauso zu Wort, wie längst vergessene einfache Bürger, die z.B. dem Gin Grace zum Opfer fielen. Dabei werden Ausschnitte aus Prozessakten, Briefe, Zitate aber auch Gedichte oder Lieder mit aufgeführt. Dies hilft einen, sich ein plastisches Bild der Geschichte zu machen. So war für mich neu, dass die Romantik, zumindest in England, mit einem oder durch einen großen Einfluss von Gin entstand. Einer der großen englischen Vertreter dieser Epoche Lord Byron hat viele seiner Werke unter erheblichen Gineinfluß erschaffen. Eine weitere spannende Anekdote ist, dass Phil Collins sein Musikvideo für „One more Night“ in einem ehemaligen Gin Place aufgenommen hatte. Dies kam dadurch zu stande, das Anfang der 80er Jahre Richard Branson mit seiner Virgin Records den heruntergekommenen Pub „Princess Victoria“ kaufte und als Studio nutzte. Mittlerweile ist die Lokalität komplett restauriert und wird wieder als Bar genutzt. Es ist eines der wenigen Gebäude, das noch viele Merkmale und Ausstattungen eines typischen Gin-Palastes aus der viktorianischen Zeit aufweist. Und natürlich wird auch der aktuelle Ginboom behandelt. Dieser führte unter anderem dazu, dass sich nach vielen Jahrzehnten mit nur noch einer Gin-Destille in ganz London sich wieder neue Gindestillen in der Londoner Innenstadt angesiedelt haben.

Beispielseite Glorious Gin

Beispielseite Glorious Gin

Das hier besprochene Buch ist mal eine andere Form eines Spirituosenbuches. Aber für mich ist es eine absolute Empfehlung. Speziell als Lektüre für Gin-Liebhaber die auch noch geschichtlich interessiert sind. Ich hätte nicht gedacht, dass der Gin eine solch große Bedeutung auf die kulturelle und soziale Entwicklung in England und speziell auf London ausgeübt hat. Ein kleiner Wermutstropfen bleibt, das Buch ist nur auf Englisch erschienen. Mit einem guten Schulenglisch kann man dem Inhalt ohne Probleme folgen. Einzig bei einigen historischen Ausdrücken, müssen bestimmt auch Nativespeaker manchmal das Wörterbuch zu Rate ziehen. Falls Ihr also ein kleines Geschenk für Gin-Liebhaber sucht oder selbst Interesse an dem Thema habt, solltet Ihr Euch das Buch zu legen. Viel Spaß beim Lesen. Das Buch erhaltet Ihr am besten Online auf den bekannten Websites.

Olivia Williams
Gin Glorious Gin: How Mother’s Ruin Became the Spirit of London
319 Seiten
Headline Verlag
ISBN-13: 978-1472215345
Kosten: 8,99 €

 

 

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