Archiv der Kategorie: Single Malt Whisky

Geniale Besichtigungstour in der Ballindalloch Distillery

Ballindaloch Distillery von außen

Wie einige Leser wissen, war ich während meines diesjährigen Sommerurlaubs mal wieder in Schottland. Und dabei habe ich natürlich die Chance genutzt, die eine oder andere Destille zu besuchen. Da ich doch schon einige Destillen von innen gesehen habe, beschränke ich mich meist auf kurze Besuche mit ein paar Fotos von außen oder einem kurzen Stopp im Visitorcenter. Nur bei ausgewählten neuen Destillerien oder besonderen Führungen bzw. Tastings buche ich auch schon mal eine Führung.

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Der wunderbare Innenhof

Die Destille um die es in diesen Beitrag gehen soll, ist einerseits ein wahres Schmuckstück und bietet eine sehr individuelle Führung an. Auf sie gestoßen, bin ich durch die Empfehlung eines guten Freundes. Er hatte die Führung im letzten Jahr mitgemacht und hat mir wärmstens ans Herz gelegt, wenn ich in der Nähe bin, unbedingt die neue Ballindalloch Distillery zu besuchen.

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Ein schöner Willkommensgruss

 

Ballindalloch wird den meisten sehr wahrscheinlich nichts sagen, außer einige Schlossliebhaber kennen den Namen, auf Grund des Schlosses mit identischen Namen. Und es besteht sogar ein direkter Zusammenhang zwischen beiden. Sowohl das Schloss, als auch die Destille gehören der Macpherson-Grant Familie. Zur ungefähren Orientierung: die Destille liegt im Whiskymekka der Speyside, wo fast 2/3 alle schottischen Destillen anzutreffen sind. Man findet Sie ungefähr zwischen den Destillen Glenlivet und Glenfarclas, am Nordöstlichen Rand des Cairgorm Nationalparks.

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Mal keine Porteus Mill – aber trotzdem rot

Wir fuhren an einem verregneten Dienstagmorgen im August zu unserem Besuch zu Ballindalloch. Wir hatten natürlich vorab Kontakt aufgenommen, da es hier kein Visitorcenter gibt und Führungen nur mit vorherigen Anmeldung durchgeführt werden. Von weitem ist schon das tolle, weiße Gebäude mit dem sehr prägnantem Schriftzug zu sehen. Obwohl die Destille erst 2 Jahre alt ist, wirkt das Gebäude und die Anlage viel älter. Was damit zusammenhängt, dass sie in einem 200 Jahre alten und gut restaurierten Farmhaus untergebracht ist. Wir wurden von Brian dem Visitormanager formvollendet empfangen. Neben uns war nur noch ein weiteres Pärchen aus Aberdeen für die Führung angemeldet. Das ist doch schon mal schön, mit nur vier Personen an einer Führung teilzunehmen.

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Brian in seinem Element

Da es recht kühl war und sich Schottland von seiner besten, verregneten Seite zeigte, begannen wir in einem gemütlichen Raum mit einem wunderbaren, zweiten Frühstück. Neben Tee und Kaffee wurden auch noch Plätzchen gereicht. Während wir uns am Tee aufwärmten, erzählte uns Brian ein bisschen was zur Geschichte. Ursprünglich war dies eine recht heruntergekommene Farm. Sie diente als Werbeplattform für den dahinterliegenden Golfplatz. Anfang der 2010er Jahre spielte auf diesem Golfplatz auch ein Whisky-Destillen Konstrukteur. Er meinte mehr zum Spaß, daß man in das alte Farmhaus doch eine Destille bauen könnte. Was eigentlich eher als Scherz gemeint war, nahm Lord Macpherson zum Anlass ein Konzept dazu zu entwickeln. Der Konstrukteur erhielt den Auftrag eine Destille und einen entsprechenden Kostenrahmen zu entwickeln. Und so entstand die Idee und die spätere Umsetzung für die Ballindalloch Single Estate Distillery. Durch Unterstützung der EU und die diversen anderen Projekte des Lords konnte man den Bau in ca. 2-3 Jahren umsetzen.

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Die fünf Wachbacks

Durch die Verbindung der Familie zur Gegend achtete man bei der Renovierung darauf, möglichst nur auf lokale Handwerker zurückzugreifen. Außerdem versuchte man auch möglichst vieles original zu rekonstruieren. Und was sie geschaffen haben, kann sich wirklich sehen lassen.

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Die beiden Stills von Ballindalloch

Dann ging es auf unseren Rundgang. Beim ganzen Gebäude und auch den Anlagen konnte man das Konzept und die Zielsetzung hinter dieser Destillerie erkennen. Man verfolgt ganz klar das Konzept einer Premiumstrategie. Alles ist sehr hochwertig angelegt und qualitativ umgesetzt. Angefangen bei den Brennkesseln bis hin zu den eingesetzten Materialien. Man will sich klar als Qualitätsdestillerie positionieren. Das spiegelt sich auch in der Absicht wieder, erst mit einem gereiften Single Malt an den Markt zu gehen. So wird auch kein New Spirit verkauft und der erste Malt wohl nicht vor 2025 (dann ca. 10 Jahre alter Whisky) abgefüllt werden.  So hat man bewusst auf ein Visitorcenter verzichtet und will nur kleinen Gruppen von wirklich Interessierten die Destille näher bringen. Und ich muss sagen, ich habe selten eine so detaillierte Führung miterlebt. Wir konnten uns alles anschauen und Brian erläuterte uns alle Punkte der Produktion. Wobei er vorher fragte, was für Vorkenntnisse wir mitbringen und was uns besonders interessierte. Auf unseren Rundgang durften wir sogar selbst bei der Whisky/Spiritproduktion Hand anlegen.

So durften wir die Hefe einfüllen. Einer von uns musste die Hefe aus einem Eimer behutsam in den Kessel schütten. Währenddessen musste jemand anderes mit einer Art Stampfer dafür sorgen, dass die Hefe nicht zerklummte. Hat echt Spaß gemacht.

Brian als erfahrener Guide flocht aber auch immer wieder nette Anekdoten und Geschichten beim Rundgang mit ein. So erzählte er uns auch, dass man Prinz Charles und Camilla für die Eröffnung gewinnen konnte. Dies hängt mit den guten Beziehungen der Eigentümerfamilie zur königlichen Familie zusammen. So ist der jetzige Lord auch Page bei der Trauung von Charles und Diana gewesen. Bilder von der Eröffnung und auch eine extra Plakette findet man daher an verschiedenen Orten in der Destille.

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Nach einem Jahr schon im begehrten Club

Von der Kapazität her, ist Ballindalloch eher eine kleine Distillery. Sie besitzen 5 Washbacks aus Pinienholz mit ca. 10.000 Litern max. Fassungsvermögen. Daneben eine Wash Still mit 5.000 Litern und eine Spirit Still mit 3.600 Litern. So dass sie insgesamt ca. 100.000 Liter pro Jahr produzieren. Die 5-6 hier arbeitenden Personen arbeiten nur an 5 Tagen die Woche. Diese Zahlen erklären auch Brians Abneigung gegenüber dem Begriff  Microdestille. Da dieser Begriff häufig eher für einfach ausprobieren bzw. Hobby steht.

Dagegen sehen sich ganz klar als Craftdestille, da doch vieles hier Handarbeit ist ein großes handwerkliches KnowHow vorhanden ist. Außerdem versuchen sie bei ihren Zutaten größtenteils auf lokale Materialien zurück zugreifen. So gehört ja zu den Ballindalloch Unternehmen auch Landwirtschaft dazu und im Umfeld der Destille wir genügend Gerste angebaut.

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Der wiederverwendete Cragganmore Spiritsafe

Nach einer sehr abwechslungsreichen und einer eineinhalbstündigen Tour durch die Produktion kamen wir zum Höhepunkt unserer Besichtigung. Wir kamen in den Tastingroom und kamen uns gleich vor wie in einem Schloss. Hier hat man natürlich auch viele Einrichtungsgegenstände aus dem Schloss verwendet. Da Ballindalloch ja erst seit 2 Jahren produziert und man bewusst auf das Verkosten von New Spirit verzichten musste, haben sie sich etwas anderes überlegt. Brian erzählte uns, das er vorher als oberster Gästeführer bei Glenfiddich tätig war. Dann hatte ihn der Lord angesprochen, ob er die Stelle hier nicht übernehmen möchte.  Er sagte ja, verlangte aber ansprechende  Spirituosen die man Gästen entsprechend der hochwertigen Ausrichtung der Destille anbieten konnte. Aber der Lord konnte mit einem Hinweis auf die Familiengeschichte aushelfen. Dieses Problem konnte Lord Macpherson-Grant  mit einem Hinweis auf die Familiengeschichte lösen.

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Hochherrschaftliche Ausstattung

Die Familie war nämlich in der Vergangenheit schon mehrmals im Whiskybusiness tätig. Einerseits wurde in den frühen 1820 Jahren von einem Vorfahren die heute nicht mehr existierende Delnashaugh Distillery gebaut.  Außerdem gründete sie die Cragganmore Distillery. Diese gehörte der Familie bis in die 50er Jahre. Erst die Steuerschulden eines Vorfahrs des heutigen Lords machte einen Verkauf der Destille notwendig. Trotzdem bekam man das Recht bei Gelegenheit das ein  oder andere Fass aus der Cragganmore Destille zu beziehen. Und diese edlen Tropfen darf man im Rahmen der Führung probieren. Damit ist die Führung in der Ballindalloch Destille quasi die einzige Möglichkeit noch alte Singlecaskabfüllungen der Cragganmore Distillery zu probieren. Lustige Funfact ist, dass der hier verwendete Abercrombie Spirit Safe ursprünglich in der Cragganmore Distillery den Newspirit trennte.

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Einer der Tastingräume

Wir machten es uns in bequemen Ledersofas um einen Kamin gemütlich und starteten mit einem 27 jährigen Cragganmore aus einem Bourbon Cask mit 53,1 % Alkohol. Was ein leckerer Whisky, wunderbar eingebunden und ein wunderbarer Schnüffelwhisky.

Um das Ganze noch zu steigern kam als nächstes ein noch ein Jahr älterer Cragganmore ins Glas. Dieser hatte zwar nur 42,6 % Alkohol – aber das war vollkommen ausreichend. Könnte man doch solche Flaschen noch käuflich erwerben.  Diese Whiskys waren einfach nur wunderbar ausgewogen, mit einem guten Holzeinfluss ohne das er überlagernd gewirkt hätte und extrem lecker.

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Gemütliche Ledersofas zum verweilen

Und um uns endgültig die Nase lang zu machen, gab es zum Abschluss noch einen 29 jährigen Cragganmore ausschließlich im Sherryfass (Oloroso) gelagert. Dies wäre mein Whisky für einen längeren Aufenthalt auf einer einsamen Insel. Bisher kannte ich nur den 14-jährigen Standard, den Destillers Edition und einen von Signatory. Nach diesen Köstlichkeiten hat man auf einmal einen komplett anderen Blick auf die Cragganmore Distillery.

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Die „Teilnehmer“ am leckeren Abschluss

Was ein würdiger Abschluss eines erlebnisreichen Vormittags. Eine absolute Empfehlung für alle die in der Speyside-Region sind. Wichtig ist, vorab sich anzumelden. Die Touren finden nur in Kleingruppen statt und kosten angemessene 35 Pfund pro Person. Dafür bekommt man eine sehr individuelle, sehr ausführliche und unterhaltsame Führung. Zusätzlich wirklich absolut gigantische Whiskys, die man in einem tollen Ambiente genießen kann. Daneben gibt es noch speziellere Touren bzw. Ganztagesworkshops in Whiskyherstellung. Nähere Informationen zur Destille, den Touren und den Kontaktdaten von Brian findet Ihr unter https://www.ballindallochdistillery.com/

Hier noch ein paar Impressionen der Destille:

 

 

 

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Neue Single Malts aus der Sujet-Reihe von whic

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Testbatterie – drei Whiskys der neuen Sujet-Reihe

Heute möchte ich Euch drei neue Single Malt Whiskys vorstellen, die ich vorab probieren durfte. Es geht um drei Abfüllungen des Blogs, Onlineshops und seit 2016 auch unabhängigen Abfüllers whic – Whiskycircle aus Süddeutschland. Der ein oder andere kennt sie bestimmt schon, da sie auch viele interessante Artikel und regelmäßige News rund um das Thema Whisky veröffentlichen. Daneben haben Sie auch schon drei kostenlose und sehr lesenswerte E-Books ebenfalls zum Thema Whisky veröffentlicht – zu schottischen, japanischen und irischen Whisk(e)y. Ich finde auch sehr gut, dass sie nicht nur als Shop auftreten, sondern Ihr Wissen und Know How in ihrem Blog und dem Newsletter an ihre Kunden und Abonnenten weitergeben.

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Testaufbau für das Probieren der Sujet-Reihe von Whic

Aber kommen wir zu den Whiskys. Ich durfte drei schottische Single Malts probieren, die alle in Fassstärke, ungefiltert und ungefärbt sind und jeweils nur aus einem Fass kommen. Wie es sich für einen guten Whisky eigentlich auch gehört. Die drei gehören zu der neuen Reihe „whic sujet“. Die Whisky dieser Reihe fallen erstmal durch die sehr schönen Labels auf. Alle Abfüllungen enthalten Aktstudien der litauischen Künstlerin Ruta Grigaite. Und wie passend ist es, dass man das „flüssige Kunstwerk“ Whisky in eine Flasche mit einem Kunstwerk auf dem Label abfüllt. Die Aktstudien gehören entsprechend zu einer Reihe von Zeichnungen die alle sehr ansprechend sind  und häufig auch einen Bezug zu dem enthaltenen Whisky haben. Aber dazu nachher mehr. Alle drei Whiskys wurden außerdem  am Ende ihrer Lagerung noch einmal für eine bestimmte Zeit gefinisht. Wobei die ersten beiden nachträglich noch in einem Madeira Cask und der dritte Whisky in Sherry Oktave Fässern gelagert wurden. Aber kommen wir nun zu den Whiskys.

  1. Fettercairn Madeira Hogshead Finish 10 Jahre (2006-2017) 52,6 % –
    Whic Sujet I
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Fettercairn 10 Jahre – Sujet I – Quelle: whic.de

Nach 10 Jahren im Bourbonfass gönnte man diesen Whisky noch 9 Monate im Madeirafass. Was ich sagen muss, dem Whisky sehr gut getan hat. Einerseits gab das Fass eine wunderbare Farbe ab, so dass wir nun einen schönen bernsteinfarbenen Whisky haben, anderseits glättete das Fass den Whisky noch ein wenig und gab ihm eine schöne Süsse. Aber fangen wir mit der Nase an. Es kann an den sommerlichen Temperaturen liegen, aber irgendwie erinnert er mich zu Beginn an eine sommerliche Blumenwiese. Ein wenig Kräuter, aber auch Frucht und dezent blumig. Im Antritt sticht er schon ein wenig in der Nase aber das verfliegt nach einer gewissen Zeit. Im Hintergrund denke ich auch Nuss und Karamell zu spüren und mit der Zeit auch ein wenig Zitrusnoten. Der Madeira hat schon eine gute Arbeit geleistet.

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Die erste Probe – Sujet I ein 10 jähriger Fettercairn mit einem Madeirafinish

Im Mund spüre ich auch zuerst die Süsse. Zu Beginn ein ganz sanfter Antritt, der aber zunimmt und gefühlt stärker wird. Der Alkohol ist besonders an der Zungenseite mit Kribbeln gut spürbar. Auch habe ich eine gewisse Bitterkeit, sowie bei manchen Nüssen. Aber da es ja der erste Whisky des Tages ist, muss noch ein zweiter Schluck her. Und jetzt ist er auch schon runder und ich fühle mich an die berühmte Schokocreme aus Alba in Italien erinnert. Sehr schön schoko-nussig und damit es nicht zu süss wird, kommt im Abgang eine gut spürbare Pfeffernote dazu. Man spürt schon den Alkohol noch deutlich, aber das finishen im Madeiracask hat ihn runder gemacht und so wirkt er auch ein wenig älter als seine 10 Jahre.  Dieser Whisky schreit einfach danach ihn auch mit einem Tropfen Wasser zu probieren. Das führt dazu, dass er noch süsser wird. In der Nase ist jetzt die Zitrusnote stärker spürbar und die Nussnougatcreme kommt richtig schön durch. Gefällt mir wirklich sehr gut. Für einen 10 jährigen Fettercairn, wahrlich keine Hypedestille,  ist er sehr schön gelungen. Für Fans von Schoko-Nuss absolut zu empfehlen und mit Wasser kann man auch schön mit ihm spielen. Und mit 59,90 € für die Flasche ein wirklicher Schnapper für eine Singlecaskabfüllung in Fassstärke. Er wurde aus dem Fass mit der Nr. 107660 in 420 Flaschen abgefüllt.

Weitere Informationen: http://whic.de/fettercairn-2006-2017-10-jahre-madeira-finish-whic-sujet.html

  1. Macduff Madeira Hogshead Finish 10 Jahre (2006-2017) 55,0 % –
    Whic Sujet II
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Macduff 10 Jahre Sujet II von Whic Quelle: whic.de

Auch hier wurde das gleiche Vorgehen wie schon beim Fettercairn angewandt. Erst lagerte dieser Macduff für 10 Jahre in einem Bourbon-Hogshead und dann wurde er für ebenfalls für 9 Monate in einem Madeirafass gelagert. Nett finde ich die Anspielung das Labels mit seiner grün-gelblichen Farbe auf die hier gut wahrnehmbaren Zitrusnoten. Die Macher haben sich doch einige Gedanken bei der Label-Gestaltung gemacht. Die hier verwendete Aktstudie erinnert mich persönlich irgendwie an ein Werk von Gustav Klimt. Aber kommen wir auch hier zum Whisky. Hier wurde ein Macduff abgefüllt. Die Destillerie aus Banff ist für schottische Verhältnisse noch relativ jung und produziert fast ausschließlich für die Blendindustrie. Seit einiger Zeit gibt es auch eine Originalabfüllung die unter dem Namen The Deveron vertrieben wird. Außerdem verkaufen sie auch das eine oder andere Fass von unabhängige Abfüller, so dass man ab und zu einen Single Malt von Macduff von einem unabhängigen Abfüller erhält.

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Probe Nr. 2 ein 10-jähriger Macduff mit Madeirafinish

Auch bei diesem Whisky handelt es sich wieder um eine Einzelcaskabfüllung in Fassstärke, ungefiltert und ungefärbt. Aber mit 55 % Alkohol kommt der Macduff noch ein wenig kräftiger daher. Obwohl er in der Nase, trotz des mehr an Alkohol,  bedeutend sanfter als der Fettercairn wirkt. Und obwohl dieser Whisky auch im Madeirafass gefinisht wurde, weist er in den Aromen doch größere Unterschiede auf. Zuerst fällt mir eine gewisse Bitternote auf, die ich aber nicht genau einstufen kann. Dann auch Malz und schöne Fruchtaromen die eher in Richtung von hellen und auch Zitrus- bzw. Südfruchtnoten gehen. Die in den offiziellen Tastingnotes angesprochene Ingwernote konnte ich nicht finden. Kommen wir zum ersten Schluck. Im Vergleich zum Fettercairn bedeutend sanfter, weniger alkoholbetont und zu Beginn eine sehr schöne Süsse, die aber dann ins Bittere umschlägt. Diese mag ich irgendwie gar nicht. Auch wenn eher ungewöhnlich, habe ich sogar das Gefühl ein wenig Schwefel wahrzunehmen. Auch hier ist eine Pfeffernote wahrzunehmen, die aber weniger stark ausgeprägt ist. Und hinten heraus auch noch ein wenig Schoko und im Abgang eine schöne Süße. Hier ist dann auch die von mir wahrgenommene Bitternote nicht mehr so dominant. Versuchen wir das Ganze nochmal mit Wasser. Auch hier steigert sich der Whisky mit Wasser noch etwas. Eigentlich versuche ich jeden Whisky mit Wasser, da der Whisky sich häufig noch ein wenig öffnet. Speziell bei Fassstärkenwhiskys mit höheren Prozentzahlen bietet es sich natürlich noch eher an. Jetzt kommen auch die Schokonoten noch besser raus und das Ganze wird ein wenig süsser. Auch hier hat man es mit einem grundsoliden Malt zu tun. Das Finish im Madeirafass führte hier aber schon zu anderen Noten. Speziell die Zitrusnoten hat man nicht so häufig im Glas. Aber die Bittersten haben mich ein wenig gestört. Es war besonders interessant, die beiden Whiskys hintereinander zu testen. Obwohl dieser nicht ganz so meinen Geschmack traf, isst es eine grundsolide und gelungene Abfüllung. Diese wird auch mit 59,00 € angeboten. Hier wurden insgesamt 400 Flaschen abgefüllt.

Weitere Informationen: http://whic.de/macduff-2006-2017-10-jahre-madeira-finish-whic-sujet.html

  1. Tobermory Sherry Octove Finish 21 Jahre (1996-2017) 48,6 % –
    Which Sujet III
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Tobermory 21 Jahre Sujet III von Whic Quelle: whic.de

Kommen wir zu Whisky Nummer drei. Und wenn man sie alle drei nebeneinander stellt, fällt natürlich zuerst die Farbe auf. Er ist doch bedeutend dunkler, was auf Grund des Alters und des nachträglichen finishen nicht verwunderlich ist. Hier haben wir nun einen Tobermory. Ich sage gleich vorweg, mit dieser Destille stehe ich immer ein wenig auf Kriegsfuß. Ich mag die Insel Mull, Tobermory ist eine wundervolle Stadt und auch die Destillerie ist wirklich klein und knuffig. Aber der Whisky dieser Brennerei egal ob der getorfte oder ungetorfte, von denen ich schon einige probiert habe, überzeugte mich nur in den wenigsten Fällen. Aber ich lasse mich gern eines besseren Belehren, also weitertesten und probieren.

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Probe Nr. 3 ein dunkler Tobermory mit Sherryfinish

Hier haben wir es verglichen mit den ersten beiden mit einem richtigen Senior zu tun. Hier durfte der ursprüngliche New Spirit für 21 Jahre in einem Ex-Bourbon Fass lagern. Nach dieser Zeit kam diesmal aber kein Madeiracask zum Einsatz, sondern ein Sherryfass, eigentlich waren es sogar 3 Fässer. Hier wurden drei sogenannte Sherry-Octavefässer verwendet. Dies sind kleinere Fässer, die einen stärkeren Austausch von Holz zum Destillat fördern. So fassen Octave-Fässer nur so ca. 50 l. Was verglichen mit z.B. einem Hogshead mit 250 l ein bedeutend geringeres Volumen bedeutet. Da diese bedeutend kleiner waren als das ursprüngliche Fass, hat man dieses auf 3 Octaves aufgeteilt. Nach einer mehrmonatigen Lagerung in den Octaves wurden diese drei Fässer dann wieder zusammengefüllt – in Whiskykreisen spricht man von vermählen und dann erst abgefüllt. Auch hier wieder ein sehr geschmackvolles Label ins bräunliche gehend. Ich bin schon gespannt, was ich davon im Whisky wiederfinden werde. Die erste Nase kommt schon sehr schön. Alles rund, wunderbar eingebunden. Ich habe Früchte in der Nase, die schon ins stärker süßliche gehen. Ein wenig wie Dörrobst oder kandierte Früchte. Ebenfalls sind auch ein wenig Leder und auch dezente Tabaknoten wahrnehmbar. Das ist schon eine Nase, der ich mich gerne länger widme. Ein sehr schöner Schnüffelwhisky.

So der erste kleine Schluck – mmmhhh – Schoko, Honig, Süsse, auch Keksnoten und alles wunderbar schmeichelnd. Sehr schön eingebundener Alkohol – hier kommt die Seniorität doch gut durch. Man merkt schön das Holz, das beim Abgang noch stärker wird. Auch ein wenig Trockenheit bleibt übrig, aber alles im Rahmen. Auch ein wenig Kaffee und Kakao bleibt im Mund. Wirklich sehr gut gelungen. Bei seinen 48 % trau ich mich gar kein Wasser dazu zugeben, aber es wird trotzdem probiert. Gefühlt werden die Früchte heller, stärkere Zitrusnoten sind spürbar. Auch Malzsüsse und Kakao kommen stärker zur Geltung. Das Holz und die Trockenheit gehen ein wenig zurück. Auch nicht schlecht, aber hier bevorzuge ich ganz klar die Variante ohne Wasser. Für mich das klare Highlight der bisherigen Sujet-Reihe. Ein wirklich gelungener Tobermory, was ich sehr selten sage. Wunderbar rund und man kann sich länger mit ihm beschäftigen. Die finale Lagerung in den Sherry Octaves hat ihm sichtlich gut getan. Für mich eine klare Empfehlung. Natürlich muss man für 21 Jahre dann doch ein wenig tiefer in die Tasche greifen. Der Tobermory ist für 119 € zu haben. Insgesamt sind von dieser Abfüllung 231 Flaschen herausgekommen.

Weitere Informationen: http://whic.de/tobermory-1995-2017-21-jahre-sherry-octave-finish-whic.html

Zum Schluss kann ich mich nur wiederholen. Eine wirklich interessante neue Serie von Whiskys – die allein schon mit dem Label ein Blickfang in jedem Schrank sind. Aber auch geschmacklich sehr gelungen und empfehlenswert sind. Wer mehr über die Sujet-Reihe oder den Shop bzw. Blog erfahren möchte, kann dies unter www.whic.de  weitere Informationen finden. Allein schon für die Gratis-E-Books seit kurzer Zeit auch eins zu irischen Whiskey lohnt sich ein Websitebesuch.

Disclaimer: Die drei Whiskyproben wurden mir von der whic UG aus München unentgeltlich zum Testen zur Verfügung gestellt. Vielen Dank dafür. Eine inhaltliche Beeinflussung des Textes fand nicht statt.

 

 

 

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D.E.W. & A BREW – Irish Wiskey meets local Beer

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Tasting Pannel – vier Whiskey und vier Bier

D.E.W. and a brew unter diesem Moto veranstaltet Tullamore Dew seit gut 2 Jahren eine Veranstaltungsreihe, bei der die alte irische Tradition Whiskey mit Bier zu trinken, wiederbelebt werden soll. Dafür sucht sich Tullamore jeweils lokale Brauereien aus, bei denen man mit abgestimmten Bieren verschiedene Sorten Tullamore Whiskey kombinieren bzw. neudeutsch pairen kann. Bei der Veranstaltung in Köln, an der ich teilnehmen durfte, wählte man die Gaffel Brauerei. Die Jungs um Braumeister Reiner Radke hatten nur 4 Wochen Zeit, um sich auf diesem Event vorzubereiten. Und was sie da an Bieren hergezaubert haben, war wirklich phänomenal.

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Ort der Veranstaltung das Wirtshaus Spitz in Köln

Zu Beginn war ich ja skeptisch, ich dachte an mein erstes Whisky und Biertasting – hier findet Ihr den Beitrag. Dieses war spannend, aber das Fazit war, allein schmecken die Getränke besser. Aber hier geht es um irischen Whiskey und passend abgestimmtes Bier. Warum also nicht nochmal probieren.  Auch bin ich kein wirklicher Kölschfan, aber Gaffel hatte ja schon mit dem Sommerhopfen gezeigt, dass sie auch neben dem Kölsch andere Biere machen können. Aber was hier das Gaffen-Team geboten hat, zeigt was alles möglich ist. Innerhalb so kurzer Zeit vier hervorragende Biere und diese passend auf die Whiskeys abgestimmt, das ist wirklich Handwerkskunst.

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Das urgemütliche Wirtshaus Spitz

 

Die Veranstaltung fand an einem Montag Abend im Brauhaus Spitz, welches zu Gaffel gehört, statt. Ca. 30 Personen aus der Blogger- und Spirituosen- und Getränkeszene waren anwesend. Durch den Abend führte gut gelaunt und charmant der Global Brand  Abmbassador von Tullamore Dew John Quinn. Begleitet wurde er vom Braumeister und Biersommelier Reiner Radke von der Gaffel Brauerei. Als Grundlage gab es sehr leckere kölsche Tapas, die bei der Kombi Bier und Whiskey gut angebracht waren. John ein Urgestein der irischen Whiskyinsdustrie, immerhin arbeitet er schon seit 1974 hier, begann mit seinem Vater und Großvater.

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Braumeister Radke beim konzentrieren Zapfen

Für sie war es das normalste der Welt ihren Whiskey mit einem Bier, damals natürlich fast immer Guinness, zu trinken. So ist die Idee zu dieser Veranstaltungsreihe entstanden. Außerdem sind ja Whiskey und Bier enge Verwandte – zumindest durchlaufen sie die ersten Herstellungsschritte gemeinsam.

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Die heutige Tastingauswahl an Whiskey

Begonnen haben wir mit dem Standardblend von Tullamore. Den ich natürlich schon kannte, aber schon sehr lange nicht im Glas hatte. Ein wirklich schöner leichter, man kann fast Sommerwhiskey sagen. Schöne Zitrusnoten, ein wenig grüner Apfel und schön cremig. Nach einem kurzen Probeschluck, zeigte uns John das richtige Vorgehen. Zuerst einen kleinen Schluck Whiskey – kurz die Geschmacksnoten merken, dann einen Schluck Bier drauf – wieder die Veränderungen merken und dann noch mal einen Schluck

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Die vier verkosteten und sehr gelungenen Gaffel-Biere

Whiskey. Es war faszinierend wie sich der Geschmack veränderte. Man kennt das ja schon beim Mischen mit Wasser. Da das Bier auch noch Eigengeschmack mitbringt, vervielfachte sich die Geschmacksveränderung. Auf einmal wurden manche Noten verstärkt, es kamen neue dazu, andere waren weg. Den ersten Whiskey tranken wir mit einem Gaffel Pale Ale. Dieses war wie alle anderen Biere frisch vom Fass gezapft. Das Gaffel Pale Ale  brachte durch seine Hopfung schöne Fruchtaromen mit und die Kombination mit dem Whiskey war super gelungen. Man hatte einen Fruchtcocktail mit grünen Äpfeln und Zitrusnoten im Mund – einfach genial.

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John Quinn beim Vortrag

Reiner Radke teilte uns mit, dass alle Biere obergärig gebraut und kaltgehopft wurden. Neben dem Pale Ale gab es noch ein Brown Ale, ein Sweet Stout und ein Porter. Die für die kurze Herstellungszeit überaus gelungen waren und denen zu wünschen ist, irgendwann auch mal in größere Produktion zu gehen. John lieferte und dann natürlich noch etwas zu den Whiskeys und erklärte uns, dass bei diesen die Drei  eine große Rolle spielt. So werden alle Whiskeys, wie für irische Whiskeys typisch, dreifach destilliert. Bis auf den Single Malt sind alle tripple blended, d.h. neben Maltwhisky, Grainwhisky wird auch Potstill eingesetzt. Außerdem lagern sie in drei unterschiedlichen Fässern. Einerseits in Ex-Bourbon, anderseits aber auch in Ex-Sherry- und ungewöhnlicherweise auch in Ex-irishwhiskey Fässern.

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Mit kölschen Tapas wurde für eine ordentliche Grundlage gesorgt

Die zweite Kombination war der Tullamore 12 Years Special Reserve zusammen mit einem Brown Ale. Das Brown Ale kam mit 5,6 % Alkohol daher. Hatte eher eine milde Bitterung von unter 30 IBU und eine schöne Schokonote. Die in Kombination mit dem Whiskey nochmal hervorgehoben wurde. Trotzdem muss ich sagen, dass dies für mich die schwächste Kombination des Abends war. Allein getrunken waren beide Getränke  gut, aber die Kombination war für mich irgendwie nicht passend. Weiter ging es zu meinem Highlight des Abends. Als Whiskey gab es einen 14 jährigen Singlemalt. Das Besondere an ihm war, er wird zuerst für 13 1/2 Jahre in  Ex-Bourboncasks gelagert. Danach wird der Whiskey in drei Teile aufgeteilt. Ein Teil wird für 6 Monate im Sherryfass, ein anderer Teil für 6 Monate im Port- und der dritte Teil ebenfalls für 6 Monate im Madeirafass gefinisht. Dann im Anschluss werden alle drei Teile wieder gemeinsam miteinander vermählt. Was für eine wunderbar, weiche Fruchtbombe. Ich muss sagen ein wirklich gelungener Whiskey der für seine 14 Jahre als Single Malt ein absoluter Preis-Leistungssieger ist. Dazu gab es ein sehr leckeres Sweet Stout. Hier kamen unterschiedliche Malze zum Einsatz. Neben Wiener Malz, Karamellmalz auch getoastetes Malz. Dies führte einerseits zu einer schönen dunkelbraunen Farbe und herrlichen Kaffee- und Kakaonoten. Außerdem wurde deutscher Hopfen und Barley Wine Hefe eingesetzt. Wenn schon die einzelnen Getränke jedes für sich gut waren, dachte man bei der Kombi – die müsste so zusammen verkauft werden. Wunderbare Schokonoten gepart mit Orangennoten – ich fühlte mich in meine Kindheit mit Jaffakeksen zurückversetzt.

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Der Drinklaborant beim D.E.W. and a Brew

Den Abschluss bildete auch noch mal eine besondere Mischung. Als Whiskey kam der Tullomore Phoenix mit 55 % Fassstärke zum Einsatz. Der Phoenix spielt für die Stadt Tullamore eine bedeutende Rolle. So stürzte 1785 der Sohn des Lords mit einem Heißluftballon ab. Dieser hatte zu seinem 21. Geburtstag eine Fahrt mit einem, damals noch sehr unbekannten Flugobjekt geschenkt bekommen. Beim Start rammte er den Schornstein einer Fabrik und entfachte einen Brand, der fasst die gesamte Stadt in Schutt in Asche legte. So kann sich Tullamore „rühmen“ der Ort mit dem ersten Luftverkehrsunsfall zu sein. Außerdem wurde der Phoenix nach dem Wiederaufbau Teil des Stadtwappens. Und als die Tullamore Destillerie nach über 60 Jahren wieder vor ca. 3 Jahren errichtet wurde, musste natürlich eine Spezialabfüllung mit dem Namen Phoenix auf dem Markt gebracht werden. Dazu gab es ein extrem süsses Porter. Bei vielen Teilnehmern kam die Assoziation mit Malzbier auf. Auch hier kam Barley Wine Hefe zum Einsatz, die zu einem kräftigen Alkoholgehalt von 7,2 % führte. Auch diese beiden Getränke passten gut zusammen, waren aber mir in der Kombination zu süss. Da sie sich beide gegenseitig unterstützten. Trotzdem kann ich mir vorstellen, dass diese Kombination bei vielen sehr gut ankommen könnte.
Nach dem Tasting bietete sich noch die Gelegenheit mit den beiden Referenten, aber auch mit den anderen Zuhörern sich auszutauschen. Ein wirklich gelungener Abend mit tollen Whiskeys, genialen Bieren und gelungenen Pairings. Jetzt wünscht man sich nur noch, dass man diese Biere zukünftig auch mal kaufen kann, um so zu Hause oder in der Kneipe seines Vertrauens ein D.E.W. AND A BREW zu genießen. Auf diesem Weg möchte ich mich sowohl bei Tullamore D.E.W. Und der Gaffel Brauerei für eine sehr gute und aufschlussreiche Veranstaltung bedanken.
Weitere Information zu Tullamore D.E.W. Findet Ihr hier

Weiter Informationen zur Gaffel Brauerei findet Ihr hier.

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Die wiederentstandene Destille – Besuch bei Annandale

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Am Eingang zu Annandale

Nach langer Zeit bin ich endlich wieder dazu gekommen, einen neuen Artikel zu veröffentlichen. Wie einige von Euch auf meinen Sozialen Medien gelesen haben, war ich Ende März/Anfang April mal wieder in Schottland. Schwerpunkt war diesmal mit Freunden zusammen nochmals die Insel Islay  zu besuchen. Wer will, kann hier nochmal die Berichte von meinem letzten Aufenthalt im November 2015 lesen. Diesmal waren wir mit eigenem Auto unterwegs. Da wir mit der Fähre über Newcastle angereist sind, bot es sich an, bei der „neuen“ Destille Annandale einen Stopp zu machen. Und was wir da gesehen haben, war so unglaublich pittoresk und gut restauriert, dass wir uns trotz knapper Zeit spontan zu einer Führung hinreißen ließen. Die Anandale Destillerie liegt in den Lowlands und kann auf eine lange Geschichte zurückblicken. Hatte ich nicht oben von der neuen Destille gesprochen. Richtig, denn das besondere an Anandale ist, dass es sie ursprünglich seit 1924 nicht mehr gibt. Und erst in 2014 gab es eine Wiedergeburt.

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Das Visitorcentre

Die Geschichte soll sich wie folgt zu getragen haben. Gegründet wurde sie 1830 von George Donald.  Sie hatte unterschiedliche Besitzer und ab 1893 gehörte sie zum Getränkeriesen Johnny Walker. Obwohl eine Lowland-Brennerei produzierte sie schon damals getorften Whisky. Dies hing damit zusammen, dass die Gegend um Annan reich an Torfvorkommen ist. Und warum nicht auf die Rohstoffe vor der Haustür zurückgreifen. So bildete der Whisky von Annandale in der damaligen Zeit einen Teil des Johnny Walker Whisky.

Version 2

Der Plan der ursprünglichen Destile um 1900

Im großen Destilleriesterben in den 20er Jahren musste auch Annandale seine Tore schließen. Einzig die vorab schon existierende Farm blieb weiter bestehen und nutzte teilweise die Gebäude. Das Schicksal vieler dieser „verlorenen“ Destillen wird  in dem sehr empfehlenswerten Buch „Scotch Missed: Lost Distilleries of Scotland“ beschrieben. Dies hat auch Professor David Thomson gelesen und sich Mitte 2007 zu den Ruinen von Anandale begeben. Er hatte sich gleich in den Ort und die historischen Bauten verliebt. Speziell der Kiln war für seine lange Nichtnutzung noch recht gut erhalten. Und so entstand die Idee diese Destille an seiner ursprünglichen Stelle wieder zu beleben. Er kaufte das Gelände und nach einigen Jahren der Planung wurde ab 2011 mit dem Wiederaufbau  begonnen. Am 15.11.2014 war es dann soweit. Der erste New Spirit floss nach über 80 Jahren aus den Stills der Anandale Destillerie.

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Die Destille im heutigen Zustand

Und was für ein Schmuckstück sie hier (wieder)geschaffen haben. Schon bei Ankunft im Visitorcenter ist man beeindruckt von dem Gemäuer. Besonders fallen die ausgefallenen Holzmöbel ins Auge. Diese sind alle irgendwie ungerade eckig, als hätte jemand eine Viereck-Phobie. In diesen gemütlichen Räumlichkeiten kann man auch sehr gut essen und auch schon erste Whiskydevotionalien kann man käuflich erwerben.

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Die Destille vor dem Wiederaufbau

Auch der Auslöser für den Wiederaufbau, das Buch der verlorenen schottischen Destillen ist mittlerweile in seiner 4. Auflage, mit der wiedereröffneten Annandale Destille hier zu bekommen. Nach einer kleinen Stärkung bekamen wir drei eine Privatführung. Wir starteten im Innenhof. Hier lies Prof. Thomson mit Unterstützung der Uni Glasgow archäologische Ausgrabungen vornehmen. Nun kann man dort die alten Standplätze der Stills und die darunterliegenden Gänge zur Befeuerung erkennen.

Die archeologischen Ausgrabungen

Archäologische Ausgrabungen

rBei herrlichen Sonnenwetter erklärte unser Führer James einiges zur Geschichte der Destille. Auch zeigte er uns Bilder der Brennerei vor der Renovierung. Danach war unsere Bewunderung noch größer. Der Haupteingang befindet sich direkt unterhalb des Kilns. Dieser ist zwar restauriert, wird aber leider nicht mehr genutzt wird. Hier ist jetzt der Empfangsraum und ein großes Treppenhaus zur Destille. Hier hat man in Zusammenarbeit mit einem lokalen Kunsthandwerker einem ausgefallenen Handlauf installiert. In der eigentlichen Destille übernahm dann Caroline das Zepter und führte uns durch die einzelnen Etappen der Whiskyherstellung.

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Die Washbacks

Auch bei der Ausstattung griff man teilweise auf alte Schmuckstücke zurück. So fand hier die alte Mühle der geschlossenen Caperdonich Destille, eine Porteus Mill aus den 60er Jahren, eine neue Heimat. Neben einer Mash tun gibt es sechs Wash backs natürlich aus Holz. An jedem Tag der Woche wird ein anderer Wash back genutzt. Nur am Sonntag wird nicht produziert.

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Stills mit einem Spiritsafe

Insgesamt arbeiten hier 5 Mitarbeiter. Im hinteren Bereich sieht man einen Wash Stil und zwei Spirit Stills. Da man hier sowohl getorfte, als auch ungetorften Alkohol produziert, hat man getrennte „low wines“ und „spirit receiver“. So kann es nicht zu Vermischungen kommen. Insgesamt stellen Sie pro Jahr ca. 100.000 l Alkohol her. Dabei jeweils 50.000 l getorften und 50.000 l ungetorften.

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Wir werden im Fasslager erwartet

Am Ende der Tour durften wir auch einen Blick in ein Warehouse werfen. Dort bekamen wir einen ersten Eindruck von den zukünftigen Whisky. Es gab je eine Probe eines ungetorften und eines getorften New Spirit. Diese tragen die schönen Namen Man o´Word (ungetorft) und Man o´Sword (getorft). Beide haben einen Bezug zu historischen Personen. So steht der mit einer Feder versehene Man o´Word für den schottischen Nationaldichter Robert Burns. Dieser war u.a. auch Annan als Whisky-Steuereintreiber tätig und wird wohl die Destille mehrere Male besucht haben. Der getorfte Whisky mit einem Schwert im Logo hat einen Bezug zu Robert the Bruce. Die beiden New Spirits waren schon recht vielversprechend. Besonders der getorfte Man o´Sword kann schon mit einigen jungen, wilden von Islay mithalten. Leider beziehen sie den Torf nicht mehr aus der Gegend, sondern bekommen ihn von weiter nördlich. Die beiden New Spirits konnte man als Sample auch käuflich erwerben. Diese sind in ihrer Aufmachung und im Design recht ungewöhnlich und fallen in jedem Regal sicherlich auf. Auch die Möglichkeit zum Fasskauf besteht bei Annandale noch. Leider ergab sich aber keine Möglichkeit, einen der gelagerten Spirits zu probieren. Aber eventuell kann man in diesem Jahr im November den ersten echten Whisky von Anandale kosten.

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Die New Spirits im auffälligem Flaschendesign

Ich bin sehr gespannt, wie sich diese kleine unabhängige Destille entwickeln wird. Ich kann nur jeden empfehlen, der in der Gegend oder auf dem Weg nach Glasgow (von Newcastle) ist, einen Abstecher zu Annandale zu machen. Die Anlage ist wirklich toll restauriert und liegt wirklich idyllisch. Mir geht bei solchen kleinen und engagierten Destillen immer das Herz auf. Ich drücke den Leuten von Annandale wirklich die Daumen und freue mich schon auf spannende Whiskys.

Wer mehr über Annandale, Öffnungszeiten und die Anfahrt erfahren möchte, kann hier nach schauen. www.annandaledistillery.com

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Der zweite Spiritsafe

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Ein außergewöhnliches Tor

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Eines der alten Lagerhäuser

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Zu Gast im Schwanen Wermelskirchen

Drinklabor_Schwanen6Wie Ihr Euch vielleicht noch erinnern könnt, war ich im letzten September im Hotel „Zum Schwanen“ bei einem tollen Whiskydinner. Dieses Jahr im Juni durfte ich an einem Tag der offenen Tür  – unter dem Motto „Freunde zu Gast im Schwanen“ sogar selbst mit einem aktiven Part teilnehmen. Natürlich ging es dabei um Getränke, aber dazu weiter unten mehr. In den letzten Wochen wurde im Restaurant viel erneuert und umgebaut. Nach Abschluss der Arbeiten dachten sich Christian Warnke und sein Team, diesen Anlass zu nutzen und sowohl Stammkunden als auch neue Interessenten ins Hotel Zum Schwanen einzuladen. Dabei lag natürlich der Schwerpunkt auf kulinarischen Genüssen. Daneben kamen aber auch kulturelle Aspekte nicht zu kurz. Für die Veranstaltung wurde das ganze Haus genutzt und die Gäste konnten sich überall umschauen und an den unterschiedlichen Ständen probieren oder sich beraten lassen.

Bei der Auswahl der Angebote wurden natürlich auch die Partner und Lieferanten mit einbezogen. So gab es einen Stand des Hausbierlieferanten, der Brauer Engel aus dem fränkischen Crailsheim. Und wie es sich für eine Biermanufaktur gehört, sind sie gleich mit 15 verschiedenen Bieren angetreten.

Bierdemonstration der Brauerei Engel

Bierdemonstration der Brauerei Engel

Daneben war auch die Firma Brogsitter, aus Grafschaft bot unterschiedliche Weine zum probieren an und auch die Metro war mit einem Cocktailstand vertreten.  Mein Freund Oli und ich boten im hinteren Gastrobereich eine kleine Spirituosen-Einführung. Dabei beschränkten wir uns auf Whisky oder besser gesagt Single Malt und Gin. Bei der Auswahl orientierten wir uns eher daran Anfängern einen guten Überblick über die verschiedenen Geschmackscharakteristika zu bieten.

Der Probiertisch

Der Probiertisch

So haben wir beim Whisky versucht die klassischen Regionen und damit die unterschiedlichen Geschmacksprofile abzudecken. Daneben gab es auch noch mit dem Monkey Shoulder einen guten Blend und auch ein Irischer Whisky war vertreten. Ebenso haben wir beim Gin versucht eine große Bandbreite an unterschiedlichen Arten anzubieten.

Whisky- und Gin Impressionen

Whisky- und Gin Impressionen

Angefangen beim Mascaro Gin 9 mit nur einer Zutat, nämlich Wacholder, über klassische London Dry Gins, wie dem Tanqeray bis hin zu den neuen New Western Style Gins, die mit dem Nordes Atlantic Gin vertreten war. Und als kleines Gimmick sogar noch einen Raspberry Gin von Edinburgh Gin, womit man auch die eine oder andere Dame von Gin überzeugen konnte.

Das Fischbuffet

Das Fischbuffet

Schwerpunkt des Abends waren natürlich die verschiedenen Essenstationen, an denen man sich durch ganz viele spannende Gerichte durchprobieren konnte. Leider konnte ich mich, auf Grund meiner Aufgabe, nicht allen Ständen in der ihnen gebührenden Zeit und Tiefe widmen. Daher nur ein kleiner Auszug meiner Eindrücke. Da war erstmal der Fischstand, der schon allein optisch ein Hingucker war. Hier konnte man eine extrem leckere Fischsuppe, aber auch frische Austern – natürlich die Sylter Royal – probieren.

Königliche Austern - die Sylter Royal

Königliche Austern – die Sylter Royal

Im unteren Bereich in der Nähe zu unserem Raum gab es Onseneier. Nach dem Hinweis auf Japan, konnte ich mich auch wieder an meinen Aufentahlt auf Kyushu und den Begriff Onsen, gleichbedeutend mit heißer Quelle, erinnern. Bei dieser japanischen Zubereitungsform gart man die Eier mittels Niedergarmethode für über 1 1/2 h und bekommt eine Art super schlotziges Ei ähnlich einem porchierten Ei. Dazu gab es Spinat und eine extrem, leckere Kartoffelcreme. Und als Krönung noch ein wenig geriebenen Trüffel darüber. Ein so einfaches aber lecker geniales Gericht. Kindheitserinnerungen in Highendform.

Onsenei mit Spinat an Kartoffelschaum

Onsenei mit Spinat an Kartoffelschaum

Eine weitere Station war direkt in der Küche. Wann darf man schon als Gast eines Restaurants mal direkt in die Küche laufen. Dort befand sich die Burgerstation. Hier konnte man seinen eigenen kleinen Miniburger bauen. Am Grill wurde das Patty nach persönlichen Wunsch gebraten und auf eine Minibrötchenhälfte gelegt. Und dann konnte man mit diversen Zutaten nach Herzenslust seinen Burger belegen. Einzig die Physik setzte der Phantasie mancher Gäste ein paar Grenzen.

Aber nicht nur für das leibliche Wohl wurde gesorgt. Der Wermelskirchener Journalist und Stadtführer Horst Rosen hielt zweimal einen Vortrag über die bewegte Geschichte des Hauses und zeigte die starke Verbindung mit der Stadt Wermelskirchen. Anschließend gab es noch ein tolles Konzert mit Jacky Elaine, welches super gewesen sein muss. So haben es mir einige Gäste zu mindestens erzählt. Am späteren Abend verlagerte sich das Geschehen dann auch weiter zu unserem Stand. Neben den verschiedenen Whiskys und Gin trug natürlich das später neben an aufgebaute, riesige Dessertbuffet bei.

Das Desertbufett

Das Desertbufet

Aber auch unsere Spirituosen und die Möglichkeit nebenan, mittels Roulette Gutscheine zu gewinnen, führten zu weiteren Andrang. Es machte uns richtig Spaß besonders Menschen, die groß noch keine Berührung zu Whisky und/oder Gin hatten, von den Destillaten zu überzeugen. So bildete sich beim Whisky die schon bekannte „Torfgrenze“ heraus. Die einen die alles rauchig oder torfig strickt verweigerten und die anderen denen es nicht rauchig genug sein konnte.

Was zeichnet einen guten Whisky aus!

Was zeichnet einen guten Whisky aus!

Auch beim Gin waren die Leute am späteren Abend experimentierfreudiger. Da wir das Ganze als Tasting ausgestaltet haben, mussten zu Beginn alle Interessenten zumindest einen kleinen Schluck des Gins pur genießen. Dies sollte ihnen ein besseres Geschmacksprofil des Gin zeigen, damit sie überhaupt erstmal einschätzen konnten, wie und ob dieser ihnen schmeckte. Aber wir hatten natürlich auch Tonic. Darüberhinaus gab es zum Verfeinern der Gin & Tonics noch diverse Gewürze, Gemüse und Zitrusfrüchte. Nach anfänglichem Zögern wurde ausgiebig experimentiert, welches Gewürz am besten zu diesem Gin passt. Oder soll es doch eher die Gurke oder die Limette sein. Ab und zu musste man die Leute sogar bremsen, keine ganze Gewürzmischung und einen Obstsalat in ihr Getränk zu geben.

Gin und Gemüse

Gin und Gemüse

Zum Abschluss kann ich nur sagen, es war eine gelungene Veranstaltung des Schwanen. Was Christian und sein Team dort auf die Beine gestellt hat, war absolute Klasse. Wir hatten sehr viel Spaß an dem Abend und auch die Gäste, die bei uns waren, kamen aus dem Schwärmen nicht mehr raus. Und da alle von diesem Konzept begeistert waren, soll es auch in gut 1 bis 1 1/2 Jahren wiederholt werden. Ich freue mich schon drauf, wenn ich wieder dabei sein darf. Informationen zu Öffnungszeiten, Veranstaltungen und Zimmerpreisen findet Ihr unter  zumschwanen.com. Wer noch ein paar Bewegtbilder der Veranstaltung sehen möchte, kann diese auf ihrer Facebook-Seite unter diesem Link finden.

Stimmungsvolle Gingewürze

Stimmungsvolle Gingewürze

Eine einsame Destille

Eine einsame Destille

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Whiskymessen – Tipps für den ersten Besuch

imageWie viele von Euch interessiere ich mich für Whisky, im speziellen Single Malt Whisky. Wenn man sich länger mit dem Thema beschäftigt, will man auch mal auf eine Whiskymesse gehen. Und meist ist man komplett überfordert. Da es auch mir am Anfang ähnlich ging, will ich in diesem Beitrag ein paar Tipps geben, damit der erste Messebesuch ein schöner wird. Durch das zunehmende Interesse an Whisky ist die Anzahl der Whiskymessen in den letzten Jahren schon unübersichtlich geworden. Und es gibt fast keine Gegend in Deutschland wo nicht im Umkreis von 100 km die ein oder andere Messe stattfindet. Für den Anfang würde ich erstmal eine kleine, lokale Messe empfehlen. Denn bei den Großevents wie der Whiskyfair in Limburg, der Aquavitae in Mühlheim, der Finest Spirits in München oder der Interwhisky in Frankfurt ist man als Neuling vom Angebot leicht überfordert. Die meisten Messen funktionieren so, dass Ihr an der Kasse mit dem Eintritt ein Tastingglas erhaltet. An den Ständen gibt es dann häufig Preislisten für ein Glas oder die ganze Flasche.

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Aber auch bei kleineren Messen kann einen das Angebot leicht überfordern, daher kann man mit ein wenig Planung den Überblick und das Messevergnügen noch ein wenig steigern. Dies hilft z.B. überhaupt reinzukommen, das richtige Tasting zu buchen oder den gesuchten Whisky mit nach Hause zu nehmen. Häufig gehen die Whiskymessen über mehrere meist zwei Tage. Je nachdem wo die Messe stattfindet, sollte man auch eine Übernachtung mit einplanen. Da eine lange Fahrt egal ob mit Auto (natürlich nicht Ihr selbst) oder Zug nach einem Messetag schon recht lang werden kann. Wenn Ihr nur einen Tag hingehen wollt, überlegt vorher ob Euch ein größerer Andrang an Leuten stört. Da besonders der Samstag immer bedeutend besser besucht ist, als der Sonntag. Als nächstes solltet Ihr Euch Tickets besorgen. Die meisten, zumindest mir bekannten Messen bieten einen Vorverkauf der Tickets an. Dies kann ich jeden nur ans Herz legen. Einige Messen haben auf Grund der Platzverhältnisse nur eine bestimmte Anzahl an Karten und dann kann es am Messetag auch schnell ausverkauft sein.  Außerdem spart man sich dann auch noch das Anstehen an der Tageskasse. Des weiteren bieten viele Messen auch schon im Voraus die Möglichkeit Verkostungen zu buchen. Und speziell bei besonderen Abfüllungen oder bekannten Präsentatoren sind diese schnell ausverkauft. Außerdem kann ich empfehlen, dass Ihr nicht unbedingt den letzten Termin buchen solltet, speziell wenn man schon von Beginn an auf der Messe ist. Nachdem Ihr also die Karten und Tastings reserviert habt, nutzt Ihr die Website der Messe, um Euch über die Aussteller zu informieren. Die Messen die ich überwiegend besuche, sind von sogenannten Unabhängigen Abfüllern dominiert. Aber auch die Destillen selbst sind teilweise selbst oder durch Vertreter vor Ort. So kann man sich im Vorhinein über neue Abfüllungen informieren und sich eine Liste erstellen, was man probieren möchte. Hier die Empfehlung weniger ist mehr. Außerdem habt Ihr mit dieser Liste eine gute Grundlage nicht um nicht sofort überfordert zu sein. Ausserdem vergesst Ihr keinen Whisky, den Ihr unbedingt probieren wolltet. Ich arbeite dann zu Beginn immer erst kurz meine Liste ab und habe dann die Zeit, mich einfach treiben zu lassen. Auch habe ich die Erfahrung gemacht, die guten und teuren Tröpfchen, wenn Ihr  sie nicht versampelt, diese relativ früh zu trinken. Denn zu einem späteren Zeitpunkt ist der Geschmacksapperat schon so in Anspruch genommen, dass man nicht wirklich Nuancen erschmecken kann. Was die Reihenfolge angeht, empfehle ich wie bei Tastings erst mit den weniger intensiven und alkoholbetonten Whiskys zu beginnen.

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Jetzt möchte ich dazu kommen, was ich empfehle mitzunehmen, wenn Ihr zum ersten mal auf eine Whiskymesse geht. Zuerst natürlich ausreichend Neugier und Entdeckerdrang. Dann ist es ganz wichtig, ausreichend Wasser dabei zu haben. Immer mehr Messen bieten zwar kostenlos Wasser an, aber es ist immer noch nicht Standard. Und um gut durchzuhalten, sollte mindestens ein bis zwei Glas Wasser pro Dram getrunken werden. Da Ihr vielleicht den ein oder anderen Whisky probieren wollt, aber dies nicht an einem Tag machen solltet, bieten sich Samples an. Ich finde speziell bei Abfüllungen, die ich unbedingt genauer prüfen möchte, nehme ich diese lieber als Sample mit. So kann ich zu Hause ohne Ablenkungen und vorher getrunkenen Whisky das Stöffchen ganz unvoreingenommen und intensiver probieren. Es ist auch kein Problem bei Ständen oder auch bei Tastings sich den Whisky abfüllen zu lassen. Um es den Leuten nicht zu schwer zu machen, nehmt noch einen kleinen Trichter mit. Besonders wenn Ihr z.B. bei Tastings selbst abfüllen müsst, ist er sehr hilfreich. Damit Ihr danach wisst, was in den Samples drin ist, am besten auch gleich Aufkleber mitnehmen. Wenn Ihr schon vorher wisst, was abgefüllt werden soll, kann man diese sogar schon vorab bedrucken. Natürlich solltet Ihr auch Euren Plan nicht vergessen. So wisst Ihr zu welchen Stand Ihr gehen wollt und was für Whiskys es dort gibt. Was ich besonders praktisch finde, sind Glashalter. Mit denen könnt Ihr das am Eingang erhaltene Glas umhängen. Diese Bänder bekommt Ihr häufig auf Whiskymessen oder im Internet. So braucht Ihr Euer Tastingglas nicht die ganze Zeit in der Hand tragen. Apropos tragen, verzichtet am besten auf einen Rucksack. Erstens besteht dabei immer eine erhöhte Gefahr des Diebstahls. Und zweitens vertragen sich große Rucksäcke, viele Menschen und Stände mit Flaschen eher weniger. Eine Umhängetasche leistet dabei häufig bessere Dienste.

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Wichtig ist natürlich auch mit einer gehörigen Portion Neugier und Interesse an eine solche Messe heranzugehen. Also auch mal zu Euch total unbekannten Abfüllern zu gehen und nach Tipps und Empfehlungen fragen. Da kommen immer die besten Erlebnisse und Eindrücke raus.

Zum Abschluss gibt es noch ein paar Messen, die ich selbst schon besucht habe und auf jeden Fall empfehlen kann.

Messenname                                 nächster Termin                   Ort                               Weitere Infos/Website

Just Whisky                                   28.05. – 29.05.2016           Oberhausen               www.justwhiskyoberhausen.de

Aquavitae                                       29.10. – 30.10.2016            Mühlheim                  www.whiskymesse.eu

Finest Spirits                                 03.02. – 05.02.2017           München                    www.finest-spirits.com

Whiskymesse Rhein/Ruhr         01.04. – 02.04.2017           Düsseldorf                  www.whisky-messe-rheinruhr.de

Whisky Fair                                   23.04. – 24.04.2017           Limburg                      www.festival.whiskyfair.de

 

Die oben aufgeführten Messen sind von meiner Seite alle zu empfehlen und geben einen schönen Überblick auch für Whiskyanfänger. Daneben gibt es eine Vielzahl weiterer Messen und Veranstaltungen die sich hauptsächlich der nur teilweise dem Thema Whisky verschrieben haben. Einen sehr umfangreiche Liste habe ich unter messen.de gefunden. Jetzt bleibt mir nur Euch viel Spaß beim nächsten Besuch einer Whiskymesse zu wünschen. Und immer daran denken, das wichtigste ist Spaß zu haben.

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Whiskyparadies in Lissabon

Drinklabor_Whisky_Lissabon1Im Rahmen unserer Osterreise nach Lissabon musste ich natürlich auch schauen, ob es hier nicht auch ein Ort für mich als Whiskyconnoisseur gibt. Und nach einigem Suchen im Netz bin ich auf Whisky & Co im Lissabonner Norden gestoßen. Durch einen Tipp bekam ich auch den Hinweis, nach der privaten Kollektion zu fragen. Whisky & Co liegt ein wenig außerhalb, ist aber gut mit der Metro erreichbar. Von der Haltestelle Entre Campos (gelbe Linie) braucht man nur ca. 300 m bis zur Rua Visconde de Seabra 12-C zu laufen. Von außen wirkt der Laden recht unscheinbar. Das Angebot ist ganz gut sortiert. Natürlich viele Standards und auch die in Portugal noch gern genommenen Blended Whiskys. Verglichen mit deutschen Whiskypreisen sind die Flaschen ein wenig teuerer. Die Aufmachung des Ladens ist ganz ansprechend. Und nach einigen Suchen findet man auch das ein oder andere ältere Schätzchen – speziell alte Standardabfüllungen aus den 80er und 90er. Und diese häufig auch noch zu angenehmen Preisen.

Drinklabor_Whisky_Lissabon2Nachdem wir uns ein wenig umgeschaut hatten, wollten wir uns natürlich auch die Kollektion anschauen. Das Problem war nur, dass die Verkäuferin nur portugiesisch sprach, aber nach einigem Brocken in Italienisch oder Spanisch verstand sie, was wir wollten. Nach einigem Zögern meinte sie, wir sollten noch 10 Minuten warten, dann würde jemand kommen, der uns helfen könnte. Der Kollege kam, aber auch er konnte kein Englisch. Er bot sich aber trotzdem an, uns die Sammlung zu zeigen. Und so führte er uns mit einigem Stolz in einen hinteren Raum. Zuerst kommt man in eine Art Vorraum der die beeindruckenden Sammlung von PKW-Miniaturen enthielt. Hier hat wohl einer eine Sammelleidenschaft für diverse Dinge. Die Sammlung und der Raum sind recht edel aufgemacht und ausserdem findet man in der Ecke den Arbeitsplatz des Sammlers in Form eines großen Mahagonischreibtisches. Die Sammlung bereitete uns schon mal ein wenig vor, was wir im nächsten Zimmer erwarten können. Denn was wir dort zu sehen bekamen war schlicht unglaublich und für einen Whiskyfan schon fast nicht ertragbar. Man findet gar keine Worte das Ganze zu beschreiben. Hier hat einer über Jahre quasi fast alles gesammelt. Die Sammlung erstreckte sich über meterweise Regalwände und in der Mitte waren spezielle Vitrinen für ganz spezielle Schätzchen. An der Decke hängen alle möglichen Wasserkrüge von diversen Destillen. Man konnte den Raum schon fast als übervoll bezeichnen. Da hier über mehrere Jahrzehnte gesammelt wurde, finden sich wahrlich viele sehr alte Flaschen.

Drinklabor_Whisky_Lissabon3Die Ganze Sammlung soll zwischen 11.000-12.000 Flaschen enthalten und wurde vor weit über 50 Jahren begonnen. Wir wir im Nachhinein von der Tochter des Sammlers erfahren konnten. Der Mann der diese Sammlung und auch den Shop aufgebaut hat, ist mittlerweile über 85 Jahre und das Ganze wird jetzt von der Tochter verwaltet. Als man sich von dem ersten Schock erholt hatte, leitete uns unser Guide in einen zweiten Raum. Hier fanden sich fast überwiegend Blended Whiskys, mit ganz vielen Sondereditionen für bestimmte Feiertage oder Personen. So gab es eine eigene komplette Wand nur mit Flaschen der englischen königlichen Familie für diverse Anlässe. Auch bestimmte Sondereditionen für Geburtstage, Tronjubiläen etc. der Queen waren natürlich vertreten. Und auch spezielle Editionen z.B. von Chivas Regal bei denen die Flaschen von französischen Designer erstellt wurden. Es war schlicht und ergreifend unglaublich was sich hier auf 30-40 m2 angesammelt hat. Dann stöberten wir noch ein wenig im ersten Raum – da hier die noch spannenderen Flaschen zu finden waren. So hatte er von fast allen Destillen Flaschen vorrätig, teilweise sogar komplette Jahrgangsabfüllungen, so o z.B. von Glenfarclas ab den 50er Jahren. Dann diverse alte Abfüllungen der SMWS aus den Anfangsjahren. Die älteste von mir gefundene Flasche war ein Glen Grant von 1928. Aber auch eine Vielzahl von alten japanischen und amerikanischen Whiskys war in der Sammlung vertreten. Nach Ende der Besichtigung konnten wir uns noch kurz mit der Tochter des Sammlers unterhalten. Sie überlegen derzeit die Sammlung langfristig zu veräussern. Doch meint sie, speziell für die Blends nicht wirklich den gewünschten Preis zu bekommen. Und diese macht meiner Einschätzung fast 50 % der Sammlung aus. Aber allein für die vielen alten Single Malts lässt sich wohl ein gewaltiges Sümmchen bekommen. Obwohl es wirklich schade wäre, wenn man nicht mehr diese skurrile, aber auch sehr beeindruckende Sammlung geniessen kann. Wenn Ihr also in Lissabon seit, stattet dem Whisky & Co. auf jedenfall einen Besuch ab. So könnt Ihr. vielleicht den ein oder anderen älteren Whisky zu bezahlbaren Preisen ergattern und diese wirklich beeindruckende Sammlung bewundern. Hier findet Ihr die Adresse und die Öffnungszeiten des Shops.

 http://www.whiskycompany.interdinamica.pt

Und hier noch ein paar Eindrücke der Sammlung:

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Sylter Trading Whisky

Drinklabor_SylterTrading1Meine Herzallerliebste und ich sind große Syltfans. Und speziell über den Jahreswechsel fahren wir mittlerweile regelmäßig auf DIE Insel. Und obwohl sie zu der Zeit gut frequentiert ist, findet man genügend schöne und einsame Plätze. Als Whiskyfan bin ich durch Zufall auf die Sylter Whiskytrading gestoßen. Das musste man sich doch mal anschauen. Netterweise hatten sie noch kurz vor dem Jahresende ein Tasting angeboten, wo ich gleich zwei Plätze für uns buchte. Am Anfang war ich doch ein wenig skeptisch. Da Sylt doch häufig mit ihrem Namen als Marketingmagnet dienen muss. Und da speziell Single Malt Whisky in den letzen Jahren eine immer größere Zahl von Liebhaber findet, war ein Syltwhisky nur eine Frage der Zeit. Um es anders zu sagen, kenne ich zur Zeit schon drei verschiedene Ansätze dazu. Gestartet hat es vor 2-3 Jahren mit einem anderen Sylter Aushängeschild – die Sansibar. Sie füllt zusammen mit dem unabhängigen Abfüller Whisky Agency schottischen Whisky unter ihrem Label ab. Hier steht aber eindeutig die Marke Sansibar und nur indirekt Sylt im Fokus. Seit dem letzten Jahr bietet auch die deutsche Destille Blaue Maus einen „Sylter Whisky“ an.  Hier werden Fässer mit Whisky in der Nähe Lists in der Nordsee gelagert und somit quasi Nordsee gefinisht. Und seit Mai letzen Jahres gibt es die Sylter Trading, deren erster Whisky in 2017 abgefüllt wird. Nur direkt vor Ort destillieren hat sich auf Grund der schwierigen Kostensituation bisher noch keiner gewagt.

Drinklabor_SylterTrading_2Die Sylter Trading befindet sich in der Hafenstraße in Rantum. Für Freunde der 2 Schwerter  – man geht am Sansibar Outlet vorbei und am Ende der Straße befindet sich das Gebäude. Wirklich sehr nett aufgemacht. Im vorderen Bereich befindet sich der Verkaufsraum mit Theke und entsprechenden Regalen. Im hinteren Bereich ist dann das Fasslager zu finden. Hier war auch die große Tafel für unser Tasting direkt vor den Fässern aufgebaut. Was natürlich zur heimeligen Atmosphäre beitrug. Interessant und mir so nicht bekannt ist, dass sie neben ihren eigenen Whisky auch andere Whiskys und Spirituosen anbieten. Im kleinen Warehouse konnte man sogar dezent Whisky (Angel Share) erschnüffeln. Wenn auch nur sehr gering, dafür sind es noch zu wenig Fässer. Außerdem bringt das raue Klima auf Sylt auch nur eine geringe Ausbeute für die Engel mit sich. Der Angels Share beträgt hier nur 2 %. Wie oben schon angedeutet, wird der Whisky nicht auf Sylt, sondern in Lippstadt destilliert und dann in Oloroso und Pedro Ximenez Fässer abgefüllt. Die Fässer sind alle ca. 120 l groß und lagern die gesamte Zeit hier auf Sylt. Daneben gibt es aber auch schottische Whiskys von der Sylter Trading. Diese werden für sie ebenfalls von Thomas Ewers ausgesucht, der auch bei der Feinabstimmung beim Fassmanagement für den zukünftigen Sylter Whisky unterstützt.

Drinklabor_SylterTrading_3Die Idee für die Sylter Trading – soll im wahrsten Sinne des Wortes – eine Schnapsidee gewesen sein und bei einem gemütlichen Abend vor 2 1/2 Jahren entstanden sein. Den Shop und das Fasslager gibt es seit Mai 2015 und 2017 soll der erste Whisky abgefüllt werden. Wir durften nachher auch einen Dram des Spirits – er war ca. 1 Jahr und 3 Monte alt – aus dem Pedro Ximenez Fass probieren. Er hatte 61,8 % und war für seine Jugendlichkeit schon ausgesprochen komplex und lecker. Ich bin gespannt wie sich der Whisky in den verbleibenden Jahren noch entwickelt. Aber kommen wir zum wichtigsten des Abends dem Tasting. Unser Referent leitete uns sehr fachkundig durch den Abend. Er schaffte es gut, den Spagat zwischen den unterschiedlichen Teilnehmern hinzubekommen. Wir waren insgesamt 14 Teilnehmer und damit war der Raum auch schon sehr gut besetzt. Im ersten Teil gab es drei trinkstärke Whiskys. Wir starteten mit einem Inchmurrin. Dieser Whisky aus der Lochlomond Destillerie ist nicht wirklich für seinen guten Whisky berühmt. Aber dieser war durch seine eingesetzten Fässer was besonderes. Angeblich waren diese nicht ganz in Ordnung – jedenfalls führte dies zu einem spannenden Geschmacksphänomen. Er entwickelte innerhalb der ersten 1/2 h nach dem er ins Glas kam, eine Vielzahl unterschiedlicher Aromen – von metallisch, über Vanille, Äpfel, Karamel – schon recht spannend alle 5-10 Minuten an ihm zu schnüffeln. Danach kam ein 15 Jähre Deanston, der speziell für Sylter Trading mit 45,8 % abgefüllt wurde. Obwohl ich Deanston Fan bin, war der definitiv nicht meiner. Hier stach zu stark der Schwefel durch. Schade eigentlich. Den Abschluss der ersten Runde bildete der 10jährige Glen Scotia.

Nach einer kurzen Pause ging es im zweiten Teil zu den Fassstärken. Hier kamen nur noch schottische Whiskys der Sylter Trading auf den Tisch. Sehr gut fand ich, dass uns unserer Tastingleiter ganz langsam an die Fassstärken heranführte. Erst kurz pur, dann teilweise bis zu viermal Wasser – so konnte man schön die unterschiedlichen Aromen erschmecken. Und wenn jemand schon zu schnell war, um noch mal Wasser dazu zu geben, dann bekam man sogar noch einen Whiskynachschlag. Angefangen haben wir mit einem 95er Mortlach aus dem Bourbon Hogshead. Der war mit seinen 57,8 % doch recht sprittig. Und auch mit Wasser wurde er für mich nicht besser. War leider nicht meiner. Da kam mir der Nachfolger doch schon mehr entgegen. Ein 17jähriger Glengoyne komplett aus einem Sherry Hogshead. Schönes Karamellstöffchen und auch mit seinen 58,2 % Alkohol auch ohne Wasser gut trinkbar. Das war  schon ein echtes Highlight. Und danach wurde das ganze noch mal gesteigert mit einem wunderbaren 12jährigen Bowmore. Dieser hat sogar der Herzallerliebsten außergewöhnlich gut geschmeckt. Und sie ist wirklich kein Fan von Islaywhisky. Aber hier kamen einfach die Fruchtaromen mit Cremigkeit, einer leichten Rauch- und Teernote und einer ausgesprochenen Süsse zusammen. Ein wirklich gelungener Dram. Wer wollte durfte danach den Arbeitsstand aus den Fässern probieren. Ich hatte wie oben schon geschrieben einen ein jährigen Spirit aus dem Pedro Ximinez Fass. Und nach all den lang gereiften Schotten konnte der Spirit noch gut mithalten. Mal sehen was die Zukunft bringt. Wer danach immer noch nicht genug hatte, konnte auch noch von den offenen Flaschen probieren oder den ein oder anderen Whisky noch mal nachverkosten. Wir mussten uns auf dem Weg machen, damit wir den letzten Bus nach List nehmen konnten. So ging ein sehr schönes Tasting zu Ende und ich war sehr begeistert von dem Konzept und den Whisky der Sylter Trading. Weitere Informationen zu Öffnungszeiten, Tastings oder Fasskäufen findet Ihr unter Sylter Trading.

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Vertical Weinbar Aachen – Wine- trifft Whiskybar

Drinlabor_Vertical_1Kennt Ihr dass –  man will Abends kein 3 Gänge Menu – sondern nur ein Glas Wein und vielleicht ein Stück Käse und Baguette essen. Und dann ist man in einer typischen deutschen Stadt unterwegs und weit und breit ist nichts passendes zu finden. Erstaunlicherweise ist das in Aachen ganz anders. Dies könnte wohl auch mit der geographischen Nähe zu Frankreich zu tun zu haben. Wir machten in diesem Sommer, beim Start auf unserer Eifelsteigtour, dort eine schöne Erfahrung. Am Nachmittag in Aachen angekommen, suchten wir, nach Check in und ein wenig Sight- und Windowseeing nach einer Kleinigkeit zum Essen. Wenn möglich in netter Umgebung mit einer schmackhaften Weinbegleitung. Daher hielten wir Ausschau nach einem netten Lokal, mit schönen Ambiente und einer kleinen Essenauswahl. Dabei sind wir auf die Vertical Weinbar gestossen. Und das Schöne an dieser Weinbar, es gibt hier sogar auch eine gut sortierte Whiskyauswahl. Der Laden war also wie für uns gemacht.

Das Ambiente wirkte modern, aber nicht ungemütlich. Die Einrichtung war sehr ansprechend und der Bezug zu Wein und Whisky war nicht zu übersehen. Da ist erstmal der ansprechende Tresen mit der Bar. Diese war ein schöner Blickfang und stellte quasi den Mittelpunkt des Lokals dar. Dann überall eine gut gewählte Anordnung von leeren Whiskytubes und von Weinkartondeckeln. Aber ohne das ganze zu übertreiben. Sehr kreativ fand ich auch die Lampen aus alten Weinkistenkartons, die die Bar in schummriges Licht tauchten. Neben der gut sortierten Auswahl an Getränken werden auch eine paar leckere Kleinigkeiten angeboten, so  z. B. Baguette mit einer Auswahl an verschiedenen Olivenölen oder ein  Vorspeisenteller mit Käse- und Schinkenvariationen.  Wem das nicht ausreicht, kann auch warme Gerichte bestellen. Diese werden in Kooperation mit dem Nachbarlokal angeboten. Wir entschieden uns für einen gemischten Käse-, Schinken- und Salamiteller.

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Aber wie der Name Bar schon andeutet, hier stehen ganz klar die Getränke im Vordergrund. Die Karte bot ca. 60 offene Weine die von einen 0,1 l Glas bis zu einer ganzen Flasche angeboten werden. Die 0,1 l Gläsern bieten einen auch die Möglichkeit mehrere unterschiedliche Weine zu probieren, ohne gleich beschwipst zu sein. Jeder Wein wir ausgiebig mit Geschmacksprofil und Charakteristika in der Karte beschrieben.  Daneben bietet die Getränkekarte noch ca. 60 Whiskyssorten an. Die meisten sind zwar Standards, aber gut gefächert und man kann auch den ein oder anderen speziellen Tropfen finden. So hat es mir besonders gefallen, auch 2 Bonner Whisky von Reifferscheids Romantic Rhine Collection zu finden.

Drinklabor_MenofGotham
Wir beschränkten uns aber erst mal auf leckeren Wein und unseren Käse-Salami-Teller. Wir wählten einen kräftigeren Wein, damit er der Wurst und dem Käse paroli bieten konnte. Wir tranken einen Shiraz von 2012 von den Gotham Weingut. Dieses ist noch ein relativ junges Weingut aus Australien. Neben dem tollen Aroma von Backpflaumen und Tanninen, fand ich das Etikett sehr aufmerksamkeitsstark. Dort wurde durch den Namen des Weingutes ein Bezug zu Gauklern aus dem 18. Jahrhundert hergestellt. Diese soll aus der englischen Stadt Gotham kommen. So waren diese Männer mit riesigen Schnauzbärte und grotesken Frisuren als Comicstrip auf  dem Ettikett verewigt. Der Käse- und Salamiteller war wirklich lecker. Wenn uns auch das Olivenöl, welches über die Salami geträufelt war, uns am Anfang ein wenig befremdlich vorkam, schmeckte die Kombination wirklich sehr gut. Bei dem Käse stach besonders der Lieblingskäse von Charles de Gaulle heraus. Der Mimolett ist eine lokale Spezialität aus Lille mit einer fast orangen Färbung. Wirklich sehr aromatisch und absolut empfehlenswert. Zusammenfassend kann ich nur sagen,  ein wirklich schönes Lokal, was ich mir gern für Bonn wünschen würde. Dies war ein schöner Einstieg in unsere Wandertour über den Eifelsteig.

 Informationen zur Bar, Öffnungszeiten und angebotenen Getränken und Speisen findet Ihr unter Vertical.

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Whisky Dungeon in Münster – ungewöhnliche Mischung aus Pub und Shop

Drinklabor_WhiskyDungeonEnde Oktober verbrachten meine Herzallerliebste und ich ein Wochenende in Münster. Nach dem klassischen Freitagabend-Stau auf der Fahrt brauchten wir dringend noch etwas zu trinken. Schon vorab war ein Besuch im Whisky Dungeon geplant, denn dies soll der Ort für Whiskyfans in Münster sein. Noch dazu wo der Besitzer Michael Reik u.a. als Unabhängiger Abfüller „Best Dram“ in der Szene bekannt ist. Da das Dungeon bei uns in Hotelnähe war, konnten wir ihm Freitag Abends noch einen Besuch abstatten. Wie soll man das Dungeon beschreiben? Es ist eine Mischung aus einer Hardrockkneipe mit Pubanleihen mit angeschlossenen Verkaufsraum. Liegt auch super zentral, wenn auch nicht in den typischen Münsteraner Szenevierteln. Tagsüber kann mir hier Whiskys käuflich erwerben und Abends bei härterer Musik einen Dram oder ein Bier genießen. Die Kneipe ist recht dunkel, wie es sich für einen Pub gehört. Einige Gitarren hängen von der Decke und lautere Gitarrenmusik dröhnt aus dem Lautsprecher. Insgesamt ist der Laden recht urig. Eine größere Bar befindet sich im linken Bereich und gegenüber der Eingangstür geht es in den Verkaufsraum. Auch gibt es zwei Plätze um Dart zu spielen. Whisky steht hier im Vordergrund, aber auch das Bierangebot kann sich sehen lassen. So gibt es neben „normalen“ Bier wie Frankenheim Alt und Guinness drei eigene Biere. Ich habe das Cellar Secret ein Kellerbier als auch das Bull Shit – ein Schwarz Bier probiert. Das Kellerbier war für mich ganz ok, hatte aber schon bessere. Das Bull Shit dagegen war eine absolute Malzgranate – dagegen ist ein Guinness wie Fassbrause auf einem Kindergeburtstag. Sehr spannendes Bier, von welchem dann aber nach 1-2 Bieren sich ein Sättigungseffekt einstellt.

Hauptschwerpunkt ist hier, wie der Name schon andeutet natürlich der Whisky.  Auf Nachfrage bekommt man eine Whiskykarte in der Dicke eines Ottokatalogs. Insgesamt soll es bis zu 500 Whiskys geben. Da kann man doch schon einige Zeit drin blättern. Was ich aber schöner empfand, war das direkte Stöbern in dem im hinteren Bereich liegenden „Laden“. Das ist das Tolle hier, dass der Shop auch Abends geöffnet ist und man sich seine Flasche direkt aussuchen kann. Was natürlich bedeutend einfacher ist, als nur in der Karte zu blättern. Wenn man sich einen Whisky ausgesucht hat, sagt man dem Chef Bescheid und man bekommt den Whisky im Glencairn Glas an den Tisch gebracht. Natürlich bekommt man auch Ratschläge oder Empfehlungen, wenn man seine ungefähre Präferenz verrät. Ein sehr schönes System, zumindest wenn der Laden normal bis wenig besucht ist. Bei unseren zweiten Besuch am Samstag war es bedeutend voller. Und dann sah man die Nachteile an dem Konzept, da eine Person fast komplett für den Service weg fällt. Außerdem wurde vom Service immer nur ein Tisch nach dem anderen bedient, so  dass wir in unserer Gruppe erstmal für über 20 Minuten warten mussten. Da muss an dem System noch gearbeitet werden.

Wenn das Dungeon nicht ganz so gut besucht ist, ist es ein tolles Konzept. Man kann mit Michael ganz entspannt im Verkaufsraum über Whisky philosophieren. Er gibt Tipps, Empfehlungen und plaudert aus dem Nähkästchen. Neben seinen eigenen Abfüllungen hat er sich schwerpunktmäßig auf unabhängige Abfüller konzentriert. So hat er wirklich eine gute Auswahl sowohl an deutschen, als auch schottischen unabhängigen Abfüllern. Daneben auch noch die eine oder andere Originalabfüllung.  Es gibt immer einen Whisky der Woche, der ein wenig günstiger angeboten wird. Die Preise sind gängige Whiskypreise, wenn auch im oberen Bereich.

Insgesamt kann man das Whiskydungeon wirklich empfehlen. Ich finde es auch ein interessantes Konzept eine Kneipe und einen Shop miteinander zu verbinden. Und so sich seinen Dram direkt aus dem Regal aussuchen zu können oder nach bestimmten Abfüllungen zu suchen, macht wirklich Spaß. Und wenn man am Service speziell an den stärker frequentierten Abenden noch feilt, dann passt wirklich alles.
Informationen zu Öffnungszeiten, Angeboten und dem Shop findet Ihr unter www.Whiskydungeon.com.

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