Archiv der Kategorie: Ale

Besuch beim Craftbeer Festival Düsseldorf

Diesmal geht es um eine wirklich wunderbare Craftbeermesse. Das Craftbeer Festival Düsseldorf fand im letzten September zum ersten mal statt, und war ein großer Erfolg. Am Wochenende vor dem 1. Mai ging es in die 2. Runde. Wieder auf dem Gelände von BrauArt Britische Biere in der Nähe des Düsseldorfer Volksgarten. Da ich beim ersten Mal nicht konnte, war es für mich diesmal die Premiere. Um eine solche Messe zu stemmen, haben sich zwei Düsseldorfer (Craftbeer)Lokalgrößen zusammen getan. Da wäre der Off-, Online- und Großhandelsshop BrauArt Britische Biere. Die Jungs von BrauArt habe ich schon auf ein oder zwei anderen Veranstaltungen kennengelernt und weiß sie als größter Anbieter für britische Biere in Deutschland sehr zu schätzen. Außerdem sind sie die einzigen, die das wirklich abgefahrene „Wells Sticky Toffee Pudding Ale“ nach Deutschland importieren. Wenn ihr mal ein Nachspeisenbier sucht – das ist es.  Daneben braucht man für so eine Veranstaltung natürlich auch Frauenpower. So haben sie diese Veranstaltung zusammen mit den Mädels vom Onlineshop Crafters.Beer ins Leben gerufen. Es ist toll mitzuerleben mit was für einen Enthusiasmus Sina und Triena beim Thema Bier aktiv sind. Und es ist doch immer sehr erfrischend in dieser Männerdomäne auch Frauen zu treffen, die für das Thema Craftbeer brennen.

Samstagnachmittag sind daher neben mir, meine Herzallerliebste und der Bonner Kneipen- und Craftbeerblogger WelovePubs bei strahlenden Wetter nach Düsseldorf gefahren. Da direkt am Volksgarten gelegen, war auch die Anfahrt mit Öffis sehr einfach zu bewerkstelligen. Das Gelände, das sich die Brauart mit dem Fisch- und Delikattes-Laden Emmafisch teilt, ist wie geschaffen für einen solchen Event. So haben ca. 2/3 der Aussteller draußen einen Platz gefunden. Da das Wetter für ein Open Air wie geschaffen war, hielt sich auch ein Großteil der Gäste draußen auf. Daneben wurde auch noch ein Teil der Halle mit Ausstellern besetzt. Dabei fühlt man sich aber nicht wie in einer normalen Lagerhalle.

IMG_8899 (1)

Der tolle Eingangsbereich von BrauArt

Nein schon der Eingangsbereich mit dem Shop, bietet mit dem leuchtendem Grün und einem überdimensionalen Lüster einen tollen Blickfang. Dazu sorgen noch viele Flachen, Plakate und ungewöhnliche Lampen und Dekorationen für eine gemütliche Atmosphäre. Im hinteren Bereich hat man auch ordentlich mit Farbe und großen Plakaten und  Karten gearbeitet. Toll wie sie eine Halle zu einer gemütlichen Location umgewandelt haben. Die Messe war wirklich gut besucht. Was auffiel – Craftbeer ist eindeutig für jüngeres Publikum. Und auch viele Frauen können sich für die spannende und abwechslungsreiche Welt des Craftbeeres begeistern.

Insgesamt empfand ich es sehr erfrischend, dass immer mehr Frauen auch hinter den Ständen und als Brauerinnen anzutreffen sind. So wartete das kleine Freiburg schon mit vier Craftbeerbrauereien auf, von denen zwei komplett weiblich geführt werden. So viel gleich der Stand von „Emma – Bier ohne Bart“ auf. Allein den Namen finde ich richtig gut gelungen. Die One-Woman Brauerei war mit zwei, wie ich sagen muss sehr gelungenen Bieren vertreten.

So hatte sie ein Kuckucks Rot ein Black Forest Amber Ale aus der Flasche und ein Zapotopaz ein fruchtig bitteres Strong Ale eingebraut mit australischen Topaz Hopfen vom Fass dabei. Ein weiterer Sud ist im Moment noch in Arbeit. Ich mochte beide sehr gern, aber das Zapo war eines meiner Highlights auf dem Festival. Die 8,2 % Alkohol hat man fast nicht geschmeckt, was natürlich extrem gefährlich sein kann.

IMG_8907

Brauer von Trouble Bering aus Kildare, Irland

Besonders gelungen fand ich bei dieser Veranstaltung, das der Brauer in den Mittelpunkt gerückt wurde. So das man fast an jedem Stand mit dem Brauer persönlich über sein Bier sprechen konnte. Und nicht wie bei vielen anderen Messen, auf denen häufig nur noch Händlern oder Agenturen vertreten sind. Durch ihre gute Beziehungen konnten die Veranstalter auch viele britische und irische Brauereien inklusive ihrer Braumeister nach Deutschland holen.  Ca. 20 Brauereien waren vor Ort zu sehen und über 80 Biere konnte man verkosten. Nicht mitgezählt habe ich die Möglichkeit diverse andere Biere direkt aus dem Brauart zu kaufen.

Aber auch für das weibliche Wohl wurde gesorgt. Neben leckeren Burgern, gab es auch noch originale Cornish Pasties in unterschiedlichen Variationen. Außerdem konnte man neben an bei EmmaFisch einen sehr gelungene Chorizzo-Burger essen.

Ich finde an einem solchen Tag ist es immer schwierig eine Bewertung abzugeben. Denn nur eins der verkosteten Biere in einer durchschnittlichen deutschen Kneipe und man wäre glücklich. Aber so hat man hier die Qual der Wahl. Und dabei gibt es dann auch das ein oder andere Bier, dass dann nicht ganz so lecker ist.

Cooles Dosendesign aus England

Cooles Dosen-Design aus England  

Da die Aufzählung aller Brauereien und probierten Biere den Rahmen sprengen würde, möchte ich hier nur meine absolute Highlights aufzählen. Da war z.B. das Full Fathom 5 von North Brewing aus Leeds. Ein wirklich gelungenes Coconut-Coffee-Stout, bei dem sowohl die Kokosnuss als auch der Kaffee mittels Infusion ins Bier kommt. Hat schon ein wenig was von Bierbounty. Nocheinmal zurück zum Thema Brauen und Frauen. Die Malt & Hops eine weitere Frauen-Craftbeerbrauerei. Wie auch Emma sind die beiden Brauerinnen Seiteneinsteiger und mit absoluten Entusiasmus dabei. Sie hatten ein sehr erfrischendes Fresh Daisy Pale Ale am Zapfhahn.

IMG_2909

Biere der Boyne Bering aus Drogheda, Irland

Besonders habe ich mich über die Teilnahme der Boyne Brewery gefreut. Diese hatte ich im letzten Jahr auf meiner Wales/Irland/ Schottland-Tour besichtigt. Hier könnt Ihr noch mal den Beitrag dazu lesen. Damals haben wir vor allem die noch im Bau befindliche Boann Destillerie besichtigt. Im Anschluss durften wir auch die im hinteren Bereich liegende Boyne Brewery mit der Flaschenabfüllung anschauen. Leider kamen wir damals nicht dazu, auch eines der Biere zu probieren. Dies konnte ich jetzt in Düsseldorf endlich nachholen.

Ebenfalls aus Irland genauer gesagt aus Kildare war Trouble Brewing mit einem Graffiti Pale Ale vertreten. Obwohl nur 3,6 % war es extrem vollmundig und der Hopfen super eingebunden.

Ebenfalls begeistert hat mich die Kraftbierwerkstatt aus Böblingen. Die schon eine recht große Auswahl an spannenden Bieren dabei hatten. Diese waren auch einige der wenigen Brauereien, deren Flaschen mir schon im Einzelhandel über den Weg gelaufen sind. Dies hing damit zusammen, das ihr örtlicher Großhändler bundesweit private Edekaläden beliefert. So hatte ich das markante „K“ schon bei Edeka Mohr in Bonn gesehen. Sie hatten neben ihren Flaschenbieren auch zwei Sondersude dabei. Das Chillibier war leider schon aus gewesen. Aber das Rauchbier war wirklich gelungen, da es sich von den klassischen Bamberger Bieren unterschied, und eben nicht nur nach Schinken geschmeckt hat. Eine ganz dezente Rauchnote die das Bier und den Hopfen nicht überlagerte.

Zum Abschluss noch ein wirkliches „Nachtischbier“ – von der Bierfabrik aus Berlin. Diese sind mir auf Grund ihres „SchabrakentaBiers“ schon in Köln auf dem „Festival der Bierkulturen“ aufgefallen. Das nette daran, dass sie sogar ein Teil des Geldes aus dem Verkauf dieses Bieres, zum Erhalt des vom Aussterben bedrohten Tarpires spenden. Das Bier was mich von ihnen aber wirklich umgehauen hat, war ihr Marple Walnut Stout. Hier kam u.a. auch Ahornsirup zum Einsatz. Absolut karamellig und lecker, aber nur in kleinen Mengen zu genießen.

IMG_2915

Sina von den Crafters – einem der Veranstalter

Es war ein wirklich gelungene Veranstaltung. Die Location, das Wetter und die Gäste – alles passte. Nochmal Danke an Sina und die Teams von Crafters und BrauArt für die wirklich gelungene Brauerei bzw. Bier-Auswahl und die perfekte Organisation. Da muss man nächstes Jahr auf jeden Fall dabei sein. Wer weitere Informationen über das Festival erhalten will und den Termin für das nächste Festival erfahren will, kann sich hier über das Craftbeerfestival informieren.

IMG_2916

Gut gelaunte Gäste bei Abendstimmung


IMG_2911

Ale Mania aus Bonn


IMG_2893

Laboratorium aus Cottbus 


IMG_2904

Die Biere von Malt & Hops aus Freiburg

 

 

 

 

 

 

IMG_8921

Bierstillleben

Advertisements

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Ale, Bitter, Craftbier, Drinklabor on Tour, Getränke, Getränkemessen, IPA, Pale Ale, Porter, Schwarzbier, Spezial, Stout

Besuch in der deutschen Craftbeerhauptstadt

Mitte Januar war ich für ein verlängertes Wochenende in Berlin. Und da ich schon eine ganze Weile nicht mehr hier war, nutzte ich die Gelegenheit die neuen Craftbeer-Hotspots, zu besuchen. Zuerst war ich in der Markthalle 9 in Kreuzberg. Nicht unbedingt nur ein Zentrum für Craftbeer, sondern ganz allgemein eine wundervolle alte Markthalle. Diese wurde vor ca. 6 Jahren wieder wachgeküsst und ihrer alten Bestimmung zugeführt.  Hier kann man sowohl klassisch seine Einkäufe erledigen, aber auch viele Delikatessen und Kleinigkeiten gleich vor Ort essen. Dabei reicht das Angebot von Austern, über Burger, selbstgemachte Pasta, bis hin zu veganen Kuchen.

img_1393

Große Auswahl an Ständen in der Markthalle 9

Und was hat das alles mit Craftbeer zu tun. Direkt in den Kellerräumen der Markthalle 9 gibt es die kleine aber feine Brauerei Heidenpeters. Diese existiert seit 2012, als die Betreiber der Markthalle den damaligen Hobbybrauer Johannes Heidenpeter überzeugen konnten, in den ehemaligen Räumen einer Metzgerei seine Brauerei zu eröffnen. Aber nicht nur die Brauerei ist hier vor Ort, es gibt auch im Eckbereich einen kleinen Ausschank, wo man insgesamt 4 verschiedene Biere von Heidenpeters probieren kann. Ich habe das Heidenpeters American IPA probiert. Und so konnte ich mit einem leckeren Bier in der Hand, durch die Markthalle schlendern und die Auslagen begutachten.  Ein wirklich sehr süffiges IPA, bei dem der Hopfen nicht direkt anklopft, aber eine wunderbare Grapefruit-Nase mitbringt. Ein wirklich leckeres Bier, dass ich in einer tollen Atmosphäre genießen konnte.

img_1404

Ein frisch gezapftes Heidenpeters American IPA

Wer mehr über die Markthalle 9 erfahren möchte, dem empfehle ich den sehr interessanten Blog von Askan den Food & Farmers Markets Blog.

img_1413

Die „Trinkhalle“ der Stone Brauerei Berlin

Nachdem ich ausgiebig durch die Markthalle 9 geschlendert bin, wollte ich noch zum derzeit, interessantesten Platz für Craftbeer in Berlin – die neue Stone Brewing Brauerei. Ich hatte schon einiges gehört und wollte unbedingt selbst mal vorbeischauen. Die erste Herausforderung für mich war dorthin mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu gelangen. Auf ihrer Website empfehlen sie bis zur S-Bahnhaltestelle Attila-Straße zu fahren und von dort in 15 – 20 Minuten zu Fuß hinzuwandern. Was im Sommer bestimmt ein Vergnügen ist, stellte es sich im Januar als recht mühsam dar. Auf dem Weg durch etliche Kleingartenkolonien ist zwar frei von Verkehr, aber leider weder befestigt noch geräumt, so dass es bei vereisten Boden recht anstrengend war. Außerdem gibt es auf der gesamten Strecke so gut wie keine Beleuchtung, was Abends nicht für den Weg spricht. Ich habe daher auf dem Rückweg den Bus genommen. Dieser fährt fußläufig ca. 5 min von der Brauerei entfernt ab. Nachdem ich den Weg geschafft hatte, war ich von der Größe der Analage schon recht beeindruckt. Die Brauerei befindet sich nämlich in der denkmalgeschützten Halle des ehemaligen Gaswerks Berlin Mariendorf.  Das gesamte Gebäude stammt aus dem Jahre 1902 und wie ich im Nachhinein erfahren habe, dauerte es fast 4 Jahre, bis alle Denkmalschutz-Auflagen erfüllt worden sind.

img_1418

Gemütliche Sitzecken

Die Außenanlagen waren der Witterung entsprechend natürlich nicht in Benutzung. Ich kann mir aber vorstellen, dass es absolut genial sein muss, hier in einer lauen Sommernacht zu sitzen. Wenn man in die Halle reinkommt, gibt es erstmal eine Art Vorhalle, in der ein Empfangstresen steht. Dort ist auch der obligatorische Fanshop mit Getränken, Klamotten und anderen Devotionalien von  Stone Brewing. Und dann kommt man in die große Halle – wow was für Dimensionen. Hier hat man nicht gekleckert, sondern geklotzt. Gut 25 Mio. Euro wurden hier insgesamt investiert. Auf der linken Seite befindet sich die Brauerei, die durch eine große Glaswand abgetrennt ist. Der ganze restliche Teil ist eine großzügige Fläche zum Sitzen, Essen, Biertrinken und verweilen. Überall sind große Holzbalken und andere natürliche Materialien um die Bereiche voneinander abzutrennen. Gleich rechts in der großen Halle befindet sich die große Theke, die mit auf jeder Seite ca. 30 Zapfhähnen! aufwartet. Dahinter ist eine große Freitreppe, die man mit vielen gemütlichen Sitzmöglichkeiten ausgestattet hat. Auf der oberen Etage hat man einen schönen Überblick über die ganze Halle und findet weitere gemütliche Sitzgelegenheiten. Einziger Wermutstropfen ist, dass man sich hier oben selbstbedienen muss. Was bei der Größe der Anlage aber mehr als verständlich ist.

Hinter der Bar gibt es noch einen Durchgang zu einem weiteren Raum dem Bibliotheks- oder Kaminzimmer. Dieser separate Raum hat noch eine weitere kleine Bar und wird häufig für die Einführungen zu den Brauereiführungen genutzt. Wie ich auch später erfahren habe, war es auch der erste fertiggestellte Raum in der neuen Brauerei. Er wurde im März letzten Jahres zuerst restauriert. Und ab April 2016 begann man mit dem eigentlichen Brauen. Und ab Sommer war dann auch das Restaurant und der Schankraum für Publikum geöffnet. Da ich natürlich auch die Brauerei von innen und nicht nur durch die Scheibe besichtigen wollte, buchte ich noch eine Führung. Diese werden mehrmals täglich sowohl auf Deutsch als auch in Englisch angeboten. Da die nächste deutsche Tour schon ausgebucht war, buchte ich die englische. Sie kostet sehr faire 3 € und lohnt sich auf alle Fälle. Man wird 45 – 60 Minuten herumgeführt, darf danach noch 3 verschiedene Biere verköstigen und bekommt noch ein Nosingglas als Geschenk.

img_1447

Reid erklärt den Brauprozess

Uns führte Reid durch die Brauerei. Der Amerikaner ist erst seit Sommer 2016 hier, führte aber durch die Brauerei wie ein alter Hase und war mit großen Enthusiasmus dabei. Die Berliner Brauerei ist mittlerweile die dritte Brauerei von Stone Brewing. Das Hauptwerk in San Diego wurde vor ca. 10 Jahren eröffnet. Ende 2016 wurde noch eine Brauerei in Richmond eröffnet. Auch wenn man es bei den Ausmaßen kaum glauben mag, ist die Berliner die kleinste Brauerei der Dreien. Da man schon vorher Bier nach Deutschland und Europa exportiert hatte, kam man vor ca. 4 Jahren auf die Idee, warum nicht gleich eine Brauerei vor Ort bauen. Die Wahl auf Berlin fiel vor allem des Standorts wegen. Riesiger Einzugsbereich, gute Verkehrsanbindung und die zentrale Lage in Europa. Und dann hat bestimmt auch noch die Craftbeerszene in Berlin  eine Rolle gespielt.

Die meisten Biersorten in Berlin sind identisch zu denen in San Diego, wobei der Hauptunterschied durch das Wasser ausgemacht wird. Das Berliner Wasser ist weicher und wie Reid uns verraten hat, sogar noch besser zum Brauen geeignet. Die Gerste kommt größtenteils aus Deutschland, beim Hopfen greift man fast ausschließlich auf US-Hopfen zurück. Aber auch erste Testsude mit deutschen Hopfen wurden schon versucht. Um diese Testsude im kleinen Stil und auch eigenes Bier nur für den Verkauf vor Ort produzieren muss, baute man neben der eigentlichen Brauerei, noch eine Experimentier-Brauanlage mit auch schon beeindruckenden 600 l Menge pro Braugang.

img_1468

Hier wird Berliner Weiße hergestellt

Dagegen schafft die große Anlage schon 10.000 l pro Brauvorgang und das bei 3 Durchläufen pro Tag und das an 5 Tagen die Woche. Da kommt schon einiges an Bier zusammen. Alles wirkte auf mich schon ein wenig  industriell und ist komplett computergesteuert. Wir wurden durch die einzelnen Stationen der Bierherstellung geführt. Interessant fand ich die angeschlossene Turbine am Läutertank, womit man die Energie zum Erhitzen wiederverwendete. Da sie fast nie Flaschengärung durchführen nutzen sie zwei Fermentationstanks. Der zweite Tank kann auch bei dem sogenannten Dryhopping genutzt werden. Auffällig war auch ein kleiner Steinbottich. Dieser wird für die Gärung von Sauerbieren,  im speziellen zur Herstellung von Berliner Weiße genutzt. Wie wir erfahren haben, scheinen die Bakterien in Steingefäßen besser als in Stahltanks zu funktionieren. Insgesamt ist es schon eine wirkliche beeindruckende Anlage, die aber nur noch wenig mit der romantischen Vorstellung der „Hobbycraftbeer“-Herstellung  zu tun haben.

img_1477

Der Start der Bierverköstigung mit einem IPA

Dann ging es noch zu einer kurzen Verkostung. Dort wollte uns Reid neben den bekanntesten Bieren von Stone auch deren Vielfalt näher bringen. Gestartet haben wir mit dem Megaseller von Stone dem Stone IPA. Dies hat für Stone „nur 6,8 % Alkohol“ und eine IBU-Zahl von 77. Das war mal eine ordentliche Hopfenbombe. Hier kamen Magnum, Centennial und Chiinook  Hopfen zum Einsatz. Als nächstes kam dann ein komplett anders schmeckendes Bier ins Glas. Dachten wir zu mindestens, aber es war das gleiche Bier, nur dass hier eine andere Hefe zum Einsatz kam. So hatte das sogenannte Calibelgique IPA die klassische belgische Bier-Note, die man eher von einem Double oder Tripple kennt. Da waren Aromen von Banane und Lemongras zu schmecken. Aber die klassischen IPA-Fruchtaromen, vom Stone IPA waren fast nicht mehr wahrnehmbar. Am Schluss kam dann noch ein ursprünglich missglückter Bierversuch ins Glas – das Arrogant Bastard Ale. Beim ersten Brauvorgang 1997 sollte es ursprünglich ein Red Ale werden. Das Ergebnis war aber etwas ganz anderes geworden. Es war viel bitterer, wies aber eine komplexe Karamell-Note auf. Das „missglückte“ Bier kam so gut an, dass es in die Standardrange aufgenommen wurde und mittlerweile das meistverkaufte Fassbier von Stone darstellt.

img_1419

Craftbeer-Himmel – 60 Biere vom Fass

Dann wurde es langsam Zeit, wieder nach Berlin rein zu fahren. Ein toller Tag neigte sich dem Ende zu. Ich kann nur jeden empfehlen, der in der Hauptstadt ist oder plant hinzufahren sowohl die Markthalle 9 als auch Stone zu besichtigen. Beides sind Highlights für jeden Biertrinker, aber auch Fans von Industriekultur und leckeren Essen kommen hier auf ihre Kosten. Nähere Informationen zu Stone Brewing wie z.B. Öffnungszeiten, Touren, produzierten Bieren etc. findet Ihr auf der Website http://www.stonebrewing.eu

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Ale, Besichtigungen, Bitter, Brauereien, Craftbier, Drinklabor on Tour, Geschäfte, Getränke, IPA, Pale Ale, Porter, Reisen, Schwarzbier, Spezial, Stout

Ein Craftbeer Tasting mit Fritz Wülfing in der Pinte

Drinklabor_Craftbeertasting1Was gibt es schöneres an einem verregneten Montag Abend als zu einem Craftbeer Seminar zu gehen. Die Veranstaltung fand in der Bonner Altstadt in der Pinte statt. Was natürlich super passte, da sie eine der wenigen Bonner Kneipen ist, in der man auch eine gute Auswahl an Craftbeer auf der Karte findet. Da ich auch sonst ab und zu hier bin, fand ich es natürlich toll, dass sie ein Tasting organisierten. Wer mehr zur Pinte wissen möchte, den empfehle ich den Bericht auf dem Blog We love Pubs zu lesen.

Als Präsentator für die Veranstaltung haben sie sich keinen Geringeren als den Craftbeer Pionier und Lokalmatador Fritz Wülfing von Ale Mania ausgesucht. Der noch dazu eine große Auswahl seiner eigenen Biere mitgebracht hatte. Die Pinte war an diesen Montagabend mit ca. 40 Personen bis auf den letzten Platz besetzt. Für eine Premiere ein guter Erfolg. Das Publikum war bunt gemischt von Studenten bis hin zu älteren Paaren war alles vertreten. Wobei natürlich beim Thema Bier die Männer in der Überzahl waren. Zu Beginn stellte sich Fritz kurz vor, da ihn doch noch nicht alle kannten. Ich war sehr gespannt, da Fritz ja quasi einer der Gründungsväter der Craftbeerbewegung in Deutschland ist und daher bestimmt einiges erzählen konnte. Nach einer kurzen Vorstellung gab es auch schon das erste Bier für uns.

Der Starter - das Bonner WießBegonnen hat das Tasting, wie es sich für Rheinland gehört, mit einem Kölsch. Was natürlich so nicht stimmt, wie wir auch gelernt haben, sondern mit einem Wieß – genauer gesagt einer Bonner Wieß. Diese hat Fritz in Anlehnung an die alte Tradition im Rheinland gebraut. Das Kölsch als solches ist nämlich ein sehr junge Bierstil und ist erst mit der Kölschkonvention in den 80er Jahren offiziell entstanden. Die Wieß ist im Gegensatz zum Kölsch nämlich trüb – daher auch der Name Wieß von weiß. Auch erzählte uns Fritz ein wenig zur Geschichte des Kölsch. So ist es damals quasi aus der Not geboren. So wurde in den 30er und 40er Jahren fast nur Pils und Lager in Köln getrunken. Durch die komplette Zerstörung der ganzen Brauereien, hat man sich auf die alte Form des Wieß- bzw. Kölschbrauen besonnen, wo man z.B. keine Kühlung etc. brauchte. Die Bonner Wieß wird mit 10 % Weizenmalz und mit den Hopfen Saphire und Perle eingebraut. Man kann auch im Gegensatz zu den meisten Kölsch den Hopfen auch schmecken.

Beim zweiten Bier sind wir bei den historischen Bierstilen geblieben. Fritz erklärte, dass besonders die Craftbeerbewegung versucht, alte Biersorten wieder aufleben zu lassen und diese neu zu interpretieren. Daher wählte er als nächstes eine Gose ebenfalls von Ale Mania aus. Hier musste er natürlich auch auf das sogenannte „Reinheitsgebot“ oder nennen wir es beim Namen auf das vorläufige Biergesetz von 1993 eingehen. Da die Gose mit seinen Zutaten Milchsäure, Koriander und Salz natürlich offiziell dagegen verstößt. Auf der anderen Seite aber Zucker, Chemikalien zum klären etc. erlaubt sind. Aber die Diskussion würde hier zu weit führen. Ich persönlich mag die Gose, speziell im Sommer, sehr gern. Bei dieser Abfüllung wies Fritz schon darauf hin, dass sie ganz frisch abgefüllt worden ist und ihr noch ein wenig die Reifung und Kohlensäure fehlt. Aber auch so fanden die meisten sehr erfrischend.

Fritz in Aktion

Fritz in Aktion

Da Fritz besonders durch seine USA-Reisen Anfang der 2000er und den Kontakt mit der dortigen Craftbeerbewegung besonders inspiriert worden ist, durfte natürlich einer der Klassiker nicht fehlen. So kam als drittes Bier das Sierra Nevada Pale Ale ins Glas. Obwohl Ken Grossman, der Gründer von Sierra Nevada, 1978 mit einem Stout begonnen hat, war vor allem das Pale Ale der Grundstein für die fantastische Entwicklung von Sierra Nevada. Und obwohl sie heute quasi der größte Craftbeerbrauer der USA sind und Ken Grossman vielfacher Millionär ist, will er am liebsten selbst am Braukessel mitmischen. So soll das Pale Ale von Sierra Nevada das Einzige der Standardrange sein, dass noch mit Flaschengärung arbeitet. Jetzt war der Zeitpunkt gekommen, ein wenig zur Geschichte und Entstehung der Craftbeerbewegung mitzuteilen. So war es vor allem die Gesetzesänderung von Präsident Jimmy Carter Ende der 70er zu verdanken, dass Heimbrauen sich durch seine Legalisierung stark verbreitete. So geht man davon aus, das heutzutage quasi jeder 3. Amerikaner schon einmal zu Hause Bier gebraut hat. Natürlich wies Fritz Wülfing auch auf die Bedeutung der Bierkultur und das eher schlechte Bierangebot hin. Dies hatte natürlich auch einen Einfluss auf die Entwicklung zum Craftbeerland. So gibt es aktuell in den USA über 4.200 Brauereien deren Zahl fast täglich zunimmt.

Der Tastingraum noch ohne Taster

Der Tastingraum noch ohne Taster

Was lag näher, als nächstes Bier ein IPA zu nehmen. Da dieses heutzutage häufig synonym mit Craftbeer benutzt wird. Um die Bandbreite darzustellen, starteten wir mit einem leichteren IPA, dem Session IPA von Ale Mania. Dieses hat die gleiche Menge an Hopfen wie die große Schwester das IPA Mania, ist aber leichter eingebraut und hat daher auch nur 4,2 % Alkohol. Ich war positiv überrascht, da man den geringeren Alkoholanteil nicht wirklich vermisst hat. Hier klärte uns Fritz auch über die Legende mit der Entstehung des IPA – des India Pale Ale auf. Es hört sich zwar gut an, wenn man eine tolle Geschichte mit Kolonien und zu stark eingebrauten Bier zur Haltbarkeitsmachung erzählt, aber im Endeffekt war es doch wieder nur eine Marketingentscheidung. Indien und Exotik verkauft sich auch beim Bier gut. Da wir schon beim IPA waren, kam als nächstes – das neue Dry PA. Da mittlerweile fast jeder kleine Heimbrauer ein IPA braut, versucht die Szene das klassische IPA weiterzuentwickeln. Eines dieser Biere ist das DryPA. Im Gegensatz zum klassischen IPA mit einer starken Malzbetonung, kommt dieses schlanker daher. Da der Malzkörper häufig zur Einbettung des Hopfens verwendet wird, steht hier dem Hopfen relativ wenig entgegen und er kann sich noch stärker entfalten. Auch kommen meines Empfindens hier auch die Pinien- und Nadelhölzeraromen stärker zum tragen. Und wie der Name schon sagt, es wirkt auch recht trocken. Der Trick bei diesem Bier ist auch die Zugabe von Zucker und eine andere Form des Maischens. Eine wirklich spannende Form des IPA.

Da das Tasting eher wie eine Fragestunde angelegt war, sprangen wir bei den Themen teilweise wild umher. Auf der anderen Seite konnte man so einem Experten mal direkt zu allen Punkten befragen, die einem zur Bierherstellung und Craftbeeren so interessieren. So kamen wir nach diesem Bier auf das Thema Belgien zu sprechen. Auch hier bestätigte Fritz die unterschiedlichen Entwicklungen von Ländern mit einer großen Biertradition und eher geringerer Historie. So ist der Anteil an neuen „Craftbeer Brauereien“ in Belgien auf Grund ihrer langen Tradition noch sehr gering ausgeprägt. Wenn man dagegen Holland anschaut, haben sich in den vergangenen 4 bis 6 Jahren eine Vielzahl von neuen Brauereien entwickelt. Auch spannend fand ich die Information, dass die größte Brauereidichte in Bezug auf die Einwohnerzahl in der Schweiz vorliegt. Wer hätte das gedacht.

Das Ale Mania Imperial Red

Das Ale Mania Imperial Red

Und weiter ging es bei unserer Reise durch die Craftbeer- oder Ale Mania Welt. Nun kamen wir zum Imperial Red. Das stärkste Bier des Abends mit 9,5 % Alkohol. Dieses wird, wie man sich denken kann, mit einer größeren Menge an Malz eingebraut. Aber auch 30 % mehr Hopfen als beim IPA wird hier eingesetzt. Von der Nase hat es einen ein wenig an Barley Wine erinnert. Im Mund war es wunderbar voll, aber weniger schwer als vermutet. Hier kam das Gespräch auch noch auf die Dosenabfüllung zu sprechen. Dieses Red Ale war zwar aus der Not heraus in Dosen abgefüllt worden, aber nicht nur Fritz ist ein großer Verfechter der Dose. Die Dose schützt das Bier und speziell das Hopfenaroma einfach viel besser als eine Flasche. In der Zwischenzeit nahmen auch die privaten Gespräche zu und die Geräuschkulisse stieg nach oben. Man merkte, dass wir schon beim 7 Bier waren. Einige habe auch das großzügige Angebot der Pinte-Leute genutzt und zwischendurch auch noch das ein oder andere weitere Bier getrunken. Außerdem waren auch schon wieder 2 h Tasting rum. Und die Leute waren so interessiert, das wir quasi ohne richtige Pause ausgekommen sind. Jetzt fehlte nur noch ein Highlight des heutigen Abends. Fritz hatte ein Fass seines IPA Mania  mitgebracht, so dass wir sogar ein kleines Taptakeover miterleben durften. Und zum ersten Mal gab es in einer Bonner Kneipe ein IPA vom Fass. Und was für ein leckeres. Ich mag es aus der Flasche schon recht gern, finde es aber frisch gezapft noch mal leckerer. Fritz darauf angesprochen, meinte es sei aber vor allem psychologisch bedingt. Zumindest gibt es keine großen physikalisch messbaren Gründe für den unterschiedlichen Geschmack. Es war auf jeden Fall ein gelungener Abschluss eines tollen Abends. Fritz leitete uns charmant und locker durch den Abend. Das verkostete Bier war für mich überaus gelungen und auch der überwiegende Tenor sprach von einem phantastischen Abend. Einziger kleiner Kritikpunkt  war für mich die Anzahl der Personen. Es war doch schon sehr kuschelig in der Pinte. Ansonsten kann ich sowohl dem Referenten, als auch dem Team von der Pinte nur danken und für eine gelungene Premiere gratulieren. Es soll auch nicht das letzte Tasting gewesen sein. Es sind noch weitere Veranstaltungen geplant. So findet das nächste Tasting mit Fritz Wülfing für den 21.11.2016 geplant. Wer Interesse hat, kann Karten direkt in der Pinte bestellen. Zum Abschluss für Interessenten noch die Websites für weitere Informationen.

Weitere Informationen zu Ale Mania findet Ihr hier: www.ale-mania.de

Wer sich über die Pinte informieren will, schaut am besten hier: Pinte Bonn

 

3 Kommentare

Eingeordnet unter Ale, Bar und Pubbewertungen, Bitter, Craftbier, Drinklabor on Tour, Getränke, IPA, Pale Ale, Porter, Schwarzbier, Seminare, Spezial, Stout, Tastings

Die Boann Distillery – der zukünftige Stern am irischen Whiskeyhimmel

Drinklabor_BoannDistillery1Wie Ihr vielleicht auf meinen Socialmedia-Kanälen mibekommen habt, befand ich mich Mitte September mit einer größeren Gruppe von Whiskyenthusiasten auf einer Tour durch Wales, Irland und Schottland. Dabei nutzten wir natürlich die Gelegenheit, vor Ort möglichst viele Destillen persönlich zu besuchen und die Leute dahinter kennen zu lernen. Dabei gab es, wie immer im Leben mal Licht mal Schatten. Ein wirkliches Highlight der Tour war der Besuch in der irischen Boann Destillery. Boann werden jetzt einige fragen. „Habe ich noch nie gehört?“ Das kann damit zusammenhängen, dass sie noch nicht aktiv ist und sich noch im Bau befindet. Auf der Fahrt von Dublin nach Portrush in Nordirland nahmen wir uns die Zeit für einen kurzen Halt in Drogheda im Boyne Valley. Oli der schon bei der letzten Fahrt die Besichtigung der Strathearn Distillery organisiert hatte, schaffte auch diesmal  für insgesamt 12 Personen unserer Gruppe eine Führung zu vereinbaren. Und nach anfänglichen Zögern, da es ja noch eine Baustelle wäre, haben sie sich bereit erklärt, uns zu empfangen.

Der Blick von außen

Der Blick von außen

Der Anblick von außen war anfänglich ein wenig ungewöhnlich, da die gesamte Front verglast war. Insgesamt sah es nicht wie eine typische Destille aus. Was damit zusammenhängen konnte, das dies ein ehemaliges Autohaus war, dass jetzt zur Destille umgerüstet wird. Das Autohaus war Anfang der 2000er Jahre gebaut und im Rahmen der Eurokrise in Konkurs gegangen. Nach einiger Zeit des Leerstands entschieden sich die Boann Eigentümer 2015 dieses Gebäude als Heimat ihrer Destille zu wählen.

Unsere Gruppe beim andächtigen Zuhören

Unsere Gruppe beim andächtigen Zuhören

Wir wurden von der Marketing und PR-Leiterin Sally-Anne Cooney sehr herzlich begrüßt und in die heiligen Hallen geleitet. Obwohl noch nicht alle Leitungen verbunden waren und die Spirit-Safes teilweise noch verpackt in Kisten rumstanden, konnte man sich schon ein gutes Bild von der zukünftigen Destille machen.

Der zukünftige Spiritsafe

Der zukünftige Spiritsafe

Wie es sich für einen irischen Whiskey gehört, soll er auch dreimal destilliert werden. Entsprechend konnte man schon drei wundervolle Stils begutachten. Sally-Anne erzählte uns ein wenig zur Idee die hinter dem Unternehmen steckt.

Der Blick in die zukünftige Destille

Der Blick in die zukünftige Destille

Die Boann Destillery ist nach der Gottheit Boann benannt, die u.a. auch den Fluß Boyne erschaffen haben soll. Dieser ist gleichzeitig der Namensgeber für das Tal nördlich von Dublin – das Boyne Valley. Das zeigt schon ein wenig, dass die Eigentümer großen Wert auf die Verbindung zu dem Land und der Gegend legen. So soll auch außschließlich Gerste aus der Gegend verwendet werden.

Improvisierte Bar aus Fässern für eine Veranstaltung

Improvisierte Bar aus Fässern für eine Veranstaltung

Auch das örtliche Wasser, welches eine sehr hohe Wasserhärte aufweist, soll trotzdem genutzt werden. Es soll dem Whiskey ein besonders Aroma geben. Sie verglich dabei ihr Vorgehen mit und die Beziehung zu der Gegend mit einem Winzer, bei dem das Terroir auch eine besondere Rolle für den Wein spielt. Außerdem hat diese Gegend eine lange Whiskey-Tradtion. So gab es 1822 in der Gegend noch 18 Whiskeydestillen. Davon blieb nur eine übrig, die aber auch 1968 schließen musste. So ist die Boann Distillery die erste Neugründung seit über 50 Jahren in dieser Gegend.

Unsere charmante Führerin durch die Boann Distillery - Sally-Anne

Unsere charmante Führerin durch die Boann Distillery – Sally-Anne

Unsere Führerin Sally-Anne ist eines von fünf Kindern des Gründers Pat Cooney. Wie sie sind auch ihre vier Geschwister und die Mutter in unterschiedlichen Bereichen des Unternehmens tätig. Man kann also von einem wirklichen Familienunternehmen sprechen.  Die Idee zu dem Unternehmen hatte ihr Vater Pat, der Gründer der Firma. Er ist hier in der Nähe in Drogheda geboren und hat damit eine enge Beziehung zu der Gegend und ihren Menschen. Nach einer erfolgreichen Karriere bei den Getänkekonzern Gleeson, hat er gr0ße Teile des Unternehmens 2012 verkauft. Nur die Cream Liqueur- und Ciderproduktion behielt er weiterhin. Als großer Whiskyliebhaber war das Projekt schon seit über 15 Jahren sein Traum von ihm und der Famile. Zukünftig sollen neben Whiskey auch Gin und andere Brände hergestellt werden. Außerdem existiert schon seit ca. 3 Monaten in der hintereen Halle eine Craftbeer Brauerei – die Boann Brewery – und eine Flaschen- und Dosen-Abfüllstation.

Die Brennblasen - noch nicht in Aktion

Die Brennblasen – noch nicht in Aktion

Neben der Verbundenheit mit der Gegend steht vor allem die Qualität und die moderne Technik bei diesem Neubau im Vordergrund. So entschloß man sich durch den vorgegebenen Bau der Halle, für eine moderne Aufmachung für die Destille. Dadurch stehen wor allem Glas, Chrom und Stahl im Vordergrund. Dies wird durch die absolut toll aussehenden Kupfer-Sttills noch unterstützt. Als Hersteller für die Brennblasen entschied man sich für die italienische Firma Green Engineering. Diese hatte schon Erfahrung beim Bau der Brennblasen für die Bombay Saphire Destille gesammelt. Bei Boann kommen spezielle Brennblasen mit Nanotechnologie zum Einsatz. Diese soll dazu führen, dass beim Destillationsvorgang die 6fache Menge an Kupfer mit dem Alkohol in Berührung kommt. Diese Technick wird meiner Kenntnis nach, erstmalig in einer Whiskydestille eingesetzt.

Die Bennett-Stil für irischen Gin

Die Bennett-Stil für irischen Gin

Das besondere Steckenpferd von Sally-Anne aber ist die Gin-Produktion. Für diese steht eine 500 l Bennett-Still zur Verfügung. Der hier zukünftig hergestellte Gin soll mit speziellen irischen Botanicals verfeinert werden. Dafür steht zusätzlich auch noch eine Anlage für Dampfinfusionen bereit, die Öle aus den besonders empfindlichen  Botanicals extrahieren soll. Hier merkte man ihre Begeisterung, wenn sie von den aktuellen Experimenten und Versuchen erzählt, um einen einzigartigen Gin zu kreieren. Durch ihre langjährige Arbeit im Weinhandel hat sie auch ein großes Interesse für das Thema Fassmanagement.

Das zukünftige Fasslager - die Fässer warten auf ihre Befüllung

Das zukünftige Fasslager – die Fässer warten auf ihre Befüllung

Im Keller konnten wir schon mal einen Blick auf eine ganze Menge leerer Fässer werfen, die auf Ihre Befüllung warten. Durch die Beziehungen von Pat und die Kontakte von Sally-Anne aus ihrem vorherigen Beruf konnten sie an genügend Fässer herankommen.Sie hat uns schon veraten, dass sie zukünftig gern mit unterschiedlichen Fässern und Finishes arbeiten möchte.

Die Boann Brewery

Das Boyne Brewhouse

Im hinteren Bereich konnten wir noch einen Blick in die schon aktive Brauerei das Boyne Brewhouse werfen. Als Braumeisterin konnten sie dafür Aine O´Hara gewinnen. Aine, die gebürtig aus Galway kommt, hatte davor für 8 Jahre in Australien studiert und gearbeitet. Nun ist sie in ihr Heimatland zurück gekehrt, hat aber gleich mit ihrem ersten Bier dem „Born in a Day“, einem australischen Pale Ale, an ihre Australien Zeit erinnert.

Die Dosenabfüllanlage im Betrieb

Die Dosenabfüllanlage im Betrieb

Zur Zeit haben sie schon drei verschiedene Biersorten im Angebot. Im Laufe der Zeit sollen noch weitere dazu kommen. Insgesamt ist bei Boann noch vieles in Planung. Zukünftig soll noch eine gläserne Wand vor der Destille eingezogen werden. Im vorderen Teil soll dann ein Visitorcenter mit Restaurant untergebracht werden. Außerdem soll man dann auf der ersten Etage den Mitarbeitern beim destillieren zuschauen können. Auch eine starke Klimaanlage ist geplant. Dies ist auch von Nöten, da durch die große Glasfront schon bei unserem Besuchstag die Wärme schon gut spürbar war. Auch wollen sie zukünftig Tastings und Masterclasses anbieten. Sie planen auch alle drei irischen Whiskeystile, also Single Malt, Potstill und Blended Whiskey herzustellen.  Im Moment warten sie noch auf die eine oder ander Genehmigung. Sally-Anne hofft aber, dass sie spätestens im 3. Quartal 2017 mit dem destillieren beginnen können. Um sich aber schon jetzt einen Namen zu machen, planen sie schon in diesem Jahr zwei Abfüllungen unter ihrem Namen herauszubringen.

Die erste Abfüllung ein 7jähriger - extrem lecker

Die erste Abfüllung ein 7jähriger – extrem lecker

Es wird ein siebenjähriger Single Malt Whisky sein. Er wird in zwei Stärken zu haben sein, einmal in Trink- und einmal in Fassstärke. Er war vorab in Bourbon Casks und hat noch ein finishing in Oloroso Sherry Fässern gehabt. Da er hier ja noch nicht produziert werden konnte, ist er in einer anderen der bisher drei irischen Destillen entstanden. Auf jeden Fall wird er unter dem Namen „The Whistler“ vertrieben. Der Name hat auch eine Beziehung zu Pat, der ein begeisterter Whistlespieler ist. Aller Voraussicht wird der Whisky zum Weihnachtsgeschäft in Irland und den USA zu kaufen sein. Wir hatten die große Ehre, sowohl den Whistler in Trink- als auch in Fassstärke zu probieren. Und ich muss sagen, ich habe selten einen so komplexen, aber gleichzeitig wunderbar eingebundenen und runden sieben jährigen Whiskey probiert. Das Ganze lässt wirklich Großes erwarten. Auf diesem Weg noch mal ein herzliches Dankeschön an Sally-Anne für die wirklich sehr informative Führung.

Jede Destille braucht einen Hund - zusammen mit Sally-Anne

Jede Destille braucht einen Hund – zusammen mit Sally-Anne

Selten kann man in einer Destille wirklich überall hinterschauen und sehen wie sie erst im Entstehen ist. Ich wünschen ihnen wirklich alles Gute und einen erfolgreichen Start. Es wird sehr spannend sein, wenn man, sagen wir in zwei Jahren wieder bei Boann vorbei schaut und dann ein fertiges Schmuckstück und einen Touristenmagnet bewundern kann. Das dies gelingen kann, zeigt schon die gut gewählte Lage. Die Destille ist in gut einer Stunde von Dublin erreichbar und die großen Touristenziele Newgrange und der Stone of Tara befinden sich quasi um die Ecke. Daher kann ich mir gut vorstellen, dass sich auch einige Whiskyfreunde nach Drogheda zur Boann Destillery verlaufen werden.

Wenn Ihr mehr über die Familien-Destille Boann erfahren wollt, könnt Ihr auf ihrer Website nach Neuigkeiten Ausschau halten:  www.boanndistillery.ie

 

 

 

Ein Kommentar

Eingeordnet unter Ale, Besichtigungen, Brauereien, Craftbier, Drinklabor on Tour, Getränke, Gin, IPA, Irischer Whisky, Reisen, Spirituosen, Stout, Whisky, Whisky Destillen

The Pubs from the Dirty Old Town – meine Lieblings-Pubs in Dublin

Trinklabor_Dublin13Dublin ist einer meiner liebsten Orte, um einfach die Seele baumeln zu lassen. Es hat viel zu bieten und speziell, wenn man Pubs und gutes Bier mag ist man hier genau richtig. Diese Stadt hat eine wundervolle Pubhistorie und lebendige Pubkultur. Hier findet man vom altehrwürdigen viktorianischen Pub über Partypubs bis hin zu hippen Craftbeer-Pubs einfach alles. Einen Überblick über die Pubs in Dublin zu geben, maße ich mir gar nicht erst an. Dies wäre wohl ein sinnloses Unterfangen. Hier will ich nur ein paar meiner Lieblingspubs, in denen ich schon mehrmals verkehrt habe, kurz vorstellen. Dies ist eine absolut subjektive und vor allem auch nur kleine Auswahl. Natürlich werden viele aufschreien, hallo da fehlt doch mein Lieblings-Pub oder warum hast Du diesen nicht aufgeführt. Aber wie oben geschrieben, dies ist meine kleine Auswahl. Auch habe ich versucht die Pubs zu nehmen, die recht zentral liegen und damit gut zu Fuß von der Innenstadt erreichbar sind. Wenn Ihr meint, ein absolutes Juwel sollte hier noch fehlen, könnt Ihr gern noch Empfehlungen in die Kommentare schreiben.

Der Namensgeber des Pubs

Der Namensgeber des Pubs

The Stags Head: Beginnen möchte ich mit einem Klassiker, der einfach nur wunderschön ist. Und zwar dem Stags Head. Namensgeber ist der große Hirschkopf über der Theke. Ein Pub wurde schon 1770 an dieser Stelle erwähnt, seit 1890 ist er in seinem wundervollen viktorianischen Dekor zu bewundern. Wenn man zum ersten Mal den Schankraum betritt, kommt man gar nicht mehr aus dem Staunen und Fotografieren heraus. Die filigranen Glasfenster und die toll verzierten Holzwände sind wirkliche Hingucker.

Die wundervollen Glasfenster

Die wundervollen Glasfenster

Ich empfehle Euch auch mal in den gemütlichen hinteren Teil durchzugehen. Es sind ca. 10 Biere vom Fass vorhanden. Ich fand das O´Haras Pale Ale sehr lecker. Wer Hunger hat, kann hier ganz gutes und klassisches Pubfood bekommen. Besonders in lauschigen Sommerabenden ist der gesamte Vorbereich des Pubs mit Menschen gefüllt. Dann geht man nur zum Bier holen nach drinnen und hat draußen ein fast mediterranes Ambiente.

Außenbereich des Stags Heads im Sommer

Außenbereich des Stags Heads im Sommer

Wenn Ihr also mal ein schönes Schmuckstück sehen wollt – hier seit Ihr richtig. Außerdem ist der Stags Head sehr zentral gelegen.

 

 

Stags Head, 1 Dame Court, Website

 

Die unscheinbare Außenfassade des Long Hall

Die unscheinbare Außenfassade des Long Hall

The Long Hall: Wo wir bei schönen, historischen Pubs sind, darf natürlich ein weiteres tolles Beispiel viktorianischer Pubkunst nicht fehlen – die Long Hall. Auch diese ist wie der Stags Head recht zentrumsnah gelegen. Es ist einer der ältesten Pubs in Dublin. Die Lizenz erhielt er schon 1766 und das jetzige Interieur stammt aus dem Jahr 1881. Drinklabor_Dublin6Wunderschöne Holzverzierungen und die klassische viktorianische Aufteilung. Die Bierauswahl ist eher traditionell, aber man kommt ja nicht unbedingt des Bieres wegen hierher. Es läuft kein Fernseher mit Sportübertragungen im Hintergrund und auch auf die typische Hintergrundmusik wird verzichtet. Einfach ein Pub zum Treffen und Klönen.

The Long Hall, 51 South Great George Street

 

Das Motto des Against the Grain

Das Motto des Against the Grain

Against the Grain: Nach den altehrwürdigen Pubs komme ich jetzt zu einem noch sehr jungen Pub. Aber dieser Pub hat ein wenig zu meinem Erweckungserlebnis in Bezug auf Craftbeer geführt. Das erste Mal besuchten wir das Against the Grain vor drei Jahren. Wir haben die Empfehlung von einer Pubbekanntschaft erhalten. Er meinte wenn wir Bier mögen und eine ordentliche Bierauswahl liebe, sollten wir dem Pub unbedingt einen Besuch abstatten. Der Vorteil er lag auch noch fussläufig zu unserem Hotel.

Die riesige Anzahl an Zapfhänen

Die riesige Anzahl an Zapfhänen

Die Auswahl an Bieren ist schon gigantisch. Allein die Anzahl an Zapfhähnen übersteigt die Fantasie von deutschen Kneipenbesuchern bei weitem. Für einen Dubliner Pub hat er auch besonders viele internationale Biere. Damals musste ich herzlich lachen, als ich auch Früh Kölsch im Angebot gefunden hatte. Der Pub gehört zur Gallwaybay Brauerei. Doch sie haben neben ihrem eigenen Bier, eine Vielzahl von anderen Bieren.

Aber auch eine große Flaschenauswahl

Aber auch eine große Flaschenauswahl

Daneben kann man auch sehr gut essen. Man bekommt hier modernes und kreativ abgewandeltes Pubfood.

 

 

Against the Grain, 11 Wexford Street, Website 

 

Die Tür mit dem Hinweis zum Tastingraum

Die Tür mit dem Hinweis zum Tastingraum

Palace Bar: Nun möchte ich zu einer Gegend kommen, um die ich eigentlich meist einen Bogen mache – die Temple Bar. Es gibt sowohl einen Pub, als auch ein Teil der Gegend südlich des Liffey, die den Namen tragen. Die Gegend ist einer der Touristenmagneten in Dublin. Speziell an Wochenenden ist hier im wahrsten Sinne die Hölle los. Partypeople werden ihre helle Freude haben. Für die, die sie nicht kennen – eine Mischung aus Düsseldorfer Altstadt, Schinkenstraße, Irish Pub am St. Patricks Day und Jungesellenabschied. Ich kann da gern drauf verzichten. Aber wenn man komplett einen Bogen drum herum macht, verpasst man eine wahre Pubperle. Und speziell für Irish Whiskey Enthusiasten der Place to be. Da am Rand des Temple Bar Gebietes, am Ende der Fleetstreet, bekommt man auch nicht soviel vom Trubel mit. Wenn man die Palace Bar von außen betrachtet und dann betritt, fühlt man sich in die Vergangenheit versetzt.

Die schöne Aussenfassade der Palace Bar

Die schöne Aussenfassade der Palace Bar

Dieses Lokal wurde schon 1823 gegründet und hat viel seines Charmes und seiner Einrichtung aus der damaligen Zeit erhalten. Über Jahre war es, das Stamm-Lokal für fast die gesamte Journalistenzunft in Dublin, da sich das Büro der Irish Times fußläufig in der Nähe befand. Seit 1946 ist die Bar in Familienbesitz der Familie Aherne. Diese hat sehr gute Kontakte zur Familie Teeling und der irischen Whiskyindustrie. Dies führte dazu, dass man hier gefühlt fast jede Abfüllung irischen Whiskeys seit den 60er Jahren findet. Im Obergeschoss gibt es auch noch einen separaten Tastingraum.

Die Theke mit der gigantischen Whiskyauswahl

Die Theke mit der gigantischen Whiskeyauswahl

Und wenn man sich mit dem Barkeeper gut versteht, darf man vielleicht noch einen Blick in die Sammlung der alten Schätzchen werfen. (gleich rechts neben der Eingangstür). Auch haben Sie jedes Jahr ihre eigene Abfüllung speziell für die Palace Bar.

 

 

Palace Bar, 21 Fleetstreet, Website

 

Das soll es schon gewesen sein, mit meinem kleinen Überblick über von mir geschätzte Pubs in Dublin. Es gibt unzählige weitere Perlen, Geheimtipps und Neueröffnungen. Aber für den ersten Besuch in Dublin kann man mit diesen Pubs nicht viel falsch machen. Also auf nach Dublin und genießt diese wunderbare Stadt.

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Ale, Bar und Pubbewertungen, Bitter, Craftbier, Drinklabor on Tour, Getränke, IPA, Pale Ale, Porter, Schwarzbier, Spezial, Stout

Die Eifel eine Bierdiaspora?

So kennt man die Eifel

So kennt man die Eifel

Ich kann es meistens nicht sein lassen, und auch im Urlaub nach neuen Getränken und Genüssen Ausschau zu halten. Nun ging es in unserem letzten Urlaub, wie Ihr vielleicht mitbekommen habt, in die Eifel. Landschaftlich ist diese Gegend eine absolute Wucht und hat tolle Ausblicke, geheimnisvolle Wälder und weite Gegenden zu bieten. Was die leiblichen Genüsse angeht, ist sie, wie soll ich es formulieren, ausbaufähig. Bei diesem Beitrag möchte ich mich kurz den Getränken widmen, die uns bei unserer 12 tägigen Wandertour begegnet sind. Natürlich fällt einen beim Stichwort Eifel zu allererst Mineralwasser ein. Allen voran natürlich Gerolsteiner, aber auch die Brohlerquellen und weitere liefern wirklich gutes und mineralreiches Wasser. Aber immer nur Wasser ist auf die Dauer auch langweilig. Speziell wenn man nach einer längeren Tour endlich an seinem Ziel angelangt ist, freut man sich auf ein leckeres und kühles Bier. Dieses zu bekommen, war häufig kein Problem, wenn man aber mal Abwechselung oder Auswahl haben wollte, dann sah es schon schwieriger aus. Trotzdem habe ich versucht, hier meine Erlebnisse bezüglich Biergenuss in der Eifel wiederzugeben. Dabei sollen nur die Biere erwähnt werden, die uns auch auf unserer Wanderung auf dem Eifelsteig begegnet sind.

Tagsüber besser alkoholfrei und aus Bayern

Tagsüber besser alkoholfrei und aus Bayern

Der Vorteil an der Eifel ist, man bekommt fast überall lokales Bier – was wirklich vorbildlich ist. Die Herausforderung dabei ist aber, dass es sich fast ausschließlich um Bitburger handelt. Und irgendwie sind sich alle Restaurants, Gaststätten und Kneipen in der Eifel einig – „bei uns gibt es Bitburger“.

Das allgegenwärtige Bitburger

Das allgegenwärtige Bitburger

Da ich definitiv kein großer Fan von Bitburger bin, habe ich mich sogar gefreut, wenn eine Kneipe mal ein anderes der großen Fernsehbiere im „Schilde führt“. Was irgendwie schade ist, dass Bitburger mit ihrem Tochterunternehmen Craftwerk so einige spannende Sorten im Programm hat. Leider scheinen sie dieses Bier aber nur in Großstädte zu liefern. Aber vielleicht ist der Eifler an sich so mit dem Bitburger verbunden, dass er keine anderen Sorten braucht. Als einzige „Alternative“ in vielen Kneipen waren Kölsch Biere, häufig von Gaffel, Früh oder Reissdorf.

Doch es gab dann doch ein paar Lichtblicke. Wenn man in der Nordeifel unterwegs ist, stößt man häufig auf die Gemündener Brauerei aus Schleiden. Von der Anmutung des Logo vermutet man eine mehr als hundertjährige Brautradition. Aber diese Brauerei wurde erst Anfang der 60er Jahre gegründet. Sie arbeitet noch immer als Familienunternehmen und hat eine traditionelle aber reichhaltige Angebotspalette. Sie reicht vom Pils, Obergärigen, Bockbier bis zum Naturtrüben. Das bekannteste Bier der Brauerei ist wohl das Eifler Landbier ein lecker, süffiges untergäriges Bier, das auch über die Grenzen der Eifel Bekanntheit erlangt hat. Daneben brauen sie in Lizenz auch das Steinfelder Klosterbier. Dieses wurde früher direkt im Kloster gebraut. Nachdem es dort keine Brauerei mehr gab, entschlossen sich die Mönche, das Bier nach Originalrezepten von der Gemündener Brauerei herstellen zu lassen. Auch dieses finde ich ein grundsolides, gut trinkbares Dunkelbier. Häufig findet man die beiden Biere nur als Flaschenbier. Einzig im Restaurant „Zur alten Abtei“, welches sich direkt vor dem Klostereingang befindet, kann man das Klosterbier auch vom Zapfhahn genießen. Diese beiden Biere sind uns das eine oder andere mal, wenn zwar nur als Flaschenbiere, aber zumindest als Alternative zum Bitburgereinerlei über den Weg gelaufen.

Das Steinfelder Klosterbier vom Fass

Das Steinfelder Klosterbier vom Fass

Zwar selten, aber ab und zu, wenn man Richtung Rhein unterwegs war, konnte man auch noch Biere der Vulkan-Brauerei aus Mendig bekommen. Dabei beschränkte es sich aber häufig auf das Helle. Wobei sich diese kleine Brauerei in den letzten anderthalb Jahren auch spannend weiterentwickelt hat. So bieten sie mittlerweile ein sehr leckeres Pale Ale und ein richtig gelungenes IPA an. Diese haben wir leider nicht bekommen, kann aber jeden empfehlen nach diesen Bieren mal Ausschau zu halten. Was Kneipen und Bierauswahl angeht, muss ich eine besonders hervorheben. Den Burghof in Daun eine wirklich gemütliche Kneipe am Fuße der Dauner Burg. Wir haben hier nicht gegessen, aber die Gerichte sahen sehr schmackhaft aus. Besonders die Idee mit „Sieben auf einen Streich“ – quasi eine Art Eifeler Tappas. Dabei werden 7 unterschiedliche typische Eifler Gerichte in sieben Schüsseln auf einer Schieferplatte angeboten. Dieses gab es in einer Fleisch- und einer vegetarischen Variante. Ich finde eine tolle Idee und wurde auch viel geordert. Was ich aber noch besser fand, es war der einzige Ort, der auch Craftbeer auf der Karte hatte. Ok kein direktes Eifler Craftbeer, aber z.B. die Gose von Fritz Wülfing von Ale Mania aus Bonn, ist ja auch schon von fast Lokalbier. Daneben gab es noch einige Biere vom Hopfenstopfer, der Schönrammer und der Riedenburger Brauerei. Daneben hatten sie auch eine gute Auswahl an Fassbieren. Neben dem obligatorischen Bitburger gab es noch Mühlenkölsch, Köstritzer Kellerbier und eine Erdinger Urweisse vom Fass. Für Bierfans in der Eifel jedenfalls ein gutes Ziel für einen anderen Biergenuss.

Einige Etappen des Eifelsteiges enden in aktiven Klöstern. Um so schöner, wenn man nach der Wanderung neben dem göttlichen Beistand auch noch ein leckeres Klosterbier bekommt. Beim Kloster Steinfeld hat man auf die lokale Brauerei zurückgegriffen. Bei dem anderen klösterlichen Etappenziel Himmerod, hat man sich auf die Mitbrüder besonnen

Himmlisches Klosterbier in Himmerod

Himmlisches Klosterbier in Himmerod

Wie in Steinfeld gibt es auch hier keine Brauerei mehr. Trotzdem sollte an die alte Tradition angeknüpft werden. Die hier ansässigen Zisterziensermönche haben daher einfach bei ihren Mitbrüder in Belgien nach gefragt. Und da in der  Abtei Val Dieu in der Nähe von Lüttich noch Bier gebraut wird und sie nicht so weit entfernt ist, hatte man das Problem gelöst. So hat sich auch meine anfängliche Verwunderung aufgelöst, als ich bei dem Himmeroder Abteibier 10,5 % Alkohol gelesen habe. Das hier angebotene Bier ist nämlich ein klassisches belgisches Quadrupel. Ein wirklich leckeres, recht süsses Stöffchen, dass trotz seiner hohen Prozente noch gut trinkbar ist. Obwohl ich sagen muss, am Ende einer 23 km Wanderung und bei guter Hitze war das Bier sehr schnell da.

Jebs Pale Ale von Kraft Bräu

Jebs Pale Ale von Kraft Bräu

Und passend zum Schluss dieses Textes, aber auch unserer Wanderung durften wir noch mal ein Highlight in Sachen Bier genießen. Am Ende des Eifelsteigs in Trier gibt es seit 1998 das Brauhaus Kraft Bräu. Diese 1. Trierer Hausbrauerei befindet sich im Hotel Blesius Garten und ist ein wenig außerhalb der Innenstadt. Der Weg dorthin lohnt sich allemal, wobei allein schon der Biergarten, aber auch das Brauhaus und die anderen Räume wunderbar eingerichtet und urgemütlich sind. Die Speisen reichen von klassisch Gut-Bürgerlich bis hin zu modernen Burgervarianten und waren ausgesprochen lecker. Aber das Highlight waren die Biere. Eine der Speisenkarte empfahl auch das jeweils zum Gericht passende Bier. Das nenne ich mal einen klasse Service.

Kraftbräu baut sogar eigenen Hopfen vor dem Haus an

Kraftbräu baut sogar eigenen Hopfen vor dem Haus an

Vom Fass gibt es ein Helles, ein Dunkles und ein Weizen. Daneben gibt es immer unterschiedliche Saisonbiere. Als wir da waren, gab es u.a. das sehr gelungene Jeb´s Pale Ale. Ein wunderbar leichtes, fruchtiges Sommerbier. Schön fand ich auch, dass direkt vor dem Hotel sogar ein kleines Hopfenfeld angelegt war. So können sie sogar teilweise Biere mit ihrem eigenen Hopfen brauen. Außerdem haben sie auch ein IPA, dass aber leider bei unseren Besuch gerade aus war.

Die Braukessel der Trierer Kraft Bräu

Die Braukessel der Trierer Kraft Bräu

Auf die Überschrift zurück zu kommen – ist die Eifel eine Bierdiaspora? – ja und nein. Überwiegend ist das Angebot an Bieren doch sehr eingeschränkt und auf Bitburger und eine Kölsch-Sorte beschränkt. Aber es gibt die wunderbaren kleinen und empfehlenswerten Ausnahmen. Und wenn man ehrlich ist, könnte man diese Aussage fast für jede Gegend in Deutschland treffen. Denn abgesehen von Franken, Berlin und einigen Großstädten sieht das Bierangebot nicht viel anders aus als in der Eifel. Aber wir sind ja nicht des Bieres, sondern der Landschaft, der Ruhe und der Natur in die Eifel gekommen. Und da ist diese Gegend wirklich etwas sehr besonderes. Und wenn man dann am Ende einer Wanderung dann noch ein schönes Bier bekommt, umso schöner. Also viel Spaß in der Eifel und genießt diese wunderbare Gegend.

Eifel Impressionen

Eifel Impressionen

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Ale, belgisches Bier, Bitter, Craftbier, Drinklabor on Tour, Getränke, IPA, Pale Ale, Porter, Reisen, Schwarzbier, Spezial, Stout

Bier Leben – von Oliver und Julia Wesseloh – eine literarische Liebeserklärung an das Craftbeer

Drinklabor_BücherHeute möchte ich über eine Liebeserklärung an die neue Form des Biergenusses sprechen. Ein wunderbares Buch über die Craftbeerszene oder soll ich besser Kreativbierszene schreiben. Wer wäre da besser als Autor bzw. Coautor geeignet als das Enfant terrible unter den Craftbeerjüngern – Oliver  Wesseloh. Was findet man nicht alles für Bezeichnungen für ihn, den Gründer der Kehrwieder Kreativbrauerei, der Weltmeister der Biersomiliere, den Bierbrauer oder deutscher Craftbeerpabst. Er und seine Frau Julia haben im Herbst 2015 das Buch „Bier leben“ veröffentlicht. Wobei wohl auf Julia Wesseloh die Hauptaufgabe zu kam, die ganzen Ideen, Erlebnisse und Vorstellungen ihres Mannes zu strukturieren und auch noch lesenswert aufzubereiten. Und ich finde es ist ihr gelungen.

Als kleiner Gag am Rande erschien das Buch passend am 31.10.2015 dem Reformationstag. Und ähnlich wie Luther damals mit seinen 99 Thesen die verkrustete katholische Kirche reformieren wollte, hat man manchmal das Gefühl, das die Autoren hier mit ihren Thesen das Deutsche Reinheitsgebot und den Deutschen Brauerbund wenn nicht reformieren, so doch verändern will. Aber jetzt erwartet kein missionarisches Buch. Es ist Ihnen quasi mit hanseatischen Understatement gelungen, Ihre Faszination für die neue Bierwelt darzulegen ohne einen mit aller Macht davon zu überzeugen. Dies ist ja leider nur noch selten zu finden, da bei allen Hypethemen gefühlt immer nur noch ein dafür oder dagegen gibt.

Drinklabor_BierlebenFür mich ein sehr lesenswertes Buch in das Oli Wesseloh viel seiner subjektiven Einschätzungen zu Märkten, Bieren und Entwicklungen wiedergibt. Ein zentraler Bestandteil des Buches ist, dass er weg will von dem aus den USA übernommenen Begriff „Craftbeer“ hin zu einem neuen Begriff nämlich „Kreativbier“. Diese Begriff wird nicht über die Menge, sondern über vier Kriterien definiert: Inhaberführung, Transparenz, Vielfalt und Natürlichkeit. Und auch das Thema des sogenannten „Reinheitsgebotes darf natürlich nicht fehlen.

Da Buch zeigt auch schön, die enge Verbundenheit unter den Craftbeerbrauern. Denn man merkt das er fast alle aus der Szene persönlich kennt. Auch lockert er sein Buch zwischendurch mit Interviews unter der Überschrift ein Bier mit auf. Dort tauchen sowohl die „Großen“ des internationalen Craftbeermarkets, wie James Watt von Brewdog, Sam Calagione von der Dogfish Head oder Ken Grossman von Sierra Nevada Brauerei auf. Aber auch ein Bierblogger, die Leiterin der Hopfenakademie, ein Bierjournalist und andere kommen  zu Wort.

Im ersten Teil beschreibt er zuerst die unterschiedlichen Märkte in Europa und wie sie sich entwickelt haben. Danach geht es über den großen Deich zur Keimzelle der Craftbeerbewegung. Nach einem kurzen internationalen Blick konzentriert er sich auf Deutschland und hier auf eine Auswahl wichtiger Craftbeerbrauer. Dabei wird immer der Brauer der hinter der Marke und der Brauerei steht in den Vordergrund gestellt und deren Werdegang wiedergeben. Dabei konnte ich feststellen, dass ich im Rheinland quasi aus der Geburtsregion der deutschen Bewegung komme. Mit Fritz Wülfings von Ale Mania aus Bonn, der damals 2007 das erste deutsche IPA abfüllte (damals noch als Fitz Ale) oder Peter Esser von der Kölner Braustelle der schon 2002 erste Kreativbiere in seiner Kneipe anbot.

Ab der Mitte des Buches widmet er sich dem Bier als solchem und seinen Zutaten. Wobei natürlich dem Hopfen eine besondere Würdigung zu teil wird. Hier kommt der Brauer und sein Wissen um die Wichtigkeit der richtigen Zutaten und Qualitäten in den Vordergrund. Und ich habe doch noch so einiges gelernt. Und natürlich wir nicht nur Hopfen, Malz und Hefe behandelt, sondern auch Früchte, Gewürze und Kräuter. Im Anschluss wird die gesamte Bierherstellung ausführlich beschrieben. Im hinteren Teil beschäftigt er sich mit der Biervielfalt und den unterschiedlichen Bierstilen. Daran anschließend kommt der Biersommilier zum Einsatz und das richtige Bierverkosten wird ausführlich beschrieben. Und zum Ende gibt es auch noch eine kleine Einführung ins Heimbrauen. Das dies natürlich nur ein kurzer Anriss ist und eine ausführliche Anleitung nicht ersetzt sollte selbsterklärend sein.

Für Bierliebhaber schon fast ein Muss und für Craftbeerfans erübrigt sich die Frage. Ich empfand es extrem lesenswert, sehr zurückhaltend und sehr bildend. Hier kann ich nur eine Empfehlung aussprechen.

 

Oliver und Julia Wesseloh
Bier Leben – Die neue Braukultur
240 Seiten
Rowohlt Taschenbuch Verlag 2015
ISBN 978-3-499-62946-4

Ein Kommentar

Eingeordnet unter Ale, Bitter, Craftbier, Getränke, Getränke Bücher, IPA, Pale Ale, Porter, Schwarzbier, Spezial, Stout

Faszination Craftbeer – der Braukunst Laden Köln

Open Bottle Party im Braukunstladen

Open Bottle Party im Braukunstladen

Zu meiner persönlichen Freude entwickelt sich Köln, trotz noch starker Kölschbezogenheit, immer mehr zu einem Craftbeer Zentrum. Natürlich findet die Entwicklung in kleineren Dimensionen als Berlin statt, trotzdem hat sich in den letzten 12 Monaten doch so einiges getan. Neustes Mitglied in der Craftbeer Gemeinde ist der Braukunstladen an der Friesenstraße. Hier hat Wolf Heisig vor gut zwei Monaten ein Craftbeer-Geschäft mit angeschlossenem Tastingraum eröffnet. Erst durch die Anmeldung zu einem Tasting von schottischen Bieren bei dem nebenan liegenden Scotia Spirits haben wir das Geschäft kennen gelernt. Mein Kumpel Oli und ich waren ursprünglich bei einem Openbottletasting bei Scotia Spirits angemeldet. Dieses hatten wir vor ca. einem Jahr schon einmal besucht. Da uns die Veransstaltung und die Auswahl so gut gefallen hat, wollten wir auch in diesem Jahr daran teilnehmen.  Zu unserer Überraschung fanden wir einen Hinweis, dass wir hinten herum gehen sollten. Und so bogen wir in die Spiesergasse ein und standen vor dem uns bisher unbekannten Braukunstladen. Dort wurden wir gleich freundlich von Wolf begrüsst. Welchen wir schon bei dem Craftbeer trift Single Malt Tasting kennengelernt hatten. Hier noch der Link zu dem Bericht.

Eine kleine Auswahl an Bieren

Eine kleine Auswahl an Bieren

Bei Wolf spürt man gleich die Begeisterung für das Thema Bier. Obwohl er erst vor knapp einem Jahr mit dem Craftbeer in Berührung gekommen war, hat ihn das Ganze so infiziert, dass er sich erst intensiv hobbymäßig damit beschäftigt hat. Sogar eine eigene Heimbrauanlage wurde angeschafft und das erste eigene Bier gebraut. Und nun führte seine Begeisterung sogar zum eignen Laden. Eigentlich hat er eine Personalvermittlungsagentur, die quasi in direkter Nachbarschaft zum Scotia Spirits von Peter Klas liegt. Als dieser auf der Suche nach Räumlichkeiten für einen weiteren Tastingraum war, kam Wolf auf die Idee, sein neues Hobby auch beruflich auszuüben. So wurde zwischen den beiden Räumlichkeiten ein weiteres Ladenlokal angemietet. Dieses bietet im Erdgeschoss einen Verkaufs- und Ausstellungsraum für Craftbeer und im Obergeschoss einen Raum für Whisky-Tastings . Vor ca. acht Wochen war dann Eröffnung.

Der Tastingraum in der 1. Etage

Der Tastingraum in der 1. Etage

Trotz seiner kurzen Öffnungszeit bietet der Braukunst Laden schon eine unglaubliche Vielfalt an Bieren. Da über 4 große Regale komplett voll standen, kann ich schwer einschätzen, wieviele Biere hier insgesamt im Angebot sind. Es sind auf jeden Fall mehr als 150 verschiedene Sorten. So bilden vor allem englische und schottische Biere einen Schwerpunkt. Dabei gibt es Biere von vielen neuen und auch kleineren Brauereien wie Fyne Ales, Spey Valley, Cairngorn oder Stathaven. Aber auch andere Länder und Bierarten sind in recht großer Auswahl vertreten. Und es kommen immer noch neue Sorten und Arten dazu. Das angenehme hier ist, dass sich nicht nur rein auf die gerade so angesagten IPA´s konzentriert wird, sondern auch eine breite Auswahl an unterschiedlichen Bierstilen vom Zwickel, über belgische Biere, Porter, Stouts, Gosen und andere Sourbiere und vieles andere mehr.

Nette Runde am Beginn des Tastings

Nette Runde am Beginn des Tastings

Am Anfang waren wir erst zu viert, aber im Laufe des Abends sind noch weitere Personen dazu gestoßen. Jeder Teilnehmer hatte die Möglichkeit 10 verschiedene Biere a 100 ml zu probieren. Dazu gab es zur Neutralisation Brot und Wasser. Auch einen Tastingbogen haben wir erhalten um unsere Eindrücke festzuhalten. Und obwohl als schottisches Biertasting angekündigt, haben wir auch dass Angebot  genutzt, dass wir auch Biere anderer Länder probieren konnten. So hatten wir wirklich eine tolle Auswahl an Bieren gehabt. Ich will nicht alle aufzählen, sondern nur meine Highlights hier beschreiben. Da waren zuerst zwei wunderbare italienische Biere, die beide absolut gigantisch waren – aber ganz anderes im Geschmack. Einerseits das My Antonia ein Geschmeinschaftsbier von Birra del Borgo und der amerikanischen Dogfish Head Brauerei. Etwas sehr ungewöhnliches nämlich ein Imperial Pilsener mit 7,5 % Alkohol. Dies hatte eine so gelungene Hopfennote, dass ich bei solchen Bieren noch zum Pilsfan werden könnte. Außerdem gab es noch einen IPA Hammer auch aus Italien – das 2Late Double IPA von BrewFist. Für mich eines der besten IPAs, die ich bisher getrunken habe. Aber auch ein Lager muss nicht langweilig schmecken. So hatten wir ein Christmas on the beach von den Fyne Ales. Und auch die dunkle Seite der Macht konnte verköstigt werden. Dort stach für mich besonders ein Imperial Stout von der Swannay Brewery hervor. Alles in allen war es ein wirklich gelungener Abend mit sehr viel Spaß, exzellenten Bieren und unterhaltsamen Geschichten. Wolf ist ein super Gastgeber und konnte mit seine Begeisterung für Craftbeer alle anstecken. Wer selbst an einem Openbottletasting teilnehmen möchte, kann immer freitags von 15.00-19.00 Uhr im Braukunstladen vorbei schauen. Aber auch sonst lohnt sich ein Besuch hier, um sich mit neuen spannenden Bieren einzudecken. Ein schöner und netter Laden, bei dem ich nicht das letzte mal gewesen bin.

Auswahl von verköstigtem Craftbeer

Auswahl von verköstigtem Craftbeer

Den Braukunstladen findet Ihr an der Ecke Friesenstraße 16 und Spiesergasse in Köln.

Öffnungszeiten Montag-Freitag 11.00 – 19.00 Uhr und am Samstag 11.00 – 17.00 Uhr.
Oder im Netz unter http://www.braukunstladen.de

 

2 Kommentare

Eingeordnet unter Ale, Bitter, Craftbier, Drinklabor on Tour, Getränke, Getränke kaufen, IPA, Pale Ale, Porter, Schwarzbier, Spezial, Stout, Tastings

Pubcrawl Muggelton Inn Maidstone

Drinklabor_Muggelton InnEigentlich sollten hier vor allem Empfehlungen ausgesprochen werden. Aber meine Erfahrung mit dem Muggleton Inn und anderen Wetherspoons haben mich dann doch veranlast noch eine Warnung auszusprechen. Insgesamt finde ich die Wetherspoonisierung bzw. die „Verkettung“ der Pubszene in UK doch sehr traurig. Auf der anderen Seite scheint es ja vielleicht die einzige Möglichkeit zu sein, verschiedene Lokalitäten überhaupt zu erhalten. Bei diesem Beitrag beziehe ich mich besonders auf das Muggleton Inn. Aber meine 2-3 weiteren Erfahrungen in ähnlichen Pubs in Wick und Torquay lassen mich vermuten, dass diese Pubs ähnlich aufgebaut sind. Man muss natürlich beachten, dass wir Freitags dort waren und das es da speziell in diesen Pubs doch noch ein wenig anders läuft. Aber ich will vorn anfangen. Erstmal ist der Pub riesig. Hat viele kleine aber auch Art Tresentische. Ein Blick auf die Karte zeigt erstmal eines – es ist verdammt günstig – vielleicht sollte man auch billig sagen. So gibt es speziell für den Freitag ein Fish&Chips Angebot inklusive einem Pint für 6,80 Pfund. Es gibt klassisches Pubfood. Die Bierpreise sind fast ein Pfund günstiger als in anderen Pubs.
Durch den Hallencharakter kann eine gewisse Gemütlichkeit erst gar nicht aufkommen. Lustigerweise gibt  es auch hier gemischtes Publikum von vielen Teenagern, bis zu Arbeitern die noch ihr Feierabendbier trinken.

Drinklabor_MuggeltoninnInsgesamt fällt eien ziemliche Schmuddeligkeit auf. Obwohl scheinbar ein oder zwei Personen speziell für das Abräumen der Tische zuständig sind, stehen fasst auf allen Tischen noch leere Gläser, Teller und Müll. Abgewischt werden die Tische auch nur nach mehrmaligen Auffordern und eher widerwillig. Insgesamt können natürlich bei den niedrigen Preisen für das Personal nicht viel gezahlt werden. Das zeigt sich dann natürlich auch am Ausbildungsgrad und Servicebereitschaft. Mir passiert
Ungemütlich, um 20.00 Uhr kam Security vor die Tür, alles sehr billig, dafür keinerlei ausgebildetes Personal, kennen eigenes Angebot überhaupt nicht, muss selbst das Bier/Tapp zeigen, Tische werden weder abgeräumt, noch abgewischt, abund zu doch, dann aber zentral uns gegenüber gestapelt, Bierflasche wird aufgemacht, Bier schäumt über Hand drauf und gewartet bis Bier aufhört zu chäumen, man kann es ja in ein Glas schütten Angebot Fish und Chips und ein Pint – ich nehme das american IPA – frage der Bedienung welches – ich keine Ahnung das aus Eurem Angebot, Sie gibt mir ein Bier und will dann 3 Pfund mehr, ich frage warum, das ist teurer

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Ale, Bar und Pubbewertungen, Bitter, Craftbier, IPA, Pale Ale, Porter, Reisen, Schwarzbier, Spezial, Stout

Lissabon – Auf der Suche nach Craftbeer

Drinklabor_CraftbeerLissabon1Wie schon angekündigt kommt hier der 4. Teil der Lissabon Quadrologie. Ich als ausgesprochener Craftbeer Liebhaber wollte auch schauen, ob es eine entsprechende Szene im Weinland Portugal gibt und wie sich diese darstellt. Vor Beginn unser Reise dachte ich mir, dort wird bestimmt nur Wein oder Port getrunken. Aber dann wurde ich eines besseren belehrt. Ok die Craftbeerszene ist erst im Entstehen begriffen, aber sie entwickelt sich sehr innovativ und schnell. Portugal ist wahrlich kein typisches Bierland. Bis vor einigen Jahren gab es hier nur genau 2 Brauereien. Diese sind mittlerweile beide in internationalen Händen. Das ist einerseits der Marktführer Sagres, der zur Heineken Gruppe gehört. Und anderseits die Brauerei mit dem wunderbaren Namen Superbock. Diese gehört wiederum zu Carlsberg. Beide Biere gibt es in unterschiedlichen Sorten und man bekommt sie quasi überall. Aber auch vor Portugal machte die neue Bewegung keinen Halt und hier entwickelt sich eine wirklich spannende Szene. Speziell da Portugal ohne typische Biertraditionen weniger Vorbehalte gegen Neuerungen hat und daher die neuen Brauer einfach drauf los experimentieren.

Drinklabor_CraftbeerLissabon2Und auch die großen Brauereien versuchen selbst auf den Zug aufzuspringen. So bietet Superbock im Timeout Market in Lissabon einen Beerexperience-Stand an. Wenn man alles Tamtam drumherum weglässt, sind es eigentlich nichts anderes als sechs Zapfhähne. Diese darf man aber als Kunde selbst bedienen. Das System kam bei den Gästen aber sehr gut an, so dass immer eine kleine Schlange vor dem Stand zu sehen war.  Zuerst entscheidet man sich für eines der Biere. Neben dem klassischen Lager, gab es ein Dunkel und ein Stout. Daneben noch drei Biere der neune Marke 1927. Von denen gab es ein Münchner Hell, ein Münchner Dunkel und ein Amber Ale. Nachdem man ein Bier gewählt hat, musste man bezahlen und bekam ein Bierglas und einen Kassenbeleg mit Strichcode in die Hand gedrückt. Oberhalb des Zapfhahns war ein Monitor angebracht, wo ein Video zum richtigen Zapfen gezeigt wurde. Dann musste man den Kassenbeleg an ein Lesegerät halten. Das löste eine Sperre und man konnte und man durfte selbst sein Bier zapfen. Man musste nur aufpassen, da  man bestraft wurde, da die Bierzufuhr nach der bezahlten Menge automatisch stoppte. Ich habe das Amber Ale und das Stout probiert. Das Amber Ale war ein stärker gehopftes, dunkleres Ale – was so einen typischen Einsteigerbier für in die neue Bierwelt nahe kam. Das Stout fand ich insgesamt zu nichtssagend. An den Bieren können sie also noch ein wenig arbeiten. Aber das Konzept des Selbstzapfens war schon ganz lustig und fand auch guten Zuspruch.

Drinklabor_CraftbeerLissabon3Aber es gibt auch einige richtige Craftbeerzentren in Lissabon zu entdecken. Die zwei Pubs die wir besuchten, waren beide sowohl als Kneipe als auch als Shop angelegt. So konnte man direkt vor Ort sein Bier genießen, aber auch verschiedene Flaschen zum Mitnehmen einpacken lassen. Es sind die „Cerveteca Lisboa“  und das „Lis Beer“. Die Cerveteca liegt in der Nähe des Botanischen Gartens und bietet sowohl Fass- als auch Flaschenbier an. Sie hatten 8 verschiedene Biersorten vom Fass und eine ganze Regelwand mit Flaschenbieren. Das schöne sie bieten auch ein kleines Tasting der Fassbiere an. Man bekommt 5 Biere a 0,1 l als Tastinggedeck. Dort versuchte ich natürlich besonders die einheimischen Biere zu probieren. Hier kam ich auch zum ersten Mal mit den Bieren von Oitava (8a) Colina in Berührung. Dies steht für den 8.  Hügel. Die Geschichte zum Namen fand ich sehr nett.  So sagt man, dass Lissabon ähnlich wie Rom auf 7 Hügeln erbaut worden ist. Dabei hat man den Graca Hill vergessen und genau hier liegt die Brauerei. Und nach diesem 8. Hügel hat man diese benannt. Beim Tasting war ein Zé Arnaldo dabei. Dies war ein wunderbar vollmundiges und gut trinkbares Porter. Daneben durfte ich auch noch das Urraca Vendaval probieren – was ein wunderbares, zitrusbetontes aber auch mächtig bitteres IPA ist. Und hat IPA untypisch nur 6 % Alkohol.  Das Urraca stellte sich auch als das Lieblingsbier unserer Bedienung heraus und ist ein wirklich gelungenes Craftbeer. Die Brauerei kann man auch besichtigen. Jeden Samstag gibt es eine Tour durch die Räumlichkeiten. Wir hatten leider das Pech, über Ostern dagewesen zu sein. Da sie an diesem Wochenende keine Führung angeboten haben. Auch haben sie laut Website einen kleinen Tastingraum, so dass man auch die Biere vor Ort probieren kann. Aber auch im Cerveteca kann man sehr relaxed eine Vielzahl von Bieren probieren. Ich würde schätzen, dass neben den Fassbieren an die 150 verschiedene Sorten Flaschenbiere angeboten werden. Davon auch ca. 1/10 portugiesische Biere. Was auffiel, dass besonders viele belgische Biere zu finden waren. Daneben natürlich auch  US-amerikanische, englische und einige skandinavische Biere. Nur deutsche Biere suchte man vergebens.

Drinklabor_LissabonCraftbeer4Ein anderer schöner Laden, der sich in der Nähe unserer Unterkunft in der Alfama befand ist das Lisbeer. Auch dieses ist ganz gemütlich, mit lauschigen Sesseln ausgestattet. Auch Sie bieten die Möglichkeiten zum Flaschenkauf und hatten auch mindestens 8 verschiedene Biere vom Fass. Hier wird auch nicht so konsequent zwischen Craftbeer und Industriebier unterschieden. So hatten sie z.B. auch Paulaner vom Fass. Hier probierten wir auch Biere einer weiteren Lissaboner Brauerei der Dois Corvos Brauerei. Von dieser haben wir z.B. das Metropolitan Pale Ale probiert. Ein recht leichtes, ein wenig süßliches Pale Ale nach amerikanischem Vorbild. Außerdem gab es von Ihnen nach das sehr leckere Matiné – ein Session IPA – was wirklich besonders lecker hopfig war. Was es für uns noch einfacher machte, war die hier vorhandene extra Karte rein für portugiesische Biere. Diese zweiseitige Karte enthielt neben den beiden oben beschriebenen Lissabonner Bieren weitere Sorten wie Toira, Mean Sardine oder Sovina. Schwierig war nur, dass die Karte obwohl nur ein ausgedruckter DIN A4 Zettel, die Vorrätigkeit mittels Punkte oder Haken darstellte. Da diese mal durchgestrichen oder wieder zugefügt hatte, wusste man am Ende gar nicht was noch im Angebot war. So konnte man manchmal ein wenig länger fragen, bis man ein Bier entdeckte, was auch vorrätig war. Daneben gab es noch eine weitere Karte mit über 200 Bieren aus den unterschiedlichsten Ländern.

Drinklabor_LissabonCraftbeer5Zusammenfassend kann ich festhalten – Craftbeer ist wirklich in Portugal und auch in Lissabon angekommen. Es gibt schon ein gutes Angebot an Pubs und auch lokalen Brauereien, speziell wenn man bedenkt, dass Lissabon nur 500.000 Einwohner hat. Ich denke da mal an die Millionenstadt Köln, die beim Thema Craftbeer dem noch um einiges hinterherhinkt. So kann man auch im Weinland Portugal viele spannende Biere testen und eine noch kleine, aber sehr kreative Bierszene antreffen. Und man konnte sehen, dass vor allem die jungen Portugiesen dem Craftbeer und den neuen Bierstielen sehr offen gegenüber stehen. Für die unter Euch die nach Lissabon kommen, hier ein paar Adressen und Links zu den Craftbeerhotspots.

Cerveteca Lisboa Praça das Flores 63, Lissabon hat täglich von 15.30 – 1.00 Uhr geöffnet

Lisbeer  –  Beco do Arco Escuro 1, Lissabon hat montags Ruhetag und die anderen Tage von 16.00 – 1.00 Uhr geöffnet.

8a Colina – Travessa da Pereira nº16 A, Lisabon

Dois Corvos – Rua Capitão Leitão, 94, Lissabon – der Taproom hat bis auf Samstag täglich ab 13.00 Uhr geöffnet

und zum Schluss, ist nicht wirklich Craftbeer – macht aber trotzdem Spaß

die Beerexperience von Superbock im Time Out Mercado da Ribeira, Avenida 24 de Julho, Cais do Sodré

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Ale, Bar und Pubbewertungen, Besichtigungen, Bitter, Craftbier, Drinklabor on Tour, Geschäfte, Getränke, Getränke kaufen, IPA, Pale Ale, Porter, Reisen, Stout