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Besuch in der deutschen Craftbeerhauptstadt

Mitte Januar war ich für ein verlängertes Wochenende in Berlin. Und da ich schon eine ganze Weile nicht mehr hier war, nutzte ich die Gelegenheit die neuen Craftbeer-Hotspots, zu besuchen. Zuerst war ich in der Markthalle 9 in Kreuzberg. Nicht unbedingt nur ein Zentrum für Craftbeer, sondern ganz allgemein eine wundervolle alte Markthalle. Diese wurde vor ca. 6 Jahren wieder wachgeküsst und ihrer alten Bestimmung zugeführt.  Hier kann man sowohl klassisch seine Einkäufe erledigen, aber auch viele Delikatessen und Kleinigkeiten gleich vor Ort essen. Dabei reicht das Angebot von Austern, über Burger, selbstgemachte Pasta, bis hin zu veganen Kuchen.

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Große Auswahl an Ständen in der Markthalle 9

Und was hat das alles mit Craftbeer zu tun. Direkt in den Kellerräumen der Markthalle 9 gibt es die kleine aber feine Brauerei Heidenpeters. Diese existiert seit 2012, als die Betreiber der Markthalle den damaligen Hobbybrauer Johannes Heidenpeter überzeugen konnten, in den ehemaligen Räumen einer Metzgerei seine Brauerei zu eröffnen. Aber nicht nur die Brauerei ist hier vor Ort, es gibt auch im Eckbereich einen kleinen Ausschank, wo man insgesamt 4 verschiedene Biere von Heidenpeters probieren kann. Ich habe das Heidenpeters American IPA probiert. Und so konnte ich mit einem leckeren Bier in der Hand, durch die Markthalle schlendern und die Auslagen begutachten.  Ein wirklich sehr süffiges IPA, bei dem der Hopfen nicht direkt anklopft, aber eine wunderbare Grapefruit-Nase mitbringt. Ein wirklich leckeres Bier, dass ich in einer tollen Atmosphäre genießen konnte.

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Ein frisch gezapftes Heidenpeters American IPA

Wer mehr über die Markthalle 9 erfahren möchte, dem empfehle ich den sehr interessanten Blog von Askan den Food & Farmers Markets Blog.

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Die „Trinkhalle“ der Stone Brauerei Berlin

Nachdem ich ausgiebig durch die Markthalle 9 geschlendert bin, wollte ich noch zum derzeit, interessantesten Platz für Craftbeer in Berlin – die neue Stone Brewing Brauerei. Ich hatte schon einiges gehört und wollte unbedingt selbst mal vorbeischauen. Die erste Herausforderung für mich war dorthin mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu gelangen. Auf ihrer Website empfehlen sie bis zur S-Bahnhaltestelle Attila-Straße zu fahren und von dort in 15 – 20 Minuten zu Fuß hinzuwandern. Was im Sommer bestimmt ein Vergnügen ist, stellte es sich im Januar als recht mühsam dar. Auf dem Weg durch etliche Kleingartenkolonien ist zwar frei von Verkehr, aber leider weder befestigt noch geräumt, so dass es bei vereisten Boden recht anstrengend war. Außerdem gibt es auf der gesamten Strecke so gut wie keine Beleuchtung, was Abends nicht für den Weg spricht. Ich habe daher auf dem Rückweg den Bus genommen. Dieser fährt fußläufig ca. 5 min von der Brauerei entfernt ab. Nachdem ich den Weg geschafft hatte, war ich von der Größe der Analage schon recht beeindruckt. Die Brauerei befindet sich nämlich in der denkmalgeschützten Halle des ehemaligen Gaswerks Berlin Mariendorf.  Das gesamte Gebäude stammt aus dem Jahre 1902 und wie ich im Nachhinein erfahren habe, dauerte es fast 4 Jahre, bis alle Denkmalschutz-Auflagen erfüllt worden sind.

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Gemütliche Sitzecken

Die Außenanlagen waren der Witterung entsprechend natürlich nicht in Benutzung. Ich kann mir aber vorstellen, dass es absolut genial sein muss, hier in einer lauen Sommernacht zu sitzen. Wenn man in die Halle reinkommt, gibt es erstmal eine Art Vorhalle, in der ein Empfangstresen steht. Dort ist auch der obligatorische Fanshop mit Getränken, Klamotten und anderen Devotionalien von  Stone Brewing. Und dann kommt man in die große Halle – wow was für Dimensionen. Hier hat man nicht gekleckert, sondern geklotzt. Gut 25 Mio. Euro wurden hier insgesamt investiert. Auf der linken Seite befindet sich die Brauerei, die durch eine große Glaswand abgetrennt ist. Der ganze restliche Teil ist eine großzügige Fläche zum Sitzen, Essen, Biertrinken und verweilen. Überall sind große Holzbalken und andere natürliche Materialien um die Bereiche voneinander abzutrennen. Gleich rechts in der großen Halle befindet sich die große Theke, die mit auf jeder Seite ca. 30 Zapfhähnen! aufwartet. Dahinter ist eine große Freitreppe, die man mit vielen gemütlichen Sitzmöglichkeiten ausgestattet hat. Auf der oberen Etage hat man einen schönen Überblick über die ganze Halle und findet weitere gemütliche Sitzgelegenheiten. Einziger Wermutstropfen ist, dass man sich hier oben selbstbedienen muss. Was bei der Größe der Anlage aber mehr als verständlich ist.

Hinter der Bar gibt es noch einen Durchgang zu einem weiteren Raum dem Bibliotheks- oder Kaminzimmer. Dieser separate Raum hat noch eine weitere kleine Bar und wird häufig für die Einführungen zu den Brauereiführungen genutzt. Wie ich auch später erfahren habe, war es auch der erste fertiggestellte Raum in der neuen Brauerei. Er wurde im März letzten Jahres zuerst restauriert. Und ab April 2016 begann man mit dem eigentlichen Brauen. Und ab Sommer war dann auch das Restaurant und der Schankraum für Publikum geöffnet. Da ich natürlich auch die Brauerei von innen und nicht nur durch die Scheibe besichtigen wollte, buchte ich noch eine Führung. Diese werden mehrmals täglich sowohl auf Deutsch als auch in Englisch angeboten. Da die nächste deutsche Tour schon ausgebucht war, buchte ich die englische. Sie kostet sehr faire 3 € und lohnt sich auf alle Fälle. Man wird 45 – 60 Minuten herumgeführt, darf danach noch 3 verschiedene Biere verköstigen und bekommt noch ein Nosingglas als Geschenk.

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Reid erklärt den Brauprozess

Uns führte Reid durch die Brauerei. Der Amerikaner ist erst seit Sommer 2016 hier, führte aber durch die Brauerei wie ein alter Hase und war mit großen Enthusiasmus dabei. Die Berliner Brauerei ist mittlerweile die dritte Brauerei von Stone Brewing. Das Hauptwerk in San Diego wurde vor ca. 10 Jahren eröffnet. Ende 2016 wurde noch eine Brauerei in Richmond eröffnet. Auch wenn man es bei den Ausmaßen kaum glauben mag, ist die Berliner die kleinste Brauerei der Dreien. Da man schon vorher Bier nach Deutschland und Europa exportiert hatte, kam man vor ca. 4 Jahren auf die Idee, warum nicht gleich eine Brauerei vor Ort bauen. Die Wahl auf Berlin fiel vor allem des Standorts wegen. Riesiger Einzugsbereich, gute Verkehrsanbindung und die zentrale Lage in Europa. Und dann hat bestimmt auch noch die Craftbeerszene in Berlin  eine Rolle gespielt.

Die meisten Biersorten in Berlin sind identisch zu denen in San Diego, wobei der Hauptunterschied durch das Wasser ausgemacht wird. Das Berliner Wasser ist weicher und wie Reid uns verraten hat, sogar noch besser zum Brauen geeignet. Die Gerste kommt größtenteils aus Deutschland, beim Hopfen greift man fast ausschließlich auf US-Hopfen zurück. Aber auch erste Testsude mit deutschen Hopfen wurden schon versucht. Um diese Testsude im kleinen Stil und auch eigenes Bier nur für den Verkauf vor Ort produzieren muss, baute man neben der eigentlichen Brauerei, noch eine Experimentier-Brauanlage mit auch schon beeindruckenden 600 l Menge pro Braugang.

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Hier wird Berliner Weiße hergestellt

Dagegen schafft die große Anlage schon 10.000 l pro Brauvorgang und das bei 3 Durchläufen pro Tag und das an 5 Tagen die Woche. Da kommt schon einiges an Bier zusammen. Alles wirkte auf mich schon ein wenig  industriell und ist komplett computergesteuert. Wir wurden durch die einzelnen Stationen der Bierherstellung geführt. Interessant fand ich die angeschlossene Turbine am Läutertank, womit man die Energie zum Erhitzen wiederverwendete. Da sie fast nie Flaschengärung durchführen nutzen sie zwei Fermentationstanks. Der zweite Tank kann auch bei dem sogenannten Dryhopping genutzt werden. Auffällig war auch ein kleiner Steinbottich. Dieser wird für die Gärung von Sauerbieren,  im speziellen zur Herstellung von Berliner Weiße genutzt. Wie wir erfahren haben, scheinen die Bakterien in Steingefäßen besser als in Stahltanks zu funktionieren. Insgesamt ist es schon eine wirkliche beeindruckende Anlage, die aber nur noch wenig mit der romantischen Vorstellung der „Hobbycraftbeer“-Herstellung  zu tun haben.

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Der Start der Bierverköstigung mit einem IPA

Dann ging es noch zu einer kurzen Verkostung. Dort wollte uns Reid neben den bekanntesten Bieren von Stone auch deren Vielfalt näher bringen. Gestartet haben wir mit dem Megaseller von Stone dem Stone IPA. Dies hat für Stone „nur 6,8 % Alkohol“ und eine IBU-Zahl von 77. Das war mal eine ordentliche Hopfenbombe. Hier kamen Magnum, Centennial und Chiinook  Hopfen zum Einsatz. Als nächstes kam dann ein komplett anders schmeckendes Bier ins Glas. Dachten wir zu mindestens, aber es war das gleiche Bier, nur dass hier eine andere Hefe zum Einsatz kam. So hatte das sogenannte Calibelgique IPA die klassische belgische Bier-Note, die man eher von einem Double oder Tripple kennt. Da waren Aromen von Banane und Lemongras zu schmecken. Aber die klassischen IPA-Fruchtaromen, vom Stone IPA waren fast nicht mehr wahrnehmbar. Am Schluss kam dann noch ein ursprünglich missglückter Bierversuch ins Glas – das Arrogant Bastard Ale. Beim ersten Brauvorgang 1997 sollte es ursprünglich ein Red Ale werden. Das Ergebnis war aber etwas ganz anderes geworden. Es war viel bitterer, wies aber eine komplexe Karamell-Note auf. Das „missglückte“ Bier kam so gut an, dass es in die Standardrange aufgenommen wurde und mittlerweile das meistverkaufte Fassbier von Stone darstellt.

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Craftbeer-Himmel – 60 Biere vom Fass

Dann wurde es langsam Zeit, wieder nach Berlin rein zu fahren. Ein toller Tag neigte sich dem Ende zu. Ich kann nur jeden empfehlen, der in der Hauptstadt ist oder plant hinzufahren sowohl die Markthalle 9 als auch Stone zu besichtigen. Beides sind Highlights für jeden Biertrinker, aber auch Fans von Industriekultur und leckeren Essen kommen hier auf ihre Kosten. Nähere Informationen zu Stone Brewing wie z.B. Öffnungszeiten, Touren, produzierten Bieren etc. findet Ihr auf der Website http://www.stonebrewing.eu

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Die Boann Distillery – der zukünftige Stern am irischen Whiskeyhimmel

Drinklabor_BoannDistillery1Wie Ihr vielleicht auf meinen Socialmedia-Kanälen mibekommen habt, befand ich mich Mitte September mit einer größeren Gruppe von Whiskyenthusiasten auf einer Tour durch Wales, Irland und Schottland. Dabei nutzten wir natürlich die Gelegenheit, vor Ort möglichst viele Destillen persönlich zu besuchen und die Leute dahinter kennen zu lernen. Dabei gab es, wie immer im Leben mal Licht mal Schatten. Ein wirkliches Highlight der Tour war der Besuch in der irischen Boann Destillery. Boann werden jetzt einige fragen. „Habe ich noch nie gehört?“ Das kann damit zusammenhängen, dass sie noch nicht aktiv ist und sich noch im Bau befindet. Auf der Fahrt von Dublin nach Portrush in Nordirland nahmen wir uns die Zeit für einen kurzen Halt in Drogheda im Boyne Valley. Oli der schon bei der letzten Fahrt die Besichtigung der Strathearn Distillery organisiert hatte, schaffte auch diesmal  für insgesamt 12 Personen unserer Gruppe eine Führung zu vereinbaren. Und nach anfänglichen Zögern, da es ja noch eine Baustelle wäre, haben sie sich bereit erklärt, uns zu empfangen.

Der Blick von außen

Der Blick von außen

Der Anblick von außen war anfänglich ein wenig ungewöhnlich, da die gesamte Front verglast war. Insgesamt sah es nicht wie eine typische Destille aus. Was damit zusammenhängen konnte, das dies ein ehemaliges Autohaus war, dass jetzt zur Destille umgerüstet wird. Das Autohaus war Anfang der 2000er Jahre gebaut und im Rahmen der Eurokrise in Konkurs gegangen. Nach einiger Zeit des Leerstands entschieden sich die Boann Eigentümer 2015 dieses Gebäude als Heimat ihrer Destille zu wählen.

Unsere Gruppe beim andächtigen Zuhören

Unsere Gruppe beim andächtigen Zuhören

Wir wurden von der Marketing und PR-Leiterin Sally-Anne Cooney sehr herzlich begrüßt und in die heiligen Hallen geleitet. Obwohl noch nicht alle Leitungen verbunden waren und die Spirit-Safes teilweise noch verpackt in Kisten rumstanden, konnte man sich schon ein gutes Bild von der zukünftigen Destille machen.

Der zukünftige Spiritsafe

Der zukünftige Spiritsafe

Wie es sich für einen irischen Whiskey gehört, soll er auch dreimal destilliert werden. Entsprechend konnte man schon drei wundervolle Stils begutachten. Sally-Anne erzählte uns ein wenig zur Idee die hinter dem Unternehmen steckt.

Der Blick in die zukünftige Destille

Der Blick in die zukünftige Destille

Die Boann Destillery ist nach der Gottheit Boann benannt, die u.a. auch den Fluß Boyne erschaffen haben soll. Dieser ist gleichzeitig der Namensgeber für das Tal nördlich von Dublin – das Boyne Valley. Das zeigt schon ein wenig, dass die Eigentümer großen Wert auf die Verbindung zu dem Land und der Gegend legen. So soll auch außschließlich Gerste aus der Gegend verwendet werden.

Improvisierte Bar aus Fässern für eine Veranstaltung

Improvisierte Bar aus Fässern für eine Veranstaltung

Auch das örtliche Wasser, welches eine sehr hohe Wasserhärte aufweist, soll trotzdem genutzt werden. Es soll dem Whiskey ein besonders Aroma geben. Sie verglich dabei ihr Vorgehen mit und die Beziehung zu der Gegend mit einem Winzer, bei dem das Terroir auch eine besondere Rolle für den Wein spielt. Außerdem hat diese Gegend eine lange Whiskey-Tradtion. So gab es 1822 in der Gegend noch 18 Whiskeydestillen. Davon blieb nur eine übrig, die aber auch 1968 schließen musste. So ist die Boann Distillery die erste Neugründung seit über 50 Jahren in dieser Gegend.

Unsere charmante Führerin durch die Boann Distillery - Sally-Anne

Unsere charmante Führerin durch die Boann Distillery – Sally-Anne

Unsere Führerin Sally-Anne ist eines von fünf Kindern des Gründers Pat Cooney. Wie sie sind auch ihre vier Geschwister und die Mutter in unterschiedlichen Bereichen des Unternehmens tätig. Man kann also von einem wirklichen Familienunternehmen sprechen.  Die Idee zu dem Unternehmen hatte ihr Vater Pat, der Gründer der Firma. Er ist hier in der Nähe in Drogheda geboren und hat damit eine enge Beziehung zu der Gegend und ihren Menschen. Nach einer erfolgreichen Karriere bei den Getänkekonzern Gleeson, hat er gr0ße Teile des Unternehmens 2012 verkauft. Nur die Cream Liqueur- und Ciderproduktion behielt er weiterhin. Als großer Whiskyliebhaber war das Projekt schon seit über 15 Jahren sein Traum von ihm und der Famile. Zukünftig sollen neben Whiskey auch Gin und andere Brände hergestellt werden. Außerdem existiert schon seit ca. 3 Monaten in der hintereen Halle eine Craftbeer Brauerei – die Boann Brewery – und eine Flaschen- und Dosen-Abfüllstation.

Die Brennblasen - noch nicht in Aktion

Die Brennblasen – noch nicht in Aktion

Neben der Verbundenheit mit der Gegend steht vor allem die Qualität und die moderne Technik bei diesem Neubau im Vordergrund. So entschloß man sich durch den vorgegebenen Bau der Halle, für eine moderne Aufmachung für die Destille. Dadurch stehen wor allem Glas, Chrom und Stahl im Vordergrund. Dies wird durch die absolut toll aussehenden Kupfer-Sttills noch unterstützt. Als Hersteller für die Brennblasen entschied man sich für die italienische Firma Green Engineering. Diese hatte schon Erfahrung beim Bau der Brennblasen für die Bombay Saphire Destille gesammelt. Bei Boann kommen spezielle Brennblasen mit Nanotechnologie zum Einsatz. Diese soll dazu führen, dass beim Destillationsvorgang die 6fache Menge an Kupfer mit dem Alkohol in Berührung kommt. Diese Technick wird meiner Kenntnis nach, erstmalig in einer Whiskydestille eingesetzt.

Die Bennett-Stil für irischen Gin

Die Bennett-Stil für irischen Gin

Das besondere Steckenpferd von Sally-Anne aber ist die Gin-Produktion. Für diese steht eine 500 l Bennett-Still zur Verfügung. Der hier zukünftig hergestellte Gin soll mit speziellen irischen Botanicals verfeinert werden. Dafür steht zusätzlich auch noch eine Anlage für Dampfinfusionen bereit, die Öle aus den besonders empfindlichen  Botanicals extrahieren soll. Hier merkte man ihre Begeisterung, wenn sie von den aktuellen Experimenten und Versuchen erzählt, um einen einzigartigen Gin zu kreieren. Durch ihre langjährige Arbeit im Weinhandel hat sie auch ein großes Interesse für das Thema Fassmanagement.

Das zukünftige Fasslager - die Fässer warten auf ihre Befüllung

Das zukünftige Fasslager – die Fässer warten auf ihre Befüllung

Im Keller konnten wir schon mal einen Blick auf eine ganze Menge leerer Fässer werfen, die auf Ihre Befüllung warten. Durch die Beziehungen von Pat und die Kontakte von Sally-Anne aus ihrem vorherigen Beruf konnten sie an genügend Fässer herankommen.Sie hat uns schon veraten, dass sie zukünftig gern mit unterschiedlichen Fässern und Finishes arbeiten möchte.

Die Boann Brewery

Das Boyne Brewhouse

Im hinteren Bereich konnten wir noch einen Blick in die schon aktive Brauerei das Boyne Brewhouse werfen. Als Braumeisterin konnten sie dafür Aine O´Hara gewinnen. Aine, die gebürtig aus Galway kommt, hatte davor für 8 Jahre in Australien studiert und gearbeitet. Nun ist sie in ihr Heimatland zurück gekehrt, hat aber gleich mit ihrem ersten Bier dem „Born in a Day“, einem australischen Pale Ale, an ihre Australien Zeit erinnert.

Die Dosenabfüllanlage im Betrieb

Die Dosenabfüllanlage im Betrieb

Zur Zeit haben sie schon drei verschiedene Biersorten im Angebot. Im Laufe der Zeit sollen noch weitere dazu kommen. Insgesamt ist bei Boann noch vieles in Planung. Zukünftig soll noch eine gläserne Wand vor der Destille eingezogen werden. Im vorderen Teil soll dann ein Visitorcenter mit Restaurant untergebracht werden. Außerdem soll man dann auf der ersten Etage den Mitarbeitern beim destillieren zuschauen können. Auch eine starke Klimaanlage ist geplant. Dies ist auch von Nöten, da durch die große Glasfront schon bei unserem Besuchstag die Wärme schon gut spürbar war. Auch wollen sie zukünftig Tastings und Masterclasses anbieten. Sie planen auch alle drei irischen Whiskeystile, also Single Malt, Potstill und Blended Whiskey herzustellen.  Im Moment warten sie noch auf die eine oder ander Genehmigung. Sally-Anne hofft aber, dass sie spätestens im 3. Quartal 2017 mit dem destillieren beginnen können. Um sich aber schon jetzt einen Namen zu machen, planen sie schon in diesem Jahr zwei Abfüllungen unter ihrem Namen herauszubringen.

Die erste Abfüllung ein 7jähriger - extrem lecker

Die erste Abfüllung ein 7jähriger – extrem lecker

Es wird ein siebenjähriger Single Malt Whisky sein. Er wird in zwei Stärken zu haben sein, einmal in Trink- und einmal in Fassstärke. Er war vorab in Bourbon Casks und hat noch ein finishing in Oloroso Sherry Fässern gehabt. Da er hier ja noch nicht produziert werden konnte, ist er in einer anderen der bisher drei irischen Destillen entstanden. Auf jeden Fall wird er unter dem Namen „The Whistler“ vertrieben. Der Name hat auch eine Beziehung zu Pat, der ein begeisterter Whistlespieler ist. Aller Voraussicht wird der Whisky zum Weihnachtsgeschäft in Irland und den USA zu kaufen sein. Wir hatten die große Ehre, sowohl den Whistler in Trink- als auch in Fassstärke zu probieren. Und ich muss sagen, ich habe selten einen so komplexen, aber gleichzeitig wunderbar eingebundenen und runden sieben jährigen Whiskey probiert. Das Ganze lässt wirklich Großes erwarten. Auf diesem Weg noch mal ein herzliches Dankeschön an Sally-Anne für die wirklich sehr informative Führung.

Jede Destille braucht einen Hund - zusammen mit Sally-Anne

Jede Destille braucht einen Hund – zusammen mit Sally-Anne

Selten kann man in einer Destille wirklich überall hinterschauen und sehen wie sie erst im Entstehen ist. Ich wünschen ihnen wirklich alles Gute und einen erfolgreichen Start. Es wird sehr spannend sein, wenn man, sagen wir in zwei Jahren wieder bei Boann vorbei schaut und dann ein fertiges Schmuckstück und einen Touristenmagnet bewundern kann. Das dies gelingen kann, zeigt schon die gut gewählte Lage. Die Destille ist in gut einer Stunde von Dublin erreichbar und die großen Touristenziele Newgrange und der Stone of Tara befinden sich quasi um die Ecke. Daher kann ich mir gut vorstellen, dass sich auch einige Whiskyfreunde nach Drogheda zur Boann Destillery verlaufen werden.

Wenn Ihr mehr über die Familien-Destille Boann erfahren wollt, könnt Ihr auf ihrer Website nach Neuigkeiten Ausschau halten:  www.boanndistillery.ie

 

 

 

Ein Kommentar

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Die Eifel eine Bierdiaspora?

So kennt man die Eifel

So kennt man die Eifel

Ich kann es meistens nicht sein lassen, und auch im Urlaub nach neuen Getränken und Genüssen Ausschau zu halten. Nun ging es in unserem letzten Urlaub, wie Ihr vielleicht mitbekommen habt, in die Eifel. Landschaftlich ist diese Gegend eine absolute Wucht und hat tolle Ausblicke, geheimnisvolle Wälder und weite Gegenden zu bieten. Was die leiblichen Genüsse angeht, ist sie, wie soll ich es formulieren, ausbaufähig. Bei diesem Beitrag möchte ich mich kurz den Getränken widmen, die uns bei unserer 12 tägigen Wandertour begegnet sind. Natürlich fällt einen beim Stichwort Eifel zu allererst Mineralwasser ein. Allen voran natürlich Gerolsteiner, aber auch die Brohlerquellen und weitere liefern wirklich gutes und mineralreiches Wasser. Aber immer nur Wasser ist auf die Dauer auch langweilig. Speziell wenn man nach einer längeren Tour endlich an seinem Ziel angelangt ist, freut man sich auf ein leckeres und kühles Bier. Dieses zu bekommen, war häufig kein Problem, wenn man aber mal Abwechselung oder Auswahl haben wollte, dann sah es schon schwieriger aus. Trotzdem habe ich versucht, hier meine Erlebnisse bezüglich Biergenuss in der Eifel wiederzugeben. Dabei sollen nur die Biere erwähnt werden, die uns auch auf unserer Wanderung auf dem Eifelsteig begegnet sind.

Tagsüber besser alkoholfrei und aus Bayern

Tagsüber besser alkoholfrei und aus Bayern

Der Vorteil an der Eifel ist, man bekommt fast überall lokales Bier – was wirklich vorbildlich ist. Die Herausforderung dabei ist aber, dass es sich fast ausschließlich um Bitburger handelt. Und irgendwie sind sich alle Restaurants, Gaststätten und Kneipen in der Eifel einig – „bei uns gibt es Bitburger“.

Das allgegenwärtige Bitburger

Das allgegenwärtige Bitburger

Da ich definitiv kein großer Fan von Bitburger bin, habe ich mich sogar gefreut, wenn eine Kneipe mal ein anderes der großen Fernsehbiere im „Schilde führt“. Was irgendwie schade ist, dass Bitburger mit ihrem Tochterunternehmen Craftwerk so einige spannende Sorten im Programm hat. Leider scheinen sie dieses Bier aber nur in Großstädte zu liefern. Aber vielleicht ist der Eifler an sich so mit dem Bitburger verbunden, dass er keine anderen Sorten braucht. Als einzige „Alternative“ in vielen Kneipen waren Kölsch Biere, häufig von Gaffel, Früh oder Reissdorf.

Doch es gab dann doch ein paar Lichtblicke. Wenn man in der Nordeifel unterwegs ist, stößt man häufig auf die Gemündener Brauerei aus Schleiden. Von der Anmutung des Logo vermutet man eine mehr als hundertjährige Brautradition. Aber diese Brauerei wurde erst Anfang der 60er Jahre gegründet. Sie arbeitet noch immer als Familienunternehmen und hat eine traditionelle aber reichhaltige Angebotspalette. Sie reicht vom Pils, Obergärigen, Bockbier bis zum Naturtrüben. Das bekannteste Bier der Brauerei ist wohl das Eifler Landbier ein lecker, süffiges untergäriges Bier, das auch über die Grenzen der Eifel Bekanntheit erlangt hat. Daneben brauen sie in Lizenz auch das Steinfelder Klosterbier. Dieses wurde früher direkt im Kloster gebraut. Nachdem es dort keine Brauerei mehr gab, entschlossen sich die Mönche, das Bier nach Originalrezepten von der Gemündener Brauerei herstellen zu lassen. Auch dieses finde ich ein grundsolides, gut trinkbares Dunkelbier. Häufig findet man die beiden Biere nur als Flaschenbier. Einzig im Restaurant „Zur alten Abtei“, welches sich direkt vor dem Klostereingang befindet, kann man das Klosterbier auch vom Zapfhahn genießen. Diese beiden Biere sind uns das eine oder andere mal, wenn zwar nur als Flaschenbiere, aber zumindest als Alternative zum Bitburgereinerlei über den Weg gelaufen.

Das Steinfelder Klosterbier vom Fass

Das Steinfelder Klosterbier vom Fass

Zwar selten, aber ab und zu, wenn man Richtung Rhein unterwegs war, konnte man auch noch Biere der Vulkan-Brauerei aus Mendig bekommen. Dabei beschränkte es sich aber häufig auf das Helle. Wobei sich diese kleine Brauerei in den letzten anderthalb Jahren auch spannend weiterentwickelt hat. So bieten sie mittlerweile ein sehr leckeres Pale Ale und ein richtig gelungenes IPA an. Diese haben wir leider nicht bekommen, kann aber jeden empfehlen nach diesen Bieren mal Ausschau zu halten. Was Kneipen und Bierauswahl angeht, muss ich eine besonders hervorheben. Den Burghof in Daun eine wirklich gemütliche Kneipe am Fuße der Dauner Burg. Wir haben hier nicht gegessen, aber die Gerichte sahen sehr schmackhaft aus. Besonders die Idee mit „Sieben auf einen Streich“ – quasi eine Art Eifeler Tappas. Dabei werden 7 unterschiedliche typische Eifler Gerichte in sieben Schüsseln auf einer Schieferplatte angeboten. Dieses gab es in einer Fleisch- und einer vegetarischen Variante. Ich finde eine tolle Idee und wurde auch viel geordert. Was ich aber noch besser fand, es war der einzige Ort, der auch Craftbeer auf der Karte hatte. Ok kein direktes Eifler Craftbeer, aber z.B. die Gose von Fritz Wülfing von Ale Mania aus Bonn, ist ja auch schon von fast Lokalbier. Daneben gab es noch einige Biere vom Hopfenstopfer, der Schönrammer und der Riedenburger Brauerei. Daneben hatten sie auch eine gute Auswahl an Fassbieren. Neben dem obligatorischen Bitburger gab es noch Mühlenkölsch, Köstritzer Kellerbier und eine Erdinger Urweisse vom Fass. Für Bierfans in der Eifel jedenfalls ein gutes Ziel für einen anderen Biergenuss.

Einige Etappen des Eifelsteiges enden in aktiven Klöstern. Um so schöner, wenn man nach der Wanderung neben dem göttlichen Beistand auch noch ein leckeres Klosterbier bekommt. Beim Kloster Steinfeld hat man auf die lokale Brauerei zurückgegriffen. Bei dem anderen klösterlichen Etappenziel Himmerod, hat man sich auf die Mitbrüder besonnen

Himmlisches Klosterbier in Himmerod

Himmlisches Klosterbier in Himmerod

Wie in Steinfeld gibt es auch hier keine Brauerei mehr. Trotzdem sollte an die alte Tradition angeknüpft werden. Die hier ansässigen Zisterziensermönche haben daher einfach bei ihren Mitbrüder in Belgien nach gefragt. Und da in der  Abtei Val Dieu in der Nähe von Lüttich noch Bier gebraut wird und sie nicht so weit entfernt ist, hatte man das Problem gelöst. So hat sich auch meine anfängliche Verwunderung aufgelöst, als ich bei dem Himmeroder Abteibier 10,5 % Alkohol gelesen habe. Das hier angebotene Bier ist nämlich ein klassisches belgisches Quadrupel. Ein wirklich leckeres, recht süsses Stöffchen, dass trotz seiner hohen Prozente noch gut trinkbar ist. Obwohl ich sagen muss, am Ende einer 23 km Wanderung und bei guter Hitze war das Bier sehr schnell da.

Jebs Pale Ale von Kraft Bräu

Jebs Pale Ale von Kraft Bräu

Und passend zum Schluss dieses Textes, aber auch unserer Wanderung durften wir noch mal ein Highlight in Sachen Bier genießen. Am Ende des Eifelsteigs in Trier gibt es seit 1998 das Brauhaus Kraft Bräu. Diese 1. Trierer Hausbrauerei befindet sich im Hotel Blesius Garten und ist ein wenig außerhalb der Innenstadt. Der Weg dorthin lohnt sich allemal, wobei allein schon der Biergarten, aber auch das Brauhaus und die anderen Räume wunderbar eingerichtet und urgemütlich sind. Die Speisen reichen von klassisch Gut-Bürgerlich bis hin zu modernen Burgervarianten und waren ausgesprochen lecker. Aber das Highlight waren die Biere. Eine der Speisenkarte empfahl auch das jeweils zum Gericht passende Bier. Das nenne ich mal einen klasse Service.

Kraftbräu baut sogar eigenen Hopfen vor dem Haus an

Kraftbräu baut sogar eigenen Hopfen vor dem Haus an

Vom Fass gibt es ein Helles, ein Dunkles und ein Weizen. Daneben gibt es immer unterschiedliche Saisonbiere. Als wir da waren, gab es u.a. das sehr gelungene Jeb´s Pale Ale. Ein wunderbar leichtes, fruchtiges Sommerbier. Schön fand ich auch, dass direkt vor dem Hotel sogar ein kleines Hopfenfeld angelegt war. So können sie sogar teilweise Biere mit ihrem eigenen Hopfen brauen. Außerdem haben sie auch ein IPA, dass aber leider bei unseren Besuch gerade aus war.

Die Braukessel der Trierer Kraft Bräu

Die Braukessel der Trierer Kraft Bräu

Auf die Überschrift zurück zu kommen – ist die Eifel eine Bierdiaspora? – ja und nein. Überwiegend ist das Angebot an Bieren doch sehr eingeschränkt und auf Bitburger und eine Kölsch-Sorte beschränkt. Aber es gibt die wunderbaren kleinen und empfehlenswerten Ausnahmen. Und wenn man ehrlich ist, könnte man diese Aussage fast für jede Gegend in Deutschland treffen. Denn abgesehen von Franken, Berlin und einigen Großstädten sieht das Bierangebot nicht viel anders aus als in der Eifel. Aber wir sind ja nicht des Bieres, sondern der Landschaft, der Ruhe und der Natur in die Eifel gekommen. Und da ist diese Gegend wirklich etwas sehr besonderes. Und wenn man dann am Ende einer Wanderung dann noch ein schönes Bier bekommt, umso schöner. Also viel Spaß in der Eifel und genießt diese wunderbare Gegend.

Eifel Impressionen

Eifel Impressionen

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Pubcrawl Muggelton Inn Maidstone

Drinklabor_Muggelton InnEigentlich sollten hier vor allem Empfehlungen ausgesprochen werden. Aber meine Erfahrung mit dem Muggleton Inn und anderen Wetherspoons haben mich dann doch veranlast noch eine Warnung auszusprechen. Insgesamt finde ich die Wetherspoonisierung bzw. die „Verkettung“ der Pubszene in UK doch sehr traurig. Auf der anderen Seite scheint es ja vielleicht die einzige Möglichkeit zu sein, verschiedene Lokalitäten überhaupt zu erhalten. Bei diesem Beitrag beziehe ich mich besonders auf das Muggleton Inn. Aber meine 2-3 weiteren Erfahrungen in ähnlichen Pubs in Wick und Torquay lassen mich vermuten, dass diese Pubs ähnlich aufgebaut sind. Man muss natürlich beachten, dass wir Freitags dort waren und das es da speziell in diesen Pubs doch noch ein wenig anders läuft. Aber ich will vorn anfangen. Erstmal ist der Pub riesig. Hat viele kleine aber auch Art Tresentische. Ein Blick auf die Karte zeigt erstmal eines – es ist verdammt günstig – vielleicht sollte man auch billig sagen. So gibt es speziell für den Freitag ein Fish&Chips Angebot inklusive einem Pint für 6,80 Pfund. Es gibt klassisches Pubfood. Die Bierpreise sind fast ein Pfund günstiger als in anderen Pubs.
Durch den Hallencharakter kann eine gewisse Gemütlichkeit erst gar nicht aufkommen. Lustigerweise gibt  es auch hier gemischtes Publikum von vielen Teenagern, bis zu Arbeitern die noch ihr Feierabendbier trinken.

Drinklabor_MuggeltoninnInsgesamt fällt eien ziemliche Schmuddeligkeit auf. Obwohl scheinbar ein oder zwei Personen speziell für das Abräumen der Tische zuständig sind, stehen fasst auf allen Tischen noch leere Gläser, Teller und Müll. Abgewischt werden die Tische auch nur nach mehrmaligen Auffordern und eher widerwillig. Insgesamt können natürlich bei den niedrigen Preisen für das Personal nicht viel gezahlt werden. Das zeigt sich dann natürlich auch am Ausbildungsgrad und Servicebereitschaft. Mir passiert
Ungemütlich, um 20.00 Uhr kam Security vor die Tür, alles sehr billig, dafür keinerlei ausgebildetes Personal, kennen eigenes Angebot überhaupt nicht, muss selbst das Bier/Tapp zeigen, Tische werden weder abgeräumt, noch abgewischt, abund zu doch, dann aber zentral uns gegenüber gestapelt, Bierflasche wird aufgemacht, Bier schäumt über Hand drauf und gewartet bis Bier aufhört zu chäumen, man kann es ja in ein Glas schütten Angebot Fish und Chips und ein Pint – ich nehme das american IPA – frage der Bedienung welches – ich keine Ahnung das aus Eurem Angebot, Sie gibt mir ein Bier und will dann 3 Pfund mehr, ich frage warum, das ist teurer

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Lissabon – Auf der Suche nach Craftbeer

Drinklabor_CraftbeerLissabon1Wie schon angekündigt kommt hier der 4. Teil der Lissabon Quadrologie. Ich als ausgesprochener Craftbeer Liebhaber wollte auch schauen, ob es eine entsprechende Szene im Weinland Portugal gibt und wie sich diese darstellt. Vor Beginn unser Reise dachte ich mir, dort wird bestimmt nur Wein oder Port getrunken. Aber dann wurde ich eines besseren belehrt. Ok die Craftbeerszene ist erst im Entstehen begriffen, aber sie entwickelt sich sehr innovativ und schnell. Portugal ist wahrlich kein typisches Bierland. Bis vor einigen Jahren gab es hier nur genau 2 Brauereien. Diese sind mittlerweile beide in internationalen Händen. Das ist einerseits der Marktführer Sagres, der zur Heineken Gruppe gehört. Und anderseits die Brauerei mit dem wunderbaren Namen Superbock. Diese gehört wiederum zu Carlsberg. Beide Biere gibt es in unterschiedlichen Sorten und man bekommt sie quasi überall. Aber auch vor Portugal machte die neue Bewegung keinen Halt und hier entwickelt sich eine wirklich spannende Szene. Speziell da Portugal ohne typische Biertraditionen weniger Vorbehalte gegen Neuerungen hat und daher die neuen Brauer einfach drauf los experimentieren.

Drinklabor_CraftbeerLissabon2Und auch die großen Brauereien versuchen selbst auf den Zug aufzuspringen. So bietet Superbock im Timeout Market in Lissabon einen Beerexperience-Stand an. Wenn man alles Tamtam drumherum weglässt, sind es eigentlich nichts anderes als sechs Zapfhähne. Diese darf man aber als Kunde selbst bedienen. Das System kam bei den Gästen aber sehr gut an, so dass immer eine kleine Schlange vor dem Stand zu sehen war.  Zuerst entscheidet man sich für eines der Biere. Neben dem klassischen Lager, gab es ein Dunkel und ein Stout. Daneben noch drei Biere der neune Marke 1927. Von denen gab es ein Münchner Hell, ein Münchner Dunkel und ein Amber Ale. Nachdem man ein Bier gewählt hat, musste man bezahlen und bekam ein Bierglas und einen Kassenbeleg mit Strichcode in die Hand gedrückt. Oberhalb des Zapfhahns war ein Monitor angebracht, wo ein Video zum richtigen Zapfen gezeigt wurde. Dann musste man den Kassenbeleg an ein Lesegerät halten. Das löste eine Sperre und man konnte und man durfte selbst sein Bier zapfen. Man musste nur aufpassen, da  man bestraft wurde, da die Bierzufuhr nach der bezahlten Menge automatisch stoppte. Ich habe das Amber Ale und das Stout probiert. Das Amber Ale war ein stärker gehopftes, dunkleres Ale – was so einen typischen Einsteigerbier für in die neue Bierwelt nahe kam. Das Stout fand ich insgesamt zu nichtssagend. An den Bieren können sie also noch ein wenig arbeiten. Aber das Konzept des Selbstzapfens war schon ganz lustig und fand auch guten Zuspruch.

Drinklabor_CraftbeerLissabon3Aber es gibt auch einige richtige Craftbeerzentren in Lissabon zu entdecken. Die zwei Pubs die wir besuchten, waren beide sowohl als Kneipe als auch als Shop angelegt. So konnte man direkt vor Ort sein Bier genießen, aber auch verschiedene Flaschen zum Mitnehmen einpacken lassen. Es sind die „Cerveteca Lisboa“  und das „Lis Beer“. Die Cerveteca liegt in der Nähe des Botanischen Gartens und bietet sowohl Fass- als auch Flaschenbier an. Sie hatten 8 verschiedene Biersorten vom Fass und eine ganze Regelwand mit Flaschenbieren. Das schöne sie bieten auch ein kleines Tasting der Fassbiere an. Man bekommt 5 Biere a 0,1 l als Tastinggedeck. Dort versuchte ich natürlich besonders die einheimischen Biere zu probieren. Hier kam ich auch zum ersten Mal mit den Bieren von Oitava (8a) Colina in Berührung. Dies steht für den 8.  Hügel. Die Geschichte zum Namen fand ich sehr nett.  So sagt man, dass Lissabon ähnlich wie Rom auf 7 Hügeln erbaut worden ist. Dabei hat man den Graca Hill vergessen und genau hier liegt die Brauerei. Und nach diesem 8. Hügel hat man diese benannt. Beim Tasting war ein Zé Arnaldo dabei. Dies war ein wunderbar vollmundiges und gut trinkbares Porter. Daneben durfte ich auch noch das Urraca Vendaval probieren – was ein wunderbares, zitrusbetontes aber auch mächtig bitteres IPA ist. Und hat IPA untypisch nur 6 % Alkohol.  Das Urraca stellte sich auch als das Lieblingsbier unserer Bedienung heraus und ist ein wirklich gelungenes Craftbeer. Die Brauerei kann man auch besichtigen. Jeden Samstag gibt es eine Tour durch die Räumlichkeiten. Wir hatten leider das Pech, über Ostern dagewesen zu sein. Da sie an diesem Wochenende keine Führung angeboten haben. Auch haben sie laut Website einen kleinen Tastingraum, so dass man auch die Biere vor Ort probieren kann. Aber auch im Cerveteca kann man sehr relaxed eine Vielzahl von Bieren probieren. Ich würde schätzen, dass neben den Fassbieren an die 150 verschiedene Sorten Flaschenbiere angeboten werden. Davon auch ca. 1/10 portugiesische Biere. Was auffiel, dass besonders viele belgische Biere zu finden waren. Daneben natürlich auch  US-amerikanische, englische und einige skandinavische Biere. Nur deutsche Biere suchte man vergebens.

Drinklabor_LissabonCraftbeer4Ein anderer schöner Laden, der sich in der Nähe unserer Unterkunft in der Alfama befand ist das Lisbeer. Auch dieses ist ganz gemütlich, mit lauschigen Sesseln ausgestattet. Auch Sie bieten die Möglichkeiten zum Flaschenkauf und hatten auch mindestens 8 verschiedene Biere vom Fass. Hier wird auch nicht so konsequent zwischen Craftbeer und Industriebier unterschieden. So hatten sie z.B. auch Paulaner vom Fass. Hier probierten wir auch Biere einer weiteren Lissaboner Brauerei der Dois Corvos Brauerei. Von dieser haben wir z.B. das Metropolitan Pale Ale probiert. Ein recht leichtes, ein wenig süßliches Pale Ale nach amerikanischem Vorbild. Außerdem gab es von Ihnen nach das sehr leckere Matiné – ein Session IPA – was wirklich besonders lecker hopfig war. Was es für uns noch einfacher machte, war die hier vorhandene extra Karte rein für portugiesische Biere. Diese zweiseitige Karte enthielt neben den beiden oben beschriebenen Lissabonner Bieren weitere Sorten wie Toira, Mean Sardine oder Sovina. Schwierig war nur, dass die Karte obwohl nur ein ausgedruckter DIN A4 Zettel, die Vorrätigkeit mittels Punkte oder Haken darstellte. Da diese mal durchgestrichen oder wieder zugefügt hatte, wusste man am Ende gar nicht was noch im Angebot war. So konnte man manchmal ein wenig länger fragen, bis man ein Bier entdeckte, was auch vorrätig war. Daneben gab es noch eine weitere Karte mit über 200 Bieren aus den unterschiedlichsten Ländern.

Drinklabor_LissabonCraftbeer5Zusammenfassend kann ich festhalten – Craftbeer ist wirklich in Portugal und auch in Lissabon angekommen. Es gibt schon ein gutes Angebot an Pubs und auch lokalen Brauereien, speziell wenn man bedenkt, dass Lissabon nur 500.000 Einwohner hat. Ich denke da mal an die Millionenstadt Köln, die beim Thema Craftbeer dem noch um einiges hinterherhinkt. So kann man auch im Weinland Portugal viele spannende Biere testen und eine noch kleine, aber sehr kreative Bierszene antreffen. Und man konnte sehen, dass vor allem die jungen Portugiesen dem Craftbeer und den neuen Bierstielen sehr offen gegenüber stehen. Für die unter Euch die nach Lissabon kommen, hier ein paar Adressen und Links zu den Craftbeerhotspots.

Cerveteca Lisboa Praça das Flores 63, Lissabon hat täglich von 15.30 – 1.00 Uhr geöffnet

Lisbeer  –  Beco do Arco Escuro 1, Lissabon hat montags Ruhetag und die anderen Tage von 16.00 – 1.00 Uhr geöffnet.

8a Colina – Travessa da Pereira nº16 A, Lisabon

Dois Corvos – Rua Capitão Leitão, 94, Lissabon – der Taproom hat bis auf Samstag täglich ab 13.00 Uhr geöffnet

und zum Schluss, ist nicht wirklich Craftbeer – macht aber trotzdem Spaß

die Beerexperience von Superbock im Time Out Mercado da Ribeira, Avenida 24 de Julho, Cais do Sodré

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Lisbon Winery – eine geniale Weinverkostung

Drinklabor_LisboneWinery1Wie Ihr ja schon an den anderen Beiträgen gesehen habt, waren wir über Ostern in Portugal, genauer gesagt in Lissabon. Und diese Stadt gibt doch neben den wunderbaren Orten, Plätzen, Denkmälern und Menschen auch viel her für einen Getränkeblog. Bisher habe ich schon zwei Beiträge über Lissabon geschrieben.  Den Beitrag zum portugiesischen Gin findet Ihr hier. Ein Beitrag über eine tolle Whiskysammlung in Lissabon könnt Ihr über diesen Link erreichen. Natürlich darf bei Berichten über Lissabon und Portugal der portugiesische Wein nicht vergessen werden. Es ist immerhin das meistgetrunkene Getränk, zumindest was alkoholische Getränke angeht. Noch dazu ist er äusserst lecker und weist eine große Vielfalt auf.  Erstaunlicherweise führt portugiesischer Wein bei uns in Deutschland noch ein ziemliches Schattendasein. Natürlich kennt man den verarbeiten Wein – also den aufgespriteten Port. Aber wenn es um normale Weiß- oder Rotweine angeht, muss man bei uns doch länger suchen. Manchen wird noch der Vinho Verde aus Nordportugal ein Begriff sein. Der leicht mit Kohlensäure versetzt wird und einen wunderbaren Sommerwein darstellt. Aber wie ich erfahren habe, war in diesem Jahr die grösste Dichte an portugiesischen Winzern auf der Prowein in Düsseldorf anzutreffen. Und vielleicht trägt dies auch  zu einer höheren Bekanntheit bei, zu wünschen wäre es.

Wenn man in Portugal essen geht, hat fast jedes Restaurant einen Hauswein, den man ohne weiteres bestellen kann. Häufig ist es ein leichter, sehr süffiger Wein. Da wir uns aber auch ein wenig genauer mit den portugiesischen Weinen auseinandersetzen wollten, haben wir an einer Weinprobe teilgenommen. In Lissabon gibt es einige Weinbars, die einen mit Rat und Tat zur Seite stehen. Wir sind auf Empfehlung zur Lisbon Winery gegangen. Das Lokal hat über 200 Weine im Angebot, da sollte sich doch was passendes finden lassen.  Es befindet sich im Stadtteil Barrio Alto und ist recht modern, aber trotzdem gemütlich eingerichtet. Ein Highlight des Lokals ist die im hinteren Teil zu findene restaurierte Zisterne. Die ist bei Restaurierungsarbeiten im Jahr 2009 aufgetaucht. Da sie ein Unikat darstellt, hat die archäologische Ausgrabung und Sicherstellung die Restaurierung um ganze 2 Jahre verzögert. Schön das es das Lokal trotzdem noch gibt und sie jetzt mit der Zisterne einen wundervollen Blickfang haben. In der Lisbon Winery werden Nachmittags verschiedene Tastings angeboten. In den Abendstunden könnte auf Grund der höheren Gästezahl eine ordentliche Begleitung des Tastings nicht gewährleistet werden. Wir hatten das Glück, dass Alex – man kann ihn auch das portugiesische Weinwiki nennen – uns auf Grund der geringen Gästeanzahl auch noch um 17.30 Uhr ein Tasting angeboten hat. Dabei geht er ganz individuell auf die Vorlieben der Tester ein und hat keinen vorgegebenen Ablauf.

Drinklabor_LisboneWinery2Gestartet haben wir mit einer Olivenölprobe. Er stellte uns drei unterschiedliche Olivenöle und unterschiedliche Brote hin. So konnten wir hier schon mal unsere Geschmacksknospen schärfen. Alex fragte uns vorab, welche Vorlieben wir haben. Wir entschieden uns eher für die Rotweinfraktion. Er meinte aber wir müssten auch einen Weißwein probieren. Außerdem einigten wir uns auf geringere Mengen, um dann mehrere unterschiedliche Sorten zu probieren. Wir starten mit zwei Weißweinen. Zu Beginn gab es einen Quinta dos Carvalhais von 2014. Fast wie eine Mischung aus Riesling und Gewürztraminer. Schöner Starter. Dann kam auch schon die erste Überraschung ein weißer RemeXido. Dieser Wein wurde für ein Jahr in einem ungarischen Eichenfass gelagert und kommt mit kräftigen 14 % daher. Er hat Anklänge an Tokajer. Diesen trinkt man auch bei höheren Temperaturen als klassischen Weißwein. Der Wein war sehr eigen, aber etwas besonderes und habe so etwas auch noch nicht im Glas gehabt. Dies ist auch einer der Lieblingsweine von Alex. Ein Ziel vom ihm war auch, uns eine große Vielfalt und Besonderheiten zum probieren zu geben und nicht die Standards. Mit dem RemeXido war das schon mal gelungen. Dann gab es eine kleine Essenspause mit einer tollen Käseplatte mit unterschiedlichen Käsesorten aus ganz Portugal und dazu eine selbstgemachte Kürbismarmelade – sehr lecker.

DrinklaborLisboneWinery_3Und weiter ging es mit Rotwein – mit dem Humus. Dieser kommt aus der neuen Wein-Region Lissabon. Früher wurde diese als Estremadura, wie die Region in Spanien bezeichnet. Da aus dieser Region häufig nicht so guter Wein kam, ergab sich eine große Verwechselungsgefahr. So entschied man sich die Region um Lissabon in den Stadtnamen umzubenennen. Dieser Wein kommt wie viele andere Weine des Abends auch, von alten Weingütern. Diese sind aber mittlerweile von der jungen Generation übernommen worden. Und diese jungen Leute sind häufig besser ausgebildet und viel experimentierfreudiger. So das die portugiesische Weinszene auch in den nächsten Jahren noch spannender wird. Beim Humus war der Name Programm. Die erste Nase ging gar nicht. Man hatte den Geruch von Waldboden und Laub in der Nase. Hier gab er uns aber den Tipp erstmal stehen lassen und ihm Zeit geben. Und tatsächlich nach 15 – 20 Minuten kamen ganz andere Gerüche nach dunkler Frucht wie Sauerkirschen zum Vorschein. Hier zeigt sich wieder die Erkenntnis, die für viele Getränke gilt: „Gib dem Getränk Zeit“. Der vierte Wein war ein Vinhas Velhas von Luis Pato aus der Beiras Region. Der Wein war von 2010 einem sehr trockenen Jahr in Portugal. Hier hat der Winzer einen Großteil der Trauben weggeschnitten, so dass trotz der Hitze noch ein guter Wein herauskam.

Der nächste Wein war einer unserer Favoriten des Abends – ein Herdade dos Grous aus 2013.  Er kommt aus der Region Alentejo. Hier wurde u.a. eine Traube eingesetzt, die früher häufig nur zur Färbung mit eingesetzt wurde. Dieser Wein ist ein Moonshinewine -was aber nichts esoterisches ist, sondern der Temperatur in der Region geschuldet ist. Weil Nachts die Temperaturen viel niedriger sind, als tagsüber – erzielt er viel bessere Ergebnisse bei der Qualität. Als nächstes kam ein Vierra aus der Douro ins Glas. Dies war ein Gran Reserva, wie wir gelernt haben ein geprüftes Qualitätskriterium. Denn im Gegensatz zu Spanien wo nur das Alter zählt,  muss ein Gran Reserva in Portugal von einer Jury für gut befunden werden. Als nächstes kam nochmal ein RemeXido ins Glas, dies mal als Rotwein. Hier konnte man eine tolle Showeinlage von Alex beobachten. Da er die Flasche gerade erst geöffnet hatte, wurde der Wein wild im Dekanter geschüttelt. Ich habe schon erwartet, er würde ihn wie ein Barkeeper noch in die Luft schleudern. Da dieser Wein direkt aus der Uferregion stammt, meint man fast sogar ein wenig das Salz schmecken zu können. Dazu kam noch ein extrem  trockener Abgang.

Drinklaor_LisboneWinery_EssenDann gab es wieder eine kleine Essenspause. Diesmal mit einer tollen Auswahl an unterschiedlichen Salamis und Chirrizos. Einfach nur Lecker….Und zum Abschluss meinte Alex sollten wir natürlich auch Port probieren. Der erste Port war ein Quinta dos Murcas – ein Vintage aus 2011. Gefolgt von einem Dalva Port von 2000. Beide sehr aromatisch, süss, schöne Fruchtnoten – einfach lecker. Und dann meinte Alex uns noch etwas besonderes zu kredenzen. Nämlich weißen Port, der häufig auf Grund seiner Jugend häufig nicht so beachtet wird. Dieser wird selten länger gelagert und häufig sehr schnell abgefüllt. Aber Alex ist ein Fan von weißen Port und wollte uns auch dafür begeistern. So durften wir mit einem 20 jährigen weißen Port von Vieira de Sousa starten. Der Vater des jetzigen Winzers hat früher viel Ruby und Twany Port an die großen Portproduzenten geliefert. Da weißer Port als  nicht so gut galt, lies er sich häufig im Gegenzug weißen Port liefern. Und lagerte diesen weiter, so dass er mittlerweile eine gute Auswahl an wirklich alten weißen Ports besitzt und diese nach und nach abfüllt. So kamen wir am Schluss noch in den Genuss eines weißen Very Old Port Wein. Hier weiß man nur, dass er nach den Vorgaben mindestens 40 Jahre alt sein muss. Ein wirklich würdiger Abschluss eines genussvollen und lehrreichen Abends. Für die unter Euch, die nach Lissabon fahren, ich kann die Lisbon Winery und Alex nur wärmsten empfehlen.

Drinklabor_LisboneWinery4

Hier die Adresse und Website.

Lisbon Winery Rua da Barroca 13, Lissabon

Neben den bisherigen Berichten aus Lissabon, könnt Ihr Euch noch auf einen weiteren Beitrag freuen. In diesem wird es um portugiesisches Craftbeer gehen. Das gibt es wirklich und ist ausgesprochen lecker. Bis dahin tchau.

 

 

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Portugiesischer Gin – eine spannende Versuchung

Drinklabor_Portugiesischer Gin
Wie Ihr schon in einem der letzten Beiträge lesen konntet, war wir über Ostern in Lissabon. Und neben den geschichtlichen, architektonischen und Natur-Sehenswürdigkeiten interessiert mich als Trinklaborant natürlich auch das Essen und Trinken des jeweiligen Gastlandes. Und Portugal und speziell Lissabon kann dabei einiges bieten. Wie auch in Spanien ist in Portugal die Gin-Welle und das Gin&Tonic trinken schon seit einigen Jahren angekommen. Und auch wenn die portugiesischen Gins in Deutschland nicht so berühmt sind und zur Zeit noch schwer zu beschaffen sind, gibt es in Portugal eine recht große Gin-Szene. So teilte mir der Barkeeper eines Ginhouses in der Lissabonner Altstadt mit, dass es mittlerweile ca. 40 verschiedene Gin-Marken in Portugal gibt. Und da er einen Großteil der Sorten da hatte, durfte ich zumindest an vielen der Gins schnuppern. Auch bekommt man fast in allen Bars Gin Tonics häufig mit den englischen Klassikern, aber auch mit ein oder zwei portugiesischen Gins angeboten. Was auffällt, dass sich die portugiesischen Ginhersteller fast immer an der Standardalkoholstärke von 40 % orientieren.

Der bekannteste „portugiesische“ Gin zumindest in Deutschland ist eigentlich nur ein halber Portugiese. Der Gin Sul aus Hamburg bezieht viele seiner Zutaten aus Portugal. Auch hat das Land einen großen Anteil als Inspirationsquelle für diesen Gin. Aber auch die Gins die direkt hier produziert werden, zeichnen sich durch eine hohe Kreativität und häufigen Bezug zum Land und seinen Gewächsen aus.  So kommt der erste rote Gin aus Portugal. Dabei ist der Gin Tinto kein Sloe Gin, sondern wird richtig destilliert. Er wurde mit einem wahren Gewürzgarten hergestellt und enthält unter anderen neben Wacholder auch Dill, Lorbeer, Katzenminze, Willow Blatt, Holunder Blumen, St. Robert Pflanze, Melisse, Zitronen-Melisse, Eukalyptus-Blatt, Rosmarin, Lavendel, Zitronensäure der grünen Orange, Mohnblumen und Wilde Brombeeren. Leider habe ich ihn nicht probiert, werde dies aber bald nachholen. Ein anderer besonderer Gin ist der Nautilus Gin, der u.a. mit Algen destilliert. Und allein der Geruch hat mich nicht wirklich inspiriert ihn probieren zu müssen. Neben den Zutaten wird auch bei der Gestaltung der Flaschen häufig ein Bezug zum Land hergestellt. So kommt der Adamus Gin in einer viereckigen Tonflasche daher. Aber das besondere ist der Deckel, der aus einem 500 g schweren viereckigen Korkblock besteht. Die Flasche wiegt wirklich schon einiges und macht natürlich etwas her. Auch veriet mir der Barkeeper, dass allein durch den Korkdeckel allein 6 € Materialkosten anfallen. Besonders gut an den portugiesischen Gins gefällt mir, dass sie immer wieder versuchen, portugiesische Traditionen wie hier den allgegenwärtigen Kork aufzugreifen. So wird z.B. der Nao Gin noch 3 Monate in Portweinfässern gelagert und in einer an Portflaschen angelehnten schwarzen Flasche verkauft. Diesen habe ich probiert und man muss sagen, ich konnte sogar ein wenig des Portaromas schmecken.

Drinklabor_Gin_Portugal2Neben dem Noa haben wir natürlich auch einen der bekanntesten portugiesischen Gins den Sharish probiert. Sharish steht dabei für den ursprünglich arabischen Namen der Stadt Reguengos de Monsaraz. Dabei werden bei Sharish nur Zutaten aus Portugal verwendet und somit hat man wirklich etwas typisch portugiesisches. Neben den Klassikern wie Wacholder, Koriander, Orangen- und Zitronenschale werden auch Nelken, Zimt, Vanille, Zitronenstrauch und die spezielle, portugiesische Apfelsorte Bravo de Esmolfe Apfel verwendet. Das Ergebnis ist ein wundervoll cremiger, sehr zitrusbetonter Gin der ein schönes Vanillearoma und einen leichten Apfelgeschmack aufweist. Ein wirklich gelungener Gin. Und auch mit Tonic lies er sich super genießen. So wird der Gin Tonic mit dem Sharish auch mit Apfelscheiben garniert. Daneben gibt es noch zwei bis drei andere Abfüllungen. Besonders auffallend wegen seiner blauen Farbe ist dabei der Shahrish Blue Magic. Diese Farbe erhält er aber nicht durch künstliche Farbstoffe, sondern durch Zugabe einer bestimmten Pflanze – der Clitoria ternatea, auf deutsch:Blaue Klitorie. Diese Pflanze ist der einzige Farbgeber für den Gin. Und dieser kann mit seinem Farbwechsel ein schönes Partyhighlight darstellen. So verwandelt sich der Gin bei Zugabe von kohlensäurehaltigen Getränken wie Tonic hin zu einem kräftigen Pink.

Drinklabor_GinPortugal3Meine Herzallerliebste probierte den Friends Gin Premium. Und auch dieser ist wirklich gelungen. Die Bezeichnung Friends beruht auf der gemeinsamen Zusammenarbeit den beiden Herstellern dem Winzer Tiago Cabaço und dem Agraringeneur Luis Ferreira. Sie arbeiteten über 2 Jahre an der richtigen Zusammensetzung und haben angeblich 438 verschiedenen Botanicals ausprobiert. Das Endprodukt wird aus National Touriga Trauben destilliert und mit 38 Botanicals vierfach destilliert. Ich muss sagen ich habe selten einen so wunderbar fruchtigen, zitrusbetonten und vollmundigen Gin getrunken. So sahen wir uns auch gezwungen, eine eine Flasche des leckeren Gesöffs für uns mit nach Hause zu nehmen.

Die portugiesische Ginlandschaft lässt sich wirklich sehen und hat einige spannende Gins hervorgebracht. Einzig beim Tonic war leider nicht viel Abwechselung. Hier ist noch alles fest in Schweppes Hand. Aber dafür scheint das Schweppesangebot aber auch ein wenig umfangreicher als bei uns. Es sind einige Flaschen aufgefallen, die wir so in Deutschland noch nicht gesehen haben. Und in Portugal scheint, vielleicht durch die Nähe zu Spanien, das Bereiten und Anrichten des Gin&Tonics sehr wichtig zu sein. So bekommt man seinen G&T häufig in großen, bauchigen Gläsern und bei der Bereitung wird das komplette Programm mit diversen Zugaben von Gewürzen und Verzierungen gearbeitet und das Ganze natürlich ausgiebig zelebriert. Die portugiesische Ginszene ist ausgesprochen kreativ und interessant und ich kann Euch nur empfehlen den einen oder anderen Gin zu probieren. Für die unter Euch, die dem nächst nach Lissabon fahren solltet, hier findet Ihr noch ein paar Adressen, die ich selbst ausprobiert habe und wo guter Gingenuss garantiert ist.

Vintage gourmet & GIN House in der Rua da Horta Seca Nr. 1 R/C

Gin Club Stand im Time Out Mercado da Ribeira, Avenida 24 de Julho, Cais do Sodré

oder wenn ihr ganze Flaschen kaufen wollt – dann ein Shop mit guter Gin-Auswahl ist

Garraferia Nacional ein alt eingesessener Wein- und Porthandel mit guter Spirituosenauswahl findet man sowohl in der Rua de Santa Justa, 18; der Rua da Conceição, 20/26 oder auch im TimeOut Market

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Lissabon – Eine kulinarische Osterreise. Teil 1 —

Meine Herzallerliebste hat unsere Erfahrungen, speziell die kulinarischen unserer Osterreise nach Lissabon schön zusammengefasst. Hier könnt Ihr die Erlebnisse lesen:

Schon seit ein paar Jahren war es unser Plan mal nach Lissabon zu reisen. Jetzt haben wir den endlich in die Tat umgesetzt. Die Wahl der Reisezeit ergab sich aus ganz logischen Gründen. 1. Ich bin in Sachen Urlaub abhängig von den Schulferien. 2. Die Temperaturen in Lissabon sind um Ostern herum deutlich angenehmer, als […]

via Lissabon – Eine kulinarische Osterreise. Teil 1 —

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Gepflegtes Trinken in Unterfranken

Drinklabor_Franken_1Diesmal möchte ich von unserer Karnevalsfluchttour nach Franken berichten. Obwohl wir Karnevalsfreunde sind, haben wir seit einigen Jahren nicht mehr die richtige Lust, ihn ausgiebig zu feiern. Daher nutzen wir die Karvevalstage gern für ein verlängertes Wochenende. Diesmal haben wir uns mit Freunden in Würzburg getroffen und danach noch zwei Tage in Rothenburg verbracht. Ich war schon sehr gespannt. Ich war zwar in den frühen 90er Jahren kurz hier, aber eigentlich war es das erste mal, dass wir beide hier länger blieben. Das Frankenland war bisher sowohl architektonisch, als auch Sehenswürdigkeiten betreffend und auch kulinarisch immer ein gutes Ziel. Trotzdem hatte ich keine konkrete Vorstellung, was uns erwarten würde. Komischerweise verbinde ich mit Franken immer Bier. Das muss an der enormen Brauereidichte und dem guten Bier liegen. So gibt es allein in Franken über 270 aktive Brauereien. Das Erste was ich in Würzburg – Unterfranken – gelernt habe, hier ist man im Weinfrankenland. Da ich auch ein grosser Weinfan bin und ich natürlich gern die lokalen Spezialitäten probiere, war das für mich kein Problem. Was mich überrascht hat, war das fast mediterrane Flair, das Würzburg und seine Bewohner ausgestrahlt haben. So hatten wir an einem sonnigen Samstagnachmittag im Februar, das tolle Erlebnis von ca. 200 – 300 Personen mit Weinglas in der Hand die Sonne genießen zu sehen. Eine tolle Idee, die man da gehabt hat. Am Fuß der alten Mainbrücke, die eine Fußgängerbrücke ist, gibt es zwei Weinlokale. Diese verkaufen quasi aus dem Fenster heraus Weingläser mit lokalem Wein. Und diese werden dann mit auf die Brücke oder unten an den Main genommen. Und dort steht man zusammen, unterhält sich und trinkt seinen Schoppen und genießt Aussicht und Sonne. Das finde ich sehr sympathisch.

Auch haben wir wirklich super gegessen. Die Restaurants haben es häufig geschafft, eine gute Balance aus traditioneller, fränkischer Küche und einem modernen Pep zu schaffen. Und häufig gibt es zu diesen Gerichten wirklich guten fränkischen Wein. Der Wein hier zeichnet sich durch seine Würzigkeit und den hohen Mineralgehalt aus. Schwerpunktmäßig wird hier Weißwein angebaut, der überwiegend trocken ausgebaut wird. Anhand der Restaurantkarten sind uns vor allem Silvaner, Mueller Thurgau, Scheurebe, Bacchus und teilweise Weiß- und Grauburgunder aufgefallen. Und natürlich fällt einen bei Frankenwein auch die berühmte Flaschenform – der Boxbeutel – ein. Diese sieht zwar super aus, aber zur Lagerung ist er auf Grund seiner Form eher schwierig zu legen. Ich frage mich, ob es für Boxbeutelweine spezielle Weinregale gibt? Bei den Rotweinen war überwiegend die Dominatraube, der Rotling und der Spätburgunder anzutreffen. Bei den Weinen haben wir vor allem beim Silvaner tolle Entdeckungen gemacht. Da ich nicht so der Fan von säurebetonten Weinen bin und meine Herzallerliebste sie gar nicht vertragen kann, sind wir bei vielen deutschen Weißweinen quasi ausgeschlossen. Speziell der Riesling,  als der deutsche Vorzeigewein fällt daher bei uns häufig aus. Aber die hier angebotenen Silvaner waren durchweg alle gut trinkbar und teilweise sogar richtig ausgezeichnet. Hintergründe zu den besuchten Lokalen und den kulinarischen Genüssen findet Ihr wie schon bekannt auf den Blog meiner Herzallerliebsten Kocheule.

Drinklabor_Franken_2Obwohl wir in einer typischen Weingegend waren, gab es natürlich auch lokale bzw. regionale Biere. Und als bierbegeisterter Drinklaborant musste ich mich natürlich in der hiesigen  Bierlandschaft ein wenig umschauen. Da fällt mir zuerst das neue Craftbeer Highlight von Würzburg ein. Das Max Mundus – ein Craftbeer Shop – den es erst seit letzten August gibt. Auf der einen Seite dachte ich mir, in Franken mit seiner stolzen Brautradtion – Craftbeer anzubieten könnte gewagt sein. Auf der anderen Seite gibt es in Würzburg als Studentenstadt natürlich viel junges und experimentierfreudiges Publikum. Des weiteren hat in Würzburg und näheren Umgebung auch eine kleine Craftbeerszene und die eine oder andere neue  Brauerei gegründet. Daneben versuchen sich auch traditionelle Brauereien an neuen Bierstielen. Besonders ist mir dabei die Distelhäuser Brauerei aufgefallen. Neben den Standard- und Saisonbieren, bieten sie seit kurzem ein Porter, ein Stout und ein IPA an. Und zumindest in Bezug auf das Stout und das IPA kann ich sagen, die sind sehr gelungen. Gut fand ich auch, dass die Jungs von Max Mundus sogar ein eigenes Bier im Angebot hatten, und zwar ein hopfengestopftes Pils. Ich habe es noch nicht probiert, habe mir aber zumindest eine Flasche für spätere Test mitgenommen. Daneben gab es noch ein Bier von 7 Würzburger Studenten – den Brew Dudes – welches auch für spätere Verköstigung in den Kofferraum gelandet ist. Insgesamt ist der Laden, wie häufig bei den neuen Craftbeershops recht klein und spartanisch eingerichtet. Aber sie haben eine schöne Auswahl an „klassischen“ Craftbeeren und ein paar spannenden Exoten. So fand ich die Biere von Pax Bräu von der Beschreibung sehr experimentell, aber extrem spannend. Alle Mitarbeiter waren super informiert und haben einen toll beraten. Wenn Ihr also in Würzburg seit, der Max Mundus ist der Place to be für Craftbeerfreunde. Hier der Link zum Shop Max Mundus.

Drinklabor_Franken_3Natürlich werden jetzt einige von Euch sagen, in Würzburg trinkt man doch das Würzburger Hofbräu. Richtig und ich habe es auch probiert. Über das Pils legen wir mal den Mantel des Schweigens. Nicht wirklich schlecht, aber lecker oder spannend ist es wirklich nicht. Das Dunkelbier von denen war schon besser, aber eine Offenbarung war es auch nicht. Das Sternla habe ich nicht probiert, hatte aber nach zwei eher mittelmäßigen Standardbieren auch keine Lust ein weiteres zu probieren. Und zum Schluss moechte ich noch auf einen kleinen Laden in Rothenburg ob der Tauber hinweisen – die Ritterrolle. Dieser Laden war sowohl kulinarisch als auch Getränketechnisch sehr spannend. Ich habe die angebotene Rolle despektierlich Mittelalterdöner getauft. Sie ist wirklich extrem lecker und man kann sie sich ein wenig wie einen zusammengefalteten Flammkuchen vorstellen.Und dann kross im Pizzaofen gebacken. Wirklich ein tolles Geschmackserlebnis. Und dazu gab es einiges an spannenden lokalen und mittelalterlichen Bieren. So hatte ich ein historisches Emmerbier von der Riedenburger Brauerei probiert. Dieses wird grösstenteils aus Urgetreiden wie Emmer, Einkorn und Dinkel gebraut und war ein süffiges, naturtrübes Bier. Daneben gab es noch das Baros ein nach alten Rezepten gebrautes Kirschbier. Dieses habe ich leider nicht pur probiert. Aber meine Herzallerliebste hat es in warmer Form mit Honig und einigen Gewürzen probiert. Eine wirklich schöne Alternative zum Glühwein. Insgesamt kann ich allen Feinschmeckern und Getränkeenthusiasten Unter- und Mittelfranken wirklich ans Herz legen. Es war ein wirklich schöner Kurzurlaub in einer tollen Gegend, die neben den historischen Highlights auch kulinarisch und getränketechnisch wirklich spannende Entdeckungen bereithält.

 

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The Way to Islay – 4. Teil – Bowmore und Ardbeg

Drinklabor-Islay4.Tag_1Die letzte Nacht im Dha Urlar war mal wieder stürmisch. Jim erwartete mich wieder fröhlich pfeifend gegen 8.00 Uhr in der Küche. Ein letztes Mal diesen genialen Ausblick genießen. Als Highlight hatte sich Jim ein Marmeladentasting ausgedacht. Er hatte zwei Organgenbittermarmeladen, die eine mit Islay Malt, die andere die schon bekannte Orangenmarmelade mit Port Chartlotte. Da die Orangenmarmelade einen sehr starken Eigengeschmack hatte, war in der ersten Marmelade gar kein Whisky schmeckbar. In der PC Marmelade dagegen stach der Port Charlotte Geschmack stark hervor. Klarer Gewinner die Marmelade mit PC – sofern man rauchige Marmelade mag. Dann war es daran mich bei Jim und Carole zu verabschieden. Jim war so nett und hat mich noch bis Bowmore gebracht. Wirklich ein tolles B&B und super Gastgeber. Falls Ihr also nach Islay kommt, kann ich das Dha Urbar B&B mehr als empfehlen.

Drinklabor-Islay4.Tag_2In Bowmore habe ich die Zeit erstmal genutzt und mir den Ort im Hellen angeschaut. Da gibt es z.B. die tolle runde Kirche am oberen Ende des Dorfes. Diese soll deswegen rund gebaut worden sein, damit sich der Teufel nicht in der Ecke verstecken kann. Recht schlicht, wie für eine typische arme Inselkirche erwartbar, aber mit ihrer runden Bauweise sehr spannend anzuschauen. Neben einigen Geschäften, Hotels und Pubs bildet natürlich die gleichnamige Brennerei eines der architektonischen Highlights von Bowmore. Das interessante ist, das wirklich sehr viele Gebäude zur Destille gehörten bzw. noch immer gehören. So gibt es an der vorderen Hauptstraße viele ehemalige Fabrikbauten, die nun zu Ferienwohnungen umgebaut sind, die man direkt von der Destille anmieten kann. Ansonsten fällt das hier häufig auftretende Weiß ins Auge und der schöne Kiln der Destille. Dieser wird sogar, wie auch die Darrböden noch genutzt. Auch bildet die Destille von der Meeresseite  her ein schönes Panorama. Interessant ist auch die Halle kurz vor dem offiziellen Destillerieeingang. Man kann noch gut erkennen, dass die Halle früher zur Destille gehörte. Heute ist das Mactaggart Leisurecentre dort beheimatet. Dies ist eine durch Spenden finanzierte Schwimm- und Sporthalle.

Drinklabor-Islay4.Tag_3Dann ging es zum Visitorcenter der Bowmore Destille. Alles wirkt sehr edel. Man kann durch den Verkaufsraum in den ersten Stock gehen. Dort kann man in einem netten Cafe gemütlich einen Dram zu sich nehmen, die Aussicht genießen und den 15 minütigen Film über die Destille schauen. Ich bekam heute meine Privatführung, da ich Morgens der einzige Interessent war. Schade war, dass ich die Maltingfloors mir nicht anschauen konnte, da diese gerade gereinigt wurden.  Der Chlorduft soll schädlich sein und daher keine Besichtigung möglich sein. Einen kleinen Blick konnte ich trotzdem erhaschen. Aber ein Maltingfloor ohne da keimende Gerste ist halt nur ein großer Raum mit Betonboden. Dann sind wir entsprechend die verschiedenen Stationen der Whiskydestillation abgelaufen. Bowmore hat insgesamt 2 Wash- und 2 Spiritstills. Schon recht groß, aber fast alle Islay-Destillen haben recht große Stills. Am Ende der Tour ging es ins Warehouse 1. Dort durfte man von einem Fass probieren, dass nur hier erhältlich ist. Das Ungewöhnliche war, das der Inhalt nicht in einem Fass sondern einem Metallkasten lagerte. Dies war eine Erfindung eines Mitarbeiters, da das Abfüllen und Filtern speziell bei großen Gruppen doch sehr langwierig war. Bei dieser Konstruktion fließt der Whisky vorab durch einen Filter und kann mittels Hahn in die Flaschen gefüllt werden. Es gab zur Zeit einen 11-jährigen aus dem Bourbon Cask mit 59,8 %. Dieser war sehr fruchtig, aber insgesamt fand ich ihn zu eindimensional. Und noch dazu, kam der Preis von 70 Pfund. Daher habe ich auf meine Abfüllung verzichtet. Im Anschluss schaute ich mir noch den Film im wirklich netten oberen Bereich des Visitorcenters an. Man bekam dazu einen 15 jährigen Standardwhisky. Nach einigen netten Fragen, durfte ich auch noch einen Dram des aktuellen Devilcasks probieren. Dann wurde es Zeit, da mein Bus nach Port Ellen bald ging. Infos zur Destille, wie Öffnungszeiten und Touren findet Ihr unter www.bowmore.com

Drinklabor-Islay4.Tag_5Im Bus fragte mich jemand, wo ich denn in Port Ellen hin wollte und ob er mir helfen könnte. Die Überraschung kam, nachdem ich ihm gesagt hatte, dass ich ins Askernish B&B wollte. Er erklärte mir das ich Leo sein müsste, dass ich nur bis Samstag bleibe, weil mein Flug zurückgeht. Nachdem ich erst gedacht habe, an einen Hellseher geraten zu sein, stellte sich heraus, das es Stephen ist und er auch im B&B wohnt. Er ist schon seit Jahren bei Joy im Askernish B&B untergekommen und Joy hatte ihm von mir erzählt. Stephen war so nett und hatte mich gleich zum B&B begleitet. Da es noch am frühen Nachmittag war, nutzte ich die Zeit um mir ein wenig Port Ellen anzuschauen. Da sich das Wetter mal wieder verschlechterte, beschloss ich spontan, den nächsten Bus noch nach Ardbeg zu nehmen. Der erste Anblick der Destille von der Haltestelle aus, ist schon ziemlich beeindruckend. Ein wirklich tolles Panorama mit den Kilns, den riesigen Ardbegzeichen auf dem Boden und dem ausrangierten Still im Eingangsbereich. Ardbeg hat vor einigen Jahren in einem Kiln das wirklich tolle Old Kiln Cafe gebaut, in dem auch der Shopbereich untergebracht ist. Sie haben den Dachstuhl offengelassen, so das man die Unterseite des Pagodendachs gut wahrnehmen kann. Nachdem ich mich ein wenig umgeschaut und die letzte Tour um 15.30 Uhr gebucht hatte, machte ich es mir im Cafe erst mal gemütlich. Und obwohl ich nicht in Devon war, musste ich meinen geliebten Cream Tea bestellen. Wenn auch hier mit Brombeermarmelade und normaler Sahne nicht ganz genau auf die Vorgaben geachtet wurden.

Drinklabor-Islay4.Tag_6Bei unserer Tour waren wir diesmal zu viert. Neben unser Führerin Diane waren noch zwei deutsche Jungs auch aus dem Rheinland mit dabei. Wir starteten wie so häufig, mit einer schönen alten Mühle. Dann ging weiter zu den Maischebottichen.Dort habe ich mir auch mal ein paar Zahlen merken können. Jeder fasst 23.500 l. Ein Maische-Durchgang dauert ca. 7 1/2 h – so dass sie pro Woche 14 Maischen ansetzen. Für Islayverhältnisse hat Ardbeg mit jeweils 1 Wash- und einen Spiritstill eine eher kleinere Anzahl. Bevor wir zur Abfüllstation gingen, sind wir noch nach draußen gegangen, um das berühmte Foto mit dem Ardbegschriftzug zu schießen. Danach ging es wieder in das Old Kiln Cafe. Dort gibt es im hinteren Bereich einen netten kleinen Tastingraum. In diesen sind an einer beleuchteten Wand viele der alten Schätzchen von Ardbeg aufgeführt. Wir durften uns aber nur zwischen den 3 Standardwhiskys einen aussuchen. Am Ende der Tour war die Dunkelheit schon hereingebrochen und wir konnten die schöne Lichtinstallation von Ardbeg noch genießen. Die beiden Jungs waren so nett und haben mich noch mit nach Port Ellen zurück genommen. Da der letzte Bus von hier schon um 16.00 Uhr abfährt. Alle weiteren Informationen zu Ardbeg bgzl. Öffnungszeiten und Touren findet Ihr unter www.ardbeg.com.

Drinklabor-Islay4.Tag_7Drinklabor-Islay4.Tag_8Drinklabor_Islay_4.Tag8Abends habe ich dann noch ganz anständig im SeaSalt Bistro gegessen. Habe dort durch Zufall meine Warehousetourteilnehmer vom Vortag bei Bruichladdich getroffen. So konnten wir uns im Anschluss an unser Essen noch auf ein Bier im nebenan liegenden Islay Hotel treffen. Und am nächsten Tag sollte es zu den letzten beiden verbleibenden Destillen gehen.

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