Archiv der Kategorie: Besichtigungen

Winzerwanderung in Dernau an der Ahr 

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Weinberge in der Nähe von Dernau

Mein Herzallerliebste und ich sind große Wanderfreunde. Unsere Wanderungen verbinden wir gern mit dem Thema Genuss – so ist auch unser gemeinsamer Blog Genusswandern entstanden. Hier könnt Ihr unsere Berichte lesen. Wenn Ihr also mal wieder Inspirationen für Wandertouren braucht, schaut doch einfach mal dort nach. Bei einer unserer Wanderungen waren wir auch im Culinarium der Dagernova in Dernau. Dort lasen wir, dass jeden Samstag von Mai bis Oktober eine Weinwanderung mit anschließender kleiner Weinprobe angeboten wird. So machten wir uns an einem sonnigen Juniwochenende morgens auf den Weg nach Dernau. Das schöne ist, man braucht sich vorab nicht anzumelden, sondern muss nur vor 11.00 Uhr in der Vinothek sein. So kann es passieren, dass man nur mit 3-4 Leuten unterwegs ist, aber wie uns unser Führer mitteilte, können es auch mal 120 Personen sein.

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Der Eingang zur Vinothek der Dagernova

So fanden sich an unserem Samstag 13 Personen ein, die sich an der Wanderung unter dem Motto „Vom Schiefer geprägt, vom Winzer gepflegt“ beteiligen wollten. Durch den Morgen führte uns unser Weinerklärer und Geschichtslehrer Georg Josten. Er hat sich von klein auf mit dem Thema Wein beschäftigt und als Kind bei der Lese mitgeholfen und kann auf ein riesiges Know How zurückgreifen. Ich muss sagen, was ich auf diesen ca. 2 h über Weinanbau gelernt habe, dafür müssen andere 2 Tage lang auf die Weinakademie. Zu Beginn erfuhren wir woher der Name Dagernova überhaupt kommt. Dies ist der ursprüngliche römische Name von Dernau. Da der Ort auf eine römische Vergangenheit zurückblicken kann und schon seit dem 1. Jhd. nach Christus bewohnt ist. Von Beginn an lebten die Menschen hier vom Weinanbau und leben es heute noch.

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Dernau von oben mit Blick über Dagernova-Weinberge

Nachdem wir das Dorf hinter uns gelassen haben und wir in den Weinbergen waren, erklärte er uns die unterschiedlichen Arten der Pflanzung. Angefangen bei der ursprünglichen Methode der Pfahlerziehung, über die in den 60er Jahren entstandene Dratrahmenerziehung bis hin zur aus Südtirol stammenden Umkehrerziehung. Bisher hatte ich mir über die unterschiedlichen Anbaumethoden überhaupt keine Gedanken gemacht. Jede dieser Anbaumethoden wird im Ahrgebiet angewendet. Und jeder Winzer muss selbst entscheiden, welche für ihn die beste ist. Und natürlich hat jede ihre Vorteile, aber auch ihr Nachteile.

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Ausführliche Erklärungen zum Weinanbau

Auch interessant war, dass wir erfahren haben, welche Bedeutung hinter den dreieckigen oder viereckigen Plastikschilder steckt, die man häufig an oder in Weinbergen sieht. Eigentlich ganz trivial, sie geben den Hubschrauberpiloten Auskunft, wo sie sprühen sollen und wo nicht. Wie Herr Josten ausführte, wird hier aber nur Pilzmittel und keine andere Pestizide versprüht. Auch wussten wir nachher, wofür die kleinen braunen Plastikdinger gut sind, die man häufig an den Reben sieht. Dies sind biologische Abwehrmittel gegen eine lästige Mottenart, die häufig Rebstöcke befällt. Durch darin enthaltene Pheromone werden die männlichen Motten so verwirrt, dass sie die Weibchen nicht mehr finden.

Daneben erfuhren wir auch ein wenig geschichtliches zu Dernau und Ahrtahl. So wusste ich gar nicht, dass das Kloster Mariental bis in die 80er Jahre hinein, eine staatliche Weinanbaudomäne war, wo zukünftige Winzer ausgebildet und Weinanbau erforscht wurde.

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Weinanbau mit der Drahtrahmenerziehung

Heute wird das ehemalige Kloster von 4 großen Ahrwinzern (Dagernova, Mayschosser Winzergenossenschaft, Meyer-Näkel und Brogsitter) betrieben. Diese haben das Gelände mit den Weinanbauflächen unter sich aufgeteilt, aber beim Kloster 2 ha gelassen. So kann man dort heute sowohl den eigenen Marientaler Wein, als auch den Wein der vier Eigentümer trinken. Daneben gab es natürlich Hintergründe zu der hier verlaufenden Eisenbahnlinie. Diese hatte eine strategische Bedeutung in den Weltkriegen, was auch zu einer starken Bombardierung des Ahrgebiets im 2. Weltkrieg führte. Und auch der Regierungsbunker der BRD war natürlich ein Thema. Noch heute kann man ca. 200 m des ehemaligen Bunkers im Originalzustand besichtigen. Was wirklich empfehlenswert ist und ein ungefähres Bild dieses Riesenbaus gibt. Ursprünglich waren es 19 km unterirdische Gänge und waren im Ernstfall für bis zu 3.000 Personen ausgelegt. Wer mehr darüber erfahren möchte, kann hier nachlesen.

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Wein in der Blüte

Erstmalig konnten wir auch die recht unscheinbaren Weinblüten sehen. Diese blühen nämlich im Mai/Juni. Wie wir lernten ist die Weinrebe eine Zwitterpflanze, deshalb ist sie nicht auf Bienen, Wind oder ähnliches angewiesen, sondern befruchtet sich selbst. Die Weintraube braucht ca. 100 Tage bis zur Reifung, so dass Temperatureinbrüche in der Blütezeit sich schlecht auf die Ernte auswirkt bzw. zu zeitlichen Verzögerungen führt.
Neben den Hintergründen zum Wein erfuhren wir auch etwas zum Anbaugebiet Ahr. Dieses ist das dritt kleinste Anbaugebiet und umfasst nur ca. 0,5 % der gesamten Anbaufläche Deutschlands. Ist aber auf Grund seines großen Anteils an Rotwein (ca. 85 % aller Weinreben sind rote Trauben) das größte zusammenhängende Rotweinanbaugebiet Deutschlands.

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Schilder für Hubschrauberpiloten

Nach einer wirklich spannenden Wanderung mit ausführlichen Erklärungen direkt vor Ort, kamen wir nach ca. 2 h wieder zurück zur Dagernova. Hier konnten wir in einem wundervollen Gewölbekeller platz nehmen. Während Herr Josten uns noch ein wenig zur Dagernova und ihren Weinen erzählte, durften wir insgesamt 3 Weine probieren. Wir begannen mit einem Riesling. Obwohl sowohl ich, als auch meine Herzallerliebste mit Riesling auf Grund der Säure häufig Probleme hatten, war dieser wunderbar säurearm und hatte eine tolle Fruchtnote. Hätten wir so nicht probiert. Auch zeigte er, dass mittlerweile das ursprünglich wahre Klischee (zumindest bis in die 60er Jahre) Weiswein von der Ahr sollte man meiden, heute nicht mehr stimmt. Als zweites gab es einen guten Blanc de Noir, einen Rotwein weiß ausgebaut. Auch dieser war ganz gelungen, wenn er uns auch nicht ganz so überzeugte.

Den Abschluss bildete ein Ahr-Spätburgunder. Hier hat man ganz bewusst Trauben aus dem ganzen Ahrgebiet genommen. Ursprünglich ist der Wein in einem Jubiläumsjahr entstanden. Da die Dagernova durch Zusammenschlüsse heute die größte Genossenschaft an der Ahr ist, verteilen sich die 609 Winzer über das gesamte Ahrgebiet. Da die Böden an der Ahr, je nach Lage und Bodenbeschaffenheit große Unterschied aufweisen, ergeben sich auch bei den einzelnen Weinen recht unterschiedliche Ergebnisse. Und so versuchte der Kellermeister ein Spätburgunder-Cuvee aller Weine aus den unterschiedlichen Bereichen zu erstellen. Dies kam so gut an, dass er jetzt in jedem Jahr neu aufgelegt wird.

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Der Duft eines wunderbaren Spätburgunders

Eine wirkliche tolle Veranstaltung für alle die sich für Wein interessieren. Man lernt wirklich auf eine unglaublich unterhaltsame Art etwas über Wein, die Ahr und die Gegend. Die Wanderung „Vom Schiefer geprägt – vom Winzer gepflegt“ findet jeden Samstag (von Ostern bis Anfang November) statt. Anmeldung ist nicht erforderlich und es fallen Kosten von 8,50 € an. Weitere Informationen bzgl. der Dagernova, den Weinen und den Events findet Ihr unter der Website:

www.dagernova.de

 

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Die wiederentstandene Destille – Besuch bei Annandale

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Am Eingang zu Annandale

Nach langer Zeit bin ich endlich wieder dazu gekommen, einen neuen Artikel zu veröffentlichen. Wie einige von Euch auf meinen Sozialen Medien gelesen haben, war ich Ende März/Anfang April mal wieder in Schottland. Schwerpunkt war diesmal mit Freunden zusammen nochmals die Insel Islay  zu besuchen. Wer will, kann hier nochmal die Berichte von meinem letzten Aufenthalt im November 2015 lesen. Diesmal waren wir mit eigenem Auto unterwegs. Da wir mit der Fähre über Newcastle angereist sind, bot es sich an, bei der „neuen“ Destille Annandale einen Stopp zu machen. Und was wir da gesehen haben, war so unglaublich pittoresk und gut restauriert, dass wir uns trotz knapper Zeit spontan zu einer Führung hinreißen ließen. Die Anandale Destillerie liegt in den Lowlands und kann auf eine lange Geschichte zurückblicken. Hatte ich nicht oben von der neuen Destille gesprochen. Richtig, denn das besondere an Anandale ist, dass es sie ursprünglich seit 1924 nicht mehr gibt. Und erst in 2014 gab es eine Wiedergeburt.

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Das Visitorcentre

Die Geschichte soll sich wie folgt zu getragen haben. Gegründet wurde sie 1830 von George Donald.  Sie hatte unterschiedliche Besitzer und ab 1893 gehörte sie zum Getränkeriesen Johnny Walker. Obwohl eine Lowland-Brennerei produzierte sie schon damals getorften Whisky. Dies hing damit zusammen, dass die Gegend um Annan reich an Torfvorkommen ist. Und warum nicht auf die Rohstoffe vor der Haustür zurückgreifen. So bildete der Whisky von Annandale in der damaligen Zeit einen Teil des Johnny Walker Whisky.

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Der Plan der ursprünglichen Destile um 1900

Im großen Destilleriesterben in den 20er Jahren musste auch Annandale seine Tore schließen. Einzig die vorab schon existierende Farm blieb weiter bestehen und nutzte teilweise die Gebäude. Das Schicksal vieler dieser „verlorenen“ Destillen wird  in dem sehr empfehlenswerten Buch „Scotch Missed: Lost Distilleries of Scotland“ beschrieben. Dies hat auch Professor David Thomson gelesen und sich Mitte 2007 zu den Ruinen von Anandale begeben. Er hatte sich gleich in den Ort und die historischen Bauten verliebt. Speziell der Kiln war für seine lange Nichtnutzung noch recht gut erhalten. Und so entstand die Idee diese Destille an seiner ursprünglichen Stelle wieder zu beleben. Er kaufte das Gelände und nach einigen Jahren der Planung wurde ab 2011 mit dem Wiederaufbau  begonnen. Am 15.11.2014 war es dann soweit. Der erste New Spirit floss nach über 80 Jahren aus den Stills der Anandale Destillerie.

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Die Destille im heutigen Zustand

Und was für ein Schmuckstück sie hier (wieder)geschaffen haben. Schon bei Ankunft im Visitorcenter ist man beeindruckt von dem Gemäuer. Besonders fallen die ausgefallenen Holzmöbel ins Auge. Diese sind alle irgendwie ungerade eckig, als hätte jemand eine Viereck-Phobie. In diesen gemütlichen Räumlichkeiten kann man auch sehr gut essen und auch schon erste Whiskydevotionalien kann man käuflich erwerben.

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Die Destille vor dem Wiederaufbau

Auch der Auslöser für den Wiederaufbau, das Buch der verlorenen schottischen Destillen ist mittlerweile in seiner 4. Auflage, mit der wiedereröffneten Annandale Destille hier zu bekommen. Nach einer kleinen Stärkung bekamen wir drei eine Privatführung. Wir starteten im Innenhof. Hier lies Prof. Thomson mit Unterstützung der Uni Glasgow archäologische Ausgrabungen vornehmen. Nun kann man dort die alten Standplätze der Stills und die darunterliegenden Gänge zur Befeuerung erkennen.

Die archeologischen Ausgrabungen

Archäologische Ausgrabungen

rBei herrlichen Sonnenwetter erklärte unser Führer James einiges zur Geschichte der Destille. Auch zeigte er uns Bilder der Brennerei vor der Renovierung. Danach war unsere Bewunderung noch größer. Der Haupteingang befindet sich direkt unterhalb des Kilns. Dieser ist zwar restauriert, wird aber leider nicht mehr genutzt wird. Hier ist jetzt der Empfangsraum und ein großes Treppenhaus zur Destille. Hier hat man in Zusammenarbeit mit einem lokalen Kunsthandwerker einem ausgefallenen Handlauf installiert. In der eigentlichen Destille übernahm dann Caroline das Zepter und führte uns durch die einzelnen Etappen der Whiskyherstellung.

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Die Washbacks

Auch bei der Ausstattung griff man teilweise auf alte Schmuckstücke zurück. So fand hier die alte Mühle der geschlossenen Caperdonich Destille, eine Porteus Mill aus den 60er Jahren, eine neue Heimat. Neben einer Mash tun gibt es sechs Wash backs natürlich aus Holz. An jedem Tag der Woche wird ein anderer Wash back genutzt. Nur am Sonntag wird nicht produziert.

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Stills mit einem Spiritsafe

Insgesamt arbeiten hier 5 Mitarbeiter. Im hinteren Bereich sieht man einen Wash Stil und zwei Spirit Stills. Da man hier sowohl getorfte, als auch ungetorften Alkohol produziert, hat man getrennte „low wines“ und „spirit receiver“. So kann es nicht zu Vermischungen kommen. Insgesamt stellen Sie pro Jahr ca. 100.000 l Alkohol her. Dabei jeweils 50.000 l getorften und 50.000 l ungetorften.

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Wir werden im Fasslager erwartet

Am Ende der Tour durften wir auch einen Blick in ein Warehouse werfen. Dort bekamen wir einen ersten Eindruck von den zukünftigen Whisky. Es gab je eine Probe eines ungetorften und eines getorften New Spirit. Diese tragen die schönen Namen Man o´Word (ungetorft) und Man o´Sword (getorft). Beide haben einen Bezug zu historischen Personen. So steht der mit einer Feder versehene Man o´Word für den schottischen Nationaldichter Robert Burns. Dieser war u.a. auch Annan als Whisky-Steuereintreiber tätig und wird wohl die Destille mehrere Male besucht haben. Der getorfte Whisky mit einem Schwert im Logo hat einen Bezug zu Robert the Bruce. Die beiden New Spirits waren schon recht vielversprechend. Besonders der getorfte Man o´Sword kann schon mit einigen jungen, wilden von Islay mithalten. Leider beziehen sie den Torf nicht mehr aus der Gegend, sondern bekommen ihn von weiter nördlich. Die beiden New Spirits konnte man als Sample auch käuflich erwerben. Diese sind in ihrer Aufmachung und im Design recht ungewöhnlich und fallen in jedem Regal sicherlich auf. Auch die Möglichkeit zum Fasskauf besteht bei Annandale noch. Leider ergab sich aber keine Möglichkeit, einen der gelagerten Spirits zu probieren. Aber eventuell kann man in diesem Jahr im November den ersten echten Whisky von Anandale kosten.

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Die New Spirits im auffälligem Flaschendesign

Ich bin sehr gespannt, wie sich diese kleine unabhängige Destille entwickeln wird. Ich kann nur jeden empfehlen, der in der Gegend oder auf dem Weg nach Glasgow (von Newcastle) ist, einen Abstecher zu Annandale zu machen. Die Anlage ist wirklich toll restauriert und liegt wirklich idyllisch. Mir geht bei solchen kleinen und engagierten Destillen immer das Herz auf. Ich drücke den Leuten von Annandale wirklich die Daumen und freue mich schon auf spannende Whiskys.

Wer mehr über Annandale, Öffnungszeiten und die Anfahrt erfahren möchte, kann hier nach schauen. www.annandaledistillery.com

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Der zweite Spiritsafe

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Ein außergewöhnliches Tor

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Eines der alten Lagerhäuser

Ein Kommentar

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Besuch in der deutschen Craftbeerhauptstadt

Mitte Januar war ich für ein verlängertes Wochenende in Berlin. Und da ich schon eine ganze Weile nicht mehr hier war, nutzte ich die Gelegenheit die neuen Craftbeer-Hotspots, zu besuchen. Zuerst war ich in der Markthalle 9 in Kreuzberg. Nicht unbedingt nur ein Zentrum für Craftbeer, sondern ganz allgemein eine wundervolle alte Markthalle. Diese wurde vor ca. 6 Jahren wieder wachgeküsst und ihrer alten Bestimmung zugeführt.  Hier kann man sowohl klassisch seine Einkäufe erledigen, aber auch viele Delikatessen und Kleinigkeiten gleich vor Ort essen. Dabei reicht das Angebot von Austern, über Burger, selbstgemachte Pasta, bis hin zu veganen Kuchen.

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Große Auswahl an Ständen in der Markthalle 9

Und was hat das alles mit Craftbeer zu tun. Direkt in den Kellerräumen der Markthalle 9 gibt es die kleine aber feine Brauerei Heidenpeters. Diese existiert seit 2012, als die Betreiber der Markthalle den damaligen Hobbybrauer Johannes Heidenpeter überzeugen konnten, in den ehemaligen Räumen einer Metzgerei seine Brauerei zu eröffnen. Aber nicht nur die Brauerei ist hier vor Ort, es gibt auch im Eckbereich einen kleinen Ausschank, wo man insgesamt 4 verschiedene Biere von Heidenpeters probieren kann. Ich habe das Heidenpeters American IPA probiert. Und so konnte ich mit einem leckeren Bier in der Hand, durch die Markthalle schlendern und die Auslagen begutachten.  Ein wirklich sehr süffiges IPA, bei dem der Hopfen nicht direkt anklopft, aber eine wunderbare Grapefruit-Nase mitbringt. Ein wirklich leckeres Bier, dass ich in einer tollen Atmosphäre genießen konnte.

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Ein frisch gezapftes Heidenpeters American IPA

Wer mehr über die Markthalle 9 erfahren möchte, dem empfehle ich den sehr interessanten Blog von Askan den Food & Farmers Markets Blog.

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Die „Trinkhalle“ der Stone Brauerei Berlin

Nachdem ich ausgiebig durch die Markthalle 9 geschlendert bin, wollte ich noch zum derzeit, interessantesten Platz für Craftbeer in Berlin – die neue Stone Brewing Brauerei. Ich hatte schon einiges gehört und wollte unbedingt selbst mal vorbeischauen. Die erste Herausforderung für mich war dorthin mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu gelangen. Auf ihrer Website empfehlen sie bis zur S-Bahnhaltestelle Attila-Straße zu fahren und von dort in 15 – 20 Minuten zu Fuß hinzuwandern. Was im Sommer bestimmt ein Vergnügen ist, stellte es sich im Januar als recht mühsam dar. Auf dem Weg durch etliche Kleingartenkolonien ist zwar frei von Verkehr, aber leider weder befestigt noch geräumt, so dass es bei vereisten Boden recht anstrengend war. Außerdem gibt es auf der gesamten Strecke so gut wie keine Beleuchtung, was Abends nicht für den Weg spricht. Ich habe daher auf dem Rückweg den Bus genommen. Dieser fährt fußläufig ca. 5 min von der Brauerei entfernt ab. Nachdem ich den Weg geschafft hatte, war ich von der Größe der Analage schon recht beeindruckt. Die Brauerei befindet sich nämlich in der denkmalgeschützten Halle des ehemaligen Gaswerks Berlin Mariendorf.  Das gesamte Gebäude stammt aus dem Jahre 1902 und wie ich im Nachhinein erfahren habe, dauerte es fast 4 Jahre, bis alle Denkmalschutz-Auflagen erfüllt worden sind.

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Gemütliche Sitzecken

Die Außenanlagen waren der Witterung entsprechend natürlich nicht in Benutzung. Ich kann mir aber vorstellen, dass es absolut genial sein muss, hier in einer lauen Sommernacht zu sitzen. Wenn man in die Halle reinkommt, gibt es erstmal eine Art Vorhalle, in der ein Empfangstresen steht. Dort ist auch der obligatorische Fanshop mit Getränken, Klamotten und anderen Devotionalien von  Stone Brewing. Und dann kommt man in die große Halle – wow was für Dimensionen. Hier hat man nicht gekleckert, sondern geklotzt. Gut 25 Mio. Euro wurden hier insgesamt investiert. Auf der linken Seite befindet sich die Brauerei, die durch eine große Glaswand abgetrennt ist. Der ganze restliche Teil ist eine großzügige Fläche zum Sitzen, Essen, Biertrinken und verweilen. Überall sind große Holzbalken und andere natürliche Materialien um die Bereiche voneinander abzutrennen. Gleich rechts in der großen Halle befindet sich die große Theke, die mit auf jeder Seite ca. 30 Zapfhähnen! aufwartet. Dahinter ist eine große Freitreppe, die man mit vielen gemütlichen Sitzmöglichkeiten ausgestattet hat. Auf der oberen Etage hat man einen schönen Überblick über die ganze Halle und findet weitere gemütliche Sitzgelegenheiten. Einziger Wermutstropfen ist, dass man sich hier oben selbstbedienen muss. Was bei der Größe der Anlage aber mehr als verständlich ist.

Hinter der Bar gibt es noch einen Durchgang zu einem weiteren Raum dem Bibliotheks- oder Kaminzimmer. Dieser separate Raum hat noch eine weitere kleine Bar und wird häufig für die Einführungen zu den Brauereiführungen genutzt. Wie ich auch später erfahren habe, war es auch der erste fertiggestellte Raum in der neuen Brauerei. Er wurde im März letzten Jahres zuerst restauriert. Und ab April 2016 begann man mit dem eigentlichen Brauen. Und ab Sommer war dann auch das Restaurant und der Schankraum für Publikum geöffnet. Da ich natürlich auch die Brauerei von innen und nicht nur durch die Scheibe besichtigen wollte, buchte ich noch eine Führung. Diese werden mehrmals täglich sowohl auf Deutsch als auch in Englisch angeboten. Da die nächste deutsche Tour schon ausgebucht war, buchte ich die englische. Sie kostet sehr faire 3 € und lohnt sich auf alle Fälle. Man wird 45 – 60 Minuten herumgeführt, darf danach noch 3 verschiedene Biere verköstigen und bekommt noch ein Nosingglas als Geschenk.

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Reid erklärt den Brauprozess

Uns führte Reid durch die Brauerei. Der Amerikaner ist erst seit Sommer 2016 hier, führte aber durch die Brauerei wie ein alter Hase und war mit großen Enthusiasmus dabei. Die Berliner Brauerei ist mittlerweile die dritte Brauerei von Stone Brewing. Das Hauptwerk in San Diego wurde vor ca. 10 Jahren eröffnet. Ende 2016 wurde noch eine Brauerei in Richmond eröffnet. Auch wenn man es bei den Ausmaßen kaum glauben mag, ist die Berliner die kleinste Brauerei der Dreien. Da man schon vorher Bier nach Deutschland und Europa exportiert hatte, kam man vor ca. 4 Jahren auf die Idee, warum nicht gleich eine Brauerei vor Ort bauen. Die Wahl auf Berlin fiel vor allem des Standorts wegen. Riesiger Einzugsbereich, gute Verkehrsanbindung und die zentrale Lage in Europa. Und dann hat bestimmt auch noch die Craftbeerszene in Berlin  eine Rolle gespielt.

Die meisten Biersorten in Berlin sind identisch zu denen in San Diego, wobei der Hauptunterschied durch das Wasser ausgemacht wird. Das Berliner Wasser ist weicher und wie Reid uns verraten hat, sogar noch besser zum Brauen geeignet. Die Gerste kommt größtenteils aus Deutschland, beim Hopfen greift man fast ausschließlich auf US-Hopfen zurück. Aber auch erste Testsude mit deutschen Hopfen wurden schon versucht. Um diese Testsude im kleinen Stil und auch eigenes Bier nur für den Verkauf vor Ort produzieren muss, baute man neben der eigentlichen Brauerei, noch eine Experimentier-Brauanlage mit auch schon beeindruckenden 600 l Menge pro Braugang.

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Hier wird Berliner Weiße hergestellt

Dagegen schafft die große Anlage schon 10.000 l pro Brauvorgang und das bei 3 Durchläufen pro Tag und das an 5 Tagen die Woche. Da kommt schon einiges an Bier zusammen. Alles wirkte auf mich schon ein wenig  industriell und ist komplett computergesteuert. Wir wurden durch die einzelnen Stationen der Bierherstellung geführt. Interessant fand ich die angeschlossene Turbine am Läutertank, womit man die Energie zum Erhitzen wiederverwendete. Da sie fast nie Flaschengärung durchführen nutzen sie zwei Fermentationstanks. Der zweite Tank kann auch bei dem sogenannten Dryhopping genutzt werden. Auffällig war auch ein kleiner Steinbottich. Dieser wird für die Gärung von Sauerbieren,  im speziellen zur Herstellung von Berliner Weiße genutzt. Wie wir erfahren haben, scheinen die Bakterien in Steingefäßen besser als in Stahltanks zu funktionieren. Insgesamt ist es schon eine wirkliche beeindruckende Anlage, die aber nur noch wenig mit der romantischen Vorstellung der „Hobbycraftbeer“-Herstellung  zu tun haben.

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Der Start der Bierverköstigung mit einem IPA

Dann ging es noch zu einer kurzen Verkostung. Dort wollte uns Reid neben den bekanntesten Bieren von Stone auch deren Vielfalt näher bringen. Gestartet haben wir mit dem Megaseller von Stone dem Stone IPA. Dies hat für Stone „nur 6,8 % Alkohol“ und eine IBU-Zahl von 77. Das war mal eine ordentliche Hopfenbombe. Hier kamen Magnum, Centennial und Chiinook  Hopfen zum Einsatz. Als nächstes kam dann ein komplett anders schmeckendes Bier ins Glas. Dachten wir zu mindestens, aber es war das gleiche Bier, nur dass hier eine andere Hefe zum Einsatz kam. So hatte das sogenannte Calibelgique IPA die klassische belgische Bier-Note, die man eher von einem Double oder Tripple kennt. Da waren Aromen von Banane und Lemongras zu schmecken. Aber die klassischen IPA-Fruchtaromen, vom Stone IPA waren fast nicht mehr wahrnehmbar. Am Schluss kam dann noch ein ursprünglich missglückter Bierversuch ins Glas – das Arrogant Bastard Ale. Beim ersten Brauvorgang 1997 sollte es ursprünglich ein Red Ale werden. Das Ergebnis war aber etwas ganz anderes geworden. Es war viel bitterer, wies aber eine komplexe Karamell-Note auf. Das „missglückte“ Bier kam so gut an, dass es in die Standardrange aufgenommen wurde und mittlerweile das meistverkaufte Fassbier von Stone darstellt.

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Craftbeer-Himmel – 60 Biere vom Fass

Dann wurde es langsam Zeit, wieder nach Berlin rein zu fahren. Ein toller Tag neigte sich dem Ende zu. Ich kann nur jeden empfehlen, der in der Hauptstadt ist oder plant hinzufahren sowohl die Markthalle 9 als auch Stone zu besichtigen. Beides sind Highlights für jeden Biertrinker, aber auch Fans von Industriekultur und leckeren Essen kommen hier auf ihre Kosten. Nähere Informationen zu Stone Brewing wie z.B. Öffnungszeiten, Touren, produzierten Bieren etc. findet Ihr auf der Website http://www.stonebrewing.eu

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Die Boann Distillery – der zukünftige Stern am irischen Whiskeyhimmel

Drinklabor_BoannDistillery1Wie Ihr vielleicht auf meinen Socialmedia-Kanälen mibekommen habt, befand ich mich Mitte September mit einer größeren Gruppe von Whiskyenthusiasten auf einer Tour durch Wales, Irland und Schottland. Dabei nutzten wir natürlich die Gelegenheit, vor Ort möglichst viele Destillen persönlich zu besuchen und die Leute dahinter kennen zu lernen. Dabei gab es, wie immer im Leben mal Licht mal Schatten. Ein wirkliches Highlight der Tour war der Besuch in der irischen Boann Destillery. Boann werden jetzt einige fragen. „Habe ich noch nie gehört?“ Das kann damit zusammenhängen, dass sie noch nicht aktiv ist und sich noch im Bau befindet. Auf der Fahrt von Dublin nach Portrush in Nordirland nahmen wir uns die Zeit für einen kurzen Halt in Drogheda im Boyne Valley. Oli der schon bei der letzten Fahrt die Besichtigung der Strathearn Distillery organisiert hatte, schaffte auch diesmal  für insgesamt 12 Personen unserer Gruppe eine Führung zu vereinbaren. Und nach anfänglichen Zögern, da es ja noch eine Baustelle wäre, haben sie sich bereit erklärt, uns zu empfangen.

Der Blick von außen

Der Blick von außen

Der Anblick von außen war anfänglich ein wenig ungewöhnlich, da die gesamte Front verglast war. Insgesamt sah es nicht wie eine typische Destille aus. Was damit zusammenhängen konnte, das dies ein ehemaliges Autohaus war, dass jetzt zur Destille umgerüstet wird. Das Autohaus war Anfang der 2000er Jahre gebaut und im Rahmen der Eurokrise in Konkurs gegangen. Nach einiger Zeit des Leerstands entschieden sich die Boann Eigentümer 2015 dieses Gebäude als Heimat ihrer Destille zu wählen.

Unsere Gruppe beim andächtigen Zuhören

Unsere Gruppe beim andächtigen Zuhören

Wir wurden von der Marketing und PR-Leiterin Sally-Anne Cooney sehr herzlich begrüßt und in die heiligen Hallen geleitet. Obwohl noch nicht alle Leitungen verbunden waren und die Spirit-Safes teilweise noch verpackt in Kisten rumstanden, konnte man sich schon ein gutes Bild von der zukünftigen Destille machen.

Der zukünftige Spiritsafe

Der zukünftige Spiritsafe

Wie es sich für einen irischen Whiskey gehört, soll er auch dreimal destilliert werden. Entsprechend konnte man schon drei wundervolle Stils begutachten. Sally-Anne erzählte uns ein wenig zur Idee die hinter dem Unternehmen steckt.

Der Blick in die zukünftige Destille

Der Blick in die zukünftige Destille

Die Boann Destillery ist nach der Gottheit Boann benannt, die u.a. auch den Fluß Boyne erschaffen haben soll. Dieser ist gleichzeitig der Namensgeber für das Tal nördlich von Dublin – das Boyne Valley. Das zeigt schon ein wenig, dass die Eigentümer großen Wert auf die Verbindung zu dem Land und der Gegend legen. So soll auch außschließlich Gerste aus der Gegend verwendet werden.

Improvisierte Bar aus Fässern für eine Veranstaltung

Improvisierte Bar aus Fässern für eine Veranstaltung

Auch das örtliche Wasser, welches eine sehr hohe Wasserhärte aufweist, soll trotzdem genutzt werden. Es soll dem Whiskey ein besonders Aroma geben. Sie verglich dabei ihr Vorgehen mit und die Beziehung zu der Gegend mit einem Winzer, bei dem das Terroir auch eine besondere Rolle für den Wein spielt. Außerdem hat diese Gegend eine lange Whiskey-Tradtion. So gab es 1822 in der Gegend noch 18 Whiskeydestillen. Davon blieb nur eine übrig, die aber auch 1968 schließen musste. So ist die Boann Distillery die erste Neugründung seit über 50 Jahren in dieser Gegend.

Unsere charmante Führerin durch die Boann Distillery - Sally-Anne

Unsere charmante Führerin durch die Boann Distillery – Sally-Anne

Unsere Führerin Sally-Anne ist eines von fünf Kindern des Gründers Pat Cooney. Wie sie sind auch ihre vier Geschwister und die Mutter in unterschiedlichen Bereichen des Unternehmens tätig. Man kann also von einem wirklichen Familienunternehmen sprechen.  Die Idee zu dem Unternehmen hatte ihr Vater Pat, der Gründer der Firma. Er ist hier in der Nähe in Drogheda geboren und hat damit eine enge Beziehung zu der Gegend und ihren Menschen. Nach einer erfolgreichen Karriere bei den Getänkekonzern Gleeson, hat er gr0ße Teile des Unternehmens 2012 verkauft. Nur die Cream Liqueur- und Ciderproduktion behielt er weiterhin. Als großer Whiskyliebhaber war das Projekt schon seit über 15 Jahren sein Traum von ihm und der Famile. Zukünftig sollen neben Whiskey auch Gin und andere Brände hergestellt werden. Außerdem existiert schon seit ca. 3 Monaten in der hintereen Halle eine Craftbeer Brauerei – die Boann Brewery – und eine Flaschen- und Dosen-Abfüllstation.

Die Brennblasen - noch nicht in Aktion

Die Brennblasen – noch nicht in Aktion

Neben der Verbundenheit mit der Gegend steht vor allem die Qualität und die moderne Technik bei diesem Neubau im Vordergrund. So entschloß man sich durch den vorgegebenen Bau der Halle, für eine moderne Aufmachung für die Destille. Dadurch stehen wor allem Glas, Chrom und Stahl im Vordergrund. Dies wird durch die absolut toll aussehenden Kupfer-Sttills noch unterstützt. Als Hersteller für die Brennblasen entschied man sich für die italienische Firma Green Engineering. Diese hatte schon Erfahrung beim Bau der Brennblasen für die Bombay Saphire Destille gesammelt. Bei Boann kommen spezielle Brennblasen mit Nanotechnologie zum Einsatz. Diese soll dazu führen, dass beim Destillationsvorgang die 6fache Menge an Kupfer mit dem Alkohol in Berührung kommt. Diese Technick wird meiner Kenntnis nach, erstmalig in einer Whiskydestille eingesetzt.

Die Bennett-Stil für irischen Gin

Die Bennett-Stil für irischen Gin

Das besondere Steckenpferd von Sally-Anne aber ist die Gin-Produktion. Für diese steht eine 500 l Bennett-Still zur Verfügung. Der hier zukünftig hergestellte Gin soll mit speziellen irischen Botanicals verfeinert werden. Dafür steht zusätzlich auch noch eine Anlage für Dampfinfusionen bereit, die Öle aus den besonders empfindlichen  Botanicals extrahieren soll. Hier merkte man ihre Begeisterung, wenn sie von den aktuellen Experimenten und Versuchen erzählt, um einen einzigartigen Gin zu kreieren. Durch ihre langjährige Arbeit im Weinhandel hat sie auch ein großes Interesse für das Thema Fassmanagement.

Das zukünftige Fasslager - die Fässer warten auf ihre Befüllung

Das zukünftige Fasslager – die Fässer warten auf ihre Befüllung

Im Keller konnten wir schon mal einen Blick auf eine ganze Menge leerer Fässer werfen, die auf Ihre Befüllung warten. Durch die Beziehungen von Pat und die Kontakte von Sally-Anne aus ihrem vorherigen Beruf konnten sie an genügend Fässer herankommen.Sie hat uns schon veraten, dass sie zukünftig gern mit unterschiedlichen Fässern und Finishes arbeiten möchte.

Die Boann Brewery

Das Boyne Brewhouse

Im hinteren Bereich konnten wir noch einen Blick in die schon aktive Brauerei das Boyne Brewhouse werfen. Als Braumeisterin konnten sie dafür Aine O´Hara gewinnen. Aine, die gebürtig aus Galway kommt, hatte davor für 8 Jahre in Australien studiert und gearbeitet. Nun ist sie in ihr Heimatland zurück gekehrt, hat aber gleich mit ihrem ersten Bier dem „Born in a Day“, einem australischen Pale Ale, an ihre Australien Zeit erinnert.

Die Dosenabfüllanlage im Betrieb

Die Dosenabfüllanlage im Betrieb

Zur Zeit haben sie schon drei verschiedene Biersorten im Angebot. Im Laufe der Zeit sollen noch weitere dazu kommen. Insgesamt ist bei Boann noch vieles in Planung. Zukünftig soll noch eine gläserne Wand vor der Destille eingezogen werden. Im vorderen Teil soll dann ein Visitorcenter mit Restaurant untergebracht werden. Außerdem soll man dann auf der ersten Etage den Mitarbeitern beim destillieren zuschauen können. Auch eine starke Klimaanlage ist geplant. Dies ist auch von Nöten, da durch die große Glasfront schon bei unserem Besuchstag die Wärme schon gut spürbar war. Auch wollen sie zukünftig Tastings und Masterclasses anbieten. Sie planen auch alle drei irischen Whiskeystile, also Single Malt, Potstill und Blended Whiskey herzustellen.  Im Moment warten sie noch auf die eine oder ander Genehmigung. Sally-Anne hofft aber, dass sie spätestens im 3. Quartal 2017 mit dem destillieren beginnen können. Um sich aber schon jetzt einen Namen zu machen, planen sie schon in diesem Jahr zwei Abfüllungen unter ihrem Namen herauszubringen.

Die erste Abfüllung ein 7jähriger - extrem lecker

Die erste Abfüllung ein 7jähriger – extrem lecker

Es wird ein siebenjähriger Single Malt Whisky sein. Er wird in zwei Stärken zu haben sein, einmal in Trink- und einmal in Fassstärke. Er war vorab in Bourbon Casks und hat noch ein finishing in Oloroso Sherry Fässern gehabt. Da er hier ja noch nicht produziert werden konnte, ist er in einer anderen der bisher drei irischen Destillen entstanden. Auf jeden Fall wird er unter dem Namen „The Whistler“ vertrieben. Der Name hat auch eine Beziehung zu Pat, der ein begeisterter Whistlespieler ist. Aller Voraussicht wird der Whisky zum Weihnachtsgeschäft in Irland und den USA zu kaufen sein. Wir hatten die große Ehre, sowohl den Whistler in Trink- als auch in Fassstärke zu probieren. Und ich muss sagen, ich habe selten einen so komplexen, aber gleichzeitig wunderbar eingebundenen und runden sieben jährigen Whiskey probiert. Das Ganze lässt wirklich Großes erwarten. Auf diesem Weg noch mal ein herzliches Dankeschön an Sally-Anne für die wirklich sehr informative Führung.

Jede Destille braucht einen Hund - zusammen mit Sally-Anne

Jede Destille braucht einen Hund – zusammen mit Sally-Anne

Selten kann man in einer Destille wirklich überall hinterschauen und sehen wie sie erst im Entstehen ist. Ich wünschen ihnen wirklich alles Gute und einen erfolgreichen Start. Es wird sehr spannend sein, wenn man, sagen wir in zwei Jahren wieder bei Boann vorbei schaut und dann ein fertiges Schmuckstück und einen Touristenmagnet bewundern kann. Das dies gelingen kann, zeigt schon die gut gewählte Lage. Die Destille ist in gut einer Stunde von Dublin erreichbar und die großen Touristenziele Newgrange und der Stone of Tara befinden sich quasi um die Ecke. Daher kann ich mir gut vorstellen, dass sich auch einige Whiskyfreunde nach Drogheda zur Boann Destillery verlaufen werden.

Wenn Ihr mehr über die Familien-Destille Boann erfahren wollt, könnt Ihr auf ihrer Website nach Neuigkeiten Ausschau halten:  www.boanndistillery.ie

 

 

 

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Antwerpens Brauerei – De Koninck

Drinklabor_DeKoninckLogoAntwerpen hat für seine Größe als belgische Stadt nicht wirklich viele Brauereien. Kurz gesagt nur eine die De Koninck Brauerei. Diese Brauerei wurde 1883 gegründet und ihre Biere sind häufig in der Stadt zu finden. Sie ist noch privat geführt, gehört aber seit 2010 zur Duvel Moortgat Gruppe. Sie haben in den letzten Jahren viel in die Bausubstanz der Brauerei gesteckt und ein wirklich gelungenes Besucherzentrum erstellt. Normalerweise stehe ich hoch modern renovierten und auf Besucher ausgerichteten Brauereien immer ein wenig skeptisch gegenüber, aber was hier umgesetzt wurde ist einfach exzellent. Den Eintritt von 12 € fand ich am Anfang schon ein wenig hoch, muss aber sagen, was man dafür geboten bekam, war wirklich angemessen.

Die Brauerei und der Drinklaborant mit De Konincks Flasche

Die Brauerei und der Drinklaborant mit De Koninck Flasche

Die Brauerei befindet sich ein wenig außerhalb, so dass man am besten mit der Tram hinfährt. Die Haltestelle ist gleich in der Nähe zur Brauerei. Bei unseren Besuch waren sie schon wieder am Umbauen, so dass es sich vielleicht noch ein wenig verändert. Den Rundgang kann man allein begehen und erinnert im Konzept ein wenig an das Guinness  Storehouse. Man wird durch unterschiedliche Räume geleitet, die sich mit den einzelnen Aspekten der Bierherstellung oder der Geschichte der Brauerei auseinander setzten. Jeder Raum ist liebevoll eingerichtet und mit sehr viel Technik ausgestattet. So wurde fast in jedem Raum ein Film, der auch untertitelt war, zu dem jeweiligen Thema gezeigt. Das Ganze immer im einer guten Portion Humor und ganz viel Selbstironie.

Impressionen der unterschiedlichen Räume

Impressionen der unterschiedlichen Räume

Die Räume sind alle thematisch aufgeteilt. So widmet sich z.B. ein Raum nur den unterschiedlichen Glastypen für belgische Biere. Die komplette Decke hängt voll mit Gläsern. Und in dem Film diskutieren zwei Komiker die Vorteile der verschiedenen Glasformen. Man muss wissen, dass in dieser Brauerei auch das berühmte Bolleke Glas erfunden wurde. In einem weiteren Raum wurde die Bierherstellung thematisiert und wunderbar mit Comiczeichnungen erläutert. Ich finde das sollte man in jedem Chemieunterricht einsetzen und kein Schüler hätte mehr Probleme mit der alkoholischen Gärung.  Bei einem weiteren Raum konnte man in einem original Biertransporter aus den 70er Jahren durch Antwerpen fahren. Dabei hat man das alte Auto mit einem großen Bildschirm in der Windschutzscheibe und einem beweglichen Fahrersitz ausgestattet. In einem weiteren Raum hatte man eine alte Bar aufgebaut. Die Bilder an den Wänden stellten sich als Bildschirme heraus, die jeder eine Persönlichkeit enthielt, die mit der Geschichte der Brauerei zu tun hatte. Und diese Personen unterhielten sich und so bekam man Hintergründe zur Geschichte der Brauerei. So wurde zu Zeiten des ersten Weltkriegs auf Grund von Rohstoffknappheit quasi mit allem gebraut was vorrätig war. Und häufig war das Ergebnis alles andere als lecker.

Blick in die Brauerei

Blick in die Brauerei

Am Ende der Tour konnte man durch große Glaswände auch in die Brauerei als solches einen Blick werfen und sich einen Überblick über Braukessel etc. machen. Zum Abschluss ging es noch in die Bar. Hier konnte man sich für die Eintrittskarte ein Tastingset von drei De Koninck Bieren abholen. Neben den Standard Bier, gab es das Triple d’Anvers mit 8 % und ein Testbräu. Dies war zu unserem Besuch ein mächtiges Russian Imperial Stout mit über 10 %. Und alle drei Biere ließen sich auch trotz der hohen Prozente sehr gut trinken. Speziell das neue Imperial Stout fand ich als sehr gelungen. Ob es auch irgendwann in Flaschen abgefüllt wird, steht noch nicht fest. Neben den Bieren von De Konincks konnte man ein Großteil der Biere der Duvel Moortgat Gruppe häufig auch vom Fass probieren.

Die Bar und das Tastingset

Die Bar und das Tastingset

Wer also in Antwerpen oder in der Nähe ist und sich für Bier interessiert, sollte die Möglichkeit eines Besuchs bei De Koninck auf jeden Fall einplanen. Wenn auch teilweise ein wenig verspielt, macht es sehr viel Spaß und ist wirklich unterhaltsam durch die Räume zu streifen. Und am Schluss wird man auch noch mit leckeren Bier belohnt. Informationen zur Brauerei (nur auf Englisch) findet Ihr unter www.dekoninck.be.

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Edle Tropfen vom Bonner Münster

Drinklabor_BonnerMünster1Da wohne ich nun schon seit 14 Jahren in Bonn und kenne ein paar der schönsten Ecken Bonns nicht richtig. Natürlich war ich schon mehrmals im Münster und auch wusste ich das es einen Kreuzgang gibt. Dass es sich bei diesem um ein solch wunderbares Kleinod handelt, war mir nicht bewusst. Dies und vieles mehr durfte ich bei einer Bloggereinladung des Bonner Münsters erleben. Dies war wirklich ein Abend voller Erkenntnisse. So lernte ich dass das Bonner Münster sogar seinen eigenen Wein herausgibt, der noch dazu sehr lecker ist. Damit der Bonner Münster auch in den digitalen Medien mit seinen Angeboten bekannter wird, werden in letzter Zeit vermehrt Veranstaltungen für diese Zielgruppe angeboten. So wurde auch schon ein Instawalk zu ungewöhnlichen Orten des Münsters speziell für Bonner Instagrammer durchgeführt. Da es diesmal um den Wein und die Getränke des Münsters gehen sollte, wurden 6 Bonner Blogger, zu denen auch ich zählte, zu einer Weinverköstigung in den Kapitelsaal des Bonner Münsters eingeladen.

Nettes Beisammensein und viele Hintergründe

Nettes Beisammensein und viele Hintergründe

Wir wurden von den Herren Sebastian Eckert, Reinhard Sentis und Matthias Föllmer sehr nett gleich mit einem „Münstergold“ begrüßt. Dieser aus Blanc de Noir Trauben gekälterte Sekt war  ein wunderbarer Aperitif. Nach einer kurzen Begrüßung erzählte uns Reinhard Sentis erst mal die Hintergründe zum Münster Wein. Zum Kapitell des Bonner Münster gehörten früher eine Vielzahl von Weinbergen sowohl an Ahr, Mosel als auch am Rhein. Leider sind diese Ländereien im Rahmen der Säkularisation zu Napoleons Zeiten  verloren gegangen. Doch diese Tradition hat man in den 2000er Jahren wieder aufgegriffen und zusammen mit der Firma Brogsitter spezielle Weine für das Bonner Münster abgefüllt. Und diese sind auch für alle Bonner und Gäste im Bonner Münsterladen käuflich zu erwerben.

Weinpräsentation

Weinpräsentation

Nach diesem leckeren und interessanten Start wurden wir durch den Kreuzgang und die Räumlichkeiten des Münster Carre’s geführt. Allein der Kreuzgang ist eine Augenweide. So ein wunderbar ruhiger und kontemplativer Raum und dass mitten im Trubel der Innenstadt – einfach wunderbar. Man kann den Kreuzgang tagsüber auch besuchen. Es gibt sowohl einen Zugang über das Münster, als auch über den Münsterladen. So erfuhren wir auch, dass der große Architekt Schinkel in gewisser Weise an der Rettung und Erhaltung des Kreuzganges beteiligt war. Er hatte bei den Diskussionen um den Standort der Beethovenstatue vorgeschlagen, diese in die Mitte des Kreuzgangs zu stellen. Was wie wir alle wissen, nicht geschah. Dafür hat er damit auf den schlechten Zustand des Kreuzgangs hingewiesen und somit zur Unterstützung der Finanzierung des Erhalts bzw. der Renovierung mit beigetragen.

Der Kreuzgang des Bonner Münsters

Der Kreuzgang des Bonner Münsters

Danach haben wir uns noch ein paar der Seminarräume des Münster Carres angeschaut. Insgesamt finde ich eine wirklich gelungene Kombination aus alt und modern und sehr geschmackvoll eingerichtet. Was ich auch nicht wusste, dass man alle Räumlichkeiten, sowie auch den Kreuzgang als Externer für Veranstaltungen anmieten kann. Dann ging es zurück zum Kapitelsaal. In diesem Raum hielten früher die Kapitelherren ihre Versammlungen ab. Über diesem befand sich in früherer Zeit eine Krankenstation. Reinhard Sentis wies uns auf einen noch existierenden Guckschlitz in der Decke hin. Durch diesen konnten auch kranke Personen den Versammlungen beiwohnen. Während uns Matthias Föllmer etwas zum Konzept des Münster Carre‘ erzählte, gab es einen leckeren Imbiss und wir durften den Weißwein probieren. Dies war ein Grauburgunder aus Rheinhessen mit dem schönen Namen „Schöpfung“. Auf dem Etikett ist eine Abbildung aus dem Schöpfungsmythos zu sehen ist, der sich in den Apsisfenstern des Bonner Münsters befindet. Für einen Grauburgunder hat eine ziemliche Wucht und eine ausgeprägte Pfirsich-Fruchtnote. Ein sehr gelungener Grauburgunder der ausgesprochen süffig, den idealen Sommerwein darstellt.

Die Schöpfung

Die Schöpfung

Im Anschluss daran wechselten wir zum Rotwein. Hier war beim Namen und beim Etikett ein Bezug zum Kreuzgang hergestellt. Der Name „Kapitelchen“ und auch das abgebildete Kapitel ist im Kreuzgang zu finden. Wir sollten die abgebildete Verzierung dann in Natura im Kreuzgang finden. Dies war gar nicht so einfach, da jedes der insgesamt 39 Kapitele im Kreuzgang anders verziert ist und keins dem anderen gleicht. Aber nach einigen Suchen und mit Hilfe des Etiketts konnten wir es entdecken. Beim Rotwein hatte man sich für die Frühburgundertraube entschieden. Und was liegt bei der geschichtlichen Verbindung näher, als die Trauben für diesen Wein von der Ahr zu beziehen. Bei jedem neuen Jahrgang ziert dann ein anderes Kapitell das Etikett dieses Weines.

Namensgeber des Weines

Namensgeber des Weines

Zum Abschluss durften wir noch ein weiteres Produkt des Bonner Münsters probieren. Den „Stiftskräuter“ ist ein außergewöhnlicher  Kräuterlikör aus der Eifler Brennerei Schütz aus Lantershofen. Der Name steht natürlich für Qualität. Die Bonner und Ginliebhaber müssten bei diesen Namen jedenfalls aufhorchen. Diese Brennerei ist auch für den von mir  geschätzten Siggi Gin verantwortlich. Trotz des großen Namens war ich am Anfang ein wenig skeptisch. Dies hängt aber mit meiner allgemeinen Abneigung gegen Kräuterliköre bzw. Kräuterschnäpsen zusammen. Aber auch hier zeigt sich, man bringe gute Qualität und Handwerkskunst zusammen und erhält ein leckeres Produkt.

Der extrem leckere Stiftskräuter

Der extrem leckere Stiftskräuter

Der „Stiftskräuter“ wird aus 36 Kräutern gebrannt und hat für mich schon etwas weihnachtliches. Ich fand ein schönes Aroma von Anis und Lebkuchen. Im Mund spürt man eine wunderbare Süsse ohne das sie überlagern wirkt. Bei solchen Likören kann sogar ich noch zum Kräuterfan werden. Und nicht nur der gute Name des Herstellers sondern auch der geschichtliche Zusammenhang passt hier wunderbar. So erfuhren wir, dass die Gebäude der Brennerei Schütz in früher Zeit als Zehnthof zum Bonner Münsterkapitel gehörten.

Ich muss zusammenfassend sagen, wirklich alle verkosteten Getränke waren für mich extrem lecker und hatten eine sehr gute Qualität. Die Darbietung der Getränke und die Erzählungen drum herum waren nicht nur sehr lehrreich, sondern auch unterhaltsam. Ich möchte mich noch mal ganz herzlich beim Bonner Münster und den drei Herren für den gelungenen Abend bedanken. Man kann alle verkosteten Getränke im Münsterladen käuflich erwerben. Hintergrundinformationen zum Bonner Münsterladen findet Ihr unter www.muensterladen.de. Wie häufig ist man auf der Suche nach einer Kleinigkeit oder einem Mitbringsel aus Bonn und vielen fällt dann immer nur Haribo ein. Hier kann man leckere Dinge mit einem direktem Bezug zu Bonn kaufen. Den Eingang zum Bonner Münsterladen findet man in der Gerhard-von-Aare Str. 1 und das Geschäft hat montags bis freitags von 10.00 – 19.00 Uhr und am Samstag von 10.00 – 16.00 Uhr geöffnet.

Die Getränkekollektion des Bonner Münsters

Die Getränkekollektion des Bonner Münsters

Wo kommt das Logo her?

Wo kommt das Logo her?

Der Kreuzgang am Abend

Abendimpression im Inneren des Kreuzgangs

Abendimpression im Inneren des Kreuzgangs

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Lissabon – Auf der Suche nach Craftbeer

Drinklabor_CraftbeerLissabon1Wie schon angekündigt kommt hier der 4. Teil der Lissabon Quadrologie. Ich als ausgesprochener Craftbeer Liebhaber wollte auch schauen, ob es eine entsprechende Szene im Weinland Portugal gibt und wie sich diese darstellt. Vor Beginn unser Reise dachte ich mir, dort wird bestimmt nur Wein oder Port getrunken. Aber dann wurde ich eines besseren belehrt. Ok die Craftbeerszene ist erst im Entstehen begriffen, aber sie entwickelt sich sehr innovativ und schnell. Portugal ist wahrlich kein typisches Bierland. Bis vor einigen Jahren gab es hier nur genau 2 Brauereien. Diese sind mittlerweile beide in internationalen Händen. Das ist einerseits der Marktführer Sagres, der zur Heineken Gruppe gehört. Und anderseits die Brauerei mit dem wunderbaren Namen Superbock. Diese gehört wiederum zu Carlsberg. Beide Biere gibt es in unterschiedlichen Sorten und man bekommt sie quasi überall. Aber auch vor Portugal machte die neue Bewegung keinen Halt und hier entwickelt sich eine wirklich spannende Szene. Speziell da Portugal ohne typische Biertraditionen weniger Vorbehalte gegen Neuerungen hat und daher die neuen Brauer einfach drauf los experimentieren.

Drinklabor_CraftbeerLissabon2Und auch die großen Brauereien versuchen selbst auf den Zug aufzuspringen. So bietet Superbock im Timeout Market in Lissabon einen Beerexperience-Stand an. Wenn man alles Tamtam drumherum weglässt, sind es eigentlich nichts anderes als sechs Zapfhähne. Diese darf man aber als Kunde selbst bedienen. Das System kam bei den Gästen aber sehr gut an, so dass immer eine kleine Schlange vor dem Stand zu sehen war.  Zuerst entscheidet man sich für eines der Biere. Neben dem klassischen Lager, gab es ein Dunkel und ein Stout. Daneben noch drei Biere der neune Marke 1927. Von denen gab es ein Münchner Hell, ein Münchner Dunkel und ein Amber Ale. Nachdem man ein Bier gewählt hat, musste man bezahlen und bekam ein Bierglas und einen Kassenbeleg mit Strichcode in die Hand gedrückt. Oberhalb des Zapfhahns war ein Monitor angebracht, wo ein Video zum richtigen Zapfen gezeigt wurde. Dann musste man den Kassenbeleg an ein Lesegerät halten. Das löste eine Sperre und man konnte und man durfte selbst sein Bier zapfen. Man musste nur aufpassen, da  man bestraft wurde, da die Bierzufuhr nach der bezahlten Menge automatisch stoppte. Ich habe das Amber Ale und das Stout probiert. Das Amber Ale war ein stärker gehopftes, dunkleres Ale – was so einen typischen Einsteigerbier für in die neue Bierwelt nahe kam. Das Stout fand ich insgesamt zu nichtssagend. An den Bieren können sie also noch ein wenig arbeiten. Aber das Konzept des Selbstzapfens war schon ganz lustig und fand auch guten Zuspruch.

Drinklabor_CraftbeerLissabon3Aber es gibt auch einige richtige Craftbeerzentren in Lissabon zu entdecken. Die zwei Pubs die wir besuchten, waren beide sowohl als Kneipe als auch als Shop angelegt. So konnte man direkt vor Ort sein Bier genießen, aber auch verschiedene Flaschen zum Mitnehmen einpacken lassen. Es sind die „Cerveteca Lisboa“  und das „Lis Beer“. Die Cerveteca liegt in der Nähe des Botanischen Gartens und bietet sowohl Fass- als auch Flaschenbier an. Sie hatten 8 verschiedene Biersorten vom Fass und eine ganze Regelwand mit Flaschenbieren. Das schöne sie bieten auch ein kleines Tasting der Fassbiere an. Man bekommt 5 Biere a 0,1 l als Tastinggedeck. Dort versuchte ich natürlich besonders die einheimischen Biere zu probieren. Hier kam ich auch zum ersten Mal mit den Bieren von Oitava (8a) Colina in Berührung. Dies steht für den 8.  Hügel. Die Geschichte zum Namen fand ich sehr nett.  So sagt man, dass Lissabon ähnlich wie Rom auf 7 Hügeln erbaut worden ist. Dabei hat man den Graca Hill vergessen und genau hier liegt die Brauerei. Und nach diesem 8. Hügel hat man diese benannt. Beim Tasting war ein Zé Arnaldo dabei. Dies war ein wunderbar vollmundiges und gut trinkbares Porter. Daneben durfte ich auch noch das Urraca Vendaval probieren – was ein wunderbares, zitrusbetontes aber auch mächtig bitteres IPA ist. Und hat IPA untypisch nur 6 % Alkohol.  Das Urraca stellte sich auch als das Lieblingsbier unserer Bedienung heraus und ist ein wirklich gelungenes Craftbeer. Die Brauerei kann man auch besichtigen. Jeden Samstag gibt es eine Tour durch die Räumlichkeiten. Wir hatten leider das Pech, über Ostern dagewesen zu sein. Da sie an diesem Wochenende keine Führung angeboten haben. Auch haben sie laut Website einen kleinen Tastingraum, so dass man auch die Biere vor Ort probieren kann. Aber auch im Cerveteca kann man sehr relaxed eine Vielzahl von Bieren probieren. Ich würde schätzen, dass neben den Fassbieren an die 150 verschiedene Sorten Flaschenbiere angeboten werden. Davon auch ca. 1/10 portugiesische Biere. Was auffiel, dass besonders viele belgische Biere zu finden waren. Daneben natürlich auch  US-amerikanische, englische und einige skandinavische Biere. Nur deutsche Biere suchte man vergebens.

Drinklabor_LissabonCraftbeer4Ein anderer schöner Laden, der sich in der Nähe unserer Unterkunft in der Alfama befand ist das Lisbeer. Auch dieses ist ganz gemütlich, mit lauschigen Sesseln ausgestattet. Auch Sie bieten die Möglichkeiten zum Flaschenkauf und hatten auch mindestens 8 verschiedene Biere vom Fass. Hier wird auch nicht so konsequent zwischen Craftbeer und Industriebier unterschieden. So hatten sie z.B. auch Paulaner vom Fass. Hier probierten wir auch Biere einer weiteren Lissaboner Brauerei der Dois Corvos Brauerei. Von dieser haben wir z.B. das Metropolitan Pale Ale probiert. Ein recht leichtes, ein wenig süßliches Pale Ale nach amerikanischem Vorbild. Außerdem gab es von Ihnen nach das sehr leckere Matiné – ein Session IPA – was wirklich besonders lecker hopfig war. Was es für uns noch einfacher machte, war die hier vorhandene extra Karte rein für portugiesische Biere. Diese zweiseitige Karte enthielt neben den beiden oben beschriebenen Lissabonner Bieren weitere Sorten wie Toira, Mean Sardine oder Sovina. Schwierig war nur, dass die Karte obwohl nur ein ausgedruckter DIN A4 Zettel, die Vorrätigkeit mittels Punkte oder Haken darstellte. Da diese mal durchgestrichen oder wieder zugefügt hatte, wusste man am Ende gar nicht was noch im Angebot war. So konnte man manchmal ein wenig länger fragen, bis man ein Bier entdeckte, was auch vorrätig war. Daneben gab es noch eine weitere Karte mit über 200 Bieren aus den unterschiedlichsten Ländern.

Drinklabor_LissabonCraftbeer5Zusammenfassend kann ich festhalten – Craftbeer ist wirklich in Portugal und auch in Lissabon angekommen. Es gibt schon ein gutes Angebot an Pubs und auch lokalen Brauereien, speziell wenn man bedenkt, dass Lissabon nur 500.000 Einwohner hat. Ich denke da mal an die Millionenstadt Köln, die beim Thema Craftbeer dem noch um einiges hinterherhinkt. So kann man auch im Weinland Portugal viele spannende Biere testen und eine noch kleine, aber sehr kreative Bierszene antreffen. Und man konnte sehen, dass vor allem die jungen Portugiesen dem Craftbeer und den neuen Bierstielen sehr offen gegenüber stehen. Für die unter Euch die nach Lissabon kommen, hier ein paar Adressen und Links zu den Craftbeerhotspots.

Cerveteca Lisboa Praça das Flores 63, Lissabon hat täglich von 15.30 – 1.00 Uhr geöffnet

Lisbeer  –  Beco do Arco Escuro 1, Lissabon hat montags Ruhetag und die anderen Tage von 16.00 – 1.00 Uhr geöffnet.

8a Colina – Travessa da Pereira nº16 A, Lisabon

Dois Corvos – Rua Capitão Leitão, 94, Lissabon – der Taproom hat bis auf Samstag täglich ab 13.00 Uhr geöffnet

und zum Schluss, ist nicht wirklich Craftbeer – macht aber trotzdem Spaß

die Beerexperience von Superbock im Time Out Mercado da Ribeira, Avenida 24 de Julho, Cais do Sodré

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Whiskyparadies in Lissabon

Drinklabor_Whisky_Lissabon1Im Rahmen unserer Osterreise nach Lissabon musste ich natürlich auch schauen, ob es hier nicht auch ein Ort für mich als Whiskyconnoisseur gibt. Und nach einigem Suchen im Netz bin ich auf Whisky & Co im Lissabonner Norden gestoßen. Durch einen Tipp bekam ich auch den Hinweis, nach der privaten Kollektion zu fragen. Whisky & Co liegt ein wenig außerhalb, ist aber gut mit der Metro erreichbar. Von der Haltestelle Entre Campos (gelbe Linie) braucht man nur ca. 300 m bis zur Rua Visconde de Seabra 12-C zu laufen. Von außen wirkt der Laden recht unscheinbar. Das Angebot ist ganz gut sortiert. Natürlich viele Standards und auch die in Portugal noch gern genommenen Blended Whiskys. Verglichen mit deutschen Whiskypreisen sind die Flaschen ein wenig teuerer. Die Aufmachung des Ladens ist ganz ansprechend. Und nach einigen Suchen findet man auch das ein oder andere ältere Schätzchen – speziell alte Standardabfüllungen aus den 80er und 90er. Und diese häufig auch noch zu angenehmen Preisen.

Drinklabor_Whisky_Lissabon2Nachdem wir uns ein wenig umgeschaut hatten, wollten wir uns natürlich auch die Kollektion anschauen. Das Problem war nur, dass die Verkäuferin nur portugiesisch sprach, aber nach einigem Brocken in Italienisch oder Spanisch verstand sie, was wir wollten. Nach einigem Zögern meinte sie, wir sollten noch 10 Minuten warten, dann würde jemand kommen, der uns helfen könnte. Der Kollege kam, aber auch er konnte kein Englisch. Er bot sich aber trotzdem an, uns die Sammlung zu zeigen. Und so führte er uns mit einigem Stolz in einen hinteren Raum. Zuerst kommt man in eine Art Vorraum der die beeindruckenden Sammlung von PKW-Miniaturen enthielt. Hier hat wohl einer eine Sammelleidenschaft für diverse Dinge. Die Sammlung und der Raum sind recht edel aufgemacht und ausserdem findet man in der Ecke den Arbeitsplatz des Sammlers in Form eines großen Mahagonischreibtisches. Die Sammlung bereitete uns schon mal ein wenig vor, was wir im nächsten Zimmer erwarten können. Denn was wir dort zu sehen bekamen war schlicht unglaublich und für einen Whiskyfan schon fast nicht ertragbar. Man findet gar keine Worte das Ganze zu beschreiben. Hier hat einer über Jahre quasi fast alles gesammelt. Die Sammlung erstreckte sich über meterweise Regalwände und in der Mitte waren spezielle Vitrinen für ganz spezielle Schätzchen. An der Decke hängen alle möglichen Wasserkrüge von diversen Destillen. Man konnte den Raum schon fast als übervoll bezeichnen. Da hier über mehrere Jahrzehnte gesammelt wurde, finden sich wahrlich viele sehr alte Flaschen.

Drinklabor_Whisky_Lissabon3Die Ganze Sammlung soll zwischen 11.000-12.000 Flaschen enthalten und wurde vor weit über 50 Jahren begonnen. Wir wir im Nachhinein von der Tochter des Sammlers erfahren konnten. Der Mann der diese Sammlung und auch den Shop aufgebaut hat, ist mittlerweile über 85 Jahre und das Ganze wird jetzt von der Tochter verwaltet. Als man sich von dem ersten Schock erholt hatte, leitete uns unser Guide in einen zweiten Raum. Hier fanden sich fast überwiegend Blended Whiskys, mit ganz vielen Sondereditionen für bestimmte Feiertage oder Personen. So gab es eine eigene komplette Wand nur mit Flaschen der englischen königlichen Familie für diverse Anlässe. Auch bestimmte Sondereditionen für Geburtstage, Tronjubiläen etc. der Queen waren natürlich vertreten. Und auch spezielle Editionen z.B. von Chivas Regal bei denen die Flaschen von französischen Designer erstellt wurden. Es war schlicht und ergreifend unglaublich was sich hier auf 30-40 m2 angesammelt hat. Dann stöberten wir noch ein wenig im ersten Raum – da hier die noch spannenderen Flaschen zu finden waren. So hatte er von fast allen Destillen Flaschen vorrätig, teilweise sogar komplette Jahrgangsabfüllungen, so o z.B. von Glenfarclas ab den 50er Jahren. Dann diverse alte Abfüllungen der SMWS aus den Anfangsjahren. Die älteste von mir gefundene Flasche war ein Glen Grant von 1928. Aber auch eine Vielzahl von alten japanischen und amerikanischen Whiskys war in der Sammlung vertreten. Nach Ende der Besichtigung konnten wir uns noch kurz mit der Tochter des Sammlers unterhalten. Sie überlegen derzeit die Sammlung langfristig zu veräussern. Doch meint sie, speziell für die Blends nicht wirklich den gewünschten Preis zu bekommen. Und diese macht meiner Einschätzung fast 50 % der Sammlung aus. Aber allein für die vielen alten Single Malts lässt sich wohl ein gewaltiges Sümmchen bekommen. Obwohl es wirklich schade wäre, wenn man nicht mehr diese skurrile, aber auch sehr beeindruckende Sammlung geniessen kann. Wenn Ihr also in Lissabon seit, stattet dem Whisky & Co. auf jedenfall einen Besuch ab. So könnt Ihr. vielleicht den ein oder anderen älteren Whisky zu bezahlbaren Preisen ergattern und diese wirklich beeindruckende Sammlung bewundern. Hier findet Ihr die Adresse und die Öffnungszeiten des Shops.

 http://www.whiskycompany.interdinamica.pt

Und hier noch ein paar Eindrücke der Sammlung:

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 Drinklabor_Whisky_Lissabon

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Gepflegtes Trinken in Unterfranken

Drinklabor_Franken_1Diesmal möchte ich von unserer Karnevalsfluchttour nach Franken berichten. Obwohl wir Karnevalsfreunde sind, haben wir seit einigen Jahren nicht mehr die richtige Lust, ihn ausgiebig zu feiern. Daher nutzen wir die Karvevalstage gern für ein verlängertes Wochenende. Diesmal haben wir uns mit Freunden in Würzburg getroffen und danach noch zwei Tage in Rothenburg verbracht. Ich war schon sehr gespannt. Ich war zwar in den frühen 90er Jahren kurz hier, aber eigentlich war es das erste mal, dass wir beide hier länger blieben. Das Frankenland war bisher sowohl architektonisch, als auch Sehenswürdigkeiten betreffend und auch kulinarisch immer ein gutes Ziel. Trotzdem hatte ich keine konkrete Vorstellung, was uns erwarten würde. Komischerweise verbinde ich mit Franken immer Bier. Das muss an der enormen Brauereidichte und dem guten Bier liegen. So gibt es allein in Franken über 270 aktive Brauereien. Das Erste was ich in Würzburg – Unterfranken – gelernt habe, hier ist man im Weinfrankenland. Da ich auch ein grosser Weinfan bin und ich natürlich gern die lokalen Spezialitäten probiere, war das für mich kein Problem. Was mich überrascht hat, war das fast mediterrane Flair, das Würzburg und seine Bewohner ausgestrahlt haben. So hatten wir an einem sonnigen Samstagnachmittag im Februar, das tolle Erlebnis von ca. 200 – 300 Personen mit Weinglas in der Hand die Sonne genießen zu sehen. Eine tolle Idee, die man da gehabt hat. Am Fuß der alten Mainbrücke, die eine Fußgängerbrücke ist, gibt es zwei Weinlokale. Diese verkaufen quasi aus dem Fenster heraus Weingläser mit lokalem Wein. Und diese werden dann mit auf die Brücke oder unten an den Main genommen. Und dort steht man zusammen, unterhält sich und trinkt seinen Schoppen und genießt Aussicht und Sonne. Das finde ich sehr sympathisch.

Auch haben wir wirklich super gegessen. Die Restaurants haben es häufig geschafft, eine gute Balance aus traditioneller, fränkischer Küche und einem modernen Pep zu schaffen. Und häufig gibt es zu diesen Gerichten wirklich guten fränkischen Wein. Der Wein hier zeichnet sich durch seine Würzigkeit und den hohen Mineralgehalt aus. Schwerpunktmäßig wird hier Weißwein angebaut, der überwiegend trocken ausgebaut wird. Anhand der Restaurantkarten sind uns vor allem Silvaner, Mueller Thurgau, Scheurebe, Bacchus und teilweise Weiß- und Grauburgunder aufgefallen. Und natürlich fällt einen bei Frankenwein auch die berühmte Flaschenform – der Boxbeutel – ein. Diese sieht zwar super aus, aber zur Lagerung ist er auf Grund seiner Form eher schwierig zu legen. Ich frage mich, ob es für Boxbeutelweine spezielle Weinregale gibt? Bei den Rotweinen war überwiegend die Dominatraube, der Rotling und der Spätburgunder anzutreffen. Bei den Weinen haben wir vor allem beim Silvaner tolle Entdeckungen gemacht. Da ich nicht so der Fan von säurebetonten Weinen bin und meine Herzallerliebste sie gar nicht vertragen kann, sind wir bei vielen deutschen Weißweinen quasi ausgeschlossen. Speziell der Riesling,  als der deutsche Vorzeigewein fällt daher bei uns häufig aus. Aber die hier angebotenen Silvaner waren durchweg alle gut trinkbar und teilweise sogar richtig ausgezeichnet. Hintergründe zu den besuchten Lokalen und den kulinarischen Genüssen findet Ihr wie schon bekannt auf den Blog meiner Herzallerliebsten Kocheule.

Drinklabor_Franken_2Obwohl wir in einer typischen Weingegend waren, gab es natürlich auch lokale bzw. regionale Biere. Und als bierbegeisterter Drinklaborant musste ich mich natürlich in der hiesigen  Bierlandschaft ein wenig umschauen. Da fällt mir zuerst das neue Craftbeer Highlight von Würzburg ein. Das Max Mundus – ein Craftbeer Shop – den es erst seit letzten August gibt. Auf der einen Seite dachte ich mir, in Franken mit seiner stolzen Brautradtion – Craftbeer anzubieten könnte gewagt sein. Auf der anderen Seite gibt es in Würzburg als Studentenstadt natürlich viel junges und experimentierfreudiges Publikum. Des weiteren hat in Würzburg und näheren Umgebung auch eine kleine Craftbeerszene und die eine oder andere neue  Brauerei gegründet. Daneben versuchen sich auch traditionelle Brauereien an neuen Bierstielen. Besonders ist mir dabei die Distelhäuser Brauerei aufgefallen. Neben den Standard- und Saisonbieren, bieten sie seit kurzem ein Porter, ein Stout und ein IPA an. Und zumindest in Bezug auf das Stout und das IPA kann ich sagen, die sind sehr gelungen. Gut fand ich auch, dass die Jungs von Max Mundus sogar ein eigenes Bier im Angebot hatten, und zwar ein hopfengestopftes Pils. Ich habe es noch nicht probiert, habe mir aber zumindest eine Flasche für spätere Test mitgenommen. Daneben gab es noch ein Bier von 7 Würzburger Studenten – den Brew Dudes – welches auch für spätere Verköstigung in den Kofferraum gelandet ist. Insgesamt ist der Laden, wie häufig bei den neuen Craftbeershops recht klein und spartanisch eingerichtet. Aber sie haben eine schöne Auswahl an „klassischen“ Craftbeeren und ein paar spannenden Exoten. So fand ich die Biere von Pax Bräu von der Beschreibung sehr experimentell, aber extrem spannend. Alle Mitarbeiter waren super informiert und haben einen toll beraten. Wenn Ihr also in Würzburg seit, der Max Mundus ist der Place to be für Craftbeerfreunde. Hier der Link zum Shop Max Mundus.

Drinklabor_Franken_3Natürlich werden jetzt einige von Euch sagen, in Würzburg trinkt man doch das Würzburger Hofbräu. Richtig und ich habe es auch probiert. Über das Pils legen wir mal den Mantel des Schweigens. Nicht wirklich schlecht, aber lecker oder spannend ist es wirklich nicht. Das Dunkelbier von denen war schon besser, aber eine Offenbarung war es auch nicht. Das Sternla habe ich nicht probiert, hatte aber nach zwei eher mittelmäßigen Standardbieren auch keine Lust ein weiteres zu probieren. Und zum Schluss moechte ich noch auf einen kleinen Laden in Rothenburg ob der Tauber hinweisen – die Ritterrolle. Dieser Laden war sowohl kulinarisch als auch Getränketechnisch sehr spannend. Ich habe die angebotene Rolle despektierlich Mittelalterdöner getauft. Sie ist wirklich extrem lecker und man kann sie sich ein wenig wie einen zusammengefalteten Flammkuchen vorstellen.Und dann kross im Pizzaofen gebacken. Wirklich ein tolles Geschmackserlebnis. Und dazu gab es einiges an spannenden lokalen und mittelalterlichen Bieren. So hatte ich ein historisches Emmerbier von der Riedenburger Brauerei probiert. Dieses wird grösstenteils aus Urgetreiden wie Emmer, Einkorn und Dinkel gebraut und war ein süffiges, naturtrübes Bier. Daneben gab es noch das Baros ein nach alten Rezepten gebrautes Kirschbier. Dieses habe ich leider nicht pur probiert. Aber meine Herzallerliebste hat es in warmer Form mit Honig und einigen Gewürzen probiert. Eine wirklich schöne Alternative zum Glühwein. Insgesamt kann ich allen Feinschmeckern und Getränkeenthusiasten Unter- und Mittelfranken wirklich ans Herz legen. Es war ein wirklich schöner Kurzurlaub in einer tollen Gegend, die neben den historischen Highlights auch kulinarisch und getränketechnisch wirklich spannende Entdeckungen bereithält.

 

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Sylter Trading Whisky

Drinklabor_SylterTrading1Meine Herzallerliebste und ich sind große Syltfans. Und speziell über den Jahreswechsel fahren wir mittlerweile regelmäßig auf DIE Insel. Und obwohl sie zu der Zeit gut frequentiert ist, findet man genügend schöne und einsame Plätze. Als Whiskyfan bin ich durch Zufall auf die Sylter Whiskytrading gestoßen. Das musste man sich doch mal anschauen. Netterweise hatten sie noch kurz vor dem Jahresende ein Tasting angeboten, wo ich gleich zwei Plätze für uns buchte. Am Anfang war ich doch ein wenig skeptisch. Da Sylt doch häufig mit ihrem Namen als Marketingmagnet dienen muss. Und da speziell Single Malt Whisky in den letzen Jahren eine immer größere Zahl von Liebhaber findet, war ein Syltwhisky nur eine Frage der Zeit. Um es anders zu sagen, kenne ich zur Zeit schon drei verschiedene Ansätze dazu. Gestartet hat es vor 2-3 Jahren mit einem anderen Sylter Aushängeschild – die Sansibar. Sie füllt zusammen mit dem unabhängigen Abfüller Whisky Agency schottischen Whisky unter ihrem Label ab. Hier steht aber eindeutig die Marke Sansibar und nur indirekt Sylt im Fokus. Seit dem letzten Jahr bietet auch die deutsche Destille Blaue Maus einen „Sylter Whisky“ an.  Hier werden Fässer mit Whisky in der Nähe Lists in der Nordsee gelagert und somit quasi Nordsee gefinisht. Und seit Mai letzen Jahres gibt es die Sylter Trading, deren erster Whisky in 2017 abgefüllt wird. Nur direkt vor Ort destillieren hat sich auf Grund der schwierigen Kostensituation bisher noch keiner gewagt.

Drinklabor_SylterTrading_2Die Sylter Trading befindet sich in der Hafenstraße in Rantum. Für Freunde der 2 Schwerter  – man geht am Sansibar Outlet vorbei und am Ende der Straße befindet sich das Gebäude. Wirklich sehr nett aufgemacht. Im vorderen Bereich befindet sich der Verkaufsraum mit Theke und entsprechenden Regalen. Im hinteren Bereich ist dann das Fasslager zu finden. Hier war auch die große Tafel für unser Tasting direkt vor den Fässern aufgebaut. Was natürlich zur heimeligen Atmosphäre beitrug. Interessant und mir so nicht bekannt ist, dass sie neben ihren eigenen Whisky auch andere Whiskys und Spirituosen anbieten. Im kleinen Warehouse konnte man sogar dezent Whisky (Angel Share) erschnüffeln. Wenn auch nur sehr gering, dafür sind es noch zu wenig Fässer. Außerdem bringt das raue Klima auf Sylt auch nur eine geringe Ausbeute für die Engel mit sich. Der Angels Share beträgt hier nur 2 %. Wie oben schon angedeutet, wird der Whisky nicht auf Sylt, sondern in Lippstadt destilliert und dann in Oloroso und Pedro Ximenez Fässer abgefüllt. Die Fässer sind alle ca. 120 l groß und lagern die gesamte Zeit hier auf Sylt. Daneben gibt es aber auch schottische Whiskys von der Sylter Trading. Diese werden für sie ebenfalls von Thomas Ewers ausgesucht, der auch bei der Feinabstimmung beim Fassmanagement für den zukünftigen Sylter Whisky unterstützt.

Drinklabor_SylterTrading_3Die Idee für die Sylter Trading – soll im wahrsten Sinne des Wortes – eine Schnapsidee gewesen sein und bei einem gemütlichen Abend vor 2 1/2 Jahren entstanden sein. Den Shop und das Fasslager gibt es seit Mai 2015 und 2017 soll der erste Whisky abgefüllt werden. Wir durften nachher auch einen Dram des Spirits – er war ca. 1 Jahr und 3 Monte alt – aus dem Pedro Ximenez Fass probieren. Er hatte 61,8 % und war für seine Jugendlichkeit schon ausgesprochen komplex und lecker. Ich bin gespannt wie sich der Whisky in den verbleibenden Jahren noch entwickelt. Aber kommen wir zum wichtigsten des Abends dem Tasting. Unser Referent leitete uns sehr fachkundig durch den Abend. Er schaffte es gut, den Spagat zwischen den unterschiedlichen Teilnehmern hinzubekommen. Wir waren insgesamt 14 Teilnehmer und damit war der Raum auch schon sehr gut besetzt. Im ersten Teil gab es drei trinkstärke Whiskys. Wir starteten mit einem Inchmurrin. Dieser Whisky aus der Lochlomond Destillerie ist nicht wirklich für seinen guten Whisky berühmt. Aber dieser war durch seine eingesetzten Fässer was besonderes. Angeblich waren diese nicht ganz in Ordnung – jedenfalls führte dies zu einem spannenden Geschmacksphänomen. Er entwickelte innerhalb der ersten 1/2 h nach dem er ins Glas kam, eine Vielzahl unterschiedlicher Aromen – von metallisch, über Vanille, Äpfel, Karamel – schon recht spannend alle 5-10 Minuten an ihm zu schnüffeln. Danach kam ein 15 Jähre Deanston, der speziell für Sylter Trading mit 45,8 % abgefüllt wurde. Obwohl ich Deanston Fan bin, war der definitiv nicht meiner. Hier stach zu stark der Schwefel durch. Schade eigentlich. Den Abschluss der ersten Runde bildete der 10jährige Glen Scotia.

Nach einer kurzen Pause ging es im zweiten Teil zu den Fassstärken. Hier kamen nur noch schottische Whiskys der Sylter Trading auf den Tisch. Sehr gut fand ich, dass uns unserer Tastingleiter ganz langsam an die Fassstärken heranführte. Erst kurz pur, dann teilweise bis zu viermal Wasser – so konnte man schön die unterschiedlichen Aromen erschmecken. Und wenn jemand schon zu schnell war, um noch mal Wasser dazu zu geben, dann bekam man sogar noch einen Whiskynachschlag. Angefangen haben wir mit einem 95er Mortlach aus dem Bourbon Hogshead. Der war mit seinen 57,8 % doch recht sprittig. Und auch mit Wasser wurde er für mich nicht besser. War leider nicht meiner. Da kam mir der Nachfolger doch schon mehr entgegen. Ein 17jähriger Glengoyne komplett aus einem Sherry Hogshead. Schönes Karamellstöffchen und auch mit seinen 58,2 % Alkohol auch ohne Wasser gut trinkbar. Das war  schon ein echtes Highlight. Und danach wurde das ganze noch mal gesteigert mit einem wunderbaren 12jährigen Bowmore. Dieser hat sogar der Herzallerliebsten außergewöhnlich gut geschmeckt. Und sie ist wirklich kein Fan von Islaywhisky. Aber hier kamen einfach die Fruchtaromen mit Cremigkeit, einer leichten Rauch- und Teernote und einer ausgesprochenen Süsse zusammen. Ein wirklich gelungener Dram. Wer wollte durfte danach den Arbeitsstand aus den Fässern probieren. Ich hatte wie oben schon geschrieben einen ein jährigen Spirit aus dem Pedro Ximinez Fass. Und nach all den lang gereiften Schotten konnte der Spirit noch gut mithalten. Mal sehen was die Zukunft bringt. Wer danach immer noch nicht genug hatte, konnte auch noch von den offenen Flaschen probieren oder den ein oder anderen Whisky noch mal nachverkosten. Wir mussten uns auf dem Weg machen, damit wir den letzten Bus nach List nehmen konnten. So ging ein sehr schönes Tasting zu Ende und ich war sehr begeistert von dem Konzept und den Whisky der Sylter Trading. Weitere Informationen zu Öffnungszeiten, Tastings oder Fasskäufen findet Ihr unter Sylter Trading.

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