Archiv der Kategorie: Bar und Pubbewertungen

Der Winelover´s Club in der K84 Weinbar

img_0911Dafür dass ich sehr gern Wein trinke, kommt das Thema in diesem Blog viel zu kurz. Daher soll es diesmal um eine schöne Weinprobe in der Bonner Weinbar K84 gehen. Das K84 hat sich als Leitspruch „Vor Glück / Wein & Essen“ gewählt. Was meiner Meinung nach sehr gut auf dieses noch relativ neue Lokal in der Südstadt passt. Wirklich ausgezeichnetes Essen mit wechselnden Gerichten und eine große Auswahl an internationalen Weinen. Daneben führen sie auch häufiger Events durch. Bei denen es sich um Essen, Wein und Musik dreht. Wir besuchten eine Weinprobe im Rahmen des Winelover´s Club. Hier probiert man in kleiner Gruppe ganz ungezwungen unterschiedliche Weine. Ursprünglich hatte man sich auf Rebsortenreine Tastings konzentriert, um schnell zu merken, das dies auf die Dauer zu einseitig wäre. Daher hat man sich in letzter Zeit bei der Weinauswahl eher nach einer regionale Abgrenzung ausgerichtet. Die Veranstaltungen werden in Zusammenarbeit mit dem Bonner Unternehmen Wein Wolf durchgeführt. Und natürlich werden die Weine mit leckeren kleinen Happen aus der vorzüglichen Küche des K84 begleitet.

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Die Auswahl des sizilianischen Tastings

Unser Weinreise führte uns Anfang November nach Sizilien. Hier sollte es allgemein um die Weine der größten italienischen Insel gehen. Als Liebhaber italienischer Weine und großer Nero d´Avolo Fan musste ich mit meiner Herzallerliebste natürlich teilnehmen. Dies war für uns die Möglichkeit uns das Konzept anzuschauen und gleichzeitig ein paar neue Weine kennenzulernen. Neben uns waren noch weitere 7 Personen anwesend. So konnten wir uns, im netten und gemütlichen Rahmen auf unsere kulinarische Entdeckungen begeben. Durch den Abend führte uns sehr versiert Gianni Vassari von Wein Wolf. Diese Verköstigung finden meist samstags ab 17.00 bis ca. 20.00 Uhr im vorderen Bereich des K84 statt.

Wir wurden gleich direkt mit einem leckeren Sizilianischen Spumante Jolie begrüßt. Nach einer kurzen Vorstellung durch Gianni, ging es gleich in die sizilianische Geschichte. So kam der Wein vor allem mit den Griechen nach Sizilien. Heutzutage gibt es drei große Weingebiete. Eines im Südosten, eines im Westen und im Landesinneren um den Etna herum. Insgesamt befindet sich ca. 15 % der gesamten Rebfläche in Italien auf Sizilien. Dies sind ca. 100.000 ha Weinanbaufläche. Interessant fand ich das auf Sizilien überwiegend Weißwein angebaut wird. Wer hätte das gedacht, da man bei uns, wenn man sizilianischen Wein nachfragt, fast nur Rotwein bekommt. Bei den Weingütern in Sizilien gibt es einige große Weingüter, die auf bis zu 8 Generationen an Winzern zurückblicken können. So starteten wir mit den Weißweinen. Dabei erwähnte Gianni, dass er lange suchen musste, um entsprechende Weine zu finden. Viele Weißweine fließen in den Marsala, einen aufgespritteten Süßwein. Der einfache Rotwein wurde auf Grund seiner dunklen Farbe häufig zum Färben von norditalienischen Weinen genutzt. Daher wurden häufig hier vor allem eher einfache Weine angebaut, die neben den beschriebenen Nutzungsmöglichkeiten für den schnellen Verzehr produziert werden. Doch durch die zunehmende Konkurrenz auch die landesinterne, z. B. aus Venetien, versuchen sich mittlerweile auch die sizilianischen Winzer an hochwertigeren Weinen. Dabei geht man auch immer mehr von den klassischen, heimischen Trauben weg und wendet sich den internationalen Dauerbrennern, wie Syrah und Cabernet Sauvignon zu.

img_0562Um eine Grundlage zu schaffen, gab es dazu selbst gebackenes Brot und extrem leckeres Olivenöl. Wir aber starteten mit sizilianischen Weißweinen mit typischen lokalen Trauben. Obwohl es schon recht schwierig ist, diese Weine in Deutschland zu bekommen. Gestartet haben wir mit einem Leone d´Almerita von Tasca. Dies ist ein Cuvee in dem neben dem Pinot Bianco und Sauvignon, die heimische Catarratto Traube einfließt. Daran anschließend ein Le Sabbie dell´Etna von Firriato. Dort kamen vor allem Carricante und Catarrato Trauben zum Einsatz. Diese gedeihen besonders gut auf dem vulkanischen Lehmboden. Durch den vulkanischen Einfluss wies dieser Wein eine extreme Säure auf, hinter der sich sogar mancher Moselwein verstecken kann. Und als dritter Weißwein im Bunde kam noch die bekannteste Weißweintraube auf den Tisch ein Grillo von Andrero. Insgesamt waren die Weißweine interessant, aber nicht so mein Fall. Sie sind auch nicht wirklich easy-drinking geeignet, sondern man muss sich schon ein wenig mit Ihnen auseinander setzen. Zum Weißwein konnten wir ein Arancini di riso – eine sizilianische Reiskugel genießen – extrem lecker. Nach einer kurzen Nachfrage, war die allgemeine Meinung wir sollten jetzt zum Rotwein wechseln. Dies taten wir mit einem kleinen Abstecher zu einem Roséwein. Wieder gab es einen Wein von Tasca. Diesmal ein Regaleali aus Nerello Mascalese Trauben. Dazu gab es dünn aufgeschnittenen, luftgetrockneten Prosciutto crudo. Was für eine geniale Kombination.

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Die ersten sechs Weine

Danach ging es bei unserer sizilianischen Reise zu dem „Paten der sizialianischen Weine“ dem Nero d´Avola. Dabei stoß auch noch der Chef des K84 Pascha Pourian zu unserer Gruppe. Gestartet wurde mit einem Corte dei Mori. Die Bedeutung des Nero für Siziliens spiegelt sich auch an der Anbaufläche wieder. So sind 18.000 ha allein mit Nero d´Avola Trauben bepflanzt. Zum Vergleich die gesamte deutsche Riesling Anbaufläche beträgt nur 24.000 ha. Der Corte war schon mal ein Wein nach meinem Geschmack – kräftig mit vielen Fruchtaromen nach roten Waldfrüchten, Brombeeren, Feigen und Amarena Kirchen. Neben dem Nero wird heutzutage auch viel die Syrah-Traube angepflanzt, da diese gut mit dem extrem heißen Wetter zu Recht kommt. Eine weitere typische Rebsorte ist der Nerello Mascalese – die im Cusumano von Alta Mora als nächster Wein auf unserer Liste stand. Nach all dem Wein kam dann unsere Hauptspeise ein sehr gut gemachtes Wiener Schnitzel mit schwäbischen Kartoffelsalat.

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Ein Teil der leckeren Essensbegleitung

Nach dieser Stärkung kamen noch weitere vier Nero d´Avola zum Einsatz. Wobei sie neben der Traube auch die Tatsache gemeinsam hatten, dass sie alle von relativ jungen Weingütern bzw. Winzern kamen. Angefangen bei einem Occhipinti aus 2013. Dieser wurde mittels Spontanvergärung hergestellt und wies einem nicht sehr leckeren Geruch auf. Es hat mich ein wenig an manche belgische Biere erinnert. Aber auch solche Weine werden Ihre Liebhaber haben. Es war auf jeden Fall mal spannend so etwas im Glas zu haben. Bei den letzten drei war ich nur noch glücklich. Hier kamen natürlich auch noch Barrique-Fässer zum Einsatz. Alle drei extrem lecker, aber immer noch von Wein zu Wein eine kleine Steigerung. Als erstes kam ein Planeta aus 2011 von Santa Cecilia auf den Tisch. Als nächstes ein Harmonium aus 2013 wieder von Firriato. Und als krönender Abschluss wieder ein Wein von Cusumano. Diesmal ein Sagana aus 2012. und den beiden Highlights dieses Abends. Danach konnte wer wollte, auch noch den einen oder anderen Wein nochmals ausprobieren und wir ließen den Abend langsam ausklingen.

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Die restlichen leckeren Nero d´Avolas

Insgesamt ging dieses Konzept für uns wirklich auf. Der Winelovers Club macht wirklich Spaß. Unser „Reiseführer“ durch die italienische Weinwelt Gianni Vassari führte uns entspannt, kompetent und unterhaltsam durch die verschiedenen Weine. Und was das Team von Pascha Pourian an Essen dazu gebracht hat, war wirklich lecker und passte gut zu den Weinen. Die nächste Veranstaltung findet am Samstag, den 03.12.2016 statt. Diesmal soll es um Badische Weine gehen. Wer sich über die Veranstaltungen oder das K84 informieren möchte, kann dies über den folgenden Link tun:              K84 Weinbar

Ein Kommentar

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Ein Craftbeer Tasting mit Fritz Wülfing in der Pinte

Drinklabor_Craftbeertasting1Was gibt es schöneres an einem verregneten Montag Abend als zu einem Craftbeer Seminar zu gehen. Die Veranstaltung fand in der Bonner Altstadt in der Pinte statt. Was natürlich super passte, da sie eine der wenigen Bonner Kneipen ist, in der man auch eine gute Auswahl an Craftbeer auf der Karte findet. Da ich auch sonst ab und zu hier bin, fand ich es natürlich toll, dass sie ein Tasting organisierten. Wer mehr zur Pinte wissen möchte, den empfehle ich den Bericht auf dem Blog We love Pubs zu lesen.

Als Präsentator für die Veranstaltung haben sie sich keinen Geringeren als den Craftbeer Pionier und Lokalmatador Fritz Wülfing von Ale Mania ausgesucht. Der noch dazu eine große Auswahl seiner eigenen Biere mitgebracht hatte. Die Pinte war an diesen Montagabend mit ca. 40 Personen bis auf den letzten Platz besetzt. Für eine Premiere ein guter Erfolg. Das Publikum war bunt gemischt von Studenten bis hin zu älteren Paaren war alles vertreten. Wobei natürlich beim Thema Bier die Männer in der Überzahl waren. Zu Beginn stellte sich Fritz kurz vor, da ihn doch noch nicht alle kannten. Ich war sehr gespannt, da Fritz ja quasi einer der Gründungsväter der Craftbeerbewegung in Deutschland ist und daher bestimmt einiges erzählen konnte. Nach einer kurzen Vorstellung gab es auch schon das erste Bier für uns.

Der Starter - das Bonner WießBegonnen hat das Tasting, wie es sich für Rheinland gehört, mit einem Kölsch. Was natürlich so nicht stimmt, wie wir auch gelernt haben, sondern mit einem Wieß – genauer gesagt einer Bonner Wieß. Diese hat Fritz in Anlehnung an die alte Tradition im Rheinland gebraut. Das Kölsch als solches ist nämlich ein sehr junge Bierstil und ist erst mit der Kölschkonvention in den 80er Jahren offiziell entstanden. Die Wieß ist im Gegensatz zum Kölsch nämlich trüb – daher auch der Name Wieß von weiß. Auch erzählte uns Fritz ein wenig zur Geschichte des Kölsch. So ist es damals quasi aus der Not geboren. So wurde in den 30er und 40er Jahren fast nur Pils und Lager in Köln getrunken. Durch die komplette Zerstörung der ganzen Brauereien, hat man sich auf die alte Form des Wieß- bzw. Kölschbrauen besonnen, wo man z.B. keine Kühlung etc. brauchte. Die Bonner Wieß wird mit 10 % Weizenmalz und mit den Hopfen Saphire und Perle eingebraut. Man kann auch im Gegensatz zu den meisten Kölsch den Hopfen auch schmecken.

Beim zweiten Bier sind wir bei den historischen Bierstilen geblieben. Fritz erklärte, dass besonders die Craftbeerbewegung versucht, alte Biersorten wieder aufleben zu lassen und diese neu zu interpretieren. Daher wählte er als nächstes eine Gose ebenfalls von Ale Mania aus. Hier musste er natürlich auch auf das sogenannte „Reinheitsgebot“ oder nennen wir es beim Namen auf das vorläufige Biergesetz von 1993 eingehen. Da die Gose mit seinen Zutaten Milchsäure, Koriander und Salz natürlich offiziell dagegen verstößt. Auf der anderen Seite aber Zucker, Chemikalien zum klären etc. erlaubt sind. Aber die Diskussion würde hier zu weit führen. Ich persönlich mag die Gose, speziell im Sommer, sehr gern. Bei dieser Abfüllung wies Fritz schon darauf hin, dass sie ganz frisch abgefüllt worden ist und ihr noch ein wenig die Reifung und Kohlensäure fehlt. Aber auch so fanden die meisten sehr erfrischend.

Fritz in Aktion

Fritz in Aktion

Da Fritz besonders durch seine USA-Reisen Anfang der 2000er und den Kontakt mit der dortigen Craftbeerbewegung besonders inspiriert worden ist, durfte natürlich einer der Klassiker nicht fehlen. So kam als drittes Bier das Sierra Nevada Pale Ale ins Glas. Obwohl Ken Grossman, der Gründer von Sierra Nevada, 1978 mit einem Stout begonnen hat, war vor allem das Pale Ale der Grundstein für die fantastische Entwicklung von Sierra Nevada. Und obwohl sie heute quasi der größte Craftbeerbrauer der USA sind und Ken Grossman vielfacher Millionär ist, will er am liebsten selbst am Braukessel mitmischen. So soll das Pale Ale von Sierra Nevada das Einzige der Standardrange sein, dass noch mit Flaschengärung arbeitet. Jetzt war der Zeitpunkt gekommen, ein wenig zur Geschichte und Entstehung der Craftbeerbewegung mitzuteilen. So war es vor allem die Gesetzesänderung von Präsident Jimmy Carter Ende der 70er zu verdanken, dass Heimbrauen sich durch seine Legalisierung stark verbreitete. So geht man davon aus, das heutzutage quasi jeder 3. Amerikaner schon einmal zu Hause Bier gebraut hat. Natürlich wies Fritz Wülfing auch auf die Bedeutung der Bierkultur und das eher schlechte Bierangebot hin. Dies hatte natürlich auch einen Einfluss auf die Entwicklung zum Craftbeerland. So gibt es aktuell in den USA über 4.200 Brauereien deren Zahl fast täglich zunimmt.

Der Tastingraum noch ohne Taster

Der Tastingraum noch ohne Taster

Was lag näher, als nächstes Bier ein IPA zu nehmen. Da dieses heutzutage häufig synonym mit Craftbeer benutzt wird. Um die Bandbreite darzustellen, starteten wir mit einem leichteren IPA, dem Session IPA von Ale Mania. Dieses hat die gleiche Menge an Hopfen wie die große Schwester das IPA Mania, ist aber leichter eingebraut und hat daher auch nur 4,2 % Alkohol. Ich war positiv überrascht, da man den geringeren Alkoholanteil nicht wirklich vermisst hat. Hier klärte uns Fritz auch über die Legende mit der Entstehung des IPA – des India Pale Ale auf. Es hört sich zwar gut an, wenn man eine tolle Geschichte mit Kolonien und zu stark eingebrauten Bier zur Haltbarkeitsmachung erzählt, aber im Endeffekt war es doch wieder nur eine Marketingentscheidung. Indien und Exotik verkauft sich auch beim Bier gut. Da wir schon beim IPA waren, kam als nächstes – das neue Dry PA. Da mittlerweile fast jeder kleine Heimbrauer ein IPA braut, versucht die Szene das klassische IPA weiterzuentwickeln. Eines dieser Biere ist das DryPA. Im Gegensatz zum klassischen IPA mit einer starken Malzbetonung, kommt dieses schlanker daher. Da der Malzkörper häufig zur Einbettung des Hopfens verwendet wird, steht hier dem Hopfen relativ wenig entgegen und er kann sich noch stärker entfalten. Auch kommen meines Empfindens hier auch die Pinien- und Nadelhölzeraromen stärker zum tragen. Und wie der Name schon sagt, es wirkt auch recht trocken. Der Trick bei diesem Bier ist auch die Zugabe von Zucker und eine andere Form des Maischens. Eine wirklich spannende Form des IPA.

Da das Tasting eher wie eine Fragestunde angelegt war, sprangen wir bei den Themen teilweise wild umher. Auf der anderen Seite konnte man so einem Experten mal direkt zu allen Punkten befragen, die einem zur Bierherstellung und Craftbeeren so interessieren. So kamen wir nach diesem Bier auf das Thema Belgien zu sprechen. Auch hier bestätigte Fritz die unterschiedlichen Entwicklungen von Ländern mit einer großen Biertradition und eher geringerer Historie. So ist der Anteil an neuen „Craftbeer Brauereien“ in Belgien auf Grund ihrer langen Tradition noch sehr gering ausgeprägt. Wenn man dagegen Holland anschaut, haben sich in den vergangenen 4 bis 6 Jahren eine Vielzahl von neuen Brauereien entwickelt. Auch spannend fand ich die Information, dass die größte Brauereidichte in Bezug auf die Einwohnerzahl in der Schweiz vorliegt. Wer hätte das gedacht.

Das Ale Mania Imperial Red

Das Ale Mania Imperial Red

Und weiter ging es bei unserer Reise durch die Craftbeer- oder Ale Mania Welt. Nun kamen wir zum Imperial Red. Das stärkste Bier des Abends mit 9,5 % Alkohol. Dieses wird, wie man sich denken kann, mit einer größeren Menge an Malz eingebraut. Aber auch 30 % mehr Hopfen als beim IPA wird hier eingesetzt. Von der Nase hat es einen ein wenig an Barley Wine erinnert. Im Mund war es wunderbar voll, aber weniger schwer als vermutet. Hier kam das Gespräch auch noch auf die Dosenabfüllung zu sprechen. Dieses Red Ale war zwar aus der Not heraus in Dosen abgefüllt worden, aber nicht nur Fritz ist ein großer Verfechter der Dose. Die Dose schützt das Bier und speziell das Hopfenaroma einfach viel besser als eine Flasche. In der Zwischenzeit nahmen auch die privaten Gespräche zu und die Geräuschkulisse stieg nach oben. Man merkte, dass wir schon beim 7 Bier waren. Einige habe auch das großzügige Angebot der Pinte-Leute genutzt und zwischendurch auch noch das ein oder andere weitere Bier getrunken. Außerdem waren auch schon wieder 2 h Tasting rum. Und die Leute waren so interessiert, das wir quasi ohne richtige Pause ausgekommen sind. Jetzt fehlte nur noch ein Highlight des heutigen Abends. Fritz hatte ein Fass seines IPA Mania  mitgebracht, so dass wir sogar ein kleines Taptakeover miterleben durften. Und zum ersten Mal gab es in einer Bonner Kneipe ein IPA vom Fass. Und was für ein leckeres. Ich mag es aus der Flasche schon recht gern, finde es aber frisch gezapft noch mal leckerer. Fritz darauf angesprochen, meinte es sei aber vor allem psychologisch bedingt. Zumindest gibt es keine großen physikalisch messbaren Gründe für den unterschiedlichen Geschmack. Es war auf jeden Fall ein gelungener Abschluss eines tollen Abends. Fritz leitete uns charmant und locker durch den Abend. Das verkostete Bier war für mich überaus gelungen und auch der überwiegende Tenor sprach von einem phantastischen Abend. Einziger kleiner Kritikpunkt  war für mich die Anzahl der Personen. Es war doch schon sehr kuschelig in der Pinte. Ansonsten kann ich sowohl dem Referenten, als auch dem Team von der Pinte nur danken und für eine gelungene Premiere gratulieren. Es soll auch nicht das letzte Tasting gewesen sein. Es sind noch weitere Veranstaltungen geplant. So findet das nächste Tasting mit Fritz Wülfing für den 21.11.2016 geplant. Wer Interesse hat, kann Karten direkt in der Pinte bestellen. Zum Abschluss für Interessenten noch die Websites für weitere Informationen.

Weitere Informationen zu Ale Mania findet Ihr hier: www.ale-mania.de

Wer sich über die Pinte informieren will, schaut am besten hier: Pinte Bonn

 

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The Pubs from the Dirty Old Town – meine Lieblings-Pubs in Dublin

Trinklabor_Dublin13Dublin ist einer meiner liebsten Orte, um einfach die Seele baumeln zu lassen. Es hat viel zu bieten und speziell, wenn man Pubs und gutes Bier mag ist man hier genau richtig. Diese Stadt hat eine wundervolle Pubhistorie und lebendige Pubkultur. Hier findet man vom altehrwürdigen viktorianischen Pub über Partypubs bis hin zu hippen Craftbeer-Pubs einfach alles. Einen Überblick über die Pubs in Dublin zu geben, maße ich mir gar nicht erst an. Dies wäre wohl ein sinnloses Unterfangen. Hier will ich nur ein paar meiner Lieblingspubs, in denen ich schon mehrmals verkehrt habe, kurz vorstellen. Dies ist eine absolut subjektive und vor allem auch nur kleine Auswahl. Natürlich werden viele aufschreien, hallo da fehlt doch mein Lieblings-Pub oder warum hast Du diesen nicht aufgeführt. Aber wie oben geschrieben, dies ist meine kleine Auswahl. Auch habe ich versucht die Pubs zu nehmen, die recht zentral liegen und damit gut zu Fuß von der Innenstadt erreichbar sind. Wenn Ihr meint, ein absolutes Juwel sollte hier noch fehlen, könnt Ihr gern noch Empfehlungen in die Kommentare schreiben.

Der Namensgeber des Pubs

Der Namensgeber des Pubs

The Stags Head: Beginnen möchte ich mit einem Klassiker, der einfach nur wunderschön ist. Und zwar dem Stags Head. Namensgeber ist der große Hirschkopf über der Theke. Ein Pub wurde schon 1770 an dieser Stelle erwähnt, seit 1890 ist er in seinem wundervollen viktorianischen Dekor zu bewundern. Wenn man zum ersten Mal den Schankraum betritt, kommt man gar nicht mehr aus dem Staunen und Fotografieren heraus. Die filigranen Glasfenster und die toll verzierten Holzwände sind wirkliche Hingucker.

Die wundervollen Glasfenster

Die wundervollen Glasfenster

Ich empfehle Euch auch mal in den gemütlichen hinteren Teil durchzugehen. Es sind ca. 10 Biere vom Fass vorhanden. Ich fand das O´Haras Pale Ale sehr lecker. Wer Hunger hat, kann hier ganz gutes und klassisches Pubfood bekommen. Besonders in lauschigen Sommerabenden ist der gesamte Vorbereich des Pubs mit Menschen gefüllt. Dann geht man nur zum Bier holen nach drinnen und hat draußen ein fast mediterranes Ambiente.

Außenbereich des Stags Heads im Sommer

Außenbereich des Stags Heads im Sommer

Wenn Ihr also mal ein schönes Schmuckstück sehen wollt – hier seit Ihr richtig. Außerdem ist der Stags Head sehr zentral gelegen.

 

 

Stags Head, 1 Dame Court, Website

 

Die unscheinbare Außenfassade des Long Hall

Die unscheinbare Außenfassade des Long Hall

The Long Hall: Wo wir bei schönen, historischen Pubs sind, darf natürlich ein weiteres tolles Beispiel viktorianischer Pubkunst nicht fehlen – die Long Hall. Auch diese ist wie der Stags Head recht zentrumsnah gelegen. Es ist einer der ältesten Pubs in Dublin. Die Lizenz erhielt er schon 1766 und das jetzige Interieur stammt aus dem Jahr 1881. Drinklabor_Dublin6Wunderschöne Holzverzierungen und die klassische viktorianische Aufteilung. Die Bierauswahl ist eher traditionell, aber man kommt ja nicht unbedingt des Bieres wegen hierher. Es läuft kein Fernseher mit Sportübertragungen im Hintergrund und auch auf die typische Hintergrundmusik wird verzichtet. Einfach ein Pub zum Treffen und Klönen.

The Long Hall, 51 South Great George Street

 

Das Motto des Against the Grain

Das Motto des Against the Grain

Against the Grain: Nach den altehrwürdigen Pubs komme ich jetzt zu einem noch sehr jungen Pub. Aber dieser Pub hat ein wenig zu meinem Erweckungserlebnis in Bezug auf Craftbeer geführt. Das erste Mal besuchten wir das Against the Grain vor drei Jahren. Wir haben die Empfehlung von einer Pubbekanntschaft erhalten. Er meinte wenn wir Bier mögen und eine ordentliche Bierauswahl liebe, sollten wir dem Pub unbedingt einen Besuch abstatten. Der Vorteil er lag auch noch fussläufig zu unserem Hotel.

Die riesige Anzahl an Zapfhänen

Die riesige Anzahl an Zapfhänen

Die Auswahl an Bieren ist schon gigantisch. Allein die Anzahl an Zapfhähnen übersteigt die Fantasie von deutschen Kneipenbesuchern bei weitem. Für einen Dubliner Pub hat er auch besonders viele internationale Biere. Damals musste ich herzlich lachen, als ich auch Früh Kölsch im Angebot gefunden hatte. Der Pub gehört zur Gallwaybay Brauerei. Doch sie haben neben ihrem eigenen Bier, eine Vielzahl von anderen Bieren.

Aber auch eine große Flaschenauswahl

Aber auch eine große Flaschenauswahl

Daneben kann man auch sehr gut essen. Man bekommt hier modernes und kreativ abgewandeltes Pubfood.

 

 

Against the Grain, 11 Wexford Street, Website 

 

Die Tür mit dem Hinweis zum Tastingraum

Die Tür mit dem Hinweis zum Tastingraum

Palace Bar: Nun möchte ich zu einer Gegend kommen, um die ich eigentlich meist einen Bogen mache – die Temple Bar. Es gibt sowohl einen Pub, als auch ein Teil der Gegend südlich des Liffey, die den Namen tragen. Die Gegend ist einer der Touristenmagneten in Dublin. Speziell an Wochenenden ist hier im wahrsten Sinne die Hölle los. Partypeople werden ihre helle Freude haben. Für die, die sie nicht kennen – eine Mischung aus Düsseldorfer Altstadt, Schinkenstraße, Irish Pub am St. Patricks Day und Jungesellenabschied. Ich kann da gern drauf verzichten. Aber wenn man komplett einen Bogen drum herum macht, verpasst man eine wahre Pubperle. Und speziell für Irish Whiskey Enthusiasten der Place to be. Da am Rand des Temple Bar Gebietes, am Ende der Fleetstreet, bekommt man auch nicht soviel vom Trubel mit. Wenn man die Palace Bar von außen betrachtet und dann betritt, fühlt man sich in die Vergangenheit versetzt.

Die schöne Aussenfassade der Palace Bar

Die schöne Aussenfassade der Palace Bar

Dieses Lokal wurde schon 1823 gegründet und hat viel seines Charmes und seiner Einrichtung aus der damaligen Zeit erhalten. Über Jahre war es, das Stamm-Lokal für fast die gesamte Journalistenzunft in Dublin, da sich das Büro der Irish Times fußläufig in der Nähe befand. Seit 1946 ist die Bar in Familienbesitz der Familie Aherne. Diese hat sehr gute Kontakte zur Familie Teeling und der irischen Whiskyindustrie. Dies führte dazu, dass man hier gefühlt fast jede Abfüllung irischen Whiskeys seit den 60er Jahren findet. Im Obergeschoss gibt es auch noch einen separaten Tastingraum.

Die Theke mit der gigantischen Whiskyauswahl

Die Theke mit der gigantischen Whiskeyauswahl

Und wenn man sich mit dem Barkeeper gut versteht, darf man vielleicht noch einen Blick in die Sammlung der alten Schätzchen werfen. (gleich rechts neben der Eingangstür). Auch haben Sie jedes Jahr ihre eigene Abfüllung speziell für die Palace Bar.

 

 

Palace Bar, 21 Fleetstreet, Website

 

Das soll es schon gewesen sein, mit meinem kleinen Überblick über von mir geschätzte Pubs in Dublin. Es gibt unzählige weitere Perlen, Geheimtipps und Neueröffnungen. Aber für den ersten Besuch in Dublin kann man mit diesen Pubs nicht viel falsch machen. Also auf nach Dublin und genießt diese wunderbare Stadt.

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Antwerpen kulinarisch und kulturell

Für Rheinländer ist Belgien näher als Bayern oder Schleswig Holstein. Daher nutzen wir die Maifeiertage für einen Kurzausflug nach Antwerpen. Von der flandrischen Krone hatten wir sowohl Gent als auch Brügge besucht, so dass uns nur noch die Hafenstadt Antwerpen fehlte. Vom uns aus sind es nur 2 1/2 h Fahrt und schon ist man in einer anderen Welt.

MAS, Hafen und Grote Markt

MAS, Hafen und Grote Markt

Die Altstadt mit den Grote Markt und den Straßen drumherum bietet eine Vielzahl gut renovierter alter Häuser. Was auffällt, dass sich fast in jedem zweiten Haus ein Restaurant, Cafe oder Kneipe befindet und nahezu alle auch Aussenplätze besitzt. Sogar die meisten Südeuropäischen Städte besitzen nicht soviel Aussengastronomie. Man kann in Antwerpen sowohl kulturell als auch kulinarisch sehr viel entdecken. Es gibt eine sehr rege Museumslandschaft. Da sticht besonders das MAS raus. MAS steht für „Museum aan de Stroom“ – das sich mit Antwerpen seiner Geschichte und der Beziehung zum Wasser auseinandersetzt. Neben der besonderen architektonischen Form ist der Ausblick von der obersten Etage phänomenal. Diese kann man auch ohne Museumsbesuch kostenlos besichtigen. In der Nähe des Museums ist auch der Startpunkt für die Hafenrundfahrten. Hier erfuhr ich auch , dass Antwerpen die drittgrößte europäische Hafenstadt ist. Wir haben bei der kurzen Hafenrundfahrt nur einen Teil gesehen, aber es lässt sich erahnen wie riesig dieser sein muss. Für alle Fans des Jugendstils kann ich das Viertel Cogels Osylei empfehlen. Dieses befindet sich ein wenig außerhalb, ist aber ein Traum für jeden Architekturliebhaber.

Impressionen aus dem Cogels Osylei Viertel

Impressionen aus dem Cogels Osylei Viertel

Soweit ein kurzer Abriss der für uns interessantesten Sehenswürdigkeiten. Aber dies ist ja ein Getränkeblog  und so will ich auch auf das tolle Angebot an Bars, Cafes und Kneipen eingehen. Man muss sagen, dass Antwerpen für seine Größe, mit nur einer Brauerei nicht zu den ganz großen belgischen Bierorten gehört. Diese Brauerei kann man aber besuchen und der Stopp hier ist wirklich sehr lohneswert. Da mir der Besuch so gut gefallen hat, wird es zur Besichtigung einen extra Blogbeitrag geben, den Ihr in den nächsten Tagen auf diesem Blog finden werdet. Daneben findet man eine Vielzahl von richtig gut sortierten Pubs und Kneipen. In diesen sind häufig mindestens 5-8 Biere vom Fass und es gibt noch eine Vielzahl von Flaschenbieren. Was in Belgien auffällt, dass man egal welches Bier man bestellt, immer das passende Glas der Brauerei bekommt. Nicht wie in der Mehrzahl der deutschen Kneipen, in denen man egal welches Bier man bestellt, das gleiche Glas bekommt. Ich habe mich die ganze Zeit gefragt, wie sie dass mit der Lagerung gelöst haben, da sie teilweise bis zu 50 oder mehr Gläsersorten vorrätig halten müssen.

Drinklabor_AntwerpenZwei Pubs möchte ich besonders empfehlen, da sie mit einer gigantischen Auswahl an Bieren aufwarten können. Das ist einmal das Kulminator, das ein wenig außerhalb, aber fussläufig zur Innenstadt liegt und das Gollem direkt am Grote Markt. Das Kulminator ist ein Klassiker und existiert schon seit über 30 Jahren. Zumindest spürt man hier schon ein wenig den Zahn der Zeit. Der Laden ist schon ein wenig wunderlich, total verwinkelt und komplett zugestellt. Ich habe mich wie in einem fremden Wohnzimmer gefühlt. Überall Bücher, Spiele, Nippes und der Herr des Hauses hatte einen 6-Personen Tisch für sich reserviert. Dort saß er mit einem riesigen Berg von Papieren und Büchern und lies sich von den Gästen nicht stören. Man muss also schon ein wenig chaotische Kneipen mögen. Aber die Bierauswahl ist einfach unglaublich und das Highlight dieses Ladens. Auch hier gibt 12 Biere vom Fass und daneben ein Ordner 30-50 eng bedruckten DIN A4 Seiten voller Flaschenbierangebote. Außerdem kann man im hinteren Teil in den Klimaraum mit einer Unzahl an Bierflaschen schauen. Allein das ist schon faszinierend. Zum Schauen und Staunen lohnt sich der Kulminator auf jeden Fall. Und auf ein oder zwei Bier sollte mal dagewesen sein. Der Gollem ist dann genau das Gegenteil. Riesig groß eher eine Bar als eine Kneipe. Einen großen Bereich mit Außenplätzen und sehr modern eingerichtet. Hier wird gleich mit 30 Fassbieren aufgewartet und wie ich gerlernt habe, besitzen sie zusätzlich noch ein Angebot von an die 300 Flaschenbiere. Da waren wir dann doch teilweise überfordert mit der Auswahl. Neben diesen beiden gibt es noch weitere gute Bierkneipen  und -gaststätten in Antwerpen. Außerdem hat fast jedes Lokal eine gute und häufig größere Auswahl an Fassbieren.

Caffe Mundi

Caffe Mundi

Aber auch für unsere Kaffeefans kann ich eine Empfehlung aussprechen. Das Caffe Mundi bietet eine große Auswahl an selbstgerösteten Kaffee an. Hier kann man wunderbar frühstücken und excellenten Kaffee trinken. Alle angebotenen Kaffeesorten werden ausführlich beschrieben und sind nach Herkunft geordnet. Und hier kann man sogar den langsam gefilterten Kaffee mit dem Hariosystem genießen. Leider ist das bei uns, bis auf ausgewählte Läden in Berlin nicht weit verbreitet. Aber allein die Vorbereitungszeit hat fast etwas von Kaffeezeremonie. Die Beobachtung des Aufbrühvorgangs ist eine super Entschleunigungsübung. Da macht dann sogar Filterkaffee richtig Lust. Und passend zum Konzept haben die Betreiber neben an, noch ein Geschäft für Kaffeemaschinen und -zubehör aufgemacht. Ein wirklich nettes Konzept für Kaffeeliebhaber.

Interior der Dogma Bar

Interior der Dogma Bar

Zum Schluß möchte ich auch noch eine Empfehlung für eine wirklich geniale Bar abgeben. Die Dogma Bar ist  ebenfalls sehr zentrumsnah gelegen und befindet sich in einem schönen alten Gebäude. Die Örtlichkeiten hat man gut genutzt. Dabei ist die Bar sowohl stylisch aber auch gemütlich eingerichtet. Das absolute Highlight aber waren die Barkeeper. Die sich extrem viel Zeit zur Beratung genommen haben. Am Anfang erklärte man uns, das die Karte gerade komplett umgestellt wird und sie nur eine bestimmte Auswahl hätten. Darauf haben Sie uns die „kleine Karte“ als Notizbuch in die Hand gedrückt, in der bestimmt 25 – 30 handeschriebende Cocktails mit Beschreibungen enthalten waren. Sie hatten davon 12 Exemplare, da musste aber jemand länger schreiben. Das richtig Gute war für mich, dass sie fast alles Eigenkreationen oder Abwandlungen von Klassikern waren. Zu Beginn vermutete unser Barkeeper, dass wir nur Bier wollten. Dies verneinte ich, meinte aber das ich belgisches Bier mag. Darauf empfahl er mir einen Cocktail mit belgischem Bier. Wenn einer experimentieren muss, dann wohl ich. Also wurd der sogenannt Aix-en-Provence bestellt. Der Name nimmt wohl Bezug auf einige Bestandteile des Cocktails – nämlich den  Ziegenkäse mit Honig und Kräutern. Und auch wenn Ihr sagt, das hört sich ja komisch an, es war extrem lecker und passte ausgezeichnet zusammen. Der Cocktail kam in zwei Gefäßen, so dass man ihn erstmal solo probieren konnte und dann wenn man wollte beides zusammengießen. Der Ziegenkäse wurde mit Honig, Jogurt, ein wenig Asche und Pinienkernen gemischt. Und der obere Teil bestand aus Gin, gelben Chatreuse, jungen Calvados, Cynar, Cointreau und einem Sour IPA. Und zusammen gemischt war das eine Geschmacksexplosion, die aber nicht unrund wirkte. Meine Herzallerliebste hatte eine Abwandlung des GinGin Mule. Auch hier hören sich die Zutaten eher nach asiatischer Küche, denn nach Cocktail an. In ihrem waren Gin, Sesam infused Gin, Gurkensirup, Sojasauce, Limejuice, Ingwerjuice, Ingwersirup und Sushiessig. Eine absolut erfrischende Angelegenheit. Und alle Sirups, Juices etc. waren selbst hergestellt. Speziell die Ingwersachen sind extrem schwierig herzustellen.

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Der Aix-en-Provence-Cocktail – der Cocktailsmoothie

Wir hatten 3 wundervolle Tage in Antwerpen. Ich kann die Stadt nur jeden ans Herz legen. Und für die unter Euch, die mal hinfahren möchten, gibt es hier noch die Infos zu den vorgestellten Lokalen.

Informationen zu den Pubs/Bars:

Kulminator  – Vleminckveld 32, 2000 Antwerpen;  Sonntags Ruhetag

Gollem – Suikerrui 28, 2000 Antwerpen;  täglich geöffnet

Caffe Mundi – Oude Beurs 24, 2000 Antwerpen; Montags Ruhetag

Dogma BarWijngaardstraat 5, 2000 Antwerpen; Montag, Dienstag Ruhetag

Und wer die sehr lohnenswerte Stadt-Brauerei De Koninck besuchen möchte, findet hier den Bericht dazu.

Ein Kommentar

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Zu Gast im Schwanen Wermelskirchen

Drinklabor_Schwanen6Wie Ihr Euch vielleicht noch erinnern könnt, war ich im letzten September im Hotel „Zum Schwanen“ bei einem tollen Whiskydinner. Dieses Jahr im Juni durfte ich an einem Tag der offenen Tür  – unter dem Motto „Freunde zu Gast im Schwanen“ sogar selbst mit einem aktiven Part teilnehmen. Natürlich ging es dabei um Getränke, aber dazu weiter unten mehr. In den letzten Wochen wurde im Restaurant viel erneuert und umgebaut. Nach Abschluss der Arbeiten dachten sich Christian Warnke und sein Team, diesen Anlass zu nutzen und sowohl Stammkunden als auch neue Interessenten ins Hotel Zum Schwanen einzuladen. Dabei lag natürlich der Schwerpunkt auf kulinarischen Genüssen. Daneben kamen aber auch kulturelle Aspekte nicht zu kurz. Für die Veranstaltung wurde das ganze Haus genutzt und die Gäste konnten sich überall umschauen und an den unterschiedlichen Ständen probieren oder sich beraten lassen.

Bei der Auswahl der Angebote wurden natürlich auch die Partner und Lieferanten mit einbezogen. So gab es einen Stand des Hausbierlieferanten, der Brauer Engel aus dem fränkischen Crailsheim. Und wie es sich für eine Biermanufaktur gehört, sind sie gleich mit 15 verschiedenen Bieren angetreten.

Bierdemonstration der Brauerei Engel

Bierdemonstration der Brauerei Engel

Daneben war auch die Firma Brogsitter, aus Grafschaft bot unterschiedliche Weine zum probieren an und auch die Metro war mit einem Cocktailstand vertreten.  Mein Freund Oli und ich boten im hinteren Gastrobereich eine kleine Spirituosen-Einführung. Dabei beschränkten wir uns auf Whisky oder besser gesagt Single Malt und Gin. Bei der Auswahl orientierten wir uns eher daran Anfängern einen guten Überblick über die verschiedenen Geschmackscharakteristika zu bieten.

Der Probiertisch

Der Probiertisch

So haben wir beim Whisky versucht die klassischen Regionen und damit die unterschiedlichen Geschmacksprofile abzudecken. Daneben gab es auch noch mit dem Monkey Shoulder einen guten Blend und auch ein Irischer Whisky war vertreten. Ebenso haben wir beim Gin versucht eine große Bandbreite an unterschiedlichen Arten anzubieten.

Whisky- und Gin Impressionen

Whisky- und Gin Impressionen

Angefangen beim Mascaro Gin 9 mit nur einer Zutat, nämlich Wacholder, über klassische London Dry Gins, wie dem Tanqeray bis hin zu den neuen New Western Style Gins, die mit dem Nordes Atlantic Gin vertreten war. Und als kleines Gimmick sogar noch einen Raspberry Gin von Edinburgh Gin, womit man auch die eine oder andere Dame von Gin überzeugen konnte.

Das Fischbuffet

Das Fischbuffet

Schwerpunkt des Abends waren natürlich die verschiedenen Essenstationen, an denen man sich durch ganz viele spannende Gerichte durchprobieren konnte. Leider konnte ich mich, auf Grund meiner Aufgabe, nicht allen Ständen in der ihnen gebührenden Zeit und Tiefe widmen. Daher nur ein kleiner Auszug meiner Eindrücke. Da war erstmal der Fischstand, der schon allein optisch ein Hingucker war. Hier konnte man eine extrem leckere Fischsuppe, aber auch frische Austern – natürlich die Sylter Royal – probieren.

Königliche Austern - die Sylter Royal

Königliche Austern – die Sylter Royal

Im unteren Bereich in der Nähe zu unserem Raum gab es Onseneier. Nach dem Hinweis auf Japan, konnte ich mich auch wieder an meinen Aufentahlt auf Kyushu und den Begriff Onsen, gleichbedeutend mit heißer Quelle, erinnern. Bei dieser japanischen Zubereitungsform gart man die Eier mittels Niedergarmethode für über 1 1/2 h und bekommt eine Art super schlotziges Ei ähnlich einem porchierten Ei. Dazu gab es Spinat und eine extrem, leckere Kartoffelcreme. Und als Krönung noch ein wenig geriebenen Trüffel darüber. Ein so einfaches aber lecker geniales Gericht. Kindheitserinnerungen in Highendform.

Onsenei mit Spinat an Kartoffelschaum

Onsenei mit Spinat an Kartoffelschaum

Eine weitere Station war direkt in der Küche. Wann darf man schon als Gast eines Restaurants mal direkt in die Küche laufen. Dort befand sich die Burgerstation. Hier konnte man seinen eigenen kleinen Miniburger bauen. Am Grill wurde das Patty nach persönlichen Wunsch gebraten und auf eine Minibrötchenhälfte gelegt. Und dann konnte man mit diversen Zutaten nach Herzenslust seinen Burger belegen. Einzig die Physik setzte der Phantasie mancher Gäste ein paar Grenzen.

Aber nicht nur für das leibliche Wohl wurde gesorgt. Der Wermelskirchener Journalist und Stadtführer Horst Rosen hielt zweimal einen Vortrag über die bewegte Geschichte des Hauses und zeigte die starke Verbindung mit der Stadt Wermelskirchen. Anschließend gab es noch ein tolles Konzert mit Jacky Elaine, welches super gewesen sein muss. So haben es mir einige Gäste zu mindestens erzählt. Am späteren Abend verlagerte sich das Geschehen dann auch weiter zu unserem Stand. Neben den verschiedenen Whiskys und Gin trug natürlich das später neben an aufgebaute, riesige Dessertbuffet bei.

Das Desertbufett

Das Desertbufet

Aber auch unsere Spirituosen und die Möglichkeit nebenan, mittels Roulette Gutscheine zu gewinnen, führten zu weiteren Andrang. Es machte uns richtig Spaß besonders Menschen, die groß noch keine Berührung zu Whisky und/oder Gin hatten, von den Destillaten zu überzeugen. So bildete sich beim Whisky die schon bekannte „Torfgrenze“ heraus. Die einen die alles rauchig oder torfig strickt verweigerten und die anderen denen es nicht rauchig genug sein konnte.

Was zeichnet einen guten Whisky aus!

Was zeichnet einen guten Whisky aus!

Auch beim Gin waren die Leute am späteren Abend experimentierfreudiger. Da wir das Ganze als Tasting ausgestaltet haben, mussten zu Beginn alle Interessenten zumindest einen kleinen Schluck des Gins pur genießen. Dies sollte ihnen ein besseres Geschmacksprofil des Gin zeigen, damit sie überhaupt erstmal einschätzen konnten, wie und ob dieser ihnen schmeckte. Aber wir hatten natürlich auch Tonic. Darüberhinaus gab es zum Verfeinern der Gin & Tonics noch diverse Gewürze, Gemüse und Zitrusfrüchte. Nach anfänglichem Zögern wurde ausgiebig experimentiert, welches Gewürz am besten zu diesem Gin passt. Oder soll es doch eher die Gurke oder die Limette sein. Ab und zu musste man die Leute sogar bremsen, keine ganze Gewürzmischung und einen Obstsalat in ihr Getränk zu geben.

Gin und Gemüse

Gin und Gemüse

Zum Abschluss kann ich nur sagen, es war eine gelungene Veranstaltung des Schwanen. Was Christian und sein Team dort auf die Beine gestellt hat, war absolute Klasse. Wir hatten sehr viel Spaß an dem Abend und auch die Gäste, die bei uns waren, kamen aus dem Schwärmen nicht mehr raus. Und da alle von diesem Konzept begeistert waren, soll es auch in gut 1 bis 1 1/2 Jahren wiederholt werden. Ich freue mich schon drauf, wenn ich wieder dabei sein darf. Informationen zu Öffnungszeiten, Veranstaltungen und Zimmerpreisen findet Ihr unter  zumschwanen.com. Wer noch ein paar Bewegtbilder der Veranstaltung sehen möchte, kann diese auf ihrer Facebook-Seite unter diesem Link finden.

Stimmungsvolle Gingewürze

Stimmungsvolle Gingewürze

Eine einsame Destille

Eine einsame Destille

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Pubcrawl Muggelton Inn Maidstone

Drinklabor_Muggelton InnEigentlich sollten hier vor allem Empfehlungen ausgesprochen werden. Aber meine Erfahrung mit dem Muggleton Inn und anderen Wetherspoons haben mich dann doch veranlast noch eine Warnung auszusprechen. Insgesamt finde ich die Wetherspoonisierung bzw. die „Verkettung“ der Pubszene in UK doch sehr traurig. Auf der anderen Seite scheint es ja vielleicht die einzige Möglichkeit zu sein, verschiedene Lokalitäten überhaupt zu erhalten. Bei diesem Beitrag beziehe ich mich besonders auf das Muggleton Inn. Aber meine 2-3 weiteren Erfahrungen in ähnlichen Pubs in Wick und Torquay lassen mich vermuten, dass diese Pubs ähnlich aufgebaut sind. Man muss natürlich beachten, dass wir Freitags dort waren und das es da speziell in diesen Pubs doch noch ein wenig anders läuft. Aber ich will vorn anfangen. Erstmal ist der Pub riesig. Hat viele kleine aber auch Art Tresentische. Ein Blick auf die Karte zeigt erstmal eines – es ist verdammt günstig – vielleicht sollte man auch billig sagen. So gibt es speziell für den Freitag ein Fish&Chips Angebot inklusive einem Pint für 6,80 Pfund. Es gibt klassisches Pubfood. Die Bierpreise sind fast ein Pfund günstiger als in anderen Pubs.
Durch den Hallencharakter kann eine gewisse Gemütlichkeit erst gar nicht aufkommen. Lustigerweise gibt  es auch hier gemischtes Publikum von vielen Teenagern, bis zu Arbeitern die noch ihr Feierabendbier trinken.

Drinklabor_MuggeltoninnInsgesamt fällt eien ziemliche Schmuddeligkeit auf. Obwohl scheinbar ein oder zwei Personen speziell für das Abräumen der Tische zuständig sind, stehen fasst auf allen Tischen noch leere Gläser, Teller und Müll. Abgewischt werden die Tische auch nur nach mehrmaligen Auffordern und eher widerwillig. Insgesamt können natürlich bei den niedrigen Preisen für das Personal nicht viel gezahlt werden. Das zeigt sich dann natürlich auch am Ausbildungsgrad und Servicebereitschaft. Mir passiert
Ungemütlich, um 20.00 Uhr kam Security vor die Tür, alles sehr billig, dafür keinerlei ausgebildetes Personal, kennen eigenes Angebot überhaupt nicht, muss selbst das Bier/Tapp zeigen, Tische werden weder abgeräumt, noch abgewischt, abund zu doch, dann aber zentral uns gegenüber gestapelt, Bierflasche wird aufgemacht, Bier schäumt über Hand drauf und gewartet bis Bier aufhört zu chäumen, man kann es ja in ein Glas schütten Angebot Fish und Chips und ein Pint – ich nehme das american IPA – frage der Bedienung welches – ich keine Ahnung das aus Eurem Angebot, Sie gibt mir ein Bier und will dann 3 Pfund mehr, ich frage warum, das ist teurer

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Das Limao – ein kleines Stückchen Brasilien in Bonn

Drinklabor_Limao1Auf der Suche nach einer ordentlichen Bar in Bonn hat es mich diesmal nach Godesberg verschlagen. Obwohl früher klassischer Diplomatenstadteil erwartet man hier nicht unbedingt eine Cocktailbar. Aber das Limao eine brasilianische Bar mit  Restaurant gibt es schon seit Mitte der 90er und ist mittlerweile eine Institution. Ich war auch in meiner Bonner Anfangszeit hier, aber es war mir nicht weiterhin in Erinnerung geblieben. Daher wurde es mal wieder Zeit auch hier vorbei zu schauen. Die Lage ist nicht gerade optimal, aber das Konzept ist gut umgesetzt. Hier ist eine gute Aufteilung zwischen Restaurant und Bar gelungen. Alles ist in grün-gelblicher Farbgebung gehalten  und wirkt nicht altbacken. Die Theke ist recht groß und eindrucksvoll und auch die rustikalen Hocker mit Fellbezug, sowie die Lounge Ecke mit Sofa und Sessel machen einen netten Eindruck.

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Das Essensangebot hört sich für mich sehr brasilianisch an und man kann sogar das brasilianische Nationalgericht das  Feijoada completa – eine Art Eintopf mit schwarzen Bohnen und viel Fleisch bestellen. Ich hatte Lust auf ein Fischgericht und auch hier gibt es eine schöne Auswahl. Ich bestellte eine Moqueca de Peixe, dies ist ein Fischgericht u.a. mit Seehecht, Garnelen  und Kokossauce. Sehr gelungen eine gute Mischung aus Schärfe und Süsse und nicht zu sahnig. Allein schon des Essens wegen, lohnt sich der Weg nach Godesberg.

Für mich aber ist das Cocktailangebot das wahre Highlight. Natürlich stehen erstmals die brasilianischen und südamerikanischen Getränke, wie Caipirinia, Rum- oder Tequillacocktails im Vordergrund. Aber es wird auch ein sehr gutes Angebot an Klassikern geboten. Die Karte ist sehr übersichtlich nach den unterschiedlichen Basisspirituosen aufgeteilt. Dabei gibt es je Spirituose zwischen 3 oder 12 unterschiedliche Cocktails. Dazu werden auch noch Colada- Caipi- und Sourcocktails. Ich habe mit einem Gin Gin Mule gestartet, der ganz stilecht im Kupferbecher serviert wurde. Schwerpunktmäßig wird der Beafeater Gin verwendet. Der Gin Gin Mule bietete ein sehr gutes Verhältnis von Gin und Ingwerbier. Dieses war diesmal auch nicht von Thomas Henry. Dies war an der fehlenden Schärfe gut erkennbar. Ein wirklich schön spritziger Sommerdrink. Wir hatten das Glück, dass wir vor 19.00 Uhr da gewesen sind. Bis 19.00 Uhr bekommt man in der Woche in den Genuss einer Happy Hour und bezahlt für alle Cocktails sehr faire 5,50 €. Die Normalpreise belaufen sie sich hier auf 7 € bis 9 € je nach Cocktail. Was ich ein gutes Preis-Leistungsverhältnis für den Laden und die angebotenen Cocktails empfinde.

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Als zweiter Cocktail durfte der Bartender mir einen meiner Klassiker kredenzen. Der Negroni war gut gemacht, wurde aber meiner Meinung mit einem Martini Wermut gemixt. Ich finde erst der Antica Formula gibt dem Negroni  erst den richtigen Dreh. Aber er war ansprechend gemacht und gut trinkbar. Das fand ich an der Karte gut, dass zwar nicht immer, aber recht häufig, die jeweilige Spirituosensorte und -marke angegeben ist. Dies ist für mich immer ein erstes Qualitätskriterium einer Cocktailbar. Nach einem leckeren Espresso als Nachtisch, wollten wir uns noch einen letzten Cocktail als Absacker gönnen. Dafür wählte ich mir einen Cocktail, den ich bisher noch nicht getrunken habe – den Sazerac. Mir fehlt dafür immer der Absinth zu Hause. Der Absinth wird je nach Rezept nur zum Ausspülen des Glases oder als kleiner Bestandteil hinzugefügt. Hier war es eindeutig ein größerer Schluck. Da der Anisgeschmack doch recht stark durchkam. Dies war aber nicht uninteressant und passte meiner Meinung nach gut zu dem verwendeten Bourbon. Sehr gut fand ich auch, das der Cocktail in einem Tumbler, mit einem übergroßen Eisquader daherkam. Damit war auch das Verwässerungsproblem, zumindest kurzfristig beseitigt. Zusammenfassend kann ich das Limao wirklich weiterempfehlen, sowohl zum guten Essen, aber auch um einfach einen leckeren Cocktail zu geniessen.

Infos zum Limao wie Öffnungszeiten, Anfahrt und Reservierungsmöglichkeiten findet Ihr hier. 

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Lissabon – Auf der Suche nach Craftbeer

Drinklabor_CraftbeerLissabon1Wie schon angekündigt kommt hier der 4. Teil der Lissabon Quadrologie. Ich als ausgesprochener Craftbeer Liebhaber wollte auch schauen, ob es eine entsprechende Szene im Weinland Portugal gibt und wie sich diese darstellt. Vor Beginn unser Reise dachte ich mir, dort wird bestimmt nur Wein oder Port getrunken. Aber dann wurde ich eines besseren belehrt. Ok die Craftbeerszene ist erst im Entstehen begriffen, aber sie entwickelt sich sehr innovativ und schnell. Portugal ist wahrlich kein typisches Bierland. Bis vor einigen Jahren gab es hier nur genau 2 Brauereien. Diese sind mittlerweile beide in internationalen Händen. Das ist einerseits der Marktführer Sagres, der zur Heineken Gruppe gehört. Und anderseits die Brauerei mit dem wunderbaren Namen Superbock. Diese gehört wiederum zu Carlsberg. Beide Biere gibt es in unterschiedlichen Sorten und man bekommt sie quasi überall. Aber auch vor Portugal machte die neue Bewegung keinen Halt und hier entwickelt sich eine wirklich spannende Szene. Speziell da Portugal ohne typische Biertraditionen weniger Vorbehalte gegen Neuerungen hat und daher die neuen Brauer einfach drauf los experimentieren.

Drinklabor_CraftbeerLissabon2Und auch die großen Brauereien versuchen selbst auf den Zug aufzuspringen. So bietet Superbock im Timeout Market in Lissabon einen Beerexperience-Stand an. Wenn man alles Tamtam drumherum weglässt, sind es eigentlich nichts anderes als sechs Zapfhähne. Diese darf man aber als Kunde selbst bedienen. Das System kam bei den Gästen aber sehr gut an, so dass immer eine kleine Schlange vor dem Stand zu sehen war.  Zuerst entscheidet man sich für eines der Biere. Neben dem klassischen Lager, gab es ein Dunkel und ein Stout. Daneben noch drei Biere der neune Marke 1927. Von denen gab es ein Münchner Hell, ein Münchner Dunkel und ein Amber Ale. Nachdem man ein Bier gewählt hat, musste man bezahlen und bekam ein Bierglas und einen Kassenbeleg mit Strichcode in die Hand gedrückt. Oberhalb des Zapfhahns war ein Monitor angebracht, wo ein Video zum richtigen Zapfen gezeigt wurde. Dann musste man den Kassenbeleg an ein Lesegerät halten. Das löste eine Sperre und man konnte und man durfte selbst sein Bier zapfen. Man musste nur aufpassen, da  man bestraft wurde, da die Bierzufuhr nach der bezahlten Menge automatisch stoppte. Ich habe das Amber Ale und das Stout probiert. Das Amber Ale war ein stärker gehopftes, dunkleres Ale – was so einen typischen Einsteigerbier für in die neue Bierwelt nahe kam. Das Stout fand ich insgesamt zu nichtssagend. An den Bieren können sie also noch ein wenig arbeiten. Aber das Konzept des Selbstzapfens war schon ganz lustig und fand auch guten Zuspruch.

Drinklabor_CraftbeerLissabon3Aber es gibt auch einige richtige Craftbeerzentren in Lissabon zu entdecken. Die zwei Pubs die wir besuchten, waren beide sowohl als Kneipe als auch als Shop angelegt. So konnte man direkt vor Ort sein Bier genießen, aber auch verschiedene Flaschen zum Mitnehmen einpacken lassen. Es sind die „Cerveteca Lisboa“  und das „Lis Beer“. Die Cerveteca liegt in der Nähe des Botanischen Gartens und bietet sowohl Fass- als auch Flaschenbier an. Sie hatten 8 verschiedene Biersorten vom Fass und eine ganze Regelwand mit Flaschenbieren. Das schöne sie bieten auch ein kleines Tasting der Fassbiere an. Man bekommt 5 Biere a 0,1 l als Tastinggedeck. Dort versuchte ich natürlich besonders die einheimischen Biere zu probieren. Hier kam ich auch zum ersten Mal mit den Bieren von Oitava (8a) Colina in Berührung. Dies steht für den 8.  Hügel. Die Geschichte zum Namen fand ich sehr nett.  So sagt man, dass Lissabon ähnlich wie Rom auf 7 Hügeln erbaut worden ist. Dabei hat man den Graca Hill vergessen und genau hier liegt die Brauerei. Und nach diesem 8. Hügel hat man diese benannt. Beim Tasting war ein Zé Arnaldo dabei. Dies war ein wunderbar vollmundiges und gut trinkbares Porter. Daneben durfte ich auch noch das Urraca Vendaval probieren – was ein wunderbares, zitrusbetontes aber auch mächtig bitteres IPA ist. Und hat IPA untypisch nur 6 % Alkohol.  Das Urraca stellte sich auch als das Lieblingsbier unserer Bedienung heraus und ist ein wirklich gelungenes Craftbeer. Die Brauerei kann man auch besichtigen. Jeden Samstag gibt es eine Tour durch die Räumlichkeiten. Wir hatten leider das Pech, über Ostern dagewesen zu sein. Da sie an diesem Wochenende keine Führung angeboten haben. Auch haben sie laut Website einen kleinen Tastingraum, so dass man auch die Biere vor Ort probieren kann. Aber auch im Cerveteca kann man sehr relaxed eine Vielzahl von Bieren probieren. Ich würde schätzen, dass neben den Fassbieren an die 150 verschiedene Sorten Flaschenbiere angeboten werden. Davon auch ca. 1/10 portugiesische Biere. Was auffiel, dass besonders viele belgische Biere zu finden waren. Daneben natürlich auch  US-amerikanische, englische und einige skandinavische Biere. Nur deutsche Biere suchte man vergebens.

Drinklabor_LissabonCraftbeer4Ein anderer schöner Laden, der sich in der Nähe unserer Unterkunft in der Alfama befand ist das Lisbeer. Auch dieses ist ganz gemütlich, mit lauschigen Sesseln ausgestattet. Auch Sie bieten die Möglichkeiten zum Flaschenkauf und hatten auch mindestens 8 verschiedene Biere vom Fass. Hier wird auch nicht so konsequent zwischen Craftbeer und Industriebier unterschieden. So hatten sie z.B. auch Paulaner vom Fass. Hier probierten wir auch Biere einer weiteren Lissaboner Brauerei der Dois Corvos Brauerei. Von dieser haben wir z.B. das Metropolitan Pale Ale probiert. Ein recht leichtes, ein wenig süßliches Pale Ale nach amerikanischem Vorbild. Außerdem gab es von Ihnen nach das sehr leckere Matiné – ein Session IPA – was wirklich besonders lecker hopfig war. Was es für uns noch einfacher machte, war die hier vorhandene extra Karte rein für portugiesische Biere. Diese zweiseitige Karte enthielt neben den beiden oben beschriebenen Lissabonner Bieren weitere Sorten wie Toira, Mean Sardine oder Sovina. Schwierig war nur, dass die Karte obwohl nur ein ausgedruckter DIN A4 Zettel, die Vorrätigkeit mittels Punkte oder Haken darstellte. Da diese mal durchgestrichen oder wieder zugefügt hatte, wusste man am Ende gar nicht was noch im Angebot war. So konnte man manchmal ein wenig länger fragen, bis man ein Bier entdeckte, was auch vorrätig war. Daneben gab es noch eine weitere Karte mit über 200 Bieren aus den unterschiedlichsten Ländern.

Drinklabor_LissabonCraftbeer5Zusammenfassend kann ich festhalten – Craftbeer ist wirklich in Portugal und auch in Lissabon angekommen. Es gibt schon ein gutes Angebot an Pubs und auch lokalen Brauereien, speziell wenn man bedenkt, dass Lissabon nur 500.000 Einwohner hat. Ich denke da mal an die Millionenstadt Köln, die beim Thema Craftbeer dem noch um einiges hinterherhinkt. So kann man auch im Weinland Portugal viele spannende Biere testen und eine noch kleine, aber sehr kreative Bierszene antreffen. Und man konnte sehen, dass vor allem die jungen Portugiesen dem Craftbeer und den neuen Bierstielen sehr offen gegenüber stehen. Für die unter Euch die nach Lissabon kommen, hier ein paar Adressen und Links zu den Craftbeerhotspots.

Cerveteca Lisboa Praça das Flores 63, Lissabon hat täglich von 15.30 – 1.00 Uhr geöffnet

Lisbeer  –  Beco do Arco Escuro 1, Lissabon hat montags Ruhetag und die anderen Tage von 16.00 – 1.00 Uhr geöffnet.

8a Colina – Travessa da Pereira nº16 A, Lisabon

Dois Corvos – Rua Capitão Leitão, 94, Lissabon – der Taproom hat bis auf Samstag täglich ab 13.00 Uhr geöffnet

und zum Schluss, ist nicht wirklich Craftbeer – macht aber trotzdem Spaß

die Beerexperience von Superbock im Time Out Mercado da Ribeira, Avenida 24 de Julho, Cais do Sodré

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Lisbon Winery – eine geniale Weinverkostung

Drinklabor_LisboneWinery1Wie Ihr ja schon an den anderen Beiträgen gesehen habt, waren wir über Ostern in Portugal, genauer gesagt in Lissabon. Und diese Stadt gibt doch neben den wunderbaren Orten, Plätzen, Denkmälern und Menschen auch viel her für einen Getränkeblog. Bisher habe ich schon zwei Beiträge über Lissabon geschrieben.  Den Beitrag zum portugiesischen Gin findet Ihr hier. Ein Beitrag über eine tolle Whiskysammlung in Lissabon könnt Ihr über diesen Link erreichen. Natürlich darf bei Berichten über Lissabon und Portugal der portugiesische Wein nicht vergessen werden. Es ist immerhin das meistgetrunkene Getränk, zumindest was alkoholische Getränke angeht. Noch dazu ist er äusserst lecker und weist eine große Vielfalt auf.  Erstaunlicherweise führt portugiesischer Wein bei uns in Deutschland noch ein ziemliches Schattendasein. Natürlich kennt man den verarbeiten Wein – also den aufgespriteten Port. Aber wenn es um normale Weiß- oder Rotweine angeht, muss man bei uns doch länger suchen. Manchen wird noch der Vinho Verde aus Nordportugal ein Begriff sein. Der leicht mit Kohlensäure versetzt wird und einen wunderbaren Sommerwein darstellt. Aber wie ich erfahren habe, war in diesem Jahr die grösste Dichte an portugiesischen Winzern auf der Prowein in Düsseldorf anzutreffen. Und vielleicht trägt dies auch  zu einer höheren Bekanntheit bei, zu wünschen wäre es.

Wenn man in Portugal essen geht, hat fast jedes Restaurant einen Hauswein, den man ohne weiteres bestellen kann. Häufig ist es ein leichter, sehr süffiger Wein. Da wir uns aber auch ein wenig genauer mit den portugiesischen Weinen auseinandersetzen wollten, haben wir an einer Weinprobe teilgenommen. In Lissabon gibt es einige Weinbars, die einen mit Rat und Tat zur Seite stehen. Wir sind auf Empfehlung zur Lisbon Winery gegangen. Das Lokal hat über 200 Weine im Angebot, da sollte sich doch was passendes finden lassen.  Es befindet sich im Stadtteil Barrio Alto und ist recht modern, aber trotzdem gemütlich eingerichtet. Ein Highlight des Lokals ist die im hinteren Teil zu findene restaurierte Zisterne. Die ist bei Restaurierungsarbeiten im Jahr 2009 aufgetaucht. Da sie ein Unikat darstellt, hat die archäologische Ausgrabung und Sicherstellung die Restaurierung um ganze 2 Jahre verzögert. Schön das es das Lokal trotzdem noch gibt und sie jetzt mit der Zisterne einen wundervollen Blickfang haben. In der Lisbon Winery werden Nachmittags verschiedene Tastings angeboten. In den Abendstunden könnte auf Grund der höheren Gästezahl eine ordentliche Begleitung des Tastings nicht gewährleistet werden. Wir hatten das Glück, dass Alex – man kann ihn auch das portugiesische Weinwiki nennen – uns auf Grund der geringen Gästeanzahl auch noch um 17.30 Uhr ein Tasting angeboten hat. Dabei geht er ganz individuell auf die Vorlieben der Tester ein und hat keinen vorgegebenen Ablauf.

Drinklabor_LisboneWinery2Gestartet haben wir mit einer Olivenölprobe. Er stellte uns drei unterschiedliche Olivenöle und unterschiedliche Brote hin. So konnten wir hier schon mal unsere Geschmacksknospen schärfen. Alex fragte uns vorab, welche Vorlieben wir haben. Wir entschieden uns eher für die Rotweinfraktion. Er meinte aber wir müssten auch einen Weißwein probieren. Außerdem einigten wir uns auf geringere Mengen, um dann mehrere unterschiedliche Sorten zu probieren. Wir starten mit zwei Weißweinen. Zu Beginn gab es einen Quinta dos Carvalhais von 2014. Fast wie eine Mischung aus Riesling und Gewürztraminer. Schöner Starter. Dann kam auch schon die erste Überraschung ein weißer RemeXido. Dieser Wein wurde für ein Jahr in einem ungarischen Eichenfass gelagert und kommt mit kräftigen 14 % daher. Er hat Anklänge an Tokajer. Diesen trinkt man auch bei höheren Temperaturen als klassischen Weißwein. Der Wein war sehr eigen, aber etwas besonderes und habe so etwas auch noch nicht im Glas gehabt. Dies ist auch einer der Lieblingsweine von Alex. Ein Ziel vom ihm war auch, uns eine große Vielfalt und Besonderheiten zum probieren zu geben und nicht die Standards. Mit dem RemeXido war das schon mal gelungen. Dann gab es eine kleine Essenspause mit einer tollen Käseplatte mit unterschiedlichen Käsesorten aus ganz Portugal und dazu eine selbstgemachte Kürbismarmelade – sehr lecker.

DrinklaborLisboneWinery_3Und weiter ging es mit Rotwein – mit dem Humus. Dieser kommt aus der neuen Wein-Region Lissabon. Früher wurde diese als Estremadura, wie die Region in Spanien bezeichnet. Da aus dieser Region häufig nicht so guter Wein kam, ergab sich eine große Verwechselungsgefahr. So entschied man sich die Region um Lissabon in den Stadtnamen umzubenennen. Dieser Wein kommt wie viele andere Weine des Abends auch, von alten Weingütern. Diese sind aber mittlerweile von der jungen Generation übernommen worden. Und diese jungen Leute sind häufig besser ausgebildet und viel experimentierfreudiger. So das die portugiesische Weinszene auch in den nächsten Jahren noch spannender wird. Beim Humus war der Name Programm. Die erste Nase ging gar nicht. Man hatte den Geruch von Waldboden und Laub in der Nase. Hier gab er uns aber den Tipp erstmal stehen lassen und ihm Zeit geben. Und tatsächlich nach 15 – 20 Minuten kamen ganz andere Gerüche nach dunkler Frucht wie Sauerkirschen zum Vorschein. Hier zeigt sich wieder die Erkenntnis, die für viele Getränke gilt: „Gib dem Getränk Zeit“. Der vierte Wein war ein Vinhas Velhas von Luis Pato aus der Beiras Region. Der Wein war von 2010 einem sehr trockenen Jahr in Portugal. Hier hat der Winzer einen Großteil der Trauben weggeschnitten, so dass trotz der Hitze noch ein guter Wein herauskam.

Der nächste Wein war einer unserer Favoriten des Abends – ein Herdade dos Grous aus 2013.  Er kommt aus der Region Alentejo. Hier wurde u.a. eine Traube eingesetzt, die früher häufig nur zur Färbung mit eingesetzt wurde. Dieser Wein ist ein Moonshinewine -was aber nichts esoterisches ist, sondern der Temperatur in der Region geschuldet ist. Weil Nachts die Temperaturen viel niedriger sind, als tagsüber – erzielt er viel bessere Ergebnisse bei der Qualität. Als nächstes kam ein Vierra aus der Douro ins Glas. Dies war ein Gran Reserva, wie wir gelernt haben ein geprüftes Qualitätskriterium. Denn im Gegensatz zu Spanien wo nur das Alter zählt,  muss ein Gran Reserva in Portugal von einer Jury für gut befunden werden. Als nächstes kam nochmal ein RemeXido ins Glas, dies mal als Rotwein. Hier konnte man eine tolle Showeinlage von Alex beobachten. Da er die Flasche gerade erst geöffnet hatte, wurde der Wein wild im Dekanter geschüttelt. Ich habe schon erwartet, er würde ihn wie ein Barkeeper noch in die Luft schleudern. Da dieser Wein direkt aus der Uferregion stammt, meint man fast sogar ein wenig das Salz schmecken zu können. Dazu kam noch ein extrem  trockener Abgang.

Drinklaor_LisboneWinery_EssenDann gab es wieder eine kleine Essenspause. Diesmal mit einer tollen Auswahl an unterschiedlichen Salamis und Chirrizos. Einfach nur Lecker….Und zum Abschluss meinte Alex sollten wir natürlich auch Port probieren. Der erste Port war ein Quinta dos Murcas – ein Vintage aus 2011. Gefolgt von einem Dalva Port von 2000. Beide sehr aromatisch, süss, schöne Fruchtnoten – einfach lecker. Und dann meinte Alex uns noch etwas besonderes zu kredenzen. Nämlich weißen Port, der häufig auf Grund seiner Jugend häufig nicht so beachtet wird. Dieser wird selten länger gelagert und häufig sehr schnell abgefüllt. Aber Alex ist ein Fan von weißen Port und wollte uns auch dafür begeistern. So durften wir mit einem 20 jährigen weißen Port von Vieira de Sousa starten. Der Vater des jetzigen Winzers hat früher viel Ruby und Twany Port an die großen Portproduzenten geliefert. Da weißer Port als  nicht so gut galt, lies er sich häufig im Gegenzug weißen Port liefern. Und lagerte diesen weiter, so dass er mittlerweile eine gute Auswahl an wirklich alten weißen Ports besitzt und diese nach und nach abfüllt. So kamen wir am Schluss noch in den Genuss eines weißen Very Old Port Wein. Hier weiß man nur, dass er nach den Vorgaben mindestens 40 Jahre alt sein muss. Ein wirklich würdiger Abschluss eines genussvollen und lehrreichen Abends. Für die unter Euch, die nach Lissabon fahren, ich kann die Lisbon Winery und Alex nur wärmsten empfehlen.

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Hier die Adresse und Website.

Lisbon Winery Rua da Barroca 13, Lissabon

Neben den bisherigen Berichten aus Lissabon, könnt Ihr Euch noch auf einen weiteren Beitrag freuen. In diesem wird es um portugiesisches Craftbeer gehen. Das gibt es wirklich und ist ausgesprochen lecker. Bis dahin tchau.

 

 

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Portugiesischer Gin – eine spannende Versuchung

Drinklabor_Portugiesischer Gin
Wie Ihr schon in einem der letzten Beiträge lesen konntet, war wir über Ostern in Lissabon. Und neben den geschichtlichen, architektonischen und Natur-Sehenswürdigkeiten interessiert mich als Trinklaborant natürlich auch das Essen und Trinken des jeweiligen Gastlandes. Und Portugal und speziell Lissabon kann dabei einiges bieten. Wie auch in Spanien ist in Portugal die Gin-Welle und das Gin&Tonic trinken schon seit einigen Jahren angekommen. Und auch wenn die portugiesischen Gins in Deutschland nicht so berühmt sind und zur Zeit noch schwer zu beschaffen sind, gibt es in Portugal eine recht große Gin-Szene. So teilte mir der Barkeeper eines Ginhouses in der Lissabonner Altstadt mit, dass es mittlerweile ca. 40 verschiedene Gin-Marken in Portugal gibt. Und da er einen Großteil der Sorten da hatte, durfte ich zumindest an vielen der Gins schnuppern. Auch bekommt man fast in allen Bars Gin Tonics häufig mit den englischen Klassikern, aber auch mit ein oder zwei portugiesischen Gins angeboten. Was auffällt, dass sich die portugiesischen Ginhersteller fast immer an der Standardalkoholstärke von 40 % orientieren.

Der bekannteste „portugiesische“ Gin zumindest in Deutschland ist eigentlich nur ein halber Portugiese. Der Gin Sul aus Hamburg bezieht viele seiner Zutaten aus Portugal. Auch hat das Land einen großen Anteil als Inspirationsquelle für diesen Gin. Aber auch die Gins die direkt hier produziert werden, zeichnen sich durch eine hohe Kreativität und häufigen Bezug zum Land und seinen Gewächsen aus.  So kommt der erste rote Gin aus Portugal. Dabei ist der Gin Tinto kein Sloe Gin, sondern wird richtig destilliert. Er wurde mit einem wahren Gewürzgarten hergestellt und enthält unter anderen neben Wacholder auch Dill, Lorbeer, Katzenminze, Willow Blatt, Holunder Blumen, St. Robert Pflanze, Melisse, Zitronen-Melisse, Eukalyptus-Blatt, Rosmarin, Lavendel, Zitronensäure der grünen Orange, Mohnblumen und Wilde Brombeeren. Leider habe ich ihn nicht probiert, werde dies aber bald nachholen. Ein anderer besonderer Gin ist der Nautilus Gin, der u.a. mit Algen destilliert. Und allein der Geruch hat mich nicht wirklich inspiriert ihn probieren zu müssen. Neben den Zutaten wird auch bei der Gestaltung der Flaschen häufig ein Bezug zum Land hergestellt. So kommt der Adamus Gin in einer viereckigen Tonflasche daher. Aber das besondere ist der Deckel, der aus einem 500 g schweren viereckigen Korkblock besteht. Die Flasche wiegt wirklich schon einiges und macht natürlich etwas her. Auch veriet mir der Barkeeper, dass allein durch den Korkdeckel allein 6 € Materialkosten anfallen. Besonders gut an den portugiesischen Gins gefällt mir, dass sie immer wieder versuchen, portugiesische Traditionen wie hier den allgegenwärtigen Kork aufzugreifen. So wird z.B. der Nao Gin noch 3 Monate in Portweinfässern gelagert und in einer an Portflaschen angelehnten schwarzen Flasche verkauft. Diesen habe ich probiert und man muss sagen, ich konnte sogar ein wenig des Portaromas schmecken.

Drinklabor_Gin_Portugal2Neben dem Noa haben wir natürlich auch einen der bekanntesten portugiesischen Gins den Sharish probiert. Sharish steht dabei für den ursprünglich arabischen Namen der Stadt Reguengos de Monsaraz. Dabei werden bei Sharish nur Zutaten aus Portugal verwendet und somit hat man wirklich etwas typisch portugiesisches. Neben den Klassikern wie Wacholder, Koriander, Orangen- und Zitronenschale werden auch Nelken, Zimt, Vanille, Zitronenstrauch und die spezielle, portugiesische Apfelsorte Bravo de Esmolfe Apfel verwendet. Das Ergebnis ist ein wundervoll cremiger, sehr zitrusbetonter Gin der ein schönes Vanillearoma und einen leichten Apfelgeschmack aufweist. Ein wirklich gelungener Gin. Und auch mit Tonic lies er sich super genießen. So wird der Gin Tonic mit dem Sharish auch mit Apfelscheiben garniert. Daneben gibt es noch zwei bis drei andere Abfüllungen. Besonders auffallend wegen seiner blauen Farbe ist dabei der Shahrish Blue Magic. Diese Farbe erhält er aber nicht durch künstliche Farbstoffe, sondern durch Zugabe einer bestimmten Pflanze – der Clitoria ternatea, auf deutsch:Blaue Klitorie. Diese Pflanze ist der einzige Farbgeber für den Gin. Und dieser kann mit seinem Farbwechsel ein schönes Partyhighlight darstellen. So verwandelt sich der Gin bei Zugabe von kohlensäurehaltigen Getränken wie Tonic hin zu einem kräftigen Pink.

Drinklabor_GinPortugal3Meine Herzallerliebste probierte den Friends Gin Premium. Und auch dieser ist wirklich gelungen. Die Bezeichnung Friends beruht auf der gemeinsamen Zusammenarbeit den beiden Herstellern dem Winzer Tiago Cabaço und dem Agraringeneur Luis Ferreira. Sie arbeiteten über 2 Jahre an der richtigen Zusammensetzung und haben angeblich 438 verschiedenen Botanicals ausprobiert. Das Endprodukt wird aus National Touriga Trauben destilliert und mit 38 Botanicals vierfach destilliert. Ich muss sagen ich habe selten einen so wunderbar fruchtigen, zitrusbetonten und vollmundigen Gin getrunken. So sahen wir uns auch gezwungen, eine eine Flasche des leckeren Gesöffs für uns mit nach Hause zu nehmen.

Die portugiesische Ginlandschaft lässt sich wirklich sehen und hat einige spannende Gins hervorgebracht. Einzig beim Tonic war leider nicht viel Abwechselung. Hier ist noch alles fest in Schweppes Hand. Aber dafür scheint das Schweppesangebot aber auch ein wenig umfangreicher als bei uns. Es sind einige Flaschen aufgefallen, die wir so in Deutschland noch nicht gesehen haben. Und in Portugal scheint, vielleicht durch die Nähe zu Spanien, das Bereiten und Anrichten des Gin&Tonics sehr wichtig zu sein. So bekommt man seinen G&T häufig in großen, bauchigen Gläsern und bei der Bereitung wird das komplette Programm mit diversen Zugaben von Gewürzen und Verzierungen gearbeitet und das Ganze natürlich ausgiebig zelebriert. Die portugiesische Ginszene ist ausgesprochen kreativ und interessant und ich kann Euch nur empfehlen den einen oder anderen Gin zu probieren. Für die unter Euch, die dem nächst nach Lissabon fahren solltet, hier findet Ihr noch ein paar Adressen, die ich selbst ausprobiert habe und wo guter Gingenuss garantiert ist.

Vintage gourmet & GIN House in der Rua da Horta Seca Nr. 1 R/C

Gin Club Stand im Time Out Mercado da Ribeira, Avenida 24 de Julho, Cais do Sodré

oder wenn ihr ganze Flaschen kaufen wollt – dann ein Shop mit guter Gin-Auswahl ist

Garraferia Nacional ein alt eingesessener Wein- und Porthandel mit guter Spirituosenauswahl findet man sowohl in der Rua de Santa Justa, 18; der Rua da Conceição, 20/26 oder auch im TimeOut Market

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