Die neuen The Glen Allachie Whiskys aus dem Tal der Steine

Am letzten Wochenende kam ich in den Genuss,  die neue Range der Glen Allachie Distillery zu verköstigen. Außerdem habe ich auch noch Informationen aus erster Hand erhalten, denn durch das Tasting führte der Brand Ambassador der Destillerie Alasdair Stevenson. Das Tasting fand in den wundervollen neuen Räumen des Brühler Whiskyhauses statt, die einen sehr tollen Rahmen boten. 

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Die Glen Allachie Distillery in der Speyside

Bis zu diesem Zeitpunkt hatte ich nur einmal einen Glen Allachie, nämlich den des unabhängigen Abfüllers Signatory im Glas gehabt. Bei unserem letzten Urlaub in den Cairgorm Mountains hatten wir einen kurzen Abstecher zu der Destillerie gemacht. Diese befindet sich in der Nähe von Aberlour.  Wir konnten damals aber nur einen Blick von draußen auf das Gebäude werfen.

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Ein Teil der Tastingauswahl

Ansonsten verband ich mit den Whiskys aus dem Valley of the Rocks, wofür Glen Allachie steht, nicht viel. Das hing u. a. damit zusammen das Glen Allachie Distillery die erst im letzten Jahr übernommen wurde und  jahrelang ausschließlich für Blend Whiskys aus dem Hause Pernod Ricard produzierte. Sie wurde erst  im Jahr 2017 von einem privaten, schottischen Konsortium unter der Leitung von Billy Walker übernommen. Der Namen wird dem einen oder anderen Whiskyliebhaber sicher bekannt vorkommen. Er war bis 2016 Miteigentümer der Destillen Benriach und Glendronach, bevor diese   an Brown Forman verkauft wurde. Er wollte sich nach dem Verkauf noch nicht in den Ruhestand begeben und mit seinem Knowhow die nächste Destille wiederbeleben. Nicht nur die Brennanlagen sondern auch einen Großteil des Fassbestands konnten die neuen Eigentümer mit übernehmen. Damit hatten sie einen Grundstock, um eine komplette Corerange an Glen Allachies auf den Markt zu bringen. Dabei war es das Ziel herausragende Single Malts ohne die Bürokratie der Großkonzerne herauszugeben. Sie ist damit eine der wenigen Destillerien die sich in schottischen Privatbesitz befindet. 

Da Deutschland einer der wichtigsten Märkte für die Markteinführung ist, haben die neuen Eigner sich entschlossen Ihren Brand Ambassador gemeinsam mit dem deutschen Importeur Kirsch und ein paar netten Whiskyschätzchen auf Deutschlandtournee zu schicken. So waren ca. 30 Personen im voll besetztem Tastingraum des Brühler Whiskyhauses schon sehr gespannt was Alasdair für leckere Whiskys und welche spannenden Geschichten er mitgebracht hat. 

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Das Tasting Gedeck

Wir hatten viel vor uns, da es insgesamt 8 Whiskys bzw. 7 Whiskys und einen New Spirit zu probieren. Begonnen haben wir mit dem neuen 12 jährigen. Zuerst lagerte er ca. 11 Jahren in Bourbon Barrels, um danach noch 9 Monate in PX- und Olorosafässern zu lagern. Ein anderer Teil wurde noch in neuen Hogsheads gefinisht. Zum Schluss werden sie vermählt und auf kräftige 46 % herunterverdünnt. Da versteht es sich von selbst, daß hier nicht kühlgefiltert und auch nicht gefärbt wird. Für mich ein sehr gelungener Malt der mit seinem vollem Bouquet aus hellen Früchten und Karamelnoten und einem super Preis-Leistungs-Verhältnis zum persönlichen Tagessieger wurde. Als zweiten Whisky probierten wir den neuen 18-jährigen, der einen stärkeren Sherryeinfluss hat. Hier besteht das Vatting sowohl aus einem Sherry-gefinishten Whisky und Whiskys die ihre ganze Lagerzeit in Olorosofässern verbrachte. Mich persönlich, hat der 12er mehr überzeugt. 

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Alasdair Stevenson beim Erklären der Glen Allachie Whiskys

Alasdair erzählte auch von den vielen Veränderungen, die durch die neuen Eigentümer angestoßen  wurden. So hat man die Produktion merklich heruntergefahren. Von ursprünglich 4 Mio. Liter pro Jahr senkten sie den Ausstoß auf 800.000 l. Dadurch konnten Sie gleichzeitig einzelne Arbeitsschritte erheblich ausdehnen . So wurde die Gärzeit der Maische erheblich verlängert. Um die einzelnen Schritte der Produktion und die Eigenheiten der Anlage besser zu verstehen, konnten Sie auch zwei der altgedienten Mitarbeiter, zumindest für eine Übergangszeit von 6 Monaten gewinnen. Danach werden sie wieder Pernod Ricard zurückwechseln, Großkonzerne zahlen halt besser.  

Als nächster Whisky kam das neue Flagschiff der Standardwhiskys ins Glas der 25jährige. Hier kann man schon von einer Sherrybombe sprechen, aber im positiven Sinn. Wirklich intensiver, aber gut eingebundener Sherryeinfluss. Hier wurde der Whisky die ganze Lagerzeit in PX- und Oloroso-Sherry Casks gelagert. Ein wirklich sehr vielschichtiger Whisky, der zum langen Verweilen und Genießen einlädt. 

Zwischendurch durften wir den New Spirit der Distille probieren und man konnte durchaus Anklänge in den gereiften Whisky wiederfinden. So war besonders die Öligkeit bei allen Whiskys besonders zu spüren. Danach kam dann der neue 10jährige in Fassstärke. Das wird der Whisky für alle Freunde, die ein wenig mehr Alkohol im Glas bevorzugen. Die Art der Fässer und Lagerung entspricht weitestgehend dem 12-jährigen nur das hier der Whisky mit kräftigen 57,10 % daher kommt.  Und für einen fassstarken Whisky wird er für ein wenig über 50 € auch sehr preiswert angeboten. Da so viel guter Whisky natürlich auch eine Grundlage braucht, gab es zu diesem besonderen Tasting auch noch eine kulinarische Beigabe in Form von Würstchen und Nudelsalat. Marco der Chef grillte höchstpersönlich auf der Terrasse, wo wir mit einem tollen Blick über Brühl, neben dem Essen auch noch ein wenig uns mit den anderen Teilnehmern austauschen konnten. 

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Tolle Ausstattung des neuen Tasting-Raumes

Die zweite Hälfte starteten wir mit einem richtigen Knaller. Wir durften einen der Jubliäumswhiskys probieren, die exklusiv zum 50. Geburtstag der Brennerei herausgekommen sind probieren. Dafür hatte Billy Walker aus dem gesamten Fassbestand 6 der besten Fässer ausgewählt und diese wurden genau 50 Jahre nach der Jungerndestillation, am 17.02. in Flaschen abgefüllt wurden. Insgesamt gab es davon nur 3.500 – 0,5 l Flaschen. Der Whisky ist ein Vintage aus 1990, also 27 Jahre und kommt  mit 54,6 % daher. Ein wirklich großer und dem Anlass angemessener Whisky. Zwischendurch erzählt uns Alasdair noch etwas zum neuen Design. Dieses wurde teilweise kritisch gesehen, da es den meisten zu modern und auch die Farbgebung recht ungewöhnlich ist. Die Darstellung der Buchstaben erinnert schon ein wenig an die Flintstones. Für das neue Logo haben sie mit einem lokalen Künstler zusammengearbeitet, der sich von den in der Nähe der Destille gefundenen Piktensteinen aus dem 11. Jahrhundert inspirieren ließ. Es gibt dazu auch einen schönen kurzen Film auf der Website der Destille. Wenn man dieses weiß, und das Glen Allachie übersetzt das Tal der Steine heißt, finde ich das Design wiederum gelungen. Aber wie immer, ist dies Geschmackssache. 

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Die Fotowand im Tastingraum

Nach diesem Highlight durften wir noch zwei weitere spannende Abfüllungen genießen. Diesmal handelte es sich um zwei Einzelfassabfüllungen, die wenn alles klappt vielleicht Ende des Jahres veröffentlicht werden sollen. Der erste war ein ca. 9jähriger Whisky, der im First Fill Moscatel gelagert wurde. Ein wundervoller Nachtisch-Whisky und was für eine süsse Bombe.  Für mich als Fan von süssen Whisky, natürlich das Highlight. Ich werde also meine Augen weit offen lassen, damit ich seine Veröffentlichung nicht verpasse. Den Abschluss bildete eine ebenfalls Singlecask-Abfüllung, nur dass diese ihre gesamte Lagerzeit in einem First Fill PX Puncheon verbrachte. Dieser war glaub so ca. 12-13 Jahre, war ein wunderbarer Sherrywhisky, kam aber an den Moscatel nicht ganz heran. 

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Der Abschlusswhisky eine Fassprobe

Zukünftig haben die Leute von Glen Allachie sehr viel vor. Neben neuen Single Cask Abfüllungen soll es auch eine Wiederbelebung von alten Blends geben, in denen früher der Glen Allachie der Leading Malt gewesen ist. Daneben experimentieren sie auch mit getorften Malz und wollen einen getorften, hochwertigen Blend entwickeln. Daneben ist auch der Aufbau eines Visitorcenters und langfristig sogar der Bau von Unterkunftsmöglichkeiten auf dem Destilleriegelände geplant. 

Es war ein rundherum gelungener Abend. Einen großen Dank gebührt Marco Bonn vom Brühler Whiskyhaus, der als vollendeter Gastgeber uns gut mit Essen versorgt hat und mit seinem Tastingraum, für einen tollen Rahmen gesorgt hat. Allein schon für diesen Raum lohnt sich jedes Tasting bei ihm. Und natürlich besten Dank an Alasdair der uns die neue Glen Allachie Destillerie kompetent und sympathisch näher gebracht hat. Ich freue mich, dass eine weitere Destille uns Whiskyfans mit leckeren Single Malt versorgt. Endlich mal wieder eine Destille, die nicht durch Konzernvorgaben gebunden und sich komplett im schottischen Besitz befindet. Ich kann Euch die neuen Abfüllungen von Glen Allachie nur wärmstens empfehlen und bin schon gespannt, was wir zukünftig noch von denen erwarten dürfen.  

Für weitere Informationen zur The Glen Allachie Distillery schaut Ihr hier

www.theglenallachie.com

Für Informationen zu Tastings, Öffnungszeiten und Angebote des Brühler Whiskyhauses findet Ihr hier:

www.whiskyhaus.de

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