Ein Destillerie-Kleinod – die Windecker Dorfbrennerei

Kennt Ihr das auch, man besucht die halbe Welt und schaut sich überall Sehenswürdigkeiten und Naturschönheiten an. Vor der eigenen Haustür dagegen kennt man nur einen Bruchteil der Attraktionen. So geht es mir auch beim Besichtigen von Destillerien oder Brauereien. Wie viele Destillen habe ich mir schon in Schottland und Irland angeschaut. Doch bei meinem Besuch auf der Cologne Spirits im März wurde ich durch Frank Ginsberg inspiriert. Er ist Besitzer und Brenner der Windecker Dorfbrennerei. Er stellte auf der Messe u.a. seinen Win Gin vor und erzählte, dass man seine Destillerie auch besichtigen kann. So nutzte ich einen freien Bückentag um eine Etappe des „Natursteig Sieg“ zu erwandern und gleichzeitig die Brennerei in Windeck zu besuchen. 

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Das restaurierte Gebäude der Windecker Dorfbrennerei

An der Adresse angekommen war ich schon mal vom Gebäude begeistert, das alte Fachwerkhaus in dem sich die Brennerei befindet ist eine Augenweide. Ein komplett saniertes Fachwerkhaus aus dem Jahre 1750  ist ein wahres Schmuckstück. Um das ehemalige Wohnhaus zu sanieren, machte Frank Ginsberg sogar eigens eine Ausbildung für Lehmarbeiten. So wurde das Gebäude von 2007 an in vier Jahren mit viel Liebe zum Detail restauriert. Das Herzstück der Windecker Dorfbrennerei ist die 200 l  Verschlussbrennanlage.

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Foto des Gebäudes vor der Sanierung

Auf dieser wird seit 2011 regelmäßig gebrannt. Ursprünglich vor allem Obstbrände, mittlerweile aber auch Gins, Rums und Whisky. Da speziell Obstbrände  zeitlich stark an die Erntezeiten gebunden sind, ergab es sich, dass Frank Ginsberg auch andere Spirituosen entwickelte. Dabei reicht die Produktrange von Geisten, Likören bis hin zu Bränden. Neben Klassikern wie Äpfeln, Birnen, Pflaumen und Mirabellen versucht er sich immer mehr an eher ungewöhnlichen Kräutern und Obsten. So hat er 2017 zum ersten Mal einen Pfefferminz- und einen Fenchelgeist hergestellt. Den letzten habe ich auch probieren dürfen, was für ungewöhnliches und intensives Aroma. Für alle Anisfans und Ouzotrinker, nach einem Schluck dieses Geistes wollt ihr nie wieder etwas anderes trinken. 

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Ein paar der leckeren Brände

Ein Highlight seiner Obstbrände ist sein Quittenbrand, wie mir Frank Ginsberg verriet. Dieser ist so konzentriert, das aus 150 kg Quitten mal gerade 1 l Alkohol entstehen. Diese sind aber dann so intensiv fruchtig, das man beim Trinken sich fühlt, als ob man in eine Quitte beißen würde. Obwohl das auf Grund der Härte schwerlich möglich ist. 

Das Hauptinteresse galt für mich natürlich dem Gin. Schon auf der Cologne Spirit durfte ich den sehr gelungenen Win Gin probieren. Nicht nur ich fand diesen Gin sehr lecker, auch bei der IWSC wurde der Win Gin 2016 mit silber prämiert. Dieser Gin, der auf einer Idee seines Sohnes beruhte ist ein wunderbar weicher Newwestern-Style Gin. Der Wacholder ist zwar merkbar, aber eher im Hintergrund. Im Vordergrund steht eine angenehme Zitrusnote, die auf die  eingesetzten Zitronen und dem Kardamom zurückzuführen sein können. In der Nase ist vor allem das Zitrusaroma im Vordergrund. Im Mund ist dann eine  angenehme Weichheit und gewisse Fruchtig- und Blumigkeit spürbar, die wahrscheinlich mit den  Lavendel und den Rosenblüten zusammenhängen. Ebenso ist eine kleine Gewürznote nach Anis im Hintergrund spürbar. Insgesamt ein sehr gefälliger Gin, der sich auch gut pur trinken eignet. 

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Die Brennanlage von oben

Daneben kam ich in den Genuss des neuesten Gins aus der Windecker Brennerei –  des Feld und Wiesen Gins. Hier ist der Name Programm, da fast ausschließlich Kräuter und Zutaten aus der näheren Umgebung zum Einsatz kamen. Insgesamt 10 Botanicals wurden hier verwendet. Erstaunlicherweise kam hier die identische Menge Wacholder wie beim Win Gin zum Einsatz. Wenn man beim Win Gin noch ein wenig Wacholder spüren konnte, sucht man ihm bei diesem Feld und Wiesen Gin vergeblich.  Puristen würden sogar sagen, dass ist gar kein Gin. Was hat dieser Gin für eine Aormenvielfalt. Zuerst ist mir der Fenchel aufgefallen, obwohl dieser den geringsten Anteil der Botanicals ausmacht. Daneben sind auch die anderen lokalen Kräuter spürbar. Er wird nicht jeden gefallen, aber mir hat er durch seine Kräuternote und seinem komplett anderen Geschmacksprofil sehr gut gefallen. Es zeigt mir mal wieder wie unterschiedlich und abwechslungsreich Gin sein kann. 

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Der zukünftige Whisky in einem alten Tullibardine Fass

Zukünftig plant Frank Ginsberg auch noch in das Brennen von Whisky und Rum einzusteigen. Dabei arbeitet er beim Whisky mit einem befreundeten Brauer aus dem Nachbarort zusammen. Die ersten Fässer sind auch schon gefüllt und der Whisky soll im Dezember 2020 probiert werden können. 

Die Dorfbrennerei in Windeck ist eine absolute Empfehlung, sowohl was ihre Produkte als auch die Brennerei als solche angeht. Frank Ginsberg der größtenteils allein die Brennerei betreibt hat mich mit seiner Begeisterung für seine Produkte und seiner Kreativität in Sachen Weiterentwicklung und ausprobieren neuer Ideen sehr beeindruckt und man kann ihn nur weiter so tolle Spirituosen wünschen. 

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Der Brennmeister Frank Ginsberg

Die Brennerei ist Dienstag – Freitag von 15.00 -18.00 Uhr und Samstag von 08.00 – 12.00 Uhr geöffnet. Sie liegt im Ortsteil Roßbach gelegen und kann so auch per Zug besucht werden. 

Wer mehr über die Brennerei und die Spirituosen erfahren möchte, kann dies unter 

http://www.windecker-dorfbrennerei.de/index.php  tun. 

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