Experimente mit Cocktailklassikern

Letzte Woche war der Barkonvent in Berlin. Daher dachte ich mir, es wird mal wieder Zeit für ein paar neue Cocktailrezepte. Wie Ihr bestimmt schon gemerkt habt, bin ich bei meiner Cocktailauswahl eher an den Klassikern orientiert. Ok vielleicht abgesehen von den Klassikern aus den 80er. Allein die Tatsache, dass diese alten Rezepte auch noch nach so langer Zeit gemixt werden, spricht für ihre Qualität. Abgesehen davon bieten sie wunderbare Anekdoten und Geschichten über ihre Entstehung, die bei jeder Party einen guten Gesprächsstoff liefern. Auf der anderen Seite probiere ich aber auch gern aus. So reizt es mich dann doch, diese ab und zu ein wenig anzupassen oder die eine oder andere Zutat mal auszutauschen. Daher soll es in den heutigen Beitrag um ein wenig angepasste Klassiker gehen.

Beginnen möchte ich mit dem Moscow Mule, dessen leicht säuerliche, scharfe Zusammensetzung mir ganz gut schmecken. Ich bin nur nicht so der Fan von Wodka bzw. Wodkacocktails. Eine Abwandlung hatte ich hier im Blog sogar schon vorgestellt, den Gin Gin Mule von Audrey Saunders. Aber es gibt noch andere Formen des Mules, die je nach Zutat nach der passenden Stadt benannt werden. Ein bekannter Vertreter ist der Glasgow Mule. Dieser enthält, wer hätte es gedacht, Whisky anstatt Wodka. Im Rezept von Greg Henry wird klassischer Blended Whisky verwendet. Ich habe ihn sowohl mit einem rauchigen Islay Whisky, als auch mit einem irischen Whisky probiert. Den Islay Mule fand ich nicht so gelungen, da der Rauch und die Limette nicht so gut gepasst haben. Daher habe ich einen Dublin Mule geshaket. Die Version mit einem irischen Whiskey fand ich gut gelungen.

Der Dublin Mule

Der Dublin Mule

Dublin Mule Rezept angepasst nach Greg Henry:

6cl – Blended Irish Whiskey  – ich habe einen 13  jährigen von Cadenheads verwendet

2cl – frischer Limettensaft

1,5cl – Hollunderblütensaft

12cl – Ingwerbier

Alle Zutaten bis auf das Ingwerbier in den mit Eis gefüllten Shaker. Die Zutaten für ca. 30 Sekunden kräftig shaken. Dann in einen Tumbler abseihen. Mit Ingwerbier auffüllen und Eis dazu geben.

Bei unseren nächsten Klassiker wird nicht die Basisspirituose sondern eine wichtige Zutat verändert. Im weitesten Sinne ist es eine Abwandlung von Herrn Meyers Gin Basil Smash. Aber eigentlich nur auf den Namen bezogen. Nur das ich kein Basilikum, sondern Gurke verwendet habe. Ich mag die Mischung Gin und Gurke sehr gern. Ich erwähne da nur den guten Gin&Tonic mit Hendriks oder Martin Millers Gin und dazu Gurke – was eine leckere und frische Kombination. Aber da kann man doch bestimmt noch weiter gehen. Und da bin ich über den Gin und Cucumber Smash gestolpert. Obwohl man eigentlich nicht direkt von einer Anpassung Gin Basil Smash reden kann, da es eher eine Erweiterung eines klassischen Martinis darstellt. Es gibt unterschiedliche Varianten häufig auch mit Holunderblütenlikör. Ich habe die Version von Robert Dahni übernommen.

Cucumber und Gin Smash Rezept:
6 cl Gin
1,5 cl süsser Wermut
1,5 cl Zitronensaft
1,5 cl Zuckersirup
5 dünne Scheiben Gurke

Zuerst füllt man alle Zutaten in einen Shaker. Dann muddelt man die Gurken ordentlich. Anschließend gibt man Eiswürfel dazu und shakt alles. Das Ergebnis dann in gekühlte Tumbler abseihen. Und natürlich dann noch zwei Gurkenscheiben als Deko ans oder ins Glas. Und Ihr habt einen wunderbar erfrischenden Drink.

Der Whiskey Rebellion

Der Whiskey Rebellion

Und auch einer meiner Lieblingsdrinks muss dran glauben – der gute alte Manhattan – hier noch der Link zum Original. Die von mir vorgenommene Anpassung ist im Internet häufig unter dem Begriff Whiskey Rebellion zu finden. Verglichen zum Original ist es nur eine sehr kleine, aber wie ich finde feine und leckere Anpassung. Denn zusätzlich zum Wermut kommt noch der Punt e Mes dazu. Und für eine frischere Note verwende ich anstatt Angostura Bitter einen Orange Bitter ein.

Die Zutaten für den Whiskey Rebellion

Die Zutaten für den Whiskey Rebellion

Whiskey Rebellion Rezept:

4,5 cl Bourbon – ich habe den Elaih Craig verwendet

1,5 cl Punt e Mes

1,5 cl Antica Formula Wermut oder wer möchte auch den Noilly Prat

3 dashes Orange Bitter – ich habe das Bitter Truth Orange Bitter verwendet

Hier wird wie beim Manhattan auch nicht geshakt. Sondern die gesamten Zutaten auf Eis kalt gerührt. Dann seiht man den Cocktail in einen vorab gekühlten Martini-Spitz ab. Ich sage vorab er ist durch die beiden Wermuts schon recht bitter.

Drinklabor_Klassiker_abgewandelt5Und zum Schluss eine Abwandlung eines Klassikers bei dem der Klassiker schon eine Abwandlung war. Als ich von dieser Geschichte las, dachte ich mir, wenn einer hierher gehört dann der. Und zwar geht es um den heute schon fast vergessenen Gin Daisy. Dieser war in der Vorprohibitionszeit in den USA sehr weit verbreitet. Von den USA hat er sich nach Mexiko ausgebreitet. Dort hat man den Gin, durch den vorherrschenden Tequila ersetzt und die Zitrone durch die mexikanische Limette. Und was bekam man den oder die Margarita. Lustigerweise ist Margarita auch die spanische Übersetzung von Daisy. Und so entstammt der Klassiker Margarita von einem anderen, heute fast vergessenen Klassiker ab. Wobei ich auch hier eine kleine Abwandlung des Originals vornehme. So enthielt das Originalrezept der Daisy auch Gum Sirup. Dies ist im Prinzip nichts anderes ein normaler Zucker-Sirup, dem Gummi arabicum zugesetzt wurde. Dies sollte dazu führen, dass der Zucker im Sirup nicht wieder kristallisiert und angeblich für ein etwas weicheres Mundgefühl sorgen. Außerdem habe ich auch noch den Orangenlikör durch Grenadine ersetzt.

Original Gin Daisy Rezept: 

2 oz Aviation American Gin
1 Teaspoon Gum syrup
1.5 Teaspoon Orange cordial
0.75 oz Freshly pressed lemon juice

Da ich gerade keinen mit Gummi versetzten Sirup in meiner Hausbar hatte, fand ich ein anderes Rezept – quasi eine Alternativ Gin Daisy. Dabei wurde auch das Magaritha Verhältnis von 2:1:1 berücksichtigt.

Die Zutaten für eine abgewandelte Gin Daisy

Die Zutaten für eine abgewandelte Gin Daisy

Abgewandeltes Gin Daisy Rezept:

  • 4cl Gin – ich habe den Gansloser Black Gin verwendet
  • 2cl Zitronensaft
  • 2cl Grenadine
  • 5cl Sodawasser

Hier kommen der Gin, der Zitronensaft und der Grenadine in einen mit Eis gefüllten Shaker. Das Ganze ordentlich shaken, bis der Shaker angelaufen ist. Dann die Flüssigkeit in ein mit Eis gefüllten Tumbler abseihen. Das Ganze dann entsprechend mit Sodawasser auffüllen. Ich habe diesen Cocktail meiner Herzallerliebsten serviert und sie war sehr begeistert. Ggf. kann man auch noch ein cl Gin mehr dazu geben oder beim Grenadine einen 1/2 cl weniger. Insgesamt kommt der Grenadine doch recht stark durch.

Viel Spaß beim selbst ausprobieren. Wichtig ist immer, dass es Euch schmeckt. Probiert einfach ein wenig rum. Dabei geht auch manchmal was schief, aber das gehört dazu. Auf der anderen Seite entdeckt man dadurch vielleicht auch seinen Lieblingsdrink. Also fröhliches experimentieren.

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Eingeordnet unter Cocktails, Gesüsste Spirituosen, Im Labor, Old Fashioned, Sirup, Sours

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