Bier Leben – von Oliver und Julia Wesseloh – eine literarische Liebeserklärung an das Craftbeer

Drinklabor_BücherHeute möchte ich über eine Liebeserklärung an die neue Form des Biergenusses sprechen. Ein wunderbares Buch über die Craftbeerszene oder soll ich besser Kreativbierszene schreiben. Wer wäre da besser als Autor bzw. Coautor geeignet als das Enfant terrible unter den Craftbeerjüngern – Oliver  Wesseloh. Was findet man nicht alles für Bezeichnungen für ihn, den Gründer der Kehrwieder Kreativbrauerei, der Weltmeister der Biersomiliere, den Bierbrauer oder deutscher Craftbeerpabst. Er und seine Frau Julia haben im Herbst 2015 das Buch „Bier leben“ veröffentlicht. Wobei wohl auf Julia Wesseloh die Hauptaufgabe zu kam, die ganzen Ideen, Erlebnisse und Vorstellungen ihres Mannes zu strukturieren und auch noch lesenswert aufzubereiten. Und ich finde es ist ihr gelungen.

Als kleiner Gag am Rande erschien das Buch passend am 31.10.2015 dem Reformationstag. Und ähnlich wie Luther damals mit seinen 99 Thesen die verkrustete katholische Kirche reformieren wollte, hat man manchmal das Gefühl, das die Autoren hier mit ihren Thesen das Deutsche Reinheitsgebot und den Deutschen Brauerbund wenn nicht reformieren, so doch verändern will. Aber jetzt erwartet kein missionarisches Buch. Es ist Ihnen quasi mit hanseatischen Understatement gelungen, Ihre Faszination für die neue Bierwelt darzulegen ohne einen mit aller Macht davon zu überzeugen. Dies ist ja leider nur noch selten zu finden, da bei allen Hypethemen gefühlt immer nur noch ein dafür oder dagegen gibt.

Drinklabor_BierlebenFür mich ein sehr lesenswertes Buch in das Oli Wesseloh viel seiner subjektiven Einschätzungen zu Märkten, Bieren und Entwicklungen wiedergibt. Ein zentraler Bestandteil des Buches ist, dass er weg will von dem aus den USA übernommenen Begriff „Craftbeer“ hin zu einem neuen Begriff nämlich „Kreativbier“. Diese Begriff wird nicht über die Menge, sondern über vier Kriterien definiert: Inhaberführung, Transparenz, Vielfalt und Natürlichkeit. Und auch das Thema des sogenannten „Reinheitsgebotes darf natürlich nicht fehlen.

Da Buch zeigt auch schön, die enge Verbundenheit unter den Craftbeerbrauern. Denn man merkt das er fast alle aus der Szene persönlich kennt. Auch lockert er sein Buch zwischendurch mit Interviews unter der Überschrift ein Bier mit auf. Dort tauchen sowohl die „Großen“ des internationalen Craftbeermarkets, wie James Watt von Brewdog, Sam Calagione von der Dogfish Head oder Ken Grossman von Sierra Nevada Brauerei auf. Aber auch ein Bierblogger, die Leiterin der Hopfenakademie, ein Bierjournalist und andere kommen  zu Wort.

Im ersten Teil beschreibt er zuerst die unterschiedlichen Märkte in Europa und wie sie sich entwickelt haben. Danach geht es über den großen Deich zur Keimzelle der Craftbeerbewegung. Nach einem kurzen internationalen Blick konzentriert er sich auf Deutschland und hier auf eine Auswahl wichtiger Craftbeerbrauer. Dabei wird immer der Brauer der hinter der Marke und der Brauerei steht in den Vordergrund gestellt und deren Werdegang wiedergeben. Dabei konnte ich feststellen, dass ich im Rheinland quasi aus der Geburtsregion der deutschen Bewegung komme. Mit Fritz Wülfings von Ale Mania aus Bonn, der damals 2007 das erste deutsche IPA abfüllte (damals noch als Fitz Ale) oder Peter Esser von der Kölner Braustelle der schon 2002 erste Kreativbiere in seiner Kneipe anbot.

Ab der Mitte des Buches widmet er sich dem Bier als solchem und seinen Zutaten. Wobei natürlich dem Hopfen eine besondere Würdigung zu teil wird. Hier kommt der Brauer und sein Wissen um die Wichtigkeit der richtigen Zutaten und Qualitäten in den Vordergrund. Und ich habe doch noch so einiges gelernt. Und natürlich wir nicht nur Hopfen, Malz und Hefe behandelt, sondern auch Früchte, Gewürze und Kräuter. Im Anschluss wird die gesamte Bierherstellung ausführlich beschrieben. Im hinteren Teil beschäftigt er sich mit der Biervielfalt und den unterschiedlichen Bierstilen. Daran anschließend kommt der Biersommilier zum Einsatz und das richtige Bierverkosten wird ausführlich beschrieben. Und zum Ende gibt es auch noch eine kleine Einführung ins Heimbrauen. Das dies natürlich nur ein kurzer Anriss ist und eine ausführliche Anleitung nicht ersetzt sollte selbsterklärend sein.

Für Bierliebhaber schon fast ein Muss und für Craftbeerfans erübrigt sich die Frage. Ich empfand es extrem lesenswert, sehr zurückhaltend und sehr bildend. Hier kann ich nur eine Empfehlung aussprechen.

 

Oliver und Julia Wesseloh
Bier Leben – Die neue Braukultur
240 Seiten
Rowohlt Taschenbuch Verlag 2015
ISBN 978-3-499-62946-4

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Ein Kommentar

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