The Way to Islay – 3. Teil – Kilchoman und Bruichladdich

Drinklabor_ Islay3.Tag1Nach einer wirklich stürmischen Nacht, erfrischt aufgewacht. Obwohl mich Jim gleich aufklärte, dass es sich nur um ein laues Lüftchen gehandelt hat. Sturm würde sich anders anfühlen. Wieder ein leckeres Frühstück und den tollen Ausblick genossen. Jim den ich immer mehr ins Herz geschlossen habe, bot sich an, mich nach Bruichladdich zu fahren. Dann sagte er, dass er noch ein wenig Zeit hat und mir noch ein/zwei nette Plätze zeigen wollte. Zuerst machten wir einen Stopp am Islayhouse. Das ist ein hochherrschaftliches Haus mit einigen Wirtschaftsgebäuden wie Ställen und Lagerhäusern drum herum. Das Haus als solches ist mittlerweile von Amerikanern übernommen worden, die es als B6B für zahlungskräftige Gäste betreiben. Und in den Ställen und Scheunen haben sich verschiedene Künstler, kleine Handwerkskunstläden und Shops angesiedelt. Dort befindet sich auch die einzige Brauerei auf Islay. Das IslayAle wird seit ca. 12 Jahren dort gebraut. Sie überlegen aber noch anzubauen, da sie langsam an ihre Grenzen stoßen. Ich durfte oder musste gleich noch 3 Biere probieren. Speziell die Whiskybiere fand ich spannend. Wobei ich das Kilchoman Pale Ale als er gewöhnungsbedürftig empfand. Es schmeckte, besonders ungekühlt, wie frisch aus den Maischebottich einer der Islaybrennereien abgefüllt. Dagegen war das Islay Kilchoman Dark ein schönes dunkles Porter oder Stout mit einer kräftigen Rauchnote – absolut empfehlenswert. Der direkt daneben liegende Marmeladenladen der u.a. sehr leckere Whiskymarmeladen herstellt, war leider noch geschlossen. Dafür versprach mir Jim mir morgen zwei unterschiedliche Whiskymarmeladen zum probieren zu geben.

Drinklabor_Islay3.Tag_2Dann ging es weiter auf einer wirklich spannenden Singletrackroad nach Kilchoman. Die kleinste und jüngste der Islay Destillen sieht von weitem wirklich aus wie eine Farm. Und als Farmdestille vermarkten sie sich ja auch. Kilchoman ist eine von drei Destillen, die noch einen eigenen Maltingfloor besitzen. Und sie sollen ihr gesamtes Getreide auch vor Ort anbauen. Leider hatten wir nur Zeit für den Shop und ein paar Fotos von außen. Für so eine kleine Destille hatten Sie doch einen recht großen Shop. Außerdem war im hinteren Bereich auch noch ein kleines Cafe angeschlossen. Ich habe die 10 Anniversary Abfüllung probiert. Schon ein ganz schöner Rauchhammer. Aber 88 Pfund für einen 7 jährigen fand ich schon recht ambitioniert. Hier bekamen wir wieder ein schönes Beispiel des Islaywetters. Wir kamen bei Sonnenschein an, gingen in den Shop und in dem Moment hörten wir schon die heftige Regenschauer auf das Dach klatschen. Und als wir rauskamen, war bis auf die Pfützen nichts mehr von dem Regen zu merken.  Lustiges schottisches Wetter – wie sagte damals mein erster B&B Gastgeber in Schottland. Dir gefällt das Wetter nicht, warte 10 Minuten.

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Dann ging es weiter nach Bruchladdich. Jim sagte, dass wir vorab noch einen Kaffee trinken müssten. Da hier einer der besten Kaffees von ganz Islay gebrüht wird. Dazu gingen wir in den local Communityshop – der gleichzeitig ein kleines Cafe ist. Ich liebe ja solche Orte. Die Stühle waren wirklich alle mit Locals besetzt. Es ist wirklich das kulturelle Zentrum in Bruichladdich und der Platz sich über die aktuellen Neuigkeiten auszutauschen. Und der Kaffee war dazu auch noch fantastisch. Dann verabschiedete ich mich von Jim. Und sah ihn 3 Minuten später wieder, da er durch Zufall  seine Cousine getroffen hat, die bei Bruichladdich arbeitet. Zuerst mussten natürlich die berühmten Bruichladdichfässer fotografiert werden. Dann ging es auf den Destillenhof. Was zuerst auffällt, hier ist wirklich fast alles in Türkis gehalten. Sogar der Tankwagen ist türkis angemalt. Das ganze setzte sich auch in der Destille und dem Desitllerieshop fort. Unsere Führerin meinte, man sollte nich zu lange an einem Platz stehen bleiben, da man sonst auch türkis angemalt werden würde. Angeblich soll bei Mark Reyniers (hat die Destille Anfang der 2000er Jahre wieder gegründet) erstem Besuch bei Bruichladdich, die Sonne so auf das Meer  geschienen haben, das es Türkis leuchtete. Und so hat er diese Farbe für alles – sogar die Flaschen verwendet. Der Shop mit einem gemütlichen Wartebereich war recht groß. Da ich noch ein wenig Zeit bis zu meiner Führung hatte, schaute ich mir noch ein wenig Bruichladdich und die Umgebung an. Dann begann die Führung. Wir waren mit unserer Führerin Cassey zu viert. Es war eine spannende Führung, da viel der Einrichtung noch aus den Anfangstagen von 1880 besteht. Cassey legte Wert darauf, dass hier nur schottische Gerste verwendet wird und 40 % davon sogar von Islay kommt. Außerdem sagte sie uns, dass sie kurzfristig auch wieder einen eigenen Maltingfloor planen. Besonders spannend fand ich die Ugly Betty – dies ist eine alte Brennblase mittels derer jetzt der berühmte Botanist Gin gewonnen wird. Ursprünglich war sie als Whiskybrennblase gedacht und man konnte den Brennblasenkopf abnehmen. Es soll von dieser Art nur 4 Stück gegeben haben. Und der daraus destillierte Whisky soll auch nicht wirklich gut geschmeckt haben. Aber jetzt auf ihre alten Tage erlebt sie als Ginbrennblase einen zweiten Frühling. Obwohl nur 6-10 mal pro Jahr dort wirklich Gin destilliert wird. Interessant war dann auch die Flaschenfüllanalage, die glaub ich einmalig auf Islay ist. So wird alles hier vor Ort gemacht. Nicht nur die Produktion, auch die Lagerung und die Abfüllung in Flaschen. Dadurch arbeiten auch z.Zt. 78 Mitarbeiter bei Bruichladdich und die Destille ist dadurch auch der größte Arbeitgeber vor Ort. Und die Arbeit wird erstmal nicht ausgehen. Seit der Übernahme durch Remy Cointreau soll sich die produzierte Menge an Whisky verdoppelt haben.

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Dann ging es zurück in den Shop und es ging weiter mit der Warehoustour. David übernahm von Cassey und ich bekam noch zwei neue Mitstreiter. Ein Paar aus Irland und wir verstanden uns wirlich super. Es ging in eines von insgesamt 15 Warehouses. Das hat zwar immer total viel Atmosphäre, aber gerade im kühlen Herbst ist es nicht der beste Ort zum Tasten. Noch dazu, da an den Fenstern nur ein Drahtgitter war, zog es doch ordentlich. Da musste dann der Whisky wärmen. Wie uns David verriet, waren wir seine bisher kleinste Gruppe – normalerweise sitzen sie hier teilweise mit 20 Leuten. Vor uns lagen 3 Fässer und wir durften uns wieder durchprobieren. Natürlich mussten wir raten, was wir wohl im Glas hatten. Das erste Fass war schon der Hammer und wir lagen mit unserer Altersschätzung sowas von daneben. Es stellte sich als ein 26 Jahre alter Bruichladdich aus dem Bourbonfass heraus. Selten soviele Schokonoten in einem Bourbonwhisky geschmeckt. Dann ging es weiter zu einem 12 Jahre alten Port Charlotte aus dem Oloroso Fass. Das war ursprünglich von einem Norwegischen Whiskyclub gekauft worden, die es aber dann doch nicht wollten. Wir konnten gar nicht verstehen warum. Auch konnten wir David nicht überzeugen es uns zu überlassen, da es wirklich das Highlight des Tastings war. Danach kam aber noch eine Überraschung. Wir bekamen den bisher ältesten Octomore zu trinken. Dieser 10 jährige war 5 Jahre im Bourboncask um dann noch 5 Jahre im Sherrybutt zu lagern. Und obwohl er 159 ppm mitbrachte, war er alles andere als ein Torfmonster. Leider waren die Fässer nur für die Warehousetour gedacht, so dass man diese auch nur dort probieren und auch nicht käuflich erwerben konnte. Da es mittlerweile 16.30 Uhr war, gab es natürlich keinen Bus mehr. Da die beiden Iren aber so und so nach Port Ellen mussten, baten sie sich an, mich bis Bowmore mitzunehmen.

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Dort suchte ich das Bowmore Hotel auf. Ich hatte Lammkotlett. War insgesamt ok, hatte aber schon bedeutend besseres gegessen. Da das Wetter noch gut aussah und ich noch ein wenig die Beine vertreten wollte, entschied ich mich zu Fuß zum B&B zu gehen. Wie schon so häufig hier auf Islay täuschte die ursprüngliche Trockenheit und nach 500 m fing es mal wieder heftig zu regnen an. Auf halber Strecke kam mir ein Auto entgegen und es hielt. Es war Jim der gerade die Freundin seiner Tochter nach Hause bringen wollte. Er hat mich sofort ins Auto geladen, gedreht und zum Haus gefahren. Den Abend habe ich mich noch Nett mit dem Paar aus Nottingham unterhalten und noch ein leckeres Islay Ale getrunken. Und schon wieder war ein erlebnisreicher Tag auf Islay vorbei.

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