Pisco eine unterschätzte Spirituose – Einführung

Drinklabor_Pisco

Heute will ich mich mit einem Geheimtipp der Spirituosenwelt auseinandersetzen – dem Pisco. Dieser wird in seinen Heimatländern Peru und Chile als Nationalgetränk betrachtet, führt aber bei uns nur ein Schattendasein. Ich bin das erste Mal mit dieser Spirituose auf einer Reise durch Chile Anfang der 2000er Jahre in Berührung gekommen. Trotz meiner anfänglichen Skepsis speziell Weinbränden gegenüber, fand ich ihn recht ansprechend. In Chile und Peru ist das Thema des besten Piscos ein heikles Thema. Es gibt einen ewigen Streit zwischen den beiden, wer den nun den besseren bzw. echten Pisco herstellt. Ich halte mich da lieber neutral. In Deutschland ist der Pisco, mal abgesehen von Südamerikanern bzw. Südamerika Reisenden überwiegend unbekannt. Ab und zu findet man ihn in gut ausgestatteten Cocktailbars – häufig in Form des Klassikers  „Pisco Sour“ – und das war es dann meistens. Was wirklich schade ist, da er doch eine ziemliche Bandbreite an Geschmacksausprägungen bietet und auch super pur genossen werden kann. Ein Tipp für die Bonner Leser: das Restaurant Peru departumare!  bietet eine gute Auswahl an Piscos und Cocktails.

Aber was ist Pisco überhaupt? Es ist ein Traubendestillat, das ausschließlich aus Trauben (ohne Stiele) gepresst wird. Im Unterschied dazu wird Grappa z.B. aus Trester gebrannt. Man könnte ihn also als Weinbrand bezeichnen, wobei der Pisco im Gegensatz zu diesem nicht in Holzfässern gelagert wird. Obwohl es auch hier bei einigen chilenischen Piscos Ausnahmen gibt. Besonders beim peruanischen Pisco gibt es ziemlich genaue Vorgaben was ein Pisco enthalten darf und wie er hergestellt wird. So darf der Pisco nur aus 8 festgelegten Traubensorten destilliert werden. Diese werden in aromatische (aromatico) Sorten (Moscatel, Torontel, Albilla und Italia) und weniger aromatisch (non aromatico) Sorten (Negra Criolla, Quebranta, Mollar und Uvina) unterteilt. Aus diesen unterschiedlichen Traubensorten werden wiederum drei verschiedene Pisco Arten hergestellt.

So gibt es den Pisco Puro, bei dem die Trauben sortenrein sein müssen, d.h. es kann bis zu 8 verschiedene Puros geben. Daneben gibt es die Kategorie Pisco Acholado der quasi ein Cuvée verschiedener Traubenarten darstellt. Hier können die Trauben schon als Most oder erst als Destillat gemischt werden. Die dritte Sorte ist der Pisco Mosto Verde. Hier ist der Unterschied, dass der Pisco schon vor der Komplettvergärung des Traubenzuckers destilliert wird. Das bedeutet, das der nur teilweise vergorene Traubenfruchtzucker mit in die Destallieranlage kommt, was zu einem süßeren und aromareicheren Endergebnis führt. Und um Euch nun ganz zu verwirren, kann der Mosto Verde sowohl rein als auch als Cuvée angeboten werden. Ihr könnt Euch also durch eine riesige Anzahl unterschiedlicher Arten durchprobieren.

So genug der Kategorisierung. Wie schmeckt er denn nun? Es gibt je nach Traubenart und Sorte natürlich ganz unterschiedliche Geschmacksmuster und Qualitäten. Ich habe mir diesmal etwas besonderes gegönnt und mir einen Mosto Verde rein aus Italia Trauben vorgenommen. Und ich muss sagen er hat mich sehr überrascht, speziell wo ich eigentlich nicht so der große Weinbrandfan bin. Zum Probieren habe ich mir einen Barsol Supremo Mosto Verde Italia ausgewählt. Dieser ist zwar ein wenig teurer, verglichen aber mit guten Grappa oder Brandy noch recht preiswert.

In der Nase vermutet man schon fast einen Sherry. Sogar Holzaromen meine ich wahrgenommen zu haben. Woher diese kommen sollen, keine Ahnung. Daneben eine gute Fruchtnote, wenn auch ein wenig wie überreife Weintrauben. Auch eine gewisse Muffigkeit kann man erriechen. Von der Nase nicht wirklich der Überflieger. Aber am Gaumen da macht er richtig Spaß. Sehr schön eingebundener Alkohol – kein Vergleich zu manch ruppigen Grappas. Eine wunderbare  Traubensüße mit einem Hauch von Marzipan. Und was für ein langer Abgang der bei mir ein wenig Assoziationen an Gummibärchen hervorrufen hat. Ein sehr schöner Tropfen der fast schon zu schade für einen Cocktail ist. Aber auch beim Cocktail sollte man wert auf ein gutes Ausgangsmaterial legen. Und da weiß dieser Pisco sicher zu überzeugen. Was Ihr mit Pisco neben dem Pur trinken noch machen könnt, werde ich Euch bei der Fortsetzung dieser kleinen Serie mitteilen. In diesem Sinn stoße ich mit einem Pisco auf Euch an  – Salud!

 

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Ein Kommentar

Eingeordnet unter Cocktails, Pisco, Sours, Spirituosen, Tastings, Weinspirituosen

Eine Antwort zu “Pisco eine unterschätzte Spirituose – Einführung

  1. hennesthecook

    Ohhh Freitag ist Unabhängigkeitstag in chile das bedeutet pisco sour ❤

    Gefällt mir

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